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Die spielfreudige Schweiz
Medium: Coopzeitung (Schweiz)
Datum: 13. 2. 2000
Kolumne von Emil Steinberger, Kabarettist und Buchautor

Vor einiger Zeit wurde in der Schweiz das Aufstellen von Geldspielautomaten und der Betrieb von Spielsalons mehrheitlich verboten. Man wollte damit vor allem auf labilere Menschen Rücksicht nehmen, die ihr Portemonnaie nicht ganz im Griff haben.Seit ein paar Jahren wird auf höchster politischer Ebene über die Eröffnung kontrollierter und zur Abgabe verpflichteter Casinos diskutiert. Bestehende mussten bereits schliessen, neue werden in (un)absehbarer Zeit ihre Tore öffnen. Man wartet mit Spannung auf die Bewilligungen aus Bern. Ein Mammut-Prozedere, denn Bern möchte das Geldspiel im Griff haben. Unterdessen ist allgemein das Glücksspiel voll im Aufschwung. Allein in der Silvesternacht konnten neun Menschen via Schweizer Fernsehen Millionäre werden, mit einem Einsatz von 100 Franken, 200 oder einem Vielfachen davon. Es gab keine Limite, alles war erlaubt. Mit Rubbelspielen und den damit verbundenen zusätzlichen Preisen wurde der ganze Losverkauf via Presse angeheizt. Wo blieb hier jetzt plštzlich die Rücksicht auf die krankhaften Geldspieler, die man schützen will? In "Benissimo" gibt es bald wieder eine Million zu gewinnen und in der neues-ten Kreation von SF DRS, in der Sendung "Streetlife", muss man ein paar Fragen beantworten, nachdem man seinen Einsatz bekanntgegeben hat, um eventuell dreihundert Franken zu gewinnen. Das letzte Mal sah ich, wie einer sein SBB-Abo im Wert von 429 Franken als Einsatz aufs Spiel setzte, um maximum 300 Franken zu gewinnen! Hier werden also nicht nur materielle Werte eingesetzt, sondern schlicht die ganze Dummheit. Ich weiss nicht, wo für Bern noch die Probleme zukünftiger Casinos liegen. Die Fernsehstationen sind mit ihren Glücksspielen schon lange auf der Zielgeraden.

*Die Kolumnistinnen und Kolumnisten äussern ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema.


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