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Spielhalle

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Spielhalle
« am: 29 Oktober 2020, 15:07:39 »
Bin seit 24 Jahren spielsüchtig .wie oft habe ich geschworen damit aufzuhören.wie oft habe ich meine kontokarte zerrissen.einfach nur krank .gestern wieder 430 Euro reingeschmissen.ab heute ist Schluss ich bin einfach alle.habe herzschmerzen von Spielen und Rauchen.bin psychisch komplett alle.

Re: Spielhalle
« Antwort #1 am: 29 Oktober 2020, 15:20:42 »
Meine Jugend war schön hatte eine tolle Freundin die ich über alles liebte.durch die Spielerei habe ich alles verloren.Geld,Freundin ,Gesundheit,mein Gehirn und meine Herz und Seele.wie konnte ich nur mein Leben damit vergeuden.mir kommen die Tränen wenn ich hier das schreibe.habe ca 120 üüü Euro verspielt.einfach nur brutal wie schnell man im Teufelskreis ist.vor allem die Zeit die ich da vertrödelt habe.ich schäme mich dafür in Grund und Boden.der größte Fehler meines Lebens nichts anderes.Schlafstörungen,psychische ist kaputt,komplett einfach alles ruiniert.fing natürlich alles mit 18 Jahren an mit 10 euro.später 20 danach 50 danach 100 ,200 300 danach 500 bis 1500 an einem Tag.bis die Halle zu hat.krank krank krank krank.ich habe mich hier angemeldet und ab heute ziehe ich das jetzt durch damit aufzuhören.egal was kommt .ich betrete nie wieder eine Spielhalle und werde mir meinem Geld jetzt verantwortungsvoll umgehen.

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Offline Olli

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  • 4.621
Re: Spielhalle
« Antwort #2 am: 29 Oktober 2020, 16:01:48 »
Hi Müller!

Herzlich willkommen!

So wie Dir ging es mir vor einigen Jahren. Schon lange Zeit vorher, ich hatte über 20 Jahre gespielt, baute sich in mir ein Frust auf, den ich aber immer wieder verdrängt habe. Pünktlich um Mitternacht zum 01.07.06 verließ ich die Halle und schwor mir mit dem Spielen aufzuhören.
Wie Du hatte ich tausende Male vorher vom Wortlaut her solche Schwüre von mir gegeben. Doch dieses mal war es anders. Es fühlte sich anders an.
Ich traute mir zu es durchzuziehen - war mir dieses Mal absolut sicher, dass ich den Schwur nicht brechen werde.
Auch im wahren Leben abseits des Glückspiels habe ich mir immer wieder etwas zugetraut, habe mich daran gemacht und habe es dann abgeschlossen.
Wenn Du so magst, habe ich mich auf eine meiner Kompetenzen berufen.

Ca. 6 Jahre vor diesem Datum war ich bereits in einer SHG gewesen. Doch ich habe sie nur als Alibi benutzt, weil ich selbst einfach nicht so weit war.
Trotzdem ging ich hin, saß dort freiwillig meine Zeit ab und verstand gar nicht so recht, über was da eigenrlich geredet wurde.
Ca. 3 Monate nach meiner Abstinenzentscheidung saß ich wieder in dieser SHG. Doch dieses Mal bekam ich gar nicht genug an Input von den anderen Mitgliedern.
Viele Themen begleiteten mich die Woche bis zum nächsten Meeting - hatte so Einiges zu verarbeiten.

Diese Arbeit an mir selbst mache ich auch heute noch - in diesem Forum z.B. Mir macht es Spaß, immer wieder über die anderen Mitglieder neue Facetten meines Seins zu entdecken.

Dabei ist es egal, was damals alles so passiert ist. Die Zeit ist vorbei. Ich lebe im Jetzt und nehme lediglich meine Erfahrungen von Gestern mit, um heute anders zu reagieren. Die Zeit selbst ist auch verstrichen. Es bringt nichts ihr nach zu trauern, würde ich doch dann wieder im Gestern verweilen.
Die 20 Jahre Suchtausübung sehe ich daher pragmatisch. Ich habe für eine Dienstleistung bezahlt und die habe ich auch bekommen - nur eben nicht so, wie es im ersten Augenblick scheint.

Auch das ausgegebene Geld ist mir nicht wichtig. Klar, ich hätte mein Häuschen direkt bar bezahlen können, anstatt einen Kredit aufzunehmen.
Hätte ich es aber so wert geschätzt, wie ich es heute tue? Im Laufe der letzten 10 Jahre habe ich fleissig gespart und habe mich dafür mit Investitionen in das Häuschen belohnt. Eine Terrasse, ein Gartenhaus, eine elektrische Markise, die Pflasterung der Einfahrt und und und ...

Doch zurück zu Dir ... Bei solch langer Suchtausübung macht es echt keinen Sinn, dies alleine durchzustehen. Unser Wissen besteht nun mal aus den Erfahrungen in unserem Leben. Gerade aber die Erfahrungen, so meine Erfahrung in der Suchthilfe, die wir für die Genesung benötigen, fehlen uns. Die Erfahrungen - nicht die Kompetenzen!
Also macht es Sinn, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder sogar professionelle Hilfe einzufordern und anzunehmen.
Ich selbst war immer zu beschissen mich an die Profis zu wenden, wollte ich doch nicht mit meinen Fehlern konfrontiert werden, sondern sie lieber hinter mir lassen.
Als ich diesen Punkt überwunden hatte, brauchte ich keine Therapie mehr ... ;)
In den letzten Jahren habe ich aber etliche Seminare mitgemacht, an Workshops teilgenommen etc. Da habe ich viele der Profis kennen gelernt und in ihre Arbeitsweisen hineinschuppern dürfen.
Von daher kann ich aufrichtigen Herzens nur empfehlen sich diese Hilfe ruhig zu gönnen - je eher, desdo besser.

Nun hast Du Dich ja im ersten Schritt hier im Forum angemeldet. Das war schon mal ein mutiger und gewagter Schritt.
Doch hier fehlt etwas, was Du hier auch nie bekommen wirst. Es ist der persönliche Kontakt - die Mimik, die Gestik und weitere Körpersprachen.
Gehe daher bitte auch den nächsten Schritt und suche Dir Unterstützung vor Ort.
 
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Spielhalle
« Antwort #3 am: 29 Oktober 2020, 17:07:07 »
Du hast recht werde mich so eine Hilfe holen.

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Offline Ilona

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    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Spielhalle
« Antwort #4 am: 29 Oktober 2020, 17:18:03 »
Herzlich willkommen auch von mir. Hier findest du Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen: https://www.gluecksspielsucht.de/adr/index.php
Du kannst auch die anonyme und kostenfreie Hotline anrufen 0800 077 66 11

Und hier Tagebuch schreiben und jeden Tag oder jede Woche berichten, wie es dir geht, was du dir vorghenommen hast, wie es voran geht etc.

Alles Gute

LG Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

Re: Spielhalle
« Antwort #5 am: 30 Oktober 2020, 15:15:16 »
Heute habe ich mir lange Gedanken  gemacht.ich bin dann rausgegangen und war eine Stunde spazieren.ich musste frische Luft schnappen.in meinem Leben muss sich was verändern.so ein Leben will ich nicht mehr mit Spielerei.ich gehe gleich wieder raus und will noch einmal ein bisschen spazieren und frische Luft atmen.mir persönlich tut das gut.ich will das der Rest meinem Lebens vernünftig abläuft.ich werde weiter berichten .bis danni

*

Wolke

Re: Spielhalle
« Antwort #6 am: 30 Oktober 2020, 19:00:23 »
Hallo Müller,

da durch den erneuten.Lockdown auch wieder die Spielhallen schließen,aber sich die SHGs der Caritas  weiter treffen dürfen,ist das eine große Chance für dich,dass Spielproblem mit Hilfe einer therapeutisch geleiteten Gruppe anzugehen.

Spaziergänge sind gut,um auf den Kopf frei zu bekommen und um Nachzudenken,allerdings brauchst du bessere wirksamere Skills,wenn der Spieldruck kommt.

Wie möchtest du spielfrei bleiben? Hast du dich jemandem anvertraut mit dem du reden und der dich unterstützen kann?

LG Wolke


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Offline Olli

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Re: Spielhalle
« Antwort #7 am: 31 Oktober 2020, 07:01:38 »
Hi Müller!

Zitat
Heute habe ich mir lange Gedanken  gemacht.

Magst Du uns nicht daran teilhaben lassen?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Spielhalle
« Antwort #8 am: 01 November 2020, 12:22:11 »
So heute besuche ich meine Freunde und rede mit denen darüber das ich spielsüchtig bin.Lust oder Druck zum spielen habe ich zur Zeit überhaupt nicht.bis danni

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Wolke

Re: Spielhalle
« Antwort #9 am: 01 November 2020, 20:37:18 »
Hallo Müller,

hast du dich bei deinen Freunden geoutet? Kein leichter Schritt,aber ich hoffe,die Freunde hatten Verständnis und du fühlst dich jetzt besser und erleichtert und du weißt,dass du ab jetzt immer einen zum Reden hast,wenn der Suchtdruck kommt.

Den ersten Schritt hättest du damit gemacht. Kannst stolz auf dich sein.

Jetzt lass weitere Schritte folgen.

Wünsche dir eine ruhige Nacht.

LG Wolke

Re: Spielhalle
« Antwort #10 am: 02 November 2020, 12:56:32 »
Ich habe meinen Freunden alles erzählt.das sind auch wirklich meine besten Freunde die mich nie im Stich gelassen haben.mir geht es heute gut fühle mich erleichtert.suchtdruck habe ich nicht.kein Stück sondern eher ein Hass Gefühl auf die Spielhallen.aber egal alles verdrängen und neu im Leben anfangen.ich werde weiter berichten.

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Somewhere87

Re: Spielhalle
« Antwort #11 am: 02 November 2020, 13:38:39 »
Hi Müller. Wie geht's dir heute ?

Was ist denn nun dein weiterer Plan, deine weitere Vorgehensweise?

Re: Spielhalle
« Antwort #12 am: 02 November 2020, 18:55:24 »
Versuchen normal zu leben und die normalsten Alltäglichen Sachen zu erledigen

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Offline Olli

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Re: Spielhalle
« Antwort #13 am: 02 November 2020, 19:50:08 »
Hi Müller!

Zitat
aber egal alles verdrängen und neu im Leben anfangen.

Du gibst gerade wenig von Dir preis. Doch ich nehme an, Du versuchst "einfach" nur das Spielen sein zu lassen?
Wenn dem so ist, dann bezeichne ich das immer als "nichts tun". Für Dich wirkt es dann selbst nicht so, da Du ja den Verführungen Deiner Gedanken zumindest wiederstehst - und das ist sehr anstrengend.

Ich ziehe mal aus dem Stehgreif einen Vergleich heran: Dein Auto hat keinen Sprit mehr - doch Du weisst es nicht. Also schiebst Du das Auto - Hauptsache, die Reifen bewegen sich und Du kommst von A nach B.

Gerade weil Du schon so lange spielst, besteht die immense Gefahr, dass Du wieder in alte Muster verfällst. Du hast große Teile Deines Lebens nach dem Glückspiel ausgerichtet.
Dein Gehirn hat sich Muster antrainiert und hat dafür gerade keine Alternativen. So wie Du bei dem Auto natürlich erst einmal schaust, was denn da los ist - was die Ursache für das Problem ist, so gehört sich das auch für einen Genesungsweg aus der Spielsucht heraus.
Du darfst jetzt lernen Dich selbst zu entdecken. Klingt abgefahren - oder? "Sich entdecken ..." Tja, so ist es aber tatsächlich. Schon in den Anfängen meiner Abstinenz habe ich in Anlehnung an Star Trek mich als das "unentdeckte Land" bezeichnet. Nicht dass man damit weisse Pflecken auf der Landkarte bezeichnet - in dem SF-Film ist tatsächlich die Zukunft gemeint. Wenn ich das Heute und die Zukunft zu meinen Gunsten gestalten möchte, dann muss ich heute - im Jetzt damit anfangen.

Ich weiss auch, dass dieser Anfang ungemein schwer fällt. Ich selber rede mir ja in Deiner Situation gerade ein, dass ich z.B. in diesem Lebensbereich ein Versager bin.
Darum geht es aber absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Aus meinen Fehlern möchte ich lernen und es im besten Fall bei nächster Gelegenheit besser machen.
Dabei schaue ich auf das, was ich kann - meine Stärken - meine Kompetenzen - und nutze sie.

Spielsucht ist immer ein Symptom eines tiefer liegenden Defizites, sage ich immer. D.h. die reine Suchtausübung einzustellen, behebt nicht das Defizit. Es bleibt bestehen.
Dabei kann ein Defizit alles sein - nicht zwangsläufig eine gewaschene psychische Erkrankung. Nein, es können Kleinigkeiten sein - oder eine Summe von Kleinigkeiten.
Daher ist ein konstantes Arbeiten an sich so wichtig. Du nimmst mit der Zeit immer mehr der Kleinigkeiten aus der Summe heraus.

Fangen wir doch einfach mal mit Deiner Introvertiertheit an. Traue Dich hier im Forum einfach mal aus Dir heraus zu kommen.
Im Grunde kannst Du gar nichts falsch machen dabei. Alles, was Du schreibst, braucht einfach nur authentisch zu sein.
Hier braucht sich keiner verstecken - wir sind ja anonym hier! ;)

Hast Du schon mal über Deine Gefühle geredet? Eventuell nein? Dann hilft ein Tagebuch das Unausgesprochene in geschriebene Worte zu fassen.
Es ist eine gute Übung und Dir wird schnell so Einiges klar werden, wieso Du wann und wo wie reagierst. Daraus folgen dann zwangsläufig kleine Veränderungen, an denen Du sicherlich selbst Gefallen finden wirst.

Sage Dir immer: Ich bin mir wichtig! Und dann handele auch danach! Schaue in die Adressenliste und suche Dir eine SHG.
Wenn Du dort nichts sagen möchtest, dann zwingt Dich auch keiner. Doch gehe dann regelmäßig hin und höre zu.
Versuche zu verstehen und nimm immer nur das mit, was Du entscheidest, was Du gebrauchen kannst.

Es geht hier um Dich alleine! Sei es Dir wert, Dich selbst zu mögen. Dass Du jetzt nämlich die Spielhallen "hasst", ist ein Spiegel, wie Du Dich selbst siehst. Du hast da jemanden gefunden, dem Du eine Schuld zuweisen kannst - emotional. Rational weisst Du ja, dass Dich niemand in eine Spielhalle gezwungen hast.



Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Wolke

Re: Spielhalle
« Antwort #14 am: 02 November 2020, 21:08:50 »
Versuchen normal zu leben und die normalsten Alltäglichen Sachen zu erledigen

Hey Müller,

Olaf hat alles schon gesagt,du musst schon an dir arbeiten,was ändern,ein normales Leben hat du momentan noch nicht. Wenn du rein gar nichts unternimmst,wird der Spieldruck kommen und du weißt dann nicht mit ihm umzugehen,ihm entgegenzuwirken. Du musst lernen die Vorzeichen zu erkennen und zu reagieren. Da muss Routine reinkommen und Achtsamkeit.

Ich arbeite auch an meinem Auslöser für die Spielsucht,durch das Zocken wollte ich meine Trauer,meine Gefühle,Gedanken verdrängen ,mein Leben war sinnlos für mich geworden. Aber durch die  Arbeit in der Therapie an 3 verschiedenen Fronten,habe ich mein Leben und die Sucht wieder in den Griff bekommen. Hat lange gedauert,war und ist viel Arbeit,aber es lohnt sich.

Deine Anmeldung hier und dein Outing bei deinen Freunden waren Schritt Nr. 1 und 2,aber  da sollten noch ein paar Schritte mehr folgen.
Warte nicht zu lange damit,nutze den Schwung,die Energie,die du gerade hast.

LG Wolke

 

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