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Die unsichtbare Falle der Spielsucht

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Lordos:
Ich denke schon lange darüber nach, was genau eine Spielsucht ist – wovon sind wir eigentlich abhängig? Zigaretten, Drogen, Alkohol … das sind greifbare Dinge, die wir anfassen, fühlen können. Drogen stimulieren das Gehirn, ja, aber die Pille oder das Pulver hältst du in der Hand. Alkohol weckt bestimmte Ecken des Geistes, aber du umfasst das Glas, spürst seine Kälte. Zigaretten stillen den Nikotinhunger, und du hältst die Schachtel fest in deiner Hand. Aber das Glücksspiel? Können wir das wirklich berühren? Manche von uns wischen auf dem Handy, andere klicken sich am Computer in das Spiel, und wieder andere strecken in den schummrigen Lichtern des Casinos die Hand nach Karten oder Jetons aus. Doch egal, wie sehr wir es versuchen, das Glücksspiel selbst scheint wie ein Schatten in der Luft zu schweben, unfassbar, nicht greifbar.
Die Spielsucht ist eine seltsame, schwer fassbare Leidenschaft. Denn diese Abhängigkeit hängt nicht an einem Gegenstand, sondern an einem Spiel, das unser eigenes Gehirn erschaffen hat. Wir haben unser Gehirn an dieses Spiel gewöhnt. In jedem Moment der Traurigkeit, der Hoffnungslosigkeit, der Einsamkeit wurde das Glücksspiel zu unserem Zufluchtsort. Doch dieser Zufluchtsort ist weder wie das kühle Glas einer Flasche, noch wie der Rauch einer Zigarette oder die betäubende Wirkung einer Droge. Das Glücksspiel ist wie eine Falle, die unser Geist uns stellt – ein flüchtiger Moment der Aufregung, ein Funken Hoffnung, der uns hineinzieht, aber letztlich nicht greifbar, nicht fühlbar ist. Diese Abhängigkeit gleicht einem Verlorensein im Labyrinth des eigenen Geistes. Wie eigenartig, wie einzigartig ist dieses Gefühl, nicht wahr? An etwas gefesselt zu sein, das wir weder halten noch sehen können … Es ist, als würden wir uns in unseren eigenen Schatten verlieben und verzweifelt versuchen, ihn zu erreichen.

Olli:
Guten Morgen!

Hmmm ... wer ist die Person, die diese Art der Lobeshymne auf eine Sucht schreibt? Im Moment denke ich, dass Du noch recht nahe dran bist, kann das sein?

Der Grund, weshalb Du die Glücksspielsucht ncht "greifen" kannst, ist ganz einfach: Man unterscheidet zwischen stoffgebundener und stoffungebundener Sucht. Die Glücksspielsucht gehört zu der letzten Gruppe. Stoffgebundene Süchte bedienen das körpereigene Belohnungssystem und der Stoff macht zudem physisch abhängig. Bei stoffungebunden Süchten wird nur das körpereigene Belohnungssystem bedient.

Die Glücksspielsucht beginnt immer ganz harmlos, doch die Gewöhnung an das Spiel bedingt auch eine Gewöhnung an die dabei ausgestoßenen Glücklichmacher. Schnell wird die Suchtausübung zur Funktion. Da ist keine Leidenschaft mehr ... keine Liebe zum Spiel ... Die Sucht wird zum Schmarotzer, der Deine guten Eigenschafften frisst und nur Lug und Betrug übrig lässt. Ein Hoch darauf, wenn dies sich "nur" gegen sich selbst richtet.

Die Glücksspielsucht verdrängt die Realität. Sie meuchelt die Wahrheit. Sie lächelt Dich an und tritt Dir gleichzeitig in den Allerwertesten. Sie verspricht die Erfüllung aller Träume und zerstört alles, was Du hast.

Die Glücksspielsucht mit all ihren falschen Glaubenssätzen gehört auf die Couch ...

Nachtrag: Kurzum: Die Glücksspielsucht ist `ne Bitch ... :)

Rubbel:
Hi und willkommen, Lordos!


--- Zitat ---Verlorensein im Labyrinth des eigenen Geistes. … Es ist, als würden wir uns in unseren eigenen Schatten verlieben und verzweifelt versuchen, ihn zu erreichen.
--- Ende Zitat ---

Ich verstehe schon, wie Du das meinst. Wobei 'Schatten' hier wohl nicht für Zensur steht oder wie bei Dr. Jeckyll und Mr. Hide für Mr. Hide, sondern für etwas wie einen Ausweg oder zumindest ein Tor zur Erweiterung der Gefühlswelt.
Auf der Suche nach eigentlich was Immatriellem - so war es jedenfalls bei mir. Nach einer Leichtigkeit und Unbekümmertheit.
Nur: es ist zwar eigentlich DAS, was auch für Kinder das Spiel bedeutet - für die Dauer des Spiels - aber sie suchen kein Resultat. Erwachsene allerdings schon. Da geht's um das Gefühl des Siegs, alles andere wäre zu langweilig oder unbefriedigend. Erwachsene tauchen darin unter, und währenddessen oder dafür besteht die Bereitschaft, viel für den Erfolg einzusetzen, manchmal alles. Für eine Illusion, dem Alltag, den gegebenen Umständen, der Angst, den Zwängen etc., zu entkommen. Sich vom Status quo abzusetzen.
Kein Garant, keine sichere Wirkung, und das ist es wohl: im Leben Glück haben, und wenn nicht ... die Leihgabe von Glück.
Ich weiß noch, dass ich von der Aufdringlichkeit der begleitenden Sounds und den schnellen Umdrehungen am Automaten keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte - vor allem nicht in den Momenten, in denen das Geld zuneige ging und ich wieder was abholen oder wechseln musste, um die Anspannung und 'Schicksalshaftigkeit' weiterhin zu erleben. Aufhören hätte mich 'zwangsgeerdet'. Diese 'Landung' wäre für mich eine 'Bruchlandung' gewesen ... 'nicht, solange es vermeidbar ist ...'.

VG Rubbel

Roy1234:
Hallo Lordos,

ein Loblied auf das Zocken in welcher Art auch immer? Oder was willst Du uns genau mit deinem Text sagen?

Im übrigen sehe ich das nicht so wie Du mit dem greifbaren. Die Parallelen sind in gewisser Hinsicht da. Du hältst Dein Bier, den Schnaps, die Zigarette oder die Pillen in der Hand und spürst bzw empfindest etwas. Richtig.
Aber auch beim Zocken hast Du die Jetons, das Handy oder die Tastatur in der Hand und steuerst das Elend persönlich in dem Moment in dem Du es willst. Hätten wir keine Hände könnten wir sowohl das eine als auch das andere nicht durchführen. Das Hirn steuert unsere Hände zum Mund oder eben lässt uns die Drehanzahl und den Wert des Drehs eingeben um dann beim drücken des Startbutton das Glücksgefühl auszulösen.
Und bei allen Varianten kommt der Zeitpunkt an dem der Grund warum wir es tun nur noch der ist dass wir es tun.

Du darfst, wenn Du magst, gerne etwas mehr über dich hier hinterlassen. Ich denke wie Olli es beschrieben hat auch daß Du noch sehr nah dran bist.

LG Roy

andreasg:
Ich bin überzeugt davon, die Sucht verstehen zu wollen. Es ist ein Lernprozess, seinen Status zu finden, und eben keine Verallgemeinerungen zu dulden.

Der Alkoholiker lässt sein erstes Glas Heute stehen - trocken
Der Raucher steckt sich keine Pfeife und Zigarette in den Mund - Nichtraucher,
Der Drogenabhängige setzt sich keine Nadel an die Vene - clean,

das wird hinlänglich so verstanden.

Was macht z.B. der Arbeitssüchtige, und der Kaufsüchtige, ähh - nicht mehr arbeiten, nichts mehr kaufen, der Esssüchtige eben nichts mehr essen , das ergibt Abstinenz.
Und der Spielsüchtige? Darf der noch im Sandkasten spielen?
Von den Sexsüchtigen, Romanzensüchtigen und Beziehungssüchtigen will ich lieber erst gar nicht anfangen, das könnte lüstern machen.

"Wenn du mit dem Spielen aufhören willst, dann werf doch kein Geld mehr in den Kasten"! - Nein, das funktioniert nicht, gerade deshalb, weil die Suchtstruktur die Süchte verbindet,
und wir Süchtigen sind gehalten, uns diese explzit anzusehen.

Ich habe in meinem Leben gesoffen wie ein (ich mag keine unschuldigen Lebewesen denunzieren), und ich fühle mich nicht wei ein Alkoholiker, ich habe schwer geraucht, und ich bin 22 Jahre Rauchabstinent, ich habe nach einer schweren OP Morphiate bekommen, die mich high machten, aber ich bin nicht Drogenabhängig.

Das Spielen war für mich eine Hilfe, nicht tief in die Droge zu greifen, aber sie hat mein Großhirn in Raserei versetzt. Daher brauche ich keine Flucht vor dem Leben mehr, ich meine die Suchtasübung,, sondern ich nehme mir die Zeit zum Leben, so viel, wie ich erhalten kann.
Mein Schlüssel für diesen Eingang ist  ist immer die Abstinenz vom zwanghaften Glückssiel

Einen Tag zur Zeit

Andreas

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