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Hallo Leidensgenossinnen und - genossen

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Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« am: 24 März 2021, 21:56:06 »
Heyho liebe Community, =)

In diesem Beitrag würde ich mich gerne als neues Mitglied bei Euch vorstellen und meine "kleine" Geschichte erzählen.

Zuerst ein paar Eckdaten meiner Wenigkeit.
Ich bin 30 Jahre jung, frisch verheiratet (Sommer 20) und komme aus dem schönen Bayern. Beruflich bin ich im öffentlichen Dienst mit einem sicheren Job/Einkommen gut abgesichert.


Jetzt zum "unangenehmen" Teil:

Finanzielle Lage Herbst/Winter 2018:
Laufender Kredit (Autokredit/Kauf 2016): ca. 14.000,00€ Restzahlung (rund 270€-Rate)
Verfügbarer Rahmenkredit (5000€): +-0€
Girokonto (Disporahmen 1500): +2.600€


Ich würde gerne ganz am Anfang mit einem Werbeslogan beginnen, den ich im Herbst/Winter 2018 hörte, als nach meinem Arbeitstag mir nichts bequemer als meine heimelige Couch erschien.


- "Zahlen Sie 10,00€ ein und spielen Sie mit 50,00€ in der Wunderbaren Welt von XXXXX" -  (Denke den Namen kennt ihr und ich weiß nicht ob man diese Casinos hier nennen darf)

Nach kurzem Zögern und aus Langeweile, zückte ich mein Handy und erkundete die Seite des eben gehörten Werbetreibenden. -"Naja, was sind schon 10€, das schau ich mir doch mal an"- Soweit zu meinen Gedanken.
Gedacht - getan, waren die 10€ auf dem Spielerkonto via PayPal einbezahlt und die Gutschrift von 40€ erfolgte prompt. Ich würde lügen, hätte ich alter Geiznagel nicht gleich probiert diese 50,00€ auszubezahlen  ;D (Ja, so blauäugig war ich anfangs)

Nun gut, ich durchforstete die Spielangebote und war überwältigt von deren Fülle, weshalb ich mich für ein von dem Anbieter vorgeschlagenes Automatenspiel entschied, bei einem Einsatz von 0,10€ - 0,50€ pro Dreh. Tatsächlich konnte ich nach ca. 1,5 Stunden einen Erfolg verbuchen als ich auf das Spielerguthaben von ca. 60€ blickte. Leider wurde mir dies getrübt, da ich keine Möglichkeit hatte (Umsatzbedingungen) es mir auszuzahlen. Genervt stelle ich die Umdrehungen auf 1,00€ und sah zu, wie das Guthaben in den Keller rauschte.

Am nächsten Tag erzählte ich das gestrige Erlebnis meinem Arbeitskollegen (Alter, Mitte 50). Dieser grinste mich verschmitzt an und sagte:" Na, warst du der gleiche Depp? - Das habe ich auch mal probiert"
Woraufhin wir uns gegenseitig austauschten und das Thema abgehackt hatten.

Ca. Eine Woche später.......

Mein Arbeitskollege kam mit einem Grinsen morgens ins Büro und berichtete mir er habe bei seinem Lotto-Anbieter (bekanntes OC) die dort verfügbaren Spiele probiert und 300€ gewonnen. Stolz präsentierte er mir die Auszahlungsemail.

Das kann doch nicht sein, dachte ich mir, so leicht geht das? Das sollte doch auch zu schaffen sein. Mit "Tipps und Tricks" des Kollegen bewaffnet, machte ich mich abends frisch ans Werk.

Soso, man soll also gleich mehr Geld einbezahlen (100€) und sein Glück auf 2,00€ pro Dreh versuchen. Entweder es kommt etwas oder eben nicht. Keinen Einzahlungsbonus benutzen - Stichwort Umsatzbedingungen. Und ganz wichtig, das einbezahlte Geld ist "Spielgeld". (Zu Deutsch: Mir muss klar sein, es ist erstmal verloren.)

Es kam, wie es kommen musste, nach kurzer Zeit war das Geld in den Abgründen der digitalen Slot Welt verschwunden und ein Anflug von Frust machte sich in mir breit. Ich ging zu Bett.

Am nächsten Morgen
erwartete mich allerdings im Büro ein Gefühl von Neid. - Auszahlungsemail von 700€....... Wie macht er das nur?

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen und forderte abends mein Glück erneut heraus, jedoch diesmal im OC des Kollegen. Vielleicht habe ich mich einfach beim falschen angemeldet?

Und tatsächlich, nach kurzer Zeit konnte ich einen „hohen“ Gewinn von ca. 200€ verbuchen. Und drückte auf den Auszahlungsbutton. Kurz darauf, erwartete ich sehnsüchtig meine Trophäe in Form einer E-Mail.

„Bitte verifizieren Sie Ihr Spielerkonto“ – Was zur Hölle ist das den jetzt?!

Die wollen meinen Ausweis und einen Wohnortsnachweis?

Mit mulmigem Gefühl ging ich zu Bett und erkundigte mich am nächsten Tag bei meinem Kollegen.

„Jaja, das ist ganz normal ab einer gewissen Summe wollen die das von dir, das habe ich ganz am Anfang auch machen müssen“-OK

Ich schickte die erforderlichen Daten ein. Bearbeitungszeit max. 10 Tage.
Jedoch juckte es mich schon nach einem Tag wieder in den Fingern. Was soll schon schief gehen? Abzüglich der Einzahlungen bin ich doch locker im Plus.

---Ab diesem Zeitpunkt kürze ich die Story etwas ab, sonst würde es wohl ein Buch werden---

Mit zunehmendem Entsetzen musste ich feststellen, dass mein Arbeitskollege wohl ein dicker Freund von Fortuna war und ich der kleine Schuljunge im Bezug auf mein Spielerglück.
Verzweifelt versuchte ich meinen Verlusten hinterher zu jagen, während dieser insgesamt 12.000,00€ gewann. Nach kurzer Zeit (unter anderem aber auch, weil ich mit meiner damaligen Freundin (jetzt Frau) einen 1,5-monatigen Urlaub im Ausland verbrachte – ca. 3000€ pro Nase) befand ich mich auf dem Boden der Tatsachen und musste mit entsetzten feststellen das mein Girokonto mit -500€ glänzte und der Rahmenkredit von 5000€ am Limit war.

So kann das nicht weitergehen, weshalb ich mich entschloss, dem übel ein Ende zu setzen, den Verlust zu akzeptieren und meine Bank zu bitten (aufgrund der höheren Zinsen) den Rahmenkredit auf meinen Autokredit aufzulegen. – Na großartig, jetzt bin ich ja fast wieder am Anfang, der Ratenzahlungen. Naja, dafür lassen wir die Laufzeit gleich, lieber eine höhere Rate (rund 330€)
Das Leben nahm seinen Lauf und das Online-Casino juckte mich derzeit absolut nichtmehr. Es vergingen so ca. 4-5 Monate. Mein Konto war mit ca. 1500€ Plus wieder in Ordnung und alles lief wie am Schnürchen.
Doch ich würde mich nicht hier in diesem Forum melden, wenn das das Ende gewesen wäre. Es kamen meine zwei schlimmsten Feinde zurück. Ein „langweiliger“ Abend und die Hoffnung das von „damals“ wieder auszubügeln. Zwischenzeitlich wurden auch die Werbungen im Fernsehen immer mehr von diversen OC.

So zückte ich wieder mein Mobiltelefon und googelte nach den TOP 10 der OC´s. Der Teufelskreis beginnt von vorne. Endresultat nach ca. 2-3 Monate spielen: Kredit aufgestockt um weitere 6000€. Jetzt fragen sich vielleicht manche, hast du ständig mit 2,00€ gespielt oder nie was gewonnen, um mal was bei Seite zu packen? – Natürlich hatte ich auch Gewinne, die ich mir auch mal ausgezahlt habe, doch die Gier des Menschen ist unersättlich. Und mittlerweile waren die Einsätze bei 5,00€ angelangt und ein Einzahlungsbetrag von ca.300€ mehrmals wöchentlich/täglich. Ich war gefangen in meinen Gefühlen von strahlender Euphorie beim Gewinnen, bis hin zu dem tiefen dumpfen magenhieb, wenn das Spiel mal wieder anzeigte „Nicht genügend Geld vorhanden“. Ich redete oft mit meinem Arbeitskollegen darüber, na klar, er war ja auch der Einzige, der diese Schattenseite meines Lebens kannte. Selbst meine besten Freunde, geschweige denn meine Freundin wussten darüber Bescheid. Ein Gefühl von Scham breitete sich immer mehr aus. Habe ich die Kontrolle verloren?

Oh NEIN, dachte ich mir. So weit kommt es noch das ich abhängig von so einem blöden Pixelhaufen werde, der meine Finanzen ins jenseits befördert. Mittlerweile hatte nämlich auch mein Leidensgenosse gut 8.000€ wieder verspielt.
Das Rad drehte sich von vorne. Ich konnte mich gut 4-5 Monate den OC´s wieder entziehen. Jedoch musste ich oft daran denken und ärgerte mich immer wieder von neuem, wie blöd man doch ist. Neben all den Verlusten war es zudem eine „Kunst“ die Fassade nicht bröckeln zu lassen, man möchte ja sämtlichen Verpflichtungen gegenüber seinen Freunden/Freundin gerecht werden. (Urlaub, Anschaffungen usw.)
Nun folgte meines Erachtens der schlimmste Teil dieser Geschichte. Trotz allem was ich nun darüber schon am eigenen Leib erfahren habe, versuchte ich mein Glück erneut. Jedoch probierte ich mein Glück nicht nur in einem Casino, zu dieser Zeit meldete ich mich bei mehreren Casinos an, da man ja bestimmt anfangs „Angefüttert“ wird. Das wollte ich ausnutzen. Das Ende vom Lied (Teil 3) wieder war die Kohle weg, WIEDER war der Rahmenkredit auf Anschlag und WIEDER meldete ich mich bei meiner Bank. Ich schilderte schon fast den Tränen nahe dem Bankberater mein Leid. Dieser ermutigte mich und sagte: „Na jetzt lassen Sie mal den Kopf nicht hängen, sie möchten gar nicht wissen, wie es bei so manchen Börsianern aussieht“. Jedoch konnte er meinen Kredit nicht erhöhen, da man hierfür mindestens 6 Monate den vorherigen Vertrag besitzen müsse. Jedoch konnte er meinen Rahmenkredit von 5000€auf 10.000€ erhöhen. Damit hätte ich derweil wenigstens wieder Luft zum Atmen und den Vertrag für die Umschuldung legen wir derweil, bis die 6 Monate rum sind, in die Schublade auf Halde.

Nur dieses Mal, war etwas anders. Meine Freundin bemerkte das etwas mit mir nicht stimmt, weshalb ich mich ihr (leider nur in geringen Teilen) anvertraute, es war mir einfach nur unendlich peinlich. Aber es war auch nicht schlecht ihr zumindest einen Teil der Geschichte zu erzählen und ich sagte ich habe 6.000€ verloren und müsse in nächster Zeit etwas kürzertreten. Zwischenzeitlich hatte ich auch mal Kontakt zu meinem Bruder (etwa 10 Jahre älter) und erzählte ihm den gleichen Bruchteil dieser Geschichte. Es fühlte sich gut und richtig an, das ganze anzusprechen, jedoch nicht alles….

Die ganze Sache entwickelte sich eigentlich in die richtige Richtung. Ich konnte meinen Kreditschuldenstand auf 28.000€ wieder reduzieren und war durch die damalige Erhöhung des Rahmenkredits auf 10.000€ auch bestens für unsere anstehende Hochzeit gewappnet. Girokonto auf zu dem Zeitpunkt auch wieder im Plusbereich. Die Feierlichkeiten (Nur Standesamtlich) gingen zu ende und unsere Flitterwochen haben wir gut überstanden =)
Mein Konto erfreute sich derweil nicht so guter Gesundheit jedoch war der „schaden“ moderat. (ca. 1800,00 vom Rahmenkredit in Benutzung) Dessen Ausgleich jedoch aufgrund von Nebenverdiensten schnell wieder ausgeglichen war.
Und jetzt kommen wir zu dem Teil, an dem mir die Luft zum Atmen fehlte, Hebst/Winter 2020.

Ich verblödetes dummes ARSC*****…… Ein neuer Arbeitskollege kam in die Arbeit (25 Jahre) und spielte gerne mal in einem unbeachteten Moment mit seinem Mobiltelefon. Als meine Augen erblickten was er da spielte, schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken und ich musste den heiligen Samariter spielen und ihn über all die Gefahren und üblen Erlebnisse von diesen dummen Onlineslots berichten. In der Hoffnung ich kann ihn damit erreichen. Den einzigen den ich damit aber erreicht habe, war ich selbst. Die Gedanken kreisten schon wieder um diesen Mist. Circa zwei Wochen später spielten wir aus „Spaß“ ein Slot spiel eines OC´s im Free Play-Modus. Ich lachte mich kaputt und amüsierte mich darüber wie schnell da die Kohle weggeht und wie dumm ich doch damals war, das nicht gemerkt zu haben. Stichwort: Tunnelblick….

ZackBumPeng…. Das Slot Spiel löste bei 7,00€ pro Dreh aus, und zeigte uns was in ihm steckt. Rund 9.000€ Gewinn wären das gewesen…… Und da war es wieder das Gefühl- HOFFNUNG….

Endresultat:
Rahmenkredit – Aufgelöst und auf Ratenkredit gepackt
Ratenkredit – rund 47.000,00€ (Rate rund 570€ - 7 Jahre Laufzeit)
Girokonto: Dispo Anschlag
Leihgabe Großeltern: 5000€

Ich zitterte am ganzen Leib und habe Migräne Anfälle bekommen (hatte ich noch NIE) aus Existenzängsten. Wie biege ich das alles wieder gerade? Kann ich das noch geradebiegen? Ich ging zu den weisesten Menschen, die ich kenne und denen ich blind vertraue. Meinen Großeltern. Unter Tränen schilderte ich Ihnen ca. zwei Stunden was ihr „toller“ Enkel für ein Idiot ist. Viele belehrende Worte und einigen Taschentüchern später, wollten sie mir mit einer Leihgabe helfen, damit ich erstmal wieder auf die Beine komme.
Ich habe zuvor auch dieses Forum hier mal durch geschmökert. In der Hoffnung etwas Trost zu finden das ich nicht allein bin. Dort wurde ein Satz immer wieder wiederholt. KEIN GELD AN SPIELER LEIHEN.

Deshalb unterbreitete ich meinen Großeltern den Vorschlag. Auch wenn es hart ist. Mich nicht länger hinter Lügen und Fassaden zu verstecken. Sondern als aller erstes mit meiner Frau einen reinen Tisch zu machen. (Versteht mich nicht Falsch, ich liebe meine Frau über alles, doch ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht sie mit meinen Schwächen, früher und erneut zu konfrontieren.) Sie soll sämtliche Kontozugänge von mir erhalten und mich daraus ausschließen, bis ich gelernt habe, abstand dazu zu nehmen. Und auch erst, wenn sie dies übernommen hat. Nehme ich die Leihgabe meiner Großeltern an. (Die wirklich nötig war – Stichwort: Laufende Kosten)
Nach dem Gespräch mit meiner Frau (Die absolut super reagiert hat, und mir aufmerksam zugehört hatte) fühlte ich mich irgendwie richtig gut. Das hatte ich schon lange nichtmehr im Bezug auf dieses Thema. Es war zuvor ehr eine Verdrängung mit mittlerweile gesundheitlichen Anzeichen. Eine Woche darauf machte ich einen Termin bei der Caritas aus zu einem Erstgespräch und legte dort mein Problem vollumfänglich dar.
Ich habe anschließend für mich unter Einbezug meiner Frau entschieden. Keine Therapie zu machen oder mich einer SHG anzuschließen, diese Gründe lege ich auch gerne jemandem per Privatnachricht dar, wenn er mich darum fragt. Auch wenn ich damit hier wahrscheinlich einen Aufschrei erzeuge xD


Sachstand jetzt:
- 44.000 Kredit
- Girokonto 600€ + (am Ende des Monats)
- Leihgabe voll zurückbezahlt
- Monatliche Freiheit nach Abzug sämtlicher Kosten (350,00€)
- Online-Banking erledigt weiterhin meine Frau.
- Bankkarten etc. habe ich nie abgegeben (damit kann man im OC nichts anfangen ^^ und wie schon erwähnt, eigentlich bin ich ein Geizhals…eigentlich…)

Doch warum wende ich mich jetzt, an Euch? Oder schreibe diese Zeilen?

Das hatte drei Gründe:
1.   Ich hatte gerade einfach ein Bedürfnis mir das nochmal von der Seele zu reden/schreiben und offen damit umzugehen.
2.   Mache ich mir gerade, aufgrund der aktuellen Nachrichten, Gedanken mir einen Anwalt zu nehmen (CLLB z.B.). Um vielleicht den Schaden im Nachhinein weiter zu begrenzen.
3.   Meinungen völlig unabhängiger Dritter anzuhören.

Bitte trampelt auch nicht aufgrund dieses Beitrags auf mir herum, wenn Euch etwas daran stört. Sondern bietet mir stattdessen die Möglichkeit, mich gerne weiter zu erklären oder konstruktive Kritik anzunehmen =)
Und entschuldigt bitte die Textlänge xD


Liebe Grüße

Euer Beda

*

Offline Olli

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Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #1 am: 25 März 2021, 06:00:15 »
Hi Beda!

Zunächst einmal herzlich willkommen!
Wir werden doch nicht auf Dir rumtrmpeln! Du hast hier den ganz normalen Werdegang eines Glückspielers beschrieben.
Es freut mich für Dich, dass Du einen Schlussstrich ziehen möchtest und bereits die Komplettoffenbarung hinter Dir hast.
Du hast ja hier gestöbert - das ist ein inneres Ringen, welches erst einmal gewonnen werden möchte. Da braucht es oft eine Menge Überzeugungsarbeit, die so manches Mal auch umsonst ist.
Auch Dein "klarer" Menschenverstand hat sich wieder gezeigt, als Du erst einmal das Geld abgelehnt hast. Du hast ja selbst gesehen, was passiert war, als die Bank Dir Geld gegeben hat.
Ja natürlich schrecke ich auf, wenn Du von Deiner Entscheidung schreibst, keinerlei professionelle Hilfe anzunehmen.
Da sowohl in SHGs, als auch bei Psychologen, Therapeuten etc. die "Schweigepflicht" herrscht, brauchst Du z.B. vor beruflichen Konsequenzen keine Angst zu haben. Wir hatten auch schon mehrfach Personen, die lieber die Therapiesitzungen aus eigener Tasche bezahlt haben, damit der AG nu ja keinen Wind davon bekommt.
Einen anderen Grund kann ich mir nicht vorstellen, der ausreicht, sich die Hilfe zu verweigern, die gerade nötig ist.
Wie Du sicher weisst, sehe ich die Sucht nur als ein Symptom eines tiefer liegenden Defizites. Anfangs war das Glückspiel noch nicht damit verknüpft. Doch durch die Gewöhnungsphase geschah dies vollkommen unauffällig und von Dir sicher unbeachtet. Mittlerweile gibt es eine feste Verknüpfung im Oberstübchen, die erst einmal wieder aufgelöst werden möchte. Dazu braucht es Input von Aussen.
Ohne Deine Gründe nun zu kennen, gehe ich hier erst einmal von einer grob fahrlässigen Planung aus.
Wenn Du magst, dann schreibe mir ruhig per PN. Vielleicht revidiere ich ja meine Meinung ... ;)
Es bleibt erst einmal fest zu halten, dass die ersten Schritte, dem Glückspiel den Rücken zu kehren, von Dir super waren.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #2 am: 25 März 2021, 10:01:53 »
Herzlichen Dank Olli :) habe dir eine PN geschickt :)

Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #3 am: 25 März 2021, 11:38:35 »
Hallo Beda,

mir brauchst du keine PN zu schicken.
Du hast die Geschichte gut analysiert und toll aufgeschrieben.

Am Handeln erkennt man, ob ein Süchtiger alles Notwendige unternimmt, um die Sucht zum stoppen zu bringen.

Die Einweihung deiner Frau und der Großeltern war gut.
Auch die Suchtberatung war gut.

Andere Schritte sind mir zu passiv. Deine Freundin regelt dein Onlinebanking, die Großeltern leihen wieder Geld, ein Anwalt soll Geld zurückholen, SHG oder Therapie kommen nicht in Frage....

Wir spielen nicht, weil wir dumm oder Idioten sind, sondern weil wir süchtig sind und etwas mit der Suchtausübung kompensieren. Der Spielteufel wird wieder bei dir anklopfen, darauf musst du dich vorbereiten.

Bist du in der Lage jeder Art von Spielgedanken ein klares NEIN entgegenzusetzen? Alles einzustellen, was mit spielen zu tun hat: Punktespiel, Streamer gucken..... Angebote für Boni von Casinos zu löschen ohne diese überhaupt zu betrachten... Da gibt's noch vieles mehr...

Viel Erfolg auf dem Weg, der gerade erst beginnt.

Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #4 am: 25 März 2021, 12:47:20 »
Hey Balduin,
erstmal herzlichen Dank für dein Feedback :)

Genau diese zwei Dinge die du ansprichst sind für mich noch ein großes Fragezeichen.

1: Was versuche ich zu kompensieren?
2: Kann ich, wenn es „klopft“ ,Nein sagen...
Dies sollte vor allen nicht durch technische Mittel oder wie du geschrieben hast durch die Tatsache das meine Frau gerade mein Konto verwaltet geschehen. Sondern instinktiv durch mein Handeln.

Die Verwaltung meiner Frau hat auch ein Ende. Das war nur die akute Lösung um Abstand zu gewinnen.

Liebe Grüße

*

Offline Olli

  • *****
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Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #5 am: 25 März 2021, 15:49:06 »
Hi Beda!

Alle genannten Werkzeuge sollen nur temporär eine Unterstützung sein.
Sie sollen es Dir gerade in der Anfangszeit (halbes bis dreiviertel Jahr - mindestens die Zeit, die Dir unter aller Vorsicht ein gutes Gefühl belässt bei Lockerungen) erleichtern dem Suchtdruck stand zu halten.
Das Ziel sollte aber immer sein, dass Du wieder die komplette Verantwortung für Dein Leben übernehmen kannst.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #6 am: 25 März 2021, 16:44:18 »
.

1: Was versuche ich zu kompensieren?
2: Kann ich, wenn es „klopft“ ,Nein sagen...


Zu Punkt 2.

Du kannst ja mal eine Liste machen, in welchen Situationen du wieder angefangen hast zu spielen und wie eine zukünftige Reaktion auf solche Situationen aussehen kann.

Z. B. ein Kollege erzählt dir von Spielgewinnnen  - Reaktion?

ruhig mal verschriftlichen.

Dann eine Liste: Wo wirst du in deinem Leben überall mit Glückspiel konfrontiert - wie schützt du dich?

Zu Punkt 1.: Gespräche mit Suchtberater*innen, SHG, Therapie .... können hier Erkenntnisgewinn bringen. Aber auch hier die Geschichten anderer lesen und ein Tagebuch führen kann Erkenntnisgewinn bringen.


Unabhängig davon hat mir damals auch ein Bild geholfen: In mir sitzt ein gefräßiger Spieler - füttert man ihn, wird er größer und will mehr Futter. Lässt man ihn hungern, bettelt er nach Futter, er bettelt, er tobt , er lügt mir was vor, er tut alles, um an sein Ziel zu kommen.
Erst wenn er schwächer wird, verliert er langsam die Kontrolle über mich, bis er schließlich klein und abgemagert auf einen schwachen Moment lauert. Er will meine Gegenwart und meine Zukunft zerstören, alles um sein Bedürfnis nach Spiel und Spannung zu befriedigen.

Re: Hallo Leidensgenossinnen und - genossen
« Antwort #7 am: 25 März 2021, 16:48:47 »
Und man darf sich nicht selbst zu klein machen.

Ich bin kein Zocker und ich bin kein Süchtiger!

Ich bin ein Mensch mit einem Spielsuchtproblem und ich kann eine Abstinenz erreichen. Die Kraft zur Abstinenz steckt in mir und ich übernehme Verantwortung für mein Handeln.

 

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