Gleichbleibende Besucherzahlen, trotzdem
Rekordergebnis - Neue Konkurrenz in Bayern
Die Spielbank hat 1999 ein Rekordergebnis eingespielt. 131
Millionen Mark blieben in den Kassen des Casinos, 117,9
Millionen Mark davon bekommt das Land. In diesem Jahr droht
der Spielbank Konkurrenz durch eine Neueröffnung in
Feuchtwangen.
Von Jürgen Brand
"Das ist ein für uns selbst unerwartetes Ergebnis", sagte der
Spielbankgeschäftsführer Peter Wolf gestern bei einer
Pressekonferenz. 131 Millionen Mark Bruttospielergebnis
bedeuten 13,6 Millionen Mark oder 11,6 Prozent mehr als 1998.
Seit der Eröffnung der Spielbank im Stella-Erlebnis-Center 1996
ließen die Spieler jedes Jahr mehr Geld im Casino. In diesem
Jahr liegt die Spielbankabgabe - das ist der Betrag, den das
Casino an das Land abführt - erstmals bei 90 Prozent des
Ergebnisses. Das Land erhält damit 117,9 Millionen Mark. Die
Hälfte der Summe muss nach den Vorgaben des
Spielbankgesetzes für die Bereiche Soziales, Sport und Kultur
verwendet werden. Seit Eröffnung der Spielbank flossen 280,9
Millionen Mark in die Landeskasse. Die Stadt erhält für das
vergangene Jahr 6,5 Millionen Mark.
Mit dem Ergebnis zählt das Casino erneut zu den vier
erfolgreichsten staatlichen Spielstätten in Deutschland.
Unangefochtener Spitzenreiter ist Dortmund. Um die weiteren
Plätze konkurrieren Hamburg und Berlin mit Stuttgart. In den
beiden Städten haben die Spielbanken eine oder mehrere
Automatenspiel-Dependancen. Die Automaten spielen in den
Casinos eine immer wichtigere Rolle. Auch in Stuttgart
verbuchte das kleine Spiel im vergangenen Jahr ein um 20
Prozent höheres Einspielergebnis als im Vorjahr. Die
Steigerungsrate im großen Spiel lag bei zwei Prozent. Am
Gesamtergebnis hat das Automatenspiel jetzt einen Anteil von 57
Prozent. Eine Automaten-Dependance in der Stadt ist bei der
Spielbank zurzeit kein Thema. "Die Königsbaudiskussion war
eine Gespensterdebatte", sagte Wolf gestern. "Wir haben kein
einziges Haus in der Innenstadt im Auge."
Die Zahl der Besucher lag nach Angaben der Spielbank im
vergangenen Jahr konstant bei etwas mehr als 700000. Die
schlechtere Auslastung der benachbarten Musicaltheater habe
auf die Spielbank kaum Auswirkungen, so Wolf. Das Casino
habe seinen eigenen Kundenkreis, das Einzugsgebiet liege im
Umkreis von 100 Kilometern um Stuttgart. Deswegen macht
sich Wolf auch weniger Sorgen um die Entwicklung der
Musicals als vielmehr über die Konkurrenz in Bayern. In
Feuchtwangen wird am 31.März eine neue bayerische Spielbank
eröffnet. Die Einzugsgebiete des neuen Casinos und der
Stuttgarter Spielbank überschneiden sich. Deshalb rechnet Wolf
für dieses Jahr mit einem Besucherrückgang um etwa fünf
Prozent im großen Spiel. Dem soll durch verstärkte
Marketingmaßnahmen und Kooperationen zum Beispiel mit dem
Copthorne-Hotel entgegengewirkt werden. Zum Verhältnis der
Mieter im Stella-Erlebnis-Center untereinander sagt Wolf: "Die
Betreiber in diesem Zentrum rücken immer enger zusammen.
Wir glauben, auf dem richtigen Weg zu sein."
Eine Vorreiterrolle will die Spielbank Stuttgart bei der
Gästeberatung übernehmen. In Zusammenarbeit mit der
Evangelischen Gesellschaft (Eva) soll küftig eine
psychologische Beratung angeboten werden. Ziel sei, so Wolf
gestern, dass der Spieler innerhalb seiner finanziellen
Möglichkeiten bleibe. Fü das neue Angebot habe es keinen
konkreten Anlass gegeben, so der Geschätsführer. Es handele
sich um eine reine Vorsorgemaßahme, durch die auch der
tatsächliche Bedarf an solchen Beratungsangeboten ermittelt
werden soll. Spieler könen sich telefonisch an die Spielbank
wenden, die dann einen Gesprächstermin mit einem Berater von
der Eva vermittelt. Die Casinogäste könen sich unter Telefon
2054-345 auch direkt an die Eva wenden. Zusäzlich werden im
Salon des Bistros Ecco feste Beratungstermine angeboten, die
ersten am 2., 16. und 28.März. Das Angebot ist kostenlos. Der
Vertrag mit der Eva läft zunächst ein Jahr.