Kolumne von Emil Steinberger, Kabarettist und Buchautor
Vor einiger Zeit wurde in der Schweiz das Aufstellen von Geldspielautomaten und
der Betrieb von Spielsalons mehrheitlich verboten. Man wollte damit vor allem
auf labilere Menschen Rücksicht nehmen, die ihr Portemonnaie
nicht ganz im Griff haben.Seit ein paar Jahren wird auf höchster politischer Ebene
über die Eröffnung kontrollierter und zur Abgabe verpflichteter Casinos diskutiert.
Bestehende mussten bereits schliessen, neue werden in (un)absehbarer Zeit ihre
Tore öffnen. Man wartet mit Spannung auf die Bewilligungen aus Bern.
Ein Mammut-Prozedere, denn Bern möchte das Geldspiel im Griff haben.
Unterdessen ist allgemein das Glücksspiel voll im Aufschwung. Allein in der
Silvesternacht konnten neun Menschen via Schweizer Fernsehen Millionäre werden,
mit einem Einsatz von 100 Franken, 200 oder einem Vielfachen davon. Es gab keine Limite,
alles war erlaubt. Mit Rubbelspielen und den damit verbundenen zusätzlichen Preisen
wurde der ganze Losverkauf via Presse angeheizt. Wo blieb hier jetzt pltzlich die
Rücksicht auf die krankhaften Geldspieler, die man schützen will?
In "Benissimo" gibt es bald wieder eine Million zu gewinnen und in der neues-ten
Kreation von SF DRS, in der Sendung "Streetlife", muss man ein paar Fragen beantworten,
nachdem man seinen Einsatz bekanntgegeben hat, um eventuell dreihundert Franken zu
gewinnen. Das letzte Mal sah ich, wie einer sein SBB-Abo im Wert von 429 Franken
als Einsatz aufs Spiel setzte, um maximum 300 Franken zu gewinnen! Hier
werden also nicht nur materielle Werte eingesetzt, sondern schlicht die ganze Dummheit.
Ich weiss nicht, wo für Bern noch die Probleme zukünftiger Casinos liegen. Die
Fernsehstationen sind mit ihren Glücksspielen schon lange auf der Zielgeraden.
*Die Kolumnistinnen und Kolumnisten äussern ihre persönliche Meinung zu einem
selbst gewählten Thema.