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13.171 Beiträge in 1.621 Themen- von 1.435 Mitglieder - Neuestes Mitglied: rikransom

17 Juli 2018, 02:16:46
GlücksspielsuchtTagebuchThema: Aus für immer!
Seiten: [1] 2
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Autor Thema: Aus für immer!  (Gelesen 693 mal)
vamp_ire
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« am: 04 Juli 2018, 20:16:30 »

Hallo!
Ich habe soeben alle meine Wettkonten geschlossen, und gehe mit diesem Post in ein neues Leben.
Ich Wette seit zehn Jahren, bin 35 und habe jetzt absolut keine Lust mehr.
Ich habe 2 wunderbare Kinder und eine tolle Lebensgefährtin und möchte das nicht verlieren.....
Ich traue es mir nicht sagen weil ich Angst habe sie verlässt mich sofort....
Somit ziehe ich jetzt die Reißleine. Ich hoffe ich schaffe es mit euch da raus
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C63Phil
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« Antwort #1 am: 05 Juli 2018, 14:21:29 »

Hallo Vamp_ire!

Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft. Du machst das einzig richtige, denk an deine Familie, denk an deine / EURE Zukunft! Du kannst dir damit dein Leben verbauen, wenn du dich jetzt nicht änderst. Such dir professionelle Hilfe, mit jemanden Reden dem du vertraust kann auch Wunder bewirken. Nimm Abstand von dem Glücksspiel. Du wirst selber merken, zumindest ist es bei mir so, dass du schnell auf andere Gedanken kommst. Sollte es aus welchem Grund auch immer wieder Kribbeln, schreib hier im Forum und versuch dich zu sperren.

Liebe Grüße, Phil! Smiley
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Olli
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« Antwort #2 am: 05 Juli 2018, 15:12:35 »

Hi Vamp_ire!

Dein Beitrag liest sich wie eine Explosion an Willensbekundungen.

Es scheint bei Dir also eine Menge an Frust aufgebaut worden zu sein, dem Du hier Luft verschaffst.

10 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich das Gehirn so verändert hat, dass gewisse Reize zu Automatismen führen, die mit dem Spielen/Wetten kombiniert sind.

Für mich stellt sich die Frage: Reichen diese Willensbekundungen für die Zukunft aus?
Das kann durchaus sein ... muss aber nicht ...

Zitat
Ich traue es mir nicht sagen weil ich Angst habe sie verlässt mich sofort...

Hier denke ich immer an meine damalige aktive Zeit zurück.
Ich habe mich mehrfach geoutet in meiner Spielerkarriere und wenn mir Fragen gestellt wurden:
Wieso machst Du das? Was bringt Dich dazu? ...
 - da stand ich da wie der Ochs vorm Berg und wusste keine Antworten.
Was für ein beschissenes Gefühl während des Outings.
Was mir zu sagen blieb, so dachte ich wenigstens, waren Versprechungen à la:
Ich höre auf mit Spielen! Versprochen, das mache ich nie mehr!

Das Fatale: Diese Versprechungen wie Deine oben - sind Momentaufnahmen!
Sie sind ein Ausdruck der Gefühle in genau diesem Moment.

Und wie sah es aus, wenn ein paar Tage oder Wochen vergangen waren?
Da war der Druck weg ... die Wut über die Automaten ... über mich ... die Scham verblasste.
Und so fing ich doch wieder an. Hier mal ein paar Euro ... dann dort auch noch mal.
Die Frequenz steigerte sich - schnell war ich wieder in den alten Mustern gefangen.

Ich hatte das Spielen eingestellt - aber nicht an mir gearbeitet.
Ich habe mein Gehirn nicht umtrainiert - und so kam es zwangsläufig zu dem bereits geschilderten.

Das muss bei Dir nicht so sein ... kann aber doch auch passieren ...

In solchen Momenten denke ich mir dann ... lieber Vorsorge als Nachsorge.
Lieber heute noch eine SHG aufsuchen, eine Beratungsstelle ... der Möglichkeiten gibt es da viele, als mich im Nachhinein zu ärgern, wieso ich es nicht gemacht und wieder gespielt habe.

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Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hakan 321
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« Antwort #3 am: 05 Juli 2018, 16:56:51 »

Hallo vamp_ire, willkommen im Forum ich gratuliere zu deiner Entscheidung, du machst das absolut richtige, ich bin auch Pathologisch Spielsüchtig durch eigen Initiative bin ich seit über 24 Monate abstinent und das leben ist viel besser geworden, das wichtigste bei der Abstinenz ist das absolute wollen und die hast du, immer daran denken nicht vergessen dann wirst du es schaffen, ich wünsche dir viel Erfolg. Smiley

Mit freundlichen Grüßen
Hakan321
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vamp_ire
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« Antwort #4 am: 06 Juli 2018, 10:48:38 »

Vielen Dank für euer mut-machen.
Heute ist erst der 2. Tag spielfrei und bis jetzt geht es mir absolut nicht ab, bin noch immer sehr angewidert von dem ganzen Schlamassel.
Möchte endlich meine Finanzen in den Griff bekommen...
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vamp_ire
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« Antwort #5 am: 08 Juli 2018, 17:59:48 »

Heute, Tag 4.
Haben schön draußen gegrillt und mit den Kindern einen schönen Nachmittag verbracht.
Habe kein einziges Mal ans spielen gedacht, hätte jetzt auch keine Lust.
In den 4 Tagen habe ich mir mit Sicherheit einiges an Geld erspart dadurch.
Ab morgen wird es interessant, da bekomme ich meinen Lohn.
Meistens ging das spielen dann erst richtig los...
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vamp_ire
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« Antwort #6 am: 08 Juli 2018, 18:02:14 »

Habe beschlossen wenn ich ein ganzes Monat geschafft habe, kaufe ich mir dann ein neues Smartphone um 300€, quasi als Belohnung.
Weil in einem Monat hätte ich sicher mehr verspielt als das kostet...
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C63Phil
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« Antwort #7 am: 08 Juli 2018, 18:39:00 »

Viel Glück !! Halte durch und schätze das Geld was du dir verdient hast!! Vielleicht solltet du deinen Kindern was schönes gönnen. Oder wie du sagtest dir selber eine schöne Belohnung. Oder Schenk doch deiner Familie ein schönes Wochenende. Zb im Freizeitpark. Viel Glück und eine schöne und gute Spielfreie Zeit! Lg
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vamp_ire
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« Antwort #8 am: 11 Juli 2018, 20:30:01 »

Hallo!
Heute ist es genau eine Woche her, und ich habe mich daran gehalten und bin komplett spielfrei.
Ich möchte und werde mein Leben wieder auf die Reihe bekommen.
Der erste Schritt ist getan, das Spielen geht mir bis jetzt überhaupt nicht ab
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vamp_ire
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« Antwort #9 am: 12 Juli 2018, 11:51:43 »

So, habe seit heute meinen Lohn auf dem Konto und bin gespannt ob ich es durchhalte.
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Olli
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« Antwort #10 am: 12 Juli 2018, 12:14:34 »

Oh jeh ...  Augen rollen

Hallöchen!

Und? Wie zockt es sich ohne Geld?

Entschuldige ... das Bedarf der Erläuterung:

Hast Du Dich Deiner Frau offenbart?
Wahrscheinlich nicht ... denn Du hast ja wohl potentiellen Zugriff auf Dein Konto.

Was Du hier machst, ist ein Hinterscheunentor offen zu halten.

Wenn Du Deinen Willen beweisen möchtest, dann ist der erste Schritt immer die Kapitulation.
Es ist die Kapitulation vor dem eigenen Ego - dem Stolz aber auch den eigenen Ängsten.



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Olaf

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NW
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« Antwort #11 am: 12 Juli 2018, 15:37:41 »

Sich offenbaren bedeutet doch nicht gleich dass sie ab dann sofort die komplette Verantwortung übernimmt bzw übernehmen
will.
Es scheint ja auch so zu sein dass sie bisher nichts davon gemerkt hat, das lässt vermuten das es noch nicht so extrem und
verloren um ihn steht wie es bei anderen wiederum ist.

Der ersfe schritt ist immer die kapitulation wage ich auch zu bezweifeln, sagen wir, die kapitulation als erster Schritt kann
für viele ein hilfreicher und für andere ein nötiger schritt sein, sagen wir, die kapitulation ist ein sinnvoller schritt, ICH selbst
werde diesen aber zb auch nicht gehen. Wie gesagt ich für mich, heisst also nicht das er für andere nicht der richtige ist.

Ich selbst habe hier angst mehr selbstachtung zu verlieren als nötig, evtl noch depressiv zu werden oder wie auch immer. Ich
bin mir aber auch sicher es so zu schaffen, derzeit wieder null verlangen seit Wochen. Problem ist halt das bei dieser sucht
ein tag reicht um sich wieder riesig reinzureissen weil man viel zu hoch spielen kann, dennoch zahle ich lieber Lehrgeld als
auch noch mein ego abzugeben. Aber ist halt meine sicht aus meiner Erfahrung raus dass ich es schonmal 7 jahre
schaffte und mir sicher bin es zu schaffen, das war mal ganz anders und ich hätte hilfe gebraucht, damals aber keine
bekommen in form einer Therapie und shgs gabs nur für alk damals in meiner nähe.

Wäre ich heute aber wieder an dem Punkt wo ich damals war das zocken mein einziger lebenssinn wäre, würde ich natürlich
sofort hilfe annehmen, dies hat mit kapitulation mmn null zu tun, geht ja hauptsächlich darum strategien zu erarbeiten und
bisschen was über sucht zu lernen. Umsetzen muss man es ohnehin selbst...

Angst die kinder und Familie zu verlieren sind realistische ängste wo jeder selbst entscheiden muss wie es um einen
steht und ob die Familie bereits schaden davon trägt oder ob man lediglich sein taschengeld oder überstd zb verzockt.

Problem ist halt leider das diese angst oft nicht dazu ausreicht mit dem zocken aufzuhören solange es nicht
auffällt Traurig

Daher sei ehrlich zu dir und schreib hier auch weiter wenns nen rückfall gibt. 4 wochen sind leider garnix, natürlich
ein Anfang, aber keine Garantie.

Ich denke nicht das dein weg von Anfang an zum scheitern verurteilt ist, jeder Mensch ist anders, denk dran was du zu
verlieren hast. Ich hab bis heute kein kind in die Welt gesetzt, unter anderem auch wg dem scheiss zocken, ich
könnte mir das wenn ich kinder hätte nicht so leicht verzeihen.

Ewig kannst du es auch nicht geheim halten, irgendwann fällts auf und dann ists zu spät und ,,aus für
immer" , dann aber anders als du dachtest !



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Olli
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« Antwort #12 am: 12 Juli 2018, 17:06:31 »

Hi NW!

Nun ja ... mein Beitrag war sehr kurz und damit vielleicht nicht deutlich genug.
Aber mal ehrlich ... ich erwarte von neuen Mitgliedern auch, dass sie sich ins Forum einlesen.
Man kommt doch hierher um Hilfe zu suchen, weil man es alleine nicht mehr schafft.
Beim Lesen werden nicht nur schon eigene Fragen beantwortet, es stellen sich auch neue.
Diese kann man dann öffentlich stellen, wenn sie nicht durch Weiterlesen wieder beantwortet wurden.

Wir hier sehen nur durch ein Nadelöhr auf das Leben des Mitglieds.

Zitat
Ich Wette seit zehn Jahren, bin 35 und habe jetzt absolut keine Lust mehr.
Ich traue es mir nicht sagen weil ich Angst habe sie verlässt mich sofort....

10 Jahre wurde gewettet und die Angst ist riesig groß, dass die Frau ihn verlässt.
Da können wir nur mutmaßen, weshalb dem so ist. Gab es eine oder sogar zig kleine Vorgeschichten?
Wurde er erwischt, gab Versprechungen, die er nicht einhalten konnte? Vertrauensbrüche?

Was ist in diesen 10 Jahren alles passiert?
Alles "kann" und nichts "muss" geschehen sein.

Wir erfahren auch nicht, ob er sich jetzt zu Beginn der Abstinenz - gerade jetzt, wo es extrem wichtig ist, sich Hilfe in einer SHG gesucht hat oder bei einer Beratungsstelle, einem Therapeuten etc.

Sehr wahrscheinlich ist das nicht.
Hätten wir dann nicht einen Beitrag à la: "Heute war ich in der SHG und es hat mir gefallen." (Oder auch nicht...) hier im Thread?

Nein, da macht jemand einfach ... nichts.

Wäre das jetzt verwerflich? Ein schlechtes Verhalten sondergleichen?
Absolut nicht!
Wenn ich mal schätzen darf: Bestimmt die Hälfte aller Neuaussteiger agieren so!

Ist das aber wirklich sinnvoll? Ist das logisch?

Wenn ich mir den Arm breche, dann gehe ich zum Azt und lasse ihn mir eingipsen oder sogar operieren.
Wenn sich meine Sehstärke verändert - das merkt man ja auch im Laufe der Zeit, dann sind meine Wege zum Augenarzt und zum Optiker vorprogrammiert.

Darüber rede ich auch ohne mir groß Gedanken darüber zu machen mit Freunden und Familie.

Aber wenn es um Spielsucht in und mit all seinen Facetten geht, dann ist auf einmal ein großes Schamgefühl da und Verlassensängste sorgen für einen katatonischen Zustand.
Dann muss ich auf einmal alles alleine mit mir ausmachen - mit mir und meinem - und das meine ich jetzt keinesfalls negativ - kranken Hirn.

Da wird sich tagelang auf das eingehende und dann auf dem Konto gebunkerte Geld geschaut.
Und weil ich mir den Zugang nicht verbaut habe, kann ich meine Gedanken schwelgen lassen, wenn der Suchtdruck mich erwischt. Spielen gehen muss ich ja nicht gleich ... aber den Gedanken darf ich freien Lauf lassen.
Der Suchtdruck kommt zwangsläufig immer und immer wieder, so lange die Verfügbarkeit des Suchtmittels gegeben ist.
Das ist ein Auf und Ab der Gefühle, die einer Gewinnerwartung in hoher Fluktuation enspricht.
Das ist "Zocken" mit sich selbst!

Hier gibt es aber noch eine geliebte Frau und zwei Kinder!
Wird mit denen dann nicht genau so gezockt? Gerade wenn der Spieler der Alleinverdiener ist? (Wissen wir hier nicht)

Wer seine Abstinenz/Spielpause beginnt, der hat es nun mal nicht leicht.
Wie oft musste ich schon hören oder lesen, dass derjenige denn doch einen "Rückfall" hatte, der finanziell gesehen alles Bisherige absolut getoppt hatte?

Muss ich diese Risikoleiter denn wirklich beschreiten?
Es gibt Hilfe dort draussen vor Ort.
Und wenn es eine Alkoholiker-Gruppe ist, da keine Spielergruppe ortsnah existiert, ja verdammt, dann gehe ich in genau diese Gruppe!
Neben den stoffgebundenen Aspekten die dort ausgetauscht werden, geht es immer nur um ein großes Gesprächspaket: den Menschen!
Nicht dem Alkoholiker, dem Spieler, dem Bulimisten oder was weiss ich ... es geht um den Menschen! Seine Bedürfnisse, seine Gefühle, seine Gedanken ...
Wie kann man sich in Bereichen selbst verändern, wenn man gar nicht weiss, was da an einem nicht schmeckt?
Wir brauchen Informationen ... Feedback ...
Wir brauchen andere "Menschen".

Wie soll, im Sinne von NW, eine intrinsische Heilung sonst funktionieren?

Zitat
ICH selbst werde diesen (die Kapitulation) aber zb auch nicht gehen.

Paperlapap ... Du hast doch längst damit begonnen. Weshalb wärest Du sonst hier? Aus Zeitvertreib? Smiley

Verbinde bitte die Kapitulation nicht immer mit negativen Dingen.
Die Offenbarung ist nur ein unangenehmer Teil. Ein Geldmanagement kann man sehen als eine Entmündigung durch Kontrolle - oder als probates Mittel mir selbst den Suchtdruck radikal zu verringern.
Auch Demut ist ein Teil der Kapitulation. Die innere Akzeptanz der Sucht.

Die Kapitulation ist ein Ergebnis von Veränderungen und bedingt ihrerseits wieder welche.
Und diese Veränderungen dienen hauptsächlich nur einem Zwecke - der eigenen Zufriedenheit.
Kapitulation ist auch kein Ereignis ... sie ist ein Prozess.

Zitat
Ich selbst habe hier angst mehr selbstachtung zu verlieren als nötig, evtl noch depressiv zu werden oder wie auch immer.

Wir wissen, dass die Spielsucht depressiv machen kann.
Wir wissen, dass wir unsere Selbstachtung in der Suchtausübung mit Füßen treten.
Wieso hast Du keine Angst vor dem Status quo?

Dagegen aber hast Du Angst vor Veränderungen, die Dir sehr wahrscheinlich Dein Leben so gestalten, wie Du es Dir erhoffst und ersehnst?

Das lässt sich ganz einfach und banal über den Daumen rechen: Wer nicht kapitulieren möchte, der möchte weiter zocken! Und das muss nicht unbedingt um Geld sein.

Das klingt hart und brutal ... aber das sind die schlichten Fakten.

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NW
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« Antwort #13 am: 13 Juli 2018, 09:39:28 »

Hatte gestern einen ewig langen Beitrag geschrieben, beim absenden war er dann auf einmal weg, ärgerlich.

Aber wenigstens kurz, ich denke ich verstehe diese kapitulation einfach nicht, hier zu sein, in Therapie zu sein, ehrlich mit
sich sein usw usf ist für mich alles andere als kapitulieren.
Ich war im Gegensatz zu dir nie glücklich in der rolle des spielers, hab gerne gespielt in dem Moment, allgemein hat es mich aber
ziemlich schnell angekotzt, hatte es aber nicht geschafft aufzuhören. Somit ist aufhören doch keine Kapitulation, naja...

Den status quo entscheide ich jedes mal aufs neue selbst und da gibt es dann auch kein Grund depressiv zu werden. Hab dir ja
schon mnd 10 ma geschrieben das ich mich nicht nur über meinem gebrochenen arm definiere, ich sehe mich ganz
anders, mit werten hobbys und einer sicht auf die welt die meist komplett anders als die der meisten ist..

Sind wir mal ehrlich, nimm 80% der deutschen die Arbeit weg und sie sind nichts mehr. Werden depressiv und wissen nix mit
sich anzufangen, fühlen sich umgebraucht, sogar ungeliebt.
So will ich niemals werden, dafür denke ich viel zu bewusst und hab nen Problem alles stets hinterfragen zu müssen, manchmal
wünschte ich es wäre anders.
Bei meinem stand / ich hab nur nen Gesellenbrief im Baubereich aber kein bock aufm bau zu arbeiten/ muss ich mich auch breiter
aufstellen denn mit nem Mindestlohn fühlen sich mmn nur idioten gebraucht und wichtig in der Arbeitswelt, ich fühle mich da
eher abgezockt und ausgenutzt... leider !
Somit ist arbeit zum bsp derzeit keine Option mich darüber zu definieren, genauso wenig wie damit das ich alle paar Wochen mein
Glück doch nochmal versucht habe..

Ich definiere mich eher mit sachen das ich eben keinen Müll während der fahrt ausm fenster werfe, nicht zu allem was der chef
sagt ja sage weil ich nur noch in angst lebe meinen job zu verlieren, nicht jd trend mitmache, alle 2 jahre ein scheiss neues
smartphone haben muss, das ich kein chargeback mache wenn ich mich selbst dazu entschließe mein Glück zu versuchen und
dabei die kontrolle verliere, das ich so wie es ist derzeit lieber auf ein kind verzichte um nicht gezwungen zu sein in dem
hamsterrad mitzumachen usw...

Mein leben lebe ich auch jetzt wie ich es möchte, so gut es geht eben, ändere ich nun besti.mte werte oder meine sicht
auf die welt obwohl ich mich garnicht mit dem scheiss was hier derzeit läuft identifizieren kann, kann ich mir eben gut
vorstellen irgendwann auch an Depressionen erkranken zu können.
So wie es ist hatte ich bisher noch nie Probleme mit sowas und konnte mich immer noch irgendwie aus dem Schlamassel
wieder rausziehen - und zwar gerade rausziehen. Das ist es. Grob.
« Letzte Änderung: 13 Juli 2018, 09:43:12 von NW » Gespeichert
Olli
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« Antwort #14 am: 13 Juli 2018, 11:51:39 »

Hi NW!

Lieben Dank für Deinen Beitrag. In Vielem kann ich mich da wiederfinden.

Z.B. wenn Beiträge verloren gehen ...  Grinsend

Nein, nein, ich meine das schon ernst.

Zitat
Aber wenigstens kurz, ich denke ich verstehe diese kapitulation einfach nicht, hier zu sein, in Therapie zu sein, ehrlich mit sich sein usw ist für mich alles andere als kapitulieren.

Mir fällt es auch immer schwer sie zu beschreiben. Die Kapitulation ist ein Oberbegriff mit unwahrscheinlich vielen Facetten.

Vielleicht sollten wir sie zunächst einmal beschreiben als eine innere Einstellung.
Irgendwann kommt ein Spieler zu der Erkenntnis, dass er da etwas macht, was stärker ist als er selbst. Er ist ihm immer wieder aufs Neue hilflos ausgesetzt.
Diese Erkenntnis kommt aber nicht einfach so, denn der Spieler möchte ja eigentlich wie jeder selbstbestimmt sein. Wir wollen ja nicht zugeben eine Marionette in den Klauen der Sucht zu sein.
So kurios sich das für einen Außenstehenden anhört, wir sehen im Spielen einen Sinn.
Das Spielen, selbst wenn wir es nicht benennen können, erfüllt einen Zweck.
Also wollen wir es eigentlich gar nicht aufgeben.
Es kann sogar soweit führen, dass das Leben ohne das Spielen keinen Sinn mehr ergibt.
Nach einer Phase des Spielens folgt dann eine Phase der Ernüchterung.
Es ist die Zeit, in der man erkennt, wie bescheiden das Spielen eigentlich ist und wie schädlich es für uns ist.
Doch je länger diese Zeit nun wieder dauert, umso mehr werden die negativen Auswirkungen verdrängt und der "Vorteil" des Spielens rückt wieder in den Vordergrund.
Und obwohl sich der Spieler hier im Kreis dreht, glaubt er daran, dass seine Stabilität kurz bevor steht.
Solange er diese Hoffnung noch hat, kann er das Spiel weiter gebrauchen, mit ihm experimentieren, mit ihm kämpfen.

Aus diesem Kreis austreten kann man nur mit der oben genannten Erkenntnis.
Der Spieler ändert dadurch seine innere Einstellung.

Um aus dem allgemein geschriebenen nun mal kurz auf Dich zu kommen: Daher hast Du Dich hier angemeldet.

Nun heisst das aber ja nicht, dass diese Einstellung in Fels gemeißelt ist.
Die Spieler haben über Jahre oder sogar Jahrzehnte ihre Sucht ausgeübt.

Ja, ich bin da damals tatsächlich einer Lebenslüge hinterher gerannt.
Als ich da meine Erkenntnis hatte, war mir das mit der Lebenslüge aber sowas von egal.
Klar habe ich mich oft genug gefragt, wie konntest Du nur so lange so fremdgesteuert sein? So "dumm" sein?
Von klein auf wurde mir vermittelt, dass ich nichts richtig mache (eine sehr pauschalisierte Aussage!).
Habe ich dann nicht auch 20 Jahre durch das Spielen "versagt"?

Solche Gedanken habe ich dann schnell an Seite gelegt, weil es mich heute nicht weiter gebracht hat.
Im Gegenteil hat es mich motiviert immer weiter zu machen.
Ich wollte mein Leben wieder selbst bestimmen - und das habe ich auch getan und mache es heute noch.
Ich war nicht immer nur "Spieler" oder jetzt "abstinenter Spieler".
Das sind nur kleine Bruchstücke von mir. Ich bin das individuelle Komplettpaket "Olaf".
Ich hatte schon immer gute Eigenschaften und schlechte.
Ich traf schon immer gute Entscheidungen und schlechte.
Ich hatte schon immer gute Ziele und schlechte Ziele.
Da lässt sich noch viel aufzählen.
Viele Dinge in meinem Leben waren Veränderungen unterlegen.
Wieso sollte ich das jetzt nicht auch so nutzen?

Aus der Erlaubnis zu spielen, habe ich die Erlaubnis zur Spielfreiheit gemacht!

Eine Erkenntnis in dieser Form rührt nur von der inneren Eistellung ab, die ich vorab (zumeist unbewusst) geändert habe.
Aus der Erkenntnis folgen dann zwangsläufig verändertes Denken.
Daraus wieder verändertes Handeln.

Das hat aber nichts mit dem simplen Umlegen eines Schalters zu tun.

An der Ostsee gibt es eine kilometerlange Ruine aus DDR-Zeiten.
Nehmen wir an, dass diese Ruine unser bisheriges Leben sei.
Wenn ich diese Ruine sanieren möchte, dann geht das nicht mit einem Fingerschnippen.
Grundsätzlich muss erst einmal die Entscheidung zur Sanierung fallen.
Dem engegen stehen viele Argumente, die zum Teil berechtigt sind, zum Teil aber auch auf Unsicherheiten und Ängsten beruhen.
Ist diese Entscheidung nun gefallen ... passiert erst mal gar nichts.
Dazu bedarf es weiterer Entscheidungen.
Elektrik, Heizungsanlage, Lüftungsanlage, Estrich, Putz, Bewässerung und Entwässerung sind nur ein paar Themen, mit denen sich befasst werden muss.
Könnte ich das alles alleine bewerkstelligen? Klar ... wenn ich 200 Jahre alt werden würde.
Doch lange Zeit bliebe die Ruine weiterhin eine Ruine.
Also muss ich mir Angebote rein holen, gewerkeweise vorgehen oder mir einen Generalübernehmer/Generalunternehmer besorgen!
Anders als in diesem Sinnbild, steht die "Eigenleistung" bei der Genesung sehr wohl im Vordergrund. Damit diese eben nicht ewig lange dauern, braucht es Input aus allen möglichen Richtungen.
Es gibt keine logische Sichtweise, wieso ich alles für den Bau selbst recherchieren wollte.
Fehler - Pfusch am Bau sind Kosten, die wir uns eigentlich nicht leisten können.

Wenn ich nicht anfange und dabei bleibe zu sanieren, wird die Ruine niemals etwas anderes sein!

Tse ... tse ... tse ... jetzt bin ich aber abgeschwiffen ...

Zitat
Bei meinem stand / ich hab nur nen Gesellenbrief im Baubereich aber kein bock aufm bau zu arbeiten/ muss ich mich auch breiter aufstellen denn mit nem Mindestlohn fühlen sich mmn nur idioten gebraucht und wichtig in der Arbeitswelt, ich fühle mich da eher abgezockt und ausgenutzt... leider !

Das kann ich nachvollziehen und ja ... ich würde mich auch ausgenutzt fühlen.

Allerdings stehen Dir da auch ein paar Türen offen, die DU nicht durchquerst.
Fachabi machen und studieren - eine Umschulung machen - wären da nur zwei Beispiele.
Das geht nicht nur In Vollzeit, sondern auch berufsbegleitend.

Ja, ich höre Dich schon nach Hinderungsgründen suchen, die es garantiert auch gibt ... aber mal ehrlich ... "grundsätzlich" steht es Dir offen ...

Zitat
Ich definiere mich eher mit sachen das ich eben keinen Müll während der fahrt ausm fenster werfe, nicht zu allem was der chef sagt ja sage weil ich nur noch in angst lebe meinen job zu verlieren, nicht jd trend mitmache, alle 2 jahre ein scheiss neues
smartphone haben muss, das ich kein chargeback mache wenn ich mich selbst dazu entschließe mein Glück zu versuchen und dabei die kontrolle verliere

Alles wunderbar ... und ohne "aber" meinerseits!  Lächelnd

Zitat
das ich so wie es ist derzeit lieber auf ein kind verzichte um nicht gezwungen zu sein in dem hamsterrad mitzumachen usw...

Oha ... diese heikle Einstellung hatte ich auch mal.
Dem Schutz des potentiellen Kindes ist nichts hinzu zu fügen.
Aber: Gibst Du Dir damit nicht auch die Erlaubnis hier und da weiter zu spielen? Eben den Status quo aufrecht zu erhalten?
HÄTTEST Du denn gerne Kinder, wenn Du nicht spielsüchtig wärest?

Zitat
Mein leben lebe ich auch jetzt wie ich es möchte, so gut es geht eben, ändere ich nun besti.mte werte oder meine sicht auf die welt obwohl ich mich garnicht mit dem scheiss was hier derzeit läuft identifizieren kann, kann ich mir eben gut vorstellen irgendwann auch an Depressionen erkranken zu können.
So wie es ist hatte ich bisher noch nie Probleme mit sowas und konnte mich immer noch irgendwie aus dem Schlamassel wieder rausziehen - und zwar gerade rausziehen. Das ist es. Grob.

"so gut es geht eben" ... hmmm ... Aufrechterhaltung des Status Quo in Verbindung mit Unzufriedenheit ...
Die Frage ist nicht, was hier diskutiert wird, was ich an Dir ändern würde, wenn ich könnte, oder irgend wer sonst ...

Die Frage ist: Was kannst und möchtest Du an Dir und um Dich herum verändern, um die diversen Unzufriedenheiten zu eliminieren? Und was bist Du bereit dafür zu tun?

Zitat
So wie es ist hatte ich bisher noch nie Probleme mit sowas und konnte mich immer noch irgendwie aus dem Schlamassel wieder rausziehen

Und wie wäre es, wenn Du den Schlamassel (rund um die Spielsucht) bereits in seiner Entstehung verhindern könntest?
Wäre das nicht ein Grund die Nase ein klein wenig höher zu recken?

Mensch ... jetzt hast Du mich aber wieder zum Nachdenken gebracht ... Smiley

Hoffentlich wird der Beitrag von der Forensoftware nun angenommen ...  Grinsend
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Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
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