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Hallo zusammen und auf ein guten und für uns alle hilfreichen Austausch! :-)

  • 3 Antworten
  • 226 Aufrufe
Hallo in die Runde,
ich habe eine ganze Weile gebraucht und hier auf dem Forum immer gerne still und heimlich mitgelesen. In erster Linie hier also auch ein DANKE(!) für diese wirklich gute Möglichkeit Einblicke in andere Situationen zu bekommen und sich weitere Bilder verschaffen zu können. Dies hat mir immer auf der einen Seite die Stärke gegeben - weiterzumachen - aber auch die Risiken aufgezeigt. Es ist verrückt, wie viele parallelen man in anderen Geschichten wiederfindet.

Heute möchte auch ich meine Geschichte erzählen und freue mich auch hierzu auf Ratschläge, Hinweise, Worte, die Euch durch den Kopf gehen oder auch einfach über stille Leser.  :-)

Mehr zu mir: Mein ganzes Leben hat sich - zumindest gefühlt -  Ende letzten Jahres auf den Kopf gestellt. Die Person - bei der ich dachte ich könnte mich auf ihn verlassen - veränderte sich. Im Februar dann endlich die Gewissheit - dachte ich zumindest. Die Lügen warum kein Geld da ist, warum Gehälter angeblich nicht fließen, warum Konten angeblich gesperrt sind, täuschten mich nicht mehr. Also setze ich meinem Partner die "Pistole auf die Brust" und bekam in diesem Gespräch endlich die ehrliche Antwort "ich bin Spielsüchtig". Der erste Schock saß tief, aber war tatsächlich zügig überwunden. Wir waren uns einig - Hilfe muss her. Und die holten wir uns gemeinsam bei einer Suchtberatungsstelle, wo er auch bis heute alle Termine wahr nimmt. So weit - so gut. Es fühlte sich also an, als gäbe es einen Weg raus. Und ich war überzeugt davon, gemeinsam gehen wir dadurch und wir bekommen es wieder hin. Was möchtest Du mehr, als dass dein Partner dir davon erzählt und ohne großes Gerede sofort mit professioneller Hilfe einverstanden ist?

Weiter im Text: Rund ein Monat verging und ich machte die nächste - ich nenne es - "Entdeckung". Wir gingen nacheinander ins Bad. Freunde waren zu besuch. Und dann lag es da - sein Portmonee. Ja Kontrolle ist nicht das, was einem Hilft und was einen weiterbringt - aber was tue ich natürlich ... reinsehen. In dem Glauben, ich würde dort ggf. doch noch eine Bankkarte finden (denn eigentlich hatte er zu diesem Zeitpunkt keine mehr und hat sie alle abgeben) oder vielleicht Bargeld, von dem ich nichts weiß. Aber ich finde etwas ganz anderes und wir holen uns damit das nächste Problem ins Haus. Drogen. Daraufhin folgen weitere Gespräche zwischen uns, gemeinsam mit der Beratungsstelle mit der dortigen Aussage "Suchtverlagerung" und ich entscheide mich dafür den Weg weiter zu gehen...

Heute - sind wir knapp zwei Monate später - und vor einer Woche das nächste Ereignis. Er beginnt einen neuen Job und verspielt Geld. Nicht seins, nicht das von seinem Konto, nicht das von Bekannten. Nein, das Geld des Arbeitsgebers. Logische Schlussfolge: Arbeitslos. Am Ende. Er ist an dem Punkt angelangt, wo er wirklich alles verspielt hat. Für mich war dies der Punkt, auszuziehen. Er wird nun Ende Mai eine stationäre Therapie beginnen. Wir - und damit meine ich wohl mich und seine Familie - können hier nichts mehr tun und nicht mehr helfen. Ich bin gegangen - habe die Beziehung bis dato aber nicht beendet und sehe in trotzdem. Ich brauche für mich den gewissen Abstand und die Möglichkeit mich zurückzuziehen. Ich musste anfangen mich wieder voll und ganz auf mich zu konzentrieren - oder es zumindest zu versuchen.

Nach der Geschichte möchte ich heute die Fragen, die mir tagtäglich durch den Kopf gehen, mit Euch teilen...

Kann dieses Vertrauen jemals wieder aufgebaut werden oder verschwenden wir beide nur unsere Zeit?
Kann eine Beziehung nach den Ganzen Vorfällen auch eine monatelange stationäre Aufnahme in 250 km Entfernung überstehen?
Ist es der richtige Zeitpunkt, einen Menschen loszulassen, wenn er selbst die Hebel in den Gang setzt um in die stationäre Therapie zu gehen?
Wo stehe ich überhaupt emotional - ist das noch Liebe, oder doch nur Mitleid? Was mache ich hier eigentlich?
In wie weit bin ich auch dazu bereit mich von dem Gedanken daran, wie alles vorher war, zu verabschieden?

Zum jetzigen Stand geht es mir gut. Ich vermisse ihn, aber ich komme gut zurecht. Tränen fließen kaum noch - denn ich denke, der Schock saß einfach nicht mehr so tief und unterbewusst ist dieses Gefühl nie richtig vergangen.

Lieben Dank für die Zeit, die ihr Euch bis hierher genommen habt und allen einen hoffentlich schönen Abend!

Liebste Grüße

*

Offline Olli

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Guten Morgen Lina!

Vielen Dank für Deine Gedanken und herzlich willkommen!

Zitat
Kann dieses Vertrauen jemals wieder aufgebaut werden oder verschwenden wir beide nur unsere Zeit?

Das kann Dir keiner für Eure Situation sagen! Ich kenne Pärchen, bei denen es sich gelohnt hat und ich kenne auch welche, da war das Abwarten Perlen vor die Säue.
Du kannst Deinen Partner hier nur an seinen Taten messen und nicht eventuell nach seinen Worten. So viele Lügen und Vertrauensbrüche - da waren sicherlich auch das Brechen von Versprechungen und Schwüren drin.
Du kannst ihm nur vor die Stirn schauen und nicht dahinter ...

Zitat
Kann eine Beziehung nach den Ganzen Vorfällen auch eine monatelange stationäre Aufnahme in 250 km Entfernung überstehen?
Auch hier ... alles kann ... nichts muss ...

Zitat
Ist es der richtige Zeitpunkt, einen Menschen loszulassen, wenn er selbst die Hebel in den Gang setzt um in die stationäre Therapie zu gehen?
Dein Wille war es doch, dass er Hilfe sucht. Also ... so liest es sich für mich zumindest ... hat er alles getan, um seine Ruhe zu haben ... um Dich zufrieden zu stellen. Doch das war ja nur Show ... denke an die Drogen ... denke an die kriminelle Suchtmittelbeschaffung.

In der Onlinegruppe am Mittwoch wird es sich sehr wahrscheinlich um den Umgang mit Craving - dem Suchtdruck - dem unbändigen Verlangen der Sucht nachzugehen, drehen. Dein Männe wird sicherlich auch in der Therapie dieses Thema besprochen haben. Nun stellt sich die Frage ... hat es ihn überhaupt interessiert?

Die Frage ist aber für Dich nebensächlich, denn Dir stellt sich eine andere Frage: Bist Du bereit diesen Weg zu gehen? Zu bangen, zu hoffen, sich zu freuen und Rückschläge hinzunehmen? Der Weg in die Sucht ist oft ein langer. Der heraus aber auch.
Wenn Du so willst, muss das Gehirn wieder umprogrammiert werden. Es sind viele Wahrnehmungen nun mit der Suchtausübung verknüpft. Viele Emotionen wollen durch die Suchtausübung bedient werden.
Das braucht Zeit. Hast Du diese Zeit?

Zitat
Wo stehe ich überhaupt emotional - ist das noch Liebe, oder doch nur Mitleid? Was mache ich hier eigentlich?
Was denkst Du denn darüber?

Zitat
In wie weit bin ich auch dazu bereit mich von dem Gedanken daran, wie alles vorher war, zu verabschieden?

Diese Frage ist ungemein vielschichtig. Was sprichst Du da nämlich alles für Themen an? Die Liebe? Das Vertrauen? Deine Hoffnungen? Deine Sehnsüchte? Deine Sicherheit? Deine ungewisse Zukunft? Deine Ängste?

Das Leben ist doch permanent im Wandel. Hier gab es nun einen gravierenden Einschnitt. Die Entscheidung, um es mal extrem zu betrachten, ob es nicht sogar letztlich gut war, dass das geschehen musste, was jetzt gerade geschieht, ist noch nicht gefallen.
Ich kenne Spieler, die z.B. behaupten, dass sie die wahre Liebe zu ihrer Frau erst gefunden haben, nachdem sie Beide, wie ihr jetzt gerade, durch die Hölle gegangen sind. Ich sage auch ... ohne meine Erfahrungen mit meiner Sucht wäre ich heute nicht der, der ich bin. Und ich finde mich gut, so, wie ich heute bin!

Habe Geduld mit Dir ...

Edit: sprachliche Frühaufsteheraussätze korrigiert ... :)
« Letzte Änderung: 02 Mai 2022, 07:55:35 von Olli »
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

*

Offline Wirbelwind

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  • 39
  • Name ist Programm :)
Guten morgen Lina :)

Olli hat es mal wieder ziemlich gut alles auf den Punkt gebracht !
Ich kann das noch nicht mit dem zitieren, ich vergess das immer wie das ging mehrere Zitate zu verfassen (nach hilfe umgugg durch die Hintertür :) )

Ich bin "Fraktion" knallhart fallenlassen ist am besten :)

Allerdings kann ich vollsten Herzens heute sagen, hätte ich nicht die frau mit der ich mittlerweile verheiratet bin gehabt, ich weiß nicht ob ich noch unter euch weilen würde.

Ich finde es mitlerweile sehr sehr schwierig in diesem zusammenhang etwas zu "raten", denn JEDER ist so unterschiedlich in seiner Person und seinem Willen etwas zu verändern das man darauf keine Pauschalantwort geben kann.

Meine Frau ist bspw. ein sehr hoffnungsvoller und stabiler Mensch die doch "ernsthaft" dachte, ich hätte die 50 euro von vor 2 wochen beiseite gepackt.

Nachdem ich ja am Wochenende mit Ihr geredet habe, habe ich wiedermal festgestellt was für ein unglaublich starker Mensch ich eigentlich bin WENN da dieser kleine Vollhonk nicht wäre.
Ich bin nun über 10 Jahre in Behandlung da ich ein riesen Paket mit mir bringe und es wird mitlerweile immer klarer das TOTALE Abstinenz bei mir wahrscheinlich ein Utopischer Gedanke ist.

Die Entscheidung wie DU letzenendes damit umgehst kann - wird - und will Dir keiner abnehmen und das ist auch gut so. Du hast deine grenzen erkannt, hast gehandelt und JETZT erstmal ist es wichtig das du dich nicht "belatschen" lässt und DEINE Grenzen KLAR einhälltst - sowohl für DICH als auch für Ihn damit er "kapiert" das das alles dein ernst ist.
 
Es brauch erst mal eine Menge arbeit seinerseits mit SICH SELBST wieder klar zu kommen und dann vielleicht mit anderen.

Sei für ihn da, hör ihm zu - ABER halte DEINE grenzen ein - und das nicht nur heute und morgen...

Wer weiß was die ZEIT dann mit sich bringt.... :)

KLARE worte - Kein Honig :)

*

Offline andreasg

  • *****
  • 1.670
Hallo Olinao,

Herzlich Willkommen hier im Forum. Vorweg eine Frage: Kannst Du hier im Forum die Rubrik "Angehörige" reaktivieren, und treuhändlerisch adminsistrieren?

Du suchst nach Antworten, und ich schmettere gleich eine Frage zurück. Fazit: ich kümmere mich lieber um die Angelegenheiten anderer, die wiegen viel schwerer als meine kleinen schlechten Gewohnheiten. Auf meinem Küchentisch liegt ein buch, und da steht ein Satz drinne: "was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge"?

Anmassend von mir? Aber es ist ja nur ein Zitat, daß ich schon einmal in der Selbsthilfegruppe gehört habe... Wie die Menschen in die Spielstätten gelangen können, wird hier ja explizit beschrieben, welches Leid es mit sich bringt auch. "mal mit Kumpels in die Spielo" - "nachts im Home Office gesessen", irgendetwas ist der Auslöser, und es macht in der Folge krank.
.

Ich erachte die Spielsucht als Familienkrankheit. Auch dafür gibt es ein graphisches Bild: "das geschlachtete Sparschwein vom Sohn". Die Droge, gier als Stoff, andere Droge, aber kann zB. eine Liebesaffaire sein, auch das kommt einer schweren Sucht gleich, und Untreue ist es allemal.

Ich sage Dir ziemlich uncharlant: Du bist betrogen worden, und versuchst seine verlorene Liebe wiederzufinden, bist aber nicht in der Liebe? In meiner Selbsthilfegruppe lesen wir einen Meditationstext, der für Menschen mit Beziehungsabhängigkeiten geschrieben wurde, - Pause - Text gelesen, PUH!

Was kann ich wirklich und ehrlich antworten?. Ich habe einen Brief meiner Ex - Frau auf dem Küchentisch liegen, ich habe ihn erst mit Sorge, dann mit Verstand gelesen. Nun warte ich noch ab, und werde Antworten finden. Ich brauche mich in meinen diffusen Schudgefühlen nicht mehr herum schlagen, ich kann aufrichtig und ehrlich sein. Das Thema des Briefes ist: das Teilen von Erlebnissen im Gottesdienst, und ein Dank für das Lesen. Wir - sind in Liebe auseinandergegangen. Es war schwer, es liegt nun 20 Jahre zurück, und ich bin den Freunden meiner SHG immer noch dankbar, gerade für die manuelle Umzugshilfe.

Vorgestern hatte ein befreundetes Ehepaar Rubinhochzeit. Ich hoffe, beide wohlbehalten auf einem Treffen für Spielsüchtige wiederzusehen. Ich kenne deren Leidens - und Lebensweg. Beide sind für mich treue Begleiter auf dem Weg in der Genesung meiner Spielsucht.

Liebe Grüß und schöne 24 Stunden
Andreas


 :) Zitat: (Mt 7 - 5)

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Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

 

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