Nachgefragt: Spielbankberatung
Künftig berät die Evangelische Gesellschaft (Eva) direkt
im Casino Spielsüchtige, finanziert von der Spielbank.
Susanne Janssen sprach darüber mit Günther Zeltner,
dem Leiter der Eva-Suchtberatung.
Herr Zeltner, was treibt Sie als Berater demnächst ins Casino?
Wir haben mit der Spielbank vereinbart, dass wir alle zwei
Wochen dort für Beratungen vor Ort zur Verfügung stehen.
Dazu legen wir Flyer mit unserer Telefonnummer aus, so dass
sich alle, die mit dem Spielen Probleme haben, direkt an uns
wenden können.
Hoffen Sie auf tätige Reue vor Ort?
Da werden wir erst einmal Erfahrungen sammeln müssen, ob die
Idee ankommt. Aber es ist sicher ein Schritt in die richtige
Richtung, das Angebot dort zu machen, wo die Probleme
auftreten. Neben Betroffenen werden sicher auch Angehörige
kommen - wenn zum Beispiel der Ehepartner gerade das ganze
Geld verspielt.
Müssten Sie da nicht eher in die Spielhallen gehen?
Die Sucht ist an den Automaten genauso verbreitet wie in der
noblen Spielbank - das hält sich genau die Waage. Wir sind
natürlich bereit, auch dort eine Beratung anzubieten.
Ist Spielsucht in Stuttgart denn ein großes Problem?
Im vergangenen Jahr hatten wir 70 Beratungen, aber die Zahlen
steigen. Wir schätzen, dass es in der Stadt genauso viele Spiel-
wie Drogensüchtige gibt. Den größten Anteil stellen jedoch
immer noch Alkoholabhängige.
Ist es für die Spielbank nicht auch ein Deckmäntelchen, etwas
Geld für die Sucht zu geben, die sie selbst fördert?
Ich sehe das eher positiv: Sie übernimmt Verantwortung, das ist
eine bemerkenswerte Entwicklung. Durch die 20000 Mark, die
die Spielbank uns für die Beratung zukommen lässt, haben wir
endlich eine Selbsthilfegruppe beginnen können. Da sind sofort
zehn Betroffene gekommen. Auch Brauereien, Wengerter und
Gastwirte sollten sich finanziell an der Suchtberatung beteiligen.