ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Tagebuch - Moin Moin zusammen

Begonnen von Jan_derkann, 22 April 2026, 11:02:08

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Hallo zusammen,

ich bin der Jan und dachte mir ich registriere mich einmal, zuvor war ich immer stiller Mitleser.
Ich spiele leider schon locker 15 Jahre überwiegend Sportwetten, mal mehr, mal weniger....Ihr kennt es, am Anfang mit einem Euro Wettscheine erstellt, später war der Schein Minimum 100€. Aber in den letzten Jahren hat es immer mehr Zeit und Geld gekostet in meinem Leben. Letztes Jahr habe ich dann meiner Familie und meinem besten Freund alles offen gelegt, ich konnte einfach nicht mehr alles verheimlichen und so tun als ob alles okay wäre.

Letztendlich hat mich meine Frau verlassen, was man in einer Form bzw. einer Sicht verstehen kann, auf der anderen Seite eher nicht... Schade... Aber so "spielt" das Leben nun einmal, habe es ja auch schließlich selbst zu verantworten....

Ich habe quasi den klassischen Weg der Sucht durchlaufen.... minimal zocken, dann immer mehr, SHG/Therapie durchlaufen, Spielfrei, wieder angefangen und schließlich meine Frau verloren....

Man versucht bzw. ich versuche dennoch positives aus meinen Leben zu ziehen, ich bin immer noch Erwerbstätig und habe einen intakten Freundeskreis, treibe noch regelmäßig Sport, bin im Verein etc....

Dennoch hat das ganze natürlich Spuren hinterlassen. Schwierig finde ich halt wie man manchmal zurückgeworfen wird indem man sieht was andere Menschen aufgebaut haben bzw. erreicht haben, dort merkt man immer wie sehr man sein Leben in den letzten Jahren "vernachlässigt" hat. Auf der anderen Seite lernt man sich selbst besser kennen, zahlt dennoch einen hohen Preis z.B. in Form von sinnlosen Krediten ect....

Hoffe hier über Menschen die gleiches Erfahren habe meinen Willen zu stärken und mich noch intensiver mit dem Thema beschäftigen und natürlich SPIELFREI zu bleiben... Tagebuch starten, Online SHG mitzuwirken....
 

spielfrei seit: 14.04.2026 - 07:38Uhr

bin schon im 8. Tag der Freiheit  8)

Hi Jan,
gut dass Du es erneut angehst!

Nur ganz kurz erstmal von mir, ändere Dein Beginn Datum auf den 14.04. Ich gehe nicht davon aus dass Du im Juli erneut beginnen willst. 😜
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

Hallo und willkommen Jan!

ZitatIch spiele leider schon locker 15 Jahre überwiegend Sportwetten, mal mehr, mal weniger

Steckt hier eine Grundeinstellung hinter, die Dich bisher behindert hat, spielfrei zu bleiben?
Entweder Du betreibst Glücksspiel oder Du betreibst es eben nicht. "Mal mehr, mal weniger" bedeutet eigentlich nur: Du betreibst Glücksspiel! Es gibt da kein halbschwanger! Doch wozu könnte die Fromulierung dann dienen? Ist es der Versuch, als menschliches Bedürfnis eindeutig verständlich, Dich, Dein Leben und das Glücksspiel zu "kontrollieren"? Verharmlost es Dein Verhalten, wenn Du weniger spielst? Mach es die Sache schlimmer, wenn Du mehr spielst?
Saugst Du Dir aus diesen Umständen Deinen Selbstwert?

Wir Spieler sind Meister der Anpassung. Wenig Suchtmittel, wenig Glücksspiel --- mehr Suchtmittel, Holla die Waldfee! ... Was aber, wenn wir uns anpassen weniger zu spielen, obwohl mehr möglich wäre? Bescheißen wir uns dann nicht eigentlich selbst?
Das Einzige, was ich kontrollieren kann bei Glücksspiel, das ist abstinent zu sein und zu bleiben!

Schön, dass Du spielfrei sein wirst ... oder doch schon bist ... :)

Ist Dir, vielleicht auch dank Deiner Therapie, schon in den Sinn gekommen, was Du verändern könntest, damit Du es Dir leichter machst abstinent zu bleiben?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Moin Olli,

eine Grundeinstellung dich mich gehindert hat?
Es hat einfach zu viel Spaß gemacht würde ich sagen...

Aber ja du hast recht, es gibt nichts halbes in diesem Thema, ganz oder gar nicht, also habe ich immer gespielt...

Definitiv sind wir Meister der Anpassung, der Lügen ebenfalls!

Es hat auch alles viel leichter gemacht in dem man sich Menschen anvertraut hat, das man in der Familie und Freunden offen darüber sprechen kann.

In den Gruppen und Therapien wird vermittelt immer einen Notfallplan zu haben, jemanden anrufen, Sport zu treiben etc.... Problem ist, das ich im Grunde genommen nie den Sport oder meine Freunde, Familie etc vernachlässigt habe. Ich habe es halt immer geschafft irgendwie nebenher laufen zu lassen.

Mich hat wirklich der tiefe Fall ins nichts, wie soll ich sagen, ,,wachgerüttelt''?

Wenn du kurz vor dem Hausentzug stehst, wenn eine geliebter Menschen dich verlässt, wenn du merkst das du über all die Jahre, sehr sehr vieles verpasst hast!
Man muss dieses nun lernen zu akzeptieren, man muss sich und seine Vergangenheit akzeptieren, ich will sie niemals vergessen. Das ist und wird für immer ein Teil von mir bleiben! Ich versuche meine Vergangenheit als Antrieb zu nutzen. Wenn man weiß wie schlecht es einem ging, später nicht nur einen Tag sondern über längere Zeit.....!

Es ist halt auch schnell und leicht geschrieben bzw. erzählt das man nicht mehr spielt, aber ich finde man muss optimistisch und positiv an die Sache gehen, die andere Seite nur in schlechten Gedanken und nach dem Motto ,,alles ist schlecht'' zu Leben bringt einem erst recht nicht weiter!

Allein schon dieses Tagebuch motiviert mich irgendwie... ;)

 

spielfrei seit: 14.04.2026 - 07:38Uhr

10Tage  8)

 

Moin Jan !
Da schau ich direkt auch mal in deinem Tagebuch vorbei .
Toll , dass du nochmal durchstartest .
Ich werde dich im Auge behalten , wir stehen  beide am Anfang und haben einen langen Weg vor uns.
Da kann man einen Wegbegleiter sicher gut gebrauchen .
Schönes Wochenende wünsch ich dir !

Guten Morgen Jan!

Heute ist eine Schnapszahl dran ... :)

ZitatEs hat einfach zu viel Spaß gemacht würde ich sagen...

Hat es das wirklich? Schaue Dir mal Deine Anfangszeit an und dann die leetzte Zeit. Gab es da nicht doch gravierende Unterschiede?

Ich bin ein Freund davon, die eigenen Überzeugungen immer wieder einmal auf den Prüfstand zu bringen. So manche erwerben wir und überprüfen sie dann nie mehr. Wenn sich aber die Umstände ändern, wie bei einer Sucht, dann treffen die Überzeugungen irgendwann gar nicht mehr zu.
Trotzdem halten wir dann oft daran fest ... die Natur hat uns ja beigebracht, Energie zu sparen ... :)

ZitatMan muss dieses nun lernen zu akzeptieren, man muss sich und seine Vergangenheit akzeptieren, ich will sie niemals vergessen.

Ich sehe zwei Fehler und einmal etwas Richtiges. Siehst Du es auch? Nun, Du findest es noch häufiger in Deinem Beitrag. Wer zum Teufel ist "man"? :) "Ich muss dieses nun lernen zu akzeptieren, ich muss mich und meine Vergangeheit akzeptieren, ich will sie niemals vergessen!"

Lustig, dass gerade hier in dem Satz so viel von Akzeptanz die Rede ist, denn wenn Du bei Dir bleibst bei solchen Sätzen, dann lernst Du gerade auch das Negative zu akzeptieren!
Dieses kleine didaktische Mittel kann Dir ungemein helfen!

Wie hat denn der Notfallplan, der ja kein Masterplan ist, wie Du es da beschreibst mit Freunden und Familie, eben im Notfall funktioniert? Hast Du ihn mal angewendet, wenn die Sucht in Dir von Spaß geschwärmt hat, dir einen nostalgischen Gedanken nach dem anderen suggerierte?
Hast Du da das Kärtchen mit der Notfallnummer gezückt und jemanden angerufen?

Was Du da beschreibst: Du warst für andere da! - Aber hast Du auch genug für Dich getan?

Ich selbst habe mich immer für andere aufgeopfert, nur um Anerkennung zu erlangen. Doch mich habe ich dabei vollkommen aus den Augen verloren. Für mich war das "normal". Aber genau das war der Knackpunkt ... es war eben nicht "normal". :)
Ich war schon spielfrei und habe da meinem Vater damals meine Grenzen aufgezeigt und abgesteckt. Das Ergebnis waren 7 Jahre keinen Kontakt ... Enterbung ... Repressalien innerhalb der restlichen Familie. Doch ich bin mir selbst da treu geblieben.

ZitatWenn man weiß wie schlecht es einem ging, später nicht nur einen Tag sondern über längere Zeit.....!

Es wird immer einen Teil in uns geben, der uns an das Schlechte erinnert. Doch wir Menschen vergessen schnell das Negative. Es wird verdrängt. Um Dich zu motivieren spielfrei zu bleiben, empfinde ich es für empfehlenswert, Dir das Ganze positiv umzuformulieren. Was gewinnst Du also durch Deine Spielfreiheit? (hierbei auch keine Negationen benutzen!)

ZitatEs ist halt auch schnell und leicht geschrieben bzw. erzählt das man nicht mehr spielt, aber ich finde man muss optimistisch und positiv an die Sache gehen, die andere Seite nur in schlechten Gedanken und nach dem Motto ,,alles ist schlecht'' zu Leben bringt einem erst recht nicht weiter!

Wozu habe ich den Absatz da oben geschrieben? Du weisst doch längst, was ich da gesagt habe ... :)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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