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Meine Vorstellung und aktuelle Situation

  • 124 Antworten
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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #30 am: 08 September 2020, 12:37:25 »
So, ich melde mich mal wieder.

Heute habe ich einen Termin bei der Suchtberatung zwecks Sozialbericht und weiterem Vorgehen.

Mir geht es ansonsten wirklich gut. 6 Wochen nicht gespielt und Suchtdruck und Gedanken tendieren gen Null.
Täglich fülle ich https://www.selbsthilfegluecksspiel.de/ aus und verschaffe mir so Routine. Durch meine bereits genannte App strukturiere ich nun meine Tage durch. Das hilft mir extrem, mich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Apropos konzentrieren: Durch die 6 Wochen Abstinenz merke ich, wie ich wesentlich konzentrierter bin. Ich kann viel länger bei einer Aufgabe bleiben, ohne dass ich innerlich nervös werde oder mit den Gedanken abschweife. Ich kann viel besser Zusammenhänge erkennen und meine Arbeitsleistung hat sich in dieser Zeit wesentlich gebessert. Das macht mir selber auch viel mehr Freude.

Wie erwähnt, strukturiere ich nun meine Tage durch. Manchmal hab ich natürlich auch nicht soviel zu tun, dass 24 Stunden komplett abgedeckt sind. Darum habe ich neulich auf Youtube mit Yoga angefangen. Kein Scherz :-) . Es tut meinem geschundenen Nacken und Rücken extrem gut. Meine Frau hat mich zwar komisch angeguckt, aber sie wirds schon verkraften ;-)

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #31 am: 08 September 2020, 12:45:29 »
Hi,
danke für den Link.
Ich suche so was, ist ja wunderbar.
Ich melde mich gleich an, hab jeden Tag Aufgaben, genau das brauche ich.
Danke dafür.
Ich gucke, ob es was für mich ist.
LG

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #32 am: 08 September 2020, 12:48:02 »
Hi, schön, dass ich dir helfen konnte.

Die App mit der ich meinen Tag strukturiere ist aber eine Andere.

Diese Selbsthilfe mache ich noch nebenbei.

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #33 am: 08 September 2020, 12:54:54 »
Und um was für eine ap handelt es sich?

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #34 am: 08 September 2020, 13:11:12 »
Ich benutze die App "Todoist". Kostet zwar etwas, aber ist für mich perfekt. Muss sich zwar etwas einarbeiten, aber danach läuft es echt geschmeidig.

Hier ein Code, um ein paar Monate kostenlos zu testen:

code: J4187D3EMA

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #35 am: 10 September 2020, 13:13:26 »
Dienstag war ich bei der Suchtberatung. Wir haben lange und viel gesprochen. Vorallem darüber, wie wir mit der aktuellen Situation weiter umgehen und was für mich das Beste ist.

Leider wechselt meine Betreuerin dort, mit der ich mich sehr gut verstanden habe. Wie die Neue ist, wird sich noch zeigen.
Der Plan sieht aktuell so aus, dass wir vorerst bis Ende des Jahres wöchentliche Treffen vereinbaren, ich "Hausaufgaben" bekomme, um mich mehr mit mir selbst und dem Thema Sucht zu beschäftigen. Am Ende des Jahres schauen wir dann, welche Therapieform für mich geeignet ist.

Hintergrund ist der, dass ich mich aktuell (seit 6 Wochen spielfrei) wirklich gut fühle und keinerlei Suchtdruck verspüre. Mir ist durchaus bewusst, dass sich dieser Zustand sehr schnell ändern kann. Aus diesem Grund haben wir aber immer die Möglichkeit den Antrag auf ambulante Therapie sofort zu stellen.

Ich hoffe das klingt nicht wie ein "vor sich hin schieben". Ich bin mir der Krankheit bewusst. Auch weiß ich, dass irgendwann wieder der extrem starke Spieldruck kommen wird.
Ich fühle mich aber durch die Gespräche mit meiner Frau und den regelmäßigen Terminen bei der Beratung aktuell gut abgesichert.  Die Therapie ist auch nicht aus der Welt. Ich werde aber nun 3 Monate in Elternzeit gehen und will mich ehrlich gesagt auch gerne komplett auf mein Kind konzentrieren können.

Wünsch euch allen einen schönen Resttag.

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Wolke

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #36 am: 10 September 2020, 13:21:08 »
Zitat
Ich werde aber nun 3 Monate in Elternzeit gehen und will mich ehrlich gesagt auch gerne komplett auf mein Kind konzentrieren können.

Das ist dein Grund,dein Ziel aufzuhöhren......Damit es dir gut geht und du für dein Kind,deine kleine Familie da sein kannst. Guck dir ein Foto deiner Familie an,wenn du kurz davor stehst zu zocken.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute. Genieß die Elternzeit.

LG Wolke

*

Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #37 am: 20 September 2020, 21:57:22 »
Hi Wolke.

Danke erstmal für deine Worte mit denen du Recht hast.

Kurzes Update: Befinde mich aktuell in einem tollen Urlaub mit meiner Familie. Spieldruck und Spielgedanken bei 0.

D.h. seit rund 8 Wochen spielfrei. Konto erholt sich und ich mich auch :-)

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #38 am: 29 September 2020, 22:35:20 »
Hallo zusammen.

Kurzes Update, da ich das hier nicht einreißen lassen will:

Da ich nicht genau weiß, seit wann ich spielfrei bin, habe ich für mich den 01.08.2020 festgelegt. Dies bedeutet heute: 60 Tage spielfrei!

Die letzten Tage war 1-2 mal Druck da, der aber auch schnell wieder weg war.

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #39 am: 14 Oktober 2020, 13:33:57 »
Hallo zusammen. Spielfrei seit 74 Tagen.

Gestern wieder bei der Beratung gewesen und neue Blickwinkel auf mein Suchtverhalten kennengelernt, welche mir vorher nie bewusst waren.

Wichtigster Punkt: Warum zocke ich? Es war wohl immer nur der schnelle Nervenkitzel, der schnelle Kick, die schnelle Bestätigung. Alles musste sofort und schnell da sein.

Woran machten wir das fest?
Es gibt Glücksspiele, z.B. Lotto oder staatliche Fußballwetten, die ich ab und an für einen geringen Betrag spiele. Hier dauert es, bis das Ergebnis feststeht. Manchmal vergesse ich auch, dass ich gespielt habe oder spiele auch mal Wochen gar nicht. Hier habe ich seit Jahren einen geringen Betrag den ich setze und ich käme nie auf den Gedanken mehr zu investieren. Außerdem ist das Bargeld dort wirklich "real" und keine Zahl im Display.

Bei online Casinos oder Wetten war das Ergebnis immer sehr schnell da und genau das triggerte mich sehr stark. Denn ich wollte mir da ja nur kurz einen Kick abholen. Spaß war es nie.

Meine Beraterin meinte, dass es erstmal kein Problem ist, dass ich dies ab und an tue. Wo es problematisch werden kann, ist im Gewinnfall. Nämlich dann, wenn ich plötzlich mehr Geld als üblich zur Verfügung habe. Diesen Punkt hatte ich nie in Betracht gezogen und werde darauf jetzt natürlich achten.

Ansonsten keinerlei Druck bei mir. Momentan habe ich eh genug in der Elternzeit zu tun;-)

Viele Grüße

P.S. kann man den Thread evtl. zu Tagebuch verschieben?

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Wolke

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #40 am: 15 Oktober 2020, 00:25:54 »
Zitat
Meine Beraterin meinte, dass es erstmal kein Problem ist, dass ich dies ab und an tue. Wo es problematisch werden kann, ist im Gewinnfall. Nämlich dann, wenn ich plötzlich mehr Geld als üblich zur Verfügung habe.

Ich habe mich mal gefragt,ob wir alle noch spielen würden,wenn wir Millionäre wären......
Ich fürchte,ich ja. Denn dann würde ich mich wahrscheinlich nicht als Spielsüchtige fühlen,das Gute der Spielsucht würde überwiegen,auch wenn ich verliere. Denn die Sucht löst dann keinen Leidensdruck aus,denn sie macht was sie soll:Gut tun,ablenken.,schlechte Gefühle und Gedanken    neutralisieren .

Ich hoffe,diese Gedanken zu diesem Thema waren jetzt nicht zu düster für dich.

LG Wolke

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #41 am: 15 Oktober 2020, 08:58:19 »
Zitat
Meine Beraterin meinte, dass es erstmal kein Problem ist, dass ich dies ab und an tue. Wo es problematisch werden kann, ist im Gewinnfall. Nämlich dann, wenn ich plötzlich mehr Geld als üblich zur Verfügung habe.

Ich habe mich mal gefragt,ob wir alle noch spielen würden,wenn wir Millionäre wären......
Ich fürchte,ich ja. Denn dann würde ich mich wahrscheinlich nicht als Spielsüchtige fühlen,das Gute der Spielsucht würde überwiegen,auch wenn ich verliere. Denn die Sucht löst dann keinen Leidensdruck aus,denn sie macht was sie soll:Gut tun,ablenken.,schlechte Gefühle und Gedanken    neutralisieren .

Ich hoffe,diese Gedanken zu diesem Thema waren jetzt nicht zu düster für dich.

LG Wolke

Hallo Wolke. Danke für deinen Input.
Beim Gespräch kamen wir auch zu dem Punkt, was mich am Spielen reizt und ob ich wegen dem verlorenen Geld zocke...
Ich habe mittlerweile akzeptiert, dass mein Geld weg ist. Und auch, dass ich egal wieviel Geld ich hätte: Ich würde es verspielen.

Aktuell gibt es einen Fall in einem Schweizer Casino. Dort hat jemand 1,5 Mio Euro verspielt. Meine Frau war bei dieser Nachricht völlig schockiert. Und ich? Dachte nur: Kann ich voll und ganz nachvollziehen.

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Somewhere87

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #42 am: 31 Oktober 2020, 17:50:54 »
Hallo zusammen.

Tag 91 und weiterhin spielfrei.
Aber ich bin ehrlich: Aktuell ist es sehr, sehr hart für mich. Nach dem euphorischen Start und dem neu gestalten meines Alltags bin ich schleichend in alte Muster gefallen.

Der Gedanke "ach komm. Mal online 10 Euro wetten " ist aktuell stark da und ich glaube, ich plane unterbewusst seit ein paar Tagen einen Rückfall. Bisher davon hat mich abgehalten hat mich der Gedanke, dass meine Frau es auf dem Konto sieht.

Einerseits wirken die Schutzmechanismen, andererseits sollte es eigentlich nicht der einzige Grund sein nicht zu zocken.

Dienstag hab ich meinen nächsten Beratungstermin.

Viele Grüße

*

Offline Olli

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  • 4.192
Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #43 am: 31 Oktober 2020, 18:10:55 »
Hi!

Zitat
Einerseits wirken die Schutzmechanismen, andererseits sollte es eigentlich nicht der einzige Grund sein nicht zu zocken.

Richtig, Dein Grund beinhaltet etwas, was Du nicht möchtest. Formuliere Dir Deine Gründe positiv. Schreibe Dir auf, was Du Dir wünschst!

Mir gefällt hier sehr, dass Du Deine Gedanken äußerst, bevor "es" passiert ist - der Rückfall. Du achtest also wieder auf Dich.
Hast Du mit Deiner Frau gesprochen, dass Du gerade von Suchtdruck geplagt wirst?

Kannst Du eventuell eroieren, warum Du den Suchtdruck verspürst? Du weisst ja ... Symptom und Defizit ...
Hattest Du Ärger auf der Arbeit? Mit Freunden? Deiner Frau? Gab es irgend etwas, was Dich belastet?
Oder hast Du Deine Strukturen im Alltag geändert sodass sich Langeweile eingeschlichen hat?

Ich habe meinen Suchtdruck irgendwann als Freund angenommen, nicht als Feind. Ein Freund in mir drin, den ich reden lassen kann, ohne ihm böse zu sein, egal, was er von mir wollte.
Wenn ich begann ihn wahr zu nehmen, trat ich innerlich einen Schritt von ihm zurück. Begann wahrhaftig zu grinsen. "Lasse ihn reden! Mir ist absolut klar, was er möchte. Doch ich brauche ihm nicht nachgeben!" Und dann dachte ich daran, was ich schon erreicht habe. Möchte ich das wirklich unterbrechen? Wie habe ich mich gefühlt, als ich das letzte Mal gespielt habe - vor Allem danach! War es das wirklich wert?
Was habe ich danach getan? Hat es mir gefallen? Hatte es Auswirkungen auf Andere gehabt? Möchte ich wieder so sein? Wie möchte ich mich denn sehen?

Bleibe standhaft!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Wolke

Re: Meine Vorstellung und aktuelle Situation
« Antwort #44 am: 31 Oktober 2020, 18:39:14 »
Hey Somewhere,

den körperlichen und seelischen Schmerz direkt nach dem Spielen musst du dir vorstellen,vielleicht fühlst du ihn sogar.
Bei mir tat der Brustkorb weh,unregelmäßiger Herzschlag,ich hatte das Gefühl ,ich bekomme  keine Luft mehr und wenn ich ein wenig vor Erschöpfung ein wenig wegdöste, schreckte ich kurz danach hoch,weil ich das Gefühl hatte,ich atme nicht mehr. Also schlief ich so gut wie gar nicht mehr.
Jetzt bin ich nachts auch wach und schlafe immer noch sehr wenig,aber es tut nicht mehr körperlich weh,auch wenn mehr Schlaf gesünder wäre. Hat sich  leider so verfestigt,aber egal,ich bin spielfrei.

Wenn du ähnliche körperliche Schmerzen nach dem Zocken hattest,möchtest du sie wahrscheinlich auch nicht wieder erleben müssen.

Such ,wie Olaf schon geschrieben hat,nach Veränderungen,die den Spielgedanken bei dir wieder mehr zulassen. Ärger,Stress,Langeweile oder auch weil du was besonderes Gutes gemacht hast und dich dafür belohnen möchtest.

Wende Skills an,rede mit deiner Frau,schreib hier ohne Ende oder ruf bei der Telefonseelsorge auch mitten in der Nacht an,mach alles,was dich vom Zocken abhält.

LG Wolke

 

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