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Yes I can

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Yes I can
« am: 15 Januar 2020, 16:06:12 »
Hallo zusammen,

ich habe den Entschluss gefasst, mit der verdammten Zockerei aufzuhören.
Damit Ihr ein bisschen mehr über mich erfahrt: Ich bin ein 43 jähriger, verheirateter Vater, habe 3 tolle Kinder und einen guten Job.

Ich finde die Tagebuchfunktion in diesem Forum ein gutes Mittel für mich, um die Spielsucht zu besiegen und hoffe auf Eure Unterstützung.
Meine Karriere hat vor ca. 25 Jahren begonnen, genau weiss ich es nicht mehr. Ich traf mich damals sehr oft mit Freunden in einer Halle, ein Gemisch aus Billard und ein paar Killer-Kisten. Wir spielten dort immer nur Billard. Oft hörte ich Automatenspieler jubeln, als ob sie den Jackpot bei El Gordo geknackt hätten. Noch öfter aber hörte ich sie fluchen oder mit den Automaten reden. Ich war bestimmt ca. 1 Jahr dort ohne auch nur einmal das Bedürfnis gespürt zu haben die Automaten zu spielen.
Aber es ist schon richtig, Gelegenheit macht Diebe oder so ähnlich. Eines Tages war es dann soweit, ich veruchte mein Glück am Automaten. Und tatsächlich hatte ich was gewonnen, ich weiss nicht mehr wieviel genau aber doch 100 oder 200 DM. Ich war natürlich noch nicht süchtig, aber meine Gedanken waren hin und wieder: Ich könnte das doch nochmal machen. Zum Glück hatte ich damals nicht soviel Geld, so dass es sich mit dem Spielen die ersten 5 Jahre sehr kontrolliert und in Grenzen hielt. Ich denke in dieser Zeit habe ich max 2.000 DM verzockt, wenn überhaupt. Dann aber habe ich mich von meiner damaligen Freundin getrennt und ich glaube, die Spielautomaten als Flucht vor der Verarbeitung der Trennung genutzt. Jedenfalls war ich in dieser Zeit sehr häufig und immer häufiger beim Zocken. Auch nachdem ich meine Frau kennengelernt habe, habe ich weitergezockt. Erst nach der Geburt unseres 2ten Kindes habe ich für 2,5 Jahre aufgehört. Es war toll, ich hatte Zeit, musste meiner Frau, meinem Umfeld, keinem etwas vom Pferd erzählen, hatte nie Geldsorgen...Ich hatte damals aufgehört, als es nur die Walzenautomaten gab mit Höchsteinsatz 10 oder 20 ct. In meiner Verwandschaft gibt es leider einige Spiel-Suchties, so dass ich gedrungernaßen  Berührungspunkte zu den Killer-Kisten nie wirklich vermeiden konnte, ohne jedoch zu spieln. Aber ich musste öfters den ein anderen Verwandten finanziell unterstützen und man hat darüber geredet. Es soll jetzt keine Schuldzuweisung an irgendjemand sein, aber ich glaube, ohne diese Berührungspunkte, hätte ich nicht mehr angefangen zu spielen. Ich meine in den Gesprächen mit den Verwandten hörte ich immer wieder, dass die neuen Kisten (Digitale Automaten Novo, etc) extreme Gewinne ermöglichen, 10 k€ soll da jemand gewonnen haben, und der nächste auch nochmal 5 k€ etc. Solche Gewinne waren an den Walzenkisten nicht möglich. Das hatte schon eine gewisse Reizwirkung auf mich....Wenn das Wörtchen Wenn nicht....Alles Mist, am Ende ist man nur selbst verantwortlich.
Irgendwann war es dann soweit, ich wollte unbedingt testen, wie das ist mit den neuen Kisten. Also ging ich nach 2,5 Jahren zum erstenmal in eine Spielunke. In dieser waren sowohl alte Walzengeräte als auch digitale Kisten. Da ich nicht wusste wie die neuen Kisten funktionieren, habe ich an diesem Tag nur an den alten Walzen gespielt, obwohl ich die neuen probieren wollte. Ich glaube ich habe an diesem Tag 50 € verzockt. So verging nicht viel Zeit ca. 2 Monate und ich ging wieder hinein in die Hölle und traute mich an die neuen Kisten. Und wie es halt ist, habe ich gleich etwas gewonnen, ca. 900 € mit einem Einsatz von 10 €. Das war für mich der Startschuss zu meiner Bilderbuchkarriere als großer Zocker. Von da an gab es kein Halten mehr. Ich spielte und spielte. Wenn ich auf Montage war, habe ich das Hotelzimmer eigentlich garnicht benötigt, ich war ja die ganze Nacht in der Spielunke, morgens hatte ich manchmal keinen Cent, dafür war ich dann immer topfit, könnt euch das ja vorstellen. Aber den Kollegen habe ich die tollsten Geschichten erzählt. :(    :(. So ging das nun 10 Jahre. In diesen 10 Jahren habe ich gerechnet ca. 300.000 k€ verzockt. Das ist nicht mal das schlimmste. Das schlimmste ist, dass ich meine Frau und meine Kinder die ganze Zeit angelogen habe. Das schlimmste ist, dass ich mich selber belüge. Das schlimmste ist, dass ich nur für die Killer-Kisten gelebt habe und nicht für mich und meine Familie!!!

Ja, ich bekenne mich als Spielsüchtiger. Ja, ich habe es hier geschrieben. Ja, ich werde meine Spielsucht besiegen und ja ich brauche Eure Hilfe hierfür!!!

Ich werde jeden Tag 3,4 Zeilen schreiben und freue mich über eure Hilfe.

Heute spielfreier Tag 1.

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Offline taro

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Re: Yes I can
« Antwort #1 am: 15 Januar 2020, 17:00:42 »
Moinmoin,

und Herzlich Wilkommen!

Bei Deinem Beitrag muss ich etwas schmunzeln.
Wie bitte lügt man 300.000 € verzockte Euronen weg? Ich war ja auch der Lügenbaron unter der Sonne, aber ich kann gar nicht glauben das Du glaubst das Deine Familie Dir noch glaubt.

Dann bist Du fest entschlossen, pfeifst ordentlich laut in den Wald hinein und führst hier Tagebuch.....

Nach 25 Jahren zockerkariere etwas wenig, oder?

Wie sieht es aus mit Beratungsstelle, Therapie, SHG? Oder soll das nur mit Tagebuch klappen?

Taro

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Offline Olli

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Re: Yes I can
« Antwort #2 am: 15 Januar 2020, 17:12:26 »
Hi und herzlich willkommen!

Hmmm, ja ... ein Tagebuch in einem Forum ist ein Anfang - aber auch nicht mehr.
25 Jahre haben bei Dir Spuren hinterlassen, die schlichtweg mit viel Arbeit an sich selbst angegangen werden sollten.
Da ist solch ein niedrigschwelliges Angebot, wie solch ein Forum, einfach nicht genug.

Dort draussen in der Realität, da gibt es aber genauso Gleichgesinnte, die sich gegenseitig unterstützen auf ihrem Genesungsweg.
Dazu gibt es auch noch die Menschen, die es sich zur Profession gemacht haben uns zu helfen.

Was denkst Du darüber Dich in die Hände der Suchthilfe vor Ort zu begeben?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Lexlander

Re: Yes I can
« Antwort #3 am: 15 Januar 2020, 17:25:12 »
YES YOU CAN!

Beherzigen die Worte meine Vorschreiber und such dir Hilfe ! SHG, Therapeut, Öffne dich wem mit deinen Problemen .

Gruß Alex

Re: Yes I can
« Antwort #4 am: 16 Januar 2020, 12:51:15 »
Ich möchte mich bedanken bei euch Olli, Lexlander und taro für eure Ratschläge. Ihr habt sicherlich Recht mit dem geschriebenen. Das mit dem "jemanden öffnen" oder anvertrauen fällt mir sehr schwer, ausser meiner Frau ggü. Daher habe ich hiermit einen ersten Schritt gemacht, auch wenn es anonym ist. Nachdem ich gestern das hier geschrieben habe, habe ich mich schon erleichtert gefühlt. Ich hoffe das Tagebuch hier, hilft mir, mich anderen persönlich zu öffnen.


Heute spielfreier Tag2, ich schaff das!

Gruß
Relaist

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Offline taro

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Re: Yes I can
« Antwort #5 am: 16 Januar 2020, 13:02:30 »
Moinmoin,

in der SHG verlässt es nicht den Raum, wen ich da gesehen habe. In 30 Jahren habe ich tatsächlich einmal eine Bekannte aus dem erweiterten Bekanntenkreis meiner Eltern getroffen. Ich bin mir sicher, neben der Regel der wahrung der Anonymität hat sie genauso wenig Interesse Ihr wissen weiter zu geben als ich.

Bei Mitarbeitern von Beratungsstellen sieht es da wohl anders aus, da schwatzt der eine oder andere gerne.

Taro

Re: Yes I can
« Antwort #6 am: 17 Januar 2020, 12:47:29 »
Hallo Tagebuch,

habe an ein Erlebnis gedacht, das möchte ich heute hier schreiben, weil es wie dieser Kontrollverlust ausartet. Es war aus 2013. Ich hatte einen Kundentermin 250 km entfernt und bin morgens losgefahren. Aber ich bin nur ca. 100 km weit gekommen, da habe ich bei einem Autohof, angepiekst von dem großen Schild einer Spielhallenkette, angehalten. Wollte nur 30 min einen kostenlosen Kaffee trinken und nebenbei daddeln...Das Ende vom Lied, ich bin den ganzen Tag und Nacht bis ultimo dort gewesen. Zum Geldabheben musste ich nicht mal raus, damals war der Geldautomat noch in der Halle >:( >:(.  Mein Handy war auf Flugmodus, man will ja keine Störungen von der Frau, Chef oder dem Kunden, der auf mich wartete, wenn man das Geld verbrennt - so ein Idiot. Als ich den Flugmodus gg. 21/22 Uhr mal deaktiviert hatte, hatte ich zig Anrufversuche, SMS Emails. Alle haben sich Sorgen gemacht, ob mir was passiert sei. Also schnell wieder auf Flugmodus, waren ja noch ca. 2 hr zum verbrennen da. Nachdem ich ca. 2.000 € verloren hatte und die Spielunke zu war, habe ich mich auf dem Heimweg gemacht. Ich hatte 100 km Zeit, mir einige Ausreden auszudenken - Je nach Empfänger der Ausrede, musste sie anders sein. Hier war es aber ein bisschen verzwickter, da mein Chef vor Sorge und Kundendruck bei meiner Frau angerufen hatte (hatte mir meine Frau in einer Ihrer vielen SMS geschrieben). Normalerweise konnte ich bei der Firma immer leicht was familiäres vorschieben und zuhause etwas geschäftliches. Also habe ich folgendes für meinen Chef erfunden: Ich bin morgens losgefahren, da habe ich einen Anruf von der Freundin meines Bruder bekommen, er hatte einen Herzinfarkt. Auf den Schock bin ich direkt ins Krankenhaus und habe komplett vergessen mich irgendwo oder bei irgendjemanden abzumelden, nicht einmal bei meiner Frau. Er hat das gekauft und nur gebeten, das nächste mal anzurufen/sms. Meiner Frau habe ich das gleiche erzählt, nur mit einem alten Freund statt meines Bruders, sie hat es nicht so einfach abgekauft, da sie eine andere Frau vermutete, aber das konnte ich Ihr 100 % versichern, es gibt keine andere Frau.
Mensch war/bin ich ein Dummkopf. Es hat mir aber gerade gut getan, das hier zu schreiben, erstens eine kleine Befreiung und zweitens damit ich es immer wieder lesen kann und nicht vergessen wie das Spielen einen Menschen zum A..loch verändert, wenn ich mal wieder ans Spielen denke.

Heute spielfreier Tag3, ich schaff das!

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Lexlander

Re: Yes I can
« Antwort #7 am: 17 Januar 2020, 12:55:18 »
Hallo, schön das du deinen Gedanken mit uns teilst .

Ich würde gerne allerdings deinen letzten Satz relativieren, ich denke nicht , dass uns das Spielen zu Ar****** oder dergleichen macht .

Wir bauen natürlich ein Lügenkonstrukt auf um unserem Suchtverhalten weiter fröhnen zu können, aber keinesfalls ist jemand aufgrund seiner ERKRANKUNG ein A*******, erst Recht nicht, wenn er mittlerweile Einsicht zeigt und an sich arbeitet .

Jeder Mensch ist einzigartig und großartig !

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute

Gruß Alex
« Letzte Änderung: 17 Januar 2020, 12:57:01 von Lexlander »

Re: Yes I can
« Antwort #8 am: 17 Januar 2020, 13:24:10 »
Hi Lexlander,

Sorry, jetzt wo du geschrieben hast, sehe ich meine Verallgemeinerung. Das hat sich nur auf mich bezogen. Wollte keinen beleidigen.

Gruß
Realist

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Lexlander

Re: Yes I can
« Antwort #9 am: 17 Januar 2020, 15:53:28 »
Auch du bist sicherlich kein A....... ☺️

Re: Yes I can
« Antwort #10 am: 18 Januar 2020, 10:45:00 »
Hallo Tagebuch,

habe gestern ein Gespräch mit einem Spieler gehabt. Wir wissen was das Spielen anrichtet, aber man kann nur schwer damit klar kommen. Die Schwierigkeit ist für mich dieses Gefühl während des Spielens vermissen zu müssen. Ich meine, während des Spielens war ich in einer anderen Welt, keine Gedanken an irgendwelche Probleme, Termine, Pflichten, etc. nur das Spiel und ich. Das hatte eine Art erholende beruhigende Wirkung. Aber nach Spielschluss war ich noch mehr gestresst, hatte die Zeit verspielt um die normalen Pflichten, Herausforderungen des Lebens zu meistern. Habe sogar die Einschulung meiner Tochter verpasst, war beim Spielen :-[ ;D :(. Ich glaube, das Spielen war für mich eine unterbewusste Flucht vor dem Alltag. Damit ist jetzt Schluss!

Heute spielfreier Tag4! Ich schaff das!

Gruß
Realist

Re: Yes I can
« Antwort #11 am: 19 Januar 2020, 12:08:20 »
Hallo,

ich habe gestern stark ans Spielen gedacht, war drauf und dran, in die Halle meines Vertrauens zu gehen. Bin stattdessen 6 km spazieren gegangen mit meiner Frau. Da war das Gefühl erst mal weg, kam aber später nochmal, hab aber widerstanden. Heute ist erstmal gut, male mit meinen Kleinsten ein Wandbild im Keller :D :)

Heute spielereier Tag5, ich schaff das!

Gruß
Realist

Re: Yes I can
« Antwort #12 am: 19 Januar 2020, 13:11:02 »
Super! Die Gedanken wirst du noch öfter haben, aber bleib weiter standhaft. Es lohnt sich! Ich bin auch bei Tag 5. Lass uns zusammen auf die 20 gehen und dann weiter 😉

Re: Yes I can
« Antwort #13 am: 19 Januar 2020, 14:48:26 »
Hi PatrickEA,
Danke für dein Feedback, das machen wir, erst die 20 Tage, dann die 20 Wochen, Monate und Jahre!!! Wir schaffen das!
Gruß
Realist

Re: Yes I can
« Antwort #14 am: 20 Januar 2020, 12:22:06 »
Hallo meine Mitkämpfer,

habe viele eurer Beiträge gelesen und finde mich in vielen Beiträgen selbst wieder. Das hilft mir sehr, da ich erkenne, dass ich nicht alleine dastehe und ich einige Tipps von euch beherzigen kann. Besonders gut für mich finde ich das Denken in kleinen Etappen, 24 hr, damit habe ich am nächsten Tag direkt die Bestätigung ;D

Werde heute versuchen in den Chat der offenen Sprechstunde gehen 14.00 - 16.00 zu gehen. Habe den link nochmal hier angeführt, hoffe ich durfte das!

 https://onlineberatung.aygonet.de/index.php?%20fw_goto=verwaltung.chat/overview/6bd93

Habe gestern leider nicht spazieren gehen können, hatte Besuch danach wars spät und auch gefroren. Das war aber ein Fehler, hatte dann einige Gedanken an die Sucht. Hab dann aber ein wenig aufgeräumt und konnte das Ergebnis genießen.
Heute werde ich auf jeden Fall 1 hr gehen, die frische Luft tut mir gut.

Bis dahin!

Heute spielfreier Tag6, ich schaff das!

 

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