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Mein Tagebuch Anthrazit

Begonnen von Anthrazit80, 07 Mai 2021, 10:12:42

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Moin,

@Anthrazit : ja,wir wachsen mit unseren Problemen und bekommen sie gut in den Griff. Aber ein bisschen Stolz dürfen wir trotzdem mal kurz sein,wenn wir zurück blicken.

@Roy: schön ,dass du wieder da bist

LG Wolke

Hallo!

Und wieder sind ein paar Monate verstrichen. Gerade musste ich wieder an mein Tagebuch denken.

Alles läuft gut und spielfrei. Die wirtschaftliche Lage spürt man im Job, man muss gefühlt mehr arbeiten für das selbe Ergebnis, aber so ist das.

Ich habe schon im letzten Jahr auch eine Verhaltenstherapie angefangen (nicht wegen der Suchtproblematik), aber das nur am Rande.

Ich entwickle mich weiter und versuche zu wachsen.

Noch dazu ist ja nun endlich der Frühling eingekehrt :)

Soweit so gut. Alles Gute euch!

Hallo Anthazit,

ändert sich das Verhlten nicht in der Spielabstinenz, oder ist es ein Einüben der neuen Realität in der Abstinenz? Ich finde das sehr interessant,

Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Spielabstinenz

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Hallo Andreas!

Ja, das Verhalten ändert sich auch in der Abstinenz. Aber die Therapie hat nichts mit meinem Suchtverhalten zu tun. Die mache ich aus anderen Gründen. Ich möchte da aber nicht zu tief drauf eingehen.

Alles Liebe

Aber genau diese anderen Gründe könnten der Auslöser für die Sucht gewesen sein und so nimmst du dir den Grundstein des Zockens selbst weg und das ist gut. So wächst man und lernt viel über sich selbst und lernt ein anderes Verhalten .

LG Wolke

Ich bin kein Psychologe oder Psychiater. Ich weiß nicht, ob das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Du bist der Experte deiner Probleme/Krankheiten und deines Körpers, du wirst merken ,was dir gut tut und was hilft. Du wirst wachsen ,dich weiterentwickeln.

Es ist schön zu lesen ,wie du auf dich achtest und dir Hilfe suchst und annimmst . Du wirst dein Leben wieder langsam in den Griff bekommen und alles wieder genießen und es mit anderen und  dankbaren Augen sehen. Klasse!!

LG Wolke

Hallo!

Jetzt hab ich ja wieder etwas länger nichts geschrieben. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Ich bin weiter spielfrei. Ich habe mittlerweile auch sehr stark gefestigte Mechanismen und eine Aversion entwickelt.

Ich bin erfolgreich im Job, man kann sagen: es läuft!

Ich bekomme weiterhin SMS Werbung und E-Mail Spam von Casinos, aber es juckt mich nicht. Es nervt eigentlich, dass persönliche Daten einfach weitergegeben werden.

Das war's für heute auch erstmal wieder. Ich trinke jetzt Kaffee und schaue mal, was hier im Forum so los war die letzten Monate :)

Hallo zusammen,

ich melde mich nach ein paar Monaten wieder. Mein letzter Eintrag im September klang sehr positiv, fast schon zu glatt. Im Job lief es, die Spielfreiheit stand (und steht!), aber hinter der Fassade des ,,erfolgreichen, abstinenten Machers" ist am 30.12. alles zusammengebrochen. (eigentlich schon vor Weihnachten)

Spoiler: es hat nichts mit GS zu tun, aber ich finde, dass auch dieses neue Kapitel hier in meine Tagebuch gehört.

Ich habe schmerzhaft lernen müssen, dass Spielfreiheit allein nicht reicht, wenn man sich in eine neue Abhängigkeit flüchtet – eine emotionale. Ich habe damals einfach geheiratet und war so naiv und dachte es wird schon wunderbar und happpy werden. Pustekuchen!

Ich stecke gerade mitten in der Trennung von meiner Frau nach 5 Jahren Ehe. Wir haben das erstmal alles einvernehmlich geregelt und ich habe aber gemerkt, dass es purer Stress ist, getrennt in einer gemeinsamen Wohnung zu leben, und bin jetzt ausgezogen. Eigentlich haben wir beide endlich einmal konsequent das ausgesprochen und manifestiert, was uns beide schon länger umtrieben hat.

Ich habe versucht, eine psychisch instabile Partnerin zu retten, habe mich finanziell und emotional komplett verausgabt und dabei mich selbst und meine Grenzen völlig verloren. Ich habe die Intensität und das Drama der Beziehung als Ersatz für den ,,Kick" benutzt und bin dabei fast zerstört worden (physisch und psychisch). Ich habe mein Tagebuch hier einmal analysiert und auch da liest man, dass ich meine Frau und die Ehe immer nur mal am Rande erwähnt habe. Ich war ein Verdränger.

Der 30.12. war mein persönlicher Notausstieg. Ich bin geflohen, mit nichts als meinem Hund und einer Tasche. Mein Blutdruck war bei 180, mein System am Ende.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich gelernt habe, dass Schweigen mein größter Feind ist. Ich dachte, ich müsste in der Verhaltenstherapie (die mache ich schon 1 Jahr und hat nix mit GS Sucht zu tun) und hier im Forum nur über die Sucht reden, aber die Wurzeln liegen tiefer – in dem Wunsch, gebraucht zu werden, im Retter-Modus und in der Angst vor der inneren Stille.

Ich bin jetzt bei meinem Vater untergekommen. Ich bin erschöpft, ich fühle mich gebrochen, aber ich bin zum ersten Mal seit Jahren wieder ,,wach".

Ich bin gerade in einer krassen Situation und in einer emotionalen Ausnahmesituation, aber es fühlt sich zumindest gut und befreiend an, dass ich mich nun vielleicht wirklich so sehen kann, wie ich wirklich bin und das ich endlich über meine Gefühle sprechen kann.

Danke fürs Zuhören. Es tut gut, die Maske auch hier endlich fallen zu lassen.

Alles Liebe, Anthrazit

#159
Lieber Anthrazit,

erst mal
Alles Gute für 2026 und vielen Dank für Deine Offenheit und alle Achtung für das, was Du in 2025 so alles geleistet hast und welche Einsichten Du getroffen hast, welches Fazit gezogen ...

Mir ist das gut bekannt. Und auch ich habe erlebt und erkannt, dass Suchtverhalten sich auch in Helfersyndromen Raum suchen kann, sogar als erstes sucht. Deshalb ist es immer ein Tanz auf dem Rasiermesser, die Waage zu finden. Klar sieht es erst mal gut aus, wenn jemand auf die rechte Seite wechselt (recht=richtig, harmlos, wohlwollend und weitab vom ehemaligen Suchtverhalten).
Da die Sucht allerdings nichts von der Person Abgespaltenes ist, findet meist nur ein Wechsel statt, wie auch andere Suchtverhalten.
Von daher ist eine Vermeidung des süchtigen Verhaltens nicht die Lösung - Psychotherapie/-analyse ist weitaus intensiver und erkenntnisreicher, wenn auch teils schmerzlich, aaaber: nachhaltiger.
Arbeiten müssen wir allerdings lebenslang bzw. achtsam sein und unser Verhalten hinterfragen, auch unsere Gedanken.
Ich war auch mal abhängig, mal co-abhängig, das ging hin und her, und das eine zulasten des anderen. Oder zugunsten. Eine Frage der Perspektive.
Beides schlaucht natürlich.
Die Mitte zu finden ist die große Aufgabe, und die Suche beginnt bei Offenheit, Achtsamkeit und Authen-tizität. Klar ist das schwieriger für jeden, weil es auch eine Frage der Anpassung ist an das Erwartete.
Und an das Erlernte.
Eigentlich ein 'Rattenschwanz' an Aufgabe.
Das Gute ist daran: Durch die Suchtstruktur können wir die Aufmerksamkeit bewusster auf diese Mechanismen richten (wenn wir denn wollen), weil es ganz deutlich erkennbar wird für uns, dass da was schiefgelaufen ist. Und da wir nicht ewig sind, wollen wir doch so frei wie möglich leben ... wenn wir uns das trauen (davor haben ja doch auch viele Menschen Angst).

Liebe Grüße und alles Gute und eine gute Zeit Dir,
Rubbel
--Meist ist Geist geil--

Hallo Anthazit,

auch ich kann Deine Situation, und Deine Gefühle, und Dein Handeln gut verstehen. Ich habe 1993/1994 , (also 3 - 4 Jahre Spielabstinenz), meine damalige Frau kennengelernt, 1996 sind wir zusameengezogen, 1998 geheiratet, 2002 die Trennung, die Scheidung, und 2003 war ich in der Psychosomatischen Klinik.
Es ist müßig aufzuschreiben, wie ihre Befunde waren, was mir das Aushalten in der Ehe für Energie kostete, wie sehr ich mir den ..... aufgerissen habe, alles gerecht zu machen, und ihre Projektionen auf ihren Vater  an meine Adresse auszuhalten.
Ich war zwanghaft in meiner Ehe, habe Spritzen vom Psychiater erhalten, ich habe mich in Süchte, vor allem in das zwanghafte Essverhalten gestürzt, als Fluchtweg aus der Tyrannerei.

der Ehe. Aber, sie war ein Mensch, sie war die Frau, die mich liebte, mir Liebesgaben, Liebesbezeugungen gab, und dafür gab ich alles, mein eigenes Selbstbild hin. In der Klinik angekommen hatten viele Frauen vor mir Angst, und haben diese auch benannt. Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben, aber die Therapie hat mich völlig durchgerüttelt, so daß ich als "anderer Mensch" wieder nach Hause kam. Eine lange Geschichte , ich hielt ha viel aus, durch die Versteinerung in meiner Spielsucht. Diese Felsen mußten erst einmal abbröckeln, und danach konnte ich mich zeigen.
Ich habe seit der Zeit nicht mehr nach einer Liebesbeziehung gestebt, mir wu´rde deutlich, daß ich in der Beziehungssucht gefangen bin.

Mich macht das gerade traurig, es gab ja auch viele gute Seiten, z.B. im Bereich der Kunst, der Musik. Für mich ist das kein Ende des Schreckens ohne Ende, ich kann es einfach nur loslassen. Babei ist das Wort "einfach" das zuschwert umzusetzende.

Es gibt immer einen Weg

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Hallo Rubbel, Hallo Andreas!

Danke für eure starken Worte und das ihr euch die Zeit genommen habt, mir so zu antworten.

Ich habe es eben kurz einmal gelesen und werde es später nochmal tun.

Ich weiß das sehr zu schätzen!

Hallo!

Seit dem 18.12. befinde ich mich in einer emotionalen und körperlichen Ausnahmesituation.

Seit dem 30.12. lebe ich in einer anderen Stadt nur mit dem Nötigsten in einem Zimmer im Haus meines Vater. Die schlimmsten psychischen (Panikattacken) und körperlichen Symptome habe ich denke ich hinter mir, aber weiß was noch kommt.

Ich habe alle Apps vom Handy gelöscht, höre keine Musik, keine Videos, kaum Nachrichten. Ich bin nur mit mir selbst.

Die Trennung war eigentlich nur Abschluss eines Multi-System Burnouts. Über Jahre habe ich eine Rolle gespielt, die ich nie anders gelernt habe (Kindheitstrauma durch emotional unreife Eltern). Ich habe eine massive Idenitätskrise, Trennungsschmerzen und bin gerade erstmal dabei zu verstehen ,,Wer bin ich überhaupt?"

Ich habe verstanden, dass meine Suchtaffinität (Alkohol und GS aber auch soziale Medien) nichts weiter war als der verzweifelte Drang meines Gehirns an Dopamin zu kommen. Ich habe faktisch auch nie gelernt glücklich zu sein. Ich habe über 2 Jahrzehnte einfach nur ,,funktioniert".

Auf der einen Seite bin ich froh, dass es endlich vorbei ist. Auf der anderen Seite ist dies die schlimmste Krise meines Lebens.

Ich bin erstmal 2 Wichen krankgeschrieben und sehe meine Therapeutin nächste Woche.

Vielleicht hier auch zum Thema Suchterkrankung interessant: Die Dopaminsucht

Lieber Anthrazit  :)

wie weit ist es denn eigentlich vom Haus Deines Vaters bis zu Deiner Arbeit und wieviele km bist Du von der ehem Wohnung entfernt, und wie weit von Deiner Therapiepraxis?? Fährst Du immer mit dem Auto?

Für das Glück, von dem ich persönlich nicht recht glaube, dass es als solches erlernbar ist, nur aus dem Innersten heraus, wenn überhaupt ... also das Gücklichfühlen ... hab ich vorhin durch Deinen Post nach nem Buch gesucht: Bertrand Russell's *Eroberung des Glücks*, was ich Dir leihen oder schenken könnte (darin ist allerdings ne Widmung für mich) oder Du kaufst es Dir. Taschenbuch, ISBN 3-518-36889-3, Suhrkamp-Verlag, so steht's hier. Wie gesagt, Du kannst auch meines haben erst. Dafür PN.
Irgendwo fliegt auch noch das Buch *Aussöhnung mit dem Inneren Kind* hier rum, hab nicht danach gesucht jetzt ...
Was ich Dir sonst noch empfehlen möchte:
--Sprich mit Deinem Vater über alles, von dem Du annimmst, dass er es ehrlich beantwortet, z.B. wie Du als Kind warst - was Dir am meisten Spaß gemacht hat, Du gerne gegessen u. getrunken, womit Du gerne gespielt hast - evtl. sowas.
-- Lass' Deine Schilddrüsenwerte messen und sowieso ein Blutbild anfertigen.
-- Geh raus ... wenn nicht tags, dann geh im Dunkeln durch die evtl. Einkaufsstraßen, bunte Lichter tanken
-- Hol Dir was 'Unvernünftiges' - Lego oder so ...
-- Spielen Dein Vater oder Du 'Schach'? Dann tut's. Baut eine neue Beziehung auf oder erweitert Eure.
-- Wie sieht es, wenn Du Radio etc. gerade nicht magst, mit Klassik aus?
-- Wenn Du gern liest ... lies
-- Wenn Du gern schwimmst ... schwimm
-- Guck im Netz nach Yogaübungen oder kauf ein Buch darüber
Was ich sagen will: Verwöhn Dich jetzt, ruhig auch übertrieben wenn Du magst.

Wovon ich Dir abrate:
-- versteig' Dich nicht ins Grübeln. Das zieht Dich nur runter, das zieht jeden runter
-- Such keine Selbstdiagnosen(, vertrau stattdessen auf die Therapiesitzungen)
-- Klag' Dich nicht selbst an, auch wenn möglich, Andere nicht.
-- Frag Dich nicht, was Du alles falsch gemacht hast oder sowas Blödes
-- Besauf Dich nicht ;) --- und betäub Dich nicht anderweitig

DU BIST WICHTIG

Liebe Grüße
Rubbel
--Meist ist Geist geil--


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