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Mein Weg in ein besseres Leben

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Offline Emell

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #60 am: 03 Oktober 2018, 20:42:06 »
@Jens:
Also " böse" meine ich hier natürlich überhaupt nichts. Das erstmal vorweg. Meine Frage an dich: was denkst du? Schaffen es die meisten ohne jeglichen Rückfall? Oder ist es eher so dass die Rückfallquote relativ hoch ist? Ich denke letzteres. Und deshalb sprech ich in Bezug darauf von " Realismus". Im Übrigen bin ich nicht jemand, der Von Beginn an gesagt hat: " ich hör jetzt auf, aber so einen Rückfall gönn ich mir schon mal  Schließlich machen das die meisten". Nein , so bin ich da nicht rangegangen. Es gab aber Rückfälle. Alles andere was ich dazu zu sagen habe schrieb ich bereits. Es ist ein Prozess. Trotzdem: Respekt vor denen für die das Wort Rückfall ein Fremdwort ist.
LG
Emell

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Offline Intel

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #61 am: 03 Oktober 2018, 20:56:26 »
Hallo Emell,

ich bin jetzt zwei Jahre ohne Rückfall durchgekommen. Aus der Erfahrung kann ich aber sagen das ich niemals nie sagen würde. Es gab schon viele sehr harte Situationen.
Ich hab mir ein stabiles Umfeld geschaffen. Meine Leute wissen Bescheid. Wenn ich mir vorstelle ich hätte das nicht und wäre alleine, dann weiß ich nicht ob es vielleicht anders gelaufen wäre.
Ich möchte nicht mehr zurück in das Elend. Das sage ich mir immer wenn sich Gedanken ans spielen einschleichen.
Ob das für immer reicht? Ich weiß es nicht.
Respekt hat jeder verdient, auch die die es nicht ohne Rückfall schaffen und trotzdem dran bleiben.
Gr Intel

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Offline taro

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #62 am: 03 Oktober 2018, 23:28:53 »
Ich bin als Spieler und als Raucher rückfällig geworden.   Bei meinem letzten Rückfall beim spielen,  war mir klar,  dass das spielen mich immer weg von meinem neuen Leben bringen wird.

Trotz all meiner Rückfälle war beim letzten mal klar, daß es vorbei ist. Es war beim spielen und rauchen vollkommen klar. Es hatte sich gewandelt, von ich will nicht mehr rauchen/spielen zu ich brauche es nicht mehr.

Bei meinen Rückfällen habe ich auch begriffen,  was eigentlich klar ist.  Ich kann nicht entscheiden wann es vorbei ist.
Möglicherweise folgen bei einem Rückfall wieder viele verlorene Jahre.

Taro
« Letzte Änderung: 04 Oktober 2018, 07:42:16 von taro »

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Offline TAL

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #63 am: 04 Oktober 2018, 01:52:01 »
Mhh...

Zitat
Danach hat es der Spielteufel beim nächsten mal dann schon schwerer sich durchzusetzen. Gegen den letztlich stärkeren Willen, abstinent zu bleiben.

Ich hab das genau andersrum erlebt. Für mich war es nach jedem Rückfall schwerer, wieder 'auf Spur' zu kommen. Es hat mich nur immer wieder in meiner eigenen Sichtweise bestärkt. "Was machst du dir vor? Du schaffst es eh nicht."...und das ist nur die blumig zensierte Variante meiner Selbstwahrnehmung in einem solchen Fall.

Andererseits denke ich heute, daß es eben nur halbherzige Versuche waren, die mich selbst in meiner eigenen kranken Selbstverachtung bestärkt haben. 'Laß es einfach bleiben, du kannst gar nicht aufhören!'
Ich hab nie länger als ein paar Tage durchgehalten. Obendrein half die Tatsache, daß ich bei diesen Versuchen immer pleite war, ungemein, mein 'Vorhaben' umzusetzen. Zumindest, bis ich wieder irgendwoher Geld bekommen hatte.

Zitat
Schaffen es die meisten ohne jeglichen Rückfall? Oder ist es eher so dass die Rückfallquote relativ hoch ist?

Die Quote ist zweifelsohne sehr hoch, darum geht es aber auch nicht. Es geht um die grundsätzliche Einstellung. Für mich muß das etwas sein, was absolut nicht zur Debatte steht.
Mein letzter drolliger Moment ist etwa zwei Monate her, kommt zum Glück nur noch sehr selten vor. Der dritte August um zehn vor sieben. Ich bin der erste morgens auf der Arbeit, sitze vorm Rechner und trage das Datum in eine Tabelle ein, die jeden Tag aktualisiert wird. Nun hatte ich vorher nie über Daten etc. nachgedacht, inzwischen kenne ich es aber, meinen 'Jahrestag'...

Das Gefühl ist heutzutage anders als früher, es ist nicht mehr diese kopflose Reaktion, sondern hat eher etwas Melancholisches, das selektive Gedächtnis schickt eine atemberaubende Ansichtskarte aus dem Ruhestand. Huhu, ich bin's! Ich starrte echt wie gebannt auf meinen Monitor. Ich will nicht ausschließen, daß ich in dem Moment tatsächlich wehmütig gelächelt habe.
Fernweh? Ehrlich? Meine Fresse. War ziemlich schnell beendet, mit einem wahrscheinlich sogar laut ausgesprochenen "Verdammte Scheiße nochmal."
Glücklicherweise war ich allein. Der Anblick hätte vermutlich den ein oder anderen dazu angestiftet, meinen Geisteszustand anzuzweifeln.

War nicht weiter schlimm, war ja noch etwa acht Stunden beschäftigt, aber das nächste Mal bin ich das vielleicht nicht. 'Kannst ja mal wieder, gehört halt dazu.' wäre da nicht hilfreich...

Zitat
Ich möchte nicht mehr zurück in das Elend. Das sage ich mir immer wenn sich Gedanken ans spielen einschleichen.
Ob das für immer reicht? Ich weiß es nicht.

Genau das.
Ich weiß es nicht. Die stetige Präsenz überrascht mich immer wieder aufs Neue.
Es sollte aber absolute Priorität haben, es für mich selbst immer zu 100% auszuschließen.

In dem Punkt teile ich die Meinung von Jens. Wenn ich mir erlaube, zu sagen "Ajo... passiert eben. Gehört halt dazu.", dann ist es wahrscheinlicher, daß ich in einem solchen Fall 'einknicke'.
« Letzte Änderung: 04 Oktober 2018, 02:01:19 von TAL »

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Offline Intel

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  • 27
Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #64 am: 09 Oktober 2018, 21:20:10 »
Hallo Tal,

Meine Güte!! Ich hoffe wirklich du machst etwas mit Sprache und verrottest nicht in einem langweiligen Büro vor einem Rechner.

Zitat:
Das Gefühl ist heutzutage anders als früher, es ist nicht mehr diese kopflose Reaktion, sondern hat eher etwas Melancholisches, das selektive Gedächtnis schickt eine atemberaubende Ansichtskarte aus dem Ruhestand.
Zitat Ende

Das Gefühl kenne ich und mir ist als möchte ich jedes Wort  deines Textes markern und stumm Nicken  Die Art wie du es zum Ausdruck bringst haut mich um.
Wahnsinnig gut geschrieben. Kompliment.
Gr Intel
« Letzte Änderung: 09 Oktober 2018, 23:28:42 von Intel »

Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #65 am: 09 Oktober 2018, 21:48:07 »
Darum habe ich mich hier im Forum angemeldet damit man sich nach der Therapie weiter mit dem Thema auseinander setzten kann.
Das hilft mir persönlich sehr viel weil man leider die schlechten Sachen zu schnell vergisst (oder auch zum Glück).

Man hat in der Erinnerung viele "positive" Erlebnisse .. leider auch was das spielen angeht.
Hier im Forum bekommt man auch als trocknender Spieler alles mit.

Kein Geld... Schulden.. Problem in der Beziehung .. Depressionen .. Schlafmangel.. Keine Freunde mehr.. Straftaten usw.....
So sehe ich das viele die selben oder auch andere Problem haben oder auch hatten wie ich selber.

Das hält mich zusätzlich vom spielen ab obwohl ich überhaupt keinen Suchtdruck mehr verspüre.
Ich habe man meisten Angst davor das man in einem schwachen Moment (Ausnahmesituation) eine kleine Summe einsetzt und dann sofort wieder in dem Hamster Rad drin steckt.


« Letzte Änderung: 09 Oktober 2018, 22:38:07 von Gobo2018 »

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Offline Intel

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  • 27
Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #66 am: 09 Oktober 2018, 22:33:03 »
Hallo Gobo,
Ja absolut!  Das ist auch einer meiner Beweggründe hier zu lesen und zu schreiben. Therapie zuhause auf der Couch.
Mahnmal und Gedankenaustausch.
Gr Intel
« Letzte Änderung: 09 Oktober 2018, 23:25:02 von Intel »

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Offline TAL

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #67 am: 10 Oktober 2018, 02:37:02 »
Leider hab ich tatsächlich den langweiligsten Bürojob auf dem ganzen Planeten, aber das ist ja nunmal Eigenverschulden, habe nichtmal eine abgeschlossene Ausbildung und bin in meinen jetzigen Job durch eine Verkettung von Zufällen reingeraten, ich mußte da glücklicherweise nie eine Bewerbung schreiben. Wie so vieles andere heute in meinem Leben ist das ein Glück, was diesen Namen auch wirklich verdient hat. Ich kann wirklich froh sein über das, was ich jetzt habe. Um nichts in der Welt möchte ich das je wieder auf's Spiel setzen. Das wäre ein sehr tiefer Fall, den ich nicht aufhalten könnte, egal, was mir ein heimwehgeplagter Rentner mit krankhaftem Realitätsverlust in meinem Kopf auch immer zu suggerieren gedenkt.

In Wirklichkeit rede ich eher weniger... und schon gar nicht so. Ihr könnt das wenigstens irgendwie nachvollziehen, aber wie ist das bei jemandem, der das (zum Glück) gar nicht kennt? Das war eine rhetorische Frage, die keiner Antwort bedarf. Nur ein Gedanke.

Ja. Es ist sehr hilfreich, sich die eigene Vergangenheit in all ihrer Häßlichkeit wieder vor Augen zu führen. So, wie es wirklich war, und für viele leider immernoch ist, und nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte, beziehungsweise ich mir gerne einrede, daß es war, um vielleicht irgendwann nur mal so zu sehen, was da so geht...

Selbstverachtung, Scham, Schuld, Hilflosigkeit... immer wieder am Weglaufen vor mir selbst, vor meinem eigenen Scherbenhaufen...
Nur darüber zu schreiben, und auch zu lesen, hilft so unglaublich manchmal, das könnt ihr euch vielleicht gar nicht vorstellen. Warum hab ich das nicht viel früher getan?

Ich habe kürzlich irgendwo gelesen "Wenn du einfach nur diese erste Wette vermeiden kannst, vermeidest du automatisch auch alle weiteren, die unausweichlich folgen würden."
Sehr weise Worte, auch wenn sie vermutlich irgendwo geklaut waren.
Es darf einfach nicht passieren. Es wäre mein Ende, nochmal packe ich das nicht.

So ist das nunmal. Besser für mich, das niemals zu vergessen. Ja. Es ist gut, gelegentlich daran erinnert zu werden.

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Offline Emell

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #68 am: 14 Oktober 2018, 07:42:26 »
Hallo an alle.
Ich kann mich den vorherigen Beiträgen nur anschließen. Was auch mir hier hilft ist das regelmäßige Auseinandersetzen mit dieser Suchtproblematik. Es verhindert diesen sicherlich euch auch Bekannten Effekt, dass nach einer gewissen Zeit die schlechten Gedanken in Bezug auf das Spielen verfliegen, sich positive breitmachen und dann den Weg bereiten wieder zu spielen. Ihr kennt ja alle dieses miese Gefühl nach einem verlustreichen Spiel. Man schwört sich, das nie wieder zu tun. Man sieht klar das negative, weiss dass es aufhören muss. Aber nach einiger Zeit verändert sich dieses Bewusstsein und sagt einem: alles halb so schlimm. Und wenn du es nun nochmal probierst holst du wahrscheinlich den letzten Verlust zurück ( Stichwort Chasing). Um dem entgegenzuwirken hilft es, sich hier auszutauschen, mitzulesen und sich immer wieder bewusst zu machen was für eine zerstörerische Sucht es ist, um die es geht. Und wie wichtig es ist, dem Druck( wenn er denn nochmal auftaucht) eben nicht nachzugeben. Bleibt sauber , Leute!
Ich bin es im Übrigen nach wie vor. Und ich erfreue mich daran. Erfreue mich daran mir lieber etwas sinnvolles zu gönnen für das Geld was sonst einfach sinnlos vergeudet wurde. Einfach mal Essen zu gehen mit dem guten Gewissen dass ich mir das nun, in meinem " besseren Leben" problemlos leisten kann.
Es fühlt sich gut an. Und das motiviert mich wiederum noch mehr.
Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag.
LG
Emell

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Offline NW

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #69 am: 14 Oktober 2018, 08:26:58 »
Zitat
Ich hab das genau andersrum erlebt. Für mich war es nach jedem Rückfall schwerer, wieder 'auf Spur' zu kommen. Es hat mich nur immer wieder in meiner eigenen Sichtweise bestärkt. "Was machst du dir vor? Du schaffst es eh nicht."...und das ist nur die blumig zensierte Variante meiner Selbstwahrnehmung in einem solchen Fall.


Zitat
In dem Punkt teile ich die Meinung von Jens. Wenn ich mir erlaube, zu sagen "Ajo... passiert eben. Gehört halt dazu.", dann ist es wahrscheinlicher, daß ich in einem solchen Fall 'einknicke'.


Findest Du nicht dass sich das hier beisst ?

Ich kenne beide Gedanken und bei den schlechten ,, schaffst Du eh nicht mehr " , ,,wirst dein leben lang zocken", habe ich auch noch Jahre lang weitergezockt.

Wenn ich heute nen Rückfall hätte, dann wäre das für mich auch ok, es gehört halt dazu und immerhin hätte ich dann zumindest 6 monate, oder keine Ahnung wie lange nicht gezockt und vielleicht 6 Monate nach diesem tag wieder. (Vielleicht danach auch für immer)

Das hab ich mit den schlechten Gedanken nie geschafft, immer nur wie du auch, solange wie kein geld mehr da war und als neues kam, wieder von vorne.
Man akzeptiert damit ja auch das man es ,,eh nicht schafft".

In Depressionen fallen würde ich nach nem Rückfall sicher nicht, auch würde ich dies auch nicht als versagen empfinden, eher auch denken : ,, es gehört zu dieser Krankheit eben dazu" Ursachen analysieren und WEITER MACHEN. Denn einfach nur als Spielpause würde ich die spielfreie zeit auch nicht bezeichnen wie es fachlich vielleicht korrekt hieße. Spielpause ist für mich die zeit in der man kein geld hat und/oder geld hat aber zb 6 monate garkein bock bzw druck.
Also Zeiten in denen man nich spielt, aber auch nicht bewusst aufhören will.

Sobald jemand bewusst und ehrlich aufhören will, sind das für mich unabhängig der länge, spielfreie zeiten und rückfälle und es gibt null grund das runterzureden, selbst wenns nur ne woche war bei jemandem der vorher keine 12 std ohne aushielt.
Finde das ist sehr wichtig, positiv zu denken und sich nicht noch runter zu machen. Das is alles kein leichter weg wenn man da ma so tief drin steckte, wichtig ist nur dranzubleiben und wenn dann ma nen Rückfall passiert ist es eben so, dann macht man halt danach wieder weiter und wirft nicht alles in den sand, irgendwann klappt es dann auch bei jedem.

Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #70 am: 14 Oktober 2018, 09:58:34 »
Hallo ihr Lieben,

Rückfälle sind etwas von derart wichtig, um den Weg aus der Sucht zu gestalten: sich einfach ergeben und versinken, oder zu kapitulieren und die Hände zum Himmel heben.
Wie oft habe ich mir schon überlegt, den ganzen Kram mit der Spielsucht at acta zu legen, und mich alleine auf mein Rentnerdasein zu konzentrieren.

Das ist jetzt über ein Jahr her, ich hatte eine Eintrittskarte für den Zirkus von meiner Ex zum Geburtstag geschenkt bekommen; vor der Vorstellung war ich bei der sehr wohltuenden Lymphdrainage, und dazwischen im Kaufhausrestaurant. In dem Lokal befanden sich zwei Spielautomaten, weiter hinten, außerhalb meines Blickfeldes. Während des Essens kam der Gedanke, ich könnte ja dort ein paar Spiele machen, einfach wieder ausprobieren, wie war das noch? Das Essen schmeckte kaum noch, ich verließ das Restaurant, ohne Automaten gesehen zu haben und war heilfroh als das Zirkuszelt vor mir auftauchte.

Ich habe das in der SHG aufgearbeitet, und bin mir selber im klaren geworden, wie schwer es für mich immer noch ist, Geschenke anzunehmen, also nicht mehr abweisend auf positive Zuwendungen zu reagieren. Darum bin ich ja von meiner damaligen Frau geschieden, weil ich diese destruktiven Abwehrmechanismen habe. Geist, Seele und Körper wurden auf Ablehnung, Negationen getrimmt, ein Kokon, einer Sicherheit, die sicher zur Vernichtung führt.

Das Annehmen, die Bereitschaft für positive Empfindungen ist ein Entwicklungsstadium für mich. Ich habe viele solcher Momente in der Gegenwart. Wenn ich nur an meine Wassergymnastik - in der Gruppe denke, oder an den Besuch meiner Schwester aus England zur Zeit und den Kino - und Lokal Besuch Gestern Abend, dann bin ich mir gewiß, das Leben hat so unendlich viele schöne Facetten, die sich mir noch auftun können, wenn ich meine Ängste - vor den Menschen - über winden lerne, Einen Tag zur Zeit.

Es spiel keine Rolle, wie lange ich mich dem Glücksspiel schon fernhalte, das zwanghafte Klammern an Negationen, die Depression, das was mir hilft, ist das Eingeständnis meiner Spielsucht, und mein Bekenntnis zur Spielfreiheit und zu Gottes Liebe.


schöne 24 Stunden
Andreas
« Letzte Änderung: 14 Oktober 2018, 10:00:26 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline taro

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #71 am: 14 Oktober 2018, 17:18:22 »
Ich habe mal im Meeting gehört, das der Rückfall mit dem Münzeinwurf oder Geldeinsatz bereits abgeschlossen ist, der Rückfall passiert bereits lange vorher.
Mit dem Entschluss ein spielfreies Leben führen zu wollen habe ich alle Bereiche in meinem Leben auf den Kopf gestellt und ein neues "freies" Leben begonnen.
Frei vom spielen und frei von selbst,  oder von außen auferlegten Zwängen.
Ich hatte zwei Rückfälle und beide Male hatten mich schon lange vorher meine Ängste oder eigenen Erwartungshaltungen von meinem neuen Leben entfernt.
Dafür,  dass beide Male meine Rückfälle nur kurz andauerten und ich danach meinem neuen Weg vorführen konnte bin ich Gott von Herzen dankbar, denn meine Entscheidung war das sicher nicht.

Taro

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Offline TAL

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #72 am: 15 Oktober 2018, 01:58:49 »
"Ein Rückfall passiert nicht einfach so. Schon lange, bevor es tatsächlich dazu kommt, habe ich bereits innerlich angefangen, es zuzulassen." - Das habe ich auch mal gehört, von einem trockenen Alkoholiker. Ich habe mir da gedacht "So einfach ist das nicht."
Andererseits findet er sich ja nicht plötzlich auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause mit einer Flasche in der Hand wieder... und ich müßte ja auch aktiv handeln, um vor einem Automaten wieder 'aufzuwachen'...
Wenn das alles einfach nur eine Frage des 'Freien Willens' wäre, hätten er und ich doch überhaupt keine Schwierigkeiten und der Begriff des 'Trockenseins' wäre absolut überflüssig...

Es gibt ihn aber. Zurecht. Denn ab und an meldet sich die Stimme dann doch mal wieder. Selten, ich wünschte aber trotzdem, es wäre erst gar nicht so. Kann's mir nur halt nicht aussuchen. Bin ja nunmal nachweislich nicht so der willensstarke Typ.


Du hast recht, NW. Wenn man das von mir geschriebene so liest, ist es irgendwie ein Widerspruch. Aber da fehlt mein Text dazwischen.

Zitat
Ich kenne beide Gedanken und bei den schlechten ,, schaffst Du eh nicht mehr " , ,,wirst dein leben lang zocken", habe ich auch noch Jahre lang weitergezockt.

Eben. Bei halbherzigen Versuchen resultierte ein Rückfall auch bei mir in noch mehr Resignation und Selbstverachtung. Ich hatte innerlich aufgegeben. Sobald ich wieder zu Geld kam, waren die Vorsätze weg. Was soll's? Das wird eh nichts.

Mein letzter ist aber zum Glück eine Weile her, möge das auch weiterhin so bleiben. Ich habe dennoch einen Heidenrespekt davor, was passieren könnte.
Es wäre definitiv ein herber Rückschlag. Würde ich, wie du, sofort wieder aufstehen, oder es sofort wieder handhaben wie früher? Richtig. Ich weiß es eben nicht...
Ansonsten hast du natürlich absolut recht, wenn ich so darüber nachdenke. Auch nur eine Woche oder zwei wären früher für mich undenkbar gewesen.

Sorry, ich bin nicht sonderlich gut darin, meine Gedanken diesbezügliche 'rüberzubringen'. Ist eher ein wenig ungeordnet. Vielleicht bin ich auch nur etwas seltsam. Ist halt alles relativ neu für mich.

Schön gesagt, Andreas. Es kommen immer wieder mal Momente, in denen einem klarwird, daß man es nie vollständig überwinden kann. Ja. Ich bin suchtkrank, darum sind für mich viele 'normale' Dinge einfach immernoch schwer anzunehmen. Alte Verhaltensmuster sterben nie vollständig aus. Hat gedauert, das so akzeptieren, mir geht's doch eigentlich blendend. Manche Mühlen mahlen halt sehr langsam...

Mhh... Sehe ich das alles wirklich zu negativ?

Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #73 am: 15 Oktober 2018, 09:23:17 »
Guten Morgen Tal,

Seine Sichtweise ist für mich nicht negativ! Du blickst der Gefahr gerade mutig ins Auge. Das heißt auch, die Angst zu überwinden. Vielleicht die Angst vor einem Rückfall, die Angst für ein Leben ohne spielen? Die Trinker sind uns irgendwie ein Stück voraus, sie machen ihre Trunksucht erkenntlich, und können daher womöglich viel offener im Trockenwerden und in der Genesung umgehen.
Wir Spieler sind irgendwie anders, komplizierter? Das ist vielleicht eine Hürde, wenn wir uns der Kapitulation vor der Spielsucht stellen. Wie viele innere Konstruktionen bracht es, das Glückspiel aufrecht halten zu können, Das hat das Ego gestärkt, die Schwäche wurde überspielt, nun brechen die Kartenhäuser zusammen und die Welt scheint unter zu gehen!!?

Glaube mir, die Dunkelheiten werden schwinden, wenn du und ich uns ferner vom Glücksspiel fernhalten. Ich mache mich gleich auf den Weg zum Psychologen, bin abends mit meiner Gruppe im Kino, einen Film über Depressionen, das passt alles zusammen, weil ja nach dem Negativen das Positive Zeit und Raum gewinnt.

Liebe Grüße
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline TAL

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Re: Mein Weg in ein besseres Leben
« Antwort #74 am: 16 Oktober 2018, 17:47:43 »
Danke. :)

Ja. Ich habe unglaubliche Strapazen auf mich genommen, mich selbst und andere in die Tasche zu bescheißen, um ungestört weitermachen zu können. Von meinem Ego war allerdings am Ende nicht viel übrig, es ist auch jetzt noch nicht so wirklich weit her damit. Ich neige zum Ja-Sagen, Ignorieren und Abnicken. Bloß nicht anecken, das fällt nur auf und ist am Ende noch mit Anstrengungen verbunden. War dann nicht so einfach ohne das schöne Kartenhaus, es hatte immer sowas Beruhigendes. Siehste... hält doch!

Natürlich wäre ein Rückfall, sofern er nicht im leider allzu vertrauten Kontrollverlust endet, nicht das Ende der Welt, und meine Bemühungen wären ja trotzdem nicht umsonst gewesen. Ich durfte, und darf, es erleben, ich weiß, daß es sich lohnt, sich dauerhaft von diesem Zwang zu befreien.
Die wirkliche und eingebildete Angst vor einem Leben im grellen Scheinwerferlicht, ohne vermeintliche 'Rückzugsmöglichkeit', ohne die so liebgewonnene, vom vielen Gebrauch abgenutzte Schippe Sand, in die der eigene Kopf immer so schön reinpaßt... ja, manchmal erwische ich mich dabei, indirekt, wenn ich anfange, Dinge für mich in Frage zu stellen.
Kann man da von 'Angst' reden? Ich denke, es stimmt, was du sagst, man kann.
Mir fehlt halt eben etwas sehr Entscheidendes, wie mir klargeworden ist: Rückhalt. Ich bin niemandem 'Rechenschaft schuldig', es würde sehr lange niemand irgendwas merken, so wie damals auch.

Unter einem Alkoholiker können sich die meisten Leute etwas vorstellen. Nicht unbedingt verstehen, aber es leuchtet jedem irgendwie ein. Sage ich jemandem "Ich bin trockener Alkoholiker.", ist das absolut verständlich für jeden, man muß das nicht groß erklären.
Die gesellschaftliche Akzeptanz der Existenz seiner Krankheit ist mittlerweile vorhanden.

Tja, und bei mir... da beginnt es schon damit, daß ich mich nichtmal selbst verstehe...

So oder so... ich bewundere diese Offenheit, egal, womit man zu kämpfen hat, es ist nie leicht. Sowas laut auszusprechen, das wäre dann wohl letztlich komplette Kapitulation.

Es sorgt dafür, daß man es im Zweifelsfall nicht mit sich selbst ausmachen muß, was ja nunmal nie ein wirklich probates Mittel war, auch wenn ich mir das gerne einrede.

Es gibt nichtmal einen konkreten Anlaß, hatte schon länger keine wirklich 'kritischen' Situationen mehr. Aber man kann ja bekanntlich nie wissen...

 

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