Von MAXI MERKEL und JÜRGEN MLADEK
Sarahs goldene Jahresehrenkarte, aus Wut
zerknickt
Berlinale am Potsdamer Platz, mittendrin die
Spielbank. Prominenz, Pleitiers, Pechvögel
und Glücksritter. Eine schillernde Welt. Und
ausgerechnet da nun dieser peinliche Vorfall.
Die Szene ist wie im Film: Eine aufregend schöne
Frau, elegant gekleidet. Ein Stammgast. Oft
hohe Verluste, aber immer dicke Trinkgelder. In
dieser Nacht nun steht die Frau vom Roulettetisch auf.
"Meine Damen und Herren", sagt sie laut, und es wird
totenstill im Saal. Ihre Stimme hat einen leichten
osteuropäischen Akzent. Aber ihr Deutsch ist perfekt.
"Sie kennen mich. Ich habe hier schon über eine Million
Mark verloren. Wir Gäste werden hier immer kontrolliert.
Heute wollte ich unseren Spielpartner um das gleiche
Recht bitten. Ich will, dass man mir die
Roulettekugel überlässt. Ich würde sie auch
gerne bezahlen. Aber man verweigert mir dieses
Recht."
Sekunden später sind Mitarbeiter der Spielbank
bei der Frau, und dann steht sie auch schon auf
der Straße - Hausverbot.
Die Frau heißt Sarah K., 28. Ihr Freund ist
märchenhaft reich. Ihre Wohnung elegant,
italienische Designermöbel, ein Fernseher für
über 10000 Mark. "Es geht nicht um das Geld",
sagt sie, "es geht um Gerechtigkeit". Sie kann
und will einfach nicht glauben, dass es
tatsächlich nur Zufall ist, dass ausgerechnet dann
die Null kommt, wenn sie auf alle übrigen Zahlen
zwischen 1 und 36 gesetzt hat. Viel gesetzt hat,
bei diesem einen Spiel allein 22000 Mark. "Und
so etwas passiert verdächtig oft."
Deshalb wollte sie die Roulettekugel
untersuchen. Und als Stammgast mit
goldener Jahresehrenkarte, so glaubte sie,
würde man ihr diesen Wunsch bestimmt
erfüllen.
Aber sie biss auf Granit. "Das ist gegen die
Sicherheitsbestimmungen. Außerdem werden die
Kugeln jeden Abend von Finanzbeamten
untersucht", sagt Konrad Bieber von der
Spielbank Berlin.
Sarah K. will trotzdem einen Anwalt einschalten.