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Wege aus der Schuldenfalle
Medium: Trierischer Volksfreund
Datum: 23. 02. 2000
Neue Beratungsstelle hilft Suchtkranken bei finanziellen Schwierigkeiten

Von unserem Mitarbeiter DAVID ZIEGELMAYER

TRIER. Mit der Sucht beginnt der Teufelskreis: Spielsüchtige oder Drogenabhängige sind oft überschuldet. Die Aussichten auf eine dauerhafte Abstinenz werden dadurch noch geschmälert.

Als Gerhard K. vor einigen Monaten seine Arbeit verlor, flüchtete er sich in Alkohol und Glücksspiel. Von den Rechnungen, die sich in seinem Briefkasten türmten, nahm der 46-Jährige kaum noch Notiz. Das Ganze sei ihm einfach über den Kopf gewachsen, sagt er. Nach einem Autounfall, den er unter Alkohol-Einfluss verschuldet hatte, weigerte sich seine Versicherung zu zahlen. »Einige Zeit später stand dann der Gerichtsvollzieher vor der Tür«, berichtet Gerhard K.

So oder ähnlich entsteht allzu oft ein Strudel, aus dem sich kaum ein Suchtkranker ohne fremde Hilfe befreien kann. »Sucht ist teuer«, weiß Gabriele Rehbein-Strietzel. Die Juristin leitet seit Dezember vergangenen Jahres eine neu eingerichtete Schuldner-Beratungsstelle, die in der Fachambulanz für Suchtkranke des Caritas-Verbandes Trier untergebracht ist. Die Beratungsstelle ist Teil des Modellprojektes »Sucht und Schulden«, das vom Familienministerium Rheinland-Pfalz gefördert wird.

»Bei diesen Erkrankungen ist das Stadium schnell erreicht, in dem man sich um nichts mehr kümmert. Wir versuchen hier, den Menschen Wege aus der Schuldenfalle aufzuzeigen«, so Rehbein-Strietzel. Dazu gehört zunächst die genaue Prüfung der finanziellen Situation des Betroffenen. Unterlagen und Rechnungen werden begutachtet, um einen Plan zur Entschuldung aufzustellen. »Dann versuchen wir, mit den Gläubigern Kontakt aufzunehmen, um Entlastungen wie zum Beispiel die Stundung von Forderungen zu erreichen«, erklärt Gabriele Rehbein-Strietzel. Als weitere Hilfe können Betroffene Darlehen aufnehmen, die von Stiftungen oder durch Fonds gewährt werden. Bisher werden in der Beratungsstelle 14 Suchtkranke mit dem Ziel der Entschuldung betreut. »Das Ganze macht aber nur Sinn, wenn es im Rahmen einer Suchttherapie erfolgt«, stellt Helga Bödger von der Caritas-Suchtberatung in Trier klar. Denn eine erfolgreiche Entschuldung ist bei chronisch Suchtkranken nur dann möglich, wenn das Problem an der Wurzel gepackt wird. Die anonyme und kostenlose Beratungsstelle befindet sich in der Petrusstraße 22 in Trier und ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr unter der Rufnummer 0651/1477820 erreichbar.


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