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Was war euer Wake-Up-Call?

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Was war euer Wake-Up-Call?
« am: 18 Juni 2021, 12:28:19 »
Hi,

ich bin seit 01.01.2021 spielfrei, was mich aber nicht auch spielgedankenfrei macht.
Da ich täglich an einer meiner alten Spielos vorbeifahre oder gehe frage ich mich häufig, wie ich es weiterhin erfolgreich aufrechterhalten kann, abstinent zu bleiben. Online als auch offline.

Nun bin ich ein sehr nachtragender Mensch und nehme Dinge gern persönlich.

In genau dieser Spielo habe ich damals aufgehört (und habe auf eine andere gewechselt, ja  :( ), weil ich als Azubi eines Abends mehrere Hundert Euro verspielt habe und mich um 02:00 Uhr nachts mit Tränen in den Augen an die Hilfskraft gewendet habe: „Könnt ihr mich bitte sperren!“ und als Antwort nur pampig kam „Lass es halt einfach, ist ja deine Entscheidung“.
Das hat mich so bestürzt, dass ich dort seitdem keinen Fuß mehr reingesetzt habe und nicht mehr werde.

Ähnliches in der zweiten Spielo, zu der ich danach bin und weitere Jahre mein Geld versenkt hab.

Als ich nun Ende letzten Jahres freundlich meine Daten DSGVO-konform bei einem Onlinecasino angefordert habe, in welchem ich einen hohen fünfstelligen Betrag versenkt habe und ähnlich behandelt wurde, kam das gleiche Gefühl.

Der vorherrschende Gedanke, wenn ich an dieses Supportteam/Seite denke ist, dass ich denen sicher nichts mehr in den Rachen werfe, so wie die mit mir umgehen. Das Thema war dort nicht das gleiche aber dieses hingehalte und „wir haben technische Probleme“ etc..

Ich komme aus einem technischen Bereich und habe zufällig auch eine Verfahrensverzeichnisgeschichte mit konzeptioniert. Es wäre nur ein Mausklick seitens des Casinos gewesen, sie wollten mich halt einfach für dumm verkaufen.

Da ich das ungern mit mir machen lasse, werde ich dort auch keinen virtuellen Fuß mehr reinsetzen.

Long story short:
Mich würde es einerseits interessieren, ob ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht habt, die euch das abstinent bleiben vereinfachen oder sogar ermöglichen. Kann ja auch ein Ultimatum der/des Partners sein - ein Hinweisschild im Hirn, das einem ganz klar sagt, NEIN, weil … .
Und andererseits kam mir der Gedanke, warum ich diesen Post verfasst habe: Geht doch mal zu euren Spielos und Onlinecasinos und fragt um Hilfe, vielleicht können sie euch auch persönlich so enttäuschen, dass ihr einen Ärger wie ich entwickelt :)

LG
Aciric

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #1 am: 18 Juni 2021, 16:41:34 »
Hallo Aciric,

ich möchte das Verhalten der OC's oder Spielo nicht schmälern aber auch wenn du mit einer Träne vor der Person in der Spielothek so geht die Person ihrer Arbeit nach, hält sich an ihren Arbeitsvertrag und du bist letztlich nur das Material was ihr Gehalt bezahlt. Das ist in der heutigen Zeit in vielen Bereichen so. Das Gesetzt lässt es nun mal auch zu.

Sei Händler bei Amazon - du verkaufst über die wirst aber auch behandelt wie der letzte Dreck. Wenn du zu einer Prostituierten gehst wird sie dir eingehend zuhören sie wird zu deiner Seelenverwandten solange bis die Stoppuhr klingelt und du nachwerfen darfst. Es klingt mir fast so als hättest du damals Mitleid gewollt das du armer Tropf dein Geld versenkt hast. Sei im Nachgang froh das du es nicht bekommen hast sonst hättest du noch am Ende eine emotionale Bindung aufgebaut und wärst zum Trostzocken heute noch drinnen.

Was es mir möglich macht abstinent zu bleiben? Das ich mir immer noch die Gefühle in mir aufrufen kann wie es mir damals ging, wer ich war und was ich getan habe. Dahin will ich nie mehr zurück. Hinzu kommt das ich meinen Kindern ein Vorbild sein will und sie aufwachsen sehen möchte. Wenn ich ans Ende meiner Tage komme soll nicht eine Traueranzeige erscheinen: Die Automaten schweigen, der Jackpot steht, dass er Weg ist tut uns weh... in tiefer Trauer dein Casinoteam...
aliena vitia in oculis habeamus, a tergo nostra

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #2 am: 18 Juni 2021, 19:31:05 »
Hallo ACIRIC,

ich hatte mich bei einem Casino wegen Spielsucht gesperrt und kurz danach wieder bei einem anderen angemeldet und verifiziert. Nach acht versenkten Hunderten erhielt ich dann die Nachricht, ich sei nach einer Abfrage bei OASIS gesperrt. Das war der Punkt, wo ich endgültig das Handtuch geschmissen habe. Mehr oder weniger wurde ich zu meinem Glück gezwungen. Olli erwähnte mal die unzähligen nicht über diese Datenbank angeschlossenen Casinos. Deshalb ist neben dem Willen zur Abstinenz auch möglichst schnelle professionelle Hilfe nötig.
Im übrigen kann ich deinen geschilderten Erfahrungen hinsichtlich der Kommunikation mit diesen Anbietern nur bestätigen.


Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #3 am: 18 Juni 2021, 21:26:58 »
Hallo Aciric,

ich möchte das Verhalten der OC's oder Spielo nicht schmälern aber auch wenn du mit einer Träne vor der Person in der Spielothek so geht die Person ihrer Arbeit nach, hält sich an ihren Arbeitsvertrag und du bist letztlich nur das Material was ihr Gehalt bezahlt. Das ist in der heutigen Zeit in vielen Bereichen so. Das Gesetzt lässt es nun mal auch zu.

Sei Händler bei Amazon - du verkaufst über die wirst aber auch behandelt wie der letzte Dreck. Wenn du zu einer Prostituierten gehst wird sie dir eingehend zuhören sie wird zu deiner Seelenverwandten solange bis die Stoppuhr klingelt und du nachwerfen darfst. Es klingt mir fast so als hättest du damals Mitleid gewollt das du armer Tropf dein Geld versenkt hast. Sei im Nachgang froh das du es nicht bekommen hast sonst hättest du noch am Ende eine emotionale Bindung aufgebaut und wärst zum Trostzocken heute noch drinnen.
Darf ich es zusammenfassen auf: „Die Welt ist hart, was erwartest du, selber schuld“? :)
In der Tat hatte ich zu dieser Zeit mehr mit den Leuten in der Spielo zu tun, als mit Freunden, mehr nur mit Arbeitskollegen. Es wurde halt auch jede freie Minute dort verbracht. Umso schlimmer dann die Aussage.

Ich möchte so nicht durch die Welt gehen. Das war ein Learning aber ich glaube ans Gute.

Was es mir möglich macht abstinent zu bleiben? Das ich mir immer noch die Gefühle in mir aufrufen kann wie es mir damals ging, wer ich war und was ich getan habe. Dahin will ich nie mehr zurück. Hinzu kommt das ich meinen Kindern ein Vorbild sein will und sie aufwachsen sehen möchte. Wenn ich ans Ende meiner Tage komme soll nicht eine Traueranzeige erscheinen: Die Automaten schweigen, der Jackpot steht, dass er Weg ist tut uns weh... in tiefer Trauer dein Casinoteam...
Hört sich klasse an, so einen Trigger im Hirn brauchst, jeder halt seinen eigenen. Gibt ja auch so Verhaltenstherapieansätze mit Zettle unter die Sonnenblende etc.

LG
Aciric

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #4 am: 18 Juni 2021, 21:29:12 »
Hallo ACIRIC,

ich hatte mich bei einem Casino wegen Spielsucht gesperrt und kurz danach wieder bei einem anderen angemeldet und verifiziert. Nach acht versenkten Hunderten erhielt ich dann die Nachricht, ich sei nach einer Abfrage bei OASIS gesperrt. Das war der Punkt, wo ich endgültig das Handtuch geschmissen habe. Mehr oder weniger wurde ich zu meinem Glück gezwungen. Olli erwähnte mal die unzähligen nicht über diese Datenbank angeschlossenen Casinos. Deshalb ist neben dem Willen zur Abstinenz auch möglichst schnelle professionelle Hilfe nötig.
Im übrigen kann ich deinen geschilderten Erfahrungen hinsichtlich der Kommunikation mit diesen Anbietern nur bestätigen.


Wolfgang

Hey Wolfgang,

hoffentlich haben sie dich nach den versenkten Hundertern und der Abfrage dann noch so stehenlassen, dass du mitten im „Will mein Geld wieder zurückgewinnen“ keine Chance hattest, das wäre ja der größte Schlag ins Gesicht = Ärger gegen diese Anbieter.

Danke fürs Feedback!

LG
Aciric

*

Offline Max

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  • 105
Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #5 am: 18 Juni 2021, 21:34:23 »
Servus,

ich war nur als Jugendlicher zw. 16-18 am Daddelautomaten, das ist schon 30 Jahre her, die Art gibt Automaten mit Sonnen und 7en gibt es gar nicht mehr...
Danach bin ich über I...ops per Telefonwetten und Oddset auf onlinecasinos gestoßen. Lange waren es nur die Sportwetten... bis es ins Casino ging, wo die Gewinnmöglichkeit viel schneller war. Ich hab immer gezockt bis das Konto leer war... das ging über viele Jahre... wenn ich wieder ausreichend flüssig war ging es über eine Sportwette wieder rein ins onlinecasino bei dem Wettanbieter....Bis zum 20.08.2018, in der Nacht hatte ich alles verzockt und zum Schluss mit einem letzten Dreh in Höhe von 5.000€ wieder alles verzockt und hätte durch die PP Zahlung mein Konto 2 Tage später überzogen. Ich wäre also nicht nur blank gewesen, ich hätte einen Kleinkredit aufnehmen müssen.

Ich war so fertig, dass ich gar nicht ins Bett bin... hab bei einer Hotline angerufen und über 1h mit einer netten Dame gequatscht. Sie hat mich auf Reckmann und Lenne verwiesen und gemeint ich könne meine Verluste problemlos zurückbuchen. Also habe ich den Reckmann angerufen, kam auch gleich direkt durch und er hat mir geraten sofort alles zurück zu buchen. Sobald sich dann PP meldet solle ich ihn wieder anrufen, er würde dann ein Schreiben aufsetzen... Einsatz ca. 1200€ - 600 gleich, 600 nach Versand des Anschreibens. Da ich durch die Rückbuchung extrem flüssig war und mir für 1200€ 36.000€ zurückholen konnte, war das Risiko auch sehr gering.

Da online mein größtes Problem war... man kann ja schnell unzählige Summen innerhalb Sekunden vom Konto überweisen und verzocken, ich aber durch das Chargeback nicht mehr online zocken kann... auf jeden Fall nicht dort wo ich gespielt habe (die würden mir ja nie was auszahlen) und auch so, ein weiteres Chargeback nicht mehr möglich ist, da es dann Betrug wäre, habe ich seither nie wieder einen Cent in einem Online Casino gelassen. Ich habe allerdings ein mal eine Sportwette im ortsansässigen Wettbüro abgegeben, gewonnen und das wars. Desweiteren war ich ein paar Mal im staatlichen Kasino... a) besteht da keine Suchtgefahr, weil es weit weg ist und b) kann kein hoher Verlust entstehen, da man nur das verzocken kann, was man dabei hat. Ich hab dort immer gewonnen, deshalb war ich auch ab und zu mal dort. (Ziel war eigentlich immer das Spritgeld und die Getränke zu erspielen) Das habe ich aber auch eingestellt - bedingt durch Corona und auch weil es mir zu weit ist und ich auch keinen Antrieb mehr habe.

Die Chargebackmöglichkeit war sozusagen meine Fluchttür!

Auch wenn hier einige meinen, dass ich wieder rückfällig werde, wenn die Verjährung am 31.12.21 abläuft, online geht für mich hundertpro nichts mehr, da ich viele jahre meines Lebens verspielt habe und auch mittlerweile so flüssig bin, dass ich den Gewinn des Zockens nicht brauche. Früher hab ich auch immer angefangen zu spielen um Geld zu verdienen, nicht aus Spieldruckgründen.. die kamen und hielten immer nur solange ich im Plus war... allerdings dauerte es lange und die Verluststrähne nur ein paar Minuten. Dabei war die Summe vielfach höher als der bis dato eingespielte Gewinn...Das muss ich nicht wieder haben.

« Letzte Änderung: 18 Juni 2021, 21:36:51 von Max »

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #6 am: 19 Juni 2021, 05:13:38 »
Wake-Up-Calls gab es mehrere bei mir.

Als ich 20 Jahre alt war habe ich mir meine Spielsucht über Einbrüche und Diebstähle finanziert.
2015 bekam ich dafür  2 Jahre auf Bewährung. Ich denke das war so der erste Wake-Up-Call.
Dank meinen Bewährungshelfer nahm ich mir Hilfe von der Drogenberatung im Bereich Spielsucht.

Mit 24 ging ich in die Privatinsolvenz. Auch dies war für mich ein Wake-Up-Call.

Als ich dann mit 26 einen Rückfall hatte, dacht ich mir... Junge, soll das ganze wieder von vorne losgehen?
Jetzt wo du deine Schulden in Griff hast, wo dein Leben sich endlich zum positiven entwickelt hat?
Ich denke das war so der finale Wake-Up-Call. Es selbst realisieren, dass es ohne Glücksspiel einem viel besser geht.


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Offline Olli

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  • 4.540
Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #7 am: 19 Juni 2021, 05:53:00 »
Ich besitze einen kleinen Funkwecker. Ach jeh ... der hat auch schon etliche Jährchen auf dem Buckel. So knapp 30 müssten es sein.
Wenn die Weckzeit erreicht ist, dann macht es erst einmal "Piep". Es ist ein kurzer Ton und erst einmal auch leise. Dann vergeht eine Weile und es piept erneut. Das wiederholt sich ein paar Mal und dann wird der Ton lauter und länger ... "Pieeep". Auch hier folgt wieder eine Pause und alles wiederholt sich. Irgendwann folgt dem Ton ein längerer und noch lauterer Ton ... "Pieeeeeeep". Das steigert sich so lange, bis ein Dauerpiepen erreicht ist.
Was passiert da mit mir, wenn dieser Wecker klingelt ... ? Wenn der erste Ton erklingt, dann schwelge ich noch in meinen Träumen. Es ist ein störendes Geräusch und da er nur kurz erklingt, fege ich ihn aus meinen Träumen. Doch er kommt wieder und wieder und wieder. Er wird penetranter und dem Traum ist nicht mehr zu folgen. Spätestens beim Dauerton entsteht in mir der unbändige Drang den Arm auszustrecken, den richtigen Knopf zu erfühlen und darauf zu drücken, damit Ruhe eintritt.
Mein Wake-up-call beim Glückspiel funktionierte genau so - nur eben über 20 Jahre lang. Die einzelnen Pausen zwischen den Tönen bestand aus Wochen, Monaten und hier und da sogar mal ein Jahr. So ein "Piep" waren zumeist Momente, in denen ich aufflog, genau wusste, dass da was falsch war, Abstinenz schwor und doch recht schnell wieder zurück in meine Traumwelt fand.
Bis zum mächsten "Piep" ...
Wie beim Aufwachen der Wecker dafür sorgte, dass die Realität immer mehr Oberhand über den Traum gewinnt, ich mich aber vehement weigere dies zu tun und den Weg in den Traum zurück am Liebsten erzwingen möchte, so sickerte auch beim Glückspiel immer mehr durch, dass ich mich selbst schädigte. Nicht das Geld oder die Zeit ... aber mein Wertgefühl. Doch ich weigerte mich dies zu akzeptieren und folgte dem Ruf des Glückspiels als könnte ich die bereits erklungenen Töne wegwünschen.
Vor fast ziemlich genau 15 Jahren erfolgte dann der Dauerton (Mein Wecker geht gerade los, hatte vergessen ihn auszustellen :) )
Es brauchte noch ein letztes Mal das Verjubeln eines kompletten Monatsgehaltes an einem Tag, um mich aufzuwecken - endgültig.
Dieses Dauerpiepen an diesem einen Tag war so nervig, dass ich die Ruhe danach regelrecht genoss und immer noch genieße.
Ich habe auch viel Mist gebaut in meiner Trance, die keine echte war. Doch im Heute kann ich mir selbst doch schon Vieles vergeben und im Hier und Jetzt leben. Heute bin ich der Mensch, der ich immer sein wollte, aber tatsächlich gar nicht war.
In meiner eigenen Realität bin ich hellwach ...
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Was war euer Wake-Up-Call?
« Antwort #8 am: 07 August 2021, 07:24:22 »
.......gibt es den? Man ändert erst etwas,wenn der Leidensdruck höher ist,als " der Nutzen,der Spaß " des Zockens. Und das muss nicht die Geldsorgen betreffen,da kommt nämlich einiges gleichzeitig zusammen an. Wenn die eigene Wahrnehmung aber eine andere ist,können dir 100 schlimme Sachen widerfahren sein, die dich aber nicht zum Aufhören bewegen,was aber anderen schon längst das Genick gebrochen hätte.

LG Wolke

 

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