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Spielsucht 4 Jahre lang verheimlicht – hat Beziehung noch eine Zukunft ?

Begonnen von Nela, 28 Juli 2026, 15:35:59

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Hallo zusammen

Ich weiss gerade nicht so recht, wo ich anfangen soll und hoffe, hier vielleicht auf Menschen zu treffen, die etwas Ähnliches erlebt haben.

Mein Partner und ich sind seit 8 Jahren zusammen, wir sind beide 31 Jahre alt. Seit 4 Jahren leben wir zusammen. Ich dachte eigentlich, dass wir unser Leben gemeinsam aufgebaut haben und an einem Punkt angekommen sind, an dem die nächsten Schritte kommen: Heirat, Familie, gemeinsame Zukunft. Ich hatte sogar gehofft, dass irgendwann ein Antrag kommt.
Unsere Beziehung war wunderschön, wir haben fast nie gestritten. Alle im Umfeld haben unsere Beziehung bewundert & ihn als einen tollen Mann gesehen, einen den man nicht so schnell wieder findet.


Vor einigen Wochen ist meine ganze Welt zusammengebrochen. Ich habe erfahren, dass mein Partner spielsüchtig ist und mir das Ausmass seiner Sucht und seiner finanziellen Probleme über 4 Jahre lang verschwiegen hat also während der gesamten Zeit, in der wir zusammengelebt haben.

Finanziell ist es uns immer sehr gut gegangen. Wir verdienen monatlich beide je einen fünfstelligen Betrag (leben nicht in DE). Er hatte ursprünglich selbst ein sehr grosses Vermögen, in Btc investiert vor 10 Jahren (organisches Wachstum, kein BS mit MLM oder ähnliches). Preis war sehr tief.  Dadurch ist mir seine Spielsucht und der finanzielle Verlust lange nicht aufgefallen. Nach aussen hatte er weiterhin ein sehr gutes Einkommen und Vermögen, und sein Leben sah für mich finanziell stabil aus. Über die 4-5 Jahre hat er ungefähr 1 Million Euro verspielt.

In den letzten 12 Monaten hat sich seine Spielsucht jedoch massiv verschlimmert als er sein gesamtes Vermögen aufgebraucht hat. In den letzten 6 Monaten hat er ungefähr 150.000 Euro verspielt. Er hat Sportwetten gemacht und in Online-Casinos gespielt. Er war nie in einem physischen Casino, alles lief online und war dadurch für mich unsichtbar. Geld genommen hat er von Familie & Freunden (welche nicht reagiert haben). Sowie am Schluss meine Kreditkarte, so ist er aufgeflogen.

Seine Erklärung für die massive Spielsucht war, dass er ursprünglich versucht habe, die Verluste wieder zurückzugewinnen und damit auch mein Geld zu retten. Ich hatte ihm vor etwa 7 Jahren meine eigenen Kryptowährungen anvertraut. Im Zuge seiner Sucht hat er jedoch nicht nur sein eigenes Geld verspielt, sondern auch auf mein Vermögen zugegriffen und damit mein Vertrauen missbraucht. Bis heute weiss ich nicht, wie viel seiner Motivation tatsächlich darin lag, mein Geld retten zu wollen, und wie viel davon eine Rechtfertigung seiner Sucht war.

Bemerkt habe ich zunächst nur, dass er sich verändert hat in den letzten paar Monaten. Ich dachte, wir leben uns ein bisschen auseinander, nach 8 Jahren evtl auch mal normal..evtl liegt es auch an mir..  er war viel draussen unterwegs. Stattdessen hat er täglich 20–30k Schritte gemacht, rückblickend aus reiner Nervosität. Er hat drastisch abgenommen und angefangen, seine Briefe vor mir zu verstecken.

Nach und nach kam die ganze Wahrheit ans Licht. Als er nichts mehr verstecken konnte & auf meine Kreditkarte Griff. Die Beträge da drauf waren von Lebensmittelgeschäften, wo er sich Paysafe Gutscheine gekauft hat. Er war noch genug intelligent und hat die genauen Beträge vertuscht indem er sich noch ein Cola oder Sandwich dazu kaufte.

Er hat also über Jahre eine finanzielle Realität vor mir verborgen, die überhaupt nicht der entsprach, von der ich ausgegangen bin.

Jetzt habe ich vollständigen Einblick in seine finanziellen Unterlagen und kann im Nachhinein nachvollziehen, was passiert ist. Meine Kryptowährungen wurden in den letzten 3 Jahren Stück für Stück verkauft und verspielt. Ich hatte die ganze Zeit geglaubt, dass dieses Vermögen noch existiert.

Inzwischen hat er zusätzlich Schulden von knapp 300.000 Euro. Zum Glück, mehrheitlich privat & nicht staatlich. Grossteil bei mir und seinen Eltern.

Was mich besonders erschüttert, ist, wie umfassend die Täuschung war. Er hat mich nicht nur über das Spielen und seine Finanzen angelogen. Er hat über Jahre sein Krypto-Portfolio gefälscht, sodass ich dachte, seine Vermögenswerte seien noch vorhanden. Er hat mich manipuliert und auch seine Eltern finanziell ausgenutzt bzw. ihnen Geld entzogen.

Ich habe grosse Mühe zu verstehen, wie man einen Menschen, mit dem man seit 8 Jahren zusammen ist und mit dem man seit 4 Jahren zusammenlebt, über so viele Jahre über eine derart grosse Sache belügen und das Ausmass der Sucht verheimlichen kann. Er hatte eine riesige Fassade, war immer happy und munter. Mein ganzes Umfeld sagt, es war unmöglich da durchzublicken, weil es so gut geschauspielert war. Er war für alle immer ein intelligenter, bodenständiger Mann.

Als alles aufgeflogen ist, war ich diejenige, die ihm als Erstes geholfen hat. Er hatte zu diesem Zeitpunkt auch Suizidgedanken. Ich habe versucht, für ihn da zu sein und ihn in eine Therapie zu bringen. Er geht mittlerweile regelmässig zur Therapie und sagt, dass er nicht mehr spielt. Es sind erst 2 Monate vergangen..

Ich selbst bin inzwischen ebenfalls in Therapie, was mir sehr hilft, das alles zu verarbeiten und meine eigenen Gedanken und Gefühle zu sortieren.

Ich sehe, dass er jetzt Schritte macht und dass er sich Hilfe holt. Ich sehe auch, dass seine Sucht offenbar mit tiefen psychischen Problemen zusammenhängt. Und trotzdem bin ich selbst völlig erschüttert und weiss nicht, wohin mit all meinen Gefühlen.

Er sagt, dass seine Sucht nichts mit mir zu tun hatte und dass es an seinen eigenen psychischen Problemen und seiner Sucht lag. Er sagt auch, dass er mich liebt und dass er mich nie absichtlich verletzen wollte.

Ich glaube ihm, dass seine Sucht nicht durch mich entstanden ist. Trotzdem fällt es mir unglaublich schwer, die beiden Dinge emotional voneinander zu trennen. Ich frage mich immer wieder: Wie kann man jemanden so sehr lieben und ihn gleichzeitig über Jahre so massiv belügen?

Das Schlimmste für mich ist im Moment der Vertrauensbruch.

Ich habe mir in meinen 20ern mein eigenes Leben aufgebaut und dachte, ich hätte jetzt mit 30 eine sichere gemeinsame Zukunft vor mir. Ich dachte, ich kenne den Menschen, mit dem ich mein Leben verbringen möchte. Jetzt frage ich mich, ob ich ihn überhaupt wirklich gekannt habe.

Ich liebe ihn noch immer sehr. Und genau das macht alles so schwer.

Ich habe grosse Angst vor einem Leben ohne ihn. Wir haben 8 Jahre miteinander verbracht. Ich dachte, er ist mein Mensch und mein Leben ist ,,settled".

Jetzt frage ich mich, ob ich stark genug bin, diesen Weg mit ihm zu gehen. Denn eigentlich habe ich diese Zukunft nicht verdient... ich habe immer so hart gekämpft um jetzt auf alles verzichten zu müssen.

Gleichzeitig frage ich mich, ob ich überhaupt die Kraft habe, all das aufzuarbeiten. Ich habe das Gefühl, dass ich in den letzten Wochen sehr viel Verantwortung übernommen habe: Ich habe ihm geholfen, professionelle Hilfe zu bekommen, seine Finanzen sortiert & einen Rückzahlungsplan gemacht und versuche gleichzeitig selbst zu verstehen, was gerade mit meinem eigenen Leben passiert ist.

Ich weiss auch nicht, ob ich ihm jemals wieder vollständig vertrauen kann. Selbst wenn er jetzt aufhört zu spielen und seine Schulden zurückzahlt, bleibt die Frage: Wie kann ich sicher sein, dass es nicht wieder etwas gibt, von dem ich nichts weiss?

Und ich frage mich zunehmend, ob unsere Lebensentwürfe überhaupt noch zusammenpassen.

Wenn ich realistisch auf die Situation schaue, wird er vermutlich die nächsten 6 Jahre damit beschäftigt sein, seine Schulden abzuzahlen und sein finanzielles Leben wieder aufzubauen. Und das auch nur falls er nicht rückfällig wird. Er wird in dieser Zeit sehr eingeschränkt leben müssen und sich vermutlich keine Familie leisten können, wie ich es mir für mein Leben vorgestellt habe.

Deshalb habe ich im Moment das Gefühl, dass mein einziger Ausweg vielleicht darin besteht, die Beziehung zu beenden.

Und genau dieser Gedanke zerreisst mich, weil ich ihn noch immer über alles liebe.

Deshalb möchte ich eine Beziehungspause einlegen. Ich möchte Abstand gewinnen und herausfinden, ob ich diese Beziehung und diese Zukunft wirklich noch möchte oder ob ich tief in mir eigentlich schon weiss, dass ich gehen muss, um mein eigenes Leben und meine eigene Zukunft wieder aufzubauen.

Gleichzeitig möchte ich ihn nicht einfach aufgeben. Ich sehe, dass er psychische Probleme hat, dass seine Spielsucht offenbar sehr lange ausser Kontrolle war und dass er jetzt zumindest versucht, etwas zu verändern. Er geht regelmässig zur Therapie und sagt, dass er nicht mehr spielt.

Aber ich merke auch, dass ich nicht weiss, ob Liebe allein ausreicht, um nach so einem Vertrauensbruch weiterzumachen.

Ich möchte verstehen, was in ihm passiert ist und wie er es schaffen konnte, vier Jahre mit mir zusammenzuleben und gleichzeitig eine so grosse Realität vor mir geheim zu halten.

Ich bin deshalb sehr hin- und hergerissen:

Kann eine Beziehung nach einer jahrelangen Spielsucht, Manipulation und einem solchen Vertrauensbruch wieder funktionieren?

Kann Vertrauen nach vier Jahren der Lügen überhaupt wieder aufgebaut werden?

Wie habt ihr als Partnerinnen herausgefunden, ob ihr bleiben oder gehen wollt?

Wie lange hat es gedauert, bis ihr eurem Partner wieder glauben konntet?

Ich wäre sehr dankbar für eure ehrlichen Erfahrungen sowohl von Frauen, die geblieben sind, als auch von denen, die sich getrennt haben.

Ich suche im Moment nicht unbedingt jemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Ich würde einfach gerne von Menschen hören, die verstehen, wie es sich anfühlt, wenn die Person, mit der man dachte, sein ganzes Leben zu verbringen, plötzlich eine völlig andere Realität offenbart.

Vielen Dank 💕

Hallo Nela,
eigentlich müsste meine Ehefrau als Leidensgenossin dir hier antworten. Sie steckt aber auch lieber den Kopf in den Sand, weshalb ich bei der Bewältigung meiner Sucht weitestgehend auf mich gestellt bin.
Ich habe insgesamt etwa 1 Mio an der Börse mit Derivaten verspekuliert und der Witz ist, dass ich erst bei der Hälfte war, als ich mich meiner Frau und meiner Familie damit öffnete. Niemand hat die Initiative ergriffen, weiteren Verlusten vorzubeugen. Nicht dass ich damit meine Schuld abwälzen will, ich frage mich aber schon, welche Rolle mir innerhalb der Familie zugedacht ist, dass alle das Thema lieber meiden, als sich dem Sachverhalt und mir zu stellen.
Möglicherweise ist es überzogene Toleranz, wahrscheinlich aber pure Angst, denn es gab einschneidende Ereignisse im Freundeskreis, die mir dermaßen die Beine weggezogen haben, dass ich mich regelrecht der Sucht hingab. Die Geschehnisse ermöglichten mir andererseits tieferen Einblick in die Strukturen des organisierten Verbrechens, so dass ich an Reichtum seit dem schlicht nicht mehr interessiert bin und nunmehr weiß, dass ohne Korruption niemand imstande ist, seinen Platz unter den Millionären zu behaupten.
Kann es sein, dass deinem Partner etwas ähnliches widerfahren und er deshalb der Sucht verfallen ist?


Nix, mein Kommentar läuft im Grunde auf eine Frage hinaus, nur dass ich die nicht stellen wollte, ohne den Anlass dafür zu schildern.

#4
Hallo Loser65

Nein, mein Freund hatte kein einschneidendes psychisches Ereignis, das ihn in die Sucht getrieben hat. Er meinte er hatte schon immer ein bisschen Fussballwetten gespielt. Anscheinend gab es einen Moment wo er kein Geld hatte.. Gehalt & Erspartes aufgebraut & hat dann angefangen sein Crypto Vermögen auszuzahlen (vor 4-5 Jahren). Dieses Schoss dann ein paar Monate aber massiv in die Höhe, dass er es so fest bereute & einen Weg gesucht hatte es schnell wieder einzuholen. Er hatte das Gefühl das er mit mathematischem Systemspielen das verlorene zurückholt. Er ist immer dem verlorenen nachgerannt, die Lücke wurde immer grösser. Das ironische ist, dass er sehr intelligent ist & vom Finanzfach ist, allen sehr gute Investment Tipps gibt.

Ich finde es sehr traurig, dass deine Familie insbesondere deine Frau den Kopf in den Sand stecken. Ich wünschte ich hätte meinem Partner helfen können von Anfang an, er konnte sich aber nie öffnen. Ganz im Gegenteil er hat alles unternommen, dass ich nichts merken konnte. Hätte er mir nur einen Hinweis hinterlassen.. für das sind Partner da, wir sind ein Team. Dachte ich zumindest.. er hat sich wahrscheinlich geschämt & zeigt sehr viel Reue & hat Angst dass ich ihn jetzt verlasse.

Noch bezüglich seinen Eltern, auf die bin ich sooo wütend. Ihnen hat er Signale vor einem Jahr angefangen zu geben. Er hat 14x nach Geld gefragt & sie haben es ihm immer gegeben ohne mal richtig zu fragen für was er denn das Geld braucht, weil mit seinem Gehalt sollte er wunderbar leben können. Aber sie haben lieber die Augen verschlossen und ihm fast 100k € gegeben.. ihr wahrscheinlich gesamtes Erspartes. Als ich dann alles herausgefunden habe und all Bankauszüge angeschaut habe, habe ich sie konfrontiert wieso sie mir nichts gesagt haben. Sie wollten ihn "schützen". Naja, hätten sie ihn schützen wollen, hätte er jetzt nur die Hälfte seiner Schulden. und auf die Frage wie viel Geld habt ihr ihm gegeben, kommt nur ein "wir wissens nicht". Wie kann man das nicht wissen.. so vermögend sind sie jetzt nicht, dass ihnen diese Summe nicht auffällt.

Ich hoffe du bist in Therapie & schaffst es die Sucht langfristig zu besiegen.



moin Nela,

Du suchst Kontakt zu Angehörigen, die Dich in Deiner jetzigen Lage unterstützen können. Ich bin es nicht, ich gehöre zu der Spielerfraktion.

Aber ich hab 2 "Sachen" für Dich:

1.) sei froh dass ihr kein gemeinsames Kind habt. Viele Spielerfrauen sitzen in dieser Falle; sie lassen mehr zu als sie vertragen können. Wie kann Dein Leben in 5 Jahren aussehen - mit Deinem jetzigen Partner oder nach einem Neuanfang?

2.) Ich habe mich vor einem Jahr sehr intensiv mit "Mausilausi" ausgetauscht. Sie war/ist?? in einer ähnlichen Situation wie Du. Sie wäre eine adäquate Gesprächspartnerin für Dich. Ich habe ihr gerade ne PM geschickt; ich hoffe sehr dass sie hier auftaucht.

Gruß Rainer
... Freedom's just another word for nothin' left to lose ....

Hi Nela,

ich bin jetzt leider auch nicht die oder der Angehörige den du suchst. Dennoch möchte ich dir zumindest ein paar Sätze schreiben.

Ich bin jetzt in ca 3 Monaten 4 Jahre spielfrei was mich durchaus stolz macht, jedoch verliere ich nie die ca. 20 Jahre davor aus den Augen. Warum erwähne mich hier zuerst und nicht meine Familie?
Weil ich derjenige bin der an sich arbeiten musste und zumindest die Zukunft so gestaltet damit der Horror nicht wiederkehrt. Und das kann auch nur er bei eurem Fall machen.
Es mag blöd klingen, aber wir Süchtigen leben in diesen Phasen in einer Parallelwelt aus Heimlichkeit, Lügen und Einsamkeit. Einsam trotz Partner und auch Kinder. Ich liebe meine Frau und meine Kinder natürlich, aber der Suchtteufel mit seinen Dopamin Geschenken steht im Wahn über allem.
Ich rate dir hier mal im Angehörigen Bereich zu lesen, aber und das ist wichtig auch im Tagebuch Bereich. Das Problem der Co Abhängigen ist dass sie die Sucht, logischerweise, nicht verstehen.

Er muss dir von jetzt an von sich aus beweisen dass er es ernst meint. Dazu gehört auch, zumindest anfänglich, eine Offenlegung gerade der Finanzen.
Er muss vor allem wegkommen von dem Gedanken verlorenem hinterher zu rennen und muss die Verluste akzeptieren.
Heißt er kann seinen Schaden zwar nur wesentlich langsamer gut machen, jedoch auch keinen weiteren verursachen.

Ich bin mir nicht sicher ob meine Frau, die diese Hölle mitgemacht hat(warum auch immer) mir jetzt wieder so vertraut wie es mal war.

Jetzt hoffe ich dass sich Leidensgenossen bei dir melden.

Alles Gute wünsche ich dir!
Grüße Roy
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

Hi Nela!

Auch ich bin ein Spieler, seit vielen Jahren abstinent.

ZitatDeshalb habe ich im Moment das Gefühl, dass mein einziger Ausweg vielleicht darin besteht, die Beziehung zu beenden.

Und genau dieser Gedanke zerreisst mich, weil ich ihn noch immer über alles liebe.

Vor vielen Jahren sah ich im TV eine Psychologin, derren Zitat mir nicht mehr aus dem Sinn geht:
Für einen Angehörigen ist es nicht zu viel verlangt, sich zu trennen!

Du hast jedes Recht dazu ...

Du schreibst ja, dass Du ihn über alles liebst. Wer ist dieser "ihn" denn? Anscheinend kennst Du ihn doch gar nicht. Ihr müsstet doch Eure Werte überwiegend teilen, damit eine Beziehung funktioniert. Doch gegen wie viele dieser Werte hat er verstoßen? Gab es dort, wo Du ein "wir" assoziierst, denn wirklich diese Gemeinsamkeit?
Was von dem, was Dir gefällt, ist vielleicht nur Fassade?

ZitatAber ich merke auch, dass ich nicht weiss, ob Liebe allein ausreicht, um nach so einem Vertrauensbruch weiterzumachen.

Ich denke, dass das "Alte" bereits abgeschlossen ist. Es kommt nie mehr wieder.
Es ist also eher die Frage, ob Du den bereits begonnenen Neuanfang mit ihm weiter zusammen gehst oder nicht.
Je nach den Gründen ser Sucht, die vielleicht in seiner Therapie zur Sprache kommen, kann es auch sein, dass er, der nun unter Verlustangst motiviert ist, erkennt, dass auch vielleicht nie eine gegenseitige Liebe verbunden hat.
Ich habe im Laufe der Jahre mehr als eine Ehe an der Sucht zerbrechen sehen. Aber es gab auch die Momente, wo mir geschildert wurde, dass sich der Spieler im Rahmen der Genesung tatsächlich in seine eigene Frau verliebt hatte - erstmalig!

ZitatKann eine Beziehung nach einer jahrelangen Spielsucht, Manipulation und einem solchen Vertrauensbruch wieder funktionieren?

Ja und nein! Es hilft Dir nicht zu wissen, dass es bei A funktioniert hat und bei B nicht. Die Frage ist, ob EURE Beziehung zu retten oder neu aufzubauen geht.

ZitatWie habt ihr als Partnerinnen herausgefunden, ob ihr bleiben oder gehen wollt?

Auch diese Frage kannst nur Du Dir beantworten. Dabei helfen so Fragen, wie:
Was wünsche ich mir eigentlich für mein Leben? Geht das mit ihm?
Welche Ziele habe ich? Welche Bedürfnisse? Welche Hoffnungen?
Wie sieht mein künftiger Plan aus?

ZitatKann Vertrauen nach vier Jahren der Lügen überhaupt wieder aufgebaut werden?

Der "Alltag" hilft dabei! Er schleicht sich ein, ob Du willst oder nicht. Deine eigenen Hoffnungen beeinflussen Deine Wahrnehmung. Und so lange Dein Mann alles gibt, ist daran auch nichts Schlechtes.
Wir sind alle nur Menschen und machen daher Fehler. Manche machen kleine Fehler, die Anderen ... Du siehst es ja selbst.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Guten Tag Nela,

aus deiner Antwort ergeben sich andere Parallelen zu mir. Einerseits war ich durch Zuwendungen meines Großvaters schon seit meiner Jugend finanziell recht gut aufgestellt, so dass ich für Geld so gut wie nie Kompromisse eingegangen bin, auch wenn ich durchaus die Absicht hatte, es zu mehren. Es ging entweder so, wie ich es für richtig hielt, oder eben nicht. Diese "Sturheit" hat möglicherweise dazu geführt, dass ich meist eher verleitet als überzeugt wurde, wenn ich nach der Pfeife Anderer tanzen sollte. Dummerweise habe ich mich dabei auch zur Börsenspekulation hinreißen lassen und bin schon Ende der 1990er Jahre mit anfänglich mitunter erstaunlichen Gewinnen, unterm Strich aber vertretbaren Verlusten eingestiegen. Das lief dann so, bis 2004 der mafiöse Teil meiner "Freunde" beschloss, mir beim Geld ausgeben behilflich zu sein. Zunächst sollte ich Bootseigner werden, weil ich dabei allerdings nicht so recht Feuer fing, versuchte man 8 Jahre später mich direkt auf Drogenkonsum und Prostitution umzustellen. Als mir daraufhin der Kragen platzte und ich die Sache zur Sprache brachte, hat man den Spieß umgedreht und mich als Stalker verunglimpft, um den eigenen Ruf zu retten. Wie bereits erwähnt: alles "Freunde" und dazu mit sonst überwiegend spießigem Auftreten.

Seit dem weiß ich, wie der Hase läuft und was erfolgreiche Leute dazu nötigt, sich trotz erreichtem Wohlstand fortwährend vor den Karren von Parasiten und Nutznießern spannen zu lassen. Wer sich weigert wird fertig gemacht. Derartige Zersetzung wird auch nicht geheim betrieben. Sie findet völlig offen vor aller Augen und Ohren statt, weil die Täter die Gesellschaft dominieren. Wer nicht mitmacht gehört nicht dazu.

Wegen der Ereignisse habe ich entschieden, mich aus dem Kreis der berittenen Zugpferde herauszulösen, auch wenn das ein Leben in Bescheidenheit bedeutet. Im Grunde liegt mir Dekadenz überhaupt nicht, so dass ich dafür auch kein Geld brauche, und ich sehe auch nicht ein, es anzuhäufen, um damit die Unfähigkeit Anderer zu alimentieren. Das hat meinen zeitweiligen Übermut beim Spekulieren wohl am meisten befeuert.
Meine Risikobereitschaft habe ich inzwischen auch mangels Masse auf Spielereiniveau zurückgefahren. In Therapie bin ich allerdings nicht. Ein Vorgespräch mit einem auf Spielsucht spezialisierten Psychologen endete seinerzeit damit, dass er angeblich keine Kapazitäten hatte und ich mir selbst als Privatversicherter einen Termin bei der zentralen Vergabestelle holen soll. Vielleicht hat auch er kalte Füße bekommen. Seit dem beschränke ich mich auf Selbsthilfe und bin aus diversen Gruppentreffen heraus mittlerweile froh, dass keine Therapie zustande kam. Es ist erschreckend, wie oft dabei der Spieß umgedreht wird und der Süchtige die alleinige Schuld bekommt, weil er seinen "Freunden" vertraut hat. Das gipfelt dann oft noch in der Einnahme von Psychopharmaka, um den wahren Ursachen aus dem Weg zu gehen.

Vielleicht solltest du die Eltern deines Partners nochmal zur Rede stellen. Ich vermute, dass sie sich eher selbst schützen wollten. Hinter deren Verschwiegenheit steckt m. E. etwas peinlicheres.

Guten Morgen Nela ,
ich bin leider auch nicht die Ansprechpartnerin , die du suchst .
Ich bin Spielerin und habe meinen Mann 3 Jahre lang belogen , bei allem was dieses Thema betrifft .
Und man wundert sich , wie viele Bereiche des gemeinsamen Lebens das Thema am Ende betrifft .
Ich bin jetzt seit 3 1/2 Monaten Spiel und lügenfrei und mein Mann ist an meiner Seite.
Es ist schwer .
Für ihn fast schwerer als für mich .
Ich muss "nur" nicht spielen und ehrlich sein - Dinge , die für jeden gesunden Menschen normal sind.
Er muss - nein , er muss gar nichts .
Er kann /darf jederzeit gehen .
Aber auf seiner Seite liegt alles unverschuldet in Schutt und Asche.
Er hat das Gefühl ,mich nicht mehr zu kennen.
Sein Vertrauen ist zerstört .
Wir reden viel darüber und es wird gaaaanz langsam etwas besser .
Es fühlt sich für uns nicht an , als würden wir unsere "alte" Ehe retten , sondern als wenn wir uns eine "neue" Ehe aufbauen .
Zur Zeit ist da viel Kontrolle , wo auf Dauer wieder Vertauen stehen muss .

Das geht nicht von heute auf morgen .
Das ist ein langer , steiniger Weg.

Ob du diese Zeit und diese Kraft  für solch einen Weg aufbringen möchtest , kannst nur du allein entscheiden .
Es ist auf jeden Fall eine große Belastung und ich persönlich glaube nicht , dass man jemals wieder so vertrauen kann , wie vor diesem Bruch .
Es wird für immer ein bisschen anders sein.

Ich wünsche dir , dass du für dich die richtige Entscheidung triffst .
Du bist nicht für ihn verantwortlich.
Du darfst ihn sich auch alleine da raus kämpfen lassen .

Alles Gute für dich !



Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Zitat von: digger am 29 Juli 2026, 08:27:08moin Nela,

Du suchst Kontakt zu Angehörigen, die Dich in Deiner jetzigen Lage unterstützen können. Ich bin es nicht, ich gehöre zu der Spielerfraktion.

Aber ich hab 2 "Sachen" für Dich:

1.) sei froh dass ihr kein gemeinsames Kind habt. Viele Spielerfrauen sitzen in dieser Falle; sie lassen mehr zu als sie vertragen können. Wie kann Dein Leben in 5 Jahren aussehen - mit Deinem jetzigen Partner oder nach einem Neuanfang?

2.) Ich habe mich vor einem Jahr sehr intensiv mit "Mausilausi" ausgetauscht. Sie war/ist?? in einer ähnlichen Situation wie Du. Sie wäre eine adäquate Gesprächspartnerin für Dich. Ich habe ihr gerade ne PM geschickt; ich hoffe sehr dass sie hier auftaucht.

Gruß Rainer

Hallo Rainer

Vielen Dank für deine Gedanken. Ja in der Tat kann ich froh sein, dass wir keine Kinder haben. Die Frage was ich in den nächsten 5 Jahren will beschäftigt mich aktuell täglich. Bis vor zwei Monaten wusste ich genau wie ich mir diese vorstelle.

Irgendwie rede ich mir die Sucht klein/schön & hoffe das er nicht rückfällig wird. Wie ist das denn bei dir mit Rückfälligkeit?

Gruss
Nela

Moin Nela,

über Deine Frage musste ich richtig nachdenken:

zunächst mal, was bringt es Dir wenn Du erfährst, ich hatte seit über 20 Jahren keinen Rückfall oder ich hänge noch dauernd am Glückspiel dran? Würde es Dir irgendeine Entscheidung erleichtern?

Frage Dich doch lieber ob Du Dir ein gemeinsames Leben mit einem Fixer oder mit einem Quartalssäufer vorstellen kannst. Ob Du mit dieser Person Kinder haben möchtest, ob Du die Rolle für ihn sorgen zu müssen haben möchtest.

Du kannst die Zahlen im Internet nachlesen: es gibt kaum einen Unterschied zwischen Stoffgebundenen und -ungebundenen Süchten.

Zu mir: ich habe mich in Spielhallen an Automaten ausgetobt. So intensiv, dass ich irgendwann mal die Schnauze gestrichen voll hatte. Und ich bin weiter spielen gegangen. Ausgestiegen bin ich vor über 30 Jahren; ob ich danach nochmal in einer Halle war kann ich nicht sagen – ich glaube nicht.

Im alten Jahrtausend hab ich dann an der Börse angefangen; nur Aktien gekauft und wieder verkauft – keine Leerverkäufe, keine Optionen, nix Krypto. Das hab ich 3, 4 Jahre mit mässigem Erfolg gemacht und dann meine Verluste akzeptiert und meine Aktivitäten eingestellt.

Ich habe dann mehrere Jahre an Börsenspielen teilgenommen (2 Monate / Jahr) und bin jetzt aktuell auch mit so einem Spiel zugange. Für Lotto hab ich in diesem Jahr max 200 € ausgegeben.. Jetzt musst Du entscheiden ob ich rückfällig geworden bin oder nicht.

Wichtig ist noch:
- ich lebe alleine
- ich hab zu meiner aktiven Spielerzeit immer noch einen Restgeld behalten um mir die nötigen Sachen leisten zu können
- ich habe keine krummen Sachen zur Geldbeschaffung gemacht und auch meine Partnerinnen nicht finanziell belastet
Das macht aber nix besser!

Gruß Rainer
... Freedom's just another word for nothin' left to lose ....

Nachtrag:

Bitte lies den thread "Meine Trennung vom Spieler"
... Freedom's just another word for nothin' left to lose ....

Liebe Nela,

ich melde mich einmal aus der Perspektive einer Angehörigen. Mein Partner ist spielsüchtig und wir leben seit drei Monaten getrennt. Wir kennen uns seit 17 Jahren, sind seit 13 Jahren verheiratet. Ich habe, ähnlich wie bei dir, lange Zeit nichts gewusst, sondern es als "schlechtere Phasen" angetan, bis er finanziell dann komplett am Ende war.

Der Weg zur Trennung war sehr schwierig und voller Stolpersteine und kam erst im Zuge der Zeit.
Neben dem Vertrauensverlust (mit dem wir Menschen wahrscheinlich alle unterschiedlich umgehen), war ich auch voll drin in der Co-Abhängigkeit. Ich habe versucht alles abzufedern. Beginnend von alltäglichen Aufgaben bis hin zu den finanziellen Fragen und Verantwortungen. Ich war einfach nur noch dauererschöpft.
Hinzu kamen parallel die Verhaltensveränderungen von meinem Mann, der zunehmend nervös, angespannt und verbal aggressiv wurde.

Geholfen hat mir dabei auf jeden Fall externe Begleitung. Du hast geschrieben, dass ihr beide aktuell in Therapie seid, was total positiv ist.
Empfehlen kann ich dir auch die Seite "Check dein Spiel", die direkte Beratung von Angehörigen anbieten. Das fand ich in dem Trubel sehr hilfreich, um mich immer wieder aufs Neue zu sortieren und Ziele zu setzen.

Zu dem Thema Vertrauen und Zusammenbleiben vermute ich, dass du da deine eigene Lösung finden wirst. Du hast viele Punkte schon miteinander abgewogen, die dir wichtig sind und mit der Zeit wird sich herauskristallisieren, wohin deine Reise gehen wird.
Vielleicht gibt es perspektivische auch die Möglichkeit einer Paartherapie?
Auch dein Hinweis zur Beziehungspause klingt total sinnvoll, um sich in Ruhe zu sortieren, aber auch um wieder aufzutanken.

Ich wünsche dir für die kommende Zeit auf jeden Fall alles Gute!

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