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Geld für Essen / zum Überleben

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Geld für Essen / zum Überleben
« am: 22 Juli 2020, 14:37:58 »
Liebe Alle,

ich bin neu hier und möchte mich nach euren Erfahrungen oder Tipps erkundigen:
mein Bruder ist spielsüchtig und seit ein paar Monaten in Therapie.
Seit Ende letzten Jahres ist er Arbeitslos und bekommt entsprechend nur wenig Bezüge.
In den 3 letzten Monaten hat er das Arbeitslosengeld immer sofort wieder verspielt - 2x bevor die Miete und Abbuchungen abgingen und das andere mal schon vorher.
Das war Anfang des Jahres schon mal so.
Er wohnt mit einem Freund in einer WG, der auch von seiner Spielsucht weiß.

Oft hat mein Bruder sich dann erst nach tagen oder fast einer Woche ohne Essen bei uns gemeldet und zugegeben, dass er das Geld wieder verspielt hat,
Meine Mutter und ich haben ihm dann zumindest mit Geld für Essen und trinken ausgeholfen. Es ist noch eine Woche bis er neues Geld bekommt und heute rief er wieder an um nach Geld für Essen zu fragen. Er sagt zwar immer, er zahlt mir das alles zurück. Aber abgesehen davon, dass er mir eh schon knapp 7k schuldet, die ich ihm aus reiner Dummheit geliehen habe, ist es mir finanziell langsam nicht mehr möglich auch meinen Bruder wöchentlich zu unterstützen.
Aber ich kann ihn ja auch nicht verhungern lassen!

Schon Anfang des Jahres hielt ich es für eine gute Idee, seine Finanzen für ihn zu regeln. Sein Therapeut hält aber "bislang" nichts davon.
Abgesehen davon, dass er auch bei mir oder meiner Mutter für eine kurze Zeit einziehen könnte - so könnte sich sein Konto etwas erholen und er könnte bei uns einfach "mitessen". Was finanziell etwas weniger ins Gewicht fallen würde.

Ich möchte ihm so gern helfen, bin aber nicht sicher was das Richtige ist.
Sollte man ihm nochmal Geld fürs Essen geben?
Ihn im Gegenzug drängen, dass er mir doch eine Vollmacht für sein Konto erteilt?

Freu mich auf einen Austausch und eure Gedanken, Tipps und eventuell Erfahrungen dazu.

Liebe Grüße
Annika





Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #1 am: 22 Juli 2020, 15:07:21 »
Hallo Annika.

Erst einmal herzlich Willkommen. Es ist sicher nett und auch verständlich, dass ihr deinem Bruder in der Notsituation helft. Vielleicht solltet ihr mal überdenken, ihm Geld für Essen und Trinken zu geben. Spielsucht ist wie jede andere Sucht. Mit Geld, befriedigt man seine Sucht. Es wäre sicherlich besser, wenn ihr mit ihm einkaufen gehen würdest oder ihm Essen und Trinken gebt.

Für mich war es auch unvorstellbar, meine Finanzen abzugeben. Dieser Einschnitt nimmt einem meiner Meinung nach ein Stück Selbstständigkeit. Am Anfang wäre es vielleicht für dich und ihn einfacher, du hättest Einsicht. Beispielsweise in sein Konto. Wenn das auch nicht hilft, kannst du mit ihm den radikalen Schnitt auch noch gehen.

Wenn er in Therapie ist, schau, dass er regelmäßig hingeht. Suche nach Wegen, seine Möglichkeiten zum Zocken zu unterbinden. Für OCs gibt es entsprechende Software, sollte er ins klassische Casino gehen, gibt es auch die Möglichkeit einer Selbstsperre.

Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #2 am: 22 Juli 2020, 15:08:24 »
Hallo,
Geld fürs Essen würde ich nicht geben. Geld für trinken auch nicht, da gibt's Wasser aus der Leitung.
Ich würde mit ihm einkaufen. Reis, nudeln, Kartoffeln und Bohnen. Da sollten 10 euro für eine Woche reichen.
Alternativ gibt's evtl die Tafel
Auf keinen Fall würde ich sein Geld verwalten, wenn er mich nicht darum bittet.
Er schuldet dir geld und nutzt seine Mittel zum Spielen. Das ist dreist, ich würde auf sofortigen Beginn der Rückzahlung in kleinen Raten bestehen.
Viele Grüße

*

Offline Olli

  • *****
  • 3.627
Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #3 am: 22 Juli 2020, 15:29:35 »
Hi Annika!

Herzlich willkommen!

Zitat
Sein Therapeut hält aber "bislang" nichts davon.

Hat der Therapeut Dir das direkt gesagt, oder ging das über Deinen Bruder?

Es ist ein absolut probates Hilfsmittel ein so genanntes Geldmanagement einzuführen. Wenn ich sehe, was Du alles für Deinen Bruder bereits vorgestreckt hast, kann ich mich dem Gedanken nicht erwehren, dass Dein Bruder einen Esel gefunden hat, der am hinteren Ende Gold heraus lässt.

Mache Dir diesbezüglich aber bitte keine Vorwürfe. In allen möglichen Lebenslagen ist es allerehrenwert einen geliebten Menschen zu unterstützen, eben auch finanziell.
Bei einer Sucht aber ist das kontraproduktiv. Es unterstützt die Suchtausübung.

Nun hat er noch eine Woche zu überstehen. Natürlich könnt Ihr ihm noch einmal mit Naturalien aushelfen.
Doch bis nächste Woche sollte dann auch das Geldmanagement eingerichtet sein.
Macht aus seinem Konto ein UND-Konto. Z.B. Du wirst dann mit eingetragen bei der Bank. Die EC-Karte wird eingezogen und er kann nur noch Geld per Check am Schalter abholen. Darauf muss er unterschreiben "UND" in diesem Falle Du. Dazu wird Deine Unterschrift bei der Bank hinterlegt und jedes Mal abgeglichen.

Von dem Geld, welches er abholt, bekommt er z.B. wochenweise Taschengeld. Er muss auch seine Schulden bei Dir und anderen Familienmitgliedern, sowie Freunden zurück erstatten.
Führt dazu ein Kassenbuch, in dem jede Einnahme und Ausgabe verbucht wird. Dazu werden von ihm Quittungen lückenlos und ohne Murren vorgelegt.

Anhand des Kassenbuches sieht er, wofür er Geld ausgibt und auch wie seine Schulden langsam wieder schrumpfen werden.
Hier müssen auch "Belohnugen" eingeplant werden: Ein Buch, ein Kleidungsstück, eine CD - was ihm eben gerade so gefallen würde neben dem Glückspiel.

Und natürlich bekommst Du regelmäßig die Kontoauszüge zu sehen ...

Dies nur mal in Kürze ...
« Letzte Änderung: 22 Juli 2020, 15:31:27 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #4 am: 22 Juli 2020, 15:49:47 »
Geld würde ich keins mehr geben. Wenn er was braucht dann geht man zusammen einkaufen!

*

Offline Olli

  • *****
  • 3.627
Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #5 am: 22 Juli 2020, 15:58:22 »
Hi Annika!

Auf Grund des obigen Zitates muss ich noch mal meinen Senf abgeben.

Die allermeisten Spieler werden ja nicht als Spieler geboren. Sie kommen irgendwann mit dem Glückspiel in Kontakt und weiten die Nutzung immer weiter aus im Laufe der Zeit. Es ist ein schleichender Prozess, der mal hier und dann mal da eine innere Grenze verschiebt. Auf die Dauer gesehen, besteht aber irgendwann eine riesige Kluft zwischen den Anfängen und dem zumeist Heute.
Wir manipulieren uns dabei selbst. Niemand gibt gerne zu, dass er Mist baut. Dafür ist die Scham viel zu groß. Also reden wir uns die Sachen schön.
Da finden sich immer irgend welche absolut "logischen" Argumentationen. Sie werden gar nicht mehr hinterfragt, denn je weiter die Entwicklung schreitet, desdo schwiriger wird es diese Logik aufrecht zu erhalten.

Während dieses Prozesses haben wir auch Begleiter - die Angehörigen. Auch für sie werden logische Argumentationen aus dem Ärmel geschüttelt.
Doch selbst wenn diese Logik als solche eigentlich vom Angehörigen demaskiert wird, so wird häufig trotzdem nichts gesagt und es wird erst einmal alles so stehen gelassen.
Auch hier kommt ein Tröpfchen zum Nächsten.

Annika - Du darfst nun diese Last los lassen. Du kannst sagen: STOP! - Bis hierher und nicht weiter!
Du hilfst damit nicht nur Dir selbst, sondern auch Deinem Bruder. Er mag das zunächst nicht einsehen - das ist aber sein Problem - nicht Deines!

Er möchte was Essen und Du sollst es ihm vorstrecken? Gut - dann gibt es eben im Gegenzug Deine Regeln, die er einzuhalten hat. Wenn nicht, dann bekommt er eben nichts zu Essen. Das ist dann seine alleinige Entscheidung und es ist die Konsequenz, die er verursacht hat.

Packt Deinen Bruder nicht in Watte. Unterstützt ihn nicht weiter in der Suchtausübung, sondern bei der Genesung (Geldmanagement).
Das ist doch das, was ihr alle für ihn wollt.
Schaue jetzt nicht auf die Vergangenheit und mache Dir Vorwürfe, sondern schaue auf das Jetzt und das Morgen. Das kannst Du nämlich beeinflussen.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #6 am: 22 Juli 2020, 16:30:23 »
Wow! Vielen lieben Dank für eure super schnellen Rückmeldungen!

Ich hab es wohl nicht ganz richtig formuliert: wir haben meinem Bruder kein bargeld gegeben für Essen und Trinken. Entweder war einer von uns für ihn einkaufen odr wir waren zusammen. Den Fehler mit dem Bargeld/Überweisung um seine Schulden bei jemand anderem zu Tilgen machen ich nicht nochmal.

ich danke für eure Worte. Den Einwand, dass er nach "meinen Regeln" Essen bekommt oder nicht, finde ich zwar hart aber korrekt. Er hat immerhin die Wahl,

Und in der Tat hat mein Bruder mir gesagt, dass der Therapeut noch nichts davon hält, dass er seine Finanzen abgibt. Er hat mir aber auch erzählt, dass er sich selbst in allen Online Casinos gesperrt hat (seit Dezember erzählt er das regelmäßig..) und hat es doch nie getan. Somit liegt es wohl nahe, dass da wenig wahres dran ist.

das UND Konto finde ich eine super Idee!
Sowieso hab ich heute allein durch´s Lesen im ganzen Forum sehr viel Hilfreiches gefunden. Zum Beispiel das mit den Gamban Softwares.
Ich treffe mich morgen mit meinem Bruder um nochmal einkaufen zu gehen, Dann werde ich das alles Schritt für Schritt mit ihm durch gehen,
wir haben das zwar schon öfters gemacht (Finanzplan aufgestellt, Verträge "wenn er nicht zurück zahlt, dann bekomme ich eine Vollmacht" etc) aber bislang kann er sich einfach nicht dran halten. ich bin über jeden kleinen Fortschritt den er macht dankbar.

Kurz noch eine andere Frage: ich hab in einem Thread gelesen, dass es sowas wie ein Countdown (App?) gibt. In der man festhält wieviele Tage man schon nicht gespielt hat. Hat einer Erfahrungen damit gemacht?

Ich bin zwar neu hier, aber ich ich kann euch allen jetzt schon mehr als herzlichen für all euren Support danken.


*

Offline Olli

  • *****
  • 3.627
Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #7 am: 22 Juli 2020, 17:00:27 »
Hi Annika!

Da habt Ihr ja schon einiges durch mit ihm ...  ;(

Nun, wie Du siehst, manipuliert er Euch nach Strich und Faden.
Geht er überhaupt noch zum Therapeuten? Gibt es dafür Nachweise?

Ich sehe da ein Problem bei Euch, was leider sehr häufig verbreitet ist.
Ihr versucht ihm auf zu helfen, obwohl er noch gar nicht wirklich gefallen ist.
Jedes Mal wart Ihr da und habt ihn aufgefangen. Dabei habt Ihr selbst Blessuren abbekommen.
Er sicher auch, aber was macht das schon, wenn er auch noch betüddelt wird.

ER alleine ist Verantwortlich für seine Genesung. Er muss den aufrichtigen Wunsch haben sein Leben in neue Bahnen zu lenken.
Macht er das nicht, dann laufen all Eure Bemühungen ins Leere. Du siehst ja - er manipuliert Euch und - ja, nennen wir das Kind beim Namen - er nutzt Euch aus.

Ihr müsst miteinander reden. Positioniert Euch klipp und klar. Seit auch ruhig "hart". Was er macht ist viel schlimmer.
Entweder er arbeitet ernsthaft an sich - oder ihr lasst ihn fallen! - sagt ihm das genau so.
Ihr wünscht Euch einen spielsüchtigen Bruder/Sohn, der alle Möglichkeiten ausschöpft um zu genesen. Dazu bekommt er fast jede Hilfe, die Euch möglich ist - weil ihr ihn eben liebt.
Alles darunter kann Euch nicht genug sein. Denn wäre dem so, dann wäre der Manipulation wieder Tür und Tor geöffnet.
Sagt ihm, dass er Euch verletzt, wenn er lügt. Sagt ihm, dass er immer die Wahrheit sagen muss. Sobald eine Lüge aufgedeckt wird: Tschüss!
Sagt ihm, dass Ihr ihm vertrauen wollt - aber eben jetzt im Moment nicht könnt. Es ist seine Aufgabe das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen.
Wenn er dabei auf Mißtrauen trifft, so ist das die Saat, die er gesät hat und er muss damit leben und umgehen können.

Darf ich fragen, was der Therapeut bisher als Ursache für die Glückspielsucht heraus gefunden hat?
Wart Ihr mal auf einer gemeinsamen Sitzung, bei der die Familie in die Therapie eingebunden wurde?
Nehmt auch dies bitte als "Bedingung" in Deine Liste auf, natürlich nur, wenn Du selbst bereit dazu bist

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline Ilona

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  • 2.585
    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #8 am: 22 Juli 2020, 18:02:20 »
Liebe Annika,

willkommen auch von mir. Die Jungs haben ja schon ganze Arbeit geleistet, daher nur zwei kleine Ergänzungen:

In den Beratungsstellen gibt es die Möglichkeit der Angehörigengespräche. Das tut oft gut und ist auch erhellend für beide Seiten. Es kann ja gut sein, dass dein Bruder noch Leichen im Keller hat, die er sich nicht traut auszugraben. Im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs, das von einer dritten Person begleitet wird, ist das leichter. Solltet ihr euch für eine gewisse Zeit für eine gemeinsame Kontoverwaltung entschließen, gäbe es auch im Rahmenn des Angehörigengespräches Gelegenheit die genauen Modalitäten zu besprechen. Das will nämlich gut vorbereitet sein, sonst gibt es nur Frust und Streit.

Und dann noch ein Tipp: Du kannst auch Beratung in Anspruch nehmen. In der Suchtberatung, bei unserer Hotline oder der Onlineberatung. In einigen städten gibt es auch Gruppen für Angehöriige.

Alles Gute und viele Grüße

Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

*

Online Wolke

  • *****
  • 600
Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #9 am: 22 Juli 2020, 18:26:03 »
Hallo Annika,

ich bin auch bei einem Therapeuten ( (Verhaltenstherapie) und die raten einem sehr wohl zum Geldmanagement.
Ich bekomme oft “Hausaufgaben“ vom Therapeuten auf,die ich bis zur nächsten Sitzung schreiben/ erarbeiten muss. Ich bekomme dafür Arbeitsblätter mit nach Hause  oder muss zu bestimmten Themen komplett selber was schreiben. Manchmal sind es auch praktische Aufgaben,zu denen ich dann hinterher auch was schreibe. Ich habe also schon einen kleinen Ordner voll mit Sachen von der Therapie inklusive Tagebuch. An solchen Dingen kannst du erkennen,ob er wirklich zur Therapie geht oder euch anlügt.

Geldmanagement könnt ihr auch so machen,dass er Gutscheinkarten vom Lebensmittelladen bekommt,von der Tankstelle,dem Drogeriemarkt,vom Kino,dem Schwimmbad,seinem Lieblingscafe und Restaurant oder Kneipe. Kauft ihr zusammen von seinem Gehalt,dann muss er damit z. B. einen Monat auskommen ,aber er muss niemanden nach Geld fragen und muss sich nicht rechtfertigen. Gutscheinkarten sind wie bargeldloses bezahlen.

Allerdings habe ich bei deinem Bruder das Gefühl,dass er nicht aufhören möchte. Er macht soweit alles mit,damit ihr zufrieden seid und er weiter seinen Willen bei euch durchsetzen kann.

Setz ihm klare Grenzen,zeig ihm deine Grenze und besteh drauf,dass er seine Schulden in kleinen Raten bei dir abbezahlt. Seine Fixkosten und die Rate seiner Schulden bei dir könnte man automatisch von seinem Konto abbuchen lassen,damit das Wichtigste sofort nach Gehalteingang bezahlt ist.

Und wenn er dir sagt oder vielleicht auch zeigt,dass er sich bei einem OC hat sperren lassen,dann kann er sich gleichzeitig bei 100 neuen Casinos wieder angemeldet haben. Man wird nicht automatisch bei allen gesperrt,man muss das bei jedem Casino einzelnd machen.

Hilf ihm,aber nach deinen Regeln. Und achte auf dich. Wenn es dir zuviel wird ,such dir bei Profis Hilfe.
Achte zuerst auf dich. Wenn es dir gut geht,kannst du ihm helfen,wenn er sich helfen lassen will und auch wirklich aufhören möchte.

Du wirst merken,wenn er dich und deine Familie manipulieren will.

LG Wolke

Re: Geld für Essen / zum Überleben
« Antwort #10 am: 24 Juli 2020, 13:14:49 »
Vielen Dank für eure hilfreichen Tipps und Gedanken. Wir haben uns das alles sehr zu Herzen genommen.
Mit meinem Bruder hab ich gestern auch gleich sehr lang gesprochen. Es sind Baby-Schritte aber man kommt voran. Er hat mir nun zumindest schon mal seine Bankzugänge gegeben und wir haben auf all seinen Geräten Betblocker installiert. Mir ist natürlich bewusst, dass Betblocker nur bedingt funktioniert, aber es ist ein Anfang.

In der Tat habt ihr alle wohl Recht - bislang scheint er nicht wirklich aufhören zu wollen mit dem Spielen. Eher flüchtet er sich zum Teil in ganz kuriose Aussagen, wie dass er aufhören will zu spielen, weil er eh nicht gewinnt. Und daran sind nur die Onlinecasinos schuld, weil die seit Corona einen quasi gar nicht mehr gewinnen lassen. Darüber hätte er sich auch schon im Netz schlau gemacht. Dass das Spielen generell keine Option ist, sieht er zur Zeit noch nicht. Wenn er wenigstens gewinnen würde, wäre das alles ja nicht so schlimm. So seine Worte... er hat also noch viel vor sich...

Auf jeden Fall haben wir ihm nun ein Ultimatum gesetzt. Wenn er nochmal sein ALG verspielt und dann gar nichts mehr hat - auch nicht zum Essen - dann ist die letzte Option nur noch eine stationäre Behandlung. Von uns bekommt er dann nichts mehr.
Denn er sieht auch gar nicht, dass wir ihn die letzten Monate immer wieder unterstützen mussten, damit er überhaupt was zu Essen hat. Er sieht sich er als "Überlebenskünstler"...

Zu seiner Frage Olli: ja, mit seinem Therapeuten ist er dabei raus zu finden, was seine Beweggründe sind zu spielen. Laut seiner eigenen Aussage liegt der Grund in den vielen positiven Effekten, die das Spielen/Gewinnen hat. Er hat schon mit 18 angefangen zu spielen (damals Poker) und wirklich erheblich hohe Summen gewonnen. Dadurch konnte er sich lange Reisen und 2 Jahre Australien finanzieren. (zumindest zum Teil) Somit stellt das Spielen für ihn bis heute eigentlich nur was positives dar. Bislang war es ihm also nicht möglich zu erkennen, wie selbstzerstörerisch das Ganze ist.
Es bleibt ein langer Prozess.

Ich danke euch allen für das offene Ohr. Es tut gut sich als Angehörige mit anderen auszutauschen die wissen, worum es geht.

 

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