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Meine Geschichte - Weg ins Chaos

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Meine Geschichte - Weg ins Chaos
« am: 13 Juli 2020, 02:24:17 »
Zunächst ein liebes Hallo und danke für das Lesen.

Ich bin schon schon eine Weile stiller Leser und nun habe ich mich entschieden, hier aktiv zu werden.

Wie fange ich an, frage ich mich.

Kurz meine Fakten:
Anfang 30
Guter Job
Feste Hobbies
Vor 1 Jahr angefangen mit dem online Gespiele
~120k € Schulden

Ich habe nun den schweren Schritt gewagt und meiner Familie meine Situation geschildert. Ich lebe alleine, Familie sind meine Eltern und Geschwister. Es war unglaublich schwer, aber ich habe eingesehen, dass es ohne das nicht funktioniert. Es flossen viele Tränen, aber nun sehe ich wieder Land. Das ist sowas von befreiend! Die Reaktion war, auch wenn’s komisch klingt, wundervoll. Ich hatte solche Angst, obwohl in meiner Familie ein großer Zusammenhalt herrscht und wir eine super Beziehung zueinander haben. Ich weiß jetzt, ich hätte es schon viel früher machen sollen. Zum Beispiel als ich erst 15k Schulden hatte und nicht solange warten sollen, bis mich erst die Verzweiflung dazu gebracht hat. Der Gedanke „ich kriege das hin, ist nur Geld, du verdienst ja gut und kannst die monatlichen Raten zahlen und Sucht ist das ja eigentlich auch nicht“ hat sich vollends verabschiedet!
Wir haben wir einen konkreten Plan erarbeitet, wie die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen ist und um Sucht zu bekämpfen.

Seit 2 Wochen spiele ich nicht mehr, habe mich auch überall sperren lassen. Erstkontakt zum Psychologen gab es auch und ich werde das auch weiter beibehalten, obwohl ich sagen muss, dass ich auch seit meiner Offenbarung keinerlei Bedürfnis habe zu spielen. Für mich war das Spielen nur noch eine reine Möglichkeit bzw. die einzige in meinen Augen den Schuldenberg irgendwie abzubauen.
Der letztendliche Grund für meine Offenbarung war, als ich eingesehenen und akzeptiert habe, dass ich das allerdings ALLEINE nicht kann. Bedeutet, selbst wenn ich 20k, vor kurzen passiert, gewonnen habe, war es innerhalb von 2h wieder weg, obwohl ich mir fest versprach, auszuzahlen.
Schuld für den Kontrollverlust bin natürlich ich selbst. Wenn man so hohe Schulden hat, genügten mir selbst solche Gewinne nicht. Ich war gierig, den ganzen Berg an Schulden zurückzuerspielen.
Diesen erspielten Betrag hatte ich jedoch gewonnen durch Einzahlungen, die ich für dringende finanzielle Verpflichtungen gebraucht habe. Dann war es für mich klar: an dieser Stelle ist Schluss und weihte wie gesagt meine Familie ein.

Ich habe durch die detaillierte Aufstellung der finanziellen Situation und Offenbarung viel darüber nachgedacht wie es eigentlich dazu und dann soweit gekommen ist.

Ich möchte euch meinen „Weg ins Chaos“ schildern.

Angefangen hat es, als ich einem Streamer zugeschaut habe, der online zockte. Dann wurde ich selber aktiv, treu nach dem Motto, probiers mal, hast ja das Geld und es fehlt dir an nix. Es folgten kleine Einzahlungen und kleine Einsätze, max. 0,5€. Nach krassen Gewinnen (0,6€ - 1500€ Freispiele usw.) ging es dann bergab.
Gewinne wurden verspielt und Einzahlungen & Einsätze wurden mit steigender Schuldensumme stetig größer. Zwischendrin immer wieder Kredite aufgenommen, um die Schulden zu bezahlen bzw. genommen Kredite umzuschulden. Es kam nie zu Umschulden, stattdessen wurde das Geld wieder verspielt. Zuletzt hatte ich nur noch mit 10,20,30,50€ Einsätzen gespielt. Total irre einfach. Ich würde niemals ins Casino gehen, so viel einzahlen und verspielen. War bisher auch noch nie der Fall, dass ich mich auf den Weg machte und ins Casino ging.
Der Bezug zum Geld in Online Casinos ging völlig flöten.

Ich denke das war’s von meiner Seite erstmal an diesem Punkt.

Natürlich wird die Möglichkeit in Erwägung gezogen, bei solch hohen Schulden, juristische Schritte einzuleiten. Viel gelesen habe ich bereits, aber das Thema wird hier bewusst nicht weiter angeführt.

Oberste Priorität hat nun, standhaft zu bleiben. Ich bin jedoch mehr als zuversichtlich das zu schaffen. Vor allem, da ich nun auf die Unterstützung meiner Familie bauen kann.

Für Fragen oder Anregungen bin ich gerne offen und wünsche allen, dass sie es schaffen!

Für etwaige stillen Mitleser. Wenn ihr selbst vor dem Punkt steht, Geld zu verspielen, was ihr nicht habt. Es dann und keine Sekunde später genau der Zeitpunkt es euren Liebsten zu erzählen. Ich kann aus Erfahrung sagen, sie werden euch nicht weniger lieben als zuvor. Sie werden traurig sein, vllt auch enttäuscht, aber sie werden euch beistehen und helfen.
Meine Eltern zum Beispiel waren nicht von mir enttäuscht, dass ich ein Spielproblem habe und immense Schulden. Sie sind enttäuscht, dass ich solange damit wartete ihnen davon zu erzählen. Früher hätte so vieles einfacher gemacht.
Also gebt euch einen Ruck!

In diesem Sinne

Liebe Grüße
Luke

PS: sorry, längerer Text als gedacht.

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Offline Wolke

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Re: Meine Geschichte - Weg ins Chaos
« Antwort #1 am: 13 Juli 2020, 06:45:47 »
Hallo Luke,

du hast schon sehr viele Dinge eingeleitet,die dir aus der Sucht raushelfen werden,aber bitte bleib am Ball. Auch wenn du momentan kein Bedürfnis hast zum Spielen,der Suchtdruck wird wieder kommen. Deswegen geh bitte weiter zum Psychologen. Die Spielsucht hat einen tiefersitzenden Grund. Ich mache u.a. eine Verhaltenstherapie,da lernt man sein falsches Denken und Verhalten gegenüber der Spielsucht wieder abzulegen und in kleinen Schritten wieder alles zu normalisieren. Man lernt auch mit dem Suchtdruck umzugehen und was man dagegen macht. Denn Skills parat zu haben ,hat mir schon oft den A..... gerettet.
Und wir arbeiten an dem Grund ,warum ich überhaupt mit dem Spielen angefangen habe. Darüber solltest du auch unbedingt mit dem Psychologen reden. Also bitte bleib mit allem am Ball und zieh das bis zum Ende durch. 

LG Wolke


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Offline Olli

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Re: Meine Geschichte - Weg ins Chaos
« Antwort #2 am: 13 Juli 2020, 06:47:27 »
Hi Luke und herzlich willkommen!

Mehrmals führst Du auf, dass Du absolut keine Lust mehr hast weiter zu gambeln.
Das ist super und doch auch gefährlich. Aus Sicherheit wird da ganz schnell Überheblichkeit und Leichtsinn.
Daher kann ich Dich nur ermutigen, Deinen Vorsatz weiter zum Psychologen zu gehen, aufrecht zu erhalten.
Da die Glückspielsucht zumeist eine Ersatzhandlung ist, gilt es den Grund dafür heraus zu finden.
Dabei ist immer der Weg das Ziel.
Gemäß dem Modell der fünf Säulen der Identität gibt es zumeist mehrere Säulen, die in Schieflage sind und innerhalb einer Säule noch einmal mehrere Knackpunkte.
Mit der Arbeit an Dir selbst sorgst Du mit der Zeit für ausgeglichene Säulen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline Izy90

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Re: Meine Geschichte - Weg ins Chaos
« Antwort #3 am: 03 August 2020, 10:04:14 »
Hallo Luke,

ich wünsche dir das Beste in Zukunft spielfrei zu bleiben. Ich spiele seit 13 Jahren, bin jetzt auch 30 und es hat mein Leben komplett ruiniert, bitte sei vorsichtig, diese Sucht ist sehr sehr schlimm, ich wünsche das niemandem, selbst in stationärer Therapie wo ich war, waren 80% der Spieler nebenbei noch Alkoholiker oder Drogen süchtig, weil sie mit den Schuldgefühlen und Depressionen durch die Spielsucht nicht umgehen konnten und deshalb ihr Hirn betäubt haben, es ist eine extrem gefährliche und NIEDERTRÄCHTIGE Sucht und man darf sie sein ganzes Leben nicht unterschätzen, man muss immer aufmerksam bleiben, es kommen diese kurzen Schwächemomente und schon zahlt man wieder Geld ein. Es ist gut, dass deine Familie so reagiert hat, meine Mutter versucht mir auch zu helfen wo es nur geht, mein Vater sagte sowas wie sucht gibt es nicht, werd erwachsen, also Reaktionen sind unterschiedlich, ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg langfristig durchzuhalten!

 

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