sind ja erstmal 19 Tage,
Hi Mutze!
Ach ja. der Selbstwert und die Diskussion mit der Sucht ...
"Es sind ja erstmal nur 19 Tage. Dabei gibt es doch so viele, die etliche Jahre auf dem Buckel haben. Also eigentlich stehe ich komplett am Anfang! Und da dem so ist, kann ich ja schnell noch mal spielen, bevor es so richtig los geht mit der Abstinenz ... Morgen ist ein guter Tag, um damit anzufangen. Passt mal auf, mein Mann wird mich nicht loben dafür ...!"
Es gibt doch immer wieder einmal Meilensteine, die es zu meistern gilt. Da ist das Anfangen mit dem Aufhören! Manchmal steckt da ein Zwang hinter, weil nichts mehr anderes geht. Doch die tief sitzende Entscheidung ist dann immer noch nicht selbstverständlich. Andere finden in sich Motivation, weil sie es einfach leid sind, sich z.B. selbst zu verletzen. Dann kommt die Offenbarung. Scham, Schuld, Verzweiflung und Angst mit katastrophisierenden Gedanken. Ein nächster Meilenstein kann dann auch ein Rückfall sein. Ein Rückfall, wenn Du einmal mit der Genesung angefangen hast, lässt sich nicht wegwischen wie eine lästige Fliege. Da kommen Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Dabei entstehen Erkenntnisse, die wieder neue Fragen aufwerfen. Du gehst auch zu einer Therapeutin und besprichst alles mit ihr, gehst in eine SHG und kommst auch in diese Gruppe.
In 19 Tagen ist sooooo viel passiert! Nicht weil es einfach so passiert ist, sondern weil Du es hast passieren lassen. Du warst der Auslöser, der Fragesteller und der Antwortende. Der Denkende, der Fühlende ... Wieso solltest Du nicht auf jeden einzelnen dieser Tage stolz sein? Wozu brauchst Du eine Bestätigung von Deinem Mann?
Ich erzähle Dir hier noch einmal von einer kleinen Geschichte, die ich selbst erlebt habe. Daran erkennst Du, wie vermeindlich Gesunde reagieren können. Es gab Streit zw. meinem Vater und mir. Ich schrieb einen bösen Brief, von dem ich nichts bereue. Da kam meine Schwester zu mir und versuchte mir einzureden, wie falsch ich doch lag. Es kam auch meine Spielfreiheit auf. 5 Jahre war ich es schon und ich war stolz darauf. Sie verdrehte aber nur die Augen und antwortete enttäuscht: Ich dachte, es wäre schon länger ...
Meine Eitelkeit wurde dadurch verletzt, doch meinen Stolz dagegen kein bisschen. Ich bin auch heute noch stolz spielfrei zu sein und brauche niemanden, der es mir bestätigen muss. ICH weiss doch, wie es sich anfühlt ... die Selbstvorwürfe, die Ängste ... alles ist weg ... Ich darf mein Leben heute genießen, weil es nun ausgewogen ist. Es gibt herrliche Momente und auch schreckliche. Doch das ist nun mal das Leben. Der Wortstamm von Sucht ist nicht etwa suchen, sondern siechen. Wenn Du Dir die Bedeutung ergoogelst, dann wird es beschrieben als immer schwächer werdend, als dahinsiechend. Es wird bei Seuchen benutzt. Wer an einer Seuche leidet, wird isoliert, damit er den Rest der Gruppe nicht infiziert. Menschen, die an einer Seuche leideten wurden zu Aussätzigen ...
Sei stolz auf jeden einzelnen Tag und wenn Du nach Bestätigung suchst, dann suche sie ausschließlich in Dir!
