Gegen 500 Besucher an der SP-Veranstaltung
mit Gutachter Professor Hans Schmid
Die SP Rorschach wurde vom Interesse über Referat und
Diskussion um Swiss Marina überrascht. Kritische Stimmen
überwogen die Befürwortenden. Offen blieben Fragen,
etwa wie es weitergehe oder ob Swiss Marina auch in
kleinerem Umfang möglich wäre.
Rudolf Käser
Swiss Marina bewegt und mobilisiert mit zunehmender Dauer
von Planung und Diskussion mehr Leute. Ortsparteipräsident
Markus Urech erklärte im Stadthof, die SP habe ihre
Mitgliederversammlung öffentlich veranstaltet, um durch
Professor Dr. Hans Schmid Informationen aus kompetentem
Mund zu vermitteln.
Kongresszentrum
Hans Schmid, pensionierter Professor der Universität St. Gallen,
SP-Nationalrat von 1972 bis 1984, hat zur Machbarkeitsstudie für
Swiss Marina den Teil «volkswirtschaftliche Auswirkungen»
beigetragen. Er legte dar, dass Swiss Marina kein
1,3-Milliarden-Casino-Projekt, kein Fun-Park und kein Las Vegas
sei, wie dies schon dargestellt wurde. «Swiss Marina würde ein
Kultur- und Kongresszentrum mit weiteren Angeboten.» Es gebe
europaweit noch kein Zentrum für Anlässe mit 2000 bis 10 000
Leuten mit Hotelangebot am gleichen Ort, «und
Kongressteilnehmer wollen auch Fun erleben. Das bedeutet,
dass das Umfeld mit Unterhaltung, Sport, Kultur,
Einkaufszentren, Spielbanken stimmen muss.» Die besorgte
Frage einer Besucherin über die immense Zahl von täglich 20
000 Gästen relativierte Schmid: «Wir gehen davon aus, dass
eine grosse Zahl Kongressteilnehmer vier bis fünf Tage bleibt und
so nicht täglich 20 000 Leute an- und abreisen.» Zudem würden
über 50 Prozent der Besucher mit der Bahn ab Flughäfen
erwartet.
«Rorschach ein Glücksfall»
Auch wenn Schmid in seinem Referat den Eindruck des
Befürworters von Swiss Marina erweckte, erhob er auch kritische
Töne. «Es ist klar, dass dies so, wie das Vormodell aussieht,
nicht gebaut wird, das weiss jeder.» Dabei erntete er auch
Gelächter. Er unterstrich, Rorschach sei schon vom
Bodenangebot her «ein Glücksfall», weil die Besitzer
Bereitschaft signalisierten, das Land zur Verfügung zu stellen.
Wenn Swiss Marina gelinge, werde Rorschach weltbekannt.
«Flexibler als befürchtet»
Ein Fragesteller forderte, dass eine Expertise über die Nachteile
namentlich bezüglich Immissionen erstellt werden sollte. «Es
wird vorher eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Und
wenn diese ungenügend ausfällt, kann Swiss Marina nicht
realisiert werden», entgegnete Schmid. Befürchtungen, dass
plötzlich eine Bauruine entstehen könnte, beantwortete Schmid
damit, dass das Ganze auf der Basis der Projektfinanzierung
beruhe. Durch 20-jährige Vermietungen sei das Risiko weit
weniger gross. «Lässt sich Swiss Marina nicht kleiner gestalten,
denn das Projekt ist doch in der Grössenordnung weit
überrissen?», «Gibt es die Möglichkeit, mit dem Investor einen
Dialog zu führen?», wurde weiter gefragt. Antwort: «Ich habe
festgestellt, dass die Herren Gertner viel flexibler sind als
befürchtet.» Bezüglich der Spielbank seien jedoch kaum
Redimensionen zu erwarten, «und ohne Spielbank wird es kein
Swiss Marina geben». «Werden auch echte Expertisen gemacht
über die sozialen Veränderungen, welche beispielsweise die 13
000 vorgesehenen Arbeitsplätze bringen?» Es müssten auch die
Nachteile auf den Tisch gelegt werden, wurde gefordert.
Befürchtet wurde weiter, dass zweit- und drittklassige
Arbeitsplätze mit niedriger Bezahlung entstehen würden und
dass die Schulinfrastrukturen nicht mehr genügend wären. «Es
würde viele qualifizierte Arbeitsplätze geben. Man geht davon
aus, dass nach einer etwa vierjährigen Bauzeit die ersten Events
ab dem Jahre 2007, nach meiner persönlichen Einschätzung im
Jahre 2010 laufen werden», antwortete Schmid. Weil die ganze
Aufbauphase über Jahre dauere, würden die Schulen kaum der
Gefahr ungenügender Infrastruktur entgegengehen.