Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

All Is Lost!

  • 4 Antworten
  • 353 Aufrufe
*

AllIsLost

All Is Lost!
« am: 17 Juni 2020, 18:17:40 »
Hallo liebes Forum,

ich bin froh, dass ich auf diese Plattform gestoßen bin. Wie es scheint bin ich nicht allein und das hilft schon mal ein wenig.

Ich hatte schon immer ein Faible für Casinos, insbesondere für Roulette und Black Jack, seit über 25 Jahren. Wir gingen etwa 4-6 mal pro Jahr, manchmal haben wir gewonnen, manchmal verloren. Es hielt sich immer die Waage, denke ich. Für Spielautomaten hatte ich eigentlich nie etwas übrig, mir war klar, dass das einfach nur „Groschengräber“ sind.

Irgendwie kam ich dann im Jahr 2015 dennoch an die Slots. Ich spielte mit für mich vertretbaren Einsätzen, immer 1-2 Euro pro Spiel. Wenn ich mit 150 Euro das Casino verließ, dann war ich happy. Ende 2016 spielte ich bereits mit 5 Euro Einsatz pro Spiel, wenn ich mit 500 Euro das Casino verließ, dann war ich happy. Bei 500 Euro Verlust hab ich mich schon geärgert.  Die Besuche wurden häufiger. Ich denke in 2017 war ich bereits 5 mal pro Woche in der Spielbank, die nur 10 Minuten weit weg ist. Die Verluste wurden häufiger und heftiger, aber ich konnte alles noch gut verkraften, da ich gut verdiente.

In 2019 spielte ich bereits regelmäßig á 10 und 20 Euro pro Einsatz. Manchmal waren die Gewinne enorm und ich fühlte mich sowas von großartig. 6.000, 10.000 sogar einmal 20.000 Euro Gewinn! Das war Dopamin und Glückshormone pur. Aber auch die Verluste wurden imme größer. Ein- bis Zweitausend Euro pro Tag waren mittlerweile der Standard. Wenn ich Zehntausend Euro gewonnen hatte, waren die auch nach gut 10 Tagen wieder weg.

Dann kam Corona!

Als die Spielbanken schlossen, war ich richtig froh. Ich hatte schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt mich dort sperren zu lassen. Was mich immer abgeschreckt hatte, war die Tatsache, dass es sich immer um eine lebenslange Sperre handelt, denn man müsste immer ein psychologisches Gutachten vorlegen, um sich wieder zu entsperren. Vielleicht war ich auch einfach nicht soweit. Dennoch denke ich, es wäre eine gute Sache, wenn man sich auch nur mal für ein Jahr sperren könnte, dann wäre sicher die Hemmschwelle nicht so groß.

Jedenfalls war ich seit April nicht mehr im Casino und darüber bin ich auch sehr froh.

Stattdessen habe ich nun das Online Gambling entdeckt. Dagegen ist das richtige Casino gar nichts. Ich habe es geschafft, innerhalb von 3 Monaten hier 40.000 Euro zu verspielen. Es ist furchtbar.

Alles, was ich mir in den letzten 10 guten Jahren angespart habe ist weg. Meine Kreditkarten sind alle am Anschlag und in der nächsten Zeit wird ein Großteil meines Gehalts dafür drauf gehen, diese Beträge abzuzahlen.

Ich bin 50 Jahre alt, ich habe studiert, war im Ausland, spreche mehrere Sprachen. Ich bin entsetzt von mir selbst. Natürlich weiß ich , dass man nichts gewinnen kann. Natürlich weiß ich, dass es falsch ist zu spielen. Dennoch mache ich es immer wieder. Ich weiß, dass man das verlorene Geld nicht zurückholen kann. Aber sobald die Trauer über den letzten Verlust verflogen ist, probiere ich es dennoch wieder.

Ich habe mich jetzt in der staatlichen Spielbank sperren lassen und auch bei sämtlichen Online Casinos vorerst vom Spiel ausgeschlossen. Nachher werde ich mir noch die von Euch empfohlene Gamban App installieren.

In meinem Fall kommt übrigens noch etwas erschwerend hinzu. Seit 2014 muss ich regelmäßig Parkinson Medikamente einehmen, sogenannte Dopaminagonisten. Diese Medikamente können sogenannte Impulskontrollstörungen hervorrufen und fördern nachweislich Spielsucht, Sexsucht und Kaufsucht. Ich hatte da auch mit mehreren Ärzten drüber gesprochen, aber so richtig ernst genommen hatte das keiner von denen. Wir haben dann Alternativen ausprobiert, aber dadurch kam das Zittern am ganzen Körper wieder und ich musst dann doch wieder die „schlechten“ Medikamente nehmen, weil nichts anderes half.

Lasse ich das alles so Revue passieren, dann bin ich am verzweifeln. Ich hatte ein wirklich schönes Leben, bin in einer glücklichen Partnerschaft, mein größtes Hobby ist das Reisen. Wenn ich jetzt nach vorne blicke, dann habe ich Angst. Angst vor Altersarmut und Angst auch noch den letzten Rest zu verspielen. 

Ich überlege einen Termin bei der Caritas zu vereinbaren. Anderseits kann ich es nicht fassen, das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Kann man die Spielsucht aus selber bekämpfen? Bringt eine Therapie einen Erfolg?

Ich freue mich über Euer Feedback.



Re: All Is Lost!
« Antwort #1 am: 17 Juni 2020, 18:31:06 »
Hallo allislost!

Du hast den Weg hierhergefunden und das ist doch schon mal etwas Positives.

Die Spielsucht ist hinterlistig doch wir können etwas dagegen tun. Such dir Hilfe, geh zur Caritas, in eine SHG oder beginne eine Therapie. Hauptsache du unternimmst aktiv etwas gegen deine Suchtund setzt dich damit auseinander.

In diesem Forum gibt es ganz tolle Menschen die dir weiterhelfen können und vergiss nicht, dass du nicht alleine mit diesen Problemen bist.

Ich denke die anderen Forum-Teilnehmer können dich besser beraten als ich es tun kann.
Beraten will und kann ich eigentlich gar nicht. Nur unterstützen und den Austausch mit anderen suchen.

Auf jeden Fall mal ein herzliches Willkommen in dem Club in dem niemand sein möchte (man verzeihe mir, dass ich diese Phrase geklaut hab)

LG P-Toni

*

Offline Olli

  • *****
  • 3.559
Re: All Is Lost!
« Antwort #2 am: 17 Juni 2020, 20:52:32 »
Hi und herzlich willkommen!

Zitat
Ich überlege einen Termin bei der Caritas zu vereinbaren. Anderseits kann ich es nicht fassen, das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Kann man die Spielsucht aus selber bekämpfen? Bringt eine Therapie einen Erfolg?

OK ... Du hast studiert - sprichst mehrere Sprachen. Dafür musstest Du etwas tun. Den Erfolg kannst Du Dir also anrechnen lassen.
Vielleicht ging das ja auch in anderen Lebensbereichen im Laufe der Jahre so. Wahrscheinlich ist aber wohl, dass Du Dir immer dann Hilfe geholt hast, wenn Du nicht mehr weiter kamst.

Ich sammle seit Wochen Einzelteile für einen WinDart. Dazu habe ich in Foren gestöbert - bin in einer FB-Gruppe.
Viele Stunden habe ich so schon verbracht. Das macht nichts, denn zwei Teile sind momentan nicht lieferbar. Bevor diese nicht geliefert worden sind, brauche ich nicht weiter machen.
Was heisst das? Nun, ich werde mich nicht daran setzen mir aus Sperrholz oder was weiss ich einen Korpus zu bauen.
Dazu bräuchte ich eine Kreissäge, eine Oberfräse und einen Frästisch, sowie viel weiteres Werkzeug, dessen Namen ich wahrscheinlich noch nicht mal kenne.
Auch wenn ich das Meiste der Einzelteile schon ans Laufen bekommen habe, so fehlt mir doch das Verständnis für ein paar elektronische Komponenten. Also werde ich einen Arbeitskollegen fragen, der Elektriker ist, ob er mich unterstützen kann.
Sowohl beim Schreiner, als auch beim Elektriker möchte ich gerne dabei sein und mitwirken, wenn sie ihrer Kunst nachgehen.
Einerseits kann ich dabei etwas lernen und andererseits kann ich auch meine Ideen einfließen lassen (und dabei hoffen, dass ich den Beiden nicht auf die Nerven gehe).

Nun frage Dich also, wieso da dieser Gedanke ist, es im Alleingang zu versuchen.
Ohne Dich läuft da gar nichts. Es bringt Dir auch nichts zu erfahren, ob eine Therapie "etwas bringt". Die Antworten, die Du hier bekommst, stammen von Personen, die nicht Du sind.
Wäre es da nicht sinnvoller zu fragen: Kann eine Beratungsstelle mich in meinem Vorhaben unterstützen? Mich förden? Mir auch mal in den Hintern treten, wenn ich schluderisch werde?
Kann sie mir Zuversicht geben und mir meine Angst nehmen, wenn ich mich genau so engagiere, wie sonst auch?

Ich schreibe Dir dies, weil ich selbst einmal gesagt habe, dass niemand mir helfen könne.
Drei Monate später saß ich in der SHG und sah ein, dass ich mich geirrt hatte.
Im Laufe der Jahre nahm ich an Seminaren teil und an Workshops kleiner Natur.
In der Regel war ich der Exot in den Gruppen, da ich zumeist der einzige Spieler war.
Dieses Wort "Exot" existiert aber nur in meinem Oberstübchen.
Es war egal, wo jeder Einzelne her kam. Wir haben uns dem jeweiligen Thema gewidmet und sie gemeinsam erarbeitet.

Darum geht es auch in den Beratungsgesprächen und evt. später in einer Therapie.
Du nimmst Dir das Ziel der Abstinenz vor und dann wird geschaut, wo Stolpersteine bestehen, ob sie weggeräumt werden sollten oder ob noch Neue auftauchen können.
Du alleine bestimmst, wo Dein Weg hin führt. Wenn Du nach dem Weg fragst, ist die Chance Dich zu verirren, deutlich geringer.

In diesem Sinne ... rufe Morgen die Caritas an und werde nicht zum "Exoten". :)

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: All Is Lost!
« Antwort #3 am: 18 Juni 2020, 09:47:00 »
Hey,

ich bin ungefähr so alt wie du, jetzt seit 18 Monaten spielfrei.

Spielfreie Phasen hatte ich fast 40 Jahre lang nur, wenn ich im Urlaub war oder keinerlei Zugriff auf Geld hatte. War diese Phase vorbei, habe ich an einem Tag alles nachgeholt - anstatt 150,00 € zu verballern, dann bis zu Tausend.
Diese Geschichte nur, weil mich dein enormer Kontrollverlust im OC nach dem Schließen der Spielbanken daran erinnert hat.

Nie hätte ich geglaubt, dass ich spielfrei werden kann. Und habe dann doch den Schritt gewagt.
Am Anfang stand der feste Entschluss - ich werde nicht mehr spielen - um gar nichts, Alles eingestellt, was mich triggern kann, Handyspiele gelöscht, meine Freizeit mit Aktivität gefüllt. Dann kam der Druck und die Verarbeitung im Traum - der will überstanden werden - und wird dann weniger.

Finanzielle Rückfälle hatte ich nicht, habe aber ab und zu kostenlose Slots gespielt, was ich sehr kritisch sehe.

Neben dem Entschluss gehört aber auch das "Verstehen" dazu. Da können professionelle Berater und Selbsthilfegruppen unerlässlich sein.
Alleine die Erkenntnis: Ich bin weder dumm noch hilflos von der rationalen Analyse in ein emotionales Verstehen überzuführen ist eine große Aufgabe.

Viel Erfolg - bleib dran


Re: All Is Lost!
« Antwort #4 am: 18 Juni 2020, 11:48:02 »
Hello und Danke für Euer Feedback!

Ich habe noch mal meinen Benutzernamen in etwas Positiveres geändert. All Is Lost klang mir zu negativ.

Danke schon mal sehr für Euer Feedback.

@Balduin: so ging es mir in der Tat auch, im Urlaub nie gespielt und danach ging es sofort wieder los.

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums