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Suchtberatung

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Suchtberatung
« am: 08 November 2018, 12:09:02 »
Hallo ihr Lieben,

ich muss jetzt Mal eine Frage stellen. Die Frage ist wirklich ernst gemeint. Bitte verzeiht mir, wenn ihr sie als doof oder als unpassend anseht.

Ich selbst war nie bei einer Suchtberatungsstelle. Dies nur zur Info.

Jedem Neuankömmling hier wird der Gang dorthin angeraten. Sicher aus gutem Grund. Ich möchte diesen Grund verstehen.

Was passiert dort vor Ort, was nicht auch hier in einem Forum "geboten werden kann"?

Ich bin derzeit stabil in meiner Abstinenz. Lese viel in diversen Foren und Gruppen und da ist einfach diese Frage in mir gewachsen.

Vielen Dank für euer Feedback.

Liebe Grüße
Eure Streli

Re: Suchtberatung
« Antwort #1 am: 08 November 2018, 18:43:36 »
Hallo Streli..

Warum wird auf SH-Gruppen hingewiesen und was ist anders als ein Forum..

OK, das Forum ist sicher für viele die erste Anlaufstelle.. Man genießt die Anonymität und kann sich Salopp gesagt regelrecht auskotzen ohne dabei rot zu werden geschweige das andere einem dabei in die Augen schauen..

In einer SHG ist das genau das Gegenteil.. Diese Hemmschwelle erst einmal zu überwinden kostet natürlich auch Mut und vorallem Selbstbewußtsein.. Aug in Aug jemanden gegenüber sitzen und über seine eigene Krankheit zu reden, den ganzen Mistbock auszusprechen, mehr noch genau in dieser Sitzung ein Feedback zu bekommen kann einem mehr helfen als es ein Forum jemals ermöglichen könnte..

Sich der Öffentlichkeit sprich anderen Betroffenen real zu stellen, gemeinsam Möglichkeiten durchzusprechen und Lösungswege aufzuzeigen dabei die Mimik und Gestik wahr zu nehmen sich selbst gestärkt und selbstbewusster zu fühlen erlebst Du einfach nur in der realen Welt der SH-Gruppen..

Und nicht zuletzt bringt sie Dir mehr Stabilität je länger und aktiver Du dabei bist bzw Teil nimmst.. Letztendlich entscheidet jeder für sich selbst welchen Weg er geht und was für ihm am besten ist.. Was ich aber weiß, das viele selbstaussteiger irgendwann eine SHG aufsuchen, weil es ohne Hilfe doch nicht so gut lief wie erst geglaubt..

Vielleicht hab ich Dir deine Frage beantworten können..



Re: Suchtberatung
« Antwort #2 am: 08 November 2018, 20:25:10 »
Hallo Nutella,

Danke für deine Antwort.
Sie zielt nur leider etwas an meiner Frage vorbei. Was ich aus deiner Antwort herausnehme, in Bezug auf meine Frage, ist der Schritt heraus aus der Anonymität.

Dann vielleicht nochmal etwas anders gefragt: braucht, " der Süchtige" diesen persönlichen Kontakt? Ist das wichtig?
Ich kann nur schwer von mir auf andere schließen, da ich schon immer mehr der Typ Mensch war, dem das Medium egal ist, es geht mir immer um den Inhalt. Die Verpackung, ob real oder virtuell, ist bei mir nebensächlich.

LG
Streli

*

Offline Mo von Glückszone

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  • Hallo mein Name ist Mo von Glückszone.
    • Glückszone
Re: Suchtberatung
« Antwort #3 am: 08 November 2018, 21:22:09 »
Hallo Strelitzie,

den persönlichen Kontakt braucht der Süchtige nicht unbedingt. ich würde aber sagen, dass er hilft. In einer SHG entstehen einfach andere Verbindungen und auch super Momente, die man übers Internet so einfach nicht erleben kann. Wenn das hier für Dich ausreicht - super! Wenn Du aber irgendwann merkst, dass es doch nicht reicht, probiere das Real-Life-Forum aus, also die SHG. Klar können auch über ein Forum Freundschaften und der gleichen entstehen aber die Dynamik ist meiner Meinung nach einfach eine andere im echten Leben, Auge in Auge.

LG
Mo von Glückszone
Mo von Glückszone

Re: Suchtberatung
« Antwort #4 am: 09 November 2018, 05:28:53 »
Moin Streli..

Der Inhalt in den Sitzungen ist so breit gefächert und ändert sich jedesmal aufs Neue..

Bedingt dadurch, daß jeder Teilnehmer sein Wochenerlebnis mitteilt oder aber jemand spezielle Fragen hat..

Es gibt aber auch Gruppen, in denen Abläufe festgelegt sind und dafür Themen vom Gruppenleiter vorher ausgearbeitet wurden, welche dann durchgesprochen werden, so dass jeder einzelne seine Erfahrungen und Erlebnisse einbringen kann..

Im Grunde ist es immer individuell, zumal es wiederum auch unterschiedliche Arten von Gruppen gibt.. Offene Gruppen bis hin zu GA,s..

Mir persönlich liegen die GA Gruppen nicht so.. Man muss halt auch selbst herausfinden, wo man sich am besten wohl fühlt..

Probiere es doch einfach mal aus, dann bekommst du deine Fragen sicher besser beantwortet als es mit Schrift zu versuchen..

Re: Suchtberatung
« Antwort #5 am: 09 November 2018, 09:08:19 »
Hallo Strelitzie,

die Suchtberatungsstellen habe ich erst kennen gelernt, als ich dort mit je einem Bündel Flyer meiner Selbsthilfegruppe aufgetaucht bin. Ich habe also eher von betroffenen Spielern gehört, die sich dort beraten lassen, dort ein  Krisenmanagment erhalten. Die Suchtberatung wird vornehmlich von Sozialpädagogen geleitet.

Es gibt Therapeutisch geleitete Spieler - Selbsthilfegruppen, zum Beispiel bei uns in der Medizinischen Hochschule Hannover, , es gibt Selbsthilfegruppen, die durch einen Betroffenen geleitet werden, der eine Ausbildung zum Suchtberater oder zum Suchthelfer genossen hat. (Ich denke gerade an ein ehemaliges (?) Forenmitglied aus Bremen), und es gibt ungeleitete Selbsthilfegruppen.

Ich bin gerade bei Nutella, der ja sehr treffend den persönlichen Austausch beschrieben hat. Wenn ich es wiederholen darf: In der Selbsthilfegruppe bekomme ich, das Gruppenmitglied weitaus mehr Eindrücke, als das gelesene Wort, und Schreibarbeit am Rechner: Wir sehen den anderen ins Gesicht, in die Augen, nehmen die Körperhaltung wahr, erleben die Stimme, die Stimmungsschwankungen, erfahren unser ureigenes Bedürfnis nach Nähe und Distanz, um einige Merkmale zu nennen. In der Selbsthilfegruppe schreiben wir unsere Inventuren mit Bleistift oder Kugelschreiber auf Papier, aus dem Herzen kommend über die Hand geleitet, aus unserem oft überfrachteten Kopf heraus.

Eine Selbsthilfegruppe sollte sich immer nach dem schwächsten Gruppenmitglied richten, also der und demjenigen, die neu in die Gruppe kommen, oder einen Rückfall erlitten haben und den Mut fassen, sich zu outen.

Persönlich bin ich GA - Mitglied, und das seit langem, und ich bin Heute frei vom selbstzerstörerischen Glücksspiel. Wir haben ein Programm mit 12 einfachen Schritten und, diese kann ich in vielen Gruppen anwenden, auch in Gemeinschaften, die eigentlich nichts mit dem Spielen zu tun haben,. Wir haben sie von den Anonymen Alkoholikern übernommen.

Liebe Grüße und schöne 24 Stunden
Andreas.
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

*

Online Olli

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Re: Suchtberatung
« Antwort #6 am: 09 November 2018, 11:57:11 »
Hi Strelitzie!

Ich habe gestern schon mal einen Anlauf gestartet hier zu schreiben ... war aber nicht so ganz zufrieden damit.
Nun haben bereits einige Dir geschrieben und ich bin inhaltlich bei jedem einzelnen.

Als ich mit dem Spielen aufhörte, da war mir die Vielfalt der Möglichkeiten sich Hilfe zu suchen gar nicht bewusst.
So bin ich zwar irgendwann zur SHG gegangen - jedoch nicht zu einer Suchtberatung.

Allerdings habe ich im Laufe der Zeit etliche Spieler - logischerweise auch real - kennen gelernt, die sehr zufrieden mit der Beratung waren.
Natürlich gab es auch Leute, denen es nicht gefallen hat, doch sie werden von mir eher als Minderheit empfunden.

Die Reonanz auf Deine Fragen zielen hier zumeist auf SHGs ab.
Das ist auch nicht verwunderlich, wenn ich Dir eine Anekdote erzähle.
Im letzten Jahr waren Rainer und ich auf der Jahrestagung. Dort gab es viele Vorträge in einem großen Saal, jedoch wurden auch mehrere Workshops angeboten.
Während im Sall also ca. 300 Personen sitzen, tummeln sich in den Workshops so zw.. 10 und 20 ...
Ich war dreist und habe mir den Workshop "Beziehung Therapeut - Klient herausgesucht. (Ich wollte einfach mal einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Profis werfen.)
Rainer hatte sich ein ähnlich lautendendes Seminar im Bereich der Suchtselbsthilfe ausgesucht.
Als wir uns später in den Pausen darüber unterhielten, da stellte ich fest - wir hatten in beiden Gruppen die gleichen Gesprächsthemen.
Die Profis benutzten Gesprächstechniken von Dr. Hinz und Dr. Kunz - die Spieler wendeten die Techniken eher aus dem Bauch heraus, wie es sie ihre Erfahrungen gelehrt hatte, an.

Beziehung ...
Können wir hier Beziehungen in einem Forum aufbauen?
Ich denke ja - aber auch nur absolut eingeschränkt.
Wie bereits gesagt wurde, Mimik, Gestik, Intonation ... alles fehlt.
Wenn Du zuhause auf dem Sofa surfst und Dir schreibt jemand etwas Unangenehmes, Peinliches ... irgend etwas in der Richtung, dann machst Du den Laptop zu oder das Handy aus.
In einer Gruppe - bei einem Beratungsgespräch oder dergleichen, entziehst Du Dich nicht so schnell - konfrontierst Dich aber auch eher mit Dir selbst.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Suchtberatung
« Antwort #7 am: 10 November 2018, 11:22:08 »
Ich danke euch sehr für eure Antworten. Ich denke, ich verstehe jetzt den Hintergrund.


 

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