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Zocker lassen mehr Geld in der Spielbank
Medium: Stuttgarter Zeitung
Datum: 11. 2. 2000
Gleichbleibende Besucherzahlen, trotzdem Rekordergebnis - Neue Konkurrenz in Bayern

Die Spielbank hat 1999 ein Rekordergebnis eingespielt. 131 Millionen Mark blieben in den Kassen des Casinos, 117,9 Millionen Mark davon bekommt das Land. In diesem Jahr droht der Spielbank Konkurrenz durch eine Neueröffnung in Feuchtwangen.

Von Jürgen Brand

"Das ist ein für uns selbst unerwartetes Ergebnis", sagte der Spielbankgeschäftsführer Peter Wolf gestern bei einer Pressekonferenz. 131 Millionen Mark Bruttospielergebnis bedeuten 13,6 Millionen Mark oder 11,6 Prozent mehr als 1998. Seit der Eröffnung der Spielbank im Stella-Erlebnis-Center 1996 ließen die Spieler jedes Jahr mehr Geld im Casino. In diesem Jahr liegt die Spielbankabgabe - das ist der Betrag, den das Casino an das Land abführt - erstmals bei 90 Prozent des Ergebnisses. Das Land erhält damit 117,9 Millionen Mark. Die Hälfte der Summe muss nach den Vorgaben des Spielbankgesetzes für die Bereiche Soziales, Sport und Kultur verwendet werden. Seit Eröffnung der Spielbank flossen 280,9 Millionen Mark in die Landeskasse. Die Stadt erhält für das vergangene Jahr 6,5 Millionen Mark.

Mit dem Ergebnis zählt das Casino erneut zu den vier erfolgreichsten staatlichen Spielstätten in Deutschland. Unangefochtener Spitzenreiter ist Dortmund. Um die weiteren Plätze konkurrieren Hamburg und Berlin mit Stuttgart. In den beiden Städten haben die Spielbanken eine oder mehrere Automatenspiel-Dependancen. Die Automaten spielen in den Casinos eine immer wichtigere Rolle. Auch in Stuttgart verbuchte das kleine Spiel im vergangenen Jahr ein um 20 Prozent höheres Einspielergebnis als im Vorjahr. Die Steigerungsrate im großen Spiel lag bei zwei Prozent. Am Gesamtergebnis hat das Automatenspiel jetzt einen Anteil von 57 Prozent. Eine Automaten-Dependance in der Stadt ist bei der Spielbank zurzeit kein Thema. "Die Königsbaudiskussion war eine Gespensterdebatte", sagte Wolf gestern. "Wir haben kein einziges Haus in der Innenstadt im Auge."

Die Zahl der Besucher lag nach Angaben der Spielbank im vergangenen Jahr konstant bei etwas mehr als 700000. Die schlechtere Auslastung der benachbarten Musicaltheater habe auf die Spielbank kaum Auswirkungen, so Wolf. Das Casino habe seinen eigenen Kundenkreis, das Einzugsgebiet liege im Umkreis von 100 Kilometern um Stuttgart. Deswegen macht sich Wolf auch weniger Sorgen um die Entwicklung der Musicals als vielmehr über die Konkurrenz in Bayern. In Feuchtwangen wird am 31.März eine neue bayerische Spielbank eröffnet. Die Einzugsgebiete des neuen Casinos und der Stuttgarter Spielbank überschneiden sich. Deshalb rechnet Wolf für dieses Jahr mit einem Besucherrückgang um etwa fünf Prozent im großen Spiel. Dem soll durch verstärkte Marketingmaßnahmen und Kooperationen zum Beispiel mit dem Copthorne-Hotel entgegengewirkt werden. Zum Verhältnis der Mieter im Stella-Erlebnis-Center untereinander sagt Wolf: "Die Betreiber in diesem Zentrum rücken immer enger zusammen. Wir glauben, auf dem richtigen Weg zu sein."

Eine Vorreiterrolle will die Spielbank Stuttgart bei der Gästeberatung übernehmen. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Gesellschaft (Eva) soll küftig eine psychologische Beratung angeboten werden. Ziel sei, so Wolf gestern, dass der Spieler innerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten bleibe. Fü das neue Angebot habe es keinen konkreten Anlass gegeben, so der Geschätsführer. Es handele sich um eine reine Vorsorgemaßahme, durch die auch der tatsächliche Bedarf an solchen Beratungsangeboten ermittelt werden soll. Spieler könen sich telefonisch an die Spielbank wenden, die dann einen Gesprächstermin mit einem Berater von der Eva vermittelt. Die Casinogäste könen sich unter Telefon 2054-345 auch direkt an die Eva wenden. Zusäzlich werden im Salon des Bistros Ecco feste Beratungstermine angeboten, die ersten am 2., 16. und 28.März. Das Angebot ist kostenlos. Der Vertrag mit der Eva läft zunächst ein Jahr.


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