CDU und SPD wollen die
Spendierhosen allein behalten
Im Lottobeirat bleibt die Koalition
unter sich und verteilt die 150
Millionen - Dankward Buwitt ist
schon mehr als 20 Jahre dabei
Brigitte Grunert
Am Anfang jeder Legislaturperiode,
wenn turnusgemäß der Lotto-Beirat
neu bestellt wird, kocht der Opposition
das Blut. PDS und Grüne wären auch
gern in dem mächtigen Gremium
vertreten, das über die Verteilung von
jährlich rund 140 bis 150 Millionen
Mark Lotto-Überschüssen bestimmt;
1999 waren es 156 Millionen. Aber sie
kommen bei sechs Mitgliedern nach
dem Proporz nicht zum Zuge, und die
Koalition denkt nicht daran, das
Lotto-Gesetz zu ändern. Die vier von
der CDU und zwei von der SPD haben
lieber allein die Spendierhosen an.
Dem Stiftungsrat der Deutschen
Klassenlotterie Berlin (DKLB), so der
offizielle Name, gehören drei vom
Senat und drei vom Abgeordnetenhaus
entsandte Mitglieder an. Der Senat hat
kürzlich Innensenator Eckart
Werthebach (CDU), Schulsenator Klaus
Böger (SPD) und den
CDU-Bundestagsabgeordneten
Dankward Buwitt bestellt. Auch die
Wahl der anderen drei ist am
Donnerstag im Parlament
Koalitionsroutine: die Fraktionschefs
Klaus Landowsky (CDU) und Klaus
Wowereit, Landowskys Stellvertreter,
der Kulturexperte Uwe
Lehmann-Brauns. Buwitt sitzt schon
länger als 20 Jahre im Lottobeirat,
Landowsky ebenfalls eine halbe
Ewigkeit. Böger und Buwitt waren
bislang vom Abgeordnetenhaus
bestellt.
Wenn der Grünen-Abgeordnete
Burkhard Müller-Schoenau die
"fehlende demokratische und
parlamentarische Kontrolle" des
Gremiums kritisiert, kontert Buwitt:
"Unter Rot-Grün war die FDP draußen,
kein Grüner hat sich darüber
aufgeregt." Außerdem verweist er
darauf, dass der Finanzsenator die
Staatsaufsicht führt, der Rechnungshof
kontrolliert und alle Bewilligungen
veröffentlicht werden. Doch der
Lottotopf reicht eben nur für etwa ein
Drittel der Anträge, und auf die
Gewichtung kommt es an.
Zudem hat es sich im Zeichen der
Finanznot eingeschlichen, dass der
Lotto-Topf immer mehr zum
Lückenfüller für den Landeshaushalt
wird. So "erwartet" der Schul-, Jugend-
und Sportsenator Klaus Böger für
seinen Jugendetat 2000 rund 15,1
Millionen Mark Lotto-Mittel, darunter
einen Nachschlag von 6,6 Millionen
Mark für das Lotto-finanzierte
Programm Jugend mit Zukunft. Eine
Kleinigkeit für Böger, das Geld beim
Stiftungsrat zu beantragen, dem er
angehört. Finanzsenator Peter Kurth
(CDU) rechnet für dieses Jahr mit 139
Millionen Mark Lotto-Überschüssen und
hat seiner Kollegin Kultursenatorin
Christa Thoben (CDU) ausdrücklich
empfohlen, zur Entlastung ihres Etats
Lotto-Anträge zu stellen. Dafür hätte
ihm, sagt er, Landowsky "fast den Kopf
abgerissen". Frau Thoben will nun
selbst keine Anträge stellen, aber sie
wird solche von Kultureinrichtungen im
Landesbesitz befürworten. Und die
werden garantiert genehmigt. Der
Kulturetat 1999 ihres Vorgängers Peter
Radunski (CDU) wurde so indirekt um
36 Millionen Mark bereichert.
Die Beispiele zeigen, wie sehr der
gesetzliche Auftrag überdehnt wird.
Danach werden die Lotto-Mittel auf
Anträge von Vereinen und
Organisationen für sportliche,
staatsbürgerliche, soziale, kulturelle
und dem Umweltschutz dienende
Projekte vergeben. Auf die Spitze
getrieben wurde die Finanzierung
staatlicher Aufgaben allein aus
Lotto-Mitteln schon 1996. Damals
bestimmten die Koalitionsspitzen
vorab, was sie sich später im
Lotto-Beirat bewilligten: 90 Millionen
Mark für die Schulcomputer, das
Programm Jugend mit Zukunft und
2000 Ausbildungsplätze - je 30
Millionen Mark, zahlbar in Raten 1998,
1999 und 2000.
Jeder Antrag wird der zuständigen
Senatsverwaltung zur Begutachtung
übermittelt; sie gibt ein Votum ab, an
das der Stiftungsrat förmlich nicht
gebunden ist. Stiftungsrat und Senator
Böger muss nun kurioserweise seine
Anträge selbst begutachten. Allerdings
stimmt er in eigener Sache nicht mit
ab. So viel Schamgefühl schreibt das
Gesetz vor.