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Für immer SHG oder besser ganz abschalten?

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Offline Wolke

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Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« am: 18 August 2019, 19:38:35 »
Hallo zusammen,

Ich würde gerne mal eure Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema Spielsucht hören, ob ihr euch noch viel damit beschäftigt, obwohl ihr schon lange spielfrei seid. Also ,ob euch z. B. das Reden über Spielsucht in der SHG nicht zur Ruhe kommen lässt. Oder ob ihr auch ohne SHG und Therapie ständig/häufig ans Spielen denkt und an die ganzen Umstände/Probleme usw.
Geht es euch in eurer Spielfreiheit ohne SHG besser oder schlechter?

LG Wolke

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Offline Olli

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #1 am: 19 August 2019, 06:37:44 »
Guten Morgen Wolke!

Deine Frage ist eigentlich irrelevant.
Wichtig ist, ob Du die SHG für Dich brauchst oder nicht.

Ich habe damals bereits nach einem dreiviertel Jahr die SHG-Besuche wieder eingestellt.
Damals hatte ich einen großen Wissensdurst, der aber durch permanente Fluktuationen in der Gruppe nicht gestillt werden konnte.
Da ich aber ein SHF fand, in dem ich auch ein wenig in die Tiefe gehen konnte, habe ich die SHG gar nicht mehr vermisst.
Dort blieb ich einige Jahre, bis Niedertracht der Foreninhaberin diese Gruppe entzweite.
Über die Jahre gab es dann noch so einige Foren, die ich kennenlernen durfte.
Auch dieses zählt dazu.

Obwohl auch hier immer wieder bei 0 angefangen werden muss, habe ich für mich entschieden, vor Ort zu bleiben.
Ich möchte achtsam bleiben. Habe mir ein Leben aufgebaut, welches ich nicht mehr durch Spielen verlieren möchte.
Auch versuche ich an den Jahrestagungen von fags teil zu nehmen. Dieses Jahr ist das Programm so spannend, dass ich auf jeden Fall teilnehmen werde - habe den Flug schon geucht und die Anmeldung abgeschickt.
Weiter nehme ich seit 2 Jahren an Seminaren der Landeskoordinierungsstelle Glückspielsucht NRW teil.
Ich muss da ja nicht alles verstehen, doch etwas bleibt immer hängen, was ich nicht nur hier, sondern auch in meinem Leben anzuwenden versuche.

Mein Schwager hat mit mir zusammen die SHG besucht. Als ich die Besuche einstellte, machte er dies auch. Er folgte mir in die SHF.
Dort allerdings brauchte es nicht lange und er verlor die Lust daran.
Heute genießt er sein Leben ohne Suchtausübung und hat mit dem Thema Spielsucht, wie er selbst sagt, "abgeschlossen".

Du als Fragesteller entscheidest immer über Dein Leben. Da ist es gut und schön andere Ansichten zu hören oder zu lesen, doch entscheidend ist immer die kritische Stimme in Dir, die Dich hinterfragt, ob DU etwas brauchst oder nicht - ob Dir etwas gut tut oder nicht.

Wenn ich für meine Entscheidungsfindung frage, was andere machen, mache ich mich von derren Entscheidungen abhängig. Ich lebe aber mein Leben und nicht ihres.

Grundsätzlich empfehle ich aus meiner Erfahrung heraus gerade zu Beginn der Abstinenz sich die Unterstützung in der SHG zu holen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline Wolke

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #2 am: 25 August 2019, 07:54:36 »
Hallo Olli,

ich bin seit einigen Monaten in der SHG und war schon einige Monate vorher spielfrei,bevor ich dahin gegangen bin.
Manche haben mich doof angesehen, warum ich dann hier hinkommen würde, wenn ich denn schon spielfrei bin. Aber ich fühle mich noch nicht ganz fertig,um alles alleine zu machen.
Was ich natürlich in der Gruppe an Erfahrungen und Infos aufsauge,ist,warum einige nach 3,7,12 oder sogar 20 Jahren wieder spielen gehen und die dann von vorangegangenem Suchtdruck reden. Das ist erschreckend.

Ich werde weiter zur SHG gehen,aber wenn ich weiterhin spielfrei bleibe,kann ich mir nicht vorstellen, da in fünf Jahren auch noch zu sitzen.

Ich weiß, dass ich mich vom Kopf her sowieso mein Leben lang mit der Spielsucht beschäftigen werde und vielleicht mache ich später was ehrenamtliches ,was in diese Richtung geht,um anderen zu helfen. Mal sehen,aber erstmal muss ich auf mich gucken und das Gefühl haben,jetzt bin ich in allem soweit,jetzt kann ich alles wieder alleine und  ohne Hilfe machen.

LG Wolke

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Offline taro

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #3 am: 25 August 2019, 09:12:48 »
Moin Wolke,

toll das Du in die SHG gehst, was Du berichtest schockiert mich allerdings.
Ich gehe seit 30 Jahren in die SHG. Seit 26 Jahren spielfrei. In den 4 Jahren davor war ich 2x rückfällig.
Wenn jemand nach mehr als 5 Jahren Spielfreiheit Rückfällig wird, dann sind das absolute Ausnahmen, keinesfalls die Regel. Wenn Du komisch angeguckt wirst, wenn Du spielfrei dorthin kommst, dann hat das malles mit den paar Informationen den anschein, das die Gruppe nicht funktioniert. Probiere doch einfach mal eine andere. Oder Du kommst zum Deutschland treffen der GA Ende des nächsten Monats in Bad Zwischenahn.

Taro

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Offline Olli

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #4 am: 25 August 2019, 09:33:45 »
Hi Wolke!

Zitat
Manche haben mich doof angesehen, warum ich dann hier hinkommen würde, wenn ich denn schon spielfrei bin.

Dann haben die Personen noch nicht verstanden, dass die Arbeit an sich selbst eben mehr bedeutet, als nur Spielfreiheit zu erreichen.

Zitat
Aber ich fühle mich noch nicht ganz fertig,um alles alleine zu machen.

Das sieht bei Dir ganz anders aus - und das finde ich sowas von prima.

Ich habe oben die Jahrestagung für dieses Jahr nicht benannt um damit zu protzen.
Es war ein Aufruf an die User hier sich anzumelden und ebenfalls hin zu gehen.

Schau mal hier ins Programm: http://www.gluecksspielsucht.de/index.php?article_id=83

Von den Workshops kann man sich einen aussuchen. Spricht Dich vielleicht dieser an:  "Wir sind stolz auf uns! Ein Workshop zur Selbstachtsamkeit! "

Ich glaube, er würde bei Dir auf fruchtbaren Boden treffen ...  8)

Zitat
Was ich natürlich in der Gruppe an Erfahrungen und Infos aufsauge,ist,warum einige nach 3,7,12 oder sogar 20 Jahren wieder spielen gehen und die dann von vorangegangenem Suchtdruck reden. Das ist erschreckend.

Ja, das ist es. Erfahrungen mit langjährig Spielfreien, die dann rückfällig geworden sind, habe ich leider auch gemacht.
"Leider" für die Personen - doch mich hat es gelehrt lieber ein wenig zu selbstachtsam zu sein.

Zum Rest Deines Beitrages sage ich nur: <Daumen rauf´> Gutes Gelingen! :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #5 am: 25 August 2019, 09:40:42 »
Guten Morgen Wolke,

gut dass Du Deinen Frust ausdrücken kannst.

Ich erspare Dir und allen jetzt eine Definition der 3. Tadition der GA und mithin aller Anonymen Gemeinschaften ., die sagt: Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist der aufrichtige Wunsch mit dem Spielen, oder anderen Suchtauslebungen aufzuhören.

Ein guter Freund hat mir einmsl gesagt,
suche Dir die kompliziertsten Menschen aus,
und engagiere dich mit ihnen.

Auch ich bin seit 30 Jahren in den Gruppen,  srit 29 Jahren spielfrei,  und habe nach 10 Jahren Abstinenz fadt einen Rückfall gebaut.
Nur furch die Gnade Gottes und mit Hilfe meiner Freunde aus der GA Gemeinschaft brauchte ich nicht spielen, und konnte die Krise,  die zum Suchtdruck führte aufarbeiten.
Damals fuhr ich zum Deutschland Treffen nach Bsd Münster (Eifel ) , ich denke oft darsn,
und freue mich auf Bad Zwischenahn.

Ich habe auch schon sn Vernetzungstreffen von Spielsucht - Gemeinschaften teilgenommen.
Es gibt keinen Königsweg,
aber einen Wrg, den Du gehen kannst.

Schöne 24 Stunden
Andreas

« Letzte Änderung: 25 August 2019, 10:02:32 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #6 am: 26 August 2019, 01:30:00 »
Im Endeffekt besteht das Leben eines Spielsüchtigen, darauf zu achten nicht mehr Rückfällig zu werden, wenn er schon mal abstinent ist.
Er achtet auf dies und jenes, schaut das er hier achtsam ist, schaut das er um jenes ein Bogen macht aber was ist eigentlich mit dem Hauptproblem?

Mit Gauselmann und Co mit den ganzen Online Casinos, Wettbüros? Warum werden keine Demos gemacht von Spielsüchtigen?
Demos gegen Spielhallen, gegen TV Werbung, Online Casinos, Sportwetten ect.

Es heißt immer Glücksspiel kann süchtig machen, das sehe ich aber nicht so, es macht süchtig und deshalb sollte es auch verboten werden, genauso wie man es mit den Drogen macht.

« Letzte Änderung: 26 August 2019, 01:32:39 von Django90 »

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Offline andreasg

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #7 am: 26 August 2019, 07:41:50 »
Hallo Django,

wennich von der Stadtbahn am Rotlichviertel aussteige, um zu meiner Selbsthilfegruppe zu kommen, gehe ich durch einen Pulk junger Männer durch, die vor einem Dportwettladen stehen, oder auch donst wo. Jeder weiß,  dss das Kleindealer sind, manchmsl greift die Polizei durch, dsnn ist Ruhe, und bald sind sie wieder ds. Ich habe bei all meinen Düchten noch keine Drogen genommen,  aber vor 30 - 50 Jahren sah es im Rotlichtviertel snders sus, da konnte man die Schweren Jungs noch mit Respekt betrachten. Und diese Nostalgie bleibt in meiber Dtadt erhalten. Nur wenn der Präsident des Rocker Chapters eingreift, herrscht Ruhe im Kiez!

Ich steige lieber eine Station vorger sus der Bahn aus, und genieße einen kleinen Spaziergang.
getreu dem Motto: meider die Nähe von Spiel Einrichtungen.

s24h
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Offline taro

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #8 am: 26 August 2019, 07:44:40 »
Moin Django,

Kamp Truppen gab es schon vor 30 Jahren, einig sind direkt an die Presse gegangen und erreichten eine gewisse regionale Bekanntheit. Das Problem, als süchtiger wirst Du nicht ernst genommen und Du tust Dir nichts Gutes.

Ich erinnere mich an einen Auftritt in einer Talkshow, ein Spieler und Gauselmann. Der Spieler erzählte seine Geschichte mit Herzblut. Wie er seine Familie verlor und straffällig wurde. Als er sichtlich bewegt fertig war, antwortete Gauselmann, solche Menschen würden bei Ihn nicht spielen. Er gewährt nur anständigen Menschen Einlass.

Die guten Therapeuten hören den Spielern zu und versuchen das Wesen der Sucht zu erfassen. Die Mehrzahl der Therapeuten heute macht das nicht mehr, sie machen Ihre Studien und stellen krude Theorien auf. Die Spieler sind Ihnen scheiß egal, es geht nur um Ihre Karriere.

Als Spieler bist Du nichts, unterste Stufe Mensch, auf Dich hört niemand.

Übrigens Alkohol und spielen wird es immer geben, egal ob legal oder Illegal. Daher ist ein bekämpfen von Gauselmann Un Co sicher nicht der Weg.

Taro

Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #9 am: 26 August 2019, 12:35:49 »
Übrigens Alkohol und spielen wird es immer geben, egal ob legal oder Illegal. Daher ist ein bekämpfen von Gauselmann Un Co sicher nicht der Weg.

Taro


Doch mein Freund, es ist der richtig einzige Weg. Du kennst doch bestimmt den Spruch "wehret den Anfängen" und genau das muss hier passieren, auch wenn dieser Anfang schon seinen lauf genommen hat.
Hätte es damals keine Spielhallen gegeben, wäre ich heute nicht Spielsüchtig.
Meine sucht fing 2008 an, als ein Arbeitskollege mich in die Spielhalle mitgenommen hat.
Davor wusste ich nichts von Spielautomaten, hatte mal zwar welche gesehen in einem Bistro aber es hat mich weder angezogen noch sonst irgendwie interessiert.
Gäbe es heute keine Spielhallen, würde unsere Jugend ihre Freizeit nicht in Spielhallen verbringen. Weißt du wie viel junge Spieler ich in Hallen sehe, gerade 18 geworden und schon verzocken die ihren ersten Tausender.
Weißt du warum es immer mehr und mehr werden, durch Mundpropaganda, man erzählt es Freunden, Arbeitskollegen, Bekannten und die sind dann neugierig drauf und wollen es auch mal ausprobieren.

Solange es diese Hallen gibt, wird es immer mehr und mehr werden, daher muss das Ganze jetzt eingedämmt werden, bevor das ganze unkontrolliert komplett ausartet, es werden ja immer mehr und mehr.
Sogar junge Frauen gehen schon spielen mit ihren Freundinnen, damals unvorstellbar. Jetzt hängen die Samstagsabends in der Spielo rum, anstatt in der Disco.

Zitat
Das Problem, als süchtiger wirst Du nicht ernst genommen und Du tust Dir nichts Gutes.

Und deshalb aufgeben und sich damit abstempeln lassen?


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Offline taro

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #10 am: 26 August 2019, 13:14:00 »
Mein jünger Paderwan,

wie ich schon sagte gab es schon lange Kampftruppen. Alle haben eins gemeinsam, sie scheiterten.

Es gibt wohl einen Zusammenhang über die Zunahme der Möglichkeiten und die Zunahme der Spieler. Nur die Frage ist was war zuerst da.
Du glaubst Du wärst nie Spielsüchtig geworden, hättest Du es nicht kennen gelernt. Wie hättest Du aber dann den Mangel, den Du mit dem Spielen kompensiert hättest ausgeglichen? Ich hätte mich vermutlich in den Depressionen zurück gezogen. Ich bin so unendlich dankbar, das ich durch das Spielen die GA kennengelernt habe und so ein komplett neues Leben bekam. Ohne das Spielen wäre das nicht möglich gewesen.

Trotz der Zunahme der süchtigen nehmen die Teilnehmer in der SHG ab. Wasch mich aber mach mich nicht nass ist unter den jungen süchtigen stark verbreitet. Und natürlich anderen die Schuld für Ihre Sucht zu geben. Am besten noch den Zahlungsdienstleister, was für eine Irre Vorstellung.

Taro

Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #11 am: 26 August 2019, 13:46:07 »
Ich gebe dir völlig recht Taro, dass ich als Spieler nicht kämpfen kann. Nicht gegen die Glückspielindustrie - aber auch nicht gegen mich selbst oder andere. Mich lenkt es ab von mir selbst und die Konzentration auf meinen Weg der Genesung. Kampf führt zur Verkrampfung.
Dennoch gibt es Verbraucherschutz und das unterscheide ich streng von meiner individuellen Erkrankung.
So wurde z. B. durchgesetzt, dass man sein Geld nur noch viel langsamer auf die Geräte aufbuchen kann - das hat mich genervt und mir den Anstoß gegeben einen Einstieg in den Ausstieg zu wagen.
Viele Jugendliche sind anfällig für Glücksspiel. Bis 18 sind sie geschützt und danach können sie eine komplette Erbschaft in Höhe von z.B. 100.000,00 € in einem Monat verspielen. Hier muss Verbraucherschutz greifen und die legalen Spielmöglichkeiten begrenzen.

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Offline taro

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #12 am: 26 August 2019, 13:57:04 »
Da gebe ich Dir Recht Balduin.
Zur Zeit ist der Verbrauchschutz so sehr mit CB beschäftigt das alles andere hinten runter fällt. Dein Erbe kannst Du nämlich auch schon mit 12 verzocken, sofern du da ran kommst. Politik und Verbraucherschutz zuckt mit den Schultern.

Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #13 am: 26 August 2019, 16:38:27 »
Hätte es damals keine Spielhallen gegeben, wäre ich heute nicht Spielsüchtig.
Meine sucht fing 2008 an, als ein Arbeitskollege mich in die Spielhalle mitgenommen hat.
Davor wusste ich nichts von Spielautomaten, hatte mal zwar welche gesehen in einem Bistro aber es hat mich weder angezogen noch sonst irgendwie interessiert.
Gäbe es heute keine Spielhallen, würde unsere Jugend ihre Freizeit nicht in Spielhallen verbringen. Weißt du wie viel junge Spieler ich in Hallen sehe, gerade 18 geworden und schon verzocken die ihren ersten Tausender.
Weißt du warum es immer mehr und mehr werden, durch Mundpropaganda, man erzählt es Freunden, Arbeitskollegen, Bekannten und die sind dann neugierig drauf und wollen es auch mal ausprobieren.

Solange es diese Hallen gibt, wird es immer mehr und mehr werden, daher muss das Ganze jetzt eingedämmt werden, bevor das ganze unkontrolliert komplett ausartet, es werden ja immer mehr und mehr.
Sogar junge Frauen gehen schon spielen mit ihren Freundinnen, damals unvorstellbar. Jetzt hängen die Samstagsabends in der Spielo rum, anstatt in der Disco.

Hat es so nicht bei fast allen angefangen? Wenn man allerdings ganz ehrlich ist, dann weiß man, dass man selber von Anfang an wusste, dass es einen süchtig machen kann. Es steht überall und jeder Nichtspieler sagt dir das...ja sogar die Zocker selber sagen das. Aber wir sind ja so klug, dass uns sowas nie passieren wird ;-)
Jegliche Schuld von der Zockerindustrie wegzuschieben, halte ich übrigens genauso falsch, wie die Schuld nur beim Spieler zu suchen. Die wissen schon genau, wie sie uns kriegen.

Und wenn es damals keine Spielotheken gegeben hätte, hätten wir uns halt was anderes gesucht. Das liegt einfach "in unserer Natur".

Zum Thema es werden immer mehr:
Wenn wir von 1-2 Mio Spielern ausgehen, spielen immer noch 82 Mio Deutsche nicht. Es sind gar nicht mal soviele, da Gauselmann und Co den Verdienst sichern. Eigentlich nur ein kleiner Teil der gemolken wird.

Und an der Mundpropaganda haben wir ja auch irgendwie Schuld oder? "Boah Xy, gestern 500 Euro in der Spielo gewonnen" "Gestern ging eine 1000 Euro Wette durch". Die Verluste verschweigt jeder. Würde jeder Zocker ehrlich zu seinem Umfeld sein, ehrlich zu sich selbst und ehrlich zu den neuen Zockern, sehe das auch alles ein wenig anders aus.

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Offline andreasg

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Re: Für immer SHG oder besser ganz abschalten?
« Antwort #14 am: 26 August 2019, 19:35:34 »
Hallo Ihr Lieben,

mich triggert Django's eingebrachter Satz: "Wehret den Anfängen"! Dieser Satz ist  dem Widerstand gegen den Rechtsradikalismus hier in Deutschland gewidmet, und er ist genau so hochaktuell und wichtig wie die Präventionsarbeit für Spielsüchtige.

Hier wird viel über den großzügigen Mäzen einer Politischen Partei geschrieben,. Die Zielgruppe dieser Partei sind die "oberen Zehntausend" im Lande, und Herr P.G. steht auf der Liste der reichsten Deutschen ziemlich weit oben. Ja, auch ich habe ihm zu seinem Reichtum verholfen, als Zeichen dafür habe ich mir auch einen Vollbart zugelegt. Das ist eine einfache erkennbare Form des Ausgleichs. Wie lange müßte ich denn noch Zocken, wenn ich ca. 2,5 Mrd. € auf der Kante hätte?

Ach ja, die Politik, kurz vor der Apokalypse, die bsw.  ein Spielcasinobetreiber aus Atlanta / USA bis zum siebenten Siegel vorantreibt, aber z.B. Grönland als Hauptgewinn, in der Traumwelt eines Spielers?

Ich habe 30 Jahre lang eine Partei gewählt, bis ich Arbeitslos und Langzeitarbeitslos wurde, habe Fördermaßnahmen und Bewerbungstraining mit Betriebspraktikum angenommen, ich habe REHA's gemacht, einen geringfügigen Nebenerwerb nach §3 SGB II angenommen, ich habe mich im Arbeitslosenkreis engagiert, nach einer weiteren Förderung einen Job bekommen, bis ich die zweite Insolvenz - diesmal ohne Insolvenzgeld, aber mit Krankengeld meinem Berufsleben ein Ende setzte. Der Parteivorsitzende dieser Partei denunzierte Langzeitarbeitslose offen als "Faule Säcke" und "Sozialschmarotzer die sanktioniert werden müssen" Das ist und war für mich kein Grund, spielen zu gehen, auch wenn ich immer noch voll von Grollmechanismen bin. Daß diese Partei am Abgrund steht, wird lauthals parodiert, und daß dieser ehemalige Parteivorsitzende Ehrenbürger meiner Heimatstadt ist, erfüllt mich als Bürger mit einem tiefen Schamgefühl. Ich meine, das ist nichts Außenstehendes, für mich als Spieler. Ich habe, als ich iin die Selbsthilfegruppe kam, gelesen, daß wir Spieler eine Neigung zur Politik haben.

Das, was mich versöhnt hat, war : ich bin vom Wahlamt immer wieder als Wahlleiter - Wahlhelfer in einen Wahlkreis berufen worden. Da habe ich eine wirklich geschützte Basisdemokratie im Umgang mit mündigen Bürgern erleben dürfen.
Soweit mein Gedanke dazu.

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

 

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