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Sucht nach Börsenspekulationen

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Sucht nach Börsenspekulationen
« am: 18 August 2021, 23:45:05 »
Guten Abend zusammen,

ich werde hier vermutlich in unregelmäßigen Abständen vor allem zur Eigenkontrolle meine Gedanken und meinen Umgang mit dem Thema Spielsucht an der Börse niederschreiben.

Ich bin noch relativ jung dabei, 30, m, beschäftige mich seit 2017 mit der Geldanlage und bin vor 13-14 Monaten (leider) auf Optionsscheine und Turbo-Zertifikate aufmerksam geworden. Von CFD-Handel habe ich zum Glück die Finger gelassen.

Die realisierten Kursverluste summieren sich aktuell auf immerhin 12k€, welche allerdings in den letzten 4 Monaten entstanden sind.

Ich freue mich über Tipps und Erfahrungen von euch, vor allem im Umgang mit der Vermeidung des Zockens an den Börsen. Details folgen...

Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #1 am: 19 August 2021, 00:11:18 »
Der Grund, warum ich mich hier angemeldet habe:

- Ich habe soeben die Reißleine gezogen und mein restliches Geld ausgecashed und die Trading-App vom Handy gelöscht

- Ich bin seit garantiert einem 3/4 Jahr extrem viel am Handy, bis zu 10h am Tag, zwischen Trading-App, Börsenforum, YahooFinance usw. ständig am hin-und her switchen

- Ich zocke in den letzten Wochen mit extrem großem Hebel bis zu 150

- Ich zocken in den letzten Wochen mit extrem hohen Einsätzen auch in Bezug auf die Depotgröße. Heute und gestern waren die Krönung mit 100% Kapitaleinsatz (6k€) etwa 10 min vor US-Börsenschluss in Einzelpositionen mit Hebel 80 auf WTI oder den NQ.

- Aus dem Poker bekannt als Tilt hätte ich, wenn es schlecht gelaufen wär, heute mein gesamtes Depot zerschießen können. Schrecklicher Weise habe ich dabei nie bewusst darüber nachgedacht, dass das passieren könnte.

- Halten von Verlustreichen Positionen über das Wochenende; Wechsel von FX-Trading zu noch volatileren Anlagen in WTI und NQ; Vergrößern von Positionen, die immer weiter in die Verlustzone laufen und halten bis zum KO

Nun zu den weichen Faktoren:

- Handy permanent an auf der Arbeit (auf Klo, am Laptop, bei Meetings)

- Online von 07:00 Uhr bis 23:00 Uhr, im Prinzip ständig am Kurse kontrollieren

- Verlusten hinterher heulen, entgangenen Gewinnen nachtrauern, realisierte Gewinne sind mir teilweise komplett egal, auch wenn es wie am Montag mal 3000€ auf einen Schlag waren

- Gefühl von Druck in der Brust, Gefühl von Herzrhythmusstörungen

- Extreme Gereiztheit und Agressivität seit einem halben Jahr

- Fokus liegt auf dem Zocken statt im Job, was zu extremen Motivationsproblemen führt

- Börse als Freizeitausgleich hin zur alleinigen Freizeitbeschäftigung

- Finanzielle Ängste weil kaum noch Rücklagen (was wäre wenn Frau schwanger wird? Ich könnte keinen Kinderwagen kaufen, weil schlicht kein Geld da ist)



« Letzte Änderung: 19 August 2021, 00:16:39 von TooBigToFail »

Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #2 am: 19 August 2021, 00:26:07 »
Das schwierige aktuell ist, dass ich eigentlich sehr selbstreflektiert bin und genau weiß wo die Probleme liegen. Mir ist bewusst, an welchen Stellschrauben ich drehen muss...aber dann wird es wieder den Tag geben, an dem ich in das alte Muster zurückfalle, die App installiere, die Kreditkarte schnappe und 1-2 oder 3 Tausend Euro auf das Konto pumpe. Das macht es schwierig.
Ich weiß auf den Cent genau auf welchen Konten wie viel Geld liegt und dass durch das Zocken meine Gesamtrendite bei -15% liegt. Ich besitze eine Excel-Tabelle, in der ich die Geldanlage in ETF‘s bis zur Rente simuliert habe.

Ich weiß gar nicht wieso, aber vor besagten 14 Monaten hat dieses Monster genannt Derivate dermaßen mein 0815-ETF-Anleger-Hirn vernebelt, dass ich total davon besessen wurde.

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Offline Olli

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Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #3 am: 19 August 2021, 06:29:56 »
Hi und willkommen in unserer Runde!

Hui, das klingt ja für mich nach einer Fremdsprache, wenn Du da anfägst übers Spekulieren zu reden.
Auf der einen Seite möchte ich gerne nachfragen, was das alles bedeutet - auf der anderen Seite interessiert es mich als Schutzfunktion für mich überhaupt nicht. Ich gehöre noch zu Nutzern der zumeist einst mechanisch funktionierenden Automaten.
Ich will heute gar nicht wissen, wie die ganzen neuen Spiele heissen, wie sie funktionieren, welche Gewinnchancen bestehen etc.
Damit würde ich nur eine Beziehung zu etwas aufbauen, was ich doch hinter mir lassen möchte.
Nein, wichtig ist doch das, auf das Du auch im Anschluss gekommen bist - der Mensch mit seinen Gedanken und seinen Gefühlen.
Hier sitzen auch die Defizite, wie ich es immer nenne, die uns eben so handeln lassen, wie wir gehandelt haben oder es noch tun.

Schön, dass Du schon mal ein paar Sachen gemacht hast, wie das Geld zu sichern und Apps zu löschen.
Dabei ist Dir auch bewusst, dass das nicht reichen wird für die Zukunft.
Fange doch mal damit an, mit der Person zu sprechen, die Deine Launen der letzen Zeit abbekommen hat - Deiner Frau.
Sie hat Deine Veränderung mitbekommen und sich sicher schon gefragt, ob sie vielleicht Schuld daran trägt.
Ihr könnt zusammen überlegen, wie Du Dich und Euch schützen könnt und was Du bereit bist für ein spekulationsfreies Leben zu tun. Du musst Dir jetzt Hürden aufbauen, die Du in den von Dir genannten schwachen Momenten eben mal nicht so eben über den Haufen werfen kannst.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline Olli

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Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #4 am: 19 August 2021, 11:57:35 »
Hi!

Zitat
Es wäre super, wenn ihr mal im Thread vorbei schaut, ich versuche nämlich erst einmal ohne externe Hilfe das Ganze in den Griff zu bekommen.

Siehst Du ... ;) ... typisch "Mensch". Erst einmal muss es ´"alleine" versucht werden. Naja, es ist ja auch so eine Art Spiel ... manchmal verliert man und manchmal gewinnen die Anderen ... ;)

Es ist nicht die Frage, ob Du "krankheitsbedingt" die Hilfe benötigst, sondern was erfolgsversprechender ist.

Banales Beispiel: Ich bin Vermessungstechniker im Innendienst - ein reiner Sesselpfurzer also. Doch ich bin mit dem Bau durch meinen Vater, einst Fliesenleger, jahrzehntelang in Berührung gekommen. Ich habe mir im Haus die Fliesen selbst gelegt, incl. gewendelter Treppe. Ein paar Akzente habe ich auch mit Glas-Alu-Mosaik gesetzt. Na klar habe ich hier auch Fehler gemacht. Doch die sieht niemand - nur ich selbst. Sie sind also ziemlich harmlos.
Gerade kratze ich Stück für Stück alle gerissenen Silikonfugen heraus. Es sind ja Wartungsfugen und sollten über die Jahre im Auge behalten werden.
Für das neue Ausfugen hole ich mir aber Erfahrung ins Haus - ich kaufe sie mir ein. Weshalb ... weil ich es nicht kann. Habe nie solche Fugen ausgespritzt.
Da es ja nicht für Andere ist, könnte ich mich ja auch selbst daran machen. Aber mal ehrlich ... wenn es schief geht ... und das wird es sicherlich ... kann ich alles wieder herauskratzen. Das Material ist futsch und vielleicht beschädige ich dieses Mal sogar die Fliesen. Von den Wandfliesen im Bad und im WC habe ich aber keine mehr. Eventuell muss ich die Räume also neu fliesen ...
Da komme ich doch mit einer eigekauften Leistung deutlich günstiger und schneller ans Ziel.

Genau so ist das mit der Suchthilfe auch. Wenn etwas schief läuft beim "alleine" genesen, dann entsteht mehr Schaden, als wenn ich mich direkt begleiten lasse. Es ist ja auch nicht so, dass mir da jemand die Hand auflegt und Zauberformels in seinen Bart murmelt. Ich muss für meine Genesung schon etwas tun. Ohne mich geht da gar nichts.
Und so entscheide ich immer, ob ich etwas annehme oder etwas umsetze - immer zu meinem eigenen Wohl entsprechend meiner Ziele und Werte.

Habe es hier schon tausendfach geschrieben ... Ich habe mal gesagt: Mir kann keiner helfen! - Ich habe mich geirrt!
Meine SHG war gerade in der Anfangszeit das Beste, was mir passieren konnte.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #5 am: 19 August 2021, 12:41:15 »
Hi grüß dich,

ich habe ein ähnliches Problem wie du, bei mir ist es jedoch das Handeln mit Kryptowährungen. Ebenfalls mit sehr hohen Summen.
Früher habe ich viel in online Casinos verspielt und auch in Sportwetten. Bei mir ist es ganz klar eine Suchtverlagerung geworden. Damals relativ wenig investiert und hohe Gewinne erzielt, jetzt läuft man seinem Geld inzwischen überall hinterher….

Der unterschied zu der klassischen Spielsucht beziehungsweise das Problem bei Aktien und Kryptowährung, ist das der jenige also sprich die Süchtigen immer wieder in die Depots schauen um zu gucken was wäre wenn man noch die Aktie oder die Kryptowährung behalten hätte. Das kann einen psychisch echt zusetzen…Bei Sportwetten oder online Casinos ist der Verlust direkt sichtbar, Und man schreibt das Geld in der Regel irgendwo ab. Man bekommt aber in der Regel den Kopf die Tage danach frei. Bei Kryptos und Aktien ist immer wieder die Versuchung da neues Geld rein zu investieren in der Hoffnung dass die Aktie oder die Währung steigt. Man schaut ständig in die Börsen etc. und setzt sich immer wieder Gedanken in den Kopf.
Ich bin momentan auch etwas ratlos über diese Thematik und glaube tatsächlich nur dass man konsequent dort aussteigen kann in dem man viel Abstand von diesen Dingen nimmt. - wie ist mir ein Rätsel, Suchttherapie wobei die meisten doch nur auf das klassische Glücksspiel spezialisiert sind bringen in dem Fall wenig denn man ist ja quasi 24 am Handy oder am Rechner ist.
Am besten ist es die Kreditkarte zu sperren und das online Banking an eine vertraute Person zu übergeben bzw das tan Verfahren auf ein Handy einer vertrauten Person umzuleiten. Somit wird man wenigstens dran gehindert einzuzahlen, aber die Verlockung in die Depots reinzuschauen bleibt weiter bestehen und das zermürbt!
Ich bin jeden falls nicht konsequent genug um das Verhalten auch nur ansatzweise zu ändern und da gehts nur mit Hilfe von anderen.


VG
Julian

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Offline Olli

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Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #6 am: 19 August 2021, 14:06:02 »
Hi Julian!

Der große Unterschied, der ist .... keiner ... :)

Es kommt nicht auf die Art der Suchtausübung beim Glücksspiel an. Die Prozesse im Oberstübchen sind überall die Gleichen.
Ob da jetzt der Drang ist in ein Depot zu schauen oder die Wettergebnisse nachträglich zu checken. Selbst wenn Du jemanden beim Automatenspiel zuschaust und er gewinnt, dann flammt es da oben auf: ach, hättest Du doch mal selbst daran gespielt.
Ob Du jetzt in einem Nadelwald bist oder in einem Laubwald ... beides ist ein Wald und es gab einen Grund dort hinein zu gehen.

Weshalb ich das schreibe ... oft werten sich Glücksspieler selbst auf - nicht mit Absicht - ungewollt -, indem sie ihre Sucht an der Glücksspielform festmachen. Seien es die terrestrischen Casinogänger, die Pokerspieler, die Spekulanten ... ja selbst die Automatenspieler, die nieeeeeemals eine Spielhalle betreten.
Das schafft aber leider gleichzeitig eine Distanz, die eigentlich ja gar nicht gegeben ist.
Eine SHG dagegen ist eine Gemeinschaft. Diese hat ein Ziel - die Erfahrungen teilen, um spielfrei zu werden und zu bleiben.
Wenn wir die Genesung "alleine" versuchen, dann können wir nur auf unsere eigenen Erfahrungen zurück greifen.
Die wurden aber doch bereits falsch gedeutet oder sie fehlen gänzlich. Damit komme ich also nicht sehr weit.

Du hast ein Problem damit, nicht konsequent genug zu sein? OK, dann fange doch mal damit an aufzuschreiben, was Du Dir für Deine Zukunft erhoffst oder sogar ersehnst. Schreibe Dir Ziele nieder - große - kleine ... was immer Dir einfällt und was Dir gefällt - wo Du Spaß dran hast oder Du sogar Glück verspürst.
Dann schreibe Dir neben jeden Eintrag auf, was DU dafür tun musst.
Bei kleinen Zielen brauchst Du weniger tun. Also ist es ratsam damit anzufangen und jeden Punkt abzuarbeiten.
Das gibt Motivation für die größeren Ziele.
Du kannst Dir aber auch dazu schreiben, ob Du das mit dem Glücksspiel überhaupt schaffen kannst.
Bei dieser Liste geht es vorrangig um Deine Abstinenzentscheidungen. Nur wenn Du ihrer bewusst wirst und sie angehst, resultiert daraus dann auch Deine Konsequenz.
Es ist doch klar, dass bei einem Glücksspieler, der dem Glücksspiel gerade noch gefrönt hat, diesem näher steht als der Abstinenz.
Also müssen wir handeln ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #7 am: 20 August 2021, 20:18:52 »
Hi,

ja da hast du recht, es gibt keinen Unterschied.  ;D

Ich bin mit meiner Situation mal mehr und mal weniger zufrieden. Das einzige was mich halt immer wieder aus dem Tief rausholt, ist das ich zum Glück keine Schulden aus den Spekulationen bzw. aus dem Glücksspiel davon getragen habe. Sagen wir mal so zumindest konnte ich wenn geringe Schulden entstanden sind zeitig ausgleichen.

Ich versuche ohne SHG klarzukommen und es klappt in der Regel mal mehr mal weniger gut. Es hängt immer von der Ablenkung ab.
Wenn ich rückfällig werde oder geworden bin kann ich es zum Glück immer noch finanziell verkraften denn ich habe obwohl ich schon seit über 10 Jahren egal wie zocke es geschafft mich nicht zu verschulden und das auch wenn ich einige Kontrollverluste hatte.


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Offline Olli

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Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #8 am: 20 August 2021, 22:11:36 »
Hi!

Es ist auch egal, ob Du Schulden hast oder nicht. Elementar ist doch, dass Du unglücklich mit der Situation bist.
Auch wenn Du kurzzeitige und geringfügige Schulden zeitig ausgleichen konntest, so fehlte das Geld doch an anderer Stelle - oder nicht?

Sei Dir bitte gewiss, dass ich Dir nichts will. Du suchst aber Ausreden, um einer SHG fern zu bleiben.

Ich habe mal für die Online-SHG ein paar Regeln unter "Aktuelles und Termine" aufgestellt. Sie basieren auf meinen Erfahrungen mit meiner einstigen SHG und natürlich jetzt auch der Gruppenleiterschulung. Schaue sie Dir doch einfach mal an.
Im Großen und Ganzen sollten sie Deine Ängste und Deine Scham beruhigen. Sollte Dich etwas stören ... dann bitte raus damit.
Vielleicht kann ich dann noch etwas dazu sagen,  was Dich beruhigt.

Wenn Du schon einmal die Seite durchliest, kannst Du auch gleich mal am Samstag vorbei schauen. Es kostet nichts, außer ein wenig Überwindung. Lasse uns einfach mal unverbindlich quatschen, wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Ich beiße nicht und ich hoffe, Du auch nicht ... :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #9 am: 23 August 2021, 20:15:19 »
Hallo Olli, hallo Julmo,

danke erst einmal für eure Antworten. Der Blick auf Kurse ist dermaßen zur Routine geworden, dass ich täglich nach dem Aufstehen automatisch nachschaue. Es ist relativ wenig gewesen in den letzten Tagen, da sich die Kurse entgegen meinen Erwartungen entwickelt habe und ich nicht investiert bin. Hätte ich mein Geld drin gelassen wär ich jetzt bei 0, so meine Denke. Das soll aber nicht Mittelpunkt meines Posts sein.
Ich frage mich, wie es damals dazu gekommen ist. Bei meinem Broker war es sicherlich das Kribbeln, dass ich extra diese Spekulationsgeschäfte beantragen musste. Gepaart mit anfänglichen Gewinnen bin ich dann weiter hereingeraten.

Mir geht es wie Julmo „zum Glück keine Schulden gemacht“. Was kritisch wäre, wenn plötzlich ein Kind auf dem Weg wäre, denn dann müsste ich mir etwas einfallen lassen ein Kinderzimmer einrichten zu können (um mal nur ein Beispiel zu nennen). Jetzt steht aktuell Polster aufbauen auf dem Plan. Ich tendiere aktuell auch dazu keine SHG aufzusuchen. Ich habe bis 2010 exzessiv Poker gespielt und dann schlagartig irgendwann 2012 beschlossen, dass dies ein zu großer Teil meines Lebens war. Bei sämtlichen Online-Plattformen sperren lassen und bis heute nicht wieder gespielt.
Bei Aktien verhält es sich anders. ETF‘s als Geldanlage, Nutzung von Kreditkarten und Bankkonten, der Weg zum Daytrading ist hier fließend und 2-3 Klicks entfernt. Das wird sicherlich mittelfristig anstrengend oder herausfordernd.

Bisher habe ich nicht mit meiner Frau geredet, nur angedeutet, dass ich zu viel Zeit mit der Börse verbracht habe und dies deutlich reduzieren möchte. Es ist evtl. die Langeweile gewesen und die Hoffnung oder Gier nach schnellem Geld, die das Ganze reizvoll machte. Ich habe die letzten Tage viel Sport gemacht und gelesen, der Fokus sollte wieder auf der Arbeit liegen....

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Offline Olli

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Re: Sucht nach Börsenspekulationen
« Antwort #10 am: 23 August 2021, 20:40:37 »
Hi!

Schön, dass Du wieder schreibst ...

Zitat
Ich tendiere aktuell auch dazu keine SHG aufzusuchen. Ich habe bis 2010 exzessiv Poker gespielt und dann schlagartig irgendwann 2012 beschlossen, dass dies ein zu großer Teil meines Lebens war.

Hmmm ... wie soll ich das verstehen? So nach dem Motto: Das Pokern habe ich von jetzt auf gleich sein lassen, dann klappt das auch mit der Börse?
Wenn ja, dann solltest Du Dich einmal mit dem Thema Suchtverlagerung beschäftigen. Wie ich ja schon einleitend geschrieben habe, kommt es nicht auf die Form der Suchtausübung an, sondern auf das, was da mit unseren Gefühlen und Gedanken geschieht.
Auffällig ist hier jedoch, dass Du Dir Formen ausgesucht hast, wo "Wissen" einen vermeindlichen Vorteil verschafft.
Nicht umsonst machst Du Dir bereits Gedanken ums Daytrading - oder?
Wie wichtig ist Dir Kontrolle? Könnte dies auch ein Punkt sein, neben der Scham, es Deiner Frau nicht zu sagen? Möchtest Du sie behalten? Kontrollierst Du dann aber nicht auch Deine Frau?

Ich war dem Spielen gegenüber machtlos. Als ich es aufgab, habe ich an Macht gewonnen - nur eben an anderer Stelle.

Vielleicht kennst Du ja das Gelassenheitsgebet schon? Ich kleiner Atheist finde die Aussage, die sich darin verbirgt, sehr gut:

Zitat
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
  Einen Tag nach dem anderen zu leben,
  einen Moment nach dem anderen zu genießen.
  Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.
  Diese sündige Welt anzunehmen, wie Jesus es tat,
  und nicht so, wie ich sie gern hätte.
  Zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
  wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
  sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
  und im nächsten für immer überglücklich.
  Amen.
Reinhold Niebuhr/Friedrch Christoph Oetinger

Normalerweise zitiere ich immer nur die ersten drei Zeilen, hier erscheint mir das komplette Gebet angebracht.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

 

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