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5.609 Beiträge in 889 Themen- von 968 Mitglieder - Neuestes Mitglied: lparsonsc

23 Mai 2012, 02:27:50
Forum GlücksspielsuchtGlücksspielsuchtFragen & Hilfe (Moderator: Ilona)Thema: Bin neu hier und habe Fragen
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Autor Thema: Bin neu hier und habe Fragen  (Gelesen 414 mal)
Uli
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Beiträge: 4


« am: 05 Oktober 2011, 11:38:49 »

Liebe Forenmitglieder,

ich heiße Uli(w) und bin seit 2 1/2 Jahren mit meinem Partner zusammen. Er spielt seit über 20 Jahren, und ich weiß es seit ca. 9 oder 10 Monaten, weil ich ihn sozusagen beim Spielen "erwischt" habe. Er kam mal wieder nicht heim, war nicht erreichbar, wie so oft, und ich wollte mir eine DVD für den Abend besorgen, um mich abzulenken, anstatt wieder zu grübeln, ob er vl. bei einer Anderen ist, und sah sein Auto direkt vor einer Spielhalle stehen.
Ich ging rein und sah ihn am Automaten sitzen.
Er sagte: so, nun kennst du mein dunkles Geheimnis... Er sagte auch, er will eigentlich aufhören, schafft es nicht alleine, und fragte mich, ob ich ihm dabei helfen will..

Jedenfalls hatte ich einen Termin bei der Caritas um mich zu informieren und er ging dann später zum Beratungsgespräch. Er sagte mir auch, daß er früher, also zu Anfang seiner Spielerkarriere schon mal eine Therapie begonnen und wieder abgebrochen hatte..

Jetzt ist er seit Juni in Therapie, aber ich habe das Gefühl, er steht irgendwie nicht so richtig dahinter.
Bevor er die Therapie begonnen hat, kam er sogar zu mir und gestand, wenn er wieder gespielt hat, das war in meinen Augen ein Riesen Fortschritt!
Aber seit er jetzt regelmäßig zu den Gruppenstunden geht, habe ich das Gefühl, er spielt weiter (er zahlt seitdem kaum bzw. viel zu wenig Unterhalt an seine Kinder) und er war wieder öfter um den Zahltag herum sehr spät nach Hause gekommen.

Wir hatten vor ca 3 Wochen einen Termin zum Paargespräch (im Rahmen der Therapie), ich sprach dort das Thema Geldverwaltung an, was ich 2 Monate versucht habe, und er meinte, er will seine Eigenständigkeit bewahren.
Ich verstehe ja, daß es beschämend ist, wenn ein erwachsener Mann laufend fragen muß, wenn er Geld für Zigaretten oder das Tanken braucht, aber so wird es doch überall auf den "Spielerseiten" vorgeschlagen.
Der Berater bei der Caritas sagte da auch nicht wirklich viel dazu..

Ich weiß, daß ich durch die vielen Lügen, die ich aufgetischt bekam, meinerseits auch in eine Sucht verfallen bin, nämlich die Sucht, alles zu kontrollieren, und das tut natürlich uns beiden nicht gut.

Jetzt habe ich folgendes Problem: Einerseits sagte mir die Therapeutin der Caritas im Einzelgespräch, ich soll konsequent sein, d.h., wenn er sich an Absprachen nicht hält, soll er in seine Wohnung gehen und schauen, wie er alleine zurecht kommt, aber andererseits muß ich ihn dann bevormunden, in dem ich sage: du bist um diese Uhrzeit zu Hause. Dann bin ich wieder bei meinem Kontrollmechanismus.

Vor der Therapie sagte ich mal zu ihm, daß mir aufgefallen ist, daß er überhaupt keine Verabredungen mit Freunden oder Bekannten hat, es ruft nicht mal irgendwer an, obwohl er Gott und die Welt kennt.. Vielleicht hat er aber bei vielen Leuten Schulden und das könnte der Grund sein?
Seit einiger Zeit fängt er an, mal etwas mit Arbeitskollegen zu unternehmen, das finde ich im Prinzip ja schön und gut, aber gleichzeitig kommt dann die Angst hoch, er ist unterwegs, kommt wieder nicht heim, ich weiß nicht, ist ihm was passiert, hat er vl doch irgendwo noch was mit einer Frau am Laufen, oder, oder, oder...
Am 09.09. (sein Lohn war schon da) hatte er eine Verabredung mit seinem Arbeitskollegen. Ich fragte, wann er wieder heimkommt, er sagte, so zw. 10 und halb 11 (abends). Genau um halb elf bekam ich dann eine sms, daß es etwas später wird, er fährt noch mit seinem Kollegen heim. Um 0.40 Uhr habe ich dann die Nerven verloren und ihm gesmst, daß er in seiner Wohnung schlafen soll.
Ich habe also so gehandelt, wie die Caritas-Therapeutin es vorgeschlagen hat.
Wobei es dann wieder zum Streit kam, weil mein Freund sich im Recht fühlte, er habe mir doch geschrieben, daß es später wird, wie ich dann auf die Idee komme, ihn in seine Wohnung zu schicken..

Ich bin immer in dem Zwiespalt, wie ich konsequent handeln soll, ohne zu kontrollieren, ob er jetzt gespielt hat, oder ob er wirklich bei seinem Kollegen war.
Übrigens hat er im September keinen Cent Unterhalt an seine Kinder überwiesen, dann muß ich davon ausgehen, daß er wohl wieder fast alles verspielt hat.

Ich bin so verzweifelt, weil er zwar jetzt auf dem Weg in ein spielfreies Leben ist, ich aber nicht beurteilen kann, ob er es ernst meint, und ich eben sehe, daß er trotz Therapie weiterspielt. Klar, ich kann nicht nach 3 Monaten erwarten, daß er schon trocken ist, ich erlebe eben nur, daß er sich wieder dahingehend verändert hat, das Spielen wohl wieder heimlich zu machen.
Ich überlege, nochmal einen Termin zum Paargespräch zu erbitten um genau das anzusprechen, habe aber Angst, zu viel Druck zu machen. Und mit Druck erreiche ich ja gar nichts, außer noch mehr Rückzug und Heimlichkeiten.

Was meint ihr dazu?

Danke für eure Antworten!

Uli
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Olli
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« Antwort #1 am: 05 Oktober 2011, 16:32:12 »

Hi Uli!

Im Paargespräch geht es doch darum, wie Ihr gemeinsam einen Weg findet.

Dafür ist es erforderlich, dass Du von Dir spricht - Deine Wünsche - Deine Ängste - Deine Hoffnungen - Deine Gefühle ...
Damit trägst Du Deinen Teil für ein "wir" bei ... mehr nicht ...

Du definierst hier schon einiges davon - auch Deine Grenzen.
Doch bisher gibst Du immer nach ... welchen Grund sollte er also haben auf Dich zuzugehen?
Wieso sollte er also etwas an sich ändern?

Wie Du Dich anhörst, macht er "Dir zuliebe" die Therapie.
Das hat nichts mit aufhören wollen zu tun.
Naja doch - ein wenig ... ihm ist durchaus bewusst, dass das Spielen negative Auswirkungen hat - er weiss, es tut ihm nicht gut.
Und doch liegt auf der anderen Seite der Waagschaale die Freude am Spiel - die Erfolgserlebnisse, die Niederlagen - ganz bewusst gelebte und genossene ausgesuchte Gefühle eben.
Er schwimmt - ist hin- und hergerissen.
Was ist so schlimm daran, wenn ich mich im Spiel wohl fühle?
Die Kinder bekommen kein Geld? Dann eben nächsten Monat ... halb so wild ...
Uli kontrolliert mich - läuft mir nach - stellt mich in der Halle bloß - das war zwar unangenehm - aber es ist auch wieder vorbei gegangen.
Uli hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt - also mache ich eben die Therapie - pff was sind sechs bis acht Wochen ... die sitze ich auf einer Backe ab ...

Wie gesagt, er schwimmt ... und er MÖCHTE spielen.

#Ironie ein# Und nu kommst Du daher und willst ihm in Deinem Kontrollwahn auch noch sein Suchtmittel entziehen? Eine "finanzielle Kontrolle" einführen?
Nix da - dagegen wehre ich mich ... #Ironie aus#

Nun, in der Vergangenheit habe diesen Begriff auch benutzt.
Mittlerweile habe ich jedoch einen anderen gefunden, der passender ist für ein aktives Hilfswerkzeug: die gemeinsame finanzielle Finanzverwaltung.
Ja, an erster Stelle steht der Enzug des Suchtmittels Geld.
Können wir nicht spielen, dann quält uns auch (fast) nicht das Verlangen.
Erst die Versuchung fördert es - exponential ansteigend zu gegebenen Möglichkeiten.
Doch die Hilfe hat auch noch einen anderen Zweck - nämlich das Wiedererlernen des Umganges mit Geld als gesetzliches Zahlungsmittel.
Er muss sich vor Augen führen, welche Verpflichtungen er zu erfüllen hat.
Schauen, was am Ende des Monats noch übrig bleibt.
Damit darf er sich dann aber auch belohnen - mit einem Stück Kuchen - einer neuen CD - neue Klamotten - eine WE-Städtereise mit Dir zusammen.

Ihr könnt Euch also ein Kassenbuch anlegen und die Ein- und Ausgaben aufführen.
Jede Bargeldausgabe ist dabei mit einer Quittung zu belegen.
Sein Taschengeld kann er dann bei Dir holen - z.B. liegt dafür ein Portemonnaie in einer bestimmten Schublade zusammen mit dem Kassenbuch.
Dann braucht er nämlich nicht lästig fragen ... und Du kannst die Geldbewegungen checken wann immer Du möchtest.
Diese Vereinbarung zwischen Euch ist einfach und effektiv.
Natürlich wird er Argumente dagegen anbringen - z.B. In der Kneipe lasse ich mir doch keine Quittungen geben.
Wenn er Dir solche Dinge an den Kopf wirft, dann frage ihn einfach, zu was ist er alles bereit, um spielfrei zu bleiben - was ist er bereit zu opfern.
Es gibt IMMER Mittel und Wege ...
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Olaf
Uli
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Beiträge: 4


« Antwort #2 am: 06 Oktober 2011, 18:09:35 »

Hi Olaf oder Olli,

ja, Du hast Recht, es gibt immer Mittel und Wege...
Ich denke, ein neuer Termin zum Paargespräch wäre die beste Möglichkeit, das Geldthema nochmal anzusprechen und die gemeinsame Geldverwaltung vorzuschlagen.

Ich befürchte jedoch, daß er im Prinzip unterm Strich überhaupt nichts übrig hätte, würde er seinen 3 Kindern den nötigen Unterhalt, seine Miete und was sonst noch anfällt, zahlen.
Ich glaube, davor läuft er einfach weg, in dem er keinen Unterhalt zahlt und lieber die Kohle verzockt.
Er hat es bisher immer vermieden, mal seine fixen Kosten aufzulisten, um zu sehen, was eigentlich dann noch verbleibt..

Es ist wohl höchste Zeit für einen neuen Termin zum Paargespräch.

Was mich noch interessiert: Du hast in einem anderen Beitrag geschrieben, Du bist trocken. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wann Du Deinem Umfeld (Verwandtschaft, Freunde) eröffnet hast, daß Du spielst und nun eine Therapie machst?
Selbst das hat er nach 4 Monaten Therapie noch nicht geschafft. Er hat mich gebeten, wenn seine Kinder an dem Abend anrufen, an dem er in der Gruppentherapie sitzt, soll ich sagen, er hat noch einen Termin.
Ist das nicht der 2. Schritt (nachdem man aufhören will und sich Hilfe sucht), offen einzugestehen, daß man eine Therapie macht, um sein Verhalten ändern zu können?

LG
Uli
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Olli
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« Antwort #3 am: 06 Oktober 2011, 20:36:15 »

Hi Uli!

Ich befürchte jedoch, daß er im Prinzip unterm Strich überhaupt nichts übrig hätte, würde er seinen 3 Kindern den nötigen Unterhalt, seine Miete und was sonst noch anfällt, zahlen.

Wenn ich mich recht entsinne, dann liegt der Selbstbehalt (oder wie das heisst) bei ca. 900 €.
Damit können keine großen Sprünge gemacht werden - aber es reicht zum überleben.


Zu Deinen Fragen:
Ich habe keine Therapie gemacht.
Desweiteren bin ich der Meinung, nur ein Aussenstehender kann feststellen, ob ich trocken bin.
Von daher betitele ich mich seit einigen Jahre als "abstinent".

Erwarte bitte von der Therapie keine Wunderheilung.
Sie ist zwar struktuiert - dahinter stecken Menschenverstand, Erfahrungen, Sachverstand pi pa po - doch die Therapie ist letztlich nur so gut, wie der Patient bereit ist sich zu öffnen und mitzuarbeiten.
Da ich selber mich "nur" in SHG und SHF mit meiner Sucht beschäftige, dauert/e alles zwar hier und da schon ein wenig länger - aber es funktioniert trotzdem.


Meine Familie ist durch Sterbefälle und Geschwisterstreitereien auf Vaters Seite recht klein.
Meine nahen Verwandten wissen schon ewig von meiner Sucht.
Bleiben noch Freunde und gute Bekannte ...
Einer Freundin habe ich mich nach ca. 1 Jahr offenbart.
Die Antwort war: Wusste ich doch schon längst ...
das und das Training in SHG und SHF haben dann dazu geführt - wenn solch ein Thema aufkommt - spreche ich auch offen darüber.

Tue mir und Dir bitte einen Gefallen:
Decke niemals die Lügen eines Suchtkranken.
Du machst Dich damit mitverantwortlich für zukünftige Ereignisse.
Die Kinder haben ein Recht zu erfahren, dass ihr Vater an einer Krankheit leidet und gerade deswegen in Therapie ist.
Spreche es auch an im Paargespräch- und distanziere Dich davon.
Wenn Dir irgendetwas nicht gefällt, dann stecke DEINE Grenzen ab - mit absoluter Konsequenz.

Dabei denke ich, dass Du niemals Unmögliches von ihm verlangen wirst.

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Gute 24 h
Olaf
Uli
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« Antwort #4 am: 19 Oktober 2011, 08:59:09 »

Seit meinem letzten Eintrag hier, hat sich bei uns sehr viel getan...

Die Caritas stellt den Leuten der Therapiegruppe für jeden Monat eine Bescheinigung aus, an welchen Tagen sie anwesend waren, und ob es sich um Gruppen-, Einzel- oder Paargespräche gehandelt hat.
Beim Lesen ist mir aufgefallen, daß er einmal nicht zum Gruppentreffen war, bekam aber von ihm eine sms, daß er gleich von der Arbeit aus hinfährt, weil er spät dran ist..
Auf meine Frage, warum er nicht dort war, sagte er zuerst, die haben bestimmt einen Fehler gemacht und vergessen, diesen Tag aufzuführen, später gab er dann zu, nicht dort gewesen zu sein.
Danach war er ein paar mal abends bis spät in die Nacht weg, am letzten Zahltag gab er zu, spielen gewesen zu sein.
Dazu kam dann noch diese ich sag mal "Wesensveränderung", das hat mich echt fertig gemacht.
In meinem Kopf hat sich dann wieder das Thema "er geht mir bestimmt fremd" breit gemacht, und als er letzten Freitag erst nachts um halb drei heimkam, wurde es mir endgültig zu viel.
Am Samstag Morgen fragte ich ihn, wie lange er mich schon betrügt, und ich bekam die Standard-Antwort, die ich auf alles bekomme: ich würde mir nur unnötige Gedanken machen.
(Ich konnte es mal wieder nicht lassen, und hatte in dieser Nacht in seinen Geldbeutel geschaut, da lag ein Zettel mit einem Frauennamen und einer Tel.nr. drin, was meine Vermutung nur noch bestärkte. Ich habe ihm aber nicht gesagt, daß ich geschnüffelt habe)

Jedenfalls hatte ich beschlossen, seine Sachen zu packen, mich von ihm zu trennen und ihn in seine Wohnung zu schicken.
Als er dann kam, um seine Sachen zu holen, sagte er, er hat bei seinen Eltern übernachtet. Ich glaubte ihm nicht, sagte aber nichts. Dann rief sein Vater hier an, um zu fragen, wie es uns geht. Hat mich sehr gewundert, hätte mein Freund dort geschlafen, bräuchte sein Vater nicht zu fragen, wie es uns geht.
Als ich ihn fragte, ob er keinen Übernachtungsgast hatte, sagte er nein.
Gerade mal 5 Minuten zuvor hielt ich meinem Freund nochmal dieses ständige Lügen vor, und schon wieder war klar, daß er gelogen hat...
Ich war echt am Ende. Zum guten Schluß sagte mein Freund dann, hätte er gesagt, er hat in seiner Wohnung übernachtet, hätte ich ihm auch nicht geglaubt.
Also selbst im allerletzten Moment des Ertappt-Werdens kann er nicht die Wahrheit sprechen.

Ich redete ihm noch ein letztes Mal ins Gewissen, daß er da alleine nicht mehr rauskommt, und daß ich denke, einmal pro Woche in die Gruppentherapie und ab und zu ein Einzelgespräch bringen ihn nicht weiter.
Meiner Meinung nach hilft da nur noch eine stationäre Therapie über mehrere Monate, vorausgesetzt, er will wirklich was ändern.
Er hat Angst, daß er dann keine Miete und keinen Unterhalt mehr zahlen kann, wenn er nur noch Krankengeld bekommt. Darauf sagte ich, daß er ja sowieso meistens nichts bezahlt. Davon wollte er natürlich nichts hören.
Im Laufe des Gesprächs bin ich dann wieder einen Schritt zurück gegangen, hab ihm vorgeschlagen, er soll sich jetzt aufrappeln, seine Sachen mitnehmen und endlich das tun, was schon so lange überfällig ist. Und dazu gebe ich ihm bis Ende des Jahres Zeit. Habe mich also noch nicht endgültig getrennt, sondern die Entscheidung (mal wieder) nach hinten geschoben.
Einen Tag später meldete er sich, sagte, er war beim Anwalt, hat sich um seine Privatinsolvenz gekümmert und war bei der Caritas um ein Einzelgespräch zu bekommen, leider ist der Termin erst Ende Oktober.
Dann sagte er, er hat in seiner Wohnung keinen Strom und kein Gas, weil über 600 Euro Abschläge nicht bezahlt wurden.
Ich sagte, da muß er jetzt durch, wenn ihm was an seiner und unserer Zukunft liegt, muß er jetzt zusehen, wie er das auf die Reihe bekommt, er hat nicht bezahlt, und sonst niemand.
Gestern hat er dann seine Eltern gefragt, ob er eine Zeit lang bei ihnen schlafen darf, sein Vater rief mich an, fragte mich über alles aus, ich sagte ihm, wie der Stand der Dinge ist, daraufhin schickte er ihn in seine Wohnung.
Jetzt habe ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, aber zugleich weiß ich auch, daß das Zustandekommen dieser ganzen Misere vielleicht die beste Voraussetzung dafür ist, daß er endlich wach wird.
Es tut mir in der Seele weh,ihn so im Stich zu lassen, aber da muß ich jetzt wohl durch.

Wenn ich nur diese elende Hoffnung auf eine bessere Zukunft endlich loslassen könnte!

Habe gestern das Buch: Wenn Frauen zu sehr lieben (die heimliche Sucht, gebraucht zu werden) angefangen, und schon auf den ersten 4 Seiten so viel Wahrheit über mich gelesen, daß es mir schlecht wird.
Ich bleibe dran, lese und verstehe weiter, nächste Woche habe ich wieder einen Termin bei meiner Therapeutin, mal sehen, was die nächste Zeit bringt.

Das wars dann erst mal von mir

liebe Grüße
Uli
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« Antwort #5 am: 20 Oktober 2011, 23:49:00 »

Da bin ich schon wieder..
Es sieht ganz danach aus, als hätten sich sämtliche Schwierigkeiten gelohnt.
Mein Freund war bis eben bei mir (er kam nach der Therapiegruppe), er erzählte, daß er in den vergangenen Nächten über eine stationäre Therapie nachgedacht hat. Als er heute Morgen aufgestanden ist, hat er den festen Entschluß gefaßt, eine solche zu machen.
Das hat er dann heute Abend bei der Gruppe gesagt, woraufhin sein Therapeut ihm zugesichert hat, nächste Woche den Antrag fertig zu haben, er braucht ihn dann nur noch zu unterschreiben. Es könnte sein, daß er schon in 3-4 Wochen dort ist. Ein Gruppenmitglied hat ihm dann wohl noch sehr ausführlich von seiner zurückliegenden Therapie erzählt, daß ihm die Zeit dort sehr gut getan hat und ihn aufgemuntert, wenn er dort ist, alles, was dort angeboten wird, mitzunehmen.
Seine Stimmung ist im Moment sehr euphorisch, ich habe mich auch riesig gefreut, ich hoffe, daß alles gut geht, und er nicht mehr so lange warten muß, bis es los geht.
Wobei ich schon auch Angst habe, wie es sein wird, für 3-4 Monate getrennt zu sein.
Ich sehe aber auch eine Chance für mich, diese Zeit ohne ihn durchstehen zu müssen, in der Gewißheit, er ist nicht nur in seiner Wohnung hier um die Ecke..

Ich freue mich, daß er diesen Entschluß gefaßt hat und bin gespannt, wie es wohl werden wird.

Hoffnungsvolle Grüße

Uli
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