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Isas Tagebuch

Begonnen von Isabell80, 14 April 2026, 10:23:35

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Hallo Isa,

stark, dass du das Laufen durchziehst!

Mein Fokus liegt gerade auf dem Fahrradfahren und der Gymnastik gegen Kniearthrose. Insofern bin ich in "Behandlung". In vier Wochen wäre wieder ein kurzer Lauf, für den ich mich bereits vor einem Jahr angemeldet hatte. Im Moment sehe ich mich da allerdings nicht. Das Ticket ist übertragbar ;-) Hauptsache: In Bewegung bleiben, in welcher Form auch immer.

Irgendwo hast du geschrieben, dass du zu deinem Ich vor drei Jahren zurück willst und dann aber auch nicht, da ja irgendwas nicht gestimmt hat. Das hat mich zum Nachdenken angeregt.

Ich will zu meinem Ich vor drei Jahren definitiv nicht zurück. Dann würde ich all die schönen Sachen, die mein Leben jetzt bereichern, nicht machen: Chor, bewusste Ernährung, Nachrichten-Begrenzung, Bewegung, gute Momente erkennen und genießen, etc.

Das Leben ist ein Fluss. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Ich wünsche dir einen schönen Tag,
Babs

Andreas , ich freu mich immer , wenn ich hier in meinem oder auch in deinem Tagebuch von dir lese.
Es hat was beruhigendes für mich , hier immer wieder Mal von den gleichen Menschen zu lesen und auch ein kleines bisschen an deren Alltag teilhaben zu können.
Einfach wahrzunehmen , dass man diesen Weg hier nicht alleine geht ,tut mir gut .

Babs , gut , dass du den Knieproblemen  aktiv entgegenwirkst !

Du hast Recht , auch ich will im Grunde nicht zu meinem Ich von vor 3 Jahren zurück .
Das war nur ein erster oberflächlicher Gedanke, als ich mich gefragt habe  , was ich jetzt ändern möchte .
Da stand natürlich an 1.Stelle , dass ich eben nicht mehr spielen möchte .
Also hab ich an die Zeit gedacht , vor meiner Spielsucht .
Das war vor 3 Jahren .
Da lief von aussen betrachtet alles ziemlich gut .
Wir waren finanziell ganz gut aufgestellt , ich hatte den Haushalt , Job und Kinder "im Griff" , hab mich regelmässig mit Freunden getroffen und bin meinen Hobbies nachgegangen .
Als ich hier gestartet bin ,war mein Ziel diesen Zustand wiederzuerlangen .
Mit ein bisschen Abstand , sehe ich das aber heute schon viel klarer .
Da , vor 3 Jahren , war schon längst nicht mehr alles in Ordnung.
Nach aussen ja , ich hab halt irgendwie funktioniert, aber in mir drinnen herrschte schon absolutes Chaos .
Es gab Probleme , die ich nach aussen hin nicht wahrhaben wollte .
Wir hatten private Sorgen und hatten uns dazu entscheiden , diese mit niemandem zu teilen , sondern nur für uns im stillen Kämmerlein zu besprechen .
Im Rückblick war das ein Fehler , aber nachher ist man ja bekanntlich immer schlauer .
Die Spielsucht schlich sich genau da in mein Leben , als ich gefühlt nichts mehr unter Kontrolle hatte .
Es war eine Flucht aus den Sorgen und das Gefühl, zumindest eine Sache kontrollieren zu können .

Ich bin inzwischen seit 5 Wochen spielfrei und ich setze mich intensiv mit mir und dem Thema Sucht auseinander.
Jeden Tag werden mir neue Dinge bewusst und jeden Tag lerne ich dazu .
Ich lese viel zum Thema Selbstfindung und ich habe mir einen Online -Therapieplatz ergattern können , um die Wartezeit auf einen Rehaplatz und / oder Therapieplatz zu überbrücken.
Die Sorgen und Probleme von vor 3 Jahren sind nicht weg , sie haben sich verändert , sind aber weiterhin nicht gelöst .
Nicht alles lässt sich lösen .
Ich muss daran arbeiten , auch mit unlösbaren Problemem umzugehen
und lösbare Dinge anzugehen .
Das ist kein Weg , den man auch nur annähernd in 5 Wochen gehen kann .
Das wird eine Lebensaufgabe .
Aber ich fühle mich bereit für diese Aufgabe .
Ich kann gar nicht glauben , was sich in diesen  5 Wochen schon verändert hat in meinem Denken und Handeln.


Kurz noch zu heute :
Wir hatten einen entspannten Feiertag .
Ich hab nach sehr langer Zeit mal meine
Notenblätter sortiert und fast 2 Stunden mit abheften, kopieren ,beschriften usw  verbracht .
Abends waren wir griechisch essen und haben den Tag vorm Fernseher ausklingen lassen.
Wir haben morgen leider keinen freien Brückentag , daher schellt der Wecker um 6:30.

Gute Nacht 😴
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Liebe Isabell80,

Erstmal Glückwunsch, dass du seit 5 Wochen spielfrei bist! Ich glaube jeder hier kann nachvollziehen, was das bedeutet! Krass!

Magst du vllt. Sharen, was genau du zum Thema "Sucht" liest?
Bringt den anderen bestimmt auch was :).

Vg und bleib Spielfrei!

Hi Isabell,

das war eine sehr gute Ausführung die recht klar und durchdacht wirkt.
Ich denke Du bist auf dem genau richtigen Weg wenn Du es so geradlinig durchziehst.
Vorteil könnte schon sein dass die 'nur' drei Jahre aktiven Spielens überschaubar sind. Das erinnern an das davor und deren Analyse ist natürlich einfacher als bei mir im ca 25 Jahre Rückblick. Es ist aber sehr wichtig in sich zu hören denn auch bei Dir war vor dem Anfang unmöglich alles gut. Sei es in der Arbeit oder im privaten Umfeld, oft hat man das Gefühl es läuft ganz gut obwohl innerlich eine verborgene Unzufriedenheit herrscht.
Zu Hause läuft in einer längeren Beziehung  irgendwann nach Schema F. Es gibt Einigkeit und trotzdem fehlt irgendetwas.
Es gibt hier zig Möglichkeiten was das warum angeht.
Ich für meinen Teil habe vor über 3,5 Jahren den Entschluss gefasst nicht mehr zu spielen. Das lesen anderer Schicksale hier im Forum war ein wichtiger Teil, aber vor allem Stand das wie und warum ich mich so lange auf diese Konstrukte eingelassen habe. Ich habe darüber genauso viel gelesen und recherchiert, habe mir eine Liste erstellt mit all den Vor- und Nachteilen in dieser Zeit. Und im Laufe der Zeit kam bei mir im Kopf langsam wieder Klarheit zurück. Ich habe mich innerlich nicht beschimpft und gejammert sondern den Blick nach vorne gelegt.
Sobald das 'neue' Leben wieder spürbar wird, Gedanken klarer werden und alles schöne wahrgenommen werden kann wird alles leichter.

Weiter so Isabell, du bist auf dem richtigen Weg 👍👍
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

Hallo Isa, Danke für Deine direkte Rückmeldung. Es jeht mir in vielen Bereichen latent besser, eben - der Weg der kleinen Schritte, der ja in der Genesung von jedweiler Sucht der sicherste und beste ist. So wohl auch in der Neurologie und Orthopädie?

Heute Morgen habe ich mein Gesangbuch vorgeholt, und das Himmelfahrtslied in fast allen Strophen gesungen, und bin mir dabei bewußt geworden, daß ich krätzze. Also habe ich meine Körperhaltung korregiert, mich aufrecht hingesetzt, den Bauch gehoben, und in die Schultern geatmet. So kam mein sonorer Bass weitaus besser zur Geltung, und so fand ich auch eine Dankbarkeit, daß ich ja früher im Chor gesungen habe.

Daher freue ich mich, daß ich das in der Krankengymnastik wieder ins Bewußtsein bekomme.

Liebe Grüße

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Na hier ist ja was los ! 😊
Willkommen in meinem Tagebuch , schön von euch zu lesen .

Spiel.Spieler, danke für deine Worte .
Ich hab mir tatsächlich in der örtlichen Bücherrei alles geliehen , was ich zum Thema finden konnte und die meisten Bücher nur quergelesen , bis ich was passendes für mich gefunden habe.
Für mich ist das Thema Eskapismus dabei besonders interessant.

Roy123 , erstmal Glückwunsch zu 3,5 Jahren Spielfreiheit !
Toll , dass du auch nach so langer Zeit hier noch deine Erfahrungen teilst.
Danke dafür !

Andreas , ich hab schon ein paar Mal von dir gelesen , dass du gerne singst .

Wer singt, hat keine Angst: Gerald Hüther erforscht das Gehirn und hat dabei festgestellt: Du kannst nicht gleichzeitig singen und Angst haben. Unser Gehirn kann das nicht beides auf einmal.

Wusstest du das ?
Ich liebe es zu singen, alleine oder auch in einer Gruppe .
Es bringt einen immer auf andere Gedanken.



Gestern war ich nach meinem Arbeitstag und Gitarrenunterricht so fertig , dass ich ausser kochen , essen und schlafen nichts mehr geschafft habe.
Heute hab ich es ruhig angehen lassen , war nur kurz einkaufen und bin gleich noch mit einer Freundin verabredet .

In den letzten Tagen strengt mich alles an .
Mal eben einkaufen , schnell die Wäsche machen , alles ist irgendwie "zu viel".
Vor allem ungeplante Dinge werfen mich schnell aus der Bahn .
Alles muss strukturiert und nach Plan ablaufen , ansonsten fühl ich mich schnell überfordert .
Auch bin ich viel emotionaler als sonst.
Vielleicht liegt es daran , dass ich schlechten Gefühlen in den letzten Jahren  mit Spielen ausgewichen bin ? Jetzt muss ich die Gefühle aushalten und mit ihnen umgehen .Das ist manchmal gar nicht so einfach und führt immer wieder zu kleinen emotionalen Einbrüchen .




Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Hallo Isa,

danke für den Hinweis zum Eskapismus. Ich hätte nie gedacht, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Ist auch für mich zutreffend und daher sehr hilfreich.

Deinen Erschöpfungszustand kann ich ebenfalls sehr gut nachvollziehen. Wir stellen mit dem Nachdenken über die Gründe des Spielens unser ganzes Leben ja in Zweifel.

Das ist ja auch gut so, ist aber sehr anstrengend und kostet viel Kraft. Für mich war es wichtig, den Weg nicht alleine zu gehen. Gespräche mit meiner Schwester und mit Mitgliedern einer Gruppe zum Thema Einsamkeit haben mich stabilisiert und gestärkt. Ich bin froh, dass du dir auch Unterstützung geholt hast und drücke dir für eine baldige Reha/Therapie die Daumen.

LG, Babs



Hi Isa!

Nun, auch ich musste erst einmal nach dem Begriff suchen und wurde schnell fündig. Also habe ich es gestern auch im Meeting thematisiert und dann das Gespräch laufen lassen. Dabei stellt sich mal wieder heraus, wie gleich wir doch sind, trotz so vieler individueller Unterschiede. Ich finde dies sehr beachtlich.

Danke für diese Anregung!

Hi Babs!

ZitatWir stellen mit dem Nachdenken über die Gründe des Spielens unser ganzes Leben ja in Zweifel.

Ich denke, ich weiss, was Du meinst. So, wie es da aber nun steht, ist dies kein gesunder Ansatz.
Mein Leben stelle ich gar nicht in Frage. Habe ich "falsche" Entscheidungen getroffen? Ja, natürlich. Doch das sage ich aus heutiger Sicht und agiere daher heute auch anders. Aus damaliger Sicht waren meine Entscheidungen aber richtig!
Wenn ich mein Leben in Frage stelle, dann greift das meine Identität an. Ich darf aber doch auch Fehler machen - ich darf sie wiederholen, genauso, wie ich sie abstellen darf. Ich bin nicht meine Sucht! Ich bin noch so viel mehr! Wir selbst stellen die Sucht aber als übermächtig dar und ja, sie hat durch die Verwendung des Suchtmittels auch erhebliche Einflüsse auf mein Leben und das meiner sozialen Gruppe.
Wir hatten hier einmal einen User, der war eine ganze Zeit spielfrei und er wollte sich ein Motorrad kaufen und sich damit einen Traum erfüllen. 300 € fehlten ihm noch. Also nahm er 300 € aus der Motorradkasse und ging in eine Spielhalle, um das Geld zu verdoppeln!
Im Nachgang erzählte er von, na was wohl ... seinem Verlust. Ich zeigte ihm seinen falschen Glaubenssatz auf: mit Glücksspiel kannst Du Geld verdienen! Denkst Du, er hätte dies eingesehen?
Er kämpfte mit Händen und Füßen und wehrte sich gegen die Erkenntnis.
Er sah das Eingeständnis als das Zugeben einer Lebenslüge an. Er sah das Eingeständnis als das Zugeben von Versagen an. Womit hätte der Gute aber wohl eher stolz sein können?

Ziel bei der Genesung ist es, so gut es eben geht, die Hintergründe der Sucht zu erforschen. Dabei ist definitiv der Weg das Ziel.
Irgendwo gibt es eine oder mehrere Defizite in mir, die mich anfällig machen eine Sucht zu entwickeln. Es ist ausgesprochen NICHT das Ziel mich komplett umzukrempeln.
Ich bleibe ich, egal ob ich spiele oder nicht.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Isa,

ich hoffe, dass es für dich okay ist, dein Tagebuch auch für den Austausch untereinander zu nutzen.

@Olaf: Ich verstehe was du meinst.
"Ich bleibe ich, egal ob ich spiele oder nicht." Dem stimme ich zu. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass sich mein Ich immer weiter entwickeln kann. Und die Überprüfung von Verhaltensweisen und aller möglichen Aspekte des eigenen Lebens verhindert es, im Stillstand oder schlimmer noch, im Ungesunden, Lebensverneinenden zu verharren.

Ich mag mich meistens - jetzt aber ehrlicherweise mehr als in den Phasen der Spiel-Abhängigkeit. Die Abhängigkeit hat schon meine Selbstliebe geschwächt. Und natürlich weiß ich, dass ich damals auch mehr war als der spielende Mensch. Überschattet hat es dennoch sehr viel.

Das Nachdenken über die Gründe meines ungesunden Spiel-Verhaltens hat mich zu einem bewussteren, intensiveren Leben geführt.

LG, Babs


Hi Isa, 

soweit alles klar bei dir?

LG, Babs

Hallo ,
bei mir ist soweit alles in Ordnung , danke der Nachfrage.

Gerne könnt ihr euch bei mir im Tagebuch austauschen .Ich freu mich , wenn hier ein bisschen was los ist .

Melde mich am Wochenende nochmal ausführlicher!
Allen einen schönen Tag 😊

Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

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