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Verhängnisvolles Doppelleben
Medium: Westdeutsche Zeitung
Datum: 12. 06. 2001
Willich/Tönisvorst Von Werner Dohmen

Willich. Seit Dienstag muss sich ein 26-jähriger Willicher wegen Mordes an einem schwerbehinderten Freund vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Laut Anklage hatte sich der gebürtige Vietnamese von seinem in Neckargemünd lebenden Opfer 10 000 Mark geliehen und heimlich beim Spielen verprasst.

Als der an den Rollstuhl gefesselte 34-jährige Biologe sein Geld zurückforderte, sei er von dem Angeklagten im September 2000 mit zahlreichen Messerstichen getötet worden, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt.

Der Angeklagte führte laut polizeilichen Ermittlungen ein Doppelleben. Freunden und Familie machte er weis, dass er jeden Tag zur Arbeit gehe, während er sich in Wahrheit in Spielhallen herumtrieb und dabei beträchtliche Schulden machte.

Die Familie seines Opfers kannte der 26-Jährige seit vielen Jahren. Seine Schwester war nämlich mit dem später Ermordeten liiert. Die junge Frau war es auch, die die Polizei alarmierte, als ihr Freund zu einer Verabredung in Heidelberg nicht erschien und auch nicht telefonisch zu erreichen war.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Nachwuchswissenschaftler offenbar seine 10 000 Mark zurückhaben wollen. Der Angeklagte befürchtete deshalb offenbar, dass sein Scheinleben auffliegen könnte.

Am Tattag habe der Angeklagte sich von einem Bekannten nach Neckargemünd fahren lassen, so die Staatsanwaltschaft. Während der Bekannte im Auto wartete, habe der 26-Jährige seinem wehrlosen Freund in dessen Wohnung mindestens 16 Stiche versetzt, bis dieser aus dem Rollstuhl fiel.

Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt. Die Verteidigung beantragte jedoch, diese Aussagen vor Gericht nicht zuzulassen, weil die Kripo die Kontaktaufnahme mit der Anwältin behindert habe.


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