Hi Mutze!
Ach ja .... die Schatten der Vergangenheit ... die braucht doch echt keiner ...

Ich habe bei mir gemerkt, dass ich einige von ihnen ablegen durfte, andere, die mir teils gar nicht bewusst sind, tauchen hier und da auch noch mal auf. So hatte ich das Glück, in der Jugend schlank und rank zu sein. Mein Schönheitsideal von anderen sah dementsprechend auch so aus. Doch, wie sagte letztes Jahr meine Hautärztin ... Schuppenflechte ist genetisch bedingt, genauso wie Adipositas ... Mit 1,90 m Körpergröße hatte ich lange Zeit nur 74 kg gewogen. Ich konnte essen, was ich wollte, ich nahm nicht zu.
Dann, so ab Anfang bis Mitte 40 fing ich langsam an zuzunehmen. Vor vier Jahren wog ich dann 99 kg. Das war die Zeit, als ich das Rauchen aufgab. Heute wiege ich noch 20 kg mehr ... Irgendwie schockte mich trotzdem die Aussage der Ärztin.
Doch stört es mich wirklich? Das Übergewicht? Andere in meinem Freundes- und Familienkreis haben auch zugenommen. Andere, die ihr Gewicht halten konnten, arbeiten körperlich schwer und verbrennen daher besser die Kalorien.
Keiner von ihnen sagt mir: Du bist zu dick! ... Und woher kam mein Schönheitsideal? Es kam doch auch von außen. Die Print- und die digitalen Medien sind doch auch heute noch voll davon. Zur Zeit meiner Geburt wurde das Photomodell Twiggy bekannt - ein Hungerhaken, wie ich es auch in jungen Jahren war. Sie wurde bekannt und pflegte ein Schönheitsideal, was aber mit dem Großteil der Menschen überhaupt nicht übereinstimmt.
Wenn die 30 kg stören, dann versuche abzunehmen, wenn nicht, dann eben nicht. Du bist Du und nur Du entscheidest, was Du mit Deinem Körper machst.
Auch zum Thema "faul sein" habe ich eine schöne Anekdote. Ich war in Fremdsprachen nie wirklich gut. In Englisch z.B. konnte ich entweder die Grammatik anwenden ... oder Vokabeln anwenden. Beides zusammen ... ein Graus ... Ich bekam Nachhilfe, lag permanent auf meinem Bett und lernte. Trotzdem sagte meine Mutter zu mir: Du bist doch nicht dumm! Du bist nur faul!
Dies traf mich auf zweierlei Arten: Es wurde gar nicht gewürdigt, dass ich doch permanent lernte. Es wurde nicht beachtet - ich wurde damit nicht beachtet! Als Nachkriegsgeneration maßen sie sich selbst an ihrem Fleiß. "Wenn Du etwas werden willst, dann musst Du fleißig sein!" Fleiß war also eine Tugend, über die ich wohl nicht verfügte.
Oh, wie viele Jahre habe ich daher das Leben meines Vaters geführt, nur um Anerkennung zu erheischen. Erst als es dann irgendwann zum Streit kam und der Kontakt abbrach, konnte ich mich zum größten Teil davon lösen. Ganz werde ich das wohl nie schaffen. Was solls ...
Häusliche Gewalt erlebte ich auch und natürlich war ich daran schuld. Schon als Kind belog ich meine Eltern über schlechte Schulnoten. Natürlich kam es immer raus ... Doch anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wieso ich log, wurde mir die Wahrheit eingebläut. Ich vergesse wohl nie, wie mein Vater einmal seinen Gürtel benutzte und meine Mutter versuchte ihn davon abzuhalten. Im Anschluss meinte sie dann zu mir: Das hat Deinem Vater mehr weh getan, als Dir!
Heute bedaure ich, dass ich mich am darauffolgenden Tag geweigert habe am Schwimmunterricht teil zu nehmen, dann hätte ich nämlich mein TShirt ausziehen müssen und meine blauen Pflecken wären gesehen worden.
Ich schämte mich aber doch so, weil ich diese Prügel ja schließlich verdient hatte.
Kleidung: Wir Kinder waren immer gepflegt, doch Löcher in Hosen erhielten Flicken und Kartoffeln in den Strümpfen wurden gestopft. Bei anderen Familien sah ich das nicht. Natürlich weiss ich das heute und damals auch zum Teil ... wir waren zu fünft und meine Eltern hatten das Elternhaus aus dem Nichts heraus gebaut. Später erfuhr ich dann, dass die von der Bank errechnete Belastung tatsächlich später doppelt so hoch ausfiel. Da musste die Kleidung eben mal geflickt werden und auch an Schulausflügen konnte ich nicht immer teilnehmen.
Jetzt erst habe ich wieder alte Klamotten ausgesiebt. Da gab es das ein oder andere Schätzchen, welches schön längst einem Recycling hätte zugeführt werden sollen. Teilweise hatte ich sie schon gar nicht mehr getragen, teilweise störte es zuhause doch niemanden, wenn der Kragen mal nicht mehr so wirklich gut aussah ... ich lebe doch alleine ...

Alte Jeans kann ich doch noch für irgendwelche Arbeiten am Haus benötigen ... nur, ich brauche hier nichts streichen und Bauen tue ich auch nichts mehr selbst. Die Zeiten sind vorbei ... Tja, und um den Rasen zu mähen, die Hecke zu schneiden oder mal den Hochdruckreiniger zu bedienen, da braucht es keine Arbeitshosen ... Also weg mit dem Ballast ...
Ich habe mich damals, als ich mit meinem Vater Fliesen legen war, immer geweigert, eine weiße Hose anzuziehen. Ich fand die scheußlich. Von daher wurden alte Jeans nicht weggeschmissen, sondern zweckentfremdet. Doch auch diese Zeiten sind vorbei.
Zum mehrfachen Fragen Deines Mannes ... hat man Dir in der Jugend Vorwürfe gemacht, wenn Du nicht "gesprungen" bist? Was stört Dich wirklich daran, wenn Dein Mann den Müll erst einen Tag später herausbringt?
Du kannst, Du darfst ... und zu Deinem eigenen Wohle musst Du versuchen, die Erwartungen der Vergangenheit zu begraben, damit Du heute Du sein kannst ... nur Du ... soweit es eben geht!
