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Online-Selbsthilfegruppen Glücksspielsucht
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Positives am Glücksspiel

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Positives am Glücksspiel
« am: 10 Januar 2026, 09:17:14 »
Gibt es für euch auch positive Aspekte in Bezug auf die Spielsucht.
Als Betroffene(r) oder als Angehörige(r) ?

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Offline andreasg

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Re: Positives am Glücksspiel
« Antwort #1 am: 10 Januar 2026, 12:29:52 »
Hallo Fred,

ich möchte Deine Anfrage nicht unbeantwortet sein lassen:wir bauen uns, wenn wir uns den Totalschaden betrachen, den wir angerichtet haben, eine womögliche Schutzfunktion. "Ich bin der Allerschlimmste Zocker, ich habe die übelsten Dinge getan, ich kenne keine Grenzen mehr... Ich erachte das als eine Schutzbehauptung, die dazu geeignet scheint, sich zwischen dem eigenen Willen und der Sucht eine hohe Mauer aufzubauen. Diese soll dann dem Suchtdruck, wenn er seine Attacke fährt, Eiheit gebieten. Tut er aber nicht, die Sucht ist eben stärker!

 Es gibt wirklich etwas positives dabei. Der Umkehrschluß, ich kapituliere vor meiner Sucht, und ich suche mir Hilfe. Die Wege über Suchtberatung, Anwälte, Kliniken, Selbsthilfegemeinschaften werden ja hier benannt und geplegt. Und ich glaube, daß sich diese Einrichtungen , und die Menschen, die sich denen annehmen, die aufrichtig Hilfe suchen, eben genau das Positive verschenken. Ich lerne es, erst mühselig, dann immer befreiter, mein Leben anzunehmen, bin offen dafür neues zu lernen, werde toleranter mit mir und versöhne mich mit meinen Mitmenschen, ich geneieße mein Leben in Ruhe und Frieden, und reiche meine Händen, denen, die sie ergreifen möchten.
Es sind eben bei mir - ein Dutzend einfache Schritte, die die Komplikationen meistern.

Den Satz: "Ich bin dankbar, daß ich spielsüchtig geworden bin" mag sich darauf beziehen, aber ich verwende ihn nicht mehr. Das hat für mich einen sehr tiefen Hintergrund. Ich habe Heute, diesen Tag eine Wegstrecke zu bewältigen, die ich nicht mehr alleine gehen brauche, und bei der ich,besonders durch das zuhören, lernen darf, genießbar zu werden.
Mein Fazit: Zeit und Geld sind verspielt, das Wertgefühl aber läßt sich wiederherstellen (GA)

Eien Tag zur Zeit

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Positives am Glücksspiel
« Antwort #2 am: 10 Januar 2026, 14:00:30 »
Sehr interessanter Ansatz, Andreas.

Ich bin ja auch eher einer der Protagonisten, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es ums eigene Fehlverhalten geht. Dass dieses eine Schutzbehauptung sein könnte, habe ich bisher nicht so gesehen. Für mich ist es eher das Eingeständnis des eigenen Fehlverhaltens. Wenn ich anderen Menschen Leid zugefügt habe, mache ich auch keinen Hehl daraus, dass es so war. Vielleicht ist es aber auch abhängig davon zu sehen, wann man solche Äußerungen trifft. Als aktiver Spieler war ich ja eher immer der „Beste“ – erst als Abstinenzler konnte ich klar zu meinen Fehlern stehen. Aber danke, gut mal darüber nachzudenken.

Was gibt es Positives am Glücksspiel ? Vielleicht unglücklich formuliert, Müsste eher heißen, was es Positives an der Spielsucht gibt.

Klingt echt böse – ist es aber gar nicht.

Ich habe ja mal auf dem Bau ein solides Handwerk gelernt, doch das reichte nicht um mein Spielen zu finanzieren. Von immensem Antrieb meine Finanzen in den Griff zu kriegen getrieben, habe ich einen für mich beachtlichen beruflichen Werdegang hingelegt. Finanziell praktisch Unmögliches erreicht. Natürlich nützt mir das heute nichts, da alles Geld von mir umgehend verbrannt wurde. Ich denke aber, als Nicht-Suchtmensch wäre ich dem Lebensweg meines Vaters gefolgt und würde mich heute noch, falls überhaupt noch  möglich, auf dem Bau abbuckeln.

Also meine Sucht hat mich in diesem Punkt schon sehr getrieben. Das bleibt zumindest bei mir als positives Fazit.

Deutlich wichtiger sind aber die ersten Jahre meiner Abstinenz. So viel wie ich mich mit meinem Umfeld und mir selbst auseinandergesetzt habe, so tief ich in mich hineingehört habe, so drastisch ich meinen Lebensweg geändert habe, sowas wäre mir ohne Sucht vermutlich nicht wiederfahren. Hier nochmal ein Dank an Olli.
Klingt vielleicht doof, aber genau genommen ist diese Zeit ein sehr wichtiger Lebensabschnitt für mich gewesen. Heute bin ich sowas von tiefenentspannt und mit mir und meinem Umfeld im Reinen, dass ich meine es könnte nicht optimaler sein.

Man weiß nicht, wie alles gekommen wäre ohne Spielsucht, aber so insgeheim bin ich dankbar für die Zeit, die ich jetzt gerade habe.

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Offline mutze

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Re: Positives am Glücksspiel
« Antwort #3 am: 10 Januar 2026, 15:43:38 »
Hallo FredHH

Das Positive am Glücksspiel ist doch eigentlich das Gewinnen. Ich habe keine Casinos oder Spielhallen besucht und dort an Automaten gespielt, sondern bei mir war es eher im Internet in einem offiziellen Spiele Channel.

Das gewinnen dieser Währung war für mich am schönsten und hat mich immer wieder angeheuert weiter zu machen, aber danach wurde das System so umgestellt das man aus Plus immer mehr Minus gemacht hatte. Ich habe immer mehr gekauft und hatte jedes mal ein immer schlechteres Gewissen als wieder alles weg war. So oft habe ich mich aufgeregt über dieses System und das die einen Abzocken, aber ich kam einfach nicht davon los.

Aber dann hatte ich meinen Mut zusammen gefasst mich auf die Couch gesetzt und mich geoutet und Hilfe gesucht auch in diesem Forum welche Adresse ich von einem Therapeuten aus der Klinik hatte.

Von der Finanziellen Krise mal ganz abgesehen, bin ich froh das ich es jetzt hinter mir habe und hoffe das ich auch standhaft bleibe.

Lg Mutze



Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren

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Offline Olli

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Re: Positives am Glücksspiel
« Antwort #4 am: 10 Januar 2026, 16:46:13 »
Die positiven Aspekte der Glücksspielsucht sind vielfältig. Wie bei Fred, so waren auch bei mir Anteile der Sucht, alles rund um den Selbstwert, Antreiber für meinen beruflichen Erfolg. Dann wurde ja in meiner Ursprungsfamilie nicht wirklich über Gefühle gesprochen. Die bewusste Gefühlspalette war daher klein und sie wollte daher massivst ausgelebt werden. Dann wieder vertrieb es die Langeweile, bzw. es hielt den Stresslevel hoch. Während Anerkennung in meiner Familie gerne mal zurückgenommen wurde, gab ich mir diese selbst, wenn die Risikoleiter am Anschlag war. Der Automat und seine Brüder und Schwestern waren überall. Ich brauchte nur einen suchen und schon fand ich ihn auch. Er lief nicht weg wegen mir. Er blieb. Schließlich wollte er ja nur das "Beste" von mir.
Mit Geld umgehen hatte ich nie gelernt. Klar, von klein auf hieß es, dass wir sparen sollten. Doch wieso eigentlich? Niemand erklärte mir, wie ich mit Geld umzugehen hatte. Ich bekam Taschengeld und das war es auch schon. Mit 13 Jahren endete diese Ära, als ich begann Zeitungen auszutragen. Nun war noch mehr Geld da. Wir waren nicht reich und ich konnte auch nicht jede Klassenfahrt mitmachen. Trotzdem war mir Geld egal. Mir ging es doch gut. Dass das Geld später bei meinem vermeindlichen "Freund" landete, sah ich überhaupt nicht als schlimm an.
Häufig erlebe ich es auch, dass Spieler sich als Opfer ihrer Sucht sehen, um sich mies zu fühlen. So, als hätten sie nichts anderes verdient. Doch auch negative Gefühle sind nun mal ausgesuchte Emotionen. Es ist, als würden die Leute in einem Brunnen festsitzen und versuchen immer wieder die Wände hochzukrachseln. Dabei fallen sie immer wieder zurück ins Wasser, weil auch das Mauerwerk mittlerweile nass ist. Das Kraxeln wurde zum Lebenszweck! Es gibt dann nur noch diese Welt der Mauer. Sie brauchen dann jemanden, der ihnen sagt: Drehe Dich mal rum ... da ist doch eine Leiter an der gegenüber liegenden Wand.
Ich habe mich damals auch nicht herumgedreht. Hatte ich doch selbst auch versucht eine solche Wand zu erklimmen. Wie hätte ich denn dagestanden, vor mir selbst, wenn des Rätsels Lösung so einfach hätte sein können? Und nun mal ehrlich ... wenn mir Geld egal ist, dann sind es auch Schulden. Das Leben hatte doch irgendwie funktioniert ... wieso sollte ich denn dann etwas verändern?
Es gibt allerdings auch komorbide Störungen, wo die Glücksspielsucht tatsächlich Ruhe ins Chaos bringt und es dann umso schwerer fällt davon loszulassen. Ein ADHS-ler nimmt z.B. viel mehr Informationen auf. Was ein gesunder Mensch ausblendet, feuert permanent auf diesen ein. Vor einem Automaten sitzend wird dann nur noch der Automat wahrgenommen - der Rest verstummt! Somit wird die Suchtausübung selbst zum Segen!

Ich denke, dass es fast so viele Vorteile gibt, wie es Glücksspieler gibt.

@Mutze
Zitat
Das Positive am Glücksspiel ist doch eigentlich das Gewinnen.
Spinne den Faden bitte mal weiter. Was passiert in Dir drin, wenn Du "gewonnen" hast? Das ist das Positive, was es zu benennen gibt, nicht das gewinnen. Als Spieler kannst Du ja gar nicht gewinnen, selbst wenn es eine Währung innerhalb eines Spieles ist. Du musst es ja einsetzen, um weiter spielen zu können.

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

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Offline mutze

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Re: Positives am Glücksspiel
« Antwort #5 am: Gestern um 11:27:24 »
Hallo Olli

Natürlich hast Du Recht mit der Aussage das da noch mehr ist als nur das Gewinnen, denn auch das spielen war für mich wichtig. Ich hatte mich vorher schon gefreut das ich in den Chat gehe und wieder spielen kann, und dann gedacht vielleicht kann ich mich heute, also damals wieder hoch zocken, hatte ja gestern auch geklappt. Alleine der Gedanke hat schon Positives in mir ausgelöst.

Wenn ich die Währung hatte konnte ich spielen und dabei schießen dann Glückshormone durch mich. Diese Gefühle Beflügelten mich immer wieder und wieder zu spielen.

Lg Mutze
Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren

 

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