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Mein Tagebuch 18.06.21

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch
« Antwort #30 am: 10 Juli 2021, 19:51:12 »
Hey Olli ich hoffe es geht dir gut😉

Ich habe mal eine Frage dir mir gerade so hoch kam. Du schreibst du warst 20 Jahre nasser Spieler hattest nur Spielpausen möchtest das was du jetzt hast nicht mehr missen. Auf dir Gefahr hin das du das schon zig mal erläutert hast würde ich gerne von jemandem der nun doch viele Jahre abstinent ist sich finanziell und auch sonst wieder stabilisiert bzw. aufgebaut hat gerne wissen wie... Also nach Jahren vergisst man da nicht was war wie schlimm es war und redet es nicht klein? Also nach Jahren meine ich... Kommen da nie mehr Gedanken auf wie ach herr je wie früher spiel ich nicht mehr aber mal einen kleinen Schein nur zum Vergnügen kurz und schmerzlos? Ich kann mir das noch nicht so riichtig vorstellen wie es wäre Jahre sauber zu sein. Wenn alles schlecht und negativ ist die Finanzen geplündert sind ja dann natürlich dann geht man mit allen Mitteln gegen vor will clean sein.... Aber viele Jahre später? Menschen neigen ja auch dazu zu vergessen. Wie eine Geburt zeitnah war es schlimm und in vielen Jahren hat man vergessen wie schlimm es war dann sagt man ach das war alles ok.

Es können auch andere Antworten die lange Abstinent sind. Danke

Re: Re: Mein Tagebuch
« Antwort #31 am: 10 Juli 2021, 21:35:48 »
Hallo Catia,

ich bin fast 4 Jahre Spielfrei, aber es ist nicht immer leicht. Das Zocken lenkte mich von anderen  Problemen und Gefühlen ab und ich verbinde damit eigentlich was positives, es tat mir gut. Kopf frei,für ein paar Stunden sorgenfrei. Doch danach waren alles wie vorher und noch schlimmer,denn die Sucht bringt nunmal noch mehr Probleme mit sich,die du selber auch kennen wirst.

Ich habe in der Verhaltenstherapie 2 Hauptthemen bearbeitet und zwar Trauer und Spielsucht , kleinere Dinge kamen noch hinzu. 
Ich lernte Sachen zu verarbeiten, andere Sichtweisen
kennen, Gefühle zuzulassen, mit Geld wieder umzugehen, den 50€ Schein nicht mehr mit dem Automaten zu verbinden,Automatismen zum Spielen,die Druck auslösen, zu durchbrechen,Hintertürchen zu erkennen und zu verschließen,...........offener zu reden,Probleme  nicht immer alleine lösen zu wollen.

Das positive ohne Zocken überwiegt,ich fühle mich wohl,aber die Sehnsucht nach dem Zocken kommt immer mal wieder durch. Ich kämpfe dann ,wende das angelernte an,rede mit Freunden usw......ich war nicht mehr zocken,aber manchmal schaffe ich es nicht so,wie ich es möchte, denn ich gucke mir manchmal auch Filme von Spielern an. Das muss ich noch versuchen ganz abzustellen. 

Die OASIS Spielersperre löst grad bei mir auch Suchtdruck aus und leider habe ich dadurch auch Film e  gestern und heute geguckt.

Egal, ob es mir gut oder schlecht geht,ich will nie mehr spielen und ich hoffe,dass ich nie übermutig vom Gefühl  her werde,es noch einmal zu tun. Ich will meine Gefühle fühlen,nicht unterdrücken.  Ich zahle noch ein paar Jahre Schulden ab,aber mir geht es finanziell gut, ich könnte zocken,will es aber nicht.
Geld gegen Gefühl und Gefühle gewinnen.

Ich bin 4 Jahre Spielfrei,lockerer,entspannter geworden,muss nicht mehr lügen,kann mehr unternehmen, lache wieder,habe Freude,fühle mich und andere,an manchen Tagen vergesse ich die Sucht ganz ,aber ich würde das ganze nicht für 10€ aufs Spiel setzen, um kurz zu zocken.
Deswegen bin ich weiter achtsam und muss solche Situationen, solche Zeiten wie gerade ,mit Anstrengung überstehen, mir genau überlegen was ich tue,aber es lohnt sich. Und ich hoffe,dass ich das bis zu meinem Lebensende schaffe.

Und das wünsche ich dir auch!!

LG Wolke


Re: Re: Mein Tagebuch
« Antwort #32 am: 10 Juli 2021, 21:43:17 »
Es verwirrt mich etwas ,dass so viele als Überschrift nur "Mein Tagebuch" verwenden und ich jetzt Catias Frage in Marcs Tagebuch beantwortet habe.

Ist für Marc ,als TE ,vielleicht auch was verwirrend.  Sorry. Ansonsten muss die Antwort verschoben werden.  Ist grad nicht so leicht den Überblick zu behalten, in welchem Tagebuch man gerade ist.

LG Wolke

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Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #33 am: 11 Juli 2021, 03:40:32 »
Hi Wolke!

Habe das Thema gesplittet und Catias Tagebuch angefügt.

Hi Catia!

Ja, danke, es geht mir gut. Gestern habe ich meine zweite Impfung erhalten. Als gestern niemand zum Webmeeting kam, bin ich ins Schlafzimmer, habe den Fernseher angemacht und bin kurz darauf schon eingeschlafen ... gegen 20 Uhr 15.
Das Ergebnis siehst Du an der jetzigen Uhrzeit ...  und ich bin hellwach ... :) Werde nach dem Beitrag hier noch mal versuchen etwas Schlaf zu finden.

Zitat
Also nach Jahren vergisst man da nicht was war wie schlimm es war und redet es nicht klein? Also nach Jahren meine ich...
Mein Suchtgedächtnis sagt mir tatsächlich, dass es doch eine wahnsinnig schöne Zeit war, als ich durch die Kneipen und Spielhallen tingelte. Ich erinnere mich an die großen Serien, die Freunde, die mich begleiteten, die gesamte Atmosphäre. Da besteht die Gefahr, dass ich in Nostalgie verfalle. An den zwei Hallen im Ort fahre ich des öfters vorbei, sie liegen ja zentral. Jedes Mal verspüre ich den Wunsch hinein zu schauen - hat sich was verändert? Bekomme ich ein Näschen voll vom Embiente? Da zwinge ich mich dann bewusst weg zu schauen, was aber doch recht einfach funktioniert.

Mein Suchtgedächtnis ist aber nicht der einzige Teil, der sich erinnert. Ich nenne ihn mal den guten Begleiter. Er erinnert mich an meine Lügen und dass ich mehr sein will als ein Lügner. Er erinnert mich daran, dass ich mich selbst klein redete und egal, wie viel Gutes ich tat, um es auszugleichen, es nie gereicht hatte. Er erinnert mich an die Hoffnungslosigkeit, dass ich nie etwas erreichen konnte, wenn ich weiter gespielt hätte. Er erinnert mich aber auch daran, dass ich all das Erreichte, sollte ich wieder anfangen zu spielen, verlieren würde. Ich bin überzeugt, dass ich meinen sicheren Ort, mein Häuschen, verlieren würde. Ich müsste aussiehen und es würde bedeuten, dass ich räumliche Distanz zu meiner Schwester, Schwager und meinen drei Nichten schaffen. Ich würde wieder in den Dauerzustand aus Scham und Schuld verfallen.
Doch ich bin zufrieden - ich bin ausgeglichen. OK, meistens wenigstens. Doch es ist gut, wenn ich mich mal über etwas aufrege, es auch anspreche. Es ist gut, wenn ich mitten in der Nacht in einem Forum schreibe.
Nein, ich bin selbstsicherer geworden. All das mental und emotional Erreichte habe ich überhaupt erst durch das Hilfesystem erreicht. Was wäre wohl passiert, wenn Ilona mich nicht zu meiner ersten Jahrestagung von fags eingeladen hätte?
Jedes Jahr freue ich mich bekannte Gesichter wieder zu sehen, mit spannenden Themen in den Vorträgen in Berührung zu kommen und ich habe die Qual der Wahl mich unter mehreren Workshops einen auszuwählen.
Diese Workshops sind der Grund, dass ich bei er Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht an Seminaren teilnehme, wenn es passt, mehrfach im Jahr. Auch die Gruppenleiterschulung habe ich auch erst auf Grund all dieser Erfahrungen angetreten.
Es ist gut, wenn ich heute traurig bin und morgen die Welt aus den Angeln heben könnte. Es ist gut, wenn ich Langeweile habe.
Dabei hat mit auch die sieben Jahre lange Trennung von meinen Eltern geholfen. Es hat mir ermöglicht, mich von Erwartungen zu trennen, die gar nicht meine waren. Ich habe meinem Vater die Tage berichtet, dass ich auf meiner Terrasse vier Reihen Betonplatten herausnehmen und unterfüttern möchte. Dort ist das Gelände bis zu 2 cm abgesackt. Da ich dies beim Erstellen der Terrasse bedacht hatte, hatte ich die Platten zunächst etwas höher verlegt. Heute ist zu meiner Terrassentür also nur eine "Stufe" von 1 cm. Es eilt mir als nicht. Irgendwann im Laufe des Jahres werde ich dies erledigen. Am Montag fragte mein Vater mich nun, wann ich denn endlich die Terrasse machen wollte. Er hat sich nichts dabei gedacht ... Früher hätte diese Frage in mir die Erwartung aufgebaut, die Arbeit schnellstens erledigen zu müssen, damit er stolz auf mich ist. Doch heute nicht mehr. Ich habe also noch einmal erklärt, dass mein Ziel "dieses Jahr" lautet und keine Eile besteht. Ich erledige es dann, wenn ich Zeit und Lust und Laune habe. Wahrscheinlich wird es Ende des Monats, denn dann mache ich 3 Wochen Urlaub auf Terrassien.

Was das Vergessen angeht ... ich bin hier im Forum aktiv, damit ich nicht vergesse. Jede Neuanmeldung zeigt mir auf, wo ich emotional nicht mehr hin möchte. Jedes Mitglied, welches sich vom Glücksspiel lösen kann, erinnert mich an meinen Prozess.
Auch diejenigen, die weiter spielen, sofern sie es berichten, erinnern mich an meine 20 Jahre. Das Forum ist für mich ein Spiegel in die Vergangenheit und auf das Jetzt. Dafür bin ich jedem einzelnen dankbar.
Ich habe hier viele Freunde gewonnen, die ich auch in Natura treffen durfte. Ich freue mich, dass Wolke wieder schreibt, weiterhin spielfrei ist und ihren Weg konsewuent beschreitet. Ich freue mich darüber, dass Du diese Fragen gestellt hast und an Dir arbeitest.

Nein, es lockt mich nicht mehr mich an einen Automaten zu setzen. Hier habe ich sogar meine goldene Regel aufrecht erhalten, die Kisten noch nicht mal zu berühren. Die Dinger sind für mich tabu. Das Gleiche gilt für Spielhallen. Wozu sollte ich eine betreten, wenn ich gar nicht spielen möchte? Sie erfüllen nur mal nur einen Zweck.
Da höre ich doch lieber einmal dem Vogelgezwitscher zu, welches ja bald wieder bei Sonnenaufgang beginnen wird.
Also mache ich mal Schluss und versuche noch ein Quentchen Schlaf zu erhalten.
Gute Nacht und süße Träume!
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #34 am: 11 Juli 2021, 05:51:38 »
Lieben Dank Olli und Wolke😊

Eure Beiträge zeigen wirklich auf, dass man ein Leben lang achtsam bleiben muss und immer an sich und seinen Gefühlen arbeiten muss. Das ich ein Leben lang auch wenn es. Mir irgendwann mal gut geht diesen Gedanken "ach einmal tut nun keinem weh" niemals nachgehen sollte und vergessen schon mal gar nicht sondern mir der Gefahr auch in guten Tagen bewusst sein sollte. Das Thema interessiert mich gerade... Man hofft ja in schlechten Tagen immer auf gute Tage und überlegt dann wie ist es dann mit der Sucht. Das mit deinem Vater Olli eeinnert mich an meine Mutter und ihre Erwartungen mir gegenüber und das auch ich diese nicht erfüllen muss. In der Therapie erzählte die Therapeutin von einer Dame die mit 40 Jahren Abstinent geworden ist und aufgrund des Ablebens ihres Ehemannes mit 83 Jahren rückfällig geworden ist und in die Therapie zurückgekehrt ist. 4 Jahrzehnte hat sie es geschafft man könnte meinen dann hätte sie es "geschafft" man sei überm Berg... Aber leider ist dem so nicht das lese ich an euren Beiträgen ebenso. Man darf das Osterfeuer immer wieder mit anderen betrachten jedoch aus anderer Entfernung da wir süchtigen ein Zeitungskostüm tragen. Danke euch beiden und einen schönen Sonntag wünsche ich Euch allen.

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #35 am: 11 Juli 2021, 10:29:47 »
Hallo Catia,

die allerbesten Wünsche zu deinem heutigen Geburtstag. Bleib gesund und weiterhin abstinent.

Übrigens, der Satz mit dem Osterfeuer gefällt mir.


Liebe Grüße

Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Olli

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #36 am: 11 Juli 2021, 10:47:12 »
Hoppla ... auch von mir alles Liebe zu Deinem Geburtstag ... ;)

Zitat
Eure Beiträge zeigen wirklich auf, dass man ein Leben lang achtsam bleiben muss und immer an sich und seinen Gefühlen arbeiten muss.

Mein treuer Begleiter meint gerade, dass ich nichts muss, aber alles darf ... :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #37 am: 11 Juli 2021, 10:56:40 »
😂😂Vielen lieben Dank ihr Lieben

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #38 am: 11 Juli 2021, 10:58:05 »
Von mir auch alles Liebe und Gute zum Geburtstag

Genieß den Tag mit Familie  und Freunden.

LG Wolke

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Offline Ilona

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    • Fachverband Glücksspielsucht e.V.
Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #39 am: 11 Juli 2021, 11:57:40 »
Von mir auch: Lass dich feiern! Und genieße es!
LG Ilona
Juristische Beratung: Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen / Bielefeld http://www.kguk.de/
Ansprechpartnerinn: Dr. Iris Ober und Juliane Brauckmann  (Fachanwältinnen für Bankenrecht)  Terminanfragen: 0521-529930
Weitere Infos  hier: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3737.0

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #40 am: 11 Juli 2021, 12:04:38 »
Auch euch beiden vielen lieben Dank und einen schönen Tag👍

Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #41 am: 11 Juli 2021, 14:55:29 »
Hallo Catia,
auch von meiner Seite aus alles Gute zum Geburtstag. Spielfrei in dein neues Lebensjahr starten, wenn du beides miteinander gedanklich verknüpfst kann dir dieser spielfreie Neustart in deinen nächsten Lebensabschnitt vielleicht sogar auch hilfreich sein, um mögliche Gedanken zum Rückfall sofort wieder zu bekämpfen.

Viel Glück dabei, bzw viel Spaß an deinem Tag heute =)

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #42 am: 11 Juli 2021, 16:34:47 »
Danke dir auch herzlich😊 den Gedanken bzw. Vorsatz hatte ich auch also neues Lebensjahr und spielfrei bleiben wollen👍

LG

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Offline andreasg

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #43 am: 11 Juli 2021, 17:14:26 »
Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag, Catia,

viel Freude am "Neuen Leben" in Spielfreiheit.

Schön, von Dir zu lesen, und Danke, daß Du Dich offen einbringst.

Liebe Grüße
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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Online Catia

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Re: Mein Tagebuch 18.06.21
« Antwort #44 am: 11 Juli 2021, 17:30:08 »
Danke Andreas auch an dich und einen schönen Abend👍

 

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