ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Warst du spielen ?

Begonnen von FredHH, 10 Februar 2026, 11:47:11

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,,Warst du spielen" fragte mich meine Frau gestern.

Das fragte sie nach über 10 Jahren nun überhaupt das erste Mal. Am Samstag wollte sie wieder einmal mein Portemonnaie plündern und fand dort so einiges an Geld. Sie fragte mich, warum da so viel Geld ist und ich antwortete zu dem Zeitpunkt wahrheitsgemäß ,,keine Ahnung".
Ich arbeite im HomeOffice und gehe außer zusammen mit meiner Frau eigentlich nirgends hin. Einkäufe bezahle ich mit Karte. Daher hatte ich wirklich keine Übersicht über meinen Bargeldbestand. Ich wusste nur, ich hatte 2 Dinge per Kleinanzeige verkauft die abgeholt wurde. Mir fiel aber nur ein Artikel ein. War mir auch nicht so wichtig.

Gestern nun brauchte sie Geld für die Hundeschule und fragte dann erneut, warum da so viel Geld ist. Ich antwortete erneut, dass ich das nicht wüsste und es mir bestimmt jemand da reingesteckt hat. Ich fand das lustig, weil ich mir ganz ehrlich keine Gedanken darum machte.

Dann fragte sie mich ernsthaft, ob ich spielen war. Für mich eine völlig absurde Frage. Für meine Frau natürlich nicht. Ich habe ihr dann ruhig erklärt, dass ich nicht gespielt habe, ja nicht einmal alleine aus dem Haus war und dass ich bei Oasis für die nächsten 100 Jahre gesperrt bin etc. Also nicht mal spielen könnte wenn ich wollte.

Hat mir dann echt leidgetan, dass sie das fragen musste. Nach so langer Zeit.
Da kann man echt mal sehen, wie tief diese Scheiße bei den Angehörigen noch verankert ist.

Nicht nur bei uns Spielern ist das ein lebenslanges Thema.

Hallo Fred,

Danke für Deinen offenen Bericht. Das erste, was mir einfiel, mein Haushaltsbuch. Also Aktiva und Passiva, Soll und Haben: Buchungssatz Kasse an Außerordentliche Einnahmen. So habe ich das in der Berufsschule gelernt, in meiner Zockerzeit persönlich ignoriert, und in der Selbsthilfe persönlich für mich aufgebaut. Manchmal erschrecke ich mich auch - über den Kontostand - im Haben!

Es geht mir jetzt nicht um die Sichtweise der Angehörigen, mehr um das Selbstbild. Wenn mein Gehirn versteht, daß ich aus Treu und Glauben agiere und das auch so dokumentiere, dann kann ich in Frieden mit mir selber sein. Die Dir gestellte Frage berührt wohl peinlich, und es ist gut, sein Gefühl zu benennen. Der Mut, sich erkennen zu geben, ohne Abwehrmechanimen, wie Aggressionen, sondern eine bestimmte, aber leise Ausdrucksweise zu führen, das ist dann ein Schutzraum, gerade dann, wenn die Situation verblüffend ist.

In Gedanken klappere ich gerade die Gastronomie am Elbuferweg ab, aber ich denke, Ihr beide werdet einen Weg finden, diesen Fauxpass abzufeiern.

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Zitat von: andreasg am 10 Februar 2026, 12:06:39
In Gedanken klappere ich gerade die Gastronomie am Elbuferweg ab, aber ich denke, Ihr beide werdet einen Weg finden, diesen Fauxpass abzufeiern.

Du misstrauischer Vogel  :D :D :D

Ich finde es schön, dass sie aufmerksam ist :)

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