ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Mein erster Tagebucheintrag

Begonnen von markus_anton, 09 September 2020, 17:27:19

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Guten Start in die Woche!
Hoffe du verträgst dein neues Medikament gut !
Startet in dieser Woche auch dein Kurs für die Rauchentwöhnung ?
Dabei müsste das Naltrexon ja auch unterstützend wirken 👍🏼
Viel Erfolg
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Hallo!

Mittagspause.

Wow, du merkst dir aber Details samt Zeitabfolgen, Isabella!
Ja, das Naltrexon habe ich gestern Abend erstmals genommen und bislang keine unangenehmen Nebenwirkungen. Eine schnelle und unmittelbare Wirkung im Zusammenhang mit Nikotin ist nicht da, aber ich werde heute die Nachmittagsschicht wieder ohne Zigaretten fahren. Das hat auch schon vergangene Woche ein paar Mal gut funktioniert.
Und nochmal ja: der Rauchfrei-Kurs beginnt morgen um 18h online. Ich habe gerade angerufen und um Verständnis gebeten, wenn ich mich wegen der Arbeit verspäten sollte.

Ich muss hier was in eigener Sache loswerden. Mich beschäftigen die Reaktionen auf meine Einträge von euch, also Olli, andreasg, Isabell80 und Babs, enorm. Ich habe es heute in der Arbeit wieder - und nicht zum ersten Mal - gemerkt, dass ich beim Autofahren mit den Gedanken vollkommen bei euren Antworten hier im Forum bin. Selbstliebe; riesengroße, offene Scheunentore; aber auch dass das Vertrauen wachsen wird. Und der heraufdräuende 50er.

Ich klinge hier im thread vermutlich überzogen selbstbewusst, besserwisserisch und altklug. Das bin ich nicht und will ich auch nicht sein. Ich bin in einer Sackgasse und weiß keinen Ausweg. Und ich habe Angst. Im Grunde vor jedem Schritt, den ich mache und den ich auch nicht mache. Weil ich vor allem von K. ebenso ständig höre, dass ich jetzt radikal werden muss. Nur noch Sport, vor allem Laufen (ich war das letzte Mal vor einer Woche am Montag), vollkommen weg von allen Geräten, die mich mit dem Netz verbinden (das sind das macbook und das Handy bei mir) und das Gehalt vom Arbeitgeber auf das Konto von W. überweisen lassen. Zusammen mit dem Grübeln darüber, ob ich zu einer gesunden Selbstliebe überhaupt fähig bin, ganz zu schweigen von einer Paarbeziehung. Meinen Süchten, deren Zusammenspiel und Auswirkungen auf meine Persönlichkeit ich kenne. Über all dem schweben finanzielle Schulden, ein näher rückendes Outing der Spielsucht bei meinen Kindern und Familienmitgliedern und Arbeitgeber.     

Ein unguter Mix, das alles, der mir gar nicht gefällt. Aber noch versuche ich ruhig zu bleiben und mir zu sagen: one step after the other. Oder, wie andreasg schreibt, einen Tag zur Zeit.

Alles Liebe,
Markus
La vita e bella...

Hi Markus!

Jede nicht gerauchte Zigarette erfreut Deinen Körper. :) Allerdings bringt die Reduktion nichts. Sie gibt Dir höchstens ein Gefühl der Kontrolle, die aber eine Illusion ist. Irgendwann wirst Du ausnahmsweise mal eine Ausnahme machen, bei 5 Arbeitstagen ist es doch auch nicht schlecht nur an zweien von der Regel abzuweichen, dann sind 3 von 5 Tagen immer noch knapp die hälfte aller Tage und wenn dann an vier Tagen wieder geraucht wird, verbleibt ja immerhin immer noch ein Tag nikotinreduziert ... ;)

Nun, ich hatte 2 Schachteln pro Tag geraucht und dazu noch gedampft. Als ich bei Jörg die Raucherentwöhnung gemacht hatte, da habe ich gefragt, ob ich nicht wenigstens ohne Nikotin weiter dampfen dürfe. Nö, war die Antwort und sie erschloss sich mir auch: Jede Sucht ist eine Gewöhnung, die aus dem Ruder gelaufen ist. Wenn ich mir aber etwas abgewöhnen möchte, dann muss ich all die Rituale und Verhaltensweisen ablegen. Hätte ich also weiter gedampft, so hätte ich mein Verhalten und Rituale beibehalten und es hätte jederzeit die Gefahr bestanden, wie oben beschrieben, ganz in alte Muster zu verfallen.
Ich hatte mir in der Apotheke kleine Lakritzperlchen geholt, damit die Geschmacksnerven was zu tun hatten. Dazu habe ich Zahnstocher im Mundwinkel von rechts nach links geschoben. Da die Zunge aber sehr darunter gelitten hatte, habe ich das nach der körperlichen Nikotinentwöhnung nach 12 Tagen sofort wieder sein lassen.

ZitatIch muss hier was in eigener Sache loswerden. Mich beschäftigen die Reaktionen auf meine Einträge von euch, also Olli, andreasg, Isabell80 und Babs, enorm. Ich habe es heute in der Arbeit wieder - und nicht zum ersten Mal - gemerkt, dass ich beim Autofahren mit den Gedanken vollkommen bei euren Antworten hier im Forum bin. Selbstliebe; riesengroße, offene Scheunentore; aber auch dass das Vertrauen wachsen wird. Und der heraufdräuende 50er.

Das ist doch genau die Reaktion, die gewollt ist. Du sollst Futter zum Nachdenken bekommen und dass Du genau das durchkaust, zeigt doch Deine Bereitschaft zum Nachdenken. Du lernst "andere Sichtweisen" kennen und gleichst sie mit Deinen ab! Nur Du selbst kannst Dich vom Spielen wegbringen - niemand sonst!

ZitatUnd ich habe Angst. Im Grunde vor jedem Schritt, den ich mache und den ich auch nicht mache. Weil ich vor allem von K. ebenso ständig höre, dass ich jetzt radikal werden muss.

Mein Lieber ... traue Dir doch selbst mal was zu! Angst haben ist OK. Sich durch die Angst lähmen lassen aber nicht. Gehe jeden einzelnen Schritt in Deinem Dir eigenen Tempo - aber gehe ihn. Du bist doch schon so lange in Behandlung. Hatte sie denn nicht auch Erfolge gehabt? Doch sicher! Also knüpfe da wieder an.

Noch einmal zurück zum UND-Konto. Es bleibt Dein Konto! Dein Freund müsste eine Unterschrift in der Filiale abgeben und diese würde dort hinterlegt. Du selbst bekommst Schecks, die Dein Freund aber mit unterschreiben muss. Mit dem Scheck läufst Du an den Schalter und dort wird die Unterschrift des Freundes abgeglichen. Wenn´s passt, alles gut. Wenn die Unterschrift zu stümperhaft gefälscht ist, dann erhälst Du eben kein Geld! :)

Dazu kannst Du Überweisungsaufträge einrichten. So z.B. am 1. des Monats alles bis auf 0 (oder eine andere beliebige Zahl) auf das Konto des Freundes überweisen.

Der Freund kann Dir beispielsweise jeden Monat 10 Schecks à 30 € ausstellen. Wenn Du weisst, dass da kein bail-out mehr stattfindet und es Dir zu peinlich ist in der Filiale mit allen Schecks gleichzeitig aufzuschlagen, wirst Du Dich auch an Deine selbst auferlegte Regel halten ... immer nur einen Scheck zur Zeit! :)

"Radikal" ist so ein Modewort und es trifft auch nicht den Punkt. Wie wäre es stattdessen mit "konsequent"!?
Da es bekanntlich kein "halbschwanger" beim Thema Sucht gibt, kann es das auch nicht bei der Genesung geben.
Rumeiern wäre das Pendant dazu. Eine "Begründung" dazu könnte Deine bipolare Störung sein?

Mir sind schon einige ADHS-ler unter gekommen und sie berichten, das Spielen das Schnellfeuer der Sinneswahrnehmungen im Kopf zur Ruhe bringen kann. Wie ist das bei einer bipolaren affektiven Störung?
Was bewirkt das Spielen da? Wiegt der erlebte Vorteil beim Spielen die Nachteile auf und fällt es Dir deshalb so schwer loszulassen?

ZitatÜber all dem schweben finanzielle Schulden, ein näher rückendes Outing der Spielsucht bei meinen Kindern und Familienmitgliedern und Arbeitgeber.

Schulden sind geduldig ... wenn es zu viel ist, dann gehe zu einer Schuldnerberatung. Im Netz findest Du auch Hilfe bei der Schuldener-Community.
Es ist für mich ein schöner Gedanke, dass Du Dich bei Deiner Familie outen möchtest. Es zeigt, wie sehr Du ihnen vertraust. Wenn Du Dich dazu entschlossen hast, dann setze es auch zeitnah um, damit Deine Ängste kein Eigenleben entwickeln und zu katastrophisieren anfangen.
Wieso Du Deinen AG einweihen möchtest, erschließt sich mir noch nicht. Drohen die ersten Pfändungen?



Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Markus - Anton,

ich plane, in 9 Tagen etwas über meine Rauchentwöhnung zu schreiben  :)

aber ich habe gerade wieder meine Sozialen Ängste, also auch = "mein Konto wird von Cyberkrimminellen geplündert""
Der Grund ist, daß ich 2 Plishing - Mails im Span - Ordner gefunden habe.Wie bereits schon erwähnt, ich habe eine Form  der Medienabhängigkeit. Daß ich auch noch Online - Banking habe, wird in meinem Nachbarschaftskreis kritisch gesehen. Die Seniorinnen sind so bemüht, manuelle Überweisungsscheine zu einer Spakasse zu bringen, die diese Form des Handelns noch akzeptieren. Da ich ja ein älter werdender Mensch bin, gehe ich zu meiner Bank, und erkläre mich dort, in meinen Anliegen. Das braucht Zeit und Geduld für die Angstellten und wartenden Kunden, aber mir gibt das auch eine Sicherheit.
Das Wesentliche für unsereins ist es aber allemale, nicht alleine damit im Walde zu stehen. Es ist keine Scwäche, sein Manko, das Defizit zuzugeben, sondern es erfordert Mut, und Entschlossenheit.

Liebe Grüße

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Zitat von: markus_anton am 15 Juni 2026, 12:05:18Wow, du merkst dir aber Details samt Zeitabfolgen, Isabella!


Erwischt 😉
Das ist tatsächlich ne komische Macke von mir - vermutlich jobbedingt .
Wir haben nur wenig Zeit mit unseren Patienten und ich versuch mir möglichst in der ersten Behandlung alle wichtigen Details zu merken .
OP-Datum?
Ab wann darf wieviel Belastung aufs Gelenk ?
Wann geht's in die Reha ?
Wann kommt die Materialenrfernung?

Ich will einfach wissen , wieviel Zeit ich mit dem Patienten haben werde, und wie weit er in der Zeit bestenfalls kommen sollte .

Das jedes Mal neu zu erfragen oder nachzulesen kostet einfach zu viel Zeit 😅


Sorry - falls das wie eine Kontrolle von mir bei dir angekommen ist .
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Zitat von: markus_anton am 15 Juni 2026, 12:05:18Ich klinge hier im thread vermutlich überzogen selbstbewusst, besserwisserisch und altklug. Das bin ich nicht und will ich auch nicht sein


Das empfinde ich nicht so .
Ich finde du klingst so , als hättest du dich schon intensiv mit dir beschäftigt .( vielleicht auch durch deine Therapie)

Für mich hört es sich an , als wäre dir die Theorie völlig klar , nur das Unsetzen in die Praxis fällt dir noch schwer .

Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Guten Morgen!

Erstmal wieder ein großes Danke für eure Antworten!!!
Ich habe sie gerade heute Morgen gelesen. Sie sind mir wichtig und gehen mir nahe.
Im Detail werde ich jetzt zumindest nicht auf jede Antwort eingehen, aber es ist richtig, dass ich schon sehr viel an Therapie hinter mir habe. Meine erste Psychose hatte ich sehr früh, mit 22 Jahren, und danach war ich - mit langjährigen Abständen dazwischen - immer und immer wieder in Therapie bei unterschiedlichen Therapeuten. Mittlerweile ist es so, dass ich mir schon schwer tue, einem oder einer neuen Therapeuten oder Therapeutin meine ganze Geschichte zu erzählen. Ich habe sie schon so oft erzählt und alles wieder von vorne - Kindheit, manische Phasen, Berufswechsel, Ortswechsel, etc. - durchzukauen, ist mühsam. Ich habe jetzt die Suchttherapeutin, die mich gut kennt und gut is.

Ich habe hier in der Stadt eine gute Freundin, die ebenfalls bipolar ist. Wir sind einander sehr vertraut und sie weiß alles von mir, was mich beschäftigt. Sie hat mir gestern zwei Dinge geraten: 1) eigentlich einfach, aber allein wäre ich trotzdem nicht drauf gekommen in dem Moment: jetzt mal alles, was mich an Gedanken beschäftigt niederzuschreiben und zu gewichten und Schritt für Schritt anzugehen. Dafür war ich gestern nach der Arbeit zu müde. Ich versuche, das heute nach dem Online-Rauchfrei-Kurs um 19.30h zu machen.
Und 2) im Zuge dessen, mir zu überlegen, ob ich mich nicht gegenüber meiner Familie - ohne Kinder - zum wiederholten Male als Spieler oute. Sie wissen alle aus der Vergangenheit von meiner Spielsucht. Dass sie wieder zurück ist, allerdings nicht. Und ich spüre, dass dieser Tag näher rückt. K. ist dagegen und für eine soft-Variante (ich weiß jetzt, dass ich süchtig bin und will endgültig etwas dagegen unternehmen. Aber nicht die ganze Wahrheit, dass ich wieder spiele. Daraus würde sich auch mein Entschluss erklären, auf ein Tastenhandy umzusteigen und eine stationäre Reha zu beantragen). R. ist wie meine Freundin P. und das Forum für die ganze Wahrheit. W. und S. haben sich dazu nicht geäußert.

Ich habe gestern erstmals in das Buch, das K. mir vor Jahren geschenkt hat, reingelesen. Ich habe es weiter oben schon mal erwähnt. "Vom Junkie zum Ironman" von Andreas Niedrig. Ich bin nicht weit gekommen gestern in der Mittagspause, aber ein Kapitelname hat meine Aufmerksamkeit geweckt: "Du brauchst im Leben mindestens einen Menschen, der an dich glaubt." Ich habe das Glück, gleich mehrere zu haben. Also kein Grund, weiter hier zu Jammern.   

@Olli: AG deshalb, weil erstens eine stationäre Reha auch im Raum stehen könnte. Und vor allem deswegen, weil wir im Freundeskreise überlegt haben, mein Gehalt vom AG direkt auf W.s Konto überweisen zu lassen. Was sich aber bei einem UND-Konto erübrigen würde.

Einen schönen Tag euch,
Markus
La vita e bella...

Guten Morgen!

Den Grund für den Arbeitsausfall brauchst Du dem AG nicht zu nennen. Weiterhin meine ich, dass der AG gar nicht auf ein anderes Konto überweisen darf. Du musst schon Inhaber sein.
Somit erübrigt sich ein Outing vor dem AG.

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

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