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Ich habe den Absprung geschafft. Ich bin nun keine Angehörige mehr

  • 8 Antworten
  • 624 Aufrufe
Hallo alle zusammen,

Ich bin Martina und habe hier vor Monaten schon mit gelesen und mit geschrieben und auch Zoom Meetings mit gemacht, mit Olli und eins auch bei Andreas.

Kurz zu meiner Geschichte wer mich nicht kennt,

Ich habe vor 3,8 Jahren mein Heimatsort (Dortmund) für meinen neuen Partner verlassen. Ich habe 2 Kinder in die neue Beziehung mit gebracht, und ein Kind habe ich noch mit meinem neuen Partner bekommen.

Als ich in die neue Stadt gekommen bin , ging alles los, und kam raus das mein neuer Partner spielsüchtig ist. Alle anzeichen waren da, Geld geklaut, Konten geplündert,  Kinder beklaut,  Lügen über Lügen, und noch mehr als Lügen. Der Vater meines 3. Kindes, ich werde ihn jetzt ex bezeichnen damit ihr auch noch mit kommt. :-)

Ich selbst bin eine sehr starke dominante Person,  die aber auch ihre Vorgeschichte hat, die mich persönlich aber nicht einschränkt oder belastet. Ich bin aber gerne eine Helfer Person.

Deswegen war ich früh bei meinem ex dran, das er eine Therapie bräuchte. Die er auch 2 mal für jeweils 3 Monate stationär gemacht hat. Es hat nix gebracht. Er wurde immer wieder rückfällig.
Das zusammen leben hat nicht mehr funktioniert da mir auch ständig Geld fehlte. Also ist er ausgezogen. Allerdings ist er in einem ambulanten betreuten Pflege wg von der Diakonie und hat auch eine betreuerin bekommen. Wir waren da zwar noch zusammen, es hat auch erst sehr gut funktioniert weil jeder sein Rückzug Ort hatte, und er mit seinen Geld machen konnte was er wollte, was er auch getan hat. Und ich mein eigenes Geld für mich und die Kinder habe.
Lügen Geschichten waren immer noch unverändert, seine Spielerei auch. Aber ich war nicht mehr betroffen.
Er hat alles dafür getan um an Geld zu kommen. Denn das Geld vom Anfang des Monats hat bei ihm 2 Tage gereicht  das hat er komplett verspielt und mittlerweile auch versoffen. Dann war halt immer der Kreislauf das er dann immer bei mir war, und ich ihn dann immer durchgezogen habe mit Essen und Trinken.

Er hat mir noch scheisse gebaut, seine Arbeit beklaut um Materialen damit er schwarz Baustellen machen konnte,  seine Arbeit hat er dadurch verloren und bekommt deswegen eine Straf Anzeige,  der Kunde von der schwarz Baustellen hat die Materialien bar an meinem ex bezahlt (724€) damit er dies in der Firma abgeben und bezahlen kann, was er nicht getan hat. Da droht ihm auch eine Straf Anzeige.
Das ist jetzt die aktuellste Situation.
Ich selber bin seit fast 2 Jahren bei der Diakonie bei einem Angehörigen/sucht Therapeut um das alles zu verstehen.
Der letzte Fall, warum ich es geschafft habe, ist, er hat beim Spielen auch immer mehr Alkohol getrunken, das kam neu dazu. Vor 2 Wochen rief er mich um 2 Uhr nachts völlig  besoffen an und fragte ob er zu mir kommen dürfte..Ich sagte Nein. Ich sagte ihm noch das ich sofort zurück rufe, da im Schlafzimmer unsere gemeinsame Tochter auch noch schläft. Also bin ich aufgestanden und bin auf den Balkon. Da sah ich ein Taxi stehen, wie er Ausstieg und mich fragte,  ob er jetzt kommem dürfe.  Er kniete sich besoffen auf die Strasse und bettelte mich an das er bitte zu mir kommen möchte. Ich sagte Nein und blieb auch bei Nein und ging rein. Ganz davon ab war das ekelig und peinlich . Das hatte nix mehr mit süss zutun.
Mein ex setzte sich vor meine Haustür ud wartete . Da der Taxi Fahrer mein Nachbar ist, und wir in einem Haus wohnen, Schloß er natürlich unten die Tür auf und brang ihn hoch zu mir. Er wollte sicher gehen das er gut bei mir ankommt. Die Nachbarn wissen natürlich nix über das ganze Dilemma. Ich machte die Haustür auf , und kurze Zeit später,  sagte ich zu ihm das er wieder gehen solle. Da er so besoffen war, wollte er nur noch schlafen und knallte sich auf meine Couch.
Er diskutierte mit mir,  und sagte zu mir und beleidigte mich, das ich scheisse wäre, und eine Fotze wäre, und ich ihm ja nie geholfen hätte,  was nicht stimmt, und ich wäre nur Wasser für ihn.
Ich habe dann die Polizei gerufen und habe ihn hier abholen lassen.
Er fing Grosses Theater dann an vor der tür was bin morgens früh ging. Denn er kam dann auch nochmal zurück und schellte Sturm. Bombardierte mich mit Nachrichten,  anrufen usw. Ich rief dann nochmal die Polizei an um ihn bei mir vor der tür zu beseitigen . Ich rief meine Anwältin an , die hat einen gewaltsschutzantrag fertig gemacht,  und darf sich mir nicht mehr nähern. Seit dem ist Ruhe. Habe da endgültig endlich geschafft die Worte raus bekommen, das ich mich hiermit auch trenne.
Zu mir: ich bin oder war definitiv in die co Abhängigkeit rein gefallen,  aus der ich mich jetzt rauskämpfe,  ich habe mich in einen Kontrolle wahrn reingesteigert um alle Lügen aufzudecken. Ich bin sehr oft in eine traurige Ohnmacht verfallen und habe nur noch funktioniert.
Ich habe selber erkannt, das ich ihm einfach nicht mehr helfen kann und das ich so ein Leben nicht mehr führen will.


Ihr könnt mir gerne fragen stellen bei Bedarf

Liebe Grüsse an alle und freue mich auf eure Antworten 

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.603
Hi Tina!

So kompakt erzählt, läuft mir doch mal wieder ein kalter Schauer den Rücken runter. Manchmal können wir gar nicht ermessen, welche Qualen wir den Angehörigen antun. Doch gottlob schilderst Du hier "nur" einen ziemlich extremen Fall.

Ach ... wie ist Deine Ambivalenz bei den Geschehnissen vor zwei Wochen noch extrem gewesen. Doch wie mir scheint, war das genau das Richtige, um bei Dir das Fass zum Überlaufen zu bringen. Die Polizei zu rufen war genau das Richtige. Den Platzverweis zu mißchten von ihm einfach nur dämlich ... für Dich ideal.
Schätze mal, dass darauf dann der Gewaltschutzantrag basierte.

Ja ... eine Frage habe ich: Wie geht es Dir denn jetzt?



Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Olli,

Ich freue mich so sehr von dir zu lesen.
Ja es war "nur" ein Fall den ich geschildert habe.
Ich könnte ein Buch schreiben.

Wie es mir geht?
Aktuell geht es mir sehr schlecht. Sehr sehr schlecht.
Weinen ist im mom meine Lieblings Beschäftigung. Es sind Tränen der Erleichterung, Tränen der traurigen Ohnmacht,

Wie ich ja erwähnte,  bin ich sehr hilfsbereit. Und wirklich zu sehen , egal wer es ist, nicht mehr helfen zu können, weil es einfach nicht mehr geht, tut weh.
Mein ex und ich waren wie Barbie und Ken,
Einfach auch zu sehen wie er abgestiegen ist, wie er gefallen ist, tut weh, realisieren wie weit ich mich in seine Probleme rein gekniet habe, ich bin einfach nur so blind und dumm gewesen. Aber ich konnte es nicht wissen.
Die Schmerzen sind grösser, als die Geburt und Ich habe 3 Stück hinter mir ohne Schmerzmittel.

Unfassbar wie einem Menschen soetwas passieren kann.
Ich muss definitiv auch an mir arbeiten. Ich muss das komplett verarbeiten das war einfach soooooo viel, das ich im mom gar nicht die richtigen Worte finden kann. Der Kopf ist schneller als die Tastatur.

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Offline andreasg

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  • 1.569
Hallo Tina,

auch ich habe es begriffen, daß die Polizei mein Freund und Helfer ist. Meinen Respekt für Deine Vorgehensweise. Die ist Dir bestimmt nicht leicht gefallen?

Sorry, Du hast ja um Fragen gebeten, und spontan: wie gehen die Kinder mit der Situation um. Ich weiß, es ist ein extrem sensibler Bereich, der einen Schutzraum fordert,
allerdings wissen wir, Kindrn kann man nichts vormachen. Die Realität dringt unvermittelt in ihre Seelen ein.

Für Dich weiterhin, viel Kraft und Mut
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Zitat von: andreasg link=topic=5150.msg46215#msg46215
  wie gehen die Kinder mit der Situation um.

Mich interessiert das auch wenn du bereit bist es mit uns zu teilen.
Die Kinder sind bei mir immer so das Argument warum ich zögere ....
« Letzte Änderung: 23 August 2021, 22:41:48 von Marieclaire »

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.603
Hi Tina!

Trauere ruhig ... den für Dich schwersten Schritt hast Du gemacht. Trotz Trennung hast Du ja schon ewig deswegen mit Dir gerungen.
Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Und er hat Dir sogar dabei geholfen, ob er es wollte oder nicht.
Er ist für sich verantwortlich. Er kann jederzeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn er es denn möchte.
Doch er wird auch nie mehr der sein, der er einmal war. Deinen "Ken" gibt es nicht mehr.

Du kannst Dich jetzt wieder auf Dein und das Leben Deiner Kinder konzentrieren. Die Zeit der Trauer wird vorbei gehen und sie muss auch wegen der Kinder vorbei gehen. Doch die Zeit jetzt darfst Du Dir gerne gönnen.



@MarieClaire
Ich habe in die Zitierfunktion bei Dir nur ein "]" eingefügt.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hey, ihr zwei noch,

Ja es fiel mir erst nicht leicht die Polizei zu rufen,  habe auch 2 Zigaretten Längen überlegt,  aber ich musste es einfach tun.  Ich wusste mir nicht anders zu helfen, und mit irgendetwas musste ich einfach einen Anfang machen.

In der Nacht, wo das erste mal die Polizei kam, ist mein mittlerer Sohn(7) aufgewacht mit Pipi im Bett und sagte noch laut:" Mama und ich habe alles mit bekommen !"
Das war ein grosser Schock für mich, weil man einfach immer versucht, das die Kinder nix mit bekommen. Das war dann für mich Bestätigung genug das es die richtige Entscheidung war.
Ich sagte nur zu meinem Sohn, er solle zu mir ins Bett gehen und ich würde gleich kommen.
Als mein ex dann weg war mit der Polizei,  ging ich natürlich zu meinem Sohn ins Bett, und erklärte ihm, das Erwachsene auch Streitigkeiten haben wo die Polizei helfen muss. Er war dann erstmal zufrieden und kuschelte sich dolle an.
Ein paar Stunden später musste ich ja nochmal die Polizei rufen,  und ich muss ganz ehrlich sagen,  meine Jungs 7 und 8,5
Müssen etwas mit bekommen haben von der ganzen Geschichte,  denn meine Jungs haben nicht einmal nach meinem ex gefragt.
Sie fragen gar nix ....nix.... Als hätte es ihn nie gegeben.
Ich muss auch sagen, das der mittlere Sohn seit Ca 1 Jahr fast jede Nacht Pipi ins Bett macht.
Seit der Nacht wo die Polizei meinen ex mit genommen hat, war nicht ein einziges mal mehr Pipi im Bett. Ich bin jeden Morgen erstaunt wenn er sagt, ich bin trocken Mami, :-)
Es muss was damit zutun gehabt haben.
Ich glaube meine Söhne wissen ganz genau das ich angespannt war, wenn mein ex da war, denn der Grosse hat den beschützer dann hier gespielt. Und sie merken auch ganz genau wenn ich alleine mit ihnen bin, wie entspannt die ganze Situation ist.
Also die richtigen Worte, muss ich auch noch finden, aber die werde ich finden. Für meine Kinder,  für unser Leben, für unsere Zukunft .
Ich darf Ei Fach nicht kaputt gehen, denn dann gehen meine Kinder auch kaputt,
Bleibe ich weiterhin in der Co Abhängigkeit,  übertrage ich dieses Muster 1zu1 an meine Tochter (1,9) sie ist noch ein roh  Diamant
Und meine Söhnen würde ich dieses Verhalten und Helfer Syndrom auch weiter geben. Sie hätten es auch schwer in ihrer Zukunft.
Deswegen muss ich auch so schnell wie möglich an mir arbeiten,  und meine Kinder werde ich auch denk ich mal zum Psychologen bringen,  damit wir unbelastet leben können.

LG

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Offline Olli

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  • 4.603
Hi Tina!

Natürlich bekommen die Kinder immer etwas mit. Bei dem ganzen Theater mussten sie das sogar mitbekommen.
Ach wie süß, dass sie Dich schützen möchten und nichts sagen. Da ist Deine Idee sie zum Psychologen zu bringen echt super.
Wer weiss, was sie da alles hineininterpretiert haben. Sie müssen darüber reden und zumindest im Ansatz verstehen lernen.
Sie brauchen Sicherheit ... und Du gibst sie ihnen ... (Thema Bettnässen)

Aber nein, Tina ... Du gehst nicht "kaputt" ... Du wächst an der ganzen traurigen Geschichte. Eine "starke Frau" wird noch stärker ... :)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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Offline andreasg

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  • 1.569
Hallo Tina,

Danke für Deine Antwort. Ich bin erschüttert zu lesen, wie tief die Wunden bei Euch sitzen, und in die Seele greifen. Es ist gut, sehr gut, wie liebevoll Du Dich engagierst. Ich habe zB. bei: "Pipi ins Bett machen" wieder Angst bekommen. Die Schläge darauf hin, tun immer noch weh.
Das Kuscheln ist ein heilsames Mittel, und der Weg ist richtig. Wir haben in unserer Stadt zwei Kliniken für Kinder, vor allem am Kinderkrankenhaus ist die Psychologie ein wesentlicher Bestandteil der Heilung. Sei bitte mit Dir geduldig.

"die Zeit vergeht schnell, und je länger ihr euch vom Glücksspiel (von Menschen, die noch Spielen) fernhaltet, desto schneller wird eure Genesung voranschreiten. (Auszug mit Klammersetzung,aus der Präambel der Anonymen Spieler (GA).

Liebe Grüße und schöne 24 Stunden
Andreas
« Letzte Änderung: 24 August 2021, 10:27:04 von andreasg »
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