Unterstützen Sie unsere Arbeit Jetzt spenden!
Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

Kurzvorstellung

  • 12 Antworten
  • 667 Aufrufe
Kurzvorstellung
« am: 24 September 2021, 12:52:33 »
Hallo zusammen,

da ich nun schon seit geraumer Zeit in diesem Forum als anonymer Gast mitgelesen habe und mich bei vielen hier beschrieben Schicksalen selber wiedererkennen musste, habe ich heute endlich die Entscheidung getroffen, mich hier anzumelden und den Mitgliedern und interessierten Gästen als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.

Damit ihr euch ein besseres Bild von mir machen könnt, hier mal ein paar Eckdaten zu meiner Person und meiner Glückspielsucht:

- Beginn im Sommer 2011 mit einem Gratis-Tippschein in eine Fernsehzeitschrift.
- Danach vorrangig Sportwetten insbesondere Livewetten beim Fußball, Tennis und Tischtennis.-
- Seit 2012/13 auch verstärkt Online-Casinos, insbesondere Roulette.
- Dazwischen immer mal wieder mehrmonatige Phasen der Abstinenz, bis zu 13 Monate.
- Verluste seit Beginn der Spielsucht: ca. 42.000 Euro.
- Neben diesen materiellen Einbußen immer auch schwere Phasen der Depression, Aggression und Unausgeglichenheit.
- Seit ca. 5 Wochen (endlich wieder mal) spielfrei und motiviert, das Ganze Thema Spielsucht und seine Folgen zu einem endgültigen Abschluss zu bringen.

Die materiellen Verluste habe ich mittlerweile mental unter "Lehrgeld" abgehakt. Das Thema Charge Back werde ich nicht angehen, ich verbuche diese Verluste unter notwendigen Lebenserfahrung. Schließlich habe ich eine Großteil der Kohle mit vollem Bewusstsein und mit der Absicht eingesetzt, um Verluste wieder reinzuholen und meiner Gier nach monetärem/materiellem Gewinn nachzugeben. Ich konnte während meiner nun schon 10 Jahre andauernden Spielerkarriere viel selbst reflektieren und über mich und meinen Charakter nachdenken. Eine SHG habe ich bislang noch nicht aufgesucht, ziehe das aber in Erwägung. Zum Glück für mich bin ich als zweifacher Familienvater mit einem soliden Einkommen halbwegs geerdet und versorgt, um den Großteil meiner bisherigen Spielsuchtkonsequenzen mental und vom Kontostand her aufzufangen. Dennoch bleibt natürlich die Gefahr, wieder einmal rückfällig zu werden und an einem Abend mehrere hundert Euro bei Sportwetten zu verzocken.

Ich muss also weiter an mir selber und meinem Wertevorstellungen arbeiten, damit der Spielsucht-Teufel in seiner Kiste bleibt, die nach Möglichkeit ein solides Schloss aus Selbstbewusstsein und innerer Ausgeglichenheit verpasst bekommt.

In diesem Sinne freue ich mich auf den zukünftigen Austausch und die Diskussionen mit euch und wünsche allseits schon mal ein schönes - und insbesondere spielfreies - Wochenende!

Hobiwan

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #1 am: 24 September 2021, 23:18:08 »
Hallo Hobiwan,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Schön ,das du dich hier angemeldet hast. Das unterstreicht deinen Willen,für immer Spielfrei zu werden.

Warum machst du jetzt diesen Schritt,was ist jetzt anders als vorher? Kennst du noch den Grund /Auslöser,warum du nach 13 Monaten wieder angefangen hast?

Kennt jemand dein Suchtproblem,deine Frau,Geschwister, Freunde? Irgendeiner mit dem du dich sofort unterhalten kannst,wenn der Suchtdruck kommt?
Der Austausch in einer SHG tut sehr gut. Dort wirst du sofort verstanden, die Gruppe erkennt sofort ,wenn du dich selbst belügst,dir Hintertürchen offen lässt,sie unterstützen dich,helfen dir,geben dir eine andere Sicht auf die Dinge.
Meine Gruppe wurde therapeutisch begleitet.  Ich war über 2 Jahre da und auch wenn ich jetzt 4 Jahre Spielfrei bin, vermisse ich den Austausch öfters.

LG und einen schönen Abend

Wolke

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #2 am: 25 September 2021, 01:08:47 »
Hallo Wolke,

Danke für Deine Begrüßung hier im Forum.

Tja, der letzte Rückfall - nach 13 Monaten Abstinenz - war Ende Februar 2020. Eine Mischung aus Langeweile und natürlich dem Ärger über die bisherigen Verluste sowie dem Willen, das verlorene Geld wieder zurückzugewinnen. Kurz darauf kam bekannterweise der erste Corona Lockdown, der bei mir diesen Spielsucht-Rückfall noch verstärkte. Im Home Office konnte ich ja unbehelligt Sportwetten platzieren. Sogar während der Arbeitszeit!

Im Grunde habe ich dann kontinuierlich seit dem Rückfall bis Mitte August diesen Jahres über 10.000 Euro verspielt. Hatte Mitte letzten Jahres dann auch mal eine Aufstellung aller Gewinne und Verluste anhand der Kontoauszüge erstellt. Klingt vielleicht komisch: Aber mittlerweile hilft mir diese "Excel der Schande" auch dabei, spielfrei zu bleiben. Die monatlichen Verluste sowie die Gesamtsumme über 10 Jahre Spielsucht wirken wie ein Mahnmal der unnützen Geldverschwendung. Von den psychischen Nebenwirkungen ganz zu schweigen.

Eine Vertrauensperson im familiären Umfeld oder im Freundeskreis habe ich aktuell nicht. Meine Spielsuchtproblematik hatte ich zu Beginn der Phase in 2011/2012 mehr schlecht als recht mit meiner Frau angesprochen. Aufgrund der damals auch für sie ersichtlichen regelmäßigen Kontoabbuchungen einschlägiger Sportwetten- und Casinobetreiber. Dann gab es 2016 nochmal einen größeren Rückfall mit erheblichen Verlusten. Diese gingen aber größtenteils von meinem eigenen Giro- und Gehaltskonto ab. Das hatte ich natürlich vorab bewusst so eingerichtet, damit meine Frau nichts davon mitbekommt.

Im Großen und Ganzen hat mich dieser Entwicklungsprozess in meiner Spielsucht 10 wertvolle Jahres meines Lebens gekostet. Durch das Selbstreflektieren habe ich aber auch die ein oder andere Ursache für meine Spielsuchtveranlagung in meiner Persönlichkeit und meinem bisherigen Lebenslauf ausfindig machen können.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Spielsucht eine stark mental gesteuerte Krankheit ist. Die Wurzel(n) dieses Übels liegen zum Teil tief im Innersten von uns Spielern begraben und können mannigfaltige Ursachen haben.

Ich hoffe daher, hier im Austausch mit euch auch wieder ein ausgeglichener und zufriedener Zeitgenosse zu werden.

Viele Grüße und gute Nacht!

Hobiwan

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.540
Re: Kurzvorstellung
« Antwort #3 am: 25 September 2021, 08:51:21 »
Da ich dieses WE nur vom Handy schreiben kann, schicke ich Dir erst einmal nur ein herzliches Willkommen.

Schön, dass du dich traust zu schreiben.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #4 am: 26 September 2021, 12:34:13 »
Hallo Olli,

auch Dir ein herzliches Dankeschön für die Begrüßung hier im Forum. Das
Schreiben in diesem Umfeld tut mir gut und bestätigt mich in meinem neuerlich Willen zur endgültigen Abstinenz. 5 Wochen sind nun geschafft.

Mit Deinen vielen Beiträgen und Antworten hier im Forum, einer stivollen Mischung aus Motivation und Offenlegung von persönlichen Schwächen, hast Du auch mich davon überzeugt, die Problematik der Spielsuch offen anzugehen und im persönlichen Austausch mit anderen Betroffenen zu besiegen.

Mir hilft dabei momentan auch, den Fehler und die Veranlagung zur Spielsucht nicht ausschließlich nur bei mir zu suchen und zu überwinden. Das ist sicherlich das Hauptproblem.

Jedoch habe ich aufgrund einiger informativer Reportagen und Bericherstattungen - insbesondere in den letzten Monaten seit dem Inkrafttreten des neuen Glückspielstaatsvertrages - erkannt, dass neben der geldgierigen und unmoralischen Glücksspielindustrie auch die Politik ihren maßgeblichen Anteil am Schicksal der Glückspielsüchtigen hat, von der Insolvenz über Depression bis hin zum Suizid.

Daher überlege ich auch, ob ich mich zukünftig stärker in diesem Bereich engagiere und andere Menschen vor dem Schicksal der Glückspielsucht anhand der eigenen Erfahrungen warnen kann.

Jeder Erfolg gegen die Glückspielindustrie  - ob nun Gerichtsurteile oder rechtzeitige Warnung potenziell Suchtgefährdeter - wäre für mich eine innere Genugtuung im Kampf gegen dieses Laster.

Das wäre mein "Wort zum Sonntag"  :D

Wünsche Dir einen ebensolchen schönen und sonnigen!

Hobiwan

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.540
Re: Kurzvorstellung
« Antwort #5 am: 26 September 2021, 17:54:02 »
Hi!

Die Rückfahrt von Bielefeld nach Hause verlief doch eindeutig flüssiger als die Hintour.
Jetzt ist es geschafft - ich habe es schriftlich - ich darf mich jetzt Gruppenleiter schimpfen :)
Der Koffer will noch ausgepackt werden, doch wenn ich dermaßen gelobt werde, halte ich damit noch gerne inne ... :)
Vielen Dank an Dich! :)

Ich habe nie eine Therapie gemacht. Davor hatte ich immer viel zu viel Schiss. Dann wurde ich abstinent, ging in eine SHG.
Erst als ich ein damals sehr gutes Forum fand, konnte ich mich intensiver mit diesen Leuten über gewisse Themen austauschen.
Dann tastet ich mich vor und folgte der Einladung zur FAGS-Jahrestagung. Dort gab es nicht nur Vorträge, sondern auch Workshops in kleineren Gruppen. "Geldmanagement aus therapeutischer Sicht" hieß mein erster Workshop. Geleitet wurde er von zwei Psychologinnen. Diese zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich war begeistert. Hier wurde nicht nur aus der therapeutischen Erfahrung berichtet, sondern die Übungen wurden auch mit uns gemacht. Es war überraschend dabei die eigenen Gefühle und Gedanken zu beobachten und sie mit den anderen Personen abzugleichen. Ich wollte mehr ...
Jahr für Jahr ging es zur Jahrestagung. Ich freute mich immer auf die Workshops. Überwiegend waren sie sehr gut, seltener gefielen sie mir auch nicht. Mein Hunger wurde aber nicht weniger dadurch ... :)
Also schaute ich nach Seminaren und Worshops bei der LK-Glück. Diese wurden zum Teil in Köln durchgeführt, ich konnte also mit der Bahn dorthin.
Vor zwei Jahren wurde ich angesprochen, ob ich nicht die Gruppenleiterschulung machen wolle. Zunächst war ich unentschlossen.
Doch auf der Jahrestagung fragte ich Hartmut, den Selbsthilfereferenten von FAGS beim Essen, ob mich diese Schulung weiter bringen würde. Der kleine Schlingel hat in seinen Bemühungen mich zu motivieren stark untertrieben ... :)
Naja, wahrscheinlich wollte ich sie selbst nur so sehen.
Fünf Wochenendmodule gab es und alle waren ungemein intensiv. Die Schulung zog sich über ein Jahr hin, wir wurden durch Corona ausgebremst, durch Zoom-Meetings bei der Stange gehalten und haben zum Schluss die Termine enger geschnürt gehabt und so den Zeitplan doch noch eingehalten.
Für mich war dies trotz der "Vorbereitungen" in den Workshops etwas vollkommen Neues. Wie Ilona gestern beim Abschlussabend verkündete, wurde hier erstmalig mehr Wert auf die emotionale Komponente gelegt.
Wir Teilnehmer, die wir uns nun als "krasse Herde" bezeichnen, waren eine phenomenale Gruppe. So viele unterschiedliche Menschen aus den verschiedensten Teilen des Landes trafen sich in Münster und Bielefeld und beschäftigten sich mit den Gemeinsamkeiten.
Hartmut hat uns hier super gut geleitet, die Referenten waren spitze. Mehrfach hörte ich von den Freunden, dass diese Schulung für sie mehr gebracht hat, als alle Therapien vorab.
Jetzt dieses Wochenende war Peter Kagerer bei uns, seines Zeichens Psychologe. Ich kannte ihn schon von einem dreitägigen Workshop und habe mich daher sehr auf ihn gefreut.
Wir erarbeiteten viele Themen und sowohl Hartmut, als auch Peter trugen uns da durch. Wenn jemand an seine Grenzen kam, dann wurde das akzeptiert und darauf - wieder mit Abstand - eingegangen. Auch bei Frau Nadja Thamassebi war die Zeit sehr intensiv.
Ich selbst hatte es hier etwas einfacher, da ich dieses Thema für mich schon recht gut abgearbeitet habe. Trotzdem war es eine Herausforderung. Ich denke, dass alle Gruppenteilnehmer diese auch wunderbar bewältigt haben.
Heute habe ich mehrmals ein wunderschönes Lob erhalten: Olaf, Du hast hier eine wahnsinnige Entwicklung durch gemacht!
Ich habe von Anfang an der krassen Herde, Hartmut und allen Anderen einen Vertrauensvorschuss gegeben. Habe mich vorgewagt und gestern auch ein sehr persönliches Thema angesprochen. Alle waren da "bei mir" ... keine Ahnung, wie ich es sonst aussprechen soll ... Und es gab ein Ergebnis, welches mir nun deutlich geworden ist: Meine Erwartungen in mich sind immer noch zu hoch!
Das ist ein Punkt, den ich nun angehen kann und so auch "Ballast" los werden kann. Ich danke Euch allen vielmals dafür.

Zugegeben, ich schwebe gerade auf einer Wolke der Euphorie. Doch, Hobiwan, Du sprachst davon, dass ich hier von meinen Schwächen berichte. Das ist korrekt! Es ist mein Ziel, dass ihr auch Eure Schwächen erkennt und angeht. So manche geglaubte Schwäche ist oft gar keine. Schwächen werden oft als Tatsachen empfunden und dargelegt, obwohl sie nur Probleme sind! Kennst Du diesen Unterschied? Probleme lassen sich lösen ... :)
Doch auch die Stärken sind wichtig. Mit ihnen lassen sich die Probleme lösen. Meine Stärke war mich einzulassen auf diese Schulung, komme, was da wolle. Und ich bin froh, dass ich dies gemacht habe.

Heute haben wir drei Raucher der Gruppe ein sagenhaftes Angebot erhalten von Jörg, ebenfalls Psychotherapeut und Ilonas Mann.
Er hilft uns ein Jahr lang bei der Raucherentwöhnung, wenn wir es denn wollen.
Meine erste Emotion: Euphorie! Ich huste mir oft die Seele aus dem Leibe und bin kurzatmig. Das stinkt mir gewaltig. 41 Jahre qualmen, derzeit zwei Schachteln am Tag, haben ihre Spuren hinterlassen.
Meine zweite Emotion: Angst ... was machst Du nach dem Nikotin? Wie belohnst Du Dich? Wie motivierst Du Deine Konzentration für die Arbeit? Wird Dir das Qualmen fehlen? Wirst Du zunehmen? ...

Seht ihr die Parallelen zur Glücksspielsucht?

Will ich rauchfrei werden? Ich denke, es wird Zeit ... Habe ich nicht immer nach einem Anstoß gesucht das Thema endlich anzugehen? Welche Bedenken wird mir mein Suchtteufelchen noch ins Ohr flüstern?

Lächeln, Olaf ... lächeln ... lasse den guten Freund ruhig reden und belächele ihn ...
Hmmm ... jetzt lacht er mich aus ... ;)
Eine Nacht Schlaf darüber gönne ich mir, dann wird es eine Entscheidung geben. Solch ein Angebot ist einmalig ... einzigartig ... grandios!
« Letzte Änderung: 26 September 2021, 17:56:23 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #6 am: 26 September 2021, 18:17:38 »
Zitat
Jetzt ist es geschafft - ich habe es schriftlich - ich darf mich jetzt Gruppenleiter schimpfen :)

Herzlichen Glückwunsch lieber Olaf,freue mich für dich.

Gründest du jetzt eine SHG ?

Und deine Lunge wird sich freuen,wenn du nicht mehr rauchst. Ich kenne viele, die aufgehört haben. Der Husten ging so gut wie weg ,der Geschmacksinn kam
wieder zurück, die Klamotten riechen nicht mehr und der Geldbeutel freut sich natürlich auch. Aber die Gesundheit ist das Wichtigste.

LG Wolke

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #7 am: 26 September 2021, 20:43:35 »
Zitat
Durch das Selbstreflektieren habe ich aber auch die ein oder andere Ursache für meine Spielsuchtveranlagung in meiner Persönlichkeit und meinem bisherigen Lebenslauf ausfindig machen können.

Zitat
Die Wurzel(n) dieses Übels liegen zum Teil tief im Innersten von uns Spielern begraben und können mannigfaltige Ursachen haben.



Hallo Hobiwan,

kannst du dieses Wissen denn zu deinen Gunsten im Kampf gegen die Spielsucht nutzen?
Mir war damals auch klar,was der Grund für das Zocken war und das ich da nur mit professioneller Hilfe rauskommen werde und trotzdem wollte ich es erst alleine probieren bzw mit Hilfe von Freunden,denn ich hatte Angst ,diese professionelle Hilfe anzunehmen, Angst vor der Arbeit an meinen Gefühlen und was das alles mit mir macht.
Man muss am auslösenden Problem arbeiten und natürlich an der Sucht ansich,denn die Sucht kapselt sich irgendwann ab und wird ein selbstständiges Problem ,was einen Rattenschwanz an neuen Problemen, Ängsten und Sorgen nach sich zieht.....Familie,Freunde,Finanzen,Gesundheit,Arbeit, Leben, Gefühle um mal nur ein paar zu nennen.

Würdest du denn mit deiner Frau nochmal darüber sprechen? Hast du es damals nur angesprochen, weil ihr was an den Kontoauszügen aufgefallen ist? Ein wichtiger Schritt zur Genesung ist es, offen und ehrlich mit jemandem darüber zu sprechen. Also Frau,Familie ,Freunde.....damit befreist du dich von einer großen Last,zeigst Vertrauen und unterbrichst damit das Lügen,das Verheimlichen, was wir Spieler so perfekt können.

LG Wolke

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.540
Re: Kurzvorstellung
« Antwort #8 am: 27 September 2021, 06:18:41 »
Hi Wolke!

Ich hoffe, ich darf noch mal kurz Hobiwans Thread nutzen um zu antworten!
Dies hier ist meine Gruppe. Zusätzlich biete ich das Samstagsmeeting mit Zoom an, wobei wir da ja noch nicht von einer Gruppe sprechen können. Aber vielleicht kommt das noch.
Die Gruppenleiterfunktion übe ich hier im Forum bereits seit Jahren aus. Dies auch ohne die Schulung. :)
Wir hatten als Aufgabe erhalten einen Gegenstand zu finden und mitzubringen, der unsere Rolle in der Gruppe repräsentiert.
Bereits beim Lesen der Mail ging mir der Begriff Schaffner durch den Kopf und setzte sich fest. Blöderweise besitze ich weder eine klassische Mütze, noch eine Trillerpfeife, mit dem ein Schaffner früher dem Lokführer das Zeichen gab, dass alle Türen geschlossen sind und losgefahren werden konnte. Also fuhr ich mit leeren Händen, was aber kein Problem darstellte. Wir haben ja unsere Vorstellungskraft ... :)
Wieso Schaffner? Er wird heute als Zug"begleiter" bezeichnet. Da gibt es viele Fahrgäste, die allesamt auf "ihrem" Weg sind.
Als Zugbegleiter kennt man viele dieser Wege und kann Empfehlungen aussprechen. Man lernt aber auch dazu, wenn Fahrgäste von Strecken berichten, die der Zugbegleiter selbst noch gar nicht kennt. Der Zugbegleiter sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Er sollte aber auch auch aufmerksam zuhören und zuvorkommend antworten können.
Nochmal zu den Wegen ... Im Bahnnetz gibt es immer Umsteigmöglichkeiten und selbst an einer Endhaltestelle, einer Sackgasse, gibt es immer noch die Möglichkeit ein Stück des Weges zurück zu fahren und den Zug zu wechseln.
Ich finde, hier im Forum ist es etwas anders, als in der Präsenz-SHG. Du hast hier weniger Stammkunden und wie Du an Hobiwan siehst, auch schon mal "Schwarzfahrer" ... :) ... wobei das vollkommen legitim ist.

So, das soll aber nun reichen ... ich gebe den "Sitzplatz" wieder an Hobiwan zurück ... :)

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline Olli

  • *****
  • 4.540
Re: Kurzvorstellung
« Antwort #9 am: 27 September 2021, 06:49:29 »
Hi Hobiwan!

Schön, dass Du Dich mitteilst. Ich möchte gerne auf den ein oder anderen Punkt Deines Beitrages eingehen.

Da schreibst Du, dass Du kein CB machen möchtest und dies unter Lehrgeld abhaken möchtest.
Das ist vollkommen in Ordnung. Lediglich Deine Begründung reibt sich ein wenig an mir:

Zitat
Schließlich habe ich eine Großteil der Kohle mit vollem Bewusstsein und mit der Absicht eingesetzt, um Verluste wieder reinzuholen und meiner Gier nach monetärem/materiellem Gewinn nachzugeben.

Dies sind die Symptome der Sucht. Von daher mag ich hier das volle Bewusstsein nicht. Das Bewusstsein wird in der Gewöhnungsphase infiltriert. Der Übergang ist so schleichend und wird von uns gar nicht wahr genommen.
Dies macht sich die Glücksspielindustrie aber auch zu nutze, indem sie die Glücksspiele genau so konzipiert, damit das süchtige Verhalten gefördert wird.
Dein Verhalten wird als Chasen bezeichnet. Es gibt zwar unterschiedliche Definitionen des Begriffes "Gier", die durchaus zur Beschreibung des Chasens genutzt werden, ich mag ihn nicht an dieser Stelle. Die Gier ist nämlich eine Charaktereigenschaft. Als solche ist sie unveränderlich - sie steht fest. Die Gier ist aber auch ein Wort, welches negativ behaftet ist. Wenn Du es nutzt, dann beschreibst Du Dich als negativ und dies eben als Feststellung. Was macht das aber mit Dir und Deinem Selbstwert?
War diese Gier in Dir präsent in den spielfreien Phasen und jetzt auch wieder? Würdest Du auf ein CB verzichten, wenn der Begriff auf Dich zutreffen würde?

Zitat
- Neben diesen materiellen Einbußen immer auch schwere Phasen der Depression, Aggression und Unausgeglichenheit.
Was verstehst Du unter Unausgeglichenheit? Meinst Du hier den Suchtdruck oder Dinge, die den Suchtdruck förderten?
Welche Art der Aggression? War sie vielleicht der Unausgeglichenheit geschuldet?
Was verstehst Du unter Phasen der Depressionen? Liegt hier vielleicht schon eine durch das Glücksspiel entstandene weitere Störung vor? Wenn nicht diagnostiziert, schleichen sich solche Phasen auch nun in der Abstinenz immer wieder einmal ein?

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #10 am: 27 September 2021, 08:23:51 »
Guten Morgen Wolke,

aktuell kann ich das Wissen um einige der Hauptursachen für meine Veranlagung zur Spielsucht ganz gut nutzen und meine Abstinenz von mittlerweile 5 Wochen und einem Tag damit zu fördern:

- Unzufriedenheit mit Job und Alltag.
- Hang zur Cholerik, leicht aufbrausender Charakter.
- Das Wissen darum, nicht immer das erreicht zu haben im Leben, was evtl. möglich gewesen wäre.
- Hang zur Selbstgerechtigkeit und Revanchegelüste.

Diese Punkte decken sich zum Teil ja auch mit den Vermutungen, die Olli oben angesprochen hat.

Als Endvierziger nehme ich meine Spielsucht Entwicklung der letzten Jahre nun zum Anlass, meine grundsätzlichen Einstellungen zum Leben und meiner Umwelt neu zu justieren.

Da ich mit meinem Familienleben vollends zufrieden sein kann - erfolgreiche und fürsorgliche Ehefrau, zwei gesunde und intelligente Kinder sowie ein treuer und motivierender Golden Retriever - habe ich eine gesunde Basis, um endlich von der Sucht wegzukommen.

Ich muss mir dies nur regelmäßig vergegenwärtigen. Das private Glück überwiegt die vermeintlichen Glücksimpulse beim Zocken bei Weitem.

Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche!

Hobiwan

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #11 am: 27 September 2021, 21:07:12 »
Guten Abend,

Zitat
Ich muss mir dies nur regelmäßig vergegenwärtigen. Das private Glück überwiegt die vermeintlichen Glücksimpulse beim Zocken bei Weitem.

Ja,das weißt du jetzt,kommt der Suchtdruck, rückt das leider in den Hintergrund. Die Sucht ist leider so scheisse, das sie alles dafür macht,das sie am Leben bleibt,das du sie besser findest,als alle andere auf der Welt. Sie macht dich abhängig von ihr.

Du musst dir Hürden einbauen. Du musst Zeit gewinnen,wenn der Suchtdruck kommt. Ich habe das mit Skills gemacht.....wenn es ganz extrem war,habe ich in eine Chili gebissen. Danach hast du erstmal andere Probleme und denkst nicht ans zocken. Geht's dir dann besser,ist der Suchtdruck eventuell vorbei. Natürlich gibt es noch andere Methoden, sich vom Suchtdruck abzulenken. 

Hast du dich mit OASIS sperren lassen? Das wäre eine sehr große Hürde,die du dir da einbauen würdest. Du schließt damit sehr viele Hintertürchen.

@Olaf: die Vorstellung mit dem Schaffner gefällt mir.


LG Wolke

« Letzte Änderung: 27 September 2021, 21:12:13 von Wolke 7 »

Re: Kurzvorstellung
« Antwort #12 am: 01 Oktober 2021, 21:53:04 »
Hallo zusammen,

und wieder eine weitere Woche ohne Zocken verbracht.  :) Läuft relativ gut und entspannt derzeit. SHG Erstberatung bei der Diakonie für Ende Oktober vereinbart. 

Spare derzeit auf einen neuen Gebrauchten. Mein Golf V Variant hat kürzlich die Flügel gestreckt und den TÜV verweigert.  :) Außerdem veräußere ich einiges an nicht mehr notwendigen Gegenständen aus unserem Familienhaushalt auf einschlägig bekannten Portalen. Schafft Platz im Haus - im Kopf - und füllt die Haushaltskasse oder die Sparschweine der Kinder.

DAS sind derzeit meine effektivsten Hürden gegen das Zocken.

Außerdem nachwievor das regelmäßige Selbstreflektieren. Bin ohnehin ein grüblerischer Charakter, der viel über Gott und die Welt nachdenkt.   ;)

Also dann allen einen guten und spielfreien Start ins Wochenende!

Hobiwan


 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums