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Am Boden

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Am Boden
« am: 14 Januar 2021, 03:42:46 »
Am Boden

Diese Zeilen schreibe ich in einem Moment größter Not. Finanzieller Not. Der Umgang mit Geld ist mir leider nicht in die Wiege gelegt. Schon immer habe ich ruinös gewirtschaftet. Dazu kommt die Spielsucht. Sie ist immer mal wieder aktuell. Immer dann, wenn ich die volle Kontrolle über meine finanziellen Mittel habe. In den letzten Jahren war es das immer gleiche Spiel, ich gebe die Kontrolle an meinen Vater und meine Stiefmutter ab, der Kontostand steigt mit der Zeit. Dann finde ich Mittel und Wege wieder zu spielen, und die Kohle ist weg. Zuletzt war ich bei einer Selbsthilfegruppe, man sagte mir dort alleine sei eine Spielsucht nicht zu bewältigen. Also bettelte ich besagte an doch bitte wieder mein Konto zu verwalten. Man gab mir eine letzte Chance. Ich hielt mich an alle Abmachungen und kappte jeden Strohhalm der mir eine Möglichkeit gab zu spielen. Es ging gut. Ein paar Monate. Schließlich ging es darum dass ich mir einen Laptop kaufen wollte. Um das Bezahlverfahren durchzuführen gab mir meine Stiefmutter den PIN für mein Online Banking um ihn nach dem Bezahlvorgang wieder zu ändern. Mit den Worten: „So viel muss ich dir ja vertrauen können“. Kaum 10 Minuten später hatte ich schon wieder 50 Euro eingecasht. Auf die 50 folgten weitere 50 und weitere 100 und weitere 200 und 200 und immer so weiter. Es war an einem Morgen nach einem Nachtdienst. Ich legte mich schlafen und nachdem ich aufgewacht war und wusste dass mein Vater Feierabend hatte rief ich ihn an um die Schande zu gestehen. 2000 Euro waren weg. Die erste Reaktion war, er müsse das jetzt erstmal sacken lassen. 2 Stunden später rief er mich stockwütend an und verkündete mir dass ich meinen Scheiß nun wieder alleine machen solle und dass ihm egal sei was jetzt mit mir ist. Ich nahm das zur Kenntnis. Schließlich legte ich den Hörer auf und was war meine erste paradoxe Reaktion…Zocken, jetzt aber erst recht. Im Verlauf des Abends verzockte ich weitere fast 2000 Euro und bin nun mit meinem Kontostand bei minus 600 angelangt.

An sich ist so ein Kontostand zu bewältigen. Ja ein Großteil der Spielsüchtigen würde wahrscheinlich müde lächeln bei meinen Problemen. Aber ich kenne mich. Und weiß dass ich den Karren weiter gegen die Wand fahren werde. Was soll ich nur machen, ich weiß dass es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht aufhören wird mit dem Spielen. Und ich bin in der Pflicht Verantwortung für mich zu übernehmen. Wäre es nur eine Vermeidung sich mit mir selbst auseinander zu setzen wenn ich mir selbst eine gesetzliche Betreuung für finanzielle Angelegenheiten auferlege? 

*

Offline Olli

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Re: Am Boden
« Antwort #1 am: 14 Januar 2021, 06:30:11 »
Guten Morgen und herzlich willkommen!

Du denkst, Du schreibst aus finanzieller Not? Dabei sagst Du doch selbst, dass die 600 Miese doch leicht zu bewältigen sind.

Nein, Du schreibst, weil Dein Vater, der absolut richtig für sich entschieden hat, Dich verletzt hat.
Gleichzeitig möchtest Du aber einen Ersatz für die Geldkontrolle haben, damit Du nichts ändern musst - so weiter machen kannst, wie bisher.

Verstehe mich bitte richtig ... es wäre ok, Dir einen gerichtlich bestellten Betreuer zuweisen zu lassen. Doch Du musst Dich auch bewegen - körperlich und geistig, sonst bringt das nichts.
Alles, was Du brauchst, um spielfrei zu werden, steckt bereits in Dir. Es muss nur hervor geholt werden. Und wenn Dir da die SHG nicht reicht, dann gönne Dir die Hilfe von Profis. Mache eine Therapie oder zwei oder drei.

Schau Dir mal an, wie kühl Du in Deiner eigentlichen Not schreibst. Du nimmst aus der SHG mit: Alleine sei die Spielsucht nicht zu bewältigen.
Das ist so nicht korrekt. Da draussen gibt es Abertausende so genannte Selbstaussteiger. Du bekommst ihre Existenz bloß nicht mit, weil sie sich eben nicht in das Hilfesystem begeben. Zumindest ansatzweise können sie alleine ihre Kompetenzen abrufen, um Abstinenz zu erreichen und zu halten.
Doch jede Vita verläuft anders. Das Abrufen der Kompetenzen erfolgt, weil die Personen bereits Erfahrungen damit gemacht haben und so Sicherheit im Umgang damit erreicht haben.
Dies lernst Du auch, wenn Dir die Sicherheit fehlt, in einer SHG oder bei der Suchtberatung, den Therapeuten, Psycholgen und Sozialpädagogen.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr - ist nur dann korrekt, wenn Hans sich keine Unterstützung holt und selbst Veränderungen herbeiführen möchte.

Dein Vater hat Dich verletzt - nicht wahr? Was ging Dir da durch den Kopf? Was fühltest Du? Was dachtest Du?
Hast Du weiter gespielt, weil Du tatsächlich spielen wolltest? Oder wolltest Du die Erwartungen erfüllen, die Du denkst, die in Dich gesetzt werden?
Wie sieht Deine Identität aus? In welchen Bereichen bist Du gut und in welchen könntest Du Stellschrauben justieren, ohne perfekt sein zu müssen?

Fühlst Du Bedauern, dass Du Deinen Vater enttäuscht hast? Regt sich hier Dein Gewissen?
Oder überwiegt der Gedanke, dass es doch Dein gutes Recht war zu spielen?

Ich stoppe hier mal, sonst wird es Dir sicher zu viel.

Welche Gedanken gehen Dir gerade durch den Kopf, wo Du meine Antwort liest?
« Letzte Änderung: 14 Januar 2021, 06:35:25 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Am Boden
« Antwort #2 am: 14 Januar 2021, 07:39:49 »
Guten Morgen und zunächst möchte ich mich für die herzliche Aufnahme mit Arschtritt bedanken ;)

Ich bin sehr offen was Rückmeldungen angeht, von demher hättest du ruhig deine Gedanken noch weiter ausformulieren können. Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin kein verhätscheltes Bübchen dass im Leben immer alles in den Arsch geschoben bekommen hat. Ich bin berufstätig und mache nebenbei noch mein Abi nach und bin 26 Jahre alt. Und dass ich die Kompetenzen habe um einen gesunden Umgang mit dem lieben Geld zu erlernen, dessen bin ich mir sicher. Mein therapeutisches Erstgespräch (nicht angeleiert wegen Spielsucht sondern wegen anderen Themen, weil diese ja in der letzten Zeit nicht akut war) hab ich am 20. Januar.

Die Idee mit dem gesetzlichen Betreuer ist aus der Not geboren, weil ich einfach erfahrungsgemäß sagen kann dass ich nicht mit Geld umgehen kann und erst recht mein Spielverhalten nicht kontrollieren kann. Dieses tritt auf aus einer Emotion heraus, die mir gar nicht bewusst ist, und zack sind innerhalb von 24 h einfach mal 4000 Euro weg, so wie eben erst geschehen. Ich war bei der Selbsthilfegruppe, diese empfand ich als sehr dogmatisch und deshalb nicht besonders ansprechend, was hängen geblieben ist, war tatsächlich dass auf meine Aussage "Man muss es doch irgendiwe auch alleine in den Griff bekommen können" die Antwort vom Gruppenleiter folgte "Das schaffst du nicht, du musst die Kontrolle über deine Finanzen abgeben, du solltest mich Geld nichts zu tun haben."

Klar empfinde ich es auch so, dass die Kontrolle aufgeben auch irgendwie eine Kapitulation vor meiner Selbst ist und man kann es vielleicht sogar so deuten dass ich mich einfach nicht mit meinem Problem auseinandersetzen will und deswegen die Verantwortung abgebe. 600 Euro ist keine große Summe das ist klar, aber in anbetracht dessen dass ich eigentlich vorhatte im März das arbeiten aufzuhören um dann Bafög zu erhalten, wodurch ich mich finanziell stark einschränken muss, da auch eine Wohnung und ein Auto finanziert werden muss ist die Miese auf dem Konto für mich nun zum akuten Problem geworden.

Ich hab wahrlich kein Patentrezept. Aber mir erscheint eine gesetzliche Betreuung als Sofortmaßnahme als adäquat, da ich mir selbst erfahrungsgemäß nicht vertrauen kann. Wie es dann in näherer oder fernerer Zukunft aussieht weiß ich jetzt noch nicht abzuschätzen. Natürlich bin ich in der Lage das in den Griff zu bekommen. Aber jetzt im Moment. Nein. Bin ich dazu nicht in der Lage.

Achja...wo du Gedanken und Gefühle ansprichst...Mein Vater hat mich nicht verletzt, vielmehr habe ich ein weiteres mal ihn verletzt und das erst kürzlich aufgebaute Vertrauen meiner Eltern missbraucht.

Beim Lesen deiner Antwort geht mir durch den Kopf: Danke dass du mich so einschätzt als würde ich das selbst in den Griff bekommen können. Und wie gesagt danke für den gut gemeinten Arschtritt. Über Gedanken und Gefühle rede ich dann aber doch lieber mit meinem Psychotherapeuten den ich ja dann bald habe.

Achja meine Identität....Ich sehe mich als eloquente Person die sich nach außen hin gut verkaufen kann. Die bisher aber meist jegliches entgegengebrachtes Vertrauen enttäuscht hat. Ich denke dass ich im Grunde viele Kompetenzen habe, die allerdings erst trainiert werden müssen. Und von nix kommt nix. Das ist klar. Ich denke dass ich Prioritäten setzen noch lernen muss. Denn ich habe mich im letzten Monat mit voller Energie auf ein Projekt gestürzt um Reputation zu erhalten und kriege aber nichtmal meinen Haushalt auf die Reihe.

Einen guten Tag dir und danke für die Antwort.

*

Offline Olli

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Re: Am Boden
« Antwort #3 am: 14 Januar 2021, 12:26:08 »
Hi!

#schluck´# Nein, einen Tritt in den Allerwertesten wollte ich Dir bestimmt nicht verpassen. :)
Wer kennt das nicht ... manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und da ist es dann gut, so mein Empfinden, wenn offen gesprochen wird. Der Rest ist dann eine Sender - Empfänger - Geschichte.

Zitat
Über Gedanken und Gefühle rede ich dann aber doch lieber mit meinem Psychotherapeuten den ich ja dann bald habe.

Das respektiere ich!
Ich möchte Dir aber nahe legen, Deine Spielsucht bei Deinem Therapeuten anzusprechen.
Aus Gesprächen mit mehreren Psychologen weiss ich, dass Komorbiditäten gleichzeitig behandelt werden sollten.

Zitat
Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin kein verhätscheltes Bübchen dass im Leben immer alles in den Arsch geschoben bekommen hat.

Sei Dir versichert ... auf die Idee bin ich gar nicht gekommen ... :)
Bei mir war das nämlich auch nicht so. Habe mit ca. 14 Jahren angefangen meinem Vater zu helfen in seinem Job - neben der Schule.
Zur gleichen Zeit habe ich schon Zeitungen ausgetragen, um ein klein wenig finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.
Nachdem ich meine Lehre gemacht habe, habe auch ich mein Fachabi nachgeholt. Im Job habe ich mich immer wieder engagiert, was denn auch belohnt wurde.
Und doch hing ich mit 18 Jahren am Automaten. Erst langsam, dann immer mehr.
Für mich war das Spielen eine Ersatzhandlung.
Den Grund dafür habe ich erst spät herausgefunden, doch dann konnte ich es ändern.

Noch mal zum Betreuer ... Du bekommst den nicht einfach so, nur weil Du ihn haben möchtest.
Er wird gerichtlich bestellt sein - Du musst also einem Richter darlegen können, wie es um Dich steht.
Dann sollte Dir auch bewusst sein, dass diese Hilfe auch nur temporär sein kann und wird.
Übrigens kenne ich jemanden aus einem anderen Forum, der sich einen Betreuer organisiert hatte.
Er war damit sehr zufrieden und konnte sich in der Zeit gut um seine Genesung kümmern.

Noch mal zur SHG ... Nun, so, wie Du die Aussagen von dort schilderst, haben sie schon einen negativen Touch.
Man kann es aber auch anders formulieren, indem man auf die Vorteile eines wie auch immer gearteten Geldmanagements verweist.
Geld ist nun mal das Suchtmittel. Steht es nicht zur Verfügung, da wirst Du mir sicher zustimmen, entfällt auch das Verlangen nach der Suchtausübung, zumindest wird es deutlich verringert.
Dies bietet die Chance, Dir Werkzeuge zuzulegen - Verhaltens- und Denkweisen zuzulegen, die Dich für kritische Situationen wappnen.
Eine Situation, wie die von Dir geschilderte, hätte, ei entsprechender Vorarbeit, also von Dir im Keime erstickt werden können.
Hier beschreibst Du, dass Du aus einem Gefühl heraus "auf einmal" die Kontrolle verloren hast.
Klar glaube ich Dir, dass Du dies gerade glaubst. Tatsächlich glaube ich aber auch, dass dieser "Rückfall" sich bereits längerfristig angebahnt hat. Nur hast Du die Anzeichen eben nicht er-/gekannt.
Dann kommt hinzu, dass Du tatsächlich noch keine tief in Dir verwurzelte Abstinenzentscheidung getroffen hast. Ich habe das zwar auch immer geglaubt, habe aber erst im Nachgang festgestellt, dass ich tatsächlich nur Pausen eingelegt hatte. In mir war der Wunsch zu spielen also die ganze Zeit präsent.

Zitat
Die Idee mit dem gesetzlichen Betreuer ist aus der Not geboren, weil ich einfach erfahrungsgemäß sagen kann dass ich nicht mit Geld umgehen kann
Siehst Du, daher ist es wichtig, solltest Du einen Betreuer erhalten, den Umgang mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel zu lernen.
Vermutlich hast Du dies nicht versucht, als Deine Eltern Deine Finanzen verwaltet haben?
Dein Betreuer wird Dir hier Aufgaben stellen, die Du aber freiwillig noch ausweiten kannst.
Führst Du schon ein Haushaltsbuch? Nicht nur mit realen Ein- und Ausgaben, sondern auch mit kleinen (als Belohnungen) und größeren Planungen?
"Ich muss sparen, weil ich demnächst Bafög erhalte und Auto und Wohnung bezahlt werden wollen!" - reicht da als Planung nicht.
Wie hoch sind die Ausgaben real? Da das Auto auch variable Kosten hat (Reparaturen), musst Du Dir einen Puffer zulegen ... also auch hier vorplanen.
Es geht nie darum nur zu wissen, sondern sich solche Sachen regelrecht bewusst zu machen. Schließlich setzt Du Dir ja Ziele, die Du motiviert wirst auch zu erreichen.

Zitat
Klar empfinde ich es auch so, dass die Kontrolle aufgeben auch irgendwie eine Kapitulation vor meiner Selbst ist und man kann es vielleicht sogar so deuten dass ich mich einfach nicht mit meinem Problem auseinandersetzen will und deswegen die Verantwortung abgebe.
Das ist eben die Frage! Hast Du die Kontrolle an Deine Eltern abgegeben gehabt, weil Du kapituliert hattest? Oder doch nur, damit Du Dich finanziell nicht in den Ruin spielst? Hat sich da etwas nach dem Vorfall in Dir bewegt/verändert?

Zitat
Achja...wo du Gedanken und Gefühle ansprichst...Mein Vater hat mich nicht verletzt, vielmehr habe ich ein weiteres mal ihn verletzt und das erst kürzlich aufgebaute Vertrauen meiner Eltern missbraucht.
Ich möchte Deinen Eltern nicht zu nahe treten, doch auch sie haben hier einen Teil der Verantwortung (ich rede nicht von Schuld!) zu tragen.
Sie haben Dir vertraut und wollten sicherlich auch Dein Selbstvertrauen stärken. Sie lieben ihren Sohn und wollen nur das Beste für ihn.
Hier muss ich aber ganz klar intervenieren: Einem nicht genesenden Spieler gibt man nicht "einfach so" die Kontogewalt wieder. Das ist fahrlässig.
Das Ende ist vorprogrammiert!
Lege doch bitte auch Deinen Eltern nahe, dass sie sich mit der Glückspielsucht im Allgemeinen näher befassen. Hätten sie dies vorher schon gemacht, wäre die Situation vielleicht nicht entstanden und sie würden sich jetzt keine Vorwürfe machen, geschweige denn Dir. Die Reaktion Deines Vaters spricht hier Bände.
Wenn er sich informiert, dann vorrangig, um selbst, mit der Tatsache ein spielsüchtiges Kind zu haben und mit den Auswirkungen daraus, besser klar zu kommen.
Die Hilfe, die Dir darüber zuteil wird, ist dann nur ein schönes Nebenprodukt.

Warst Du bei den GA oder den Guttemplern? Meine Gruppe war eine GA-Gruppe. Ja, auf den ersten Blick sieht es aus, als gäbe es da Doktrinen.
Das stimmt aber nicht, es erscheint nur so. Tatsächlich musst Du hier auf die Aussagen und Botschaften schauen und herausfinden, was Du daraus für Dich machen kannst. Das wird jedes andere Mitglied der Gruppe dann auch akzeptieren.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Am Boden
« Antwort #4 am: 19 Januar 2021, 19:52:41 »
Ich möchte Deinen Eltern nicht zu nahe treten, doch auch sie haben hier einen Teil der Verantwortung (ich rede nicht von Schuld!) zu tragen.
Sie haben Dir vertraut und wollten sicherlich auch Dein Selbstvertrauen stärken. Sie lieben ihren Sohn und wollen nur das Beste für ihn.
Hier muss ich aber ganz klar intervenieren: Einem nicht genesenden Spieler gibt man nicht "einfach so" die Kontogewalt wieder. Das ist fahrlässig.
Das Ende ist vorprogrammiert!
Lege doch bitte auch Deinen Eltern nahe, dass sie sich mit der Glückspielsucht im Allgemeinen näher befassen. Hätten sie dies vorher schon gemacht, wäre die Situation vielleicht nicht entstanden und sie würden sich jetzt keine Vorwürfe machen, geschweige denn Dir. Die Reaktion Deines Vaters spricht hier Bände.
Wenn er sich informiert, dann vorrangig, um selbst, mit der Tatsache ein spielsüchtiges Kind zu haben und mit den Auswirkungen daraus, besser klar zu kommen.
Die Hilfe, die Dir darüber zuteil wird, ist dann nur ein schönes Nebenprodukt.

Warst Du bei den GA oder den Guttemplern? Meine Gruppe war eine GA-Gruppe. Ja, auf den ersten Blick sieht es aus, als gäbe es da Doktrinen.
Das stimmt aber nicht, es erscheint nur so. Tatsächlich musst Du hier auf die Aussagen und Botschaften schauen und herausfinden, was Du daraus für Dich machen kannst. Das wird jedes andere Mitglied der Gruppe dann auch akzeptieren.

Die Frage sollte doch eher sein, ob die Eltern überhaupt das Bewusstsein dazu haben, was ein Glücksspielsüchtiger ist. Das Wissen, wie sich diese Form der Sucht ausdrückt und welche Problematiken dabei einhergehen. Du vorverurteilst das Handeln seiner Eltern ohne zu wissen, aus welchem Hintergrundwissen sie sich dazu entschieden haben, ihm die Gewalt an seinem eigenen Konto wiederzugeben. Immerhin ist er volljährig, voll geschäftsfähig und erwachsen. Wenn auch er leider einer noch recht gesellschaftlich unbewussten Sucht erkrankt zu sein schein sollte.

Klar ist ein solches Handeln fahrlässig, die Auswirkung auch meistens vorprogrammiert, aber welche Vorwürfe kann man einer Generation machen, die nix mit der Situation von heute zu tun hat? Die für 10cent langweilige Knöpfe an großen blinkenden Geräten in zumeist Schnellrestaurants gesetzt haben, die aber meist nur die Wartezeit überbrückt haben, die aufgrund der Zubereitung der Speisen nötig war? Da ging es ja nicht um das generieren von großen Gewinnen jenseits der 1K, sondern vom Einsetzen des Restgeld nach bezahlen der Bestellung, um vielleicht mit ein paar Freispiele mit etwas Glück die Kosten der Bestellung zurückzugewinnen.
Da ging es um Beträge von 20 Mark.

Dazu kommt, das es doch auch in der Natur von Eltern liegt, sein eigens Kind großzuziehen und spätestens ab der Volljährigkeit Eigenverantwortlichkeit zu übergeben. Man will dass das Kind Selbstständigkeit erlernt, selbst wenn man im Laufe der Zeit danach kurzzeitig interveniert weil man z.B. finanzielle Fehlentscheidungen erkennt. Es muss doch irgendwann auch der Zeitpunkt kommen wo man diese Zügel wieder loslassen kann, ohne das man vorher Psychologie studieren muss.

@Trumpf,
lass dich sperren in allen bisher registrierten Casinos.
Geh zu deiner Bank und lass dich für das Online Banking sperren. Sodass diese Optionen wie Sofortüberweisung/Trustly, die sofort Spielgeld auf dem Casinokonto ermöglichen, gar nicht mehr erst möglich sind.

Und vor allem sieh dir deine Umsätze an, rechne alle Ein- und Auszahlungen aus und trage sie in eine Tabelle ein. Drucke sie dir am besten auch aus.

Und dann frage dich, angesichts der Zahlen, welchen Spaß dir das Glücksspiel überhaupt bringt

*

Offline Olli

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Re: Am Boden
« Antwort #5 am: 19 Januar 2021, 21:17:52 »
Hi Dennis!

Zitat
Die Frage sollte doch eher sein, ob die Eltern überhaupt das Bewusstsein dazu haben, was ein Glücksspielsüchtiger ist. Das Wissen, wie sich diese Form der Sucht ausdrückt und welche Problematiken dabei einhergehen.

Naja ... das ist ja mein Reden, nur in Deinen Worten ausgedrückt. Daher finde ich wichtig, sich für ihn und für sich selbst sich zu informieren.
Habe ja auch extra betont, dass ich nicht von Schuld rede, sondern von Verantwortung.

Zitat
aber welche Vorwürfe kann man einer Generation machen, die nix mit der Situation von heute zu tun hat?
Das ist mir ehrlich gesagt zu einfach. Wir alle leben nämlich nicht im Gestern, sondern im Heute. Und heute ist das Thema Glückspielsucht immer wieder präsent in den Medien. Trotzdem folge ich im Großen und Ganzen Deiner Argumentation.
Ändert aber Unwissenheit etwas an der Verantwortung? Puh ... ich glaube, wenn wir uns darüber nun austauschen, sprengt das den Thread. Aber es ist schon eine interessante Frage ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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Re: Am Boden
« Antwort #6 am: 22 Januar 2021, 16:47:15 »
Hallo Jason,

schreibe hier ruhig hinein ins Forum, es wird gelesen, da kannst Du sicher sein!

Herzlich Willkommen.
Was mich besonders anrührt an Deiner Situation, ist Deine Ex - Freundin... Kenne ich auch das Thema,
auch ich habe eine Ex - Frau, - und o Wunder, ich habe mir für sie den Axsch aufgerissen, für sie alles getan, nur recht machen konnte ich es mir und auch ihr nicht!.

Gestern habe ich meinem Psychologen den medizinischen Befund meiner Geschiedenen genannt, und dann das Strickmuster, das mich durch mein Leben, seit meiner Kindheit begleitet: ich werde mir immer Frauen suchen, die sehr schwere psychische Erkrankungen haben. Bei mir ist es meine Mutter, sie ist die Mutter meiner Süchte, und ich fühlte mich für sie verantwortlich, als Sohn wohlgemerkt!

Die Lieben Kumpels haben mich in die Kneipe gelockt, Billard, Krökeln, Würfelspiele, immer um Bier und Schnaps, bis zum umfallen. In der Spielhalle habe ich meine Ruhe gefunden, ich war mit den Automaten verheiratet, was für ein Blech!

Deine Geschichte könnte und sollte vorangig mehr Platz einnehmen. Schreiben sortiert bei mir meine Gedanken, und bringt meine Gefühlswelt wieder auf die Schiene.

Du schreibst von Online - Casinos? Kommst Du aus Schleswig Holstein, aus La Valetta,, Malta,  und hast Du in den Ländern persönliche ID - Adressen angelegt?
Lese Dich bein Reiz auf einen Klick in die Online - Casino - Welt hier einfach einmal durch, stell Dir einen Eimer unter den Tisch, und schaue, ob es abschreckenderes gibt?

Jetzt bist Du hier angemeldet, jetzt geht es nach vorne los!. Als ich 30 Jahre alt war, hatte ich Depressionen, eben keine Freundin, keinen Sex, der Alkohol war im Eimer, und die Spielstätte mein Zuhause. Als ich wieder aufwachte, war ich 37 Jahre alt,
bitte - fange früher an zu Leben.

Du bist es Wert.

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

*

Offline andreasg

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Re: Am Boden
« Antwort #7 am: 22 Januar 2021, 16:48:49 »
Hallo Jason,

was sagt Dein Nickname aus, magst Du erzählen, was ist Trumpf?

https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php/topic,2765.75.html

 ::) 8)
« Letzte Änderung: 22 Januar 2021, 16:50:35 von andreasg »
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Am Boden
« Antwort #8 am: 23 Januar 2021, 02:50:20 »
Hi Dennis!

Zitat
Die Frage sollte doch eher sein, ob die Eltern überhaupt das Bewusstsein dazu haben, was ein Glücksspielsüchtiger ist. Das Wissen, wie sich diese Form der Sucht ausdrückt und welche Problematiken dabei einhergehen.

Naja ... das ist ja mein Reden, nur in Deinen Worten ausgedrückt. Daher finde ich wichtig, sich für ihn und für sich selbst sich zu informieren.
Habe ja auch extra betont, dass ich nicht von Schuld rede, sondern von Verantwortung.

Zitat
aber welche Vorwürfe kann man einer Generation machen, die nix mit der Situation von heute zu tun hat?
Das ist mir ehrlich gesagt zu einfach. Wir alle leben nämlich nicht im Gestern, sondern im Heute. Und heute ist das Thema Glückspielsucht immer wieder präsent in den Medien. Trotzdem folge ich im Großen und Ganzen Deiner Argumentation.
Ändert aber Unwissenheit etwas an der Verantwortung? Puh ... ich glaube, wenn wir uns darüber nun austauschen, sprengt das den Thread. Aber es ist schon eine interessante Frage ...

Verantwortung hat man aber meiner Meinung nach erst dann, wenn einem die (Sucht) Probleme seines Kindes bewusst geworden sind, dies aber trotz "sehenden Auges" bewusst ignoriert.

Ich kann mich gut an einer Situation Mitte vorletzten Jahres erinnern. Mein Vater erfuhr von einem Gerichtstermin. Ich sagte ihm, das es hier um Forderungen gegen mich im Zusammenhang mit Glücksspiel geht. Er erschien für mich sehr überraschend damals zum mündlichen Termin (Hier lässt sich immerhin eine (für mich übrigens damals unangenehme) Verantwortung erkennen)

Am Ende war er aber total verwirrt und irritiert, er verstand nicht das es hier um ein Forderung aus einem Kreditkartenvertrag ging. Der dachte damals ernsthaft, ich hätte einen Walzenspielautomaten aus irgendeinem Imbiss aufgebrochen und das Geld ergaunert.

 

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