Staatsanwaltschaft ermittelt seit halbem Jahr
Hannover (AP). In der Spielbank im niedersächsischen Hittfeld sollen Croupiers,
Aufsichtsbeamte und Profispieler aus dem Rotlichtmilieu Millionenbeträge
ergaunert haben. Aufsichtsbeamte der Bezirksregierung Hannover und die
Staatsanwaltschaft Lüneburg ermitteln deshalb seit mehr als einem halben Jahr,
wie der Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums, Jürgen Wittenberg, am
Wochenende bestätigte.
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" schrieb, die Bande habe mit einem
manipulierten Roulettekessel, frisierten Abrechnungen und Jeton-Tricks mehr als
2,5 Millionen Mark in eigene Taschen gespielt. An den Betrügereien seien etwa
15 Mitarbeiter und staatliche Aufseher des Casinos beteiligt gewesen. Ein
früherer Mitarbeiter, der die Betrügereien aufzudecken geholfen habe, werfe der
Aufsichtsbehörde und Geschäftsführung der 1990 verstaatlichten Spielbank
vor, trotz zahlreicher Hinweise jahrelang versagt zu haben.
Ministeriumssprecher Wittenberg sagte demgegenüber, die Ermittlungen seien nicht
recht vorangekommen, weil Hinweise oftmals spekulativ gewesen seien oder auf
Gerüchten beruht hätten. Ausgangspunkt der Ermittlungen sei ein ständig
abnehmender Bruttospielertrag gewesen, der nach den Gesetzen der
Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Unregelmäßigkeiten habe schließen lassen. Das
niedersächsische Landeskriminalamt habe bei der Untersuchung eines
Roulettekessels schließlich festgestellt, dass dieser manipuliert gewesen sei.
An dem Kessel sei ein Trennsteg zwischen den Zahlenfeldern erhöht gewesen.
Das Innenministerium habe aus den Ermittlungen, über die auch in dem Medien
berichtet worden sei, nie ein Geheimnis gemacht, betonte Wittenberg.
Dem "Spiegel" zufolge wurden an dem Roulettekessel gleich mehrere Trennstege
erhöht, um die Spielkugel auf bestimmte Zahlenfelder zu lenken. Außerdem seien
in Hittfeld Jeton-Schieber, so genannte Poussateure, geduldet worden, die
Spielchips am Handballen befestigen, um sie nach dem Fall der Kugel auf die
richtigen Zahlenfelder zu mogeln.
Nun ist laut "Spiegel" zu klären, ob und wie weit führende Manager der
landeseigenen Spielbanken Niedersachsen GmbH in die Gaunereien verwickelt
waren. Durch diese seien Land und Kommunen um mehr als zwei Millionen Mark aus
der staatlichen Spielbankenabgabe geprellt worden, hieß es.