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Mein Tagebuch - Schluss mit dem Glücksspiel

  • 5 Antworten
  • 261 Aufrufe
Mein Tagebuch - Schluss mit dem Glücksspiel
« am: 09 Juli 2021, 21:17:01 »
Hallo zusammen,

Bisher habe ich in diesem Forum immer wieder nur reingeschaut und viele Geschichten mitverfolgt. Interessanterweise erkenne ich mich in vielen Spielern wieder, die hier ihr Leid klagen. Heute möchte auch ich mit einem Tagebuch starten. Mein Ziel ist es, mir meine Spielgewohnheit abzugewöhnen und von der Seele schreiben zu können, da ich diesem auch Nebenberuflich nachgehe und als freier Autor arbeite.

Kommen wir zu mir: Der Titel mag etwas extrem wirken. Dennoch passt die Bezeichnung "Trottel" ganz gut zu meinen derzeitigen Gedanken. Warum ich so denke, werde ich euch nun zeigen. Ich, 31 Jahre jung bin schon sehr früh mit dem Glücksspiel in Kontakt gekommen. Wie üblich fing alles mit einer Late-Night Spielotheken Session an, bei der ich aus 20,00 Euro damals einen (grandiosen) Gewinn von knappen 50,00 Euro erzielt habe. Was so einfach ist, wird doch sicherlich auch öfter funktionieren? Der nächste Gang und der nächste Gewinn. Mit 18 Jahren packte mich das Glücksspiels also erstmals und es kam immer häufiger zu Sessions nach der Arbeit. Kollegen und nahezu der komplette Freundeskreis waren fast immer dabei und schnell befand ich mich in der Teufelsspirale.

Die Zeit verging ins Lande und zwischenzeitlich reizte mich das Spielen an einem Automaten gar nicht mehr sonderlich. Inzwischen waren Sportwetten viel interessanter, da ich sehr viel mit der Welt des Sportes zu tun hatte. Vor ungefähr 5-6 Jahren meldete ich mich eines Abends in einem OC an und gewann auch hier zu Beginn eine mittlere dreistellige Summe, welche jedoch nicht lange auf meinem Konto blieb. Der "trottelige" Gedanke "Gleich schmeißt der Automat" verzerrte Unmengen an Geld. Aufgrund der Spielsucht, teuren anderen Hobbys und meinem Nachwuchs, entschloss ich mich, einen Nebenjob aufzunehmen. Wie sich sicherlich einige denken können, floss auch diese Einkommensquelle schnell wieder in die Online Casinos.

Zu erwähnen gilt es, dass ich finanziell bis vor wenigen Wochen eigentlich nie wirkliche Probleme hatte. Ich verzockte deutlich zu viel Geld in Online Casinos, konnte aber dennoch unbeschwert mit meinem Einkommen aus dem Job und dem nebenberuflichen Texten leben. Nun kam im Mai der Tag, an dem ich mir ein neues Auto anschaute und einen Kredit aufnahm. Das Auto wurde zwischenzeitlich verkauft, sodass ich mich nach Alternativen umsehen musste. "Was sind schon ein paar Euro des Kredites im Online Casino? Vielleicht springt ja ein noch höherer Betrag raus" - NEIN! Aus 12.000,00 Euro sind mir nun noch 5.000,00 Euro geblieben und ich fühle mich derzeit wie ein "Trottel".

Fragen wie beispielsweise "Wie konnte mir das nur passieren?" oder "Warum habe ich nicht einen einzigen hohen Betrag gewonnen?" domminierten nahezu den kompletten Juni. Inzwischen habe ich mich bei jedem Online Casino abgemeldet und spiele seit gut drei Wochen nicht mehr. Immer wieder kommt ein leichtes Verlangen nach der Spannung beim Spielen. Dennoch will ich für mich selbst nun einen Schlussstrich ziehen und mir täglich sagen "Ende-Gelände, du hattest nun genug teuren Spaß".

Traurigerweise, versuche ich immer mit meinen Problemen klar zu kommen, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. In diesem Forum möchte ich meinen ersten Schritt wagen und auf andere Menschen mit denselben Problemen zugehen. Ein Besuch bei einer Anlaufstelle für Glücksspiel kam mir schon sehr häufig in den Sinn - hingegangen bin ich jedoch nicht. Wie erwähnt, versuche ich auch dieses Problem auf meine Art und Weise zu bewältigen und hoffe nun endlich den Absprung geschafft zu haben. Ich werde euch immer Mal wieder an meiner Reise teilhaben lassen und versuche mich im Forum ein wenig zu integrieren.

Beste Grüße
EndeGelände
« Letzte Änderung: 10 Juli 2021, 10:36:28 von EndeGelände »

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Offline andreasg

  • *****
  • 1.517
Re: Das Tagebuch eines "Trottels?"
« Antwort #1 am: 09 Juli 2021, 21:52:35 »
Hallo Endeimgeläde,

Herzlich Willkommen im Gelände der
Spielfreiheit. Für Trottel ist hier allerdings wenig Platz, ich verbinde das Wort mit dem Trottoir , also dem Fußweg auf einer gut angelegten Straße. Den Genesungsweg zu Fuß, Schritt für Schritt zu gehen, schafft mehr Distanz zum "alten Selbstwert.".

Ich habe gerade an einem Zoom - Meeting teilgenommen, in dem der Mangel des Selbstwertes, sprich ein Minderwertigkeitsgefühl für dyfunktionale Verhaltensmuster sorgt. Ich kenne nur eine reale Lösung dieses Problems. Danke, Du hast die folgende Konsequenz daraus in Deinen letzten Abschnitt erwähnt..

Ich wünsche Dir Gutes Gelingen.

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline Olli

  • *****
  • 4.290
Re: Das Tagebuch eines "Erfolgsmenschen?"
« Antwort #2 am: 10 Juli 2021, 08:57:09 »
Guten Morgen und herzlich willkommen!

Ich habe mal Wikipedia bemüht:
Zitat
Trottel steht für ‚ schwachsinniger Mensch‘ und bezeichnet in abfälliger Redeweise eine einfältige, dumme oder ungeschickte Person.
Zitat
Im Deutschen Wörterbuch wird Schwachsinn Ende des 19. Jahrhunderts noch als ein Mangel an Empfindung und Verstand beschrieben, das davon abgeleitete schwachsinnig als „stumpfen Geistes, mit verkümmertem Empfindungsleben

Ich denke, wir sind uns einig, dass weder Du, noch ich ... noch all die anderen Betroffenen hier schwachen oder stumpfen Geistes sind. Uns fehlt es nicht an IntelligenzDies könnte man durchaus als verkümmertes Empfindungserleben bezeichnen, wobei Verkümmert ja einen Zustand beschreibt, der einst vorhanden war, dann aber abgenommen hat. Dies mag hier und da zutreffen, doch nach meiner Einschätzung haben wir den Umgang mit bestimmten Gefühlen nie so richtig gelernt. Im bisherigen Lenem haben wir das irgendwie kompensiert, ohne dass es uns aufgefallen wäre. Das ist ein vollkommen normaler Vorgang, kann doch niemand wirklich alles über Erfahrungen lernen.
Im Grunde passt also Trottel nicht wirklich gut, ist er doch zudem auch noch eine abfällige Bezeichnung. Die verwendest gerade Du für Dich. Du setzt Dich selbst in ein schlechtes Licht.
Dabei hast Du hier mitgelesen und hast Dich nun getraut auch selbst einen Beitrag zu verfassen. Das spricht doch für die Kompetenz ins Handeln zu kommen, wenn Dich etwas belastet, und der Überzeugung, dass Du an der Schieflage etwas ändern kannst.
Ich finde, dass dies eine positive Eigenschaft ist. Und da wir im Forum gerade "Nichts tun ist zocken" und "Das Rezept für Erfolg ist Tun" angesprochen haben, habe ich mal kurzerhand in der Überschrift meiner Antwort den Trottel durch den Erfolgsmenschen geändert.

Zitat
Fragen wie beispielsweise "Wie konnte mir das nur passieren?" oder "Warum habe ich nicht einen einzigen hohen Betrag gewonnen?" domminierten nahezu den kompletten Juni.
Die erste Frage hat es in sich. Sie beinhaltet die eigene Überforderung und Hilflosigkeit über das Denken und Handeln. Sie beinhaltet die Erkenntnis, dass da etwas ist, was Dich schädigt. Doch gleichzeitig wird in einer Selbstschutzfunktion der Passiv genutzt, anstelle des Aktiv. Und so hat Dich Dein Selbstmitleid abgehalten den Juni über abgehalten selbst etwas zu unternehmen.
Gut, dass Du diese Phase überwunden hast.
Naja, zur zweiten Frage ... hier gilt im Grunde das Gleiche. Nur hat Dich diese Phase motiviert weiter zu spielen. "Was einmal geklappt hat, das muss doch noch mal klappen".
Auch hier ist es gut, dass Du dieser Frage den Rücken gekehrt hast. Wie Du ja sicherlich bereits weisst, gibt es bei uns im Glückspiel niemals Gewinne, sind sie doch, sofern sie eintreten, nur Einsatz für das nächste Spiel.

Zitat
NEIN! Aus 12.000,00 Euro sind mir nun noch 5.000,00 Euro geblieben und ich fühle mich derzeit wie ein "Trottel".
Wie häufig passiert dies ... ich selbst habe damals meinen Bausparvertrag auszahlen lassen - verspielt - 10.000 DM Kredit aufgenommen - verspielt.
Im Gegensatz zu Dir konnte ich mich nicht bremsen. Ich bin auch insgesamt 20 Jahre in meiner Sucht gefangen geblieben, bevor ich aktiv wurde. Du bist mir also auch hier voraus.

Nun geht es aber darum, die fehlenden Erfahrungen aufzuholen. Dazu musst Du sie nicht selbst erleben, es reicht erst einmal, wenn Du die Erfahrungen Anderer sammelst und sie dann nutzt, wenn Du sie brauchst.
Zitat
Traurigerweise, versuche ich immer mit meinen Problemen klar zu kommen, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Machst Du es Dir damit einfacher oder schwerer bei der Problemlösung? Wie ist Deine Erfahrung?
Bekommst Du überhaupt bestimmte Probleme gelöst?
Wie sieht es im normalen Leben aus? Wie bist Du so weit gekommen, dass Du freier Autor geworden bist? Wie bist Du zu Deinem Hauptberuf gekommen? Einem Führerschein? ...
Es gab doch immer Hilfe. Das Wissen kommt ja nicht aus dem Nichts.
Da ist es doch vollkommen logisch, sich jetzt auch Hilfe zu organisieren bei einem Problem, welches mit Gefühlen zu tun hat, selbst dann, wenn diese, wie Scham, die Hilfe unterbinden wollen.
Wir kommen nicht weiter, wenn wir alles im stillen Kämmerlein mit uns alleine ausmachen wollen. Viel zu gerne verrennen wir uns dann.
Also auf, schreibe Dir die Finger wund und gehe auch in eine Beratungsstelle. Das machst Du ja nicht, weil es von Dir erwartet würde, sondern weil Du einen persönlichen Vorteil für Dich erhoffst.
Da ist ein selbstzerfleischer "Trottel" eher kontraproduktiv. Ein Erfolgsmensch jedoch geht sie Sache an ... ;)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Mein Tagebuch - Schluss mit dem Glücksspiel
« Antwort #3 am: 10 Juli 2021, 11:00:32 »
Hallo ihr beiden,

danke für eure schnellen Antworten. Habe den Titel dann doch ein wenig abgeändert  ;).

Zitat
Für Trottel ist hier allerdings wenig Platz, ich verbinde das Wort mit dem Trottoir , also dem Fußweg auf einer gut angelegten Straße. Den Genesungsweg zu Fuß, Schritt für Schritt zu gehen, schafft mehr Distanz zum "alten Selbstwert.".
Zitat
Ich habe mal Wikipedia bemüht: Trottel steht für ‚ schwachsinniger Mensch‘ und bezeichnet in abfälliger Redeweise eine einfältige, dumme oder ungeschickte Person.Im Deutschen Wörterbuch wird Schwachsinn Ende des 19. Jahrhunderts noch als ein Mangel an Empfindung und Verstand beschrieben, das davon abgeleitete schwachsinnig als „stumpfen Geistes, mit verkümmertem Empfindungsleben

Natürlich habt ihr Recht und die Bezeichnung eines "Trottels" war vielleicht ein wenig überspitzt und im ersten Moment undurchdacht.

Zitat
Machst Du es Dir damit einfacher oder schwerer bei der Problemlösung? Wie ist Deine Erfahrung?
Bekommst Du überhaupt bestimmte Probleme gelöst?
Wie sieht es im normalen Leben aus? Wie bist Du so weit gekommen, dass Du freier Autor geworden bist? Wie bist Du zu Deinem Hauptberuf gekommen? Einem Führerschein? ...

Grundsätzlich würde ich im ersten Moment sagen, dass es mir einfacher fällt, selbstständig solche Probleme anzugehen. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass das Thema mir ein Stück weit unangenehm erscheint und ich deshalb mit keiner (mir nahen) Person darüber sprechen möchte.
Auch wenn es seltsam klingt, war ich im Grunde genommen nahezu immer auf mich alleine gestellt, sofern es zu Problemen kam. Zu ungerne belaste ich Freunde oder die Familie mit meinen Problemen, da jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat  ;). Bisher kam ich mit dieser Vorgehensweise ganz gut zurecht. Eine Sucht ist mir jedoch dabei nicht über den Weg gelaufen, sodass man immer von "kleineren Problemchen" sprechen kann.
In den Berufen ist es tatsächlich auch so gewesen, dass man sich alles selbst beibringen musste. Beide Wege habe ich also quasi auch alleine bestritten, auch wenn natürlich von hier und da mal etwas Unterstützung kam.

Zitat
Also auf, schreibe Dir die Finger wund und gehe auch in eine Beratungsstelle. Das machst Du ja nicht, weil es von Dir erwartet würde, sondern weil Du einen persönlichen Vorteil für Dich erhoffst.
Da ist ein selbstzerfleischer "Trottel" eher kontraproduktiv. Ein Erfolgsmensch jedoch geht sie Sache an ... ;)

Neben dem persönlichen Vorteil, erwarte ich von mir selbst, dass ich dieses Problem in den Griff bekomme. Zu lange habe ich die Augen verschlossen und ausschließlich nach einem hohen Verlust darüber nachgedacht, was für eine Dummheit mir gerade passiert ist. Sicherlich wird das Gefühl  jedem bekannt sein - vielleicht mag es dann auch unter Selbstmitleid fallen. Für mich war es jedoch mehr ein Gedanke der Wut, über mich selbst. Genau diese Gedanken möchte ich nun aus meinem Leben verbannen.

Beste Grüße
EndeGelände

Re: Mein Tagebuch - Schluss mit dem Glücksspiel
« Antwort #4 am: 10 Juli 2021, 18:22:30 »
Hallo Endegelände,

ich kann dir auch nur eine Beratungsstelle ans Herz legen.  Bei der Beratungsstelle der Caritas bekommst du zum Beispiel Einzelgespräche und kannst auch dort in eine Selbsthilfegruppe gehen.
Dort lernst du andere Menschen mit demselben Problem kennen,du lernst dich zu öffnen,über die Sucht zu sprechen,dich und deine Gefühle besser kennenzulernen, du lernst Techniken um dem Suchtdruck besser entgegenzuwirken. 

Man muss nicht immer alles alleine mit sich ausmachen.  Auch Partner, Freunde und Familie sind zum Teilen von schönen,lustigen gemeinsamen Aktivitäten  und Gefühlen da,aber auch zum Teilen von Sorgen und Problemen.  Du würdest doch auch anderen Helfen,wenn sie deine Hilfe und dein Ohr bräuchten oder?

Dich Freunden oder der Familie anzuvertrauen, lernst du auch in der SHG,du wirst da bei allem unterstützt.

LG Wolke


LG Wolke

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.290
Re: Mein Tagebuch - Schluss mit dem Glücksspiel
« Antwort #5 am: 10 Juli 2021, 19:32:38 »
Hi!

Zitat
In den Berufen ist es tatsächlich auch so gewesen, dass man sich alles selbst beibringen musste. Beide Wege habe ich also quasi auch alleine bestritten, auch wenn natürlich von hier und da mal etwas Unterstützung kam.
Denke hier mal weiter ... auf welcher Basis hast Du diese Informationen erhalten? Da haben sich doch schon vorher viele Menschen moch mehr Gedanken gemacht. Auf die hast Du zu gegriffen.

Nun hat das Glücksspiel aber immer mit einem Defizit in der Gefühlsregulation zu tun. Da reicht es nicht sich Informationen anzusehen. Du musst sie erleben und spüren.
Daher habe ich damals erst eine SHG besucht, dann war ich in Foren unterwegs und dann begann ich mit Workshops und Seminaren.
Erst letztes Wochenende habe ich Imaginationen mitgemacht auf einer Schulung. Bis vor ein paar Jahren war das etwas vollkommen Neues für mich. Da lernst Du Deine eigene Gefühlswelt kennen. Im Anschluss haben wir darüber gesprochen.
Die Schulungsgruppe hat sich nun zum 3. Mal getroffen gehabt und alle hatten auch das Vertrauen in die Anderen sich dabei öffnen zu können.
Es ist immer wie eine eigene Expedition ins eigene Ich gewesen.

Nun machst Du so etwas nicht in einer SHG - zumindest nach meinen Erfahrungen nach. Doch Du lernst, wie bereits angemerkt wurde, über Dich und das, was Dich bewegt, zu sprechen. Dabei ist nicht nur Dein Geist anwesend, wie hier im Forum, sondern Dein ganzer Körper - mit dem Du ja auch nonverbal sprichst und die Anderen sprechen siehst.

Zitat
Vielleicht mag das auch daran liegen, dass das Thema mir ein Stück weit unangenehm erscheint und ich deshalb mit keiner (mir nahen) Person darüber sprechen möchte.
Was denkst Du, welcher Teil da gerade in Dir gesprochen hat?! Es ist der süchtige Teil, der mit allen Mitteln versuchen möchte weiter bei Dir verweilen zu können.
Scham, so durfte ich am WE erfahren, ist eine Kompetenz. Sie übt grundsätzlich eine Schutzfunktion aus, um sich im sozialen Umfeld weiter behaupten zu können. Verspürst Du Scham, dann übt dieses Gefühl auch beim Gegenüber eine Dich schützende Reaktion aus. Diese Verhalten sind universell - also bei jedem Menschen zu finden.

Jetzt kommt das klassische Beispiel: Was machst Du, wenn Du Dir ein Bein brichst? Sagen wir einmal durch ein "trotteliges" Verhalten Deinerseits. ;) Schaust Du dann bei Medicalpedia hinein, um herauszufinden, wie man es eingipst? Rufst Du im örtlichen Bauzentrum an und lässt Dir Gips, Dämmmaterial und mehr nach Hause liefern? Oder reisst Du wie in alten Filmen einfach ein Hemd auseinander, nimmst einen herumliegenden Stock und befestigst ihn so an Deinem Bein? Dann vergiss aber vorher nicht Deinen Fuß in eine Felsspalte zu legen, ein Stöckchen zwischen die Zähne zu tun und dann einmal kräftig am Bein zu ziehen, damit Du es wieder einrichtest. :)
So ungefähr könnten Deine Bemühungen aussehen, wenn Du "alleine" an das Thema Sucht heran gehst ...
Das ist aber echt nicht nötig - solche DYP-Varianten. Es gibt da draussen genug Leute, die sich mit der Thematik auskennen und ihr Wissen gerne teilen. Da ist für Scham kein Platz, denn alle dort waren einmal an dem Punkt, an dem Du jetzt stehst.
Schau mal in Wolfgangs Tagebuch. Er hat sich halb verrückt gemacht, als es darum ging, von seiner Suchtverlagerung in der SHG zu berichten. Und als er es dann tat, da wurde er positiv überrascht. Das ganze Kopfkino vorher ist gar nicht eingetreten.
Ja, er hat sogar Andere durch seine Offenheit bewegt, sich auch zu outen.

Zum Thema Familie und Freunde einweihen kann ich mich nur Wolkes Worten anschließen.

Ich weiss, dass da gerade Hürden in Dir sind, die scheinbar unüberwindbar sind. Doch Du schaffst das schon.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

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