Unterstützen Sie unsere Arbeit Jetzt spenden!
Hallo Gast
Das Forum wird gewartet. Bitte entschuldigt eventuelle vorübergehende Störungen.
Online-Selbsthilfegruppen Glücksspielsucht
» Mittwochsgruppe    |    » Samstagsgruppe
     

Mein Tagebuch Anthrazit

  • 169 Antworten
  • 102682 Aufrufe
*

Offline Olli

  • *****
  • 8.229
Re: Mein Tagebuch Anthrazit
« Antwort #165 am: 07 Januar 2026, 14:54:02 »
Hi Anthrazit!

Zitat
Ich habe alle Apps vom Handy gelöscht, höre keine Musik, keine Videos, kaum Nachrichten. Ich bin nur mit mir selbst.

Und das soll gut für Dich sein? Soziale Isolation? Komme am Samstag vorbei! Teile mit uns, was Dich bewegt. Vielleicht wird das Päckchen ja ein wenig leichter?



Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

Re: Mein Tagebuch Anthrazit
« Antwort #166 am: 07 Januar 2026, 14:56:26 »
Hi Olli,

tatsächlich ist das eine gute Erfahrung des „sich selbst spürend“ und „die Stille aushalten“.

Ich schaue mal ob ich Samstag vorbeikomme. Dankeschön

Re: Mein Tagebuch Anthrazit
« Antwort #167 am: 17 Januar 2026, 09:51:52 »
Es sind jetzt wieder 10 Tage vergangen. Mir geht es körperlich schon besser, aber mental bin ich ziemlich am Boden. Ich habe jetzt viele Dinge eingesehen und reflektiert, zum Beispiel das ich jahrelang Alkohol funktional missbraucht habe. Ich denke auch, dass meine Glücksspiel Episode auch etwas mit meiner Persönlichkeitsstruktur zu tun hat.

Ich bin jetzt nochmal 2 Wochen krank geschrieben und meine Therapeutin wird meine VT in eine Tiefenpsychologische Therapie umwandeln. Parallel läuft noch die Trennung mit meiner Frau, was sehr schwer ist. Wir wollen alles einvernehmlich und friedlich lösen, aber da sind so viele Emotionen und Verletzungen....es ist eine Achterbahnfahrt.

Ich gehe jeden Tag zum Sport, ich nehme ab und tue viel. Aber allein dieses Aushalten des Zustands ist sehr schwer. Gestern kam auch eine Mail von unserem Personalbüro, dass ich ab der 7. Woche nur noch 70% Brutto bekomme, da setzt mich ganz schön unter Druck.

Was ich erlebt / erlitten habe, nennt man einen Multi-System Kollabs. Die Trennung von meiner Frau war sozusagen der letzte Schubser in einen high functional burnout.

Ich bin jetzt nackt, ohne Rüstung, ich fange von ganz unten wieder an. Aber ich bin nicht arbeitslos oder obdachlos, da fühle ich mich fast sogar schon privilegiert.

Ich nehme mir ab heute stärker das Thema Alkohol vor: über Jahre habe ich den immer als "Aus Schalter" benutzt. Ich bin nicht körperlich abhängig.

*

Offline andreasg

  • *****
  • 2.423
Re: Mein Tagebuch Anthrazit
« Antwort #168 am: 17 Januar 2026, 10:50:24 »
Hallo Anthrazit,

Dein Eintrag ins Tagebuch ergreift mich richtig. Es zeigt mir viele Parralenen zu meinem Leben auf, die ich Dir jetzt nicht aufzählen mag.
Das Bild, alleine und nackt darzustehen, aber - sich so selber wiederfinden, und so anzunehmen wie ich bin, - das ist ein Kernpunkt in meinem Leben geworden.

Für Dich wünsche ich, daß kein Suchtmittel Dich mehr überwinden kann, diese Versuchungen, das erste Glas, die erste Münze, wir können das stehen lassen.
Ich wünsche Dir viel Kraft und Mund und

schöne 24 Stunden

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Mein Tagebuch Anthrazit
« Antwort #169 am: 17 Januar 2026, 12:25:56 »
Hallo Andreas!

Danke dir für den Zuspruch und deine Reflektion.

Du nennst es den Kernpunkt deines Lebens, für mich ist "Wer bin ich eigentlich?" gerade meine Kernfrage.

Wenn die Rüstung fällt, wenn alle Schutzmechanismen außer Betrieb sind...wer ist man dann noch?

Ich vermute (ob es für dich gilt, musst du selbst entscheiden), dass wir Menschen, die eine Rolle spielen, uns für unbesiegbar halten. Niemand und nichts kann uns brechen. Süchte? Ach was, das stecken wir weg. Die anderen sind die Loser. Ich? Niemals. Ich steck das weg.

DAS muss man nicht nur sehen, sondern das anerkennen und verinnerlichen. Ich merke jeden Tag, an dem ich mehr davon zurücklasse, dass es mir leichter wird. Auch wenn ich tief gefallen bin: es ist eine Chance!

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums