Newsindex
Das neue Casino füttert das Finanzamt
Medium: Neue Westfälische
Datum: 24. 1. 2000
Erstmals über zwei Milliarden DM eingenommen

VON STEFAN KOCH

Bad Oeynhausen. Um ein Fünftel des bisherigen steigerte das Finanzamt Minden seine Einnahmen. Damit bilanzierte der Fiskus erstmals über der Zwei-Milliarden-Marke. Hauptgrund der - aus seiner Sicht erfreulichen - Entwicklung: Einkommensteuerzahler mussten etliche Millionen zusätzlich berappen.

Mit fast 379 Millionen Mark Steuermehreinnahmen erzielte das Finanzamt Minden im vergangenen Jahr ein Aufkommen von exakt 2 181 018 264 Mark. "1990 wurden wir in den Club der Milliardäre aufgenommen - knapp zehn Jahre später ist es nun zu einer Verdopplung gekommen", so Kassenleiter Eckhard Urbat.

Eine Steigerung von 21 Prozent und damit Platz eins beim Zuwachs in Ostwestfalen-Lippe verzeichnen deshalb die Mindener 1999.

An ihrer im vergangenen Jahr eingebrachten Geldmenge gemessen sind sie an dritter Stelle. Unter den 51 Ämtern im Oberfinanzbezirk Münster haben die Platz sieben.

Doch von nichts kommt nichts: Weil das Spielcasino in Bad Oeynhausen im September in den Werrepark zog und dort noch mehr Gäste lockte, stiegen die Einnahmen fürs Finanzamt von 27 auf 36 Millionen Mark an. 80 Prozent von jeder Zocker-Mark gehen nämlich an den Fiskus. Mehreinnahmen in Höhe von 26 Millionen gab's auch bei der Lohnsteuer - dem Hauptstück im großen Kuchen des Aufkommens. Den meisten Zuwachs 1999 machte die Einkommensteuer aus.

"Im nächsten Jahr wird sich das aber nicht wiederholen", so die Auskunft von Jürgen Junker, dem Leiter des Mindener Finanzamtes. Ob dieser einmalige Zufluss durch Umzug potenter Steuerpflichtiger zu Stande kam? Ob Unternehmen in großem Ausmaß nachversteuern mussten? Darüber liegt das Steuergeheimnis.

"Die Mehreinnahmen an Einkommensteuer könnten bei einem Konjunkturforscher den Eindruck erwecken, dass sich die Unternehmensgewinne verdreifacht hätten", so Junker.


Newsindex