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Reportage "Gefährliche Sportwetten"

  • 22 Antworten
  • 1744 Aufrufe
Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #15 am: 18 Juni 2021, 00:33:42 »
Eine DNS sperre wie bei illegalen Streaming/Kinofilme Anbieter würde eventuell mehr helfen.
Wie z.B wenn man auf  ____ www.s.to    ___ (Damals eine Seite bei der man Serien und Kinofilme illegal schauen konnte)
Heute bekommt man beim Betreten der Seite die Meldung "Diese Webseite ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht verfügbar."
So etwas sollte es auch bei Buchmachern die bei OASIS nicht Teilnehmen einführen!
Grundsätzlich ist der Hintergedanke darin nicht falsch. Aber wenn wir dem Staat zugestehen, die Internetzensur voranzutreiben und aktiv in unserem Sinne zu betreiben, wo fangen wir an und wohin wird das am Ende wohlmöglich noch hinaus laufen?

Zumal man solche DNS Sperren ja ohnehin leicht umgehen kann, es wäre für jemanden der dem Casino im Netz verfallen ist sicherlich kein Hindernis, ein paar Suchwörter im Google einzugeben, um dann die entscheidende Hilfe dafür zu erhalten.

Die effektivste Möglichkeit ist es, 1. den neuen Staatsvertrag noch irgendwie abzuwenden und 2. die im noch geltenden GlüStV enthaltene Verbotsvorschrift für das (Meine Meinung:) niemals dauerhaft regulierbare Online Glücksspiel durchzusetzen. Indem die Länder allerdings nunmehr eine aktive, verantwortungsbewusste und weisungsbefugte Behörde/Aufsicht bereitstellt, die wissen worum es hier eigentlich geht und welche Gefahren abgewendet werden müssen..

Insbesondere, indem sie dann die eigentlich auch bereits längst vorhandene Befugnis gemäß GlüStV § 9 (1) Absatz 4 rigoros und ohne jahrelanges Hinwegsehen aktiv durchsetzt.
Online Glücksspiel wird man meiner Meinung nach nur so unterbinden können, indem man die Zahlungsströme unterbindet. Alles andere wird scheitern, selbst diese nicht mal effektive Regulierung, die ohnehin bereits in dieser Verfassung keinen Schutz für die eigene Bevölkerung mehr dar stellt.

Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #16 am: 18 Juni 2021, 04:48:02 »
Online Glücksspiel wird man meiner Meinung nach nur so unterbinden können, indem man die Zahlungsströme unterbindet. Alles andere wird scheitern,
 selbst diese nicht mal effektive Regulierung, die ohnehin bereits in dieser Verfassung keinen Schutz für die eigene Bevölkerung mehr dar stellt.

Zahlungsströme ist glaub ich ein super Punkt.
Ich schaue mir gerne diese Serien "for Free" an.
Als ich eines Abends Serie schauen wollte funktionierte die Seite aufgrund der DNS sperre nicht mehr.
Ich dacht mir so: wow, wenn das bei "illegalen" Serienplattformen klappt, warum setzen sie das hier nicht um.

Durchaus ist mir bewusst, dass man das ganze umgehen kann.
Die Anbieter der illegalen Serien machen einfach eine neue Domain und fertig.
Auch als User kann man mit etwas Recherche das ganze umgehen.

Mir selbst ist aufgefallen, dass ich keine Problematik mehr mit diesen Onlinezeug habe.

Wie du schon sagtest: Zahlungsströhme unterbinden. Dies tat ich.
In mein Mypaysafe - Konto hab ich kein Zugang.
Das Onlinebanking für "Klarma,Sofort, Giropay" ist nicht verfügbar.
Paypal nimmt keiner mehr an (Und wenn, hab ich schon gesorgt das auf mein Namen dort kein Konto eröffnet werden kann) - Tipico, 888 usw usw....
Skrill kann ich auch nichts machen.

Alles in einem hab ich da gut vorsorge gemacht.
Mich hat es einmal richtig in den Fingern gejuckt und ich wollte Wetten.
Ich fand ein Buchmacher, bei den ich nicht gesperrt war.

Okay, Einzahlung - Paysafe - fuck geht nicht. Klarma Sofort usw, fuck geht nicht... usw usw... Nach 30 Minuten ist mir die Laune vergangen, ich ließ es bleiben.
An diesem Tag hab ich gelernt wie wichtig es ist Zahlungsströhme zu unterbinden.

*

Offline Olli

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Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #17 am: 18 Juni 2021, 08:53:36 »
Hi und guten Morgen!

Zitat
war früher mal in einer SHG (glaube, so um 2012 rum) und habe wie in meinem Eingangspost erwähnt direkt am nächsten Tag einen Teil der Teilnehmer in der Spielo getroffen, die dort noch groß versichert hatten, wie toll es nicht abstinent läuft.

Ich selbst habe damals, 6 Jahre bevor ich abstinent wurde, meine SHG als Alibi benutzt. Ja, zu der Zeit bin ich in die Gruppe und auf dem Nachhauseweg habe ich einen kleinen Umweg gemacht.
Wahrscheinlich war der ein oder andere Neue ebenfalls auf solch einem Trip. Doch der harte Kern der Gruppe war langjährig abstinent.
Was hättest Du damals machen "sollen"? Ganz einfach ... es in der Gruppe ansprechen. Doch Du hast ja nicht nur die Anderen dort gesehen, Du warst selber drin in der Halle.
In jeder SHG zählt der aufrechte Wunsch mit dem Spielen aufzuhören. So manch einer ist dazu aber noch nicht bereit. Werden solche Vorfälle angesprochen, dann ergibt sich zumindest eine Chance zum Umdenken.
Es geht ja nicht darum die Anderen oder sich selbst bloß zu stellen. Hättest Du es angesprochen, wärest Du gezwungen gewesen, Dich noch mehr mit Dir auseiander zu setzen und Deine Motive für den Gruppenbesuch zu hinterfragen,
Ich kann Dir also nur nahe legen, die Gruppe wieder zu besuchen und es jetzt, nach etlichen Jahren, anzusprechen. Du hast ja schließlich einen Sinneswandel gehabt zu damals. Das ist doch schon mal was ... oder?
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #18 am: 18 Juni 2021, 10:50:12 »
Bin da ganz bei Dennis, der Staat sollte hier seine Verantwortung wahrnehmen und das ginge auch, ohne dass man die Überwachung aller Bürger auf Verdacht hochfährt.
Bei den Streamingseiten ist halt wahrscheinlich einfach die Film-Lobby mehr dahinter und hat es so durchgebracht, dass da über die Serviceprovider was geht, was sich über VPNs aber auch überlisten lässt. So schnell konnte man ja früher nicht schauen, wie schnell nach der falschen heruntergeladenen MP3 der Brief da war.
Dass man aber in die Sperre alles mit NICHT ERLAUBTEM Onlineglücksspiel reinnimmt, fände ich persönlich auch nicht schlimm.

Meiner Meinung nach braucht es da kein Hexenwerk sondern könnte man wie bei allen anderen Themen vorgehen, die der Staat gern reguliert haben möchte und es so auch hinbekommt.
Das geht im Straßenverkehr ja auch locker, ohne dass man jeden Fahrer täglich mit GPS tracken muss. Es gibt einen TÜV, es gibt Geschwindigkeitskontrollen, etc. und wenn man sich nicht dran hält, ist halt der Lappen (Konzession) weg.
Ich kann ja auch nicht einfach eine Website bauen und illegalen Kram anbieten, also technisch schon aber da würde mit Sicherheit recht zeitnah jemand auf der Türschwelle stehen und mich freundlich ersuchen, das ganze doch offline zu nehmen.

Bei Glücksspielseiten schaut man hintenrum, ob nicht die Bank vielleicht prüfen kann, wohin die Gelder überwiesen werden.
Das sollten sie auch wahrnehmen - mir hat die Comdirect letztes Jahr auch kommentarlos mein Konto gekündigt und ich habe noch keinerlei Nachricht warum oder wie ich damit hätte umgehen können. Wird wohl deswegen gewesen sein, ich werde es nie erfahren.
Meine Hausbank weiß seit langem davon und hat:
* Jahrelang lässig Dispogebühren kassiert
* Mir zwei Wucherkredite angedreht, weil ich alternativlos war, die zahle ich gerade ab
Warum sollten die was machen?

LG
Aciric

Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #19 am: 18 Juni 2021, 11:11:00 »
Hi und guten Morgen!

Zitat
war früher mal in einer SHG (glaube, so um 2012 rum) und habe wie in meinem Eingangspost erwähnt direkt am nächsten Tag einen Teil der Teilnehmer in der Spielo getroffen, die dort noch groß versichert hatten, wie toll es nicht abstinent läuft.

Ich selbst habe damals, 6 Jahre bevor ich abstinent wurde, meine SHG als Alibi benutzt. Ja, zu der Zeit bin ich in die Gruppe und auf dem Nachhauseweg habe ich einen kleinen Umweg gemacht.
Wahrscheinlich war der ein oder andere Neue ebenfalls auf solch einem Trip. Doch der harte Kern der Gruppe war langjährig abstinent.
Was hättest Du damals machen "sollen"? Ganz einfach ... es in der Gruppe ansprechen. Doch Du hast ja nicht nur die Anderen dort gesehen, Du warst selber drin in der Halle.
In jeder SHG zählt der aufrechte Wunsch mit dem Spielen aufzuhören. So manch einer ist dazu aber noch nicht bereit. Werden solche Vorfälle angesprochen, dann ergibt sich zumindest eine Chance zum Umdenken.
Es geht ja nicht darum die Anderen oder sich selbst bloß zu stellen. Hättest Du es angesprochen, wärest Du gezwungen gewesen, Dich noch mehr mit Dir auseiander zu setzen und Deine Motive für den Gruppenbesuch zu hinterfragen,
Ich kann Dir also nur nahe legen, die Gruppe wieder zu besuchen und es jetzt, nach etlichen Jahren, anzusprechen. Du hast ja schließlich einen Sinneswandel gehabt zu damals. Das ist doch schon mal was ... oder?

Guten Morgen auch, immer eine Freude :).

hebe den für mich wichtigsten Satz deiner Antwort heraus: „.. es zählt der aufrechte Wunsch, mit dem Spielen aufzuhören.“
Völlig richtig, den hatte ich damals überhaupt nicht. Ich wurde von der Familie dazu gedrängt dort hinzugehen und habe es toleriert.

Dass das Ganze dann auch noch so unaufrichtig lief, hat meinem damaligen Selbst nur bewiesen, dass irgendwas hilft, aber das bestimmt nicht. Und wohl muss ich dazusagen, dass es mir nicht darum geht, dass wir uns in der Spielo gesehen haben, wir waren ja nicht ohne Grund in der SHG sondern, dass in der SHG selbst die anderen erzählt haben, sie wären seit langem abstinent. Ich war damals Anfang 20 und die anderen über 40. Wenn du sowas miterlebst, hältst jedenfalls diese Methode erstmal nicht für förderlich.

Natürlich haben damals, wie auch nicht, mehrere Faktoren mitgespielt. Ich schätze deine Fachkompetenz sehr hoch ein, du wirst wissen, was SKOLL ist. Ilona kennt es sicher.
So wurde versucht, mit dem Thema umzugehen. Im Nachhinein, unmöglich. Wer soll denn kontrolliert spielen können.

LG
Aciric

*

Offline Olli

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Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #20 am: 18 Juni 2021, 11:49:47 »
Hi!

Vorsicht! Hebe mich bitte nicht auf ein Podest ... wenn ich falle, kann ich mich mit meinen alten Knochen nicht mehr abrollen ... gibt böses Aua ... ;)
Ich bin Spieler wie Du und von Beruf Vermessungsechniker. Hier und da nehme ich an Seminaren der Landeskoordinierungsstelle Glückspielsucht teil. Dort gab es, wenn ich mich recht erinnere, vor ein paar Jahren ein Seminar zu SKOLL, habe aber nicht daran teil genommen. Kenne SKOll also nur vom Abstract des Seminars her. Auch die Jahrestagungen von fags, die Ilona schon ansprach, sind interessant und es werden immer Workshops angeboten. Und gerade mache ich die Gruppenleiterschulung. Es hilft natürlich auch, dass ich im Laufe der Jahre so viele Spielerpersönlichkeiten kennen gelernt habe.

Tja ... ich habe damals auch nix gesagt davon, dass ich spielen war. Tief in mir drin war mir ja schon irgendwie besusst, dass es "nicht richtig" war weiter zu spielen. Scham und Schuld spielen beim Lügen nun einmal eine Rolle. Dabei hätte es in der Gruppe ruhig angesprochen werden können. Ich hätte weder die erwartete Schelte noch sonstigen Mißmut geerntet, sondern Verständnis. Ich war aber ja, wie gesagt, noch nicht so weit dies zu erkennen.
Am eigenen Leibe habe ich es ja erleben können ... nicht nur der Einstieg in die Sucht ist ein Entwicklungsprozess, sondern eben auch der Ausstieg.

Dass mit dem "kontrollierten Spielen" lehne ich persönlich auch ab. Es gibt aber nun mal Personen, die die absolute Abstinenz nicht erreichen können. Dann sind SKOLL oder "In einer Spirale nach oben" eine probate Alternative. Allerdings sollte dies in meinen Augen immer von Profis begleitet werden. Dann wird aus einer Glückspielreduzierung/-kontrolle vielleicht doch noch eine Abstinenz,
OB man Spielern in einer SHG die Kompetenz zusprechen kann, solche therapeutischen Methoden fachgerecht anwenden zu können, bezweifele ich stark.
Unsere Kometenz sehe ich in der gebündelten Erfahrung!
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #21 am: 18 Juni 2021, 12:09:42 »
Hi auch!

kein Podest, Beobachtung ;), keine Sorge.
Und bewahrheitet hat sich meine Annahme auch, denn du kennst es ja - ich selbst bin dir fachlich auch näher als der Psychologie, nämlich Dipl.-Ing. in der IT, nur sind die meisten meiner Familie entweder Psycholog:in oder Diplompädagog:in, daher höre ich öfter mal von solchen schwachsinnigen Ansätzen wie SKOLL, jedenfalls für Glücksspiel.
Es mag sein, dass es Alkoholiker gibt, die ohne ein Mindestmaß körperlich überhaupt nicht mehr funktionieren, das ist bei uns aber nicht der Fall.
Das Angebot, das ich damals wahrgenommen habe bestand aus SHG und Einzeltherapiegesprächen, es war also sehr wohl das fachkundige Personal da. Nur hat man mich dann losgeschickt mit der Aussage „Schau halt, ob du dich in der Spielo so zusammenreißen kannst, dass du nicht mehr als EUR 50 verzockst“. No comment. Erlaubtes Spielen, meine Eltern haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, kannst dir vorstellen. Danach die Suche nach der Lücke in der Vergangenheit, warum man überhaupt ist wo man ist, man kennt es.

Und zuletzt, auch wenn wir dieses Suchtgedächtnis zum Glück nie ganz loswerden, möchte ich mich seit dem 01.01.2021 so bezeichnen, dass ich Spieler „war“ und nicht mehr „bin“.  :) - kann aber jeder handeln wie gewollt. Ein anderer möchte lieber trockener Spieler sein.

LG
Aciric

*

Offline Olli

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Re: Reportage "Gefährliche Sportwetten"
« Antwort #22 am: 18 Juni 2021, 14:10:24 »
Hi!

Zitat
Das Angebot, das ich damals wahrgenommen habe bestand aus SHG und Einzeltherapiegesprächen, es war also sehr wohl das fachkundige Personal da. Nur hat man mich dann losgeschickt mit der Aussage „Schau halt, ob du dich in der Spielo so zusammenreißen kannst, dass du nicht mehr als EUR 50 verzockst“. No comment. Erlaubtes Spielen, meine Eltern haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, kannst dir vorstellen.

Ja, musste gerade erst mal selbst meine Hände wieder runter nehmen ... :) Unfassbar ...
Im Webmeeting am Mittwoch zeigte jemand ein Filmchen, in dem in einem schlichten Schaubild das Leben erklärt wurde.
Ich mag diese Ansätze nicht, sofern sie stur verfolgt werden. Das Individuum geht dabei unter.
Es gibt nicht immer nur einen Ansatz, der auf alle passt.  Wir Spieler, ob aktiv, inaktiv, aktuell, ehemalig, nass oder trocken (Schnurz egal), wissen doch, dass wir über kurz oder lang wieder in alte Verhaltensmuster verfallen - die Kontrolle verlieren. Von daher muss die absolute Abstinenz erst einmal an alleroberster Stelle stehen. Wenn das nicht klappt, dann muss man eben die Strategie ändern.
Ihr gehörtet nicht zufällig zu einer klinischen Studie? :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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