Willich/Tönisvorst
Von Werner Dohmen
Willich. Seit Dienstag muss sich ein 26-jähriger Willicher wegen Mordes
an einem schwerbehinderten Freund vor dem Landgericht Heidelberg
verantworten. Laut Anklage hatte sich der gebürtige Vietnamese von
seinem in Neckargemünd lebenden Opfer 10 000 Mark geliehen und
heimlich beim Spielen verprasst.
Als der an den Rollstuhl gefesselte 34-jährige Biologe sein Geld zurückforderte,
sei er von dem Angeklagten im September 2000 mit zahlreichen Messerstichen
getötet worden, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt.
Der Angeklagte führte laut polizeilichen Ermittlungen ein Doppelleben. Freunden
und Familie machte er weis, dass er jeden Tag zur Arbeit gehe, während er sich
in Wahrheit in Spielhallen herumtrieb und dabei beträchtliche Schulden machte.
Die Familie seines Opfers kannte der 26-Jährige seit vielen Jahren. Seine
Schwester war nämlich mit dem später Ermordeten liiert. Die junge Frau war es
auch, die die Polizei alarmierte, als ihr Freund zu einer Verabredung in Heidelberg
nicht erschien und auch nicht telefonisch zu erreichen war.
Laut Staatsanwaltschaft hatte der Nachwuchswissenschaftler offenbar seine 10
000 Mark zurückhaben wollen. Der Angeklagte befürchtete deshalb offenbar, dass
sein Scheinleben auffliegen könnte.
Am Tattag habe der Angeklagte sich von einem Bekannten nach Neckargemünd
fahren lassen, so die Staatsanwaltschaft. Während der Bekannte im Auto
wartete, habe der 26-Jährige seinem wehrlosen Freund in dessen Wohnung
mindestens 16 Stiche versetzt, bis dieser aus dem Rollstuhl fiel.
Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt. Die
Verteidigung beantragte jedoch, diese Aussagen vor Gericht nicht zuzulassen,
weil die Kripo die Kontaktaufnahme mit der Anwältin behindert habe.