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Glücksspiel und dazugehörige Gedanken

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Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« am: 17 Juni 2020, 17:34:37 »
Ich spiele mittlerweile seit 5 Monaten nicht mehr und gerade eben zitter ich am ganzen Körper. Der Grund ist ein Anruf den ich gerade erhalten habe.
Eine freundliche junge Dame meldete sich und nannte im Begrüßungssatz den Namen des OC für das sie arbeitet.

In dem Moment schrillten alle Alarmglocken bei mir. Meine erste Antwort war: Hallo Verbrecherbande.
Ich wollte die nette Dame gar nicht zu Wort kommen lassen und sagte ihr, dass ich mit ihrem OC nichts zu tun haben will und man mich bitte aus allen Verteilern streichen soll. Die Antwort: Kommen Sie dafür doch bitte in den Live-Chat.
Na klar und dann bietet man mir den mega Bonus an und glaubt mich doch noch ködern zu können. Es macht mich gerade so sauer.
Habe ihr dann höflichst gesagt Sie soll sich gut überlegen ob Sie für diese Verbrecher wirklich arbeiten möchte und habe ihr erklärt, dass das kein Angriff auf Ihre Person ist.
Damit hab ich dann das Gespräch beendet.

Ich bin gerade von mir selbst verblüfft wie schnell meine Abwehrmechanismen in dieser Situation gegriffen haben. Ich bleibe spielfrei und bin stolz auf mich so reagiert zu haben.

Habt ihr vielleicht Tipps wie mich die OC's nicht mehr erreichen können? Bekomme nämlich täglich mehrere Mails in den Spam-Ordner, regelmäßig SMS (ohne Nummer also kann ich sie scheinbar nicht sperren) und anscheinend jz auch Anrufe.

Ich freue mich über jeden Tipp diesbezüglich.
(Und mir ist klar, dass ich meine Mail Adresse ändern kann aber meine Telefonnummer ist eine Wunschnummer und die möchte ich nicht hergeben ;))

LG P-Toni

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Offline Ilona

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    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #1 am: 17 Juni 2020, 17:55:04 »
Lieber Toni,

du hast top reagiert!!! Besser geht es nicht! Hat sie eine Telefonnummer hinterlassem? Konntest du die sehen? Schreib bitte ein Gedächtnisprotokoll und zwar so genau wie möglich.

LG Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #2 am: 17 Juni 2020, 18:13:54 »
Die Nummer wurde mir angezeigt und das Gedächtnisprotokoll habe ich bereits mit dem vorherigen Post erledigt.
Ich habe einen Freund, der bei meinem Mobilfunkanbieter arbeitet. Er weiß zum Teil auch von meiner Sucht und ich werde ihn fragen ob er mir da weiterhelfen kann.

Ich bin trotzdem schockiert über den Anruf. Ich weiß leider nicht ob ich mich dort sperren hab lassen oder das Limit auf 1€ gesetzt habe. Eines von beiden wars bestimmt aber ich möchte dennoch nicht auf deren Hompage nachsehen.

Somit hab ich jetzt aber hier mal mein Tagebuch gestartet und das sehe ich positiv. Werde es in unregelmäßigen Abständen weiterführen da ich Angst habe, dass wie schon so oft zuvor, in Vergessenheit gerät, dass ich von all dem soviel Abstand wie nur möglich halten muss. Nur diesmal weiß ich, dass ich suchtkrank bin und mit dem Wissen lass ich mich nicht mehr so einfach in die Falle locken.

LG P-Toni

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #3 am: 17 Juni 2020, 18:19:57 »
Und wenn ich schon dabei bin:

Auch das Pokern in freundschaftlichen Runden lasse ich seit Jänner sein. Ich lass mir ausreden einfallen warum ich nicht kommen kann. Ein paar meiner Freunde sind eingeweiht und können es verstehen, nur möchte ich mich nicht allen offenbaren.

Über solche Pokerrunden habe ich lange nachgedacht bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass sie die gleichen Mechanismen in mir triggern wie das klassische Glücksspiel. Zwar artete es beim Pokern nie aus wie im OC aber die Gefühle die ich dabei hatte waren oft die gleichen. Reinschieben, All-In und Verlust wieder reinholen qenns nicht läuft.

All das möchte ich nicht mehr auch wenn es dennoch schmerzlich ist nicht dabei zu sein obwohl ich es gerne wäre.

LG P-Toni

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #4 am: 14 Juli 2020, 09:06:18 »
Heute sind es ziemlich exakt 6 spielfreie Monate.  Juhu!

War gestern zum ersten mal in einer SHG aber für Mediensucht. Eine lockere Runde in der jeder frei erzählen kann. Ich habe um Gespräch mit den anderen relativ rasch bemerkt welchen Ersatz meine diversen Süchte für mich leisten. Nämlich den etwas verpasst zu haben in der Jugend und mich nicht völlig ausgelebt zu haben, das Streben nach Autonomie und die Abgabe von Verantwortung.

Nach meinem gestrigen Besuch habe ich das Gefühl tausend Mal weiter gekommen zu sein als mit meiner Psychologin. Ich werde wieder hingehen.

Außerdem habe ich vor dem Besuch der SHG mit meiner Freundin über meine Süchte und vorallem über die Spielsucht gesprochen.
Als ich ihr sagte, dass ich spielsüchtig bin und das immer sein werde und ich nur abstinent leben kann sagte sie "ich weiß doch, dass du das bist. Das habe ich schon damals bei deinen Systemsportwetten bemerkt"

Wow, damit hat sie mich überrascht, dennoch kennt sie das ganze Ausmaß noch nicht. Aber es ist ein Anfang mich auch ihr gegenüber zu öffnen.

Sie hat mich gefragt ob ich nur mein Geld verspielt habe. Das hab ich bejaht. Immer nur meines. Nie ihres oder das Angesparte der Kinder. Keine Schulden zum Glück.

Auch Summen wollte sie wissen, habe ihr gesagt, dass das nicht wichtig sei und das hat sie akzeptiert. Aber auch das wird sie irgendwann zur Gänze erfahren, nur noch nicht jetzt. Nach und nach denn ich möchte sie damit nicht schockieren. Sie wird es verstehen und dafür bin ich dankbar.

Auf in die nächsten 6 spielfreien Monate!

LG P-Toni

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Offline Olli

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Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #5 am: 14 Juli 2020, 09:31:53 »
Hi P-Toni!

Dein Beitrag zaubert mir ein wohliges Lächeln ins Gesicht.
Es ist doch immer wieder schon zu lesen, wie sich Menschen entwickeln.
Und es macht Spaß zu erfahren, wie sie sich darüber selbst freuen und stolz auf sich sind!
Zu Recht, wie ich finde ... ;)

Danke dafür!

Ich finde es auch gut, dass Du Dich Deiner Freundin gegenüber langsam öffnest.

Zitat
"ich weiß doch, dass du das bist. Das habe ich schon damals bei deinen Systemsportwetten bemerkt"

Mir haben Freunde damals gesagt: Na klar haben wir gemerkt, dass Du spielsüchtig bist. Wir haben Dir aber nichts gesagt, weil wir Dir nicht zu nahe treten wollten.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #6 am: 01 September 2020, 20:55:25 »
Da bin ich wieder.
Ich denke in den letzten Tagen wieder viel an das Glücksspiel und was ich da alles aufgeführt habe und es belastet nach wie vor.

Die Gedanken daran verschwinden nicht und der Reiz zumindest mal in einen Stream zu schauen ist stets da. Aber ich mache es nicht.
Was hätte ich denn schon davon? Genau, gar nix außer, dass sich die Spirale wieder zu drehen anfangen würde.
Das will ich nie wieder!

Mittlerweile habe ich seit fast 8 Monaten nicht mehr gespielt und denke trotzdem noch oft daran. Vielleicht ist das auch gut, denn jedesmal wenn ich ans Spiel denke kommen in mir Gefühle von Wut auf.

Wut auf diese rücksichtslose Industrie die sich am Leid von uns Süchtigen bereichert und immer jüngeres Zielpublikum anvisiert. Wut auf die, die zulassen, dass wir spielen können. Wut auf diese aufgeblasenen, von Süchtigen finanzierten Youtube, Twicht oder was auch immer Kanälen, die uns mit in ihre verdammte Glücksspielwelt genommen haben. Und Wut auf mich, dass ich so lange gebraucht habe zu verstehen das ich ein Süchtiger bin.

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Traum in dem ich in einem Casino war. Ich beobachtete aber habe nicht gespielt. Es war als wäre ich tatsächlich dort gewesen und ich hätte eine Feuerprobe bestanden. Die Gefühle im Traum waren die gleichen wie ich sie zur Zeit in der Realität habe. Auch wenn es nur ein Traum war bin ich froh, dass ich nicht gespielt habe. Das bestätigt mich in meiner Einstellung, wenn auch einem Traum vielleicht nicht so viel Bedeutung zugeschrieben werden sollte wie ich das gerade mache.

Meine Einstellung zum Glücksspiel hat sich in den letzten 8 Monaten um 180 Grad gedreht. Habe ich im Dezember letzten Jahres noch im Gespräch mit Freunden die Existenz von Glücksspiel und Glücksspiel-Streamingkanälen verteidigt, so stehe ich heute auf der anderen Seite und das aus tiefster Überzeugung.

Dieses Forum hier hat dazu einiges beigetragen. Immer wenn mich die Gedanken ans Glücksspiel erfassen flüchte ich zu euch, besinne mich wieder darauf suchtkrank zu sein und lese mir all eure Ratschläge und Erfahrungen durch und es hilft.
Dafür möchte ich mich bei euch allen bedanken!

Meine Gruppe habe ich jetzt mehrere Wochen nicht besucht und ich merke, dass ich sie brauche, da sich wieder andere Süchte in mir stärker ausprägen und ich das Gefühl habe, alleine nur schwer etwas dagegen tun zu können. Ich vermisse den Austausch mit anderen, unabhängig davon ob sie Glücksspiel-, Medien-, Drogen- oder anderweitig süchtig sind. Reden hilft!
Nächste Woche gehe ich wieder hin.

Alles Liebe P-Toni

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Offline Olli

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Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #7 am: 01 September 2020, 21:40:42 »
Hi P-Toni!

Nur ganz kurz ... der Traum, in dem Du nicht gespielt hast ...
Zum Einen finde ich es ein positives Indiz, dass Du eben nicht gespielt hast. Träume lassen sich zwar mit Übung beeinflussen, doch ich glaube nicht, dass wir von einem solchen reden.
Dieses "Nicht spielen" spiegelt also Deine Grundeinstellung - Deine Werte und Ziele wieder.
Zum Zweiten arbeitet etwas in Dir, was Du eben im Traum unbewusst kompensieren möchtest.
Führst Du eigentlch ein Tagebuch ... so altmodisch mit Papier und Bleistift? Versuche es mal ...
Vielleicht wird Dir auf diese Weise bewusst, was Dich gerade quält, belastet oder vielleicht nur stört.

Danke fürs Update!
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #8 am: 02 September 2020, 19:39:31 »
Ein Tagebuch führe ich zZ nicht, habe das aber Anfang des Jahres für ein paar Wochen getan. Vielleicht führe ich es wieder weiter. Mir fehlt nur leider oft die Überwindung, Dinge zu beginnen oder Angefangenes fortzusetzen. Hier mach ichs mir einfach und schiebe das auf meine anderen Süchte auch wenn ich weiß, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Ich bin und war leider immer (sagen wir ab er Pubertät)  ein fauler Hund, der meistens den Weg des geringsten Widerstands gegangen ist, außer in den Dingen die MIR wichtig waren und sind. Leider war das meistens nichts, was mich im Leben vorangebracht hat. Trotz allem denke ich, dass ich ein gutes Leben habe und zum Teil auch Glück hatte um da zu sein wo ich momentan bin. Damit meine ich meine Familie, meinen Beruf und die vielen tollen Menschen die mich im echten Leben als auch hier umgeben.
Ich weiß ich muss an mir arbeiten aber das braucht Zeit. (Übrigens auch eine schöne Ausrede um Dinge aufzuschieben)..

Alles Liebe P-Toni

Re: Glücksspiel und dazugehörige Gedanken
« Antwort #9 am: 19 September 2020, 14:48:18 »
Vorgestern wollte ich wieder spielen. Die Gedanken an das Spiel und den Kick den ich dadurch bekommen würde haben in mir eine Welle an Gefühlen losgebrochen, sodass all das Erlernte der letzten 9 Monate für einige Momente, von mir in eine dunkle Ecke geschoben wurde.
Nur 100€ oder vielleicht doch gleich 500€ und wenn's weg ist, ist es so. Und ich nehm nur Cash mit sonst nix, damit ich nicht wieder gefühlt Unsummen nachschieben. Das hab ich mir gedacht. Ich war heiß auf den Rausch und habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt ins Casino zu gehen. Ich kann mich doch nachträglich eh sperren lassen.

Ich habe zZ. Ein paar Beziehungsprobleme, jedoch nichts unlösbares. Das hat mich wieder auf den Fluchtweg Richtung Zocken gebracht. Ich wollte weg sein - alles ausschalten und für ein paar Momente alles um mich herum vergessen. Und trotz dem starken Suchtdruck den ich so bisher nicht verspürt habe, bin ich doch nicht spielen gegangen. Doch ich habe Angst vor mir selber. Angst davor die falsche Entscheidung zu treffen und wieder neu anfangen zu müssen.

Ich habe mit Freunden darüber gesprochen, das hat geholfen. Ich war nicht allein und bei all den kleinen Problemen die ich habe, würde das Spielen nichts verbessern. Es würde alles schlimmer machen. Aber es würde mich auch kurzfristig befreien jedoch mit negativen Langzeitfolgen für meine Suchtbekämpfung.

Einerseits möchte ich spielen, weiß aber mittlerweile zum Glück wie stark die SUCHT in mir steckt, die dieses Verlangen auslöst. Vor einem Jahr hätte ich bestimmt gespielt, ohne groß darüber nachzudenken. Diesmal war es ein Kampf mit mir selbst, den ich so noch nie führen musste.

Ich hatte auch den Gedanken, ach komm geh spielen, ein Rückfall ist doch in Ordnung. Aber nein das ist er nicht, vorallem nicht wenn ich ihn plane, denn genau das habe ich gemacht. Ich habe einen Rückfall geplant um mich dann darauf ausreden zu können falls der Suchtdruck gewinnt und ich spielen gehe...

Vielleicht schreibe ich später etwas mehr dazu aber für den Moment reicht es..

Alles Liebe, P-Toni

 

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