CASINO-KONZESSIONSVERGABE DURCH DEN BUNDESRAT AB ENDE SEPTEMBER
Im Mai flog das Kongresshaus Zürich aus dem Rennen um eine
Casino-Konzession. Nach Erteilung der Baubewilligung Ende Juli durch den
Stadtrat versucht es die Betreiberin Casino Zürich Spiele AG nochmals.
PASCAL UNTERNÄHRER und HUBERT WILI
Ende September gibt die Eidgenössische
Spielbankenkommission (ESBK) ihre Empfehlung
an den Bundesrat weiter, welcher Gesuchsteller im
Grossraum Zürich die Konzession für den Betrieb
eines Casinos erhalten soll. Fest steht, dass dann
vier Bewerber über die Klinge springen müssen.
Vier statt wie am 17. Mai gemeldet drei sind es
deshalb, weil Ende letzter Woche die Casino Zürich
Spiele AG als Betreiberin in spe des Casinos
Kongresshaus ein Wiedererwägungsgesuch nach Bern geschickt hat, wie
Verwaltungsratspräsident Jean-Marc Hensch bestätigte. Das Kongresshaus war
wie die Spielcasinos Winterthur, Opfikon, Frauenfeld und Kreuzlingen im Mai
aus dem Rennen geschieden.
In der Zwischenzeit hat das Projekt aus der Zürcher Innenstadt aber wie die
verbleibenden Stadtzürcher Vorhaben auf dem Hardturmareal und in Oerlikon
nach anfänglichem Negativentscheid von der Stadt Zürich eine Baubewilligung
erhalten. Ausserhalb der Stadtgrenzen kommen noch das Kurhaus Baden und
das Grand Casino auf dem Flughafen Kloten in Frage.
Fast alle Gesuche mangelhaft
Yves Rossier, ESBK-Sekretär, bestätigte den Erhalt des
Wiedererwägungsgesuchs. Er werde es an den Bundesrat weiterleiten, sagte er.
Doch prinzipiell würde nicht mehr auf die Entscheide vom Mai
zurückgekommen. Im Übrigen sei die Konkurrenz gross für die Region Zürich
und die ablehnende Empfehlung der Kommission im Falle des Kongresshauses
nicht in der fehlenden Baubewilligung begründet. «Die vier noch aktuellen
Projekte sind klar besser als die drei abgelehnten aus dem Kanton Zürich»,
verrät Rossier.
Insgesamt 63 Gesuchsteller hatten sich um eine Konzession beworben. 22 hat
der Bundesrat auf Antrag der ESBK in einer ersten Triage ausgeschieden. Diese
Gesuche seien entweder mangelhaft gewesen oder anderen Vorhaben in der
Region unterlegen, sagt Rossier. Der Fachmann stellt aber auch in den
verbleibenden 41 Gesuchen «grosse Schwachstellen» fest, was die Erfüllung der
Kriterien anbelangt.
Weniger Spielbanken als geplant?
Von einer Spielbank erwartet der Bundesrat, dass sie über genügend
Eigenmittel verfügt, die legale Herkunft der eingespielten Gelder nachweist und
die Rentabilität plausibel macht. Vor allem die Vorkehrungen gegen mögliche
Geldwäscherei werden speziell unter die Lupe genommen. Liegen im
Sicherheitskonzept erhebliche Mängel vor, stehen die Chancen auf eine
Konzessionserteilung Ende September schlecht. Auch dies könnte laut Rossier
ein Grund sein, weniger Spielbanken als geplant zu bewilligen. In seinen
Richtlinien zu Handen der ESBK hatte der Bundesrat 1999 festgelegt, dass
gesamtschweizerisch maximal zwischen 20 und 25 Spielbanken eröffnet werden
dürfen. Für die Casinos mit A-Konzession («Grands Jeux») liegt die Obergrenze
bei 4 bis 8, für die Kursäle mit B-Konzession bei 15 bis 20.
Justizministerin Ruth Metzler liess inzwischen allerdings durchblicken, dass die
Anzahl Konzessionen unter 20 liegen könnte. Yves Rossier begründet diese
Möglichkeit mit der Feststellung: «Mit 20 bis 25 Spielbanken hätten wir pro
Kopf der Bevölkerung das weltweit dichteste Netz.» Es sei fraglich, ob alle
Spielbanken rentabel sein könnten.
Gerangel im Raum Zürich
Für die Nordostschweiz mit dem Grossraum Zürich sieht der Bundesrat 1 Casino
und maximal 2 Kursäle vor. Wer letztlich den Zuschlag erhält, ist laut Rossier
«noch völlig offen». Für ihn ist klar, «dass der Bundesrat nicht umhin kommen
wird, ein paar Hoffnungen zu zerstören». Mehr als ein Casino werde es nicht
geben. Und ein oder zwei Bewerber müssten sich mit einer B-Konzession
abfinden.
Er weist auch darauf hin, dass das Vorhandensein einer Baubewilligung für die
Konzessionserteilung «eine untergeordnete Rolle spielt». Laut Hensch ist diese
Bewilligung die einzige grössere Änderung im zweiten Gesuch des
Kongresshauses. Das heisst mit anderen Worten: Die Chancen dafür, dass am
Zürichseebecken die Roulettekugel rollt, sind minim. Am 23. Juli haben auch
die Projekte am Hardturm und in Oerlikon vom Stadtrat eine Baubewilligung
erhalten. Das Zentrum Zürich Nord muss wegen der Grösse allerdings noch eine
Umweltverträglichkeitsprüfung über- stehen. Das Projekt Hardturm erhielt die
Baubewilligung provisorisch und auf fünf Jahre befristet