Unterstützen Sie unsere Arbeit Jetzt spenden!
Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

Kinderwunsch und Freund spielsüchtig

  • 15 Antworten
  • 969 Aufrufe
Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« am: 12 Mai 2021, 23:31:04 »
Hallo liebe Forum Nutzer,

ich brauche dringend euren Rat. Ich bin 21 Jahre alt und studiere Lehramt. Mein Freund ist seid 4 Jahren spielsüchtig. Er macht eine Ausbildung und hat einen strukturierten Alltag. Wir wohnen schon seid über 2 Jahren zusammen. Er hat schon mehrere Therapien abgeschlossen. Leider hat noch keine Therapie wirklich geholfen. Ich hab das Gefühl es wird besser und er macht Fortschritte. Er hat früher fast täglich viel Geld in Sportwetten verloren. Jetzt wird er ca. ein mal im Monat rückfällig. Wir verstehen uns sehr gut. Leider steht das Thema immer wieder im Vordergrund und belastet unsere Beziehung sehr. Mein Freund wird schnell aggressiv und er leidet an heftigen Stimmungsschwankungen. Sein Tonfall ist meistens unangebracht. Im großen und ganzen Liebe ich ihn aber sehr und wir kommen sehr gut miteinander klar. Wir haben die selben Interessen und Hobbys, die gleichen Vorstellung von der Zukunft und wir können viel miteinander lachen.

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema, dass mir sehr sehr wichtig ist. Ich habe schon lange einen GROßEN Kinderwunsch. Wir plane schon seid über einem Jahr in meinem Studium unser erstes Kind zu bekommen. Ich spreche oft mit meinem Freund über meinen Kinderwunsch. So früh ein Kind zu bekommen steht bei meinem Freund zwar nicht an erster Stelle aber er sagt immer wieder, dass er den Vorschlag nicht abwegig findet und dass er sich ein Kind vorstellen kann. Mein Verstand sagt mir immer wieder, dass ich keine Familie mit einem Mann gründen sollte der Spielsüchtig ist. Auch Freunde und Familie sagen mir immer wieder dass ich mir das ganz genau überlegen soll ob ich mein ganzen Leben lang mit einem Suchtkranken Mann verbringen möchte. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass er das mit der Krankheit schon irgendwie hin bekommt. Ich habe zwar einige Zweifel aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ist es verantwortungslos eine Familie mit einem Suchtkrankenmann zu gründen?
Muss ich mein ganzes Leben lang Angst haben ob er nochmal rückfällig wird, wenn er es einmal geschafft hat? (Wie hoch ist die Rückallquote?)
Ist unser Kind dann auch suchtgefärdet?
Kann ich ihm jemals wieder Vertrauen?
Kommen die Aggressionen und Verhaltensauffälligkeiten von der Sucht und wird es danach besser?
Kann die Sucht durch die Verantwortung mit einem Kind vielleicht besser werden?
Und sollte ich meinen Traum lieber zurückstellen und auf meinen Freund warten bis er stabil ist oder sollte ich auf meinen Wunsch hören?
Sollte ich mich lieber trennen und einen andern Suchen (so blöd es auch klingt)?
...

Ich kann mir ein leben mit meinem Freund richtig gut vorstellen, wäre da nicht die blöde Spielsucht. Man sagt ja, dass es nie den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen gibt.

Über jeden guten Rat oder eine Meinung wäre ich sehr dankbar.

LG Emma
« Letzte Änderung: 12 Mai 2021, 23:53:32 von emma22 »

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #1 am: 13 Mai 2021, 00:31:09 »
Hallo Emma,

Die Spielsuchterkrankung Deines Freundes lasse ich mal komplett außen vor. Welcher Partner/potenzielle Vater ist schon ohne persönliche oder andere Probleme. Ob da eine Sache “schlimmer” ist als eine andere, kann und mag ich nicht bewerten.

Du bist 21 Jahre alt und hast offenbar einen ziemlich drängenden Kinderwunsch. Ketzerische Frage: Wieso? Bei Dir tickt noch keine biologische Uhr. Was erhoffst Du Dir an möglicher positiver Veränderung Deines Lebens mit einem Kind? Was könnte sich durch das Muttersein zum Nachteil entwickeln? Bitte versuch ehrlich Dir selbst gegenüber zu sein.

Ich schreibe das natürlich aus subjektiver Sicht – die eine komplett andere als Deine zum Thema Kinder bekommen ist. Die Entscheidung für ein Kind (oder auch dagegen, jetzt oder später) wird Dich den Rest Deines Lebens begleiten und Deinen Weg beeinflussen. Fühlst Du Dich für eine solch weitreichende Entscheidung gefestigt genug?

VG
Cecilia (gewählt kinderfrei)

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #2 am: 13 Mai 2021, 01:43:34 »
Zitat
Ist unser Kind dann auch suchtgefärdet?

- In meiner Familie sind viele Alkoholiker. Bei mir ist es die Spielsucht.
Ob es einen Zusammenhang gibt? Könnt durchaus sein.

Zitat
Kann ich ihm jemals wieder Vertrauen?

- Jaein

Zitat
Kommen die Aggressionen und Verhaltensauffälligkeiten von der Sucht und wird es danach besser?

- Aggressionen sind ganz normal, gerade in den ersten Monaten in den man Spielfrei ist.
Ich selbst fühle mich ultra gereizt, wenn ich Impulse bekomme zu spielen.

Zitat
Kann die Sucht durch die Verantwortung mit einem Kind vielleicht besser werden?

- Das Kind wird denke ich nicht viel ändern. (Abhängig von der Person).

Zitat
Und sollte ich meinen Traum lieber zurückstellen und auf meinen Freund warten bis er stabil ist oder sollte ich auf meinen Wunsch hören?
- Ja abwarten, viele Spieler sind selbstmordgefährdet as fuck, willst du dein Kind nachher allein erziehen, falls bei ihm ein Schalter umlegt und er doch den "einfachen weg" nimmt?

Zitat
Sollte ich mich lieber trennen und einen andern Suchen (so blöd es auch klingt)?
- Hier denke ich, dass du ihn helfen solltest.
- Versuch ihn hier rein zu locken, einige unserer Geschichten lesen und vielleicht bewegt sich was in ihm.

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #3 am: 13 Mai 2021, 10:29:32 »
Ist es verantwortungslos eine Familie mit einem Suchtkrankenmann zu gründen?

Würdest Du mit einen Alkoholiker oder mit einen Drogensüchtiger eine Familie gründen? 
Denkst Du tatsächlich das ein Spielsüchtiger - nur weil seine Umgebung ihm seine Sucht nicht ansiehst - der bessere Süchtige ist bzw. mehr geeignet ist (wie die oberen beiden) um ein Familie zu gründen?

Weißt/wusstest Du das Spielsucht ein fortschreitende Krankheit ist (immer schlimmer wird!) und mit 100%iger Sicherheit deine Liebe zu ihm, aber auch kein Kind daran etwas ändern wird?   

Ferner hast Du geschrieben das Dein Freund eine aggressive Ader hat.
Mag sein das ich bedingt durchs ewige verlieren nicht immer bester Laune war, allerdings war ich Anderer gegenüber und erst recht gegenüber meine Familie nie aggressiv.
Das wäre dann eine Charaktereigenschaft mit der Du,  -und eventuell auch Dein Kind leben müsstest!

Und sollte ich meinen Traum lieber zurückstellen und auf meinen Freund warten bis er stabil ist oder sollte ich auf meinen Wunsch hören?

Auf Deinen Wunsch zu hören wäre solange Dein Freund nicht Stabil - und sofern noch nicht der Aufrichtige Wunsch besteht tatsächlich Spielfrei zu sein und zu bleiben- sehr egoistisch.

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #4 am: 13 Mai 2021, 13:43:36 »
Hallo Emma, höre auf deine Intuition, sie irrt nie....
Ich bin mit 22 das erste Mal Mutter geworden, mein Mann war damals noch nicht spielsüchtig, zumindest nicht so das ich es als krank angesehen habe. Er hat aber ab und zu gespielt.
Eine Frage solltest du dir stellen, bist du bereit das Kind zur Not auch alleine zu versorgen? Bei mir ist es so das mein Mann zwar anwesend ist aber nicht wirklich da, weil er im online casino Sorgen muss dass sein Gehalt nicht womöglich auf dem Konto " verdirbt" . Alle Arbeit mit Kindern und Haushalt bleibt an mir hängen. Dann gibt es auch Tage ( meist wo das Gehalt aufgebraucht ist) bei denen er sich bemüht allerdings von mir erwartet wird ( ungesagt, darüber redet er nicht) das ich dann finanziere wenn wir was unternehmen. Generell muss du dich darauf einstellen immer einen Plan B zu haben weil die Suchtentwicklung nicht vorhersehrbar ist.
Bei uns war es so das er sich auch Kinder gewünscht hat, aber als die Anfangseuphorie verfolgen ist, er keine Lust mehr auf "Gespräche über Kinder und Schule" hätte mir auch noch vorgeworfen hat, das es keine Themen ausser Kinder und Familie gibt. Er musste zum Automatenspielen gehen weil wir uns ja nur noch mit Familien treffen und die Kinder den Tagesablauf zum grössten Teil bestimmten. Er hat sich dann ganz bewusst Kollegen gesucht die keine Kinder haben, mit denen mal ins Casino abends gehen kann und die ihn in die Welt der Sportwetten eingeführt haben.
Ich erzähle dir das alles weil ich seit Jahren in diesem Zustand lebe. Meine Kinder würde ich um nichts hergeben, es ist aber sicher auch so das ich mit ihm nur noch wegen den Kindern zusammen bin.
Deine Entscheidung wirst du sicher richtig treffen, ich finde es auch gut das du dir vorher schon Gedanken machst.
Klar niemand ist fehlerfrei, auch jemand der nicht suchtkrank ist ist nicht automatisch ein guter Vater und Ehemann. Ich will hiermit sagen das du durch die Sucht viele Aufgaben selbst übernehmen musst und er sich womöglich nicht um deine Belange kümmern wird wie du es verdienst.

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #5 am: 13 Mai 2021, 14:14:27 »
Weißt/wusstest Du das Spielsucht ein fortschreitende Krankheit ist (immer schlimmer wird!) und mit 100%iger Sicherheit deine Liebe zu ihm, aber auch kein Kind daran etwas ändern wird?   

Ich finde solche Aussagen sehr gewagt. Denn oft sind es doch die positiv-neuen Veränderungen im Leben- die dazu führen (können), das man mit eigenen Suchtproblemen anfängt anders umzugehen. Ich glaube sogar behaupten zu können, dass das Verändern von Lebens - Situationen die so eine schöne Verantwortung mit sich führen für jeden Suchtkranken die beste Selbsttherapie ist.

Es ist sicherlich auch individuell zu betrachten, vor allem ob noch andere Suchtprobleme wie Alkohol und Drogen eine Rolle spielen. Aber wenn sich der Fokus und die Ausschüttung von Dopamin des Gehirns neu auf etwas anderes ausrichtet, warum sollte dies nicht Wirkung erzeugen? Mein Dad, da möchte ich mal aus eigener Sache sprechen, hat damals wie er sagte auch das Automatenspielen in Imbissbuden (wie er es nannte) gestoppt als die Schwangerschaft meiner Mutter bekannt wurde. Ich weiß nicht inwieweit er wirklich süchtig war, ob das mit der heutigen Zeit vergleichbar ist, aber ich habe ehrlich gesagt auch das Thema immer gemieden und nie nachgefragt

*

Offline TAL

  • *****
  • 295
Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #6 am: 13 Mai 2021, 16:33:43 »
Hallo Dennis,

normal halte ich mich bei solchen Themen raus, aber ich hingegen halte wiederum deine Aussage doch für sehr gewagt, und auch ein stückweg 'gefährlich'. Nämlich weil du der Threaderstellerin suggerierst, mit einem Kind würde sich alles zu Besseren wenden, und er wacht dann auf und ist voller Motivation, sein Leben zu ändern.
Das wäre wahrscheinlich wirklich so - oder so ähnlich. Nur wird bei der Überlegung außer Acht gelassen, daß Sucht selten rationale Handlungen nach sich zieht. Er wäre sicher fest entschlossen, sich zu 'bessern' - nur hat das 'Suchthirn', wie Manche es hier nennen, leider andere Pläne.

Es ist etwas anderes, wenn die Kinder bereits da sind, aber in einer Situation wie dieser bewußt ein Kind in die Welt zu setzen, in der Absicht, damit eine 'heilende Wirkung' zu erzielen, wäre in meinen Augen grob fahrlässig - und nicht fair dem Kind gegenüber. Es ist ein Mensch, und kein Werkzeug, um irgendwelche eigenen Hoffnungen oder Wünsche zu erfüllen - oder jemanden zu 'heilen'.
Und der Partner wird mit einer Menge Veratwortung konfrontiert, obwohl er sich eigentlich erstmal um sich selbst kümmern müßte.
Natürlich kann die Erleuchtung kommen, aber was, wenn das nicht klappt? Bei mir hätte das nicht funktioniert.
Ich stimme Cecilia18 und Auskuriert1 da zu. Es wäre egoistisch, und würde nicht unbedingt dazu beitragen, den Druck bei ihm zu lindern.

Ein 'stabiler' abstinenter Süchtiger kann ein guter Elternteil sein - oder auch nicht. Wie jeder andere Mensch eben auch. Ein Aktiver - no way.

Ich bin mir heute noch sicher, daß ich diese Verantwortung nicht übernehmen könnte. Ich möchte nicht wissen, was gewesen wäre, wenn ich zu meiner Spielerzeit Nachwuchs bekommen hätte. Natürlich hätte ich mich gefreut, aber es hätte mich auch völlig überfordert. Dieses Gefühlschaos wäre ziemlich schwierig zu handhaben, besonders in einer derart 'instabilen' Lage. Damals wäre mein Fluchtinstinkt mit Sicherheit irgendwann durch die Decke gegangen.
Aber es wurde ja schon geschrieben, was auf die Threaderstellerin zukommen könnte, wenn es nicht 'funktioniert'. Zumindest, solange er noch spielt, halte ich die Aussicht auf so einen Ausgang wie der von Mariclaire beschrieben Situation auch bei Emma für sehr viel realistischer als "Happily Everafter".

Außerdem nochmal zu Emma: Eine Garantie dafür, daß jemand nie wieder rückfällig wird, gibt es nicht. Sollte er irgendwann einmal sein Problem angehen, kann es aber sein, daß sich in seiner Persönlichkeit und seinen Ansichten einiges ändert.
Vielleicht solltest du also abwarten, wie dein Partner im 'nüchternen Zustand' dazu steht - und auch, wie du selbst das Ganze dann siehst.

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #7 am: 19 Mai 2021, 20:04:44 »
Mach das ja nicht. Ich sag es dir ao brutal wie es geht, wie sie es mit gesagt haben und ich nicht hören wollte und heute prädige ich es aber- er wird sich ohne Therapie nicht ändern. Er wird sich auf Druck, Zwang, Trännen, Trauer, Wut usw. nicht ändern. Und schon gar nicht wenn seine Rückfälle irgendwie verharmlost werden.
Mach dir den Leben nicht zur Hölle.
Du willst nicht wie ich enden- ganze Schwangerschaft beschissen und allein gelasseb und paar Tage vor Geburt allein bleiben. Und ab dann alles allein machen- Mutter und Vater sein, wissend, dass dich aber mit diesem Menschen lebenlang was verbindet, obwohl du ihm nicht sehen willst, nie wieder.
Nochmal- mach das ja nicht!!!

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #8 am: 20 Mai 2021, 15:59:13 »

Um dir näher zu bringen wie dein Leben ausschauen könnte, schreibe ich dir das. natürlich kannst du sagen -ah, meiner wird das schon schaffen, er ist nicht wie die anderen, ich werde ihn unterstützen, wir schaffen es usw. Kann auch sein, den Ansatz kann ich auch verstehen. Aber es kann auch anders enden.

Also, bei mir ist so gewesen. Er ist kurz vor Geburt ausgezogen, ich wollte so und ich wollte mal Ruhe haben. Nach Geburt ist er natürlich gekommen das Baby zu sehen und Wunsch geäußert, dass er zurück kommen möchte. Da ich wusste, dass er wieder bzw. weiterhin spielt, wollte ich das nicht. Dann verlor er seinen Job (schon das 3.Job wegen seiner Spielsucht, da er sich zb tagelang krank meldete um spielen zu können oder einfach die Leistung nicht mehr ebringen konnte da mit Kopf woanders). Dazwischen stand er in der Zwischenzeit mehrmals vor der Tür, wurde aggressiv, gewaltätig usw. Da er kein Job hatte, hat er begonnen mit kriminellen Sachen, landete im Gefängnis. Nach Gefängnis begann er wieder mit der Therapie und möchte wieder zurück zu uns. Das kommt für mich gar nicht in Frage. Selbst wenn er sich diesmal wirklich ändert, es ist viel zu spät.
Er kommt das Kind besuchen für paar Stunden und wenn ich ihm sehe, empfinde ich nur Hass. Ich hasse ihn so, dass ich mir wünschen würde er würde sterben!
Ich bin von Anfang an allein mit unserem Kind, meine Familie ist in einem anderem Land plus Corona dazu- keine Unterstützung. Seine Familie versteht nicht wieso ich mich wegen sowas trennen möchte, wie kann ich ihn nur so im Stich lassen in so eine schwierige Situation. Es gab auch Kommentare wie- ja, würdest du mit dem Geld besser umgehen, würde er vielleicht nicht spielen gehen, er hat sicher Geld für was gebraucht. Also, da auch keine Unterstützung. Lediglich „erlaube“ ich seiner Mutter, dass sie einmal in der Woche mit dem Enkel spazieren geht, ohne Worte oder Austausch.
Wir sind vor Geburt in einer neue, größere und natürlich teuere Wohnung eingezogen. Die Möbel wurde geschaffen, teils auf Ratenkauf. Später erfuhr ich von Händyverträgen auf meinen Namen usw. Das alles blieb an mir liegen. Ich bekomme zwar gutes Elternkarenzgeld, aber das allein hilft nicht. Zurzeit arbeite ich zwei Zusatzjobs (zum Glück kann ich alles von zuhause machen)- eins ist geringfügig und andere ist  auf schwarz -ohne Anmeldung. Umziehen kann ich noch nicht, da ich vertäglich 1 Jahr gebunden bin, auch wenn ich konnte- woher noch weitere Geld für Kaution und Provision?
Haushalt ist an mir. Erziehung ist an mir. Es gibt Tage an denen ich so überfordert bin, dass ich die Stunden zähle bis der Kleine schlafen geht, so dass ich mal Ruhe haben kann. oder eben weiter arbeiten kann.
Ich habe mich in mich selber verschlossen, habe keine Lust irgendwas zu unternehmen, da ich denke- was willst du den übernehmen, wovon Geld? Ich vermeide Freunde, da ich über das Thema nicht reden möchte. Ich weiß es ist der falsche Weg, aber ich möchte einfach nicht. Auch SHG hab ich monatelang nicht besucht bzw. an Meetings teilgenommen- auch da ist mein Ansatz falsch, aber ich hab keine Lust und will einfach nicht mehr. Ich vertraue niemandem mehr.
Manchmal bin ich abends so erschöpft, körperlich brennt mein Rücken, pshychisch macht mein Gehirn dauer Terror. Manchmal kommen mir Gedanken wie ich so dumm sein konnte und ein Kind mit so einem Scheißmenschen haben oder wie würde alles ausschauen hätte ich abgetrieben. Das ist ein Scheissgefühl. Manchmal denke ich auch über Selbstmord
Ständig gibt es was zu erledigen, ständig was zu zahlen. Das typische Alltagsleben, nun eben allein, obwohl man sich das anders vogestellt hat. Da gibt es niemanden, der dich  am Abend nach einem anstrengendem Tag umarmt oder dir Halt gibt. Klar kann man von Freunden sich Unterszützung oder Ermutigung holen, das ist aber nicht das Gleiche.
Aber auch das wird mal vorbei.
Und auch das ist besser als die Alternative- diesen Misstück jeden Tag zu sehen, wissend dass er manchmal körperlich anweswnd ist aber du nichts von ihm erwarten kannst, dich nicht auf ihn verlassen kannst.
In diesem Sinne ist es Befreiung.
Weil, dieser Zustand in dem ich mich gerade befinde wird mal vorbei sein- die Schulden werden weg, das Kind wird größer, die Belastung wird weniger...  Hätte ich aber geblieben, würden wir uns im Kreis drehen.
Wenn ich aus heutiger Sicht zurück blicke, bereue ich zu tieftst den Scheisskerl jemals getroffen zu haben. Größte Fehler und größte Entscheidung meines Lebens.

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #9 am: 20 Mai 2021, 21:51:19 »
Mir zerreist es das Herz wenn ich das lese....
Es tut mir so leid für dich :-(

*

Offline Hopeless

  • *
  • 7
  • Ich liebe Grün - es ist die Farbe der Hoffnung!
Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #10 am: 28 Mai 2021, 10:40:24 »
Liebe Emma,

Ich bin auch Angehörige mit zwei kleinen Kindern.

Aus meiner Erfahrung heraus, hat der Kindersegen keine Verantwortung oder Selbstreflektion gebracht.
Im Gegenteil! Unser 1. Kind kam 2013 zur Welt und er tradete ungeniert und die Spirale wurde immer schneller! Nach unten!!! Nicht nach oben! Mit Sportwetten, Casino und wer weiß was es noch gibt, wovon ich immer noch keine Ahnung habe.
Damals ahnte ich nichts von eine Spielsucht. Ich war einfach zu naiv, hatte bis dato noch nichts mit Süchten zu tun um sie auch erkennen zu können.

In all den Jahren, dachte ich auch, wir könnten es gemeinsam irgendwie schaffen! Heute sehe ich nur Scherben  und Lügen.

Überlege es dir gut und gib dir mit 21 Jahren einfach Zeit. Mach dein Studium und baue dir dein Leben auf! Fall nicht in eine Abhängigkeit wegen Kindern.

Liebe Grüße
Hopeless
Einfach tun, was richtig ist. Einfach lassen, was nichts bringt. Einfach sagen, was man denkt. Einfach leben, was man fühlt. Einfach lieben, wen man liebt. Einfach ist nicht leicht. Einfach ist am schwierigsten...

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #11 am: 31 Mai 2021, 16:55:27 »
Vielen Dank für euren Antworten. Ich hätte noch ein paar Fragen.
Mein Freund leidet sehr unter seiner Spielsucht. Er möchte unbedingt davon wegkommen. Ich habe das erste Mal das Gefühl, dass er es auch wirklich ernst meint und mich nicht anlügt. Er hat sich vorgenommen Anfang nächsten Jahres die Sucht zu besiegen und spielfrei zu werden. Im letzten Jahr hat er schon viele Fortschritte gemacht. Er spielt nicht mehr täglich, sondern nur noch gelegentlich alle zwei Monate, wenn Geld übrig ist (das heißt wenn alles bezahlt ist und über 1000€ auf dem Konto sind, die er nicht braucht). Er bezahlt seine laufenden Kosten regelmäßig und hat keine Schulden mehr. Früher hat er mit jedem Geld gespielt. Er hat sich Geld ausgeliehen oder gestohlen, wenn er mal keins mehr zum Spielen hatte. Sein Verhalten wird auch besser. Leider sind wir noch nicht an dem Punkt angekommen, dass er mir seine Rückfälle erzählen kann. Da ich es meistens sofort mitbekomme spreche ich ihn immer darauf an. Er verneint es am Anfang immer und gibt es dann nach einer Zeit zu. Er schafft es auch nicht sein Geld selbst zu verwalten. Das mache immer noch ich. Ich habe das Gefühl er hat auch noch keinen richtigen Plan, wie er aus der Spielsucht rauskommen will. Er sagt immer das ihm eine Therapie nichts bringt, weil er sich mit den Menschen dort nicht identifizieren kann, und er fühlt sich nicht wohl dort. Er meint immer, dass der Suchtdruck immer weiter abflacht und irgendwann nach einer bestimmten Zeit ist die Sucht dann besiegt. Außerdem ist es wegen Corona in Moment unmöglich einen Termin beim Psychologen zu bekommen. Er versucht seit Wochen den Plan mit einem experten zu besprechen. Bekommt aber einfach keinen Termin. Er längt sich in Moment mit sehr viel Sport ab und wir unternehmen sehr viel mit Freunden und Familie. Er macht seine Ausbildung sehr erfolgreich und der Alltag funktioniert gut bei uns.

Wie seht ihr das? Ist das Ziel realistisch und ist er wirklich auf einem guten Weg oder trügt das Bild nur.

Was sind die nächsten Schritte? Gibt es einen Plan wie man aus einer Sucht rauskommen kann? (Schritt für Schritt?)
Oder muss man erst in ein tiefes Loch fallen und alles verlieren bevor man da wieder raus kommt? Gibt es auch andere Möglichkeiten?

Wenn er jetzt angenommen spielfrei ist. Glaubt ihr, ist die Umsetzung meines Wunsches nach Kindern immer noch so fern. Sollte ich lieber abwarten, obwohl der Wunsch so groß ist und fast alles passt. Ich könnte mir gut vorstellen nach meinem Bachelor eine Familie zu gründen, bevor ich den Master anfange. Das wäre in 1,5 Jahren.

Mein Freund hat seid längeren mehrere Aktien und zahlt dort regelmäßig ein. Außerdem schaut er täglich was es in der Börse Neues gibt. Ist das eine Gefahr, ein Ausgleich zum Spielen? Könnte das auch zu einer Sucht werden? Sollte er damit aufhören oder ist es eine gute Sache, um Geld anzulegen und zu lernen damit umzugehen? Er kommt nicht sofort an sein Geld, sondern es dauert ein paar Tage, bis er eine höhere Summe ausgezahlt bekommen könnte. Er meint er muss das Geld anlegen, da es auf der Bank nicht gut aufgehoben ist und nur weniger wird.


Vielen Dank!

LG
Emma
« Letzte Änderung: 31 Mai 2021, 18:16:57 von emma22 »

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.198
Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #12 am: 31 Mai 2021, 19:34:55 »
Hi Emma!

Möchtest Du wirklich eine ehrliche Antwort? Dein Text sprudelt nur so davon, wie nass er ist.

Er möchte unbedingt davon weg kommen ... ja wie denn, wenn er nichts macht? Weisst Du, wie ich das nenne, was er gerade macht?
Für ihn ist es ein Arrangement und für Dich ist es die pure Manipulation!
Unterm Strich spielt er weiter mit dem unbestimmten Zeitpunkt "irgendwann" einmal aufzuhören.

Emma ... sage mir bitte, was er an sich verändert hat? Nichts ... er spielt weiter ... er lügt weiter ... er sucht sich bei den Aktien eine neue Spielwiese ...
Dann sagt er, dass er keinen Termin bekommt. OK, Termine dauern teilweise lange beim Psychologen. Doch da macht man sich einen und wenn er erst in 6 Wochen ist. Suchtberatungsstellen machen derzeit auch Termine und die dauern erfahrungsgemäß nicht so lange. Im tiefsten Lockdown hatte wir hier jemanden, der innerhalb von 2 Tagen einen Termin hatte. Lügt er Dich also nur an? Mal wieder?

Nein, ich bin kein Verfechter von dem Glauben, dass jemand erst tief fallen muss, damit er sich Hilfe sucht. Bei Deinem Freund jedoch schwant mir Böses ...

Ja, man merkt Dir an, wie groß Dein Kinderwunsch ist. Doch Kinder heilen nicht ihre Eltern. Sie halten sie auch nicht von der Suchtausübung ab. Wie soll bitteschön jemand Verantwortung für Kinder zeigen, wenn er sich selbst gegenüber keine zeigt?
Da muss erst eine radikale Verhaltensänderung her, damit er überhaupt eine Chance hat Verantwortung für sich zu zeigen!

Ganz ehrlich ... mache erst Deinen Master und dann überlege neu. Wieso hast Du es bloß so eilig? Du bist doch erst 21 ...

Es gibt genug Statistiken, die besagen, dass Kinder aus Suchtfamilien eher Gefahr laufen selbst einer Sucht zu verfallen.
Möchtest Du das Deinen Kindern antun? Wohl kaum ...

Und Du, meine Liebe, sei nicht so gutgläubig und halte Deine eigenen Sehnsüchte und weitere Emotionen aus der Bewertung seines Suchtverhaltens heraus. Du musst lernen das zu differenzieren.

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #13 am: 31 Mai 2021, 19:55:22 »
Hallo Emma, da ich selbst mit 22 Mutter geworden bin kann ich deinen Wunsch nachvollziehen. Das Problem war das ich bereit war Mutter zu werden, mein Mann aber nicht.
Habe ich erst später herausgefunden, hat er zunächst toll gefunden, bis das Baby zu anstrengen wurde. Dann musste er spielen, weil a) hätte ich keine Zeit und war nur mit dem Baby beschäftigt b) ihm war es zu anstrengend ( alle seine Freunde hätten keine Kinder, er wollte wieder so frei sein wie sie und sich nicht nach dem BABY ständig richten.
Ich weiss ich mache gerade Träume kaputt.
Tut mir leid das ich dir das sagen muss ( mein Mann war 28 als er zum ersten Mal Vater wurde).

Re: Kinderwunsch und Freund spielsüchtig
« Antwort #14 am: 31 Mai 2021, 20:22:29 »
Liebe Emma,

ich hatte eben einen recht langen Text eingetippt, in der Zwischenzeit haben Olli und Marieclaire geantwortet und vieles würde sich doppeln, daher fasse ich mich kurz: Ich denke, du versuchst dir das gerade selber schön zu reden, aufgrund des Kinderwunsches. Du widersprichst dir hier selber, du sagst, du hast das Gefühl, dass er nun endlich ehrlich ist. Kurz daraufhin erzählst du, dass er dir Rückfälle nicht nur verschweigt, sondern sie zunächst auch leugnet wenn du danach fragst.  Das hat mit Ehrlichkeit nichts zu tun. Er spielt weiter, du wirst weiter manipuliert. Das ist keine Grundlage für eine Familiengründung.

Ja, beim Psychologen einen Termin zu bekommen kann dauern. Auf Wartelisten schreiben lassen kann man sich aber sofort. Ebenso dürfte ein Termin bei Beratungsstellen schnell möglich sein. Ich wohne in einer Großstadt, die Caritas hat mir gesagt, ich solle mich auf lange Wartezeit einstellen. Das waren in diesem Fall noch nicht einmal zwei Wochen.. Wenn dein Freund wirklich etwas tun möchte, dann doch sofort. Worauf warten? Warum das auf das nächste Jahr verschieben? Das macht keinen Sinn.

Ich kann deinen Kinderwunsch mehr als nachvollziehen. Auch mein Partner und ich haben das für nächstes Jahr angedacht. Ich habe das schweren Herzens auf Eis gelegt (und ich bin einige Jahre älter als du!). So lange mein Partner nicht abstinent ist, und das über eine längere Zeit, so lange das Vertrauen noch nicht wieder aufgebaut ist, wird es für mich kein Kind geben. Alles andere wäre unverantwortlich und nicht fair dem Kind gegenüber. Dein Freund benötigt seine Energie für seine eigene Genesung, die er bisher noch nicht mal ernsthaft angegangen ist. Daher mein dringender Rat: Warte unbedingt mit der Familienplanung!

Noch eine andere Sache (unabhängig von der Sucht). Du studierst Lehramt, richtig? Ich habe vor meinem Fachmaster ebenfalls Lehramt studiert (BA, MA, Ref). Dir sollte bewusst sein, dass ein Lehramtsbachelor auf dem Arbeitsmarkt meist wenig Möglichkeiten eröffnet (kann je nach Ort und Fach natürlich variieren). Ob du später nun ins Ref gehst, in die Wissenschaft oder ganz woanders hin, es wird meist der Master verlangt. Ich würde dir daher unbedingt empfehlen den Master zu beenden, bevor du an die Familienplanung gehst. Das macht dich einfach flexibler und damit (finanziell) unabhängiger, und das sollte man (sowie, mit einem Spieler aber erst recht) sein.
Das so am Rande aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung heraus.

Ich hoffe, ich trete dir damit nicht zu nahe.

Viel Kraft weiterhin!

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums