Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: willi77 am 30 Juli 2018, 23:14:55

Titel: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 30 Juli 2018, 23:14:55
Es ist soweit. Ich habe eingesehen, dass ich spielsüchtig bin und endlich aufhören muss, bevor neben dem finanziellen Schaden noch mehr passiert.
Ich habe seit Jahren die Kontrolle verloren und eigentlich war es mir schon längere Zeit bewusst, nur wollte ich es nie wirklich wahr haben. "Ich doch nicht", habe ich gedacht. "Ich habe das unter Kontrolle", habe ich gedacht. Einen Scheiß habe ich. Immer wieder habe ich mir vorgenommen aufzuhören, immer wieder habe ich mich beim Spielen wiedergefunden. Tausende Euros später und mit Blick in den Abgrund will ich versuchen abstinent zu bleiben.
Ich hoffe ich finde in diesem Forum jetzt auch aktiv Hilfe und kann mich mit "Gleichgesinnten" austauschen.
Meine Ziele: Wieder ein gesundes Verhältnis zum Geld. Wieder Grund zur Freude auch außerhalb des Spiels (Und ich habe eigentlich genug Grund, allerdings bin ich zu verblendet, um das wahr zu nehmen und habe auch gemerkt wie sich mein Geist immer mehr wandelt).
Und genau das ist auch der Auslöser für das hier - Das ich gemerkt habe, dass sich mein Gemütszustand zunehmend verändert. Das ich vollkommen irrational werde. So will ich nicht sein.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: C63Phil am 31 Juli 2018, 06:47:20
Hallo Willy,

du machst definitv den richtigen Schritt in die richtige Richtung! Es sich selber einzustehen und über diese Probleme zusprechen. Dafür schonmal ein großes Lob.

Weiß deine Familie etwas davon? Hast du mit jemanden darüber gesprochen?
Hast du dir schon überlegt evtl. bei der Suchtberatung in deiner Stadt , hilfe zu holen?
Dir das mal anzuhören?! Ich gehe selber aktuell 1x im Monat dort hin und spreche mit meiner Suchtberatung über das ganze Thema, lasse mir Tipps geben und ich muss sagen, hey das klappt gut..

Verwaltest du deine Finanzen noch selber? Oder macht es Sinn, diese jemanden anderem zu überlassen um wirklich abstinent zu bleiben?
Das Gefühl, wieder spielen zu wollen, wird dich einholen und da darfst du keineswegs einbrechen. Auch wenn es passieren kann, lass dich nicht unterkriegen und mach einfach da weiter wo du gestern angefangen hast, nämlich mit dem Schritt in die richtige Richtung!

Wünsche dir eine Spielfreie Zeit!

Lg. Phil
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 09:21:23
Schönen guten Morgen Phil,

erstmal Danke für dein Feedback und dein Lob.

Meine Familie und meine Freundin wissen bisher noch nichts davon. Ich weiß, dass Verbindlichkeit wichtig ist und mir hilft, aber ich will das im ersten Schritt erstmal für mich klar bekommen und dann auch nach draußen tragen. Allein das Eingeständnis, dass ich süchtig bin, muss sich in mir erst noch festigen. Diese Krankheit weiß einfach zu gut zu bescheissen und ich mich selber leider auch.
Ich möchte zunächst erstmal die Hotline ausprobieren und für mich erfahren wie es ist darüber zu sprechen. Allein hier merke ich wie gut es mir tut.
Ich habe mich in jedem Online-Casino sperren lassen, meine Kreditkarten sind ebenfalls gesperrt und ins Minus kann ich, sobald der Dispo ausgelöst ist, auch nicht mehr.
Ich weiß, dass das noch keine großen Schritte sind und ich weiß, dass das alles auf sehr wackligen Beinen steht, aber ich will es unbedingt schaffen.
Ich werde versuchen jeden Tag hier ein Resümee des Tages zu ziehen und hoffe, dass das schon mal hilft.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 10:36:43
Ich kann es einerseits nachvollziehen, dass du erstmal alleine alles verarbeiten willst, aber andererseits kann gerade die Familie eine große Stütze sein. Denk vielleicht nochmal drüber nach mit deinen Lieben zu reden. Entzug betrübt die Laune, teilweise immens. Wenn der andere weiß, woher die miese Laune kommt, denke ich, für beide Seiten erträglicher
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 31 Juli 2018, 11:00:03
Hi Willy!

Herzlich willkommen!

Zitat
Ich weiß, dass das noch keine großen Schritte sind

Da möchte ich gleich mal widersprechen ...

Auch wenn Du meinst, dass das bisher Erreichte vielleicht im Gänsefüßchenmarsch erledigt wurde, so ergeben sie aneinandergereiht ein paar große Schritte.
Das finde ich gut, denn es geht dabei immer voran!

Dann beschreitest Du eben Deinen Weg in kleinen Schritten!
Aber mal ehrlich ... wieso sollten wir denken, dass wir uns bei etwas Neuem immer sofort ins kalte Wasser werfen müssen?

Du hast Dir einen Plan gemacht und bist dabei ihn umzusetzen.

Von der Hotline übrigens habe ich schon viel Gutes gehört. Probiere es einfach mal.

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 12:03:09
Ich habe viel mit meiner Familie reflektiert....es sollte ein Denkanstoß sein. Willy hat seine Familie und sein Gefühlsleben wirkt sich auch auf diese aus....

Ich sage nicht, dass der Weg nicht funktionieren wird. Ich sage, dass es oftmals gemeinsam besser geht
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 31 Juli 2018, 12:20:36
Ich bin voll bei Dir, Strelitzie ...  ;D

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 13:35:56
Vor lauter Hitze habe ich dich wohl etwas falsch verstanden @Olli.

Willy, du schaffst das. Wir sind alle bei dir....
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 16:32:47
Erstmal vielen Dank für euren Zuspruch und ich denke auch, dass ich früher oder später mit meiner Familie sprechen sollte. Noch fehlt mir aber die Kraft.

Ich habe mich heute mit der Onlineberatung für Glücksspielsucht auseinander gesetzt und das hat mir irgendwie auch sehr, sehr gut getan. Es ist komisch von Sucht zu schreiben oder sich einzugestehen, dass man süchtig ist, aber irgendwie hilft es. Und es hilft, dass man nicht alleine ist. Das habe ich jetzt schon gemerkt.

Um heute Abend auf andere Gedanken zu kommen, werde ich Joggen gehen und danach Haushaltsgeschichten machen. Einfach Ablenkung und Struktur. Ferner habe ich mir genaue Laufwege zur Arbeit festgelegt und einen ziemlich durchgetakteten Alltag. Im wahrsten Sinne des Wortes: Weniger (Spiel-)Raum.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 16:40:22
Ich muss jetzt Mal doof frag nach, wie hältst du die Spielerei vor deiner Familie geheim?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 17:25:18
Ich muss jetzt Mal doof frag nach, wie hältst du die Spielerei vor deiner Familie geheim?


Sie kennen nicht meine Finanzen und ich bringe keine Stunden damit zu. Schnell Geld zu verzocken kriegt man ja leider auch innerhalb kurzer Zeit hin und gerade Online-Casinos helfen dabei es unter dem Radar zu halten. Bisher habe ich mich finanziell auch nur selten bis ans Maximum "getraut" und so schafft man es dann noch bis zum nächsten Gehalt oder redet sich irgendwie raus.
Man lernt als Spieler es einfach geheim zu halten und gibt nach Außen etwas anderes, als es sich hinter den Kulissen abspielt.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 17:39:59
Erwische mich gerade dabei wie ich durchs Forum klicke und mir denke: "So schlimm bist du ja noch gar nicht dran". Unglaublich wie vernebelt mein Geist ist - gehe jetzt laufen, den Kopf frei kriegen.

Wirklich: Vielen Dank an alle die hier schreiben.
Hatte vorhin kurz Panik, dass ich gebannt sein könnte (Wurde mir beim Versuch mich mit dem Handy einzuloggen angezeigt) - dem ist Gott sei Dank nicht so.

Das hier hilft mir.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 18:46:12
Warum spielst du? Ich meine die psychischen Hintergründe? Hast du Vermutungen?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 19:08:14
Warum spielst du? Ich meine die psychischen Hintergründe? Hast du Vermutungen?


Zu meiner Person und den Beweggründen (Zumindest die, die ich mir bisher selber erschließen konnte): Nach meinem Studium bekam ich zunächst nur einen Halbtagsjob, der extrem schlecht bezahlt war. 1000 Euro Brutto, abzüglich "Spritkosten". Dort schied ich ziemlich schnell aus, weil meine Chefin mir nach einem Monat sagte, dass sie „allein meine bloße Anwesenheit hassen“ würde. Mir war damals nicht bewusst, dass das wohl Mobbing war. Jedenfalls war ich nach drei Monaten wieder draußen, dann allerdings auch schon wieder im nächsten Job. Dieses Mal freiberuflich - 10 Stunden am Tag, 1000 Euro brutto, obendrauf kamen Spritkosten. Zu dieser Zeit fing ich langsam an mehr zu spielen, allerdings steigerte es sich immer mehr mit den Jahren in dem ich im Beruf erfolglos blieb. Kein Geld, plötzlich sollten Studienkredite zurückgezahlt werden. Rückblickend betrachtet habe ich mich wohl selber zu sehr bemitleidet und im gleichen Moment zu viel von mir verlangt. Getreu dem Motto: Wenn sowieso nichts klappt, ist es auch egal, wenn ich beim Spielen alles gegen die Wand fahre. Das war ein wirklich bewusster Gedankengang. Allerdings waren mir die Folgen dessen noch nicht im Ansatz bewusst. Das Spielen nahm also immer mehr zu, während ich beruflich weiter versagte bzw. ausgenutzt wurde und immer dachte alles wird gut, bis am Ende auch diese Hoffnung erstmal dahin war. Dann gab ich mich ein halbes Jahr komplett auf. Ich glaubte einfach nicht mehr an mich und das es irgendwann mal besser wird.
Allerdings stabilisierte sich Anfang 2017 endlich mein beruflicher Werdegang. Das Spielen konnte ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr lassen. Unbewusst war es Teil von mir geworden und ganz oft spiele ich einfach aus Langeweile, weil ich sonst nichts mit mir anzufangen weiß. Was eigentlich abstrus ist, da ich viele Projekte nebenbei realisiere, aber sobald die weg sind, falle ich in ein Loch. Außerdem bemerke ich bei mir, dass ich mich mit dem Spielen oft belohnen möchte oder aber auch besänftigen: Der Tag war scheisse, hol dir wenigstens noch etwas Spaß. Aber auch das ist paradox: Ich empfinde nicht mal sonderliche Freude, selbst wenn ich gewinne.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 31 Juli 2018, 20:05:17
Warst du Mal längere Phasen spielfrei?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 31 Juli 2018, 20:47:14
Warst du Mal längere Phasen spielfrei?

Länger ist sehr relativ, aber in den letzten beiden Jahren wurden die Abstände deutlich kürzer. Vielleicht mal zwei, drei Wochen, aber dann ging es immer wieder bergab.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 01 August 2018, 06:51:09
Diesen kick bei einem Gewinn habe ich auch schnell verloren gehabt. Ich vermute Mal, dass es dich immer dann sehr kribbelt, sobald das Gehalt da ist. Ablenkung ist eine gute Sache. Ich habe mich sehr viel mit mir auseinander gesetzt und die Gründe erforscht, warum ich spiele. Dann hat es plötzlich Klick gemacht und ich habe erkannt, dass mich das spielen nicht weiter bringt. Habe auch in meinem Umfeld vieles geändert, was mich unglücklich gemacht hat. Das hat auch viel gebracht. Zufriedenheit. Meine Finanzen werden von meiner Mama gemanagt. Mein Gehalt geht auf ihr Konto. Ich bekomme Gutscheine von ihr. das Ziel: die Quelle austrocknen. Das hat mir Ruhe gebracht. Ich konnte mein Gehalt gar nicht mehr verzocken, weil ich nicht dran komme. Kein Geld bedeutet für mich keinen Stress.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 01 August 2018, 22:55:45
Ein weiterer Tag ohne Spielen geht ins Land. Heute einen guten Test gehabt: Ich bin mit Kollegen nach der Arbeit noch unterwegs gewesen und für gewöhnlich führte mich der Weg nach Hause immer noch in die Spielo. Dieses Mal nicht. Bin direkt in die Bahn und dann ab nach Hause.
Meine Gedanken kreisen tatsächlich aktuell weniger um das Spielen, als vielmehr um die Tatsache, dass ich süchtig bin. Das ist zwar schon im Kopf, allerdings muss es noch in Gänze dort ankommen. Ich überlege aktuell darüber hinaus, wem ich mich in Sachen Spielsucht anvertrauen kann. Bin aktuell noch unschlüssig, aber habe schon eine enge Auswahl gefasst.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 02 August 2018, 17:30:15
Ich erwische mich immer wieder wie bestimmte Situationen einfach mit dem Spielen verknüpft sind und mein Hirn automatisch dazu über geht, dass ich spielen möchte. Beispielsweise, wenn ich mich an den PC setze. Irgendwann ist alles "normale" erledigt, jetzt wäre eigentlich der Moment um zu spielen. Mache ich nicht, aber mein Geist ist so konditioniert darauf, dass es automatisch in den Sinn kommt.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Ilona am 02 August 2018, 17:47:04
Mach dir keinen Kopf. Das sind ganz normale Prozesse. Kennt jeder Suchti. Viele Raucher z. B.  vermissen die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex  oder in Kombination mit Alkohol. Du machst das ganz richtig: du identifizierst die gefährlichen Situationen, sprichst offen darüber und bist achtsam. Das Ganze wird dich auch noch eine ganze Weile begleiten. Manchmal taucht das Verlangen ganz unverhofft auf - wie aus dem Hinterhalt. Du kannst es aber stoppen, wenn du bei deinem Vorhaben bleibst, es notfalls in solchen Situationen auch laut aussprichst. Das mag das Spielteufelchen gar nicht. Wichtig ist allerdings ganz rasch zu reagieren. Nicht diskutieren oder innerlich abwägen. Dann hast du verloren. Und nochwas: je mehr Zeit vergeht, desto besser wird es. Versprochen!
Alles Gute weiterhin!
Ilona
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 02 August 2018, 21:18:56
Mach dir keinen Kopf. Das sind ganz normale Prozesse. Kennt jeder Suchti. Viele Raucher z. B.  vermissen die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex  oder in Kombination mit Alkohol. Du machst das ganz richtig: du identifizierst die gefährlichen Situationen, sprichst offen darüber und bist achtsam. Das Ganze wird dich auch noch eine ganze Weile begleiten. Manchmal taucht das Verlangen ganz unverhofft auf - wie aus dem Hinterhalt. Du kannst es aber stoppen, wenn du bei deinem Vorhaben bleibst, es notfalls in solchen Situationen auch laut aussprichst. Das mag das Spielteufelchen gar nicht. Wichtig ist allerdings ganz rasch zu reagieren. Nicht diskutieren oder innerlich abwägen. Dann hast du verloren. Und nochwas: je mehr Zeit vergeht, desto besser wird es. Versprochen!
Alles Gute weiterhin!
Ilona

Danke Ilona! Ich weiß, dass es noch ein sehr weiter Weg ist, aber jeden Tag komme ich dem "Ziel" (Wenn man bei einer Sucht davon überhaupt sprechen kann) ein bisschen näher. Ich merke jedenfalls, dass ich ganz bewusst wahrnehme wann ich für gewöhnlich dazu übergegangen wäre zu spielen und versuche dann, beispielsweise am PC, entweder sofort etwas anderes zu tun oder einfach hier reinzuschreiben. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich bleibe dran.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 03 August 2018, 21:42:43
Heute wieder perfekter Zeitpunkt zum Spielen. Sturmfrei und keine Termine, außerdem muss ich in der Stadt Besorgungen machen und komme an bekannten Spielos vorbei. Erwische mich selber dabei wie ich mir schön reden will, dass ich ein kleines Spielchen wagen könnte. Frisches Geld ist da, außerdem ist unverhofft was dazu gekommen. Ich setzte mich also straight in die Bahn und fahre nach Hause. Jetzt hätte mich für gewöhnlich spätestens der Weg ins Online-Casino geführt. Ich gehe also wieder laufen - solange bis nichts mehr geht. Jetzt ist alles wieder gut. Weiter geht es.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 03 August 2018, 21:52:55
Was mir übrigens hilft, auch wenn es ein bisschen albern klingt, sind Motivationsreden. Ich höre mir solche Sachen jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit und vorm Einschlafen an. Mir hilft das. Ich bestimme mein Ziel und gehe dem nach. Das verschafft mir sehr viel Klarheit.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 04 August 2018, 07:10:34
Weiter so!!! Du schaffst das!!
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 04 August 2018, 20:18:49
Weiter so!!! Du schaffst das!!


Danke Dir! Ich halte durch und auch wenn es noch ein sehr langer Weg ist, mit jedem spielfreiem Tag wird es etwas einfacher. Die Stimme im Hinterkopf ist immer da, aber sie wird immerhin immer etwas leiser.
Ansonsten konnte ich feststellen, dass meine Produktivität in allen Belangen deutlich gestiegen ist. Ich mache meinen Scheiß sozusagen. Sachen die länger liegen geblieben sind, kann ich jetzt in Angriff nehmen. So halte ich mich beschäftigt, lenke mich ab und außerdem, naja, erledige ich eben ungeliebte Aufgaben.
Es wird besser...
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Ilona am 04 August 2018, 22:01:42
Du fängst an Verantwortung zu übernehmen?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: andreasg am 04 August 2018, 22:25:54
Hallo Willy,

ich lese Dein Tagebuch und lese etwas für mich wichtiges, das Leben in kleinen Schritten, das Leben in die Genesung.
Ich bin zur Zeit auf Depri, aber wenn ich höre - lese, daß jemand einen gangbaren Weg betritt, komme ich auch wieder positv drauf.

Danke für Dein Tagebuch
Andreas
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 04 August 2018, 23:01:32
Hallo Willy,

ich lese Dein Tagebuch und lese etwas für mich wichtiges, das Leben in kleinen Schritten, das Leben in die Genesung.
Ich bin zur Zeit auf Depri, aber wenn ich höre - lese, daß jemand einen gangbaren Weg betritt, komme ich auch wieder positv drauf.

Danke für Dein Tagebuch
Andreas

Hey Andreas, das freut mich. Ich glaube, dass depressive Phasen irgendwie dazu gehören, man sich aber immer wieder vor Augen führen muss, dass wir am Ende durch das Aufhören nur Gewinnen. Verzicht geht ja auch immer irgendwie mit Sehnsucht einher und das tut gerade im Bezug auf die Sucht natürlich besonders weh. Allerdings sollte man sich dann immer wieder vor Augen führen: Zwar geht es mir gerade schlecht, aber wie beschissen ging es mir als ich mal wieder die Kontrolle verloren habe. Wie traurig war ich als ich es schon wieder nicht geschafft habe Nein zu sagen.
Das wiegt alles viel, viel schwerer als die zwischenzeitlichen Downphasen.
Wir schaffen das!
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 04 August 2018, 23:03:08
Du fängst an Verantwortung zu übernehmen?

Verantwortung für mich selbst und mein Handeln, ja. Oder wie meinst du das?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Ilona am 04 August 2018, 23:09:32
Ja, genau so habe ich das gemeint. Ist was dran? Oder?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 04 August 2018, 23:25:39
Ja, genau so habe ich das gemeint. Ist was dran? Oder?

Ja, in jedem Fall ist da was dran. Ich habe die wesentlichen Sachen zwar immer am Laufen gehalten, aber Dinge auf die ich keine Lust hatte oder die für mich eben "nach" dem Spielen kamen habe ich gerne mal nach Hinten gestellt. Ich glaube zudem halt auch, dass meine Sucht mir ordentlich den Geist vernebelt hat und dementsprechend einfach ein klarer Blick aufs Leben fehlte. Je mehr ich mich mit mir und meiner Situation auseinandersetze, desto mehr erhalte ich einen klareren Blick.
Alleine die Tatsache, dass ich versuche wirklich jeden Tag hier zu schreiben bringt mir schon wirklich viel. Ich bin dadurch gezwungen mich immer und immer wieder meiner Sucht zu stellen. Kein: So schlimm war das doch alles gar nicht. Kein: Jetzt hast du lange genug Pause gemacht, jetzt kannst du wieder Spielen, du hast dich doch jetzt unter Kontrolle.
Alles Schwachsinn und ich habe es schwarz auf weiß. Jeden Tag.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 05 August 2018, 06:19:06
Genau diese Gefahr sehe ich bei mir auch. Der Mensch vergisst das Schlechte sehr schnell. Die finanzielle Situation ist nach ein paar Monaten nicht mehr so angespannt und dann könnte der Teufelskreis wieder von vorne beginnen. Dies ist bei mir der Grund, warum ich hier seit kurz sehr aktiv bin im Forum. Ich will mich bewusst immer wieder mit der Thematik auseinander setzen. Bin jetzt 3 Monate spielfrei und die schlechten Gefühle und Gedanken werden immer weniger. Ich habe jetzt immer ca. 100 Euro Bargeld im Haus. Mein Trainingslager. Ich weiß genau, dass ich nicht kontrolliert spielen kann und deswegen werde ich versuchen, niemals wieder auf nur einen Cent zu "versuchen". Das würde schief gehen.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 05 August 2018, 08:09:17
Hi Willi!

Zitat
Alleine die Tatsache, dass ich versuche wirklich jeden Tag hier zu schreiben bringt mir schon wirklich viel.

Dafür ist dieses Forum da!
Und Du bist auch nicht der Einzige, der davon profitiert!
So lese ich heute morgen die Beiträge von gestern von Dir und erfreue mich daran, wie Du wieder am Leben teil nimmst.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Strelitzie.
Doch da muss ich gerade eine Anmerkung einbringen:

Hi Strelitzie!

Zitat
Ich habe jetzt immer ca. 100 Euro Bargeld im Haus. Mein Trainingslager.

Ich bin ja eher einer von der vorsichtigen Fraktion.
Drei Monate Abstinenz sind schon klasse!
Jetzt kommt leider das "aber" ...
In meiner einstigen SHG sprachen wir einst darüber, dass man erst "trocken" ist, wenn ein halbes bis dreiviertel Jahr die Abstinenz erhalten und durch SHG und sonstige Hilfen gepflegt wird.
Es gibt sicher Fälle, die auch etwas länger dafür brauchen - was ja kein Problem darstellt.

Wenn ich jetzt aber von Bargeld im Haus lese und dazu noch Trainingslager ... nach drei Monaten ... dann ist mein Beschützerinstinkt direkt auf 180.

Ich finde es zu früh dafür ...

Wir haben keine Eile uns wieder mit Geld als gesetzlichem Zahlungsmittel auseinander zu setzen.
Denn je näher wir der Suchtausübung noch sind, desdo eher können wir auch wieder in den Suchtmodus umschalten und es als Suchtmittel ansehen.

Wenn ich an meine aktive Zeit zurück denke, dann war sie ein permanentens Ausreizen von Grenzen.
Ist das "Trainingslager" vielleicht nicht auch die gleiche Verhaltensstruktur?
Ich weiss es nicht ... nur Du kannst das für Dich erkennen.

Um einfach nur Vorsicht walten zu lassen: Gönne Dir bitte die Zeit zur Ruhe zu kommen!
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 05 August 2018, 09:49:23
Hallo Olli,

Danke, dass du dir Sorgen machst. Ich bin in enger Abstimmung mit meiner Finanzmanagerin, meiner Mama, bezüglich meiner Finanzen. Diese 100 Euro sind teilweise schon angespartes Geld. Im ersten Monat hatte ich 50 Euro Taschengeld. Im zweiten dann 100. Im dritten wieder 50.

Ich habe es bewusst so gewählt. Meine Schmerzgrenze um spielen zu gehen lag bei mind. 50 Euro. Inzwischen ist es für mich kein Druck mehr, um die 100 Euro hier liegen zu haben. Anfangs war es nicht einfach....ich kann auch mit 100 Euro losfahren um Medizin für den Hund zu besorgen, ohne auf die falschen Gedanken zu kommen. Würde ich merken, dass es mich mehr belastet, als das es mit Freude macht, würde ich es sofort ändern.

Ich gehe sehr bewußt mit mir um. Ich nenne es Trainingslager, weil die Auseinandersetzung ja nur dann stattfinden kann, wenn die Barmittel verfügbar sind.

Niemand macht mir in irgendeiner Form Druck. Auch ich mir selbst nicht. Meine Mama wird meine Finanzen auch noch mind. 6 Monate verwalten.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: andreasg am 05 August 2018, 13:39:50
Hallo Strelitze,

was ich gut finde an Deinem Trainingsfeld ist, daß Du Geld für das Wohl Deines Hundes ansparst und einsetzt. Tierliebe ist ein besonders wichtiger Punkt in der Suchtbehandlung, weil eben Haustiere besonders empatisch und aufrichtig sich in ihren Gefühlen und Bedürfnissen und in ihrer Zuwendung sich mitteilen können.

Liebe Grüße
Andreas
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 05 August 2018, 13:42:17
Genau diese Gefahr sehe ich bei mir auch. Der Mensch vergisst das Schlechte sehr schnell. Die finanzielle Situation ist nach ein paar Monaten nicht mehr so angespannt und dann könnte der Teufelskreis wieder von vorne beginnen. Dies ist bei mir der Grund, warum ich hier seit kurz sehr aktiv bin im Forum. Ich will mich bewusst immer wieder mit der Thematik auseinander setzen. Bin jetzt 3 Monate spielfrei und die schlechten Gefühle und Gedanken werden immer weniger. Ich habe jetzt immer ca. 100 Euro Bargeld im Haus. Mein Trainingslager. Ich weiß genau, dass ich nicht kontrolliert spielen kann und deswegen werde ich versuchen, niemals wieder auf nur einen Cent zu "versuchen". Das würde schief gehen.

Wir müssen uns das eben immer wieder bewusst machen und nicht schön reden, was nicht schön zu reden geht. Leichter gesagt als getan, allerdings bringt ja wie gesagt allein der tägliche Austausch hier eine Menge.
Was mir aktuell wirklich bewusst wird ist, wie viel Zeit eigentlich fürs Zocken drauf gegangen ist. Auch wenn es wahrscheinlich im Vergleich nicht so viel war, gilt es jetzt diese Lücken irgendwie mit Leben zu füllen. Wie bereits beschrieben mache ich aktuell ziemlich viel was liegen geblieben ist, ich will aber vorbereitet sein, wenn die Sachen irgendwann erledigt sind. Heißt: Ich lege mir schon mal Projekte zu Recht mit denen ich bald beginnen möchte.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 05 August 2018, 18:36:16
@willy.
Hast du noch großen Spieldruck?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 05 August 2018, 21:34:10
@willy.
Hast du noch großen Spieldruck?


Irgendwie ja und irgendwie nein. Es spukt mir immer mal wieder im Kopf rum, aber als Druck würde ich das nicht bezeichnen. Es ist aber präsent und begleitet mich. Allerdings nur der Gedanke an die Sucht als das Spielen an sich. Wie verhält sich das bei Dir? Immerhin bist du seit drei Monaten clean.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 06 August 2018, 06:45:14
Der erste Monat war nicht einfach. Der Gedanke an das Spielen war sehr präsent. Ich mag die Art der Automaten heutzutage gerne, ich muss es einfach so sagen. Bin sehr IT bzw Spiel affin. Besonders als mein Gehalt kam, hat es mich sehr nervös gemacht, obwohl ich wusste, dass das Geld nicht auf meinem Konto landet. Die Zeit hat mir hier wirklich geholfen. Ich vermisse die Atmosphäre auch etwas. Man hat ja doch im Laufe der Zeit dort Menschen kennengelernt. Die Servicekraft oder andere Spieler. Recht selten erwische ich mich bei dem Gedanken: ach, 20 Euro gehen schon Mal. Dann mache ich mir aber ganz bewusst, dass das eben nicht geht. Ich will das einfach nicht mehr.
Ich kann mit meiner Partnerin, meiner Mama oder meiner Tante reden, wenn es mir deswegen Mal nicht gut geht. Sie hören mir zu. Ohne Vorwürfe oder unpassende Kommentare. Das hilft mir sehr. Einfach reden. In der Spielhölle bei uns um die Ecke habe ich mich für 1 Jahr sperren lassen. Ich hatte oft Angst einkaufen zu fahren, weil ich dort vorbei musste. Das war mein erster Schritt vor meinem Klinikaufenthalt. Das hat schon sehr geholfen. Um andere Höllen mache ich, sofern möglich, einfach einen Bogen. Wie Olli schon meinte, man soll sich nicht überfordern. So weit bin ich vermutlich noch nicht, dass ich dort wirklich ruhigen Gewissens vorbei gehen kann. Tag für Tag. Schritt für Schritt.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 06 August 2018, 17:24:31
Der erste Monat war nicht einfach. Der Gedanke an das Spielen war sehr präsent. Ich mag die Art der Automaten heutzutage gerne, ich muss es einfach so sagen. Bin sehr IT bzw Spiel affin. Besonders als mein Gehalt kam, hat es mich sehr nervös gemacht, obwohl ich wusste, dass das Geld nicht auf meinem Konto landet. Die Zeit hat mir hier wirklich geholfen. Ich vermisse die Atmosphäre auch etwas. Man hat ja doch im Laufe der Zeit dort Menschen kennengelernt. Die Servicekraft oder andere Spieler. Recht selten erwische ich mich bei dem Gedanken: ach, 20 Euro gehen schon Mal. Dann mache ich mir aber ganz bewusst, dass das eben nicht geht. Ich will das einfach nicht mehr.
Ich kann mit meiner Partnerin, meiner Mama oder meiner Tante reden, wenn es mir deswegen Mal nicht gut geht. Sie hören mir zu. Ohne Vorwürfe oder unpassende Kommentare. Das hilft mir sehr. Einfach reden. In der Spielhölle bei uns um die Ecke habe ich mich für 1 Jahr sperren lassen. Ich hatte oft Angst einkaufen zu fahren, weil ich dort vorbei musste. Das war mein erster Schritt vor meinem Klinikaufenthalt. Das hat schon sehr geholfen. Um andere Höllen mache ich, sofern möglich, einfach einen Bogen. Wie Olli schon meinte, man soll sich nicht überfordern. So weit bin ich vermutlich noch nicht, dass ich dort wirklich ruhigen Gewissens vorbei gehen kann. Tag für Tag. Schritt für Schritt.

Aber das klingt doch alles nach einer ziemlich guten Strategie. Du hast einen Plan und den verfolgst du. Ich glaube, dass der Plan am wichtigsten ist.
Was die Spielos anbetrifft: An denen komme ich eigentlich ohne Probleme vorbei. Ich lege es nicht drauf an, aber von Zeit zu Zeit komme ich tatsächlich immer mal wieder an welchen vorbei. In diesen Momenten nehme ich zwar wahr, dass sich kurz in meinem Körper etwas tut, allerdings bleibt es auch dabei. Ich lasse mich aber auch nicht von mir selber täuschen: Nur weil ich für den Moment damit klar komme, heißt das nicht, dass es immer so einfach bleibt.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 07 August 2018, 18:48:56
Sport hilft aktuell ungemein und es füllt die Zeit in der ich sonst vielleicht gespielt hätte. Außerdem halte ich mich daran, dass mein Tag einen Plan hat und Dinge die ich mir vornehme auch gemacht werden. Das gibt mir Struktur und lässt mich weiterhin nicht auf dumme Gedanken kommen. An Spielen habe ich eigentlich gar nicht gedacht. Erst in diesem Moment als ich das hier schreibe kommt es mir wieder in den Sinn. Den Weg bleibt lang, aber jeden Tag den ich spielfrei überstehe ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 08 August 2018, 18:01:49
Jetzt sind es acht Tage her, dass ich mich hier angemeldet habe und es kommt mir gefühlt wie eine Ewigkeit vor. Wahrscheinlich auch eine Tücke dieser Krankheit, die einem immer wieder versucht einzureden: Hey, jetzt hast du es so lange geschafft, probier doch mal wieder dein Glück. Da ich mir dieser Tatsache aber bewusst bin, mache ich mir darüber aber keine weiteren Gedanken sondern nehme es so an wie es eben ist. Einladungen zu Pokerspielen oder ähnlichem lehne ich prinzipiell ab, auch wenn ich mich selber dabei erwische wie ich mir denke: Karten waren nie dein Problem, es sind die Automaten. Allerdings steht natürlich außer Frage, dass mir mein "Verstand" mir nur einen Streich spielen will, damit ich irgendwie wieder ans Zocken komme.
Ich mache weiter und bleibe dran.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Gobo2018 am 08 August 2018, 21:02:38
Hallo Willy,

das wird noch eine ganze Zeit so weiter gehen.
Aber wie Ilona auch bereits geschrieben hat wird es mit der Zeit immer besser.

Man muss allerdings durchhalten und sich ablenken.
Damit meine ich allerdings nicht verdrängen.

Das schlimmste war für mich die ganze Zeit die ich auf einmal übrig hatte.
Am Anfang hatte ich mir auch Projekte rausgesucht und diese in einer Rekordzeit abgearbeitet.

Dann mit der Zeit hat sich dies eingependelt.

Ich habe immer noch Angst (positiv) das ich es wieder versuchen könnte (obwohl ich keinerlei Spieldruck habe).
Bin seit Juni 2016 spielfrei.
Darum lese ich hier viel und zwinge mich damit gleichzeitig auch mit weiterhin mit dem Thema zu beschäftigen.

Wichtig ist nur durchhalten.
Sich vor Augen halten das man nur gewinnen kann wenn man nicht spielt.

Du schafft das schon habe ich ja bis jetzt auch geschafft.
Ich werde weiterhin dein Tagebuch verfolgen.
Freue mich bereits auf deine nächsten spielfreien Tage.

Marco
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 09 August 2018, 06:39:48
Ich lese auch fleißig mit. Wir schaffen das!!!!
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 09 August 2018, 12:17:18
Hallo Willy,

das wird noch eine ganze Zeit so weiter gehen.
Aber wie Ilona auch bereits geschrieben hat wird es mit der Zeit immer besser.

Man muss allerdings durchhalten und sich ablenken.
Damit meine ich allerdings nicht verdrängen.

Danke für das Feedback :D Ja, das glaube ich allerdings auch. Ich bin aber zufrieden, dass ich die Strategien im Alltag immer besser integrieren kann und das ich langsam einfach einen anderen Rythmus etabliere. Im Urlaub war das nie ein Problem, da habe ich auch nie gespielt - nur im Alltag hat es bisher einfach nicht wirklich gefruchtet. Deswegen bin ich wirklich stolz, dass es immer besser klappt. Kleine Schritte, aber immerhin geht es vorwärts.
Zu den Projekten: Ich arbeite auch viel ab, aber suche mir auch Dinge, die ich länger angehen kann. Dabei suche ich mir bewusst langfristige Geschichten, damit ich nicht irgendwann in ein Loch falle. Ich finde es wirklich erstaunlich wie viel Zeit beim Zocken eigentlich drauf gegangen ist. Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich nie wirklich lange Sessions absolviert habe, aber dennoch fällt auf, dass jetzt neuer Raum da ist. Wahrscheinlich aber auch irgendwie im Kopf - ich hänge gedanklich nicht mehr irgendwelchen Verlusten hinterher. Interessanterweise wache ich aber häufig auf und denke im ersten Moment: Kacke, du hast gestern wieder Geld verzockt. Obwohl ich gar nicht gespielt habe. Vielleicht träume ich auch davon und kann mich einfach nicht mehr daran erinnern. Ich weiß es nicht, ist auch egal. Der Moment wenn ich realisiere, dass ich eben nicht gespielt habe ist unbezahlbar :D Da geht es mir dann richtig gut.
Und was das Verdrängen anbetrifft: Das mache ich eigentlich nicht. Die Sucht ist gegenwärtig, ich nehme sie wahr, akzeptiere sie, aber gebe ihr nicht nach.
Jeden Tag etwas besser werden, das reicht schon.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 09 August 2018, 12:31:14
Wie schließt du für dich mit dem Thema Verlusten ab? Bei mir kommt das öfter Mal hoch und dann hasse ich mich in diesen Momenten für das, was ich getan habe.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 09 August 2018, 15:11:36
Wie schließt du für dich mit dem Thema Verlusten ab? Bei mir kommt das öfter Mal hoch und dann hasse ich mich in diesen Momenten für das, was ich getan habe.

Ich versuche es so zu akzeptieren wie es ist: Das Geld ist weg. So schmerzhaft das auch so sein mag, egal wie oft und wie viel ich mich darüber aufrege, dadurch bekomme ich es nicht zurück. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es wird sich nichts daran ändern. Dementsprechend denke ich einfach nicht darüber nach. Ich habe gespielt und ich habe verloren. Tatsächlich versuche ich diesen Antrieb aber in was Gutes umzuwandeln: Ich miste aus, verkaufe Dinge auf Ebay, stecke in mein Gewerbe, was ich schon immer nebenbei am Laufen hatte, mehr Zeit und versuche einfach auf ganz normale Art und Weise Geld extra zu verdienen. Der Antrieb ist dabei nicht primär den Verlust wieder wett zu machen, sondern mir auch vor Augen zu führen, dass das schnelle Geld deutlich weniger befriedigt als wenn man selber etwas aufbaut und sich erarbeitet.
Ich habe gewonnenes Geld nie wirklich zu schätzen gewusst, was wohl auch ein Teil der Sucht ist. Tatsächlich bin ich mit gewonnenem Geld noch leichtsinniger umgegangen als ohnehin schon mit meinem verdienten Geld. Unbewusst war ich mir glaube ich schon immer darüber im Klaren: Eigentlich ist das nicht mein Geld. Eigentlich steht es mir nicht zu, weil jemand anderes dafür bluten musste. Ich habe dafür nichts geleistet außer ein Knöpfchen zu drücken.
Als diese Gedankengänge helfen mir dabei etwas Positives aus der ganzen Sache zu ziehen und gewisse Gedankengänge lasse ich komplett außen vor, weil es bringt und ändert nichts daran. Ich glaube, dass wir alle das Gefühl kennen uns den Verlust zurückholen zu wollen - bewusst oder unbewusst - und genau da liegt auch ein Knackpunkt. Wir wollen auf Teufel komm raus nicht akzeptieren, dass wir verloren haben. Also mache ich genau das Gegenteil: Ich gestehe mir ein, dass ich verloren habe.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 09 August 2018, 15:34:10
Das klingt gut. Mit solchen Gedanken Versuche ich mich dann auch zu umgeben. Ich bekomme das Geld nicht zurück, kann es nur in Zukunft besser machen...
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 09 August 2018, 15:55:45
Das klingt gut. Mit solchen Gedanken Versuche ich mich dann auch zu umgeben. Ich bekomme das Geld nicht zurück, kann es nur in Zukunft besser machen...

Genau das ist wohl der Weg den wir gehen müssen.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 09 August 2018, 17:24:29
Eine Sache ist mir gerade aufgefallen: Ich denke, dass wir alle hier Probleme damit haben zu verlieren. Wir können es nicht hinnehmen und blenden unsere Verluste aus, um es dann erneut zu versuchen. Eigentlich eine positive Eigenschaft, wenn sie nur in einem anderen Kontext passieren würde. Niederschläge hinnehmen, Mund abwischen weiter machen. Wenn wir es schaffen unsere Sucht in etwas Positives zu wandeln und diese Hartnäckigkeit in Dinge zu stecken die es wert sind dafür zu kämpfen, dann können wir eine Menge erreichen. Das mag irgendwie skurril klingen, aber es macht schon Sinn.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 09 August 2018, 17:43:43
Hi Willi!

Zitat
Eine Sache ist mir gerade aufgefallen: Ich denke, dass wir alle hier Probleme damit haben zu verlieren.

Nö ... hatte ich nie ...
Sobald ich damals Geld in der Tasche hatte, ging ich spielen. War das Geld weg, dann war das eben so.
Ich hatte ja eine Gegenleistung erhalten.

Natürlich hatte ich mich gefreut, wenn ich mal gewann, doch dies wurde umgehend in Spielverlängerung investiert.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 09 August 2018, 23:02:36
Hi Willi!

Zitat
Eine Sache ist mir gerade aufgefallen: Ich denke, dass wir alle hier Probleme damit haben zu verlieren.

Nö ... hatte ich nie ...
Sobald ich damals Geld in der Tasche hatte, ging ich spielen. War das Geld weg, dann war das eben so.
Ich hatte ja eine Gegenleistung erhalten.

Natürlich hatte ich mich gefreut, wenn ich mal gewann, doch dies wurde umgehend in Spielverlängerung investiert.

Hattest Du nie das Verlangen es dir zurück zu holen? Aber selbst so wie du es beschreibst: Niederlagen verkraftet man als Spieler ja scheinbar ganz gut, was ja im Grunde genommen (Vollkommen fernab vom Spielen) eine gute Eigenschaft wäre. Aber wie dem auch sei - nur eine krude Theorie, die mir gerade so durch den Kopf ging.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 10 August 2018, 07:59:53
Kann man Dinge, die rund um das Spielen ablaufen überhaupt auf andere Lebenssituation quasi anwenden?

Ich würde dies aus eigener Erfahrung verneinen. Ich hasse persönliche Niederlagen in jeder Lebenslage.

Ich habe auch Verluste nie gut verkraftet. Deswegen oftmals der Drang, wieder zu gehen. Den Verlust wieder reinholen. Also gefreut habe ich mich nie. Ich habe den Verlust eher verdrängt, als ihn gut zu verkraften. Der große Hammer kam bei mir erst im Nachhinein, als mir alles wirklich erst bewusst geworden ist. Kein LMAA mehr. Hat sehr weh getan, und tut es noch. Ich kann mich sehr über meine Abstinenz freuen, aber in manchen Momenten überwiegt der Frist über das Getane
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 10 August 2018, 09:02:40
Hi Strelitzie!

Zitat
Kann man Dinge, die rund um das Spielen ablaufen überhaupt auf andere Lebenssituation quasi anwenden?

Aber ja doch!
Die Spielsucht ist kein klar abgegrenztes Verhalten. Es durchzieht alle Lebensbereiche.
Ob die Anwendbarkeit dann aber immer als positiv zu betrachten ist, sei einmal dahin gestellt.

Deine Frage ist interessant und berechtigt.

Wichtiger fände ich aber eher die Frage - und dabei wechsele ich nur die Betrachtungsweise:
Was kann ich tun, um die für mich und andere schädlichen Verhaltensweisen und Denkstrukturen rund um das Spielen abzustellen?

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 10 August 2018, 09:07:35
Interessante Frage. Ich muss darüber nachdenken
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 10 August 2018, 09:17:17
Hi Willi!

Zitat
Hattest Du nie das Verlangen es dir zurück zu holen? Aber selbst so wie du es beschreibst: Niederlagen verkraftet man als Spieler ja scheinbar ganz gut, was ja im Grunde genommen (Vollkommen fernab vom Spielen) eine gute Eigenschaft wäre. Aber wie dem auch sei - nur eine krude Theorie, die mir gerade so durch den Kopf ging.

Nein, ich hatte nie das Verlangen es zurück zu holen.
Wie mein Schwager immer sagte: Würden die Kisten mit Gurkenscheiben gefüttert, dann hätte ich immer genug Gurken und einen Gurkenschneider dabei gehabt.
Geld war für mich nichts wert. Es war zu 10 % gesetzliches Zahlungsmittel und zu 90 % Suchtmittel.

Ich sah es auch nicht als Niederlage an, wenn ich verlor.
Schließlich handelt es sich ja nicht um Geldgewinngeräte, sondern um Geldspielgeräte mit Gewinnmöglichkeit.
Im großen und Ganzen: Wer spielt, der verliert - Wer viel spielt, der verliert viel.

Die Suchtausübung war für mich eine Ersatzhandlung, die eben bezahlt werden wollte.

So sehe ich auch das Verspüren der "Niederlage" an, wie Du sie beschreibst - als Ersatzhandlung.

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: NW am 10 August 2018, 10:50:30
Ui, das ist aber eher sehr einzigartig Olli, eig aber die beste Einstellung um halbwegs
,,gesund" aus der Sache zu gehen.

Den meisten wird es denke ich eher so gehen wie Willy, immer versuchen den Verlust wieder reinzuholen, das liegt aber mmn nicht unbedingt daran nicht gut verlieren zu können, ich kann das in sportlichen Sachen zb sehr gut, eher liegt es daran dass die sucht einen treibt auch geld zu verzocken welches man garnicht über hat und eig an anderer Stelle gebraucht wird.

Im Nachhinein sehe ich das ganze allerdings auch so wie du, habe das Geld gesetzt, verloren, es ist weg, dumm gelaufen.
Also depressiv oder schwer dran zu beissen habe ich daran im Nachhinein jetzt nicht, es war schließlich meine eigene Entscheidung.
Beim verlieren in dem Moment ist es aber ganz anders und ich denke dass das ab nem bestimmten Punkt auch völlig normal ist weil der mist halt schnell richtig existenzbedrohend ist, weil das mittlerweile auch so crass hohe einsätze und verluste sind, man muss über den monat kommen mit essen, sprit usw, andere haben vielleicht schon zwei Monate keine miete mehr gezahlt und andere vielleicht noch Kinder.
Da ist das denke ich schon fast völlig normal das man versucht geld wieder zu holen, das teuflische ist ja die manipulation und die Erfahrung auch öfters schon mit gewinn nach hause gegangen zu sein, oder das ruder im letzten Moment nochmal rumgerissen zu haben obwohl schon fast alles weg war.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 10 August 2018, 14:28:24
Den meisten wird es denke ich eher so gehen wie Willy, immer versuchen den Verlust wieder reinzuholen, das liegt aber mmn nicht unbedingt daran nicht gut verlieren zu können, ich kann das in sportlichen Sachen zb sehr gut, eher liegt es daran dass die sucht einen treibt auch geld zu verzocken welches man garnicht über hat und eig an anderer Stelle gebraucht wird.

Da hast Du Recht, keine Frage und wahrscheinlich ist das Ganze auch eher mit der Sucht zu begründen. Trotzdem wäre es natürlich erfreulich, wenn man es schaffen würde diese negative Eigenschaft in etwas Positives wandeln könnte. Aber Ende, wie so vieles, leichter gesagt als getan.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: NW am 10 August 2018, 22:45:05
Würde mir auf jd Fall sehr weiterhelfen, habe ich nämlich bei Sachen die mich nicht wirklich interessieren, aber besser interessieren sollten, leider überhaupt nicht  ::)
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 11 August 2018, 07:52:02
Guten Morgen!

Nun, jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht.
So besitzt es einen individuellen Stellenwert, selbst wenn die Person nie einen gesunden Bezug zu ihm hatte.

Wenig Geld in der Kindheit ... zu viel Geld in der Kindheit ... Mangel an Geld während der Ausbildung ...
Ich kenne sogar eine Familie, wo der Vater immer von Sozialleistungen gelebt und den Sohn ohne Abschluss von der Schule genommen hat.
Dies nur, damit dieser die Familienkasse mit niedrigen Helferleinjobs auffrischen konnte.

Geld ist allgegenwärtig - und so greift es - ob vorhanden oder nicht - in alle möglichen Lebensbereiche ein.

So ist es mit Emotionen verknüpft.

Glückspieler "gambeln" mit ihren Gefühlen.

Sei es die immer wieder genannte "Gier" oder die hier aufgeführte "Niederlage" - es sind Emotionen, die ausgelebt werden.
Dabei ist es unerheblich, ob sie als positiv oder negativ empfunden werden - sie sind eine Abweichung vom emotionalen "Normalzustand".
Sie dienen dazu sich selbst zu spüren - sie  erwecken den Einduck zu leben .

Natürlich gibt es immer rationale Gründe z.B. für das klassische Chasen.
Doch ab einem gewissen Punkt im Grad der Suchtausübung werden sie zu Ausreden, um das eigene Verhalten zu rechtfertigen.
Das Problem mit Niederlagen schlecht umgehen zu können, dient dann nur der Fortführung der Suchtausübung und wäre damit eine Ersatzhandlung.

So lautet meine These ... wie seht Ihr das?


Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 11 August 2018, 09:13:32
Die Frage ist, ob es bei der Suchtausübung überhaupt eine Rolle spielt, ob man gewinnt oder verliert. Es geht doch oftmals rein um die Ausübung und Emotionen. Egal ob positiv oder negativ. Klar, Gewinne verlängern das vermeintliche Vergnügen.
Ich bin da ganz bei dir, bezüglich deiner These.  Emotion ist alles
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: NW am 11 August 2018, 10:25:21
Hat der Sozialhilfeempfänger seinen Sohn denn auch nur wegen einem ,,Kick" von der schule genommen ?
Oder was war der Grund ? Langfristig macht das ja ganz genauso viel sinn zu geld zu kommen, wie auf nen zwischengewinn zu hoffen da es gerade wieder viel zu eng ist..

Meiner Meinung nach sind das nicht zwingend ausreden wenn Geld das suchtmittel ist mmn, da geld eben nötig, bzw überlebenswichtig ist und wenn jemand gerade seinen lohn verzockt hat, wäre es mehr wie ungewöhnlich wenn er es dann schulterzuckend dabei belassen würde.

Die Erfahrung und sucht lässt ihn dann halt auf nen gewinn hoffen um das Geld wieder einzuholen weil das halt auch der schnellste und einfachste weg ist, bzw auch ein weg der jedem offen steht.
Wenn jemand nur 1200 verdient sich aber total verschuldet hat, hat der nunmal nicht die Möglichkeit die nächsten drei monate 2200 zu verdienen um das aufzufangen. Es sei denn er nimmt nen zweiten vollzeitjob zz den für ihn als ausreichend festgelegten Konditionen an, dafür muss er aber auch die zeit haben, er muss die kraft haben, er muss was finden wo er mit den zeiten des anderen jobs harmoniert und der staat zwackt davon dann auch wieder nen teil geld ab...

In meinen Augen kann es das geben was du sagst, alles andere als ausrede abzutun heutzutage wenn das suchtmittel geld ist, ist mmn aber käse. Sorry. :)
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 11 August 2018, 15:08:46
Hi NW!

Er hat den jungen Mann lediglich wegen des Geldes von der Schule genommen.
Die Zukunft seines Sohnes ging ihm am Allerwertesten vorbei.

Vorsicht bei Deinem Beispiel, NW.
Was Du hier beschreibst, ist chasen.

Schulden sind geduldig. Um sie zu tilgen braucht es Zeit.

Jedem Gläubiger ist eine pünktlich gezahlte kleine Rate lieber als ein Schuldner, der aufs "falsche Pferd setzt".

Sobald also die Hoffnung auf einen schnellen Gewinn die Oberhand gewinnt, ist dies Chasen.
Es ist keine "logische" Alternative, sondern eine suchtbedingte.
Zur Sucht gehört es eben auch, um Deine Worte zu benutzen, dass wir uns den vermeindlich "einfachsten Weg" suchen, um aus der finanziellen Misere wieder heraus zu kommen.
Und der einfachste Weg ist dann nun mal der, den wir kennen. Auch hier greift die Vermeidungsstrategie des Einzelnen - es ist eben nicht wirklich der einfachste Weg. Einstige Gewinne werden glorifiziert - Verluste verdrängt.

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: NW am 11 August 2018, 17:28:26
Ja eben, genau das meinte ich ja. Also chast man dann doch nicht nur um einem Gefühl hinterher zu jagen !?

Kann das zumindest bei mir so nicht festmachen wie du es erklärst..

Dem Gläubiger ist natürlich eine kleine Rate lieber, dem Schuldner aber natürlich eine schnellere abbezahlung bzw sogar das ruder vielleicht nochmal rumzureissen und die zb miete doch noch zahlen zu können.

Deshalb meine ich ja, wenn das suchtmittel Geld ist, ist es mmn nicht in allen Punkten mit anderen stoffgebundenen süchten übertragbar.
Mit ner neuen Flasche schnaps kannste nix verbessern, mit nem rückgewinn aber eben schon..
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 14 August 2018, 05:38:29
Hey Willy,

Länger nichts von dir gelesen. Wie geht es dir?
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 14 August 2018, 21:35:16
Hey Willy,

Länger nichts von dir gelesen. Wie geht es dir?

Hey Strelitzie,

alles bestens. Hoffe Dir geht es auch gut. Bin weiterhin eisern, habe aber gerade einfach viel um die Ohren. Tatsächlich alles Sachen, die ich entweder machen möchte oder machen will. Habe seit gestern den ersten frischen Lohn seit des Aufhörens auf meinem Konto und komme damit eigentlich recht gut klar. Ich habe aktuell wirklich kein Bedürfnis zu spielen und mein Alltag wird immer besser ausgestaltet, sodass ich gar keine Gelegenheit bekomme zu spielen. Vergangenes Wochenende hatte ich sozusagen "sturmfrei" und hätte den ganzen Abend unbehelligt zocken gehen können. War stattdessen ganz normal mit Freunden unterwegs und auch die Spielos unterwegs haben mich nicht getriggert. Letzte Nacht habe ich tatsächlich vom Spielen geträumt. Bin in Panik aufgewacht und bin dann beruhigt aufgestanden in dem Wissen: Es war nur ein Traum :) Es geht weiter und alles ist gerade gut.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 14 August 2018, 21:49:08
Das freut mich sehr, deine Zeilen zu lesen. Ich habe gesündigt. War spielen. Wollte es irgendwie herausfordern. Sei es drum. Ich bin selbst schuld. Der finanzielle Schäden hält sich zum Glück sehr in Grenzen. Jetzt tickt die Uhr bei mir wieder neu.
Lass du dich davon bitte nicht beeinflussen. Jeder hat seinen eigenen Weg und ich freue mich sehr, dass du die Abstinenz so zu schätzen gelernt hast. Ich werde sie ab morgen auch wieder genießen. Das fühlt sich nämlich richtig gut an!!!!
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 15 August 2018, 17:54:02
Das freut mich sehr, deine Zeilen zu lesen. Ich habe gesündigt. War spielen. Wollte es irgendwie herausfordern. Sei es drum. Ich bin selbst schuld. Der finanzielle Schäden hält sich zum Glück sehr in Grenzen. Jetzt tickt die Uhr bei mir wieder neu.
Lass du dich davon bitte nicht beeinflussen. Jeder hat seinen eigenen Weg und ich freue mich sehr, dass du die Abstinenz so zu schätzen gelernt hast. Ich werde sie ab morgen auch wieder genießen. Das fühlt sich nämlich richtig gut an!!!!

Hey Strelitzie,

Rückfälle bleiben wohl mitunter nicht aus, aber besinne dich darauf, dass du ohne besser dran bist. Das müssen wir uns immer und immer wieder vor Augen führen, sonst geht es einfach immer so weiter. Dieses Mal war es vielleicht nicht ganz so schlimm, aber denk mal darüber nach, was passiert wäre, wenn du gewonnen hättest. Das war immer der Moment für mich, wenn es wieder richtig rund und dann auch wieder richtig runter geht. Von größter Freude bis ins tiefste Tal der Tränen - innerhalb weniger Tage.
Mach weiter, wir schaffen das.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 15 August 2018, 19:32:51
Ich denke auch, dass wir das schaffen. Der Weg ist da Ziel. Der spielfreie Tag fühlt sich viel besser an, als die Tage, an denen ich gespielt habe. So muss das für mich sein.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 20 August 2018, 12:40:21
Mal wieder ein kleines Update: Die letzten Tage waren nicht ganz einfach, aber ich bin standhaft geblieben. Mir ging immer mal wieder das Spielen durch den Kopf, nicht zuletzt auch deswegen, weil Kumpels mich auf irgendwelche Gewinne ansprachen, die sie gemacht hatten (Alles keine Dauerspieler, sondern nur ab und zu). Das hat mich irgendwie getriggert und ich verspürte ein großes Verlangen zu Spielen, letzten Endes hielt ich aber inne und führte mir vor Augen, was für Konsequenzen daraus erwachsen würden und welche daraus schon erwachsen sind. Danach ging es wieder.
Es geht also weiter und das auch weiterhin spielfrei.
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Strelitzie am 20 August 2018, 13:07:39
Super Nachrichten!!!! Weiter so
Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: Olli am 20 August 2018, 13:23:38
Hi Willi!

Zitat
letzten Endes hielt ich aber inne und führte mir vor Augen, was für Konsequenzen daraus erwachsen würden und welche daraus schon erwachsen sind. Danach ging es wieder.

Grandios!
Genau darum geht es bei der Abstinenz.

Erkennen - Aushalten - Reflektieren - standhaft bleiben!

Eine kleine Anmerkung habe ich aber denn doch noch: Welche Konsequenzen ergaben sich denn nun durch das "nicht"-Spielen?
Du hast Dein Ziel weiter verfolgt ...
Du hattest ein Erfolgserlebnis ...
Du darfst stolz auf Dich sein ...

Was fällt Dir sonst noch ein?

Weshalb ich das schreibe: Die positiven Erlebnisse bleiben uns weit besser im Gehirn behaftet als die Negativen.

Titel: Re: Tagebuch Willy
Beitrag von: willi77 am 23 Oktober 2018, 18:27:42
Nachdem ich längere Zeit nicht aktiv gewesen bin, wollte ich mich mal wieder melden. Ich bin weiterhin spielfrei und das Nicht-Spielen wird mit jedem Tag etwas leichter, auch wenn es immer mal wieder Situationen gibt in denen ich dran denke, tief in mir ein Bedürfnis verspüre, aber diesem relativ einfach begegnen kann und es dann lasse. Meinen Tagesablauf habe ich mittlerweile so verändert und verfestigt, dass im Grunde auch gar kein Platz mehr für das Spielen da ist. Selbst wenn ich Zuhause spielen wollte, ginge es nicht, weil ich mich eigentlich überall habe sperren lassen und nach neuen Casinos suche ich erst gar nicht. Tatsächlich lockt mich das nicht und mein Verstand hat mir sogar schon zu aktiven Zeiten von gewissen Seiten abgeraten.
Es ist also weiterhin alles gut und mir geht es einfach viel, viel besser ohne das Spielen. Aktuell ist die Arbeit sehr fordernd und früher wäre das ein guter Zeitpunkt zum Spielen gewesen. Heute kann ich sagen, dass das Spielen diese Momente tatsächlich noch viel anstrengender gemacht haben und das ich sehr froh bin, dass es jetzt anders ist.
Ich werde mich immer mal wieder melden und berichten.