Neue Beratungsstelle hilft Suchtkranken
bei finanziellen Schwierigkeiten
Von unserem Mitarbeiter
DAVID ZIEGELMAYER
TRIER. Mit der Sucht beginnt der
Teufelskreis: Spielsüchtige oder
Drogenabhängige sind oft überschuldet. Die
Aussichten auf eine dauerhafte Abstinenz
werden dadurch noch geschmälert.
Als Gerhard K. vor einigen Monaten seine Arbeit
verlor, flüchtete er sich in Alkohol und Glücksspiel.
Von den Rechnungen, die sich in seinem Briefkasten
türmten, nahm der 46-Jährige kaum noch
Notiz. Das Ganze sei ihm einfach über den
Kopf gewachsen, sagt er. Nach einem
Autounfall, den er unter Alkohol-Einfluss
verschuldet hatte, weigerte sich seine
Versicherung zu zahlen. »Einige Zeit später
stand dann der Gerichtsvollzieher vor der Tür«,
berichtet Gerhard K.
So oder ähnlich entsteht allzu oft ein Strudel,
aus dem sich kaum ein Suchtkranker ohne
fremde Hilfe befreien kann. »Sucht ist teuer«,
weiß Gabriele Rehbein-Strietzel. Die Juristin
leitet seit Dezember vergangenen Jahres eine
neu eingerichtete Schuldner-Beratungsstelle,
die in der Fachambulanz für Suchtkranke des
Caritas-Verbandes Trier untergebracht ist. Die
Beratungsstelle ist Teil des Modellprojektes
»Sucht und Schulden«, das vom
Familienministerium Rheinland-Pfalz gefördert
wird.
»Bei diesen Erkrankungen ist das Stadium
schnell erreicht, in dem man sich um nichts
mehr kümmert. Wir versuchen hier, den
Menschen Wege aus der Schuldenfalle
aufzuzeigen«, so Rehbein-Strietzel. Dazu
gehört zunächst die genaue Prüfung der
finanziellen Situation des Betroffenen.
Unterlagen und Rechnungen werden
begutachtet, um einen Plan zur Entschuldung
aufzustellen. »Dann versuchen wir, mit den
Gläubigern Kontakt aufzunehmen, um
Entlastungen wie zum Beispiel die Stundung
von Forderungen zu erreichen«, erklärt
Gabriele Rehbein-Strietzel. Als weitere Hilfe
können Betroffene Darlehen aufnehmen, die
von Stiftungen oder durch Fonds gewährt
werden. Bisher werden in der Beratungsstelle
14 Suchtkranke mit dem Ziel der Entschuldung
betreut. »Das Ganze macht aber nur Sinn,
wenn es im Rahmen einer Suchttherapie
erfolgt«, stellt Helga Bödger von der
Caritas-Suchtberatung in Trier klar. Denn eine
erfolgreiche Entschuldung ist bei chronisch
Suchtkranken nur dann möglich, wenn das
Problem an der Wurzel gepackt wird. Die
anonyme und kostenlose Beratungsstelle
befindet sich in der Petrusstraße 22 in Trier
und ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr
unter der Rufnummer 0651/1477820
erreichbar.