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Swiss Marina auch kleiner machbar?
Medium: Tagblatt/CH
Datum: 07. 09. 2001
Gegen 500 Besucher an der SP-Veranstaltung mit Gutachter Professor Hans Schmid

Die SP Rorschach wurde vom Interesse über Referat und Diskussion um Swiss Marina überrascht. Kritische Stimmen überwogen die Befürwortenden. Offen blieben Fragen, etwa wie es weitergehe oder ob Swiss Marina auch in kleinerem Umfang möglich wäre.

Rudolf Käser

Swiss Marina bewegt und mobilisiert mit zunehmender Dauer von Planung und Diskussion mehr Leute. Ortsparteipräsident Markus Urech erklärte im Stadthof, die SP habe ihre Mitgliederversammlung öffentlich veranstaltet, um durch Professor Dr. Hans Schmid Informationen aus kompetentem Mund zu vermitteln.

Kongresszentrum

Hans Schmid, pensionierter Professor der Universität St. Gallen, SP-Nationalrat von 1972 bis 1984, hat zur Machbarkeitsstudie für Swiss Marina den Teil «volkswirtschaftliche Auswirkungen» beigetragen. Er legte dar, dass Swiss Marina kein 1,3-Milliarden-Casino-Projekt, kein Fun-Park und kein Las Vegas sei, wie dies schon dargestellt wurde. «Swiss Marina würde ein Kultur- und Kongresszentrum mit weiteren Angeboten.» Es gebe europaweit noch kein Zentrum für Anlässe mit 2000 bis 10 000 Leuten mit Hotelangebot am gleichen Ort, «und Kongressteilnehmer wollen auch Fun erleben. Das bedeutet, dass das Umfeld mit Unterhaltung, Sport, Kultur, Einkaufszentren, Spielbanken stimmen muss.» Die besorgte Frage einer Besucherin über die immense Zahl von täglich 20 000 Gästen relativierte Schmid: «Wir gehen davon aus, dass eine grosse Zahl Kongressteilnehmer vier bis fünf Tage bleibt und so nicht täglich 20 000 Leute an- und abreisen.» Zudem würden über 50 Prozent der Besucher mit der Bahn ab Flughäfen erwartet.

«Rorschach ein Glücksfall»

Auch wenn Schmid in seinem Referat den Eindruck des Befürworters von Swiss Marina erweckte, erhob er auch kritische Töne. «Es ist klar, dass dies so, wie das Vormodell aussieht, nicht gebaut wird, das weiss jeder.» Dabei erntete er auch Gelächter. Er unterstrich, Rorschach sei schon vom Bodenangebot her «ein Glücksfall», weil die Besitzer Bereitschaft signalisierten, das Land zur Verfügung zu stellen. Wenn Swiss Marina gelinge, werde Rorschach weltbekannt.

«Flexibler als befürchtet»

Ein Fragesteller forderte, dass eine Expertise über die Nachteile namentlich bezüglich Immissionen erstellt werden sollte. «Es wird vorher eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Und wenn diese ungenügend ausfällt, kann Swiss Marina nicht realisiert werden», entgegnete Schmid. Befürchtungen, dass plötzlich eine Bauruine entstehen könnte, beantwortete Schmid damit, dass das Ganze auf der Basis der Projektfinanzierung beruhe. Durch 20-jährige Vermietungen sei das Risiko weit weniger gross. «Lässt sich Swiss Marina nicht kleiner gestalten, denn das Projekt ist doch in der Grössenordnung weit überrissen?», «Gibt es die Möglichkeit, mit dem Investor einen Dialog zu führen?», wurde weiter gefragt. Antwort: «Ich habe festgestellt, dass die Herren Gertner viel flexibler sind als befürchtet.» Bezüglich der Spielbank seien jedoch kaum Redimensionen zu erwarten, «und ohne Spielbank wird es kein Swiss Marina geben». «Werden auch echte Expertisen gemacht über die sozialen Veränderungen, welche beispielsweise die 13 000 vorgesehenen Arbeitsplätze bringen?» Es müssten auch die Nachteile auf den Tisch gelegt werden, wurde gefordert. Befürchtet wurde weiter, dass zweit- und drittklassige Arbeitsplätze mit niedriger Bezahlung entstehen würden und dass die Schulinfrastrukturen nicht mehr genügend wären. «Es würde viele qualifizierte Arbeitsplätze geben. Man geht davon aus, dass nach einer etwa vierjährigen Bauzeit die ersten Events ab dem Jahre 2007, nach meiner persönlichen Einschätzung im Jahre 2010 laufen werden», antwortete Schmid. Weil die ganze Aufbauphase über Jahre dauere, würden die Schulen kaum der Gefahr ungenügender Infrastruktur entgegengehen.


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