Glücksspielsucht => Glücksspielsucht Allgemein => Thema gestartet von: margin_call am 18 Januar 2019, 18:11:46

Titel: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 18 Januar 2019, 18:11:46
Hallo,

ich bin 37 Jahre alt, spekuliere seit 18 Jahre an der Börse und bezeichne mich als „spekulationssüchtig“. Um gleich mal die Tragweite und Schwere vorwegzunehmen: bis heute habe ich dadurch fast 95.000 EUR verloren, ganz zu schweigen von meiner Lebenszeit.

Angefangen hat es im Jahr 2000 zur Zeit des Neuen Marktes mit normalen Aktieninvestments: Apple, Deutsche Telekom und Tipps von Börsenbriefen (Neuemissionen). Natürlich verkaufte ich entgegen der Empfehlung meines damaligen Bankberaters die Aktien nach Emission nicht, sondern hielt die Titel, bis sie im Laufe der Jahre nur noch ein Bruchteil Wert waren. In dieser Zeit hatte ich null Ahnung vom Wertpapierhandel.

Ein Jahr später, in 2001, lernte ich jemanden kennen, der sich auf das Trading von Penny Stocks spezialisiert hatte: die Idee dahinter war, Unternehmen, deren Aktienkurs auf wenige Cent gefallen war, zu kaufen, um dann von einer vermeintlichen Umkehr zu profitieren und Riesengewinne zu erzielen. Auch das lief sehr schlecht und unter dem Strich verlor ich weiter Geld.

Dann begann ich zu studieren und hatte neben den Vorlesungen und in den Semesterferien genug Zeit, mich mit meiner Leidenschaft Börse zu beschäftigen.

Zu der Zeit las ich sehr viele Bücher, versuchte mich weiterzubilden und entwickelte erste eigene Gedanken zum Risikomanagement und Handelsstrategien. In 2004 und 2005 stieg ich dann auf Turbo-Zertifikate (Derivate) um und handelte fortan den Dax. Ein Konzept war nun grob vorhanden, es gab tatsächlich auch mal den ein oder anderen Gewinn, aber die Anzahl der Verluste überwog klar.

In 2006 ging es dann mit dem CFD-Handel los. CFD (Contract for Difference) bezeichnet eine Form von außerbörslich gehandeltem Derivat, das besonders bei Kleinanlegern aufgrund seiner Transparenz und der vermeintlich günstigen Kostenstruktur sehr beliebt ist. Ich feilte auch mit CFDs weiter an meiner Handelsstrategie und glaubte Mitte 2006 endlich meinen Weg gefunden zu haben. Wie das am Kapitalmarkt aber so ist, gibt es Strategien, die eine Zeitlang funktionieren und dann eben nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt waren über die Jahre bereits Verluste in Höhe von knapp 30.000 EUR angefallen und selbstverständlich war ich getrieben vom Wunsch, diese Verluste wieder aufzuholen.

Ich hörte nicht damit auf, weitere Bücher zu lesen, die Charts rauf und runter zu analysieren und jedes überschüssige Geld (durch Jobs in den Semesterferien) an die Börse zu tragen. Zwischendurch hatte ich auch immer mal Wochen oder Monate der Pause, nämlich dann, wenn mein Konto leer war und ich für die Prüfungen lernen musste. Ich hatte im Übrigen meinen Kopf erst dann fürs Lernen frei, wenn auch ganz bestimmt kein Geld mehr zum Spekulieren vorhanden war.

So vergingen die Jahre, ich schloss mein Studium in 2009 erfolgreich ab und fand auch direkt einen Job (trotz Finanzkrise).

Ich hatte nun natürlich weitaus mehr Geld zur Verfügung, war aber durch den Job auf der anderen Seite auch ausgelastet, sodass sich die Beträge in Grenzen hielten. Ein einschneidendes Verlusterlebnis ist mir dennoch in Erinnerung geblieben, als ich um August 2011 auf steigende Kurse beim Dax setzte und ich mein Depot innerhalb von nur zwei Tagen geschrottet habe. Was soll ich sagen, die klassischen Fehler: zu großer Hebel und im Verlust nachgekauft. Meine Positionen wurden zwangsliquidiert. Ein Verlust von 6.000 EUR war entstanden. Das war das erste Mal, dass ich ziemlich am Boden zerstört war und auch schlecht geschlafen habe.

In 2012, mittlerweile war ich also seit drei Jahren in einer Festanstellung, stellte ich meine gesamte Börsenspekuliererei in Frage. Ich machte eine Aufstellung über die letzten 12 Jahre und fand heraus, dass ich nur ein Jahr mit einem Gewinn von unter 1.000 EUR abgeschlossen hatte. Insgesamt beliefen sich meine Börsenverluste damals auf 35.000 EUR.

Meine Freundin (heute Frau) hatte damals schon auch immer mitbekommen, dass ich mich als Chartanalyst versuchte, und war auch der Meinung, dass mir das nicht guttun würde. Ich würde ja so lange nun schon nur Verluste einfahren und sollte mich lieber auf meinen Beruf oder was anderes konzentrieren.

Im Folgenden machte ich ein Job-Coaching, startete mit einer Weiterbildung und bewarb mich für ein internationales Management-Programm bei meinem Arbeitgeber.

Was soll ich sagen: es lief. Noch im Sommer machte ich meiner Frau einen Heiratsantrag, ich wurde ein Jahr später befördert, in das internationale Management-Programm aufgenommen und noch etwas Wundervolles passierte: ich sollte Vater werden.

Von März 2012 bis April 2015 war ich dann auch komplett spekulationsfrei.

Im April 2015 ging es dann wieder los. Ein besonderes Ereignis kann ich gar nicht mehr festmachen, vielleicht aus Langeweile, vielleicht war ich unzufrieden oder nicht ausgelast. Jedenfalls zahlte ich einen kleinen Betrag (400 EUR) auf mein CFD-Konto und wollte es wieder wagen. In den ersten Wochen und Monaten war ich wenig aktiv und machte bis Anfang September vielleicht 30 Geschäfte (Trades), die mein Konto auf 100 EUR reduzierten. Im Laufe des Septembers, ich weiß es noch ganz genau, begann ich damit, auf steigende Zinsen zu setzen (indem ich auf fallende Preise beim Bund-CFD setzte). Dazu zahlte ich nochmal ein paar Hundert Euro ein. Es war kleines Geld, was sollte schon passieren. Ich eröffnete also erste Positionen und machte weiter nichts, es war als längerfristiges Investment geplant. Die Kurse des Bund-CFD stiegen und ich kaufte weiter nach (das war Ende September). Die Position wurde immer größer und ich war gezwungen, Geld als Sicherheit nachzuschießen. Geld, das ich mir vom gemeinsamen Ersparten meiner Frau und mir nahm. 5.000 EUR überwies ich von dem Konto im festen Glauben daran, dass ich mir das Geld nur für eine vorübergehende Schieflage leihen würde.

Nur wenige Tage später, der Bund-CFD stieg weiter, kaufte ich abermals nach und Anfang Oktober war ich bereits gezwungen, weitere 5.000 EUR von den Ersparnissen nachzuschießen. Ende Oktober waren es weitere 14.000 EUR. Ich hatte zu der Zeit Buchverluste von 5.000 EUR.

Auch im November wollte der Anstieg des Bund-CFD nicht aufhören: ich kaufte weiter fleißig nach und musste immer mehr Geld nachschießen: bis Ende November folgten weitere 16.000 EUR, wieder vom gemeinsamen Konto. Da meine Frau dieses Konto nur sporadisch prüfte, fielen meine Entnahmen auch erst mal gar nicht auf.

Im Dezember kam dann der lang ersehnte Fall des Bund-CFD und ich war zwischenzeitlich 5.000 EUR im Gewinn. In diesem Augenblick wollte ich aber nicht aufhören: ich sagte mir, jetzt bist du so ein immenses Risiko eingegangen, da muss mehr rausspringen bei dem Geschäft und wurde gierig. Außerdem heißt es ja auch so schön: Gewinne muss man laufen lassen. Das tat ich dann auch.

Im Januar 2016 kam dann (zunächst bei mir im Depot und noch nicht bei der Familie) der große Knall: der Preis des Bund-CFD schoss weiter in die Höhe und ich war schließlich zur Liquidation gezwungen. Verlust: 45.000 EUR. Ich war wie paralysiert. Zu realisieren, dass ich mit dem Geld der Familie gezockt hatte, dass ich dieses Konto nicht mehr würde auffüllen können, warf mich aus der Bahn. Natürlich versuchte ich mit dem übrig gebliebenen Geld von knapp 5.000 EUR, das verlorene Geld wieder zurückzuholen. Teilweise gelang mir das auch und ich konnte das Konto nochmal auf knapp 20.000 EUR hoch traden. Nur war das von kurzer Dauer: in der Folge verlor ich auch dieses Geld wieder bei weiteren waghalsigen und völlig überhebelten Spekulationen.

Anfang März 2016 fragte mich meine Frau dann über das Konto aus und so flog alles auf. Meine Frau war am Boden zerstört. Ich habe sie noch nie so verzweifelt gesehen. Es war eine schlimme Zeit. Sie konnte es überhaupt nicht fassen, dass ich unser ganzes Geld verspielt hatte. Ich versprach ihr, dass ich damit endgültig aufhören würde und schickte ein Kündigungsschreiben an den CFD-Broker. Außerdem suchte ich mir einen Psychotherapeuten.

Nach den fünf Probe-Sitzungen, es war mittlerweile Mitte Mai 2016, brach ich die Sitzungen jedoch ab, weil ich mit dem Therapeuten nicht klar kam. Und weil ich mich zu der Zeit auch gefestigt sah, verfolgte ich das Thema Therapie nicht weiter. Meine Frau war zwar nicht happy damit, hakte aber auch nicht weiter nach.

Die Monate vergingen, ich blieb der Börse fern. Bis, ja bis zum September 2017. Das berühmte Hintertürchen war offen geblieben: das CFD-Broker-Kündigungsschreiben war irgendwann in 2016 als unzustellbar zurückgekommen, mein Konto also nie geschlossen worden. Zunächst war mir das auch egal, im September 2017 zahlte ich aber nochmals Geld auf das Konto ein und begann erneut zu spekulieren. Die ersten Wochen und Monate lief es ganz gut. Ich machte kontinuierlich kleine Gewinne. Dann kam mal ein überschaubarer Verlust, der aber nicht die zuvor erwirtschafteten Gewinne auffraß. Das war im Januar / Februar 2018. Und dann fing ich wieder an, die Einsätze zu erhöhen. Größere Hebel, Nachkaufen im Verlust. Wieder das gleiche fatale Muster. Hatte ich denn nichts aus meinen Fehlern gelernt? Das zwang mich jedenfalls dazu, im März wieder mal Geld nachzuschießen, insgesamt 3.500 EUR, die ich dieses Mal immerhin nicht von einem gemeinsamen Konto, sondern von meinem eigenen Ersparten entnahm. Ich schaffte es, dieses Geld trotz der Überwachung der Kontobewegungen durch meine Frau, abzuzweigen. Im April schoss ich weitere 1.000 EUR nach. In dieser Zeit schwang schon auch immer der  Gedanke mit, warum ich das denn überhaupt mache und ich setzte mir ein letztes Ultimatum: entweder, ich schaffe es endlich und habe mich unter Kontrolle oder ich kehre der Börse für immer den Rücken.

Es war an einem Vormittag im Juni 2018, mein Konto war auf ca. 800 EUR gesunken (von den ganzen eingezahlten 5.000 EUR). Am Vormittag hatte ich bereits knapp 600 EUR durch Währungsspekulationen verloren. Ich setzte also auf fallende Ölpreise, machte den Rechner am Nachmittag aus und verbrachte Zeit mit der Familie. Ich dachte: entweder es klappt jetzt oder es klappt nicht.
In der Regel wird man von seinem Broker bei drohender Liquidation per Email benachrichtigt. Ich wartete minütlich auf diese Email, die ich in der Vergangenheit schon so oft erhalten hatte. Aber sie kam nicht. Ich wartete weiter. Nichts. Und dann, gegen 21:30 Uhr, machte ich meinen Rechner an und traute meinen Augen nicht: das Geschäft war voll aufgegangen: mein Kontostand betrug 3.900 EUR. Ich stellte die Positionen glatt und war total geflasht! Endlich hatte ich es geschafft. Ich hatte in der Tat mein Verhalten geändert und mal das gemacht, was mir in der Vergangenheit immer zum Verhängnis geworden war: ich hatte nicht im Verlust nachgekauft, sonder im Gewinn, und dadurch die Position, mit der ich ja scheinbar richtig lag, immer weiter vergrößert. Was für ein Gefühl. Neue Hoffnung keimte in mir auf. Ich war super gelaunt.

Was dann in den darauffolgenden Wochen folgte, war ein Auf und Ab: in der Spitze war das Konto auf 11.000 EUR. Dann aber kam, was kommen musste: ein Rückfall in alte Verhaltensmuster: ich wollte nicht glauben, dass eine Währung (die türkische Lira) so stark fallen könnte. Und damit zerstörte ich wieder mal einen Großteil der Gewinne. Das Konto fiel in der Folge auch unter 500 EUR und obwohl es mir gelungen war, in den Monaten zuvor auf weitere Kapitalaufstockungen zu verzichten, fing ich wieder an, Geld nachzuschießen. Also von wegen: mit den bisherigen Einzahlungen ist Schluss!! Ich kam dann auch wieder in brenzlige Situationen, die mir schlaflose Nächte bereiteten mit Hop oder Top. Es ging zwar schon ein paar Mal gut, aber ich merkte, dass ich die zuvor gesteckten Grenzen wieder einriss und bereit war, wenn nötig sehr viel Geld nachzuschießen (Kontrollverlust). Und darin liegt meines Erachtens die größte Gefahr.

Nun, warum schreibe ich das alles: war es mir in der ganzen Zeit seit September 2017 gelungen, sämtliche Transaktionen vor meiner Frau zu verbergen, so kam, was kommen musste: ich flog auf. Im Vorbeigehen entdeckte sie flüchtig im Browser die Seite des CFD-Brokers, die ich nicht mehr schnell genug schließen konnte und bohrte nach. Ich war aufgeflogen. Ich hatte ihr Vertrauen erneut zutiefst missbraucht.

Sie war wieder sehr schwer enttäuscht von mir. Sonst lief es bei uns in der Ehe eigentlich echt gut. Wir lachten gemeinsam, unternehmen immer mal wieder was gemeinsam und sind soweit glücklich. Wenn da die Sache mit der Börsenspekulation nicht wäre.

Also, was ist seit dem 27. Dezember 2018, dem Tag, an dem alles ans Licht kam, passiert:

•   Meine Frau hat mich Gott sei Dank nicht aus dem Haus rausgeschmissen.
•   Ich habe das Konto des CFD-Brokers nun endgültig gekündigt und auch eine schriftliche Bestätigung erhalten.
•   Ich bin zu einer Suchtberatung gegangen und habe dort ein Erstgespräch gehabt.
•   Ich bin zu einer Selbsthilfegruppe gegangen.
•   Ich habe „Der Spieler“ von Dostojewski gelesen (um mich weiter mit der Thematik zu beschäftigen) und vielleicht auch als abschreckendes Beispiel.
•   Ich schreibe diesen Artikel, um mich auch in einem Forum darüber auszutauschen. Ich hatte in den letzten Monaten ohnehin schon sehr viel Zeit in diesen Glücksspielforen verbracht und war mir schon da im Klaren, dass ich ein Problem mit der Börsenspekulation habe.
•   Ich möchte diesen (starken) Dämon aus mir austreiben, weil er mir nicht guttut.


Was macht das Ganze problematisch, wo sehe ich Gefahren:

•   Würde ich weiter spekulieren, wenn meine Frau nicht wäre: Ja.
•   Ich hatte dummerweise in den letzten Wochen und Monaten ja auch den ein oder anderen richtigen Trade (zum ersten Mal in den ganzen 19 Jahren), sodass ich mich natürlich frage, ob ich es nicht vielleicht doch geschafft habe und endlich dauerhaft an der Börse erfolgreich sein kann. Dagegen spricht natürlich wieder mein Verhalten gegen Ende des Jahres.

Ich weiß, dass ich in den nächsten Monaten sicher keine Geschäfte eingehen werde. Dazu sitzt der Schock zu tief und die Angst, meine Familie zu verlieren / Frau erneut zu enttäuschen, ist zu groß. Ich weiß aber nicht, ob ich nicht in einem oder ein paar Jahren doch nochmal dazu greife, weil der Suchtteufel in einem drin bleibt und nur auf schwache Momente wartet. Und genau dabei hoffe ich durch Therapie, SHG und vielleicht auch durch den Austausch hier in diesem Forum auf Unterstützung.

Entschuldigt bitte den langen Text. Bei denen, die bis hierher durchgehalten haben, möchte ich mich schon mal bedanken.

Ich freue mich auf einen regen Austausch und vielleicht auch den ein oder anderen Tipp, was ich noch tun kann.

Genießt das Wochenende.  8)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 18 Januar 2019, 19:29:18
Moin  Margin Call,

deine Geschichte kann ich total gut nachempfinden. Das spielen nimmt mir unweigerlich mein Leben weg. Egal ob Gewinn oder Verlust Lebensfreude Familie meine Seele,  alles geht verloren.
Als ich das wirklich in Gänze Begriff brauchte ich nicht mehr zu spielen, es gibt keine Hintertüren mehr.
Der regelmässige SHG Besuch ist eine gute Begleitung um Risiken in meinem Leben einzugehen, das spielen brauche ich da nicht mehr.

Schöne 24 Stunden
Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: nutella am 19 Januar 2019, 10:19:10
Hallo Margin.. Willkommen..

Auch Dir möchte ich diese Verlinkung nahe legen.. Bestimmt findest auch Du Dich darin wieder..

https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php?topic=3167.0
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 21 Januar 2019, 18:34:11
Hi Taro, vielen Dank für deine Worte. Freue mich schon wieder auf den nächsten Termin mit der SHG. Wäre natürlich nochmal besser für mich, wenn ich mich dort auch mit jemandem austauschen könnte, der auch spekulationssüchtig ist. Auch wenn der Kontrollverlust gleich ist, so finde ich die Ausgangssituation eine andere. Sportwetten oder Poker sind dem (der Börse) schon ähnlicher.

Hi Nutella, danke dir für den/die Links.

Beste Grüße,
margin_call (weiterhin spielfrei)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 21 Januar 2019, 19:14:28
Moin Margin Call,

das freut mich wie entschlossen Du Dich in Bewegung gesetzt hast.
Alle Spielsüchtig en haben die Kontrolle verloren. Klar kann dir jemand der selbst an der Börse war besser sagen wie er es gemacht hat keine Spekulationen mehr zu machen.  Letztlich geht es aber genau so wie die ersten 30 Pfennig in der Tasche zu lassen. Wir sprachen gerade in der SHG darüber. Heute kennt keiner mehr die Automaten, die ich gespielt habe, keiner kann sich mehr vorstellen wie Illegale Pokerrunden auf der Reeperbahn waren, was für ein Tanz da erstmal reinzukommen.
Roulette und Black Jack haben sich nicht verändert, die Börse hat sich verändert, weil Infos für alle viel schneller zugänglich.

Aber all das ist unwichtig, die Schritte im Leben sind das wichtige. Die sind für alle gleich, der Austausch und das begleiten entwickelt sich mit der Zeit zu einem immer höheren Wert. Irgendwann braucht Dich keiner mehr dran erinnern die ersten 30 Pfennig stecken zu lassen, darum  trifft man sich dort nicht.

Taro

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 30 Januar 2019, 23:10:26
Heute war wieder SHG. Wie immer ein guter Austausch. Es tut gut, dorthin zu gehen.

Bin weiterhin spekulationsfrei und kann dann auch bald die ambulante Therapie beginnen. Denke immer weniger ans Zocken an der Börse. Auch das Nachdenken über die hohen  Verluste rückt in den Hintergrund.

Beste Grüße und allen die nötige Kraft fürs spielfrei bleiben wünscht
margin_call
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 31 Januar 2019, 07:58:36
Moin MC,

für mich war die Schachnovelle von Stefan Zweifel ein Aha Erlebnis. Als ich es las und die Feinheiten des Denkens mit dem Schachbuch da dachte ich, das kann nur ein Spieler geschrieben haben. Jahre später erfuhr ich nach einem Theaterstück von Ihm, daß er tatsächlich einer war. Dieses Denken und fühlen, das nur wir Spieler kennen ist für mich ein unverwechselbares Zeichen. Ähnlich ging es mir als ich Deine Geschichte lass. Ich frage mich nur, spekulieren mit höchsten Hebeln ist daß eine, Geldanlage das andere. Wie und wo machst Du da den Schnitt?
Hast Du Dir da schon Gedanken drüber gemacht, oder ist das zur Zeit kein Thema?

schöne 24h
Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 31 Januar 2019, 19:36:25
Lieber Taro,

vielen Dank für den Buchtipp. Werde ich lesen.

Was das Spekulieren vs Investieren angeht: letzteres möchte ich bei mir sicher nicht komplett ausschließen, obwohl mein erstes Ziel Rückzahlungen (für das verspielte Ersparte aus 2016) an meine Frau sind. Im Moment spüre ich wenig Verlangen, mich damit zu beschäftigen. Meine erarbeiteten Strategien zielten auf Gewinne innerhalb von ein paar Tagen oder 1-2 Wochen ab. Man kann das natürlich 1) mit einem sehr viel geringeren Hebel und 2) auf einen größeren Zeitraum ausdehnen. Mit sowas brauch ich meiner Frau im Moment aber nicht zu kommen. Irgendwann vielleicht mal wieder.

Dennoch gilt auch weiterhin: hätte ich meine Familie nicht, würde ich weiter spekulieren.

Schöne 24 Stunden,
MC
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 31 Januar 2019, 19:57:37
Moin MC,

Du bist nicht der erste,  wirst auch nicht der letzte sein,  der feststellt,  für andere aufhören funktioniert nicht.
Versuchs mal mit wirklichen Risiken im Leben.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 31 Januar 2019, 20:18:53
Naja, es gibt derzeit auch einen großen Teil von mir, der erkennt, dass es mir jetzt viel besser geht, ich den Kopf frei, mehr Lebensfreude, mehr Energie, ein ruhigeres Gewissen und mehr Schlaf habe. Außerdem kann ich mich auf meinen Job konzentrieren, wo gerade unglaublich viel los ist.

Ich frage mich: kann ich diese Schwelle, die unsichtbare Grenze, wieder aufbauen, sodass ich die Kontrolle nicht mehr verliere oder ist das Wunschdenken und irreparabel? Wie der Ex-Alki, der liebend gerne ab und zu mal ein Bier trinken möchte.

Da wollen wir doch alle wieder hin, oder nicht?

Mir fällt es halt schwer zu akzeptieren, dass Börse Glücksspiel sein soll. Ist doch die Frage: wie gehe ich damit um? Ist es die Börse oder ist es das Zocken mit hohen Hebeln? Und was ist, wenn ich das in den Griff bekommen sollte: also ab sofort nur noch kleine Hebel. Und außerdem: alle großen Spekulanten sind doch schließlich vor ihrem Durchbruch mal pleite gegangen!!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 31 Januar 2019, 20:45:19
Wie der Ex-Alki, der liebend gerne ab und zu mal ein Bier trinken möchte.

Da wollen wir doch alle wieder hin, oder nicht?

Ich kann mich für alle sprechen, ich möchte da auf jeden Fall nicht wieder hin.
Es gibt einen Grössen Unterschied zum Bier, das Glücksspiel gehört Gesellschaftlich nicht dazu. Nicht Spieler haben nicht das geringste interesse am Spielen.
Weißt Du, ich habe alles gespielt, ich hielt mich für den Welt besten Pokerspieler. Ich habe sogar Schach und Backgammon um Geld gespielt. Alles las ich also.
An der Börse habe ich damals nicht gezockt. Das Geld anlegen habe ich mir mühsam beigebracht, gerne auch morgens rein abends raus wenn die Kanonen knallen.
Aber immer alles ohne Hebel, und so was mit winzbeträgen.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 01 Februar 2019, 06:32:25
Hi MC!

Sobald die Grenze zur Sucht überschritten ist, gibt es kein halbschwanger mehr.
Du findest hier im Forum einige Mitglieder, die an der Börse spekuliert haben.
Ihnen allen ist es ergangen wie Dir.

Die Börse ist nicht besser zur Suchtausübung geeignet, wie ein Spielautomat - egal ob on- oder offline.

Würdest Du einem Drogenjunkie raten nur ein Drittel seiner bisherigen Dosis zu nehmen?

Es gibt nur Hop oder Top - Suchtausübung oder Abstinenz.

Auch der Automatenspieler sucht nur noch nach dem einen mal - dem Jackpot - und alles wird gut. denkt er sich.

Ich fürchte mal, Du wirst eine Entscheidung treffen müssen.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 01 Februar 2019, 09:28:08
Moin MC,

neben den ganzen Superlative wie alle und immer gibt es noch Dich und mich die einfach nur Ihr Geld anlegen wollen.
Ich bräuchte einige Jahr um für mich an der Börse einen gangbaren Weg zu finden. Auch bei einem Crash fang ich nicht an zu hyperventlieren. Mein Gefühl ist der Maßstab, ich weiß genau wie es sich anfühlt wenn ich  spiele.
In der Gruppe spreche ich wenig da drüber, weil einige dann hektische Flecken bekommen.
Wenn ich Geld anlegen will und es nicht schleichend entwertet werden soll komme ich an der Börse nicht vorbei. Da das Chance/Risiko Verhältnis bei knallenden Kanonen nun mal ist wie es ist,  muss ich auch mal shorten. Aber wie gesagt immer nur in kleinen Beträgen und immer nur auf den Wert der Aktie betrachtet.
Immer wieder scheinen so offensichtliche Topchancen ein Grund zu sein von meinen Regeln abzuweichen, dann kommt aber sofort das Gefühl wie beim Zocken, das lass ich dann mal lieber. Ausserdem entpuppen sich gerade die offensichtliche Topchancen meistens als Miete, da haben andere wohl mehr gewusst als der Rest.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 01 Februar 2019, 13:02:15
Hi Olli,

fällt mir im Moment sehr schwer, das zu akzeptieren. Zum Thema "Hemmschwelle" bei Süchten möchte ich mehr wissen und werde mal recherchieren.

Das Beispiel mit dem Junkie und seinen Drogen ist klar. Börse sehe ich anders. Ich behaupte z.B., dass ich mich beim letzten Rückfall schon deutlich mehr unter Kontrolle hatte. Es gibt Regeln des Risikomanagements: werden diese nicht eingehalten, verliert man die Kontrolle und sein Geld. Es geht um das disziplinierte Umsetzen dieser Regeln, wenn man an der Börse dauerhaft erfoglreich sein möchte.

Du findest hier im Forum einige Mitglieder, die an der Börse spekuliert haben.

mit denen würde ich mich gerne austauschen! Bisher hat sich aber leider niemand hier eingebracht.

Gerne auch per privater Nachricht.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 01 Februar 2019, 13:07:31
Hi Taro,

ich weiß genau, was du meinst: Investieren a la Kostolany (in Phasen der Übertreibung von den Zittrigen "übernehmen", Derivate = Teufelszeug) oder Benjamin Graham: Smart Investor. Kostolanys "Die Kunst, über Geld nachzudenken" war eines meiner ersten Bücher zur Börse. Wär ich besser mal dabei geblieben :) Das soll auch irgendwann mal wieder das Ziel sein.

Beste Grüße,
margin_call
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Balduin am 01 Februar 2019, 13:25:36
Hey,
das ist eben der Unterschied zwischen Geldanlage und Spekulation. Da der an der Börse fließend ist, kann man einem Süchtigen nur raten, ganz streng bei der Geldanlage zu bleiben. Hohe Renditen gibt's nur durch hohe Risiken.
Der Wunsch nach höheren Renditen lauert im Spieler und wird sich wieder eine Bahn brechen.
Ich hab mich  immer für schlau gehalten und mir meine Verluste schöngeredet. Habe immer über Strategien nachgedacht, wie ich sicher zum Gewinner werden könnte. Da gibt's keinen Unterschied zwischen Spielern und Spekulanten.
Beim Spekulieren kann man, wie beim Spielen, nur das Geld gewinnen, was andere verlieren. Wahrscheinlich gibt es auch Leute mit Insiderinformationen, die andere  illegal abzocken, um Gewinne zu erzielen, das ist wie beim den Casinos. Die Deutsche Bank hat  ja  z. B. mit Manipulationen von Zinssätzen früher mal ganz gute Renditen erwirtschaftet.
Alles in allem für mich unmoralische Geschäfte, aber das kann jeder für sich entscheiden.
Viele Grüße
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 01 Februar 2019, 17:12:03
Die Linie zum spielen ist fließend.
Das ist für mich auch beim Schach und beim Backgammon so, wenn ich gegen meine Kinder spiele. Ich darf nicht mein Killerinstinkt rauslassen, wo ich den anderen vernichten will, schon aber soviel Gas geben muss, das es für Sie nicht langweilig wird.

Ich hau mal ne These raus. Wer sich mit Börse auskennt, wird über kurz oder lang immer wieder zur Börse zurück kommen. Den fließenden Übergang zum spielen muss ich lernen zu händeln. Das ganze nennt sich dann Leben, da gibt es kein Netz und doppelten Boden.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 05 Februar 2019, 14:41:08
Hi Taro,

habe die Schachnovelle gelesen und es hat mir gut gefallen. Die Geschichte hat mich geradezu gefesselt. Der Herr im Schachfieber, wirklich gut beschrieben.

Sonst gibt es nicht viel Neues: Tag 40 ohne die Börse. Morgen der nächste Beratungstermin.

Beste Grüße,
margin_call
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 05 Februar 2019, 21:55:05
Moin MC,

ich hab das erstmal in der Schachnovelle gelesen, was ich bis dahin in Teilen ausschließlich in meinem Kopf vermutet habe, deswegen hat mich das so umgehauen.
Freut mich das es Dir gefallen hat.
Was ist das für ein Beratungstermin?
Wie geht es Dir ohne Börse und Börsennachrichten?

LG
Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 05 Februar 2019, 23:24:46
Hallo Taro,

ist ein zusätzlicher Termin bei der Suchtberatungsstelle, den ich wahrnehme, bis ich mit der ambulanten Therapie starten kann.

Tja, wie gehts mir ohne Daytrading? Auf der einen Seite gut: ich bin im Job voll bei der Sache und gebe ganz gut Gas.

Auf der anderen Seite gibt es aber immer auch mal Momente, wo ich an die getätigten Geschäfte zurückdenke (die guten wie die schlechten) und ich mir wünsche, meine Frau hätte mich nach Weihnachten nicht erwischt.

Habe heute im Internet mal kurz was zum Thema „kontrolliertes Trinken“ gelesen, weil mich das schon interessiert und ich das „es gibt kein halbschwanger“ noch (?) nicht akzeptieren möchte. Tenor war auf dieser Seite jedenfalls, dass es eine tickende Zeitbombe ist. Das deckt sich ja auch mit der Schachnovelle 😊

Nun denn, ich muss mir überlegen, wie ich da drüber hinwegkomme.

Viele Grüße,
MC
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Balduin am 06 Februar 2019, 10:41:04
Hey MC,

ich habe immer meinen Gewinnphasen (beim spielen) hinterhergetrauert und mich gefragt, ob es mit einer bestimmten Strategie nicht doch möglich ist, dauerhaft etwas Geld zu machen. Das war ein ganz starker Antrieb bei mir.

Dieser Gedanke fasziniert mich leider nach wie vor.  Die Frage, die sich stellt ist: Warum?
Ich kann ein glückliches Leben ohne zusätzliches Geld führen.

Zum Thema Alkohol: Ich hatte einen Bekannten - er war lange Jahre trockener Alkoholiker. Vor einigen Jahren hatte sich zu Sylvester ein Gedanke in seinem Hirn festgesetzt. Den hat er mir im Nachhinein erzählt:
"Andere haben ja Vorsätze zu Sylvester. Ich könnte doch im neuen Jahr wieder das Saufen anfangen"

Er hat es dann gemacht und das Trinken wieder begonnen.
Als er mir seinen Gedanken erzählt hat, war er ganz reflektiert und konnte sich die Entstehung des Gedankens nicht erklären.

Er hat wieder den Ausstieg geschafft, ist aber leider mit Mitte 40 verstorben.

Der Rückfall beginnt im Kopf. Du hast schon einiges unternommen und ich wünsche dir und mir, dass wir fernbleiben können, vom selbstzerstörerischen Glücksspiel.

Viele Grüße
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 06 Februar 2019, 13:00:57
Spielen ist das eine. Nicht Schach zu spielen obwohl man den Weltmeister schlagen kann das andere.

Ich habe mal eine schöne bildliche Darstellung über die Typen von Anlegern gehört. Es gibt Schafe, Hyänen, und Löwen.
Die meisten sind Schafe, die Hyänen locken die Schafe auf eine dreieckige Schafswiese (die Erklärung der selbigen würde hier zu weit führen) und erlegen die Schafe im Rudel.
Anders der Löwe, er schaut dem treiben aus der Entfernung zu. Wenn er hungrig ist und ein Schaf sich in seine Nähe verirrt hat schlägt er zu.

Fast jeder beginnt als Schaf, hin und wieder gelingt eine Metamorphose zur Hyäne oder zum Löwen. Als Spieler zieht es mich zu den Hyänen, nur als Löwe ist ein agieren als süchtiger jedoch möglich.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 10 Februar 2019, 18:21:13
Habe am Wochenende nochmal in alten Börsenbüchern gelesen. Dass Kostolany die "Börsenspieler" so treffend zu beschreiben vermochte, hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung...

Auszug aus Kostolany: "Die Kunst über Geld nachzudenken":

"Börsenspieler: Die Hasardeure der Börse
Eine Gruppe, die bestimmt nie ausstirbt, sondern zu meinem Leidwesen immer größer wird, sind die so genannten Börsenspieler. Ich habe sie so getauft, weil sie nach meiner Definition die Bezeichnung Spekulant nicht verdienen, auch wenn sie im allgemeinen Sprachgebrauch und von den Journalisten so bezeichnet werden. Der Börsenspieler versucht, bereits kleinste Kursbewegungen zu nutzen. Er kauft ein Papier bei 101, um es bei 103 bereits wieder zu verkaufen. Dann kauft er das nächste Papier zu 90, um es bei 91,50 zu verkaufen etc.[...]

Diese naiven Anleger glauben, sie hätten nun die gleichen Chancen im schnellen Geschäft des ständigen Kaufens und Verkaufens wie die großen Institutionen, die aus den Börsen längst ein Spielkasino gemacht haben – nicht nur aus dem Aktienmarkt, sondern auch aus den Devisen-, Rohstoff- und Anleihemärkten. Mit monströsen Gehältern kaufen sie Absolventen von Havard, St. Gallen oder der London School of Economics ein, damit sie anschließend mit Hunderten Millionen Dollar in Anleihen, Aktien oder Devisen herumzocken. Speziell am Devisenmarkt herrscht ein perverses Spiel. Über eine Billion Dollar werden in 14 Stunden um den Globus bewegt. Maximal drei Prozent dieses Umsatzes dient der Abwicklung oder Absicherung von Im- und Exportgeschäften. Der Rest ist Spiel.[...]"

Dahin möchte ich garantiert nicht mehr zurück. Insofern sehe ich das als Fortschritt für mich. Langfristige Geldanlage hingegen schon. Darf dann halt nur nicht in alte Muster verfallen. Das ist dann vielleicht nicht das Glas Sekt, das sich der trockene Alkoholiker gönnt, sondern die "Mon Chéri".

In diesem Sinne einen schönen Rest-Sonntag,
margin_call
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 13 Februar 2019, 22:21:48
Tatsächlich kenne ich ein paar trockene Alkoholiker,  Mon Cheri ist davon tatsächlich keiner.
Der Vergleich hat hinkt vielleicht auch etwas.
Pass auf jedenfall gut auf dich auf.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 27 Februar 2019, 05:22:53
Moin zusammen,

ich nochmal. Mir geht es ohne die Börse weiterhin sehr gut. Ich habe seit dem 27.12. nicht mehr spekuliert und derzeit auch keinen Drang (und auch kein überflüssiges Geld  :D), überhaupt mal in Richtung "Investieren" (also langfristig) zu recherchieren. Stattdessen stürze ich mich voll in die Arbeit und verbringe ansonsten so viel Zeit wie möglich mit der Familie. Hin und wieder schaue ich zwar auch noch in Börsenforen vorbei, um den Werdegang des einen oder anderen Traders weiter zu verfolgen, aber das nimmt auch ab und erzeugt bei mir wenig bis keinen Druck.

Viele Grüße und einen schönen Tag Euch allen,
MC
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Süchtiger am 27 Februar 2019, 09:55:52
Ich habe sehr interessiert deinen Beitrag gelesen. Ich muss dazu sagen, dass ich mit dem Thema Zocken & Börse bisher keine großen Berührungspunkte gehabt habe. Ich für mich bearbeite das Thema "Sucht". Ob nun die Spielsucht am Automaten, am Bildschirm, im Casino oder eben mit Börsencharts erlebe, es gibt neben Unterschieden auch sehr viele und starke Gemeinsamkeiten. In gewisser Weise beneide ich dich nicht um deine Sucht, weil die Abgrenzung nicht so einfach und klar ist wie bei einem Automaten-Junkie. Aber Junkie bleibt Junkie, oder?
In der Spielsucht an den Automaten durfte ich sowohl für mich erleben als auch bei anderen Spielern folgendes beobachten: Geld bzw. die Höhe des Betrages (egal ob Gewinn oder Verlust) spielt eine sehr untergeordnete Rolle. Die Sucht ist ein komplexes Gebilde aus Illusionen. Das hat der nicht süchtige Mensch genau so, allerdings auf einem viel kleinerem Level, und er erlebt den Kontrollverlust nicht bzw. weniger bedrohlich. Ich will das am Beispiel Alkohol mal verdeutlichen: Warum trinkt der Gelegenheitstrinker? Gut drauf sein, enthemmt die Welt erleben usw. Das geht dem hoffnungslosen aktiven Trinker genau so. Der große Unterschied ist aber, dass der Trinker ein Kontrolldefizit erlebt, die Eigensteuerung wird beeinträchtigt bzw. ganz ausgehebelt. Das erlebt der "normalen" Gelegenheitstrinker nicht. Nur darin sehe ich den (für die Sucht entscheidenden) Unterschied. Unterm Strich geht es aber beiden Trinkernaturen um Gefühle, um das Erleben von Bewußtseinsmomenten (-phasen).
Was ist das Wesen und die Funktionsweise einer Sucht? Ich für mich bearbeite dieses Thema sehr intensiv, weil ich zum Kern der Sucht, zu meiner Sucht, vordringen möchte. Ich möchte es verstehen.
Ein wesentlicher Punkt, so scheint mir, ist die Gewohnheit. Wenn eine Gewohnheit nicht gelebt wird ist es per Definition keine Gewohnheit. Eine nicht gelebt Sucht ist demnach keine Sucht (sehr wohl aber für vielleicht immer eine latente Gewohnheit). Diese sehr, sehr einfach Einsicht ist nach viel erlebtem Leid bitter, weil sie so einfach ist. Es geht also darum, unter keinen Umständen den ersten Schritt dieser (nach längerer Abstinenz) Gewohnheit zu reaktivieren.
Bei stofflichen Süchten kann dieser alte Highway im Hirn durch ein Alk-Praline angetriggert werden. Der (bewusst oder unbewusste) erste Schritt ist also tückisch. Beim Zocken gibt es andere Mechanismen.
Ein Gedankenspiel: Du hast eine Glaskugel und wüsstest genau, dass in der Kneipe ein Spielgerät mit den nächsten 20 Cent einen Gewinn von sagen wir mal 3000€ gibt. Würdest du einem trockenen Automatenzocker raten diese 20 Cent zu "investieren"? Vermutlich nicht. Würdest du deinem Sohn, Alter 18 und ohne jegliche Spielerfahrung raten, diese 20 Cent zu investieren? Die meisten trockenen Zocker würden vermutlich unter allen Umständen davon abraten. Warum? Es könnte der Grundstein für eine Zockerkarriere gelegt worden sein. Würdest du einem aktiven Zocker raten zu investieren? Bei einem verantwortungsvollen Ratgeber würde selbst in diesem Fall die Antwort nein lauten. Er oder sie würde den Gewinn eh wieder verspielen, früher oder später, und damit würde das alte Muster nur intensiviert werden. Würdest du überhaupt einem Menschen empfehlen diese 20 Cent zu "investieren"? Nach reiflichen Überlegen bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: Nein, ich würde es niemanden empfehlen. Einer Organisation,einer Firma oder Verein: Ja klar! Dieser Investmentgesellschaft liegen völlig andere Rahmenbedingungen zugrunde als einem einzelnen Menschen. Die Belegschaft würde nicht euphorisch reagieren und überlegen von nun an in Spielhallen gehen. Vielleicht würde die Belegschaft ausloten wollen, ob sich da ein Businesscase erschließen könnte ...
Ich will damit sagen: Aus meiner Sicht muss dein Fazit aus der Sucht lauten: Never ever. Grundsolide Geldanlage ist eben etwas anderes als Zocken.
Ich habe mir nur für mich Gedanken gemacht und teile sie, vielleicht sind sie von Interesse, vielleicht auch nicht.
Alles Gute!


Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Süchtiger am 27 Februar 2019, 10:04:25
Kleine Ergänzung:
Der Geldanlage (je nach Umständen schließt das auch Spekulation nicht aus) geht es um nüchterne rationale Entscheidungen. Beim Zocken geht es um Emotionen und um das Spiel der Illusion.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 27 Februar 2019, 19:39:59
Hi Süchtiger,

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Ich stimme dir in weiten Teilen zu. Ich sehe die Gefahr, dass sich, sollte ich mit dem Investieren loslegen, in kürzester Zeit wieder alles im Kopf um die Börse und die Aktienkurse dreht, jedoch als gering an, denn: ich habe derzeit Mitarbeiteraktien und schaue zwar ab und zu nach den Kursen, habe aber Null Verlangen, mit den Papieren zu zocken. Ist aber alles Zukunftsmusik. Und eine Gefahr mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit ist ja trotzdem noch da.

Ich muss mich mal beobachten, ob Spekulationsdruck aufkommt, wenn ich auf der Arbeit mal gefrustet bin.

Eine gute Zeit wünscht
MC
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 27 Februar 2019, 23:28:26
Den Suchtdruck mit anderen Dingen zu überdecken reicht nicht aus.  Ich muss mein Leben wieder bekommen,  dann sind die Gefahren auch keine Bedrohung mehr.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Süchtiger am 28 Februar 2019, 08:03:10
"Den Suchtdruck mit anderen Dingen zu überdecken reicht nicht aus.  Ich muss mein Leben wieder bekommen,  dann sind die Gefahren auch keine Bedrohung mehr. "

Gefahren sind Bedrohungen, sonst wären sie keine Gefahren.
Ich stimme dir zu, dass Dinge überdecken keine Lösung ist. Neben dem Suchtdruck gibt es aber immer wieder mal größere und kleinere Prüfungen, um nicht das böse Wort Versuchung gebrauchen zu müssen.
Letztlich braucht es uneingeschränkte Klarheit, warum ich nicht spiele, eventuell auch warum ich gespielt habe. Ohne diese Klarheit werden meines Erachtens nach früher oder später alle Maßnahmen scheitern.
Übrigens, das gilt uneingeschränkt für jede Verhaltensänderung.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 15 März 2019, 10:13:47
Kuckuck.

Alles bestens bei mir. Die Gedanken an die Börse werden immer weniger, mir geht es gut. Die letzten Male bin ich zwar nicht zur SHG gegangen, aber nehme es mir wieder fest vor.

Die ambulante Therapie ist noch in der Vorbereitung (Antrag, Befundbericht etc.). Dort wird es dann auch regelmäßige Gruppendiskussionen geben.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende Euch allen,
mc

[seit dem 27.12.2018 spekulationsfrei]
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 24 April 2019, 15:53:05
Nach mehr als einem Monat wieder mal was von mir:

Weiterhin spekulationsfrei seit besagtem 27. Dezember 2018. Verfolge immer noch sporadisch Kurse meiner "Lieblings-"Spekulationsobjekte. Dennoch überwiegt der Gedanke, dass es mir "ohne" so viel besser geht.

Ambulante Reha wurde genehmigt, nächste Woche geht es los! SHG hab ich allerdings nicht mehr besucht, werde ich wohl auch nicht mehr, weil im Rahmen der Reha wöchentlich eine Gruppendiskussion stattfindet.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Eine gute Zeit wünscht
mc
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 18 September 2019, 06:43:13
Moin Moin, wollte mich nochmal melden! Bin immer noch spekulationsfrei und es geht mir sehr gut.

Hatte bloß entschieden, auch eine Auszeit von jeglichen Foren zu nehmen, weshalb ich die letzten fünf Monate nicht mehr geschrieben habe.

Ich gehe regelmäßige einmal die Woche zur Gruppentherapie und einmal pro Woche zum Einzelgespräch. Das hat mir sehr gut getan.

Natürlich kreist das Thema immer wieder mal in meinem Kopf rum, aber was will ich nach so langer Zeit, die ich mich damit beschäftigt habe, auch erwarten? Es wird mich vermutlich auch mein Leben lang begleiten. Es gilt, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass die Spekulation in vielen Aspekten schlecht für mich ist.

Was mir auch sehr geholfen hat beim Akzeptieren der Börsensucht als Krankheit war, die Gemeinsamkeiten mit anderen Spielsüchten (sei es Automaten, Online, Poker oder Sportwetten) herauszuarbeiten: Vertrauensmissbrauch, ständiges Gedankenkreisen, nicht voll da zu sein, Kontrollverlust.

Darüber hinaus lese / höre ich Bücher zum Thema Zufriedenheit, Glücklich sein, worauf es im Leben ankommt.

Kurzum, ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin und wünsche Euch allen hier viel Kraft und Erfolg bei Euren Vorhaben.

Beste Grüße,
mc
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 18 September 2019, 07:37:13
Moin Margin,

das hottest sich gut an, freut mich das du deinen Weg gefunden hast.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 22 Januar 2020, 21:23:27
Guten Abend in die Runde,

wieder mal ein Update von meiner Seite: meine Spielfreiheit hatte zum Jahreswechsel sogar schon ihren ersten Geburtstag. Es ist heute 391 Tage her, seit ich den letzten Trade gemacht habe. Und was soll ich sagen: es geht mir sehr gut, habe in den letzten Monaten das Leben in vollen Zügen genoßen. Sicher, immer mal wieder denke ich an die "spannenden" Zeiten während des Zockens zurück, aber die Erkenntnis, dass sich damit kein Geld verdienen lässt, festigt sich mehr und mehr. Mein ambulante Therapie geht noch bis Mitte des Jahres, danach werde ich eine SHG in der Nähe besuchen.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft beim Aufhören. Bleibt sauber.

Alles Gute,
mc
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 23 Januar 2020, 06:05:18
Guten Morgen!

Ich freue mich schlicht und ergreifend mit Dir ... :)

Genieße Dein Leben! :)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 23 Januar 2020, 08:33:29
Vielen Dank, Olli.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: PeterNichtlustig am 26 Januar 2020, 11:56:41
freut mich sehr für dich, bleib stark. 💪🏼
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Born4Nothing am 26 Januar 2020, 11:58:53
Schließe mich an: Weiter so!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: In5omnia am 14 Februar 2020, 20:01:29
WoW eine lange Trading Karriere hast du da hinter dir.

Ich hatte vor ein paar Jahren aus Spaß an der Freude bei Binance aus Ethereum immer auf neue Startupcoins gewartet und zum 0.000001 usw.... pro coin gekauft, dann anschließend nach Gewinnen immer wieder alles abgestoßen.

Nach dem Release sind im Grunde 99% aller Coins immer etwas gestiegen.

Ich würde sagen das es 70% dieser Coins heute nicht mal mehr gibt.

Schade für alle die, die gehalten haben und das waren garantiert einige.


Mit der Zeit dann nur noch mit BNB gearbeitet um das volle Potential auszuschöpfen.

Ich hab da wirklich Gewinne gemacht, aber es ist sowas von anstrengend und zeitaufwendig den Markt permanent im Auge zu behalten.

Man wird zum 24h Analysten und vernachlässigt sein Leben.

Das ging mir auf deutsch gesagt irgendwann tierisch auf den Sack und ich hab das gelassen.

Trotz überschaubarer Gewinne.

Was ich damit sagen will, selbst wenn man Gewinne fährt muss man mal die Zeit gegenrechnen die man da verplempert.

Ich wünsch dir alles Gute und das du die Finger davon lassen kannst.

Viele Grüße
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 21 Januar 2021, 21:59:49
Guten Abend zusammen,

wieder ist fast ein ganzes Jahr vergangen. Ich wollte mich eigentlich schon viel früher melden, habe es aber irgendwie immer vor mir hergeschoben.

Das Wichtigste vorweg: ich habe weiterhin keine Spekulationen mehr gemacht. Es sind jetzt schon über zwei Jahre. Dass ich es nicht manchmal auch vermisse, wäre gelogen, aber wenn ich mir dann wieder auch die stressigen Momente vor Augen führe, den Zeitverlust wie auch das Geld, fällt es mir viel leichter, weiterhin spekulationsfrei zu bleiben.

Meine Therapie ist im Sommer 2020 zu Ende gegangen. In der SHG war ich seitdem noch nicht, habe mir aber fest vorgenommen, das an einem der nächsten Termine endlich mal nachzuholen (einfach, weil ich dann auch ein paar Gesichter aus den Gruppentherapie-Sitzungen wiedersehe).

Euch allen wünsche ich eine spielfreie Zeit.

Macht es gut und bleibt gesund,
MC  8)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Dennis47 am 02 Februar 2021, 22:42:27
Ihre Geschichte ist wie die eines Spielers in einem Casino, Spekulationen sind ein großes Risiko

Die Frage ist doch, womit man spekuliert. Es gibt im Leben so viele Situationen in der man etwas riskiert mit der Gefahr, etwas (besseres) zu gewinnen/erleben. Man spekuliert mit einer gewissen Zuversicht, das man am Ende der Gewinner ist.

Ob es dabei nun das Casino oder die Finanzmärkte sind. Letzteres ist moralisch minimal verwerflicher, da man hier mit Verlusten anderer Gleichgesinnter rechnet und sein Profit sieht. Beim Casino ist man getäuscht in seiner Sichtweise, das man jemals einem Gegenspieler gegenüber steht, der in diesem Spiel der Verlierer sein könnte.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FinanzJunky am 26 Februar 2021, 09:04:46
Lieber Margin Call,

Deine Geschichte hat mich sehr berührt und damit auch geholfen. Ich möchte Dir sehr danken!  :)

Ich habe die gleiche Suchtentwicklung, wie Du durchlaufen. Ich bin auch abhängiger Trader und verliere immer wieder die Kontrolle bis ich mehr verliere, als ich habe. Dieses Tradingproblem habe ich seit nun 20 Jahren. In Behandlung bin ich seit 2 Jahren und hatte zwei längere (einmal 2 Monate und einmal 10 Monate) Abstinenzen.

Bei meiner letzten Abstinenz habe ich dann über meine Frau endlich ein normales Investment-Depot aufgebaut, wo ich langfristig investiere. Wir entscheiden gemeinsam, aber den Zugang zum Depot hat nur sie. Tatsächlich habe ich mir den Zugriff auf meine Konten schon lange entzogen, sonst hätte ich es nie geschafft.
=> Das kann ich jedem Spielsüchtigen empfehlen: "Reißt die Brücken ein!" Wenn ihr keinen Zugriff auf Euer gesamtes Geld habt, dann könnt ihr es auch nicht verzocken.

Zuletzt habe ich vor wenigen Monaten Bitcoins gekauft.
Und ja, der Kurs hat sich einfach so vervierfacht. Ich saß also auf einmal vor einem Berg an Gewinnen und wußte nicht weiter. Das Geld macht mich ja eigentlich nicht glücklich.
Natürlich hat die Sucht mich dann wieder ergriffen. Erst fing ich nur ganz langsam an, ein Trade pro Tag, dann zwei...
Und dann kam es, wie es kommen mußte: Ich bin in alte Muster verfallen, habe unnötige Verluste gemacht, die selben Diskussionen und Verhandlungen im Kopf und dann kam wieder dieser Schmerz: Warum? Warum schon wieder? Ich war doch geheilt? Und wieder so viel Geld verzockt. :-(

Einer hat es hier schon geschrieben: Wir sind "Alkoholiker" und werden wohl nie geheilt werden. Wir können damit nicht umgehen. Zumindest kann ich für mich so sprechen, ich bin ein verkorkster Trader, der seine Gier nicht im Griff hat.

Zur Info: Ich bin gelernter Banker und zertifizierter Börsianer. Ich habe seit über 20 Jahren mit der Börse zu tun, würde mich als den Super-Experten bezeichnen.
Nur Traden kann ich nicht. Meine Gier und mein Temperament habe ich einfach nicht im Griff. Klassischer Kontrollverlust, der mich schon sehr viel Geld gekostet hat.

Auch ich kann von Glück reden, dass meine Frau mich nicht verlassen hat. Wir haben Kinder und sind soeben in unsere neue Wohnung eingezogen. Ich hatte viel Glück in meinem Leben, sehr viel Glück, trotz der Sucht oder gerade wegen der Sucht. Ich weiß es nicht. Aber ich bin dankbar.

Vor allem Dankbar für Deine Beiträge hier und dass du Deinen Weg mit der Welt und uns geteilt hast.
Ich habe jedes Deiner Worte gelesen und mit meinem Herzen gefühlt. Es hat mir Kraft gegeben, dass ich nicht alleine bin. Denn Tradingsucht ist wirklich etwas seltsames, dass man mit Glückspiel nicht vergleichen möchte. Auch wenn es genau das ist.

Du hast mir sehr geholfen wieder einmal einen Schluss-Strich zu ziehen. Bereits gestern habe ich alles verkauft und heute morgen das restliche Geld an meine Frau transferiert. "Die Brücke ist wieder zerstört." Ich kann jetzt nicht mehr traden und fühle mich glücklich. Ich habe vor Glück eben richtig geweint. Das hat befreit.

Ich danke Dir!
Halte durch und feiere Dich. Du bist ein großer Mann, ein mutiger Mann und zwei Jahre Abstinenz darfst Du feiern.

Ich hoffe, ich kann Deinem großartigen Beispiel folgen und werde mich hier zwischendurch auch melden.
Bin gespannt, wie Deine Geschichte weiter geht und natürlich interessiert mich auch Meine.  ;D

In diesem Sinne, lasst uns fröhlich sein!
bis bald,
FinanzJunky
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 27 Februar 2021, 06:26:19
Guten Morgen FinanzJunky!

Vielen Dank für Deinen echt schönen Beitrag! Zeigt er doch Deine Veränderungsbereitschaft auf und Deine Zuversicht in die Zukunft.

Trotzdem möchte ich kliiiiiiiitzekleine Anmerkungen dazu machen, die Dich für weitere Prozesse motivieren sollen.

Zitat
Das Geld macht mich ja eigentlich nicht glücklich.
und ...
Zitat
ich bin ein verkorkster Trader, der seine Gier nicht im Griff hat.

Ich denke, dass Du Deine Interpretation der Gier einmal anschauen könntest.

auf Genuss, Besitz und Erfüllung von Wünschen gerichtetes, heftiges, ungezügeltes Verlangen (Google-Wörterbuch)

Verknüpfst Du die Gier tatsächlich mit dem Geld? Dem Gewinn? Oder doch eher mit dem Durchleben Deiner Emotionen beim Traden?

Wenn Letzteres ... woher mag dies kommen? Welche Bedürfnisse kompensierst Du damit?

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 01 März 2021, 10:29:01
Lieber FinanzJunky,

ganz herzlichen Dank für deine netten Worte. Auch du konntest mir mit deinem Beitrag weiterhelfen, denn die Situation mit deinen Bitcoin Investitionen, die du beschreibst, ist ein wichtiger Gedanke, der mir auch geholfen hat (und hilft), spekulationsfrei zu bleiben: egal ob man zwischendurch auch mal Gewinne macht / gemacht hat: am Ende haben du (und ich) es dann doch wieder verspekuliert...wozu sich dann also den ganzen Stress antun?!

Und geholfen hast du mir damit, weil ich das schon wieder ein wenig vergessen hatte, daher: danke für die Erinnerung!

Viele Grüße und einen tollen Wochenstart euch allen,
MC
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Saarländer am 13 März 2021, 15:10:42
Hallo margin_call, hallo an die Runde

ich habe soeben den ein oder anderen Beitrag zu diesem Thema hier entdeckt und bin froh darüber zu lesen.
Die  "Karrieren" sind  ähnlich und in vielen Punkten finde ich mich wieder.

Es ist ein weiter Weg bis hierher und  zugegeben ist es auch nicht so einfach sich immer wieder mit seinen Fehlern zu konfrontieren.
Gerade wenn alles rund läuft und man sein Leben gut im Griff hat, aber wehe man tut es mal ne Weile nicht.

SHG, stationäre Therapie wegen Glücksspiel liegen nun schon 20 Jahre zurück ..  und dennoch hab ich erneut nicht aufgepaßt und den Spieler in mir einfach aus den Augen gelassen.
Hab mir Spekulationsgeschäfte als "ok" ausgelegt obwohl ich es ganz genau weiß, dass darin der Grund für meine Privatinsolvenz lag.

Bin kaum aus der Restschuldbefreiung raus, hab alte Freiheiten zurückgewonnen und war fast schon stolz auf die letzten 5 Jahre wo sich alles im nicht existenzgefährdenten Rahmen hielt.

Keine Ahnung was er Auslöser war, der Lockdown?  Langeweile? Unzufriedeneit ? Ein paar Euro auf dem Konto ? Oder das Defizit auf bevorstehende Steuernachzahlungen? Ein paar Tausend fehlten nach meiner Berechnung aber ich hatte ja noch Zeit...  warum nicht mit ein bischen CFD-Handel das Defizit versuchen zu begleichen... ein kleiner Versuch mit nur 500€.

Genauer gesagt mit CFD-Handel.. Im Ergebnis hab ich es innerhalb von gerade mal 5 Monaten geschafft mein Leben mit Höchstgeschwindigkeit frontal gegen die Wand zu fahren. Es blieb nicht bei 500,-€
In Summe liegt der Fehlbetrag nun im mittleren 5 stelligen Bereich; Geld welches genaugenommen dem Finanzamt gehört. 

Grundätzlich ist mir bewußt, dass der überhebelte Handel mit schlechter Kapitalisierung meistens zu keinem guten Ende führt. Ok, man entwickelt sich weiter, verfeinert seine Chartanalyse, versucht seine Fundamentalanlyse stetig zu verbessern, lässt jahrelange Erfahrungswerte die mit teurem Leergeld bezahlt wurden einfließen.. irgendwann bekommt man ein Gefühl für Marktgeschehnisse und trifft im kurzfristigen Handel auch öfter mal die richtige Entscheidung. Aber der Dynamik an den Märken Herr zu werden ist ein illusionäres Ziel.. schon gar nicht für die, die nicht mit entsprechender Marge gegenhalten können zu welchen ich zähle.
Aber es schien für mich dennoch gerade genug um die Illusion "finanzielle Defiziete" durch verbesserten Handel zu kompensieren meiner Vernunft überzuordnen und immer wieder aufs Neue die Hoffnung zu befeuern.

Der Tumor einer solchen Risikoberetschaft:
Als Gewinner gibt es keine Probleme, hinzugewonnene Freiheiten, finanzielle Ungebundenheit, verpuffte Sorgen die Belohnung, das Ergebnis gäbe einem Recht für sei handeln. Eine sehr verlockende und süße Vorstellung. Und ob nun Spieler oder nicht stünde nicht zur Debatte.

Wieder ist der letzte  Euro verloren und nun das Erwachen ..wie geht es weiter ? Wo kann ich mir was leihen? Welche Zahlungen lassen sich hinauszögern? Wie stelle ich es an, dass es keiner mitbekommt ? Wann kommt wieder Geld, womit ich vielleicht doch noch eine Chance habe es dann besser zu machen. Sowas von "drauf", dass ich Angst vor mir bekomme.

Ein Teufelskreis aus dessen Sog ich mich nicht befreien kann, aus Angst auf den Blick des bevorstehenden finanziellen Kollapses. Ausblenden so lange es nur irgendwie möglich ist... nun bleibt keine andere Wahl wie sich der Realität zu stellen, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich erkenne mich als Verlierer wieder, fühle mich schuldig und wünschte es sein nur ein Alptraum gewesen.
Nicht nur das Geld, die Exsitenz die dabei verloren geht, keinen Ausweg über Privatinsolvenz durch eine Sperrfrist von 10 Jahren zu haben wenn man schon mal Restschuldbefreit wurde .... und Geld ist lange nicht alles, man fängt an sich selbst für seine Fehler zu hassen, verbaut den Weg lieben zu können, Beziehungen gehen kaputt, auf kurz oder lang die Gesundheit.

Als Looser darzustehen ist ein verdammt hartes Los und mit das schwerste Eingeständnis.

Die eine Hälfte meines "Doppellebens" stellt den Verlierer dar, die andere, die des Vaters der ein gutes Vorbild sein will und der der einen guten Job macht, es bröckelt gewaltigt.

Mein erster Schritt mich hier und jetzt wieder in die Gemeinde der Spieler zu begeben,  ein selbst unterschätzter Schritt. DIe Erkenntnis, Opfer seines eigenen Fehlverhaltens zu sein,  es hilft irgendwie schon sich auszutauschen. Aber ich glaube auch, dass es noch wichtiger ist dran zu bleiben.

Die größte Gefahr ist die Verwässerung die mit längerer Abstinenz wächst und Rückfälle begünstigt.

Allen ein schönes Wochenende


VG
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: taro am 13 März 2021, 22:55:49

Als Gewinner gibt es keine Probleme, hinzugewonnene Freiheiten, finanzielle Ungebundenheit, verpuffte Sorgen die Belohnung, das Ergebnis gäbe einem Recht für sei handeln. Eine sehr verlockende und süße Vorstellung. Und ob nun Spieler oder nicht stünde nicht zur Debatte.

Moinmoin,

ich muss Dich mal zitieren weil so typisch für mich als Spieler. Das Zitat klingt so schön, ist aber definitiv falsch, ich habe es erlebt. Mit Gewinn gibt es für mich als Spieler kein Ende. Es gibt immer ein mehr, einen noch höheren Einsatz, immer immer weiter.
Provokation in Richtung fags entfernt! Du weißt ja schon wie es geht. Kannst gleich Vollgas geben. Wünsche Dir was.

Taro
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Saarländer am 14 März 2021, 11:16:19
Salü Taro,

Verluste zu verkraften, den Leidensdruck auszuhalten ist das eine und irgendwie scheint es auch in der Natur des Spielers zu stecken dass er das irgenwie hinbekommt.

Mit Gewinnen hingegen umzugehen ist wieder ein ganz anderes Thema und ich gebe dir vollkommen recht.. bist du erst ma ins Plus gekommen sieht die Welt plötzlich vollkommen anders aus.
Je mehr es ist je besser fühlt es sich an (wie das ziehen im Zwechfell wenn mal verliebt ist) ,aber es ist dann plözlich doch noch nicht genug und es fallen einem die Verluste aus der Vergangenheit wieder ein die man ja gerade auch noch mit ausgleichen will oder irgendetwas anderes

Ganz klar geht diese Rechnung in den seltensten Fällen auf.. natürlich machst du weiter 

Wenn du für's erste gesättigt bist dauert es nicht lange und innerlich wird wieder an Konstrukten gebastelt die nicht lange auf sich warten lassen den nächsten Versuch zu starten.

So lange nur das zuvor Gewonnene verloren wird bleibt man noch "cool" ... die Null rückt wieder näher und eigentlich sollte es ja jetzt klappen. Hat es nicht ? ok du schießt Geld nach, was du gewonnen hast ist zwischenzeitlich aufgebraucht. Du willst es nicht wahr haben versucht es zu erzwingen schießt nochmal nach und erst wenn der Multiplikator von dem was du vorher gewonnen hast sich als Verlust  erhöht knallst du wieder auf ...auf nass kaltem Beton  und versteht die Welt nicht mehr.
Es geht los mit Selbstvorwürfen, was ist passiert ? wie bescheuert bin ich eigentlich?  das darf doch nicht wahr sein!.. erzähl das mal einen der steckt dich in die Klapse  .. was hätte man doch alles damit tun können etc. 

Am schlimmsten ist dabei,  egal wir sehr ich mich verurteile, ne kleine Hintertür macht man ich mir dann doch wieder auf. Ich will es nicht so stehen lassen,  beim nächsten mal mache ich es besser.... ja ich kenne dieses Verhaltensmuster nur zu gut.

Ein klasse Hinweis von dir Taro den Bereich nochmal zu durchleuchten

Danke dir

VG 

 
 
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: TooBigToFail am 19 August 2021, 11:16:02
Moin zusammen,

ich denke ich kann nach (nur) 14 Monaten Daytrading das Kind beim Namen nennen und habe deshalb auch ein Tagebuch eröffnet. Ich bin vermutlich süchtig nach Börse und dem Kick, den mir das Scalping bereitet. Anfangs war es extrem bestürzend, wenn 300€ einfach so weg waren, weil der KO-Schein wertlos wurde. Jetzt ist es eskaliert und ich habe mich in den letzten Monaten nur noch mit Trading beschäftigt, jeden Monat das Kreditkartenlimit ausgeschöpft und das Ersparte zum Ausgleich einsetzen müssen.

Es wäre super, wenn ihr mal im Thread vorbei schaut, ich versuche nämlich erst einmal ohne externe Hilfe das Ganze in den Griff zu bekommen.

Heute ist Tag 1 und ich ärgere mich jetzt schon, nicht dabei zu sein, als gestern Abend die amerikanischen Indizes und der WTI korrigiert sind.

Die Gefahr, dass man über die Hintertür schnell wieder einsteigt, ist riesig. Es würde 2-3 Minuten dauern und ich könnte mit vollem Kreditrahmen wieder ein paar Tausender verzocken.

Lasst ihr euch sperren? Wie hier einige schon schreiben ist genau das das Problem. Man will das eigentlich nicht möchte die Verluste wieder hereinholen.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: deridiot am 05 September 2021, 11:52:37
Hallo allerseits,

ich bin seit Wochen verzweifelt und depressiv und habe heute morgen spontan Sielsucht und Optionsscheine gegoogelt und dieses Forum hier gefunden. Ich habe einige Beiträge gelesen und musste direkt heulen,
da ich mich darin total wiedererkenne. Ihr seid nicht alleine mit eurem Problem.

Ich hätte bis vor kurzem mir niemals eingestanden, dass das was ich mache irgendwas mit Glücksspiel zu tun hat. Vielleicht darf ich kurz etwas zu meiner Geschichte erklären:

Ich bin freiberuflich im kreativen Bereich tätig. Es gibt Phasen, in denen es finanziell sehr sehr gut läuft und Phasen in denen es nicht gut läuft. Ich fing in einer guten Phase 2012 an mit Aktien kaufen. Einige der Aktien wären mittlerweile ein vielfaches Wert, wenn ich sie behalten hätte. Aber mein Mindsetting war dafür nicht bereit und so verkaufte ich zu schnell um Gewinne mitzunehmen oder verkaufte nie, wenn Verluste entstanden. Dabei habe ich über die Zeit schon einige harte Verluste hinnehmen müssen. 6500 EUR für eine Lithium Aktie zum Beispiel, 3000 EUR bei einer Cannabis Aktie. die Lithium Aktie ist gar nicht mehr gelistet, das Geld ist ausgebucht.
Ich habe in der Zeit von 2012-2013 ein bisschen rumgezockt und dann wieder 2017-2018. 2020 als der Corona Crash kam habe ich panikartig die meisten meienr Aktien verkaut, weil ich dachte, ich kaufe sie später wieder zurück. Das war natürlich dumm, da sie total schnell wieder gestiegen waren.

Da habe ich natürlich auch Verluste eingefahren. Ich weiß gar nicht wieviele Verluste es um 2012 herum waren. Es könnten evtl. 10000 gewesen sein. Ab 2017-2021 schaffte ich es dann nochmal mit 8-9000 EUR ins Minus zu kommen. Ich wollte diese Verluste auf gar keinen Fall hinnehmen und versuchte mit spekulativen Aktienwerten das wieder auszugleichen. Ich las viele Bücher, schaute mit X Youtube Videos an usw. Ich weiß eigentlich, dass man die Fehler, die ich mache nicht machen sollte und mache sie trotzdem. Ich kann und wollte nie akzeptieren, dass ich diese Verluste habe. Es kamm dann kurzzeitig sogar dazu, dass mit dem rasanten Anstieg von Aktien im Frühjahr 2021 mein Verlust nur noch 3000 EUR betrug. Da wurde ich gierig und dachte ich wüsste alles und könnte aus 200 EUR problemlos 400 machen, wenn man mich nur lässt.
Dann kam erstmal ein Rücksetzer und zack war ich wieder 11000 EUR im Minus. Das ging dann ein paar Monate so hin und her zwischen 15000 und 8000 EUR Minus

Dann habe ich Optionsscheine entdeckt. In einem Telegram Kanal, hat einer seine Trades gepostet, die ich kopiert habe. Anfangs liefen die echt gut. Das waren Summen wie 300-500 EUR pro Trade. Aber er lag dann auch immer öfter falsch, so dass ich dachte, man kann auch irgendwas kaufen. Da ich mich auch für Chartanalyse interessiere, habe ich selbst meine Interpretationen angestellt und meine Summen, die ich in Optionsscheine gesteckt habe wurden immer größer, genauso wie die Hebel. Ich kaufte für 2000 EUR KO Zertifikate mit großem Hebel, die ruckzuck ausgeknockt wurden. Immernoch wollte ich einfach meine Verlust wieder gradebügeln, zumindest einen Teil davon sagte ich mir, dann würde ich auch wirklich aufhören. Wenn es mal gut lief kurzzeitig, nutzte ich die Chance natürlich nicht um aufzuhören, sondern dachte ok, jetzt mache ich weiter, es läuft grade so gut.

Ich kann meine Gefühle da überhaupt nicht kontrollieren, ich handle aus Gier und Panik heraus, genau das was man nicht machen sollte.

Ab Juni 2021 wurde es richtig übel: Ich kaufte immer mehr Optionsscheine, die immer häufiger einfach ausgeknockt wurden. Ehe ich mich versah hatte ich weitere 10000 EUR verloren, ich zahlte regelmößig 2-3000 EUR wieder aus Konto ein, da es eine Phase war, in derich gut verdiente. Kurzzeitig schaffte ich es meinen Gesamtverlust von 20000 auf 14000 zu "begrenzen" aber natürlich hörte ich nicht auf. Innerhalb von 3 Wochen fiel ich auf 24000 EUR Minus. Jedes Mal habe ich meine Untergrenze wieder ein Stück erweitert und sagte mir ok bis dahin und nicht weiter. Aber es geht immer weiter. Letzten Freitag führte ich 45 Trades an einem Tag aus. Ich hätte nie gedacht, dass ich süchtig danach bin aber letzte Woche ist es mir bewusst geworden, dass es krankhaftes Verhalten ist. Ich bin wie in einem Rausch, wenn ich das mache. Ich starre teilweise stundenlang auf die Charts und führe Käufe oder Verkäufe bei kleinen Zuckungen im Chart aus. Ich schlafe sowieso sehr schlecht aber in den letzten Wochen schlief ich sehr sehr schlecht. Ich habe manchmal fast Panikattacken und Phasen in denen ich am Boden zerstört bin. Ich rede mit niemandem über das Ausmaß, ich kann es nicht eingestehen.

Meine Freundin hat schon vor 2 Jahren gesagt, dass ich aufhören soll, ich soll ETFS oder Aktien kaufen und einfach liegen lassen aber nicht dieses Hin und Her. Da hatte ich einen Verlust, den sie auch kannte. Den, den ich jetzt habe einzugestehn, kann ich nicht.  Ich bin so enttäuscht von mir selbst. Es kommt mir vor wie in einem Traum. Es ging so schnell, alleine 15000 EUR sind mir in 3 Monaten flöten gegangen. Ich habe in der Zeit gut verdient aber im Grunde alles verzockt. Wer weiß wie es beruflich in den nächsten Wochen läuft.

Manchmal wünschte ich mir, ich würde einfach endlich alles bis auf ein paar vernünftige AKtien verkaufen und mir das Depot jahrelang nicht mehr anschauen, damit ich endlich meine Ruhe damit habe. Es zerstrört mich aber ich habe das Gefühl, ich bin immernoch nicht bereit den Verlust hinzunehmen. Immer denke ich, naja dann mache ich jetzt wenigstens nochmal 3000 EUR wieder gut. Mir graut es jetzt schon davor wenn am Montag die Börsen wieder aufmachen. Bis letzte Woche, habe ich mich darauf eigentlich gefreut und war mir sicher, dass ich das alles wieder hinbiege aber jetzt habe ich das Gefühl mein Geld wird einfach nur vernichtet und es schadet meiner Gesundheit.
Es ist so schwer für mich zu akzeptieren, dass ich soviel Geld verloren habe, dass ich mir über die Jahre erarbeitet habe. Ich möchte mir auch mal eine Wohnung oder ein Haus kaufen und jetzt habe ich jahrelange Ersparnisse verloren. Ein paar Jahre sind einfach weg. Es isrt so deprimierend

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 05 September 2021, 14:19:55
Hallo lieber Mensch,

ich möchte dich nicht so ansprechen, wie du dich hier angemeldet hast,weil du einfach kein I..... bist.

Dein Vorstellungsthread ist sehr von Zahlen geprägt und als Spekulant, ist man wahrscheinlich davon sehr begeistert und muss diese auch immer vor sich haben. Ich ,als Automatenspieler ,war immer gehetzt.....es mussten mehrere Automaten sein und die 5 min Zwangspause waren die Hölle. Im restlichen
Leben musste auch alles immer schnell gehen. Ich musste viel lernen, das ich wieder alles runterregulieren konnte,ich wieder zur alten Ruhe und Gelassenheit finde.

Du musst das für dich auch lernen ,wieder zur Ruhe kommen. Du möchtest nicht mehr spekulieren oder? Du bist freiberuflich und kannst deine Finanzen nicht abgeben. Sperren lassen geht bei dir auch nicht.
Ich kann nur dringend raten mit deiner Freundin zu reden und dir professionelle Hilfe zu suchen. Mach bei einer Suchtberatung einen Termin, die helfen bei eventuellen Therapien weiter und auch bei einer SHG .

In meiner SHG war auch ein Börsenspekulant,der aber nicht freiberuflich war,er hat seine EC Karte abgegeben, konnte kein onlinebanking mehr machen und bekam erstmal Taschengeld von seiner Frau. Er hat seine komplette Familie eingeweiht.  Die Angst sie zu verlieren war sehr groß, deswegen nahm er jede Hilfe an ,die er kriegen konnte und als ich die Gruppe verließ ,war er ein Jahr spielfrei. Egal welche Spielsucht man ausübt ,in einer SHG kann jeder jedem helfen. Man kann ihn spiegeln,ihm aufzeigen, was er nicht sieht,nicht mehr wahrnimmt. Diese 90-120 min in der Woche können ganze Leben verändern. 

Wie könntest du deiner Meinung nach dir selbst Hürden einbauen, das du  mit keinen Aktien, Optionsscheinen usw mehr handelst?

LG Wolke
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 05 September 2021, 14:28:32
Hi und willkommen!

Ich hätte da einen anderen Namen für Dich: Laienboxer!

Wieso? Das siehst Du hier in einem Auszug aus "12 Schritte, aber wie?" der AS:

Zitat
Schritt 1:

"AUFHÖREN ZU KÄMPFEN, ZUGEBEN, DASS WIR DEM SPIELEN GEGENÜBER MACHTLOS SIND"

Im ersten Teil von Schritt l kommt der Spielabhängige zum alles entscheidenden Punkt, wenn er bereit wird, zuzugeben, dass er dem Spielen gegenüber machtlos, d.h. vom Spielen abhängig ist. Dieser Schritt sieht so einfach aus, Ist aber doch für die meisten Spielsüchtigen so ungeheuer schwer, weil soviel daran hängt:
Dieser Schritt ist so schwer, weil der Abhängige die Illusion für sich braucht, das Spielen zu beherrschen, um mit ihm weitermachen zu können. Ohne die Aussieht des Spielens scheint ihm das Leben keinen Sinn zu haben. Deshalb hält er, trotz aller gegenteiligen Erfahrungen an der Vorstellung fest, dass er das Spiel meistern kann, auch wenn es immer nur für "ein Spiel" ist, er in die Kneipe, die Spielstätte, Spielothek oder in das Casino geht, um sich dann nach Stunden oder Tagen in einem fürchterlichen Zustand wieder zu finden.
Er glaubt jedes Mal, dass dies nur ein momentaner Unfall gewesen ist und dass es das nächste Mal anders sein wird, bzw. dass seine Stabilität kurz vor der Tür steht.
Solange er diese Hoffnung noch hat, kann er das Spiel weiter gebrauchen, mit ihm experimentieren, mit ihm kämpfen. In diesem aussichtslosen Kampf gleicht ein Spieler einem Laienboxer, der gegen Cassius Clay in den Ring steigt. Nach wenigen Augenblicken ist er von den Füßen und liegt ohnmächtig im Ring, aber jedes Mal steht er wieder auf, um weiterzumachen, weil er sich weigert, das Handtuch zu werfen und zu kapitulieren.
Dieses Kapitulieren ist so schwer, weil es als Eingeständnis des eigenen Versagens erlebt wird. Unterstützt wird dieses Missverständnis durch die Vorwürfe und Ermahnungen, die der Spielabhängige von sich selbst und auch aus seiner Umgebung erfährt, dass sein Verhalten Ausdruck von Willensschwäche und Charaktermangel sei. Hat er nicht immer wieder versprochen, sich zu bessern und seine Versprechungen nicht eingehalten?  Aber Machtlosigkeit dem Spielen gegenüber ist keine Willensschwäche und kein Charaktermangel (denn Abhängige sind oft sehr willensstarke Menschen). Zugeben der Machtlosigkeit ist der Ausdruck der Erfahrung, dass da etwas stärker ist als ich, das ich nicht kontrollieren kann.
Das Zugeben der Machtlosigkeit ist so schwer, weil manche Machtlosigkeit als Ohnmacht und Hilflosigkeit verstehen, missverstehen - wie wir meinen. Sie erleben Schritt 1 damit als Zumutung, sich als klein und hilflos darzustellen.
Zugeben der Machtlosigkeit ist aber genau das Gegenteil. Es bedeutet, dass ich aufhöre zu jammern und zu klagen und mich für das Opfer der Umstände, einer Erziehung oder sonstiger Widrigkeiten zu halten. Zugeben der Machtlosigkeit ist eine mutige Tat, dass ich mich meiner Realität stelle und sie nicht mehr beschönige.
Zugeben der Machtlosigkeit ist so schwer, well dieses unseren Stolz trifft, die Einbildung, unser Leben völlig zu kontrollieren und in der Hand zu haben.
Das trifft die Größtphantasien des Spielsüchtigen, der glaubt, es alleine schaffen zu können und keine Hilfe von anderen zu gebrauchen. Dieser Schritt fällt so schwer, weil wir nicht wissen, wie es dann weitergehen soll. Das kämpfen gab uns wenigsten noch die Illusion, dass wir noch mitbestimmen, noch kontrollieren können. Wenn wir kapitulieren, geben wir uns auf. Was bleibt uns dann?
Dieser Schritt ist so schwer, weil er uns erinnert an die Erfahrungen in Grenzsituationen unseres Lebens, wie zum Beispiel bei Geburt und Tod, und auch beim Orgasmus in der sexuellen Vereinigung mit einem anderen Menschen.
In diesen Situationen haben wir nicht die Kontrolle des Geschehens in unserer Hand, sondern wir erleben, dass hier etwas stärker ist als wir selbst, dass hier etwas mit uns geschieht. Und davor haben wir alle Angst, der Abhängige offenbar in besonderer Weise (siehe Schritt 3). Um diese Angst zu vermelden, kämpft er gegen die Realität, bringt sich selbst in äußerste Gefahr und verbindet zugleich, dass Wachstum In Ihm geschieht.
Zugeben der Machtlosigkeit ist deshalb nicht nur angstvoller Abschied von Altem und Vertrautem, mit dessen Hilfe wir bisher unser Leben zu meistern versuchten, sondern auch der Anfang von etwas Neuem, durchaus einer Geburt vergleichbar.
Aufhören zu kämpfen schafft Raum für neues Leben, das ich bisher gerade durch mein Bemühen, nicht aufzugeben, verhindert habe. Das Zugeben der Machtlosigkeit ist deshalb eine ungeheure Befreiung die Erfahrung einer neuen Erlaubnis zum Leben:
- Ich brauche nicht mehr zu kämpfen!
- ich brauche nicht mehr mich selbst zu zerstören, indem ich beweise, dass ich es doch schaffe!
- Ich darf leben, stabil leben!
 Viele, die den ersten Schritt vollzogen haben, berichten, dass nach dem Auf und Ab von Angst, Trauer und Zweifeln ein starkes Gefühl der Freude, der Erleichterung und der Ruhe in ihnen Platzt ergriffen habe.

Nehme Dir einen Augenblick Zeit und frage Dich:
- Wo habe ich in meinem Leben Machtlosigkeit
dem Spielen gegenüber und auch sonst erfahren?
- Wie habe ich mich gegen das Zugeben der Machtlosigkeit gewehrt?
- Welche Ängste, welche Trauer und welchen
Ärger spüre ich, wenn ich zugebe, dass ich machtlos bin ?

"... UND UNSER LEBEN NICHT MEHR MEISTERN KONNTEN"

Der zweite Teil von Schritt 1 weist darauf hin, dass Spielsucht/Spielabhängigkeit keine isolierte Sache ist, sondern immer etwas mit unserem ganzen Leben zu tun hat.
Nicht wenige Abhängige sagen am Anfang Ihrer Stabilität: "Sonst ist alles in Ordnung bei mir...... wenn nur das Spielen nicht wäre." - Sie wehren sich damit ihr Leben näher anzusehen und halten die Meinung aufrecht, es genüge, nur nicht mehr zu spielen.
Aber das hilft erfahrungsgemäß nicht weiter, wenn wir nur etwas weglassen, von dem wir uns sehr lange viel versprochen hatten. Die zwölf Schritte zielen auf eine Neuordnung unseres Lebens hin, und darum ist es wichtig zu wissen, wie unser gesamtes Leben mit dem Spielproblem verflochten ist.

Frage Dich deshalb?
- Was sind meine Probleme im Beruf?
- Wie komme ich mit mir selbst zurecht?
- Bitte darüber hinaus Deine Angehörigen, Deine Freunde und Kollegen am Arbeitsplatz um Rückmeldungen, was sie mit Dir erlebt haben und wie sie sich dabei fühlten.
- Wenn Du in einem Kuraufenthalt oder in einer Therapie bist, lasse Dir von den Betroffenen Briefe schreiben, bzw. gehe gemeinsam mit Deinen Angehörigen in ein Familien- oder Partnerseminar, wo diese Fragen bearbeitet werden können. Wenn Du bereit bist, diese Untersuchungen vorbehaltlos zu machen, wirst Du wahrnehmen, dass uns das Spielen unfähiger machte, mit unseren Problemen umzugehen.
- Vielleicht hatten wir uns mal versprochen, bestimmte Probleme durch das Spielen zu lösen (wie z.B. mehr als 10 Stunden zu arbeiten, besser zu schlafen, ruhiger zu argumentieren, gefälliger zu sein, uns von den Sorgen und Problemen des Alltags abzulenken); aber letzten Endes hat das Spielen doch nicht das gehalten, was es versprochen (was wir uns davon versprochen haben), denn die Probleme die wir hatten, sind am Ende größer geworden, anstatt kleiner.

Das ist die eine Seite der Bedeutung dieses Satzes, die besagt: Dann, wenn das Spiel in unser Leben kommt, können wir unser Leben nicht mehr meistern.
Schon lange bevor das Spiel sichtbar in unser Leben getreten ist, haben wir unser Leben nicht mehr meistern können. Dieser erweiterte Ansatz macht deutlich:

- dass es nicht nur darum geht, das Spielen aufzugeben, sondern, dass eine Neueinstellung unseres Lebens nötig Ist.
- dass Grundprobleme und Engpässe in unserem Leben vorhanden sind, auf die ich eine Antwort finden muss, um weiterhin stabil zu leben.

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Eskanor am 06 September 2021, 20:41:43
Dieser Thread hat mir vor einigen Monaten geholfen zu verstehen, was gerade bei mir passiert ist. Denn mal abgesehen von diesen Forum, findet man kaum was zu diesem spezifischen Thema.
Ich habe mir alle eure Texte aufmerksam durchgelesen und bin euch echt dankbar dafür. Sie haben mir bei geholfen, dass Geschehene etwas besser zu verarbeiten.
In diversen Berichten von euch habe ich mich wieder erkannt. Nie habe ich mein Verhalten an der Börse mit Spielsucht assoziiert, jedoch scheint zweifellos einige Paralellen zu geben.

Himmel und Hölle liegen an der Börse sehr nah beinander. Bei mir waren es, wie auch bei einigen Vorrednern, die Kryptowährungen welche mich krass in ihren Bann gezogen haben. Mit  Derrivate können in paar Minuten Tausende gewonnen oder Tausende verloren gehen. Mieser Film und leider sind wir damit wohl bei der Königsklasse des Zockens angelangt ::) Die Verluste, welche sich während dieser Phase ergeben haben, sind nicht wirklich rosiger als eure. Bin froh seit einigen Monaten weg davon zu sein, es liegt aber noch ein gutes Stück Arbeit vor mir.
Ich verzichte auf eine Auflistung meiner Ereignisse, sie sind jedoch sehr ähndlich wie bei den bereits hier erwähnten Posts.
Warum ich das schreibe? Um zu zeigen, dass ihr nicht alleine seid. Die Erkenntnis ist erstmal hart aber es wird bergauf gehen!
Wenn sich jemand darüber per PN austauschen möchte, schreibt mich an. Auch ich habe noch Gesprächsbedarf um besser damit umzugehen.
 
Zitat
Ich bin wie in einem Rausch, wenn ich das mache. Ich starre teilweise stundenlang auf die Charts und führe Käufe oder Verkäufe bei kleinen Zuckungen im Chart aus. Ich schlafe sowieso sehr schlecht aber in den letzten Wochen schlief ich sehr sehr schlecht. Ich habe manchmal fast Panikattacken und Phasen in denen ich am Boden zerstört bin. Ich rede mit niemandem über das Ausmaß, ich kann es nicht eingestehen.

So war es dann am Ende auch bei mir. Es fing alles ganz seriös an aber ab nem gewissen Punkt ging total die Kontrolle verloren. . Irgendwann steigt die Risikobereitschaft und die Hebel werden grösser in diesem so oder so schon volatilen Markt... Mir wird unheimlich, wenn ich daran zurück denke.


Zitat
Heute ist Tag 1 und ich ärgere mich jetzt schon, nicht dabei zu sein, als gestern Abend die amerikanischen Indizes und der WTI korrigiert sind.

So fest ich deine Aussage verstehe, würde dir ans Herz legen zumindest einmal Abstand zu gewinnen und dein bisheriges Verhalten an der Börse zu reflektieren. Was nun folgen wird wenn du weitermachst sind nur Verzweiflungstaten die sehr schmerzvoll werden können. An diesem Punkt sind keine Handlungen mehr möglich, welche du zu deinen Gunsten steuern kannst.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 29 September 2021, 13:48:57
In diversen Berichten von euch habe ich mich wieder erkannt. Nie habe ich mein Verhalten an der Börse mit Spielsucht assoziiert, jedoch scheint zweifellos einige Paralellen zu geben.
Jepp, die Erfahrung hatte ich auch gemacht (habe meine Story damals hier veröffentlicht: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php/topic,4359.msg36029.html#msg36029), das Erlebnis hat mir in 2020 einen sechsstelligen Verlust beschert. Mit 1,5 Jahren Abstand kann ich sogar mittlerweile darüber schmunzeln, die Erfahrung war zwar teuer aber richtig und wichtig.
Im Gegensatz zu Online-Casinos und Sportwetten ist es an der Börse mit entsprechenden Regeln und Disziplin möglich sein Geld systematisch zu vermehren allerdings fürchte ich dass die Dunkelziffer pathologischer Zocker im CFD- und Zertifikate-Bereich hoch ist. Die Grenze zwischen einem spekulativen Trade und eben Zockerei ist fließend. Und das perfide daran ist dass viele in den ja hochseriösen Finanzmärkten gar nicht bemerken dass sie einer Kontrollillusion unterliegen. Mich interessiert das Thema Spielsucht nach wie vor und thematisch passt es schon hier her.

Zitat
Ich bin wie in einem Rausch, wenn ich das mache. Ich starre teilweise stundenlang auf die Charts und führe Käufe oder Verkäufe bei kleinen Zuckungen im Chart aus. Ich schlafe sowieso sehr schlecht aber in den letzten Wochen schlief ich sehr sehr schlecht. Ich habe manchmal fast Panikattacken und Phasen in denen ich am Boden zerstört bin. Ich rede mit niemandem über das Ausmaß, ich kann es nicht eingestehen.
Das Gefühl ist leider auch gut bekannt, ich denke nicht gerne daran zurück. Heute handhabe ich das so, wie es auch im institutionellen Umfeld gemacht wird: es wird ein Plan erarbeitet und dann, wenn man die Statistik auf seiner Seite hat, wird jede Order mit fest definierten S/L und Profitmarken eingegeben. Den Rest machen Handelsrechner und man selbst muss nicht mehr auf irgendwelche Charts schauen, man wird dann nicht dazu verleitet den jeweiligen Markt als Casino-Ersatz zu sehen
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 07 Januar 2022, 09:46:09
Nach langer Zeit nochmal ein kurzes Update von meiner Seite: bin seit dem 28.12. nun schon drei Jahre spekulationsfrei. Ab und zu denke ich mal an die Zeit zurück, aber unterm Strich möchte ich dahin nicht wieder zurück.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 07 Januar 2022, 09:53:17
[...]Heute handhabe ich das so, wie es auch im institutionellen Umfeld gemacht wird: es wird ein Plan erarbeitet und dann, wenn man die Statistik auf seiner Seite hat, wird jede Order mit fest definierten S/L und Profitmarken eingegeben. Den Rest machen Handelsrechner und man selbst muss nicht mehr auf irgendwelche Charts schauen, man wird dann nicht dazu verleitet den jeweiligen Markt als Casino-Ersatz zu sehen

@blow_up: Das würde ich mich übrigens nicht trauen. Hätte zu viel Respekt, irgendwann wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen (wenn man trotz aller Disziplin das Gefühl hat, besser als der Handelsrechner zu sein und dann abweicht und größere Hebel fährt...)  ::).
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 07 Januar 2022, 10:05:20
Cool ... drei Jahre ... wie die Zeit vergeht ... :)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 25 Januar 2022, 23:53:39
Hallo zusammen
Schön dass ich dieses Forum entdeckt habe und solch gut formulierte Beiträge lesen durfte.
Da ich mich ziemlich schäme, mit meinen Freunden darüber zu reden, tut es mir vermutlich gut, hier mal meine Geschichte zu erzählen.
Ich bin heute 40ig und habe früher als Bankberater gearbeitet und kenne mich mit der Börse gut aus. Als Berater habe ich meinen Kunden immer geraten: Aktien kaufen und liegen lassen - aber für mich persönlich habe ich das leider nie gemacht :-). Als ich anfing bei der Bank zu arbeiten, erlebte ich den 2000er-Tech-Bubble-Crash. Danach habe ich immer wieder mal ultra-spekulative Aktien oder Optionsscheine gekauft und meistens das Geld vernichtet. Wenn ich mal Aktien mit Gewinn am Laufen hatte, stieg ich viel zu schnell aus. Ich hatte keine Geduld. Die Verluste waren zwar ziemlich hoch, aber ich konnte es verkraften weil ich sparsam lebte und keine Familie habe. Trotz Verlusten konnte ich ein Vermögen aufbauen. Ab 2019 dachte ich, dass die Börse überbewertet sei und startete immer wieder Short-Versuche, d.h. ich setzte auf fallende Kurse. Sie fielen leider nicht sondern stiegen weiter an. Dann hatte ich meinen Glücksmoment: Vor dem Coronacrash im März 2020 ging ich short und zack hatte ich 10'000 Euro Gewinn. Ich dachte mir natürlich, dass ich das wiederholen könnte. Die Erholung der Märkte im 2020 und 2021 fand ich übertrieben und ging dann x-mal short, immer ohne Erfolg. Ich habe auch angefangen mit CFD - das kann man halt einfach auf dem Mobiltelefon benutzen und überall traden. Schlussendlich habe ich in den letzten 1.5 Jahren sicher 1/4 meines Vermögens verzockt (ca. 50'000 Euro). Und ich will nicht noch mehr verzocken. Ich bin getrieben davon, meinen Verlust wieder reinzuholen, weil ich eigentlich vielfach richtig gelegen bin in den letzten Wochen, aber immer durch ganz knappe Knockouts und SLs aus dem "Spiel" genommen wurde. Danach gings dann wieder in die von mir vorhergesagte Richtung und ich begann panikartig hinterher zu traden. Abende lang am Mobiltelefon. Auch las ich in Börenforen immer wieder Kommentare, wie sie dort fast alle super Gewinne gemacht haben etc.. Ich dachte mir: Du musst doch auch nachhaltig traden können etc.. Ich las Bücher und fing aber an wie im Gleichgültigkeits-Rausch auf Disziplin, starre Regeln etc. zu verzichten und tradete auch emotional. Aber am letzten Freitag als der Nasdaq ca. -2.7% gemacht hat (und später noch tiefer ging) und ich schon vorher auf einen Bounce gehofft hatte, habe ich die Geduld endgültig verloren und gedacht, mehr als 2-3% fällt der nicht und bin mit hohen Hebeln rein etc.. Fakt ist, ich habe nochmals eins richtig auf die Fresse gekriegt und habe festgestellt, dass ich börsensüchtig bin. Es tut mir nicht gut und ich nutze meine Zeit nicht mehr gross anderweitig. Meine Freundin ist leider vor ein paar Monaten ausgezogen (wir haben uns getrennt) und irgendwie habe ich einfach meine Freizeit mit Traden (auch während der Arbeit im Homeoffice) ausgefüllt. Jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich überlege, nochmals mein Trading-Konto aufzufüllen und die vergangenen Verluste diszipliniert wieder zurück zu traden. Ich muss schon ein wenig Lachen während ich das schreibe...und warum ist mein Nickname FOMO? Das heisst Fear of missing out - und genau das Gefühl belastet mich sehr, ich habe Angst die besten Gelegenheiten zu verpassen....und der Griff zum Mobiltelefon ist ja ganz einfach....
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 26 Januar 2022, 09:05:29
Hi und herzlich willkommen!

Zitat
und warum ist mein Nickname FOMO? Das heisst Fear of missing out - und genau das Gefühl belastet mich sehr, ich habe Angst die besten Gelegenheiten zu verpassen....und der Griff zum Mobiltelefon ist ja ganz einfach....

Und? Hast Du zum Telefon gegriffen?

Ich möchte Dir gerne eine Aufgabe stellen ... schaue einfach mal, wo Du stehst. Was hast Du bisher im Leben so erreicht? Woran hindert Dich nun die Angst etwas Großes zu verpassen?
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 27 Januar 2022, 00:15:56
Da ich mich ziemlich schäme, mit meinen Freunden darüber zu reden, tut es mir vermutlich gut, hier mal meine Geschichte zu erzählen.
Hi FOMO, ich versuche mal meinen Senf dazu zu geben da ich mich mit dem Thema Trading und (potenzielle) Spielsucht beschäftigt habe. Eine Nische hier im Forum, meine eigene Geschichte samt Weg hierher kannst du in diesem Faden nachlesen: https://www.forum-gluecksspielsucht.de/forum/index.php/topic,4359.msg36029.html#msg36029

Zitat
Ab 2019 dachte ich, dass die Börse überbewertet sei und startete immer wieder Short-Versuche, d.h. ich setzte auf fallende Kurse. Sie fielen leider nicht sondern stiegen weiter an. Dann hatte ich meinen Glücksmoment: Vor dem Coronacrash im März 2020 ging ich short und zack hatte ich 10'000 Euro Gewinn. Ich dachte mir natürlich, dass ich das wiederholen könnte. Die Erholung der Märkte im 2020 und 2021 fand ich übertrieben und ging dann x-mal short, immer ohne Erfolg.
Du kennst sicherlich den Spruch "trade what you see". Meine hohen Verluste kamen dann zustande wenn ich der Meinung erlag wissen zu müssen was wohl passieren wird. Wenn man in "überbewertet" und "unterbewertet" denkt. Wenn man ernsthaft an der Börse unterwegs ist muss man es wie ein Business sehen, die Einnahmen (Gewinne) müssen die Ausgaben (Verluste) übersteigen aber letztere gehören mit dazu, man muss sie akzeptieren und sie immer(!) begrenzen. Das läuft über lange und langweilige Excel-Dateien und Journale ab, es ist definitiv kein Spiel. Auch wenn viele es als solches verstehen, es knallbunte Trading-Apps gibt die genau so gut ein Online-Casino darstellen können - frage dich selbst wem das was nutzt. Der Erwartungswert deiner Geschäfte muss positiv sein. Meinst du es gäbe auch nur ein Online-Casino wenn deren Erwartungswert nicht positiv wäre? In Sachen Spielsucht und deren pathologischen Muster habe ich bei weitem nicht die Erfahrung wie andere User hier, aber ich meine gerade bei Börsengeschäften den schmalen Grat ausfindig gemacht zu haben: es ist die Kontrollillusion. Wenn immer man denkt "das muss korrigieren", "das muss jetzt wieder steigen", "unterbewertet" / "überbewertet"... Löse dich davon, sonst kommst du auf keinen grünen Zweig.

Ich war als ich vor 2 Jahren meinen Beitrag hier verfasst hatte an einem Punkt an dem ich derart paralysiert über mein dämliches Tun war dass ich am liebsten alles hingeschmissen hätte und mir nie wieder einen Chart angeschaut hätte. Nur war ich beruflich dazu verdonnert im FX Hedging eines großen Konzerns weiterhin genau anzuschauen was da an den Märkten passiert. Wenn ich süchtig nach Alkohol, Online-Casinos oder Pornos bin und mir das den ganzen Tag reinziehe dann sieht auch ein Außenstehender dass der oder diejenige wohl ein Problem hat, wenn man den ganzen Tag Charts und Tabellen anschaut dann macht man ja was "seriöses" und kommt ggf als besonders fleißig rüber. Man kann sich aber genau so damit ruinieren, das ist Fakt. Letztendlich bin ich froh dass ich heute meinen Handel im Griff habe - was natürlich nicht heißt dass es auch weiterhin Drawdowns gibt.

Ich habe auch angefangen mit CFD - das kann man halt einfach auf dem Mobiltelefon benutzen und überall traden. Schlussendlich habe ich in den letzten 1.5 Jahren sicher 1/4 meines Vermögens verzockt (ca. 50'000 Euro). Und ich will nicht noch mehr verzocken. Ich bin getrieben davon, meinen Verlust wieder reinzuholen, weil ich eigentlich vielfach richtig gelegen bin in den letzten Wochen, aber immer durch ganz knappe Knockouts und SLs aus dem "Spiel" genommen wurde. Danach gings dann wieder in die von mir vorhergesagte Richtung und ich begann panikartig hinterher zu traden.
Provokative Frage dazu: wie viele Experten kennst du aus deiner Bank-Vergangenheit die mit CFDs oder Knockout-Zertifikaten handeln? Wie ist denn der Erwartungswert dabei (Stichworte Slippage, Spreads, Finanzierungskosten etc.)? Bei den CFD-Buden wird es dir sogar unter die Nase gerieben, weil die gesetzlich dazu verdonnert wurden es zu veröffentlichen. Nehmen wir mal einen beliebigen, großen Anbieter - auf deren Webseite steht:

"CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 74 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFDs funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren. Optionen und Turbozertifikate sind komplexe Finanzinstrumente und gehen mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren."

Aha, 74% verlieren also systematisch Geld damit. Diese Info an sich ist übrigens interessant wenn man dann noch schaut wie die Anleger im Schnitt positioniert sind ;-) Klar, auf Zigarettenpackungen sind auch schreckliche Bilder drauf und es gibt Raucher/innen. Und vermutlich müssen Online-Casinos nicht offenlegen welcher Prozentsatz der Spieler Geld verliert, ich tippe die Zahl wäre nicht 74% sondern eher 99%. CFDs wurden für Kleinanleger geschaffen um diese auszubeuten, der Vergleich mit OCs ist so abstrakt nicht.

Zitat
Auch las ich in Börenforen immer wieder Kommentare, wie sie dort fast alle super Gewinne gemacht haben etc.. Ich dachte mir: Du musst doch auch nachhaltig traden können etc..
Naja in den Börsenforen und bei Twitter liest man immer was über die super Gewinne. Die Verluste erwähnt man dort eher selten. Jeder Händler der nachhaltig profitabel handelt wird dir offen sagen dass man auch Verluste akzeptieren muss. Dass der Markt immer recht hat, nicht die eigene Meinung. Dass Disziplin das A und O ist und Emotionen fehl am Platze sind, das eigene Ego lieber leise sein sollte (PS: deswegen sind Frauen auch erfolgreicher in diesem Geschäft)

Zitat
Jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich überlege, nochmals mein Trading-Konto aufzufüllen und die vergangenen Verluste diszipliniert wieder zurück zu traden. Ich muss schon ein wenig Lachen während ich das schreibe...und warum ist mein Nickname FOMO? Das heisst Fear of missing out - und genau das Gefühl belastet mich sehr, ich habe Angst die besten Gelegenheiten zu verpassen....und der Griff zum Mobiltelefon ist ja ganz einfach....
Zurück traden kann man hier gar nix. Du kannst entweder frische Gewinne machen oder frische Verluste. Und bisher hast du unterm Strich mit deinem Vorgehen Verluste erzeugt. Warum sollte dieser Weg also irgendwie zielführend sein? Entweder du ziehst jetzt einen Schlussstrich, sagst der Börse Auf Nimmerwiedersehen oder du versuchst in einen profitablen Handel zu gelangen und dafür musst du nicht in dein Trading-Konto investieren sondern in dich selbst, in dein Mindset, deine Disziplin. Handelsprotokoll, vor jedem Trade Ziel und Stop festlegen. Vergiss die dämlichen Hochglanz-Videos mit irgendwelchen Lamborghinis, das ist alles Quatsch. Das ist harte Arbeit - die nicht immer fair bezahlt wird. Die berühmten 10.000 Stunden haben bei mir wohl gar nicht gereicht, es hat über zehn Jahre gedauert bis ich es meine einigermaßen verstanden zu haben .Und da sind wir dann in der wohl kapitalistischsten Maschinerie die es auf unserem Planeten gibt plötzlich ganz nah beim alten Marx, frei nach dem Motto nur mit Arbeit entsteht ein Wert.

Ich möchte Dir gerne eine Aufgabe stellen ... schaue einfach mal, wo Du stehst. Was hast Du bisher im Leben so erreicht? Woran hindert Dich nun die Angst etwas Großes zu verpassen?
Ha, geniale Frage. Die sollte man sich in der Tat immer wieder selbst stellen, danke dafür.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 27 Januar 2022, 18:31:17


Und? Hast Du zum Telefon gegriffen?

Ich möchte Dir gerne eine Aufgabe stellen ... schaue einfach mal, wo Du stehst. Was hast Du bisher im Leben so erreicht? Woran hindert Dich nun die Angst etwas Großes zu verpassen?
[/quote]

Hallo und herzlichen Dank für die sehr intelligente Frage.

Ich habe zum Mobiltelefon gegriffen ja, aber kein Geld mehr eingezahlt sondern nur die Kurse angeschaut. Das ist so eine Gewohnheit. Aber mir ist auch bewusst geworden, wie viel Freizeit ich in das "Hobby-Trading" investiert habe und es schockiert mich....

Zu deiner Frage: Sie beschäftigt mich und hat mir Trost gespendet. In den letzten Monaten habe ich viel  Freizeit verpasst mit sinnlosem Kurs beobachten und entscheiden, was ich jetzt tun sollte. Ich war getrieben von der Angst, etwas zu verpassen. Aber eigentlich habe ich im Leben einiges erreicht und bin grundsätzlich zufrieden. Die FOMO-Angst hindert mich, mein Leben zu leben so wie es mir guttun würde...
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 27 Januar 2022, 18:48:20
Hi!

Zitat
Aber eigentlich habe ich im Leben einiges erreicht und bin grundsätzlich zufrieden. Die FOMO-Angst hindert mich, mein Leben zu leben so wie es mir guttun würde...

Richtig! Die Angst hindert Dich zudem daran das Erreichte zu genießen!

Eigentlich fand ich gerade meine Frage danach, ob Du zum Telefon gegriffen hast, zu provokant. Aber eigentlich passt sie ...
Wozu schaust Du Dir die Kurse an? Du sprichst von Gewohnheit ... aber eigentlich ist das schon mehr ... nicht wahr?

Beim Glücksspiel reden wir durchaus von einer Gewöhnungsphase, die erst in eine problematische, dann in eine pathologische Phase übergeht. Die Grenzen sind bei jedem verschieden positioniert.
Die Gewöhnungsphase beinhaltet aber bereits das immer weiter steigernde Problem, dass das Glücksspiel im Alltäglichen immer mehr Raum einnimmt und den Alltag schließlich beherrscht. Aus einem Interesse wird ein Bedürfnis und dann ein unbändiges Verlangen.
Wenn Du spielfrei werden möchtest, dann ist es empfehlenswert, wenn Du Dich auch vom Traden und allem damit Verbundenem fern hälst.
Vielleicht ändern wir die Frage einfach mal ab? Wenn Du das nächste Mal nach dem Telefon greifst, um nach den Kursen zu sehen, dann frage Dich einfach: Warum gerade jetzt?
Es gibt nämlich immer einen Auslöser.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 27 Januar 2022, 19:12:19
Hallo Blow Up

Herzlichen Dank für deinen Beitrag.
Als ich deine Geschichte gelesen habe, hat mir das auch Trost gespendet...es ist schön, wenn man nicht alleine ist.

In der Tat bin ich mir bewusst, dass seriöses Trading viel Arbeit und Disziplin etc. bedeutet - ich denke eigentlich, dass ich gut weiss, wie man damit nachhaltig Geld verdienen könnte. Aber es ist harte Arbeit und benötigt viel Zeit. Ich wollte neben der Arbeit im Homeoffice mit halbpatzigen Strategien traden und ich wusste eigentlich von Vornherein, dass das nur mit Glück funktionieren würde. Und das mit den CFDs wollte ich einfach mal ausprobieren und hab insgesamt 20'000 Euro damit verzockt. Die anderen 30'000 aber leider mit Optionen und anderen Derivaten, dort habe ich dann die grösseren Trades gemacht. Und du hast natürlich völlig recht, ich habe mich informiert, bevor ich das CFD-Konto eröffnet habe und viel gelesen und recherchiert. Trotzdem dachte ich: ich bin sicher schlauer als die anderen...CFD ist schon eher eine Abzocke, ich bin mir sicher, dass der Broker teilweise die SLs holt und die Kurse ein wenig mehr ausschlagen lässt, als diese es an der Börse in Wirklichkeit tun. Auch würde es mich interessieren, ob die Charts auf der Handelsplattform alle identisch sind oder für jeden Kunde ein wenig anders aussehen (je nachdem wo ihr SL gelegen hat).

Ich könnte mir durchaus vorstellen, seriöses Trading zu betreiben, aber dafür müsste man ja eigentlich den ganzen Tag dafür opfern und eiserne Disziplin haben. Da bin ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt der Typ dazu bin. Ich kenne mich zwar in Finanz-Angelegenheiten sehr gut aus mit der Funktionsweise von Börse und Anlageinstrumenten, aber bin wohl emotional zu wenig stark, um roboterhaft mit klaren Stopps und Limits zu traden - denn das ist nötig um erfolgreich zu sein.
Ev. werde ich es mal versuchen, aber momentan sollte ich meine privaten Angelegenheiten in den Griff bekommen und während der Arbeit nicht zu abgelenkt sein und alle 10 Minuten auf die Kurse zu schauen.

Auch war ich irgendwie zu faul, mir eine vernünftige Strategie zu erarbeiten und die Charts sauber zu analysieren und die wichtigen Unterstützungsmarken etc. einzuhalten und zu traden. Stattdessen find ich an, aus dem Bauch heraus zu handeln und das kommt an der Börse eben meistens nicht gut. Und ich hatte am Schluss komplett die Geduld verloren und wollte meine Verluste so schnell wie möglich mit hohem Risiko zurück holen....nur schon wenn ich das schreibe tönt es bescheuert, weil ich genau weiss, dass das gar nicht funktionieren kann....

es ist die Kontrollillusion. Wenn immer man denkt "das muss korrigieren", "das muss jetzt wieder steigen", "unterbewertet" / "überbewertet"... Löse dich davon, sonst kommst du auf keinen grünen Zweig.

Absolut korrekt - da muss ich dir zu 100% recht geben. Das wollte mir nicht in den Kopf, ich dachte immer wieder: zuerst hole ich meinen Verlust wieder rein und danach fange ich an, seriös zu traden mit Konzept und Excel-Listen etc.. Das ist natürlich total unrealistisch :-).

Zurück traden kann man hier gar nix. Du kannst entweder frische Gewinne machen oder frische Verluste. Und bisher hast du unterm Strich mit deinem Vorgehen Verluste erzeugt. Warum sollte dieser Weg also irgendwie zielführend sein? Entweder du ziehst jetzt einen Schlussstrich, sagst der Börse Auf Nimmerwiedersehen oder du versuchst in einen profitablen Handel zu gelangen...

Auch hier, absolut korrekt formuliert und ich glaube für mich zu wissen, dass es momentan besser ist, vorübergehend einen Schlussstrich zu ziehen. Denn ich habe zurzeit Dinge im Leben, die wichtiger sind als Börse gucken und nervös am Abend auf dem Mobiltelefon herumzudrücken....und der angerichtete Schaden ist zwar schmerzhaft, aber verkraftbar aus finanzieller Sicht. Und dafür bin ich dankbar. Ich habe einfach Mühe zu akzeptieren, dass ich das verlorene Geld definitiv abschreiben muss....und es nervt mich immer wieder, dass ich solche Verluste erlitten habe, obwohl ich eigentlich ein ziemlicher Fachmann wäre, denn ich habe wirklich viel Know-How. Aber ich hatte die Grundregeln welche in jedem Trading-Buch stehen leider nur am Anfang eingehalten und danach mehr und mehr nicht mehr ernst genommen (zu hohe Einsätze etc.). Ich muss einfach eingestehen, dass ich entweder nicht geeignet bin fürs Trden oder zu ungeduldig....

Und ja, diese Börsenforen (z.B. auf investing.com) sind eigentlich auch nicht förderlich, denn es werden fast nur immer die Gewinne mitgeteilt und man lässt sich schnell mitreissen von irgendwelchen Marktschreiern....

Gratuliere, dass du dein Handeln im Griff hast - aber kannst du denn deine Arbeit und das Trading so verbinden, dass du für beides genügend Zeit hast? [/quote][/quote]

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 27 Januar 2022, 21:27:00
[...]vorübergehend einen Schlussstrich zu ziehen[...]

Gute Entscheidung! Alles andere würde nur noch mehr Schaden anrichten. Und selbst wenn du es nach ausreichender Pause nochmal probieren solltest: eines der Hauptargument dagegen hast du selbst aus meiner Sicht schon genannt: es ist kein leicht verdientes Geld, kostet unglaublich viel Zeit und viele, viele Nerven. Überleg einfach mal, wie gut es dir momentan geht, wie sehr du (wahrscheinlich) gerade das Leben genießen kannst.

Und frag dich: was wolltest du dir von den Tradinggewinnen kaufen? Ich habe für mich festgestellt, dass ich viel weniger im Leben brauche, um glücklich zu sein. Muss man Freunde und Nachbarn wirklich immer beeindrucken wollen? Es gibt jede Menge guter Bücher zum Glücklichsein, Achtsamkeit etc..

Die Gedanken "eigentlich kenne ich mich sehr gut aus", "Börse muss kein Glücksspiel sein, wenn man es professioniell betreibt", "ich habe so viel Erfahung und habe gefühlt unendlich viele Stunden investiert, soll ich das einfach alles aufgeben?", waren für mich übrigens der Punkt, an dem ich am meisten zu knabbern hatte. Meine ambulante Therapie und vor allem die Gruppendiskussionen (schonungsloses Feedback der anderen Teilnehmer), haben hierbei letztlich den Ausschlag zur Abstinenz gegeben.

Insgesamt eine sehr gute Diskussion von euch. In vielen der inneren Kämpfe, die ihr beschreibt, finde - oder besser: fand :)) - ich mich selbst wieder.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 28 Januar 2022, 00:26:15
Hallo Blow Up

Herzlichen Dank für deinen Beitrag.
Als ich deine Geschichte gelesen habe, hat mir das auch Trost gespendet...es ist schön, wenn man nicht alleine ist.

Freut mich sehr dass ich etwas beitragen konnte, man hat ja die Weisheit nicht gepachtet aber in diesem Feld durfte ich einiges an Erfahrung sammeln :-) Alleine dass du wie ich damals hier her gefunden hast zeigt doch dass du die notwendige Einstiegshürde an Selbstreflexion mitbringst. Der Blick auf das knallgelbe Banner "Glückspielsucht" erdet einen, auch wenn die Trading- bzw. Börsen-Beiträge hier ein wenig deplatziert wirken. Nichtsdestotrotz werden sie geduldet und ich denke die Dichte an Erfahrungsträgern mit Suchtproblemen und Psychologen ist hier höher als wenn man die Diskussion in einem Trading-Forum starten würde. Ich behaupte dass sehr viele an diesem Punkt stehen an dem sich du gerade befindest oder vor geraumer Zeit auch margin_call und ich. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein, trotzdem würde es wahrscheinlich wenig bringen die Diskussion in einschlägigen Trading Boards zu starten. Hinter den Retail Produkten wie CFDs, Knockouts etc. steht letztendlich auch da eine Industrie dahinter die genährt werden möchte; im Endeffekt würde es in die selbe Richtung gehen wie wenn du versuchen würdest auf dem Schützenfest die Gefahren von Alkohol oder in der Spielothek die Problematik der Spielsucht zu erörtern. Gerade hat der Aktienmarkt wieder einen leichten Schluckauf, die Zahl der Besorgten dürfte sich in nächster Zeit wohl erhöhen

Und du hast natürlich völlig recht, ich habe mich informiert, bevor ich das CFD-Konto eröffnet habe und viel gelesen und recherchiert. Trotzdem dachte ich: ich bin sicher schlauer als die anderen...CFD ist schon eher eine Abzocke, ich bin mir sicher, dass der Broker teilweise die SLs holt und die Kurse ein wenig mehr ausschlagen lässt, als diese es an der Börse in Wirklichkeit tun. Auch würde es mich interessieren, ob die Charts auf der Handelsplattform alle identisch sind oder für jeden Kunde ein wenig anders aussehen (je nachdem wo ihr SL gelegen hat).
Es gibt auch da genügend schwarze Schafe, sicherlich. Am fairsten ist immer der echte Markt, sprich die Underlyings direkt oder eben die börsengehandelten Derivate (Futures, Optionen). Am Ende des Tages wird man immer dazu verleitet durch den Hebel zu hohe Positionsgrößen zu fahren und dann ist es statistisch nur eine Frage der Zeit bis es schief geht. Viele Hobbytrader machen dann den Fehler und skalieren im Verlust (an alle mitlesenden Nicht-Trader: das ist nichts anderes als die Martingale Strategie) oder handeln schlicht gegen den Trend. Oder ignorieren Marktevents. Oder handeln ohne Stops (nennen es dann "mentale Stops" die bei Bedarf weggezogen oder gelöscht werden). Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Und das sind alles Fehler die man auch nach 15 Jahren Erfahrung noch ab und zu macht, Fehler sind menschlich und man kann nicht permanent zu 100% fokussiert sein

Ich könnte mir durchaus vorstellen, seriöses Trading zu betreiben, aber dafür müsste man ja eigentlich den ganzen Tag dafür opfern und eiserne Disziplin haben. Da bin ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt der Typ dazu bin. Ich kenne mich zwar in Finanz-Angelegenheiten sehr gut aus mit der Funktionsweise von Börse und Anlageinstrumenten, aber bin wohl emotional zu wenig stark, um roboterhaft mit klaren Stopps und Limits zu traden - denn das ist nötig um erfolgreich zu sein.
Ev. werde ich es mal versuchen, aber momentan sollte ich meine privaten Angelegenheiten in den Griff bekommen und während der Arbeit nicht zu abgelenkt sein und alle 10 Minuten auf die Kurse zu schauen.

Auch war ich irgendwie zu faul, mir eine vernünftige Strategie zu erarbeiten und die Charts sauber zu analysieren und die wichtigen Unterstützungsmarken etc. einzuhalten und zu traden. Stattdessen find ich an, aus dem Bauch heraus zu handeln und das kommt an der Börse eben meistens nicht gut. Und ich hatte am Schluss komplett die Geduld verloren und wollte meine Verluste so schnell wie möglich mit hohem Risiko zurück holen....nur schon wenn ich das schreibe tönt es bescheuert, weil ich genau weiss, dass das gar nicht funktionieren kann....

es ist die Kontrollillusion. Wenn immer man denkt "das muss korrigieren", "das muss jetzt wieder steigen", "unterbewertet" / "überbewertet"... Löse dich davon, sonst kommst du auf keinen grünen Zweig.

Absolut korrekt - da muss ich dir zu 100% recht geben. Das wollte mir nicht in den Kopf, ich dachte immer wieder: zuerst hole ich meinen Verlust wieder rein und danach fange ich an, seriös zu traden mit Konzept und Excel-Listen etc.. Das ist natürlich total unrealistisch :-).

Glaub mir ich kenne diese Gedankengänge wirklich gut. Man schaut auf sein überfrachtetes Depot das im Minus ist und denkt sich jetzt eine Marktkonsolidierung dann bin ich raus aus diesem Schlamassel. Weil es nie schadet es sich selbst ins Gedächtnis zu rufen will ich nochmal kurz auf meine Handelsposition von vor 2 Jahren eingehen (mittlerweile kann ich darüber echt schmunzeln). Genau wie du hab ich der Hausse am Aktienmarkt nichts mehr abgewinnen können und dachte das Top muss jetzt erreicht sein. Diese Meinung hatte ich über 2 Jahre lang (warum sind Privatanleger eigentlich immer so negativ?!). Bis auf ein paar Dividendenwerte war ich mit Mann und Maus short über S&P Futures mit irgendwelchen wilden Optionskonstrukten drumherum. Dann kam der Covid Crash, der breite Markt crashte um -20%. Mein Depot hat dementsprechend zugelegt, über 90 Tsd Euro in wenigen Tagen (von ca. 130 auf 220 Tsd). Ein rationaler Trader wäre nie mit so einer Allokation unterwegs gewesen aber wenn aus irgendwelchen Gründen doch hätte er spästens zu diesem Zeitpunkt gesagt "Was kann mir bitte besseres passieren?" und hätte alle Positionen glatt gestellt. Habe ich aber nicht. Aus welchen Gründen auch immer hatte ich im Eifer des Gefechts entschieden dass der Einbruch übertrieben ist, dass der VIX Höhen erreicht hat welche die Finanzkrise in 2008 in den Schatten stellten. Also habe ich alle Absicherungen (die Futures) geschlossen und bin long gegangen und weil ich mir so sicher war habe ich gleich noch auf eine fallende Volatilität im VIX gewettet. Der kleine Teufel auf meiner Schulter hat gesagt eine Viertel Mio ist zwar toll aber eine halbe wäre noch viel besser.
Es war dann eine Sache von wenigen Tagen, der Markt brach weiter ein, ich bin ich Schockstarre verfallen und wollte es nicht einsehen dass ich komplett falsch lag. Wollte das aussitzen. Der Margin Desk meines Brokers hat sich dann um mein Depot gekümmert da ich die geforderten Sicherheiten längst nicht mehr stellen konnte (Margin Call ist mehrfach erfolgt wenn auch nur elektronisch und nicht wie früher mal telefonisch. Die wären auch komplett überlastet gewesen in der Phase). Aus der erhofften halben Million waren dann noch rund 5000€ übrig, also ziemlich genau 1% :-) Ich hatte mich erst im Nachgang mit den Regularien der Futures auseinandergesetzt (also diese 90-seitigen englischen Dokumente die man einfach als genehmigt weg geklickt hat), rückblickend bin ich meinem Broker sehr dankbar für deren professionelles Vorgehen weil sie mich da auch noch viel schlimmer hätten rausholen können. Dann wären auch noch Nachschussforderungen im Raum gestanden die ich zu der Zeit nicht hätte aufbringen können.
Zur selben Zeit hatten mich Kollegen und Kumpels angerufen oder bei Whatsapp geschrieben und mir gratuliert weil sie wussten dass ich immer davon geredet habe dass ich den Markt shorten werde. Beim Abendbrot lief die Tagesschau und die Panik an den Börsen wurde thematisiert, meine Frau hat mich voller Vorfreude gefragt wieviel Geld ich denn jetzt verdient hätte. Die Antwort die mich geschockt hatte, hatte sie dann auch geschockt ;-) Damals kam ich mir wie der dümmste, ärmste und auch unglücklichste Tropf der Welt vor. War natürlich auch in der damaligen Situation eine schwachsinnige Denke wenn man überlegt wie privilegiert wir in unserem Land leben ggü. vielen anderen.
Irgendwann war das Selbstmitleid vorbei, ich hab mich wieder aufgerappelt - alles hinterfragt, alles geändert. Regeln festgelegt. Rückblickend war diese Erfahrung für mein Trading die beste überhaupt. Die Medizin war sehr bitter aber der Patient hat sie dringend benötigt. Finanziell geht es mir und meiner jungen Familie heute auch besser als zuvor.

Übrigens, kurzer Exkurs: ich meinte dass wohl die Kontrollillusion der Fahrschein in Richtung Spielsucht ist. Dieses Muster das du beschrieben hast und dem auch ich unterlegen bin (nur noch ein Gewinner Trade und ich bringe das alles in geordnete Bahnen), das ist auch ein markantes Merkmal das etwas aus den Fugen geraten ist. Das könnte man sogar 1:1 mit einem Casino vergleichen: einmal den Jackpot abräumen, dann spiele ich nicht mehr. Die meisten gewinnen den nie. Und die wenigen die es schaffen verzocken die Kohle dann wieder. Lies meine Zeilen von oben, ich hatte einen Jackpot in den "dunklen" Tagen. Und wurde dann gierig und hab alles verzockt.

Zurück traden kann man hier gar nix. Du kannst entweder frische Gewinne machen oder frische Verluste. Und bisher hast du unterm Strich mit deinem Vorgehen Verluste erzeugt. Warum sollte dieser Weg also irgendwie zielführend sein? Entweder du ziehst jetzt einen Schlussstrich, sagst der Börse Auf Nimmerwiedersehen oder du versuchst in einen profitablen Handel zu gelangen...

Ich habe einfach Mühe zu akzeptieren, dass ich das verlorene Geld definitiv abschreiben muss....und es nervt mich immer wieder, dass ich solche Verluste erlitten habe, obwohl ich eigentlich ein ziemlicher Fachmann wäre, denn ich habe wirklich viel Know-How. Aber ich hatte die Grundregeln welche in jedem Trading-Buch stehen leider nur am Anfang eingehalten und danach mehr und mehr nicht mehr ernst genommen (zu hohe Einsätze etc.). Ich muss einfach eingestehen, dass ich entweder nicht geeignet bin fürs Trden oder zu ungeduldig....

Unabhängig von dieser Entscheidung die dir niemand abnehmen kann und sollte, ich empfehle dir dringend eine Auszeit von dem gesamten Thema zu nehmen. Mache es plakativ, kündige deiner CFD Bude und hole dir das verbliebene Geld auf dein Girokonto. Wenn du einen Neuanfang beschließt: nimm dir die Zeit eine Strategie zu formulieren die zu dir passt. Suche einen seriösen Broker. Kleine Positionsgrößen (um nicht das Wort Einsätze zu wiederholen, denn wenn du es dann richtig machst wettest du nicht mehr). Ich respektiere die Meinung von margin_call dass eine komplette Abstinenz ein guter und vielleicht der richtige Weg für dich sein kann. Als kleinen Einwand möchte ich anfügen dass nur du dich wirklich um dein Geld kümmern kannst, ohne Sparen steht man im Alter arm da und wenn man die Rendite den Banken überlässt.. du weißt als Bankberater selbst wie "fürsorglich" die mit deinem hart Ersparten umgehen. Die Aktienkultur sollte im deutschsprachigen Raum gestärkt werden, stattdessen wird das Thema stigmatisiert und man erlaubt Produkte wie CFDs und Hebelzertifikate. Das sind Produkte die übrigens in den USA verboten sind -aus gutem Grund wie ich finde weil man viel zu schnell zur Spekulation verleitet wird. Aber jetzt genug geschimpft!

Gratuliere, dass du dein Handeln im Griff hast - aber kannst du denn deine Arbeit und das Trading so verbinden, dass du für beides genügend Zeit hast?
Klappt mittlerweile gut, ich fokussiere mich auf den amerikanischen Markt und handle überwiegend Stillhaltergeschäfte mit klar definierten Regeln. Da braucht es am Abend ne Stunde Zeit wenn der Junior im Bett ist, mehr nicht. Natürlich schaue ich mir tagsüber auch die Märkte an, passenderweise ist mein Job da nah dran. Und alles was viel Aufwand oder Stress und Nervenkitzel verursacht lasse ich konsequent weg - schließlich soll einem der Markt zu mehr Freiheit sprich weniger Arbeit verhelfen und man sollte sich nicht abhängig davon machen. Vor allem letzteres, im wahrsten Sinne des Wortes :-)
Letztes Jahr war der Gegenentwurf zu 2020: ich habe eine gute Ernte eingefahren und die Erträge lagen gleichauf mit den Einkünften aus meinem Job. Trotzdem denke ich zumindest heute gar nicht daran den Job an den Nagel zu hängen - Trading in Vollzeit würde mir wahrscheinlich auch wieder Trades gegen die Langeweile bescheren - ihr wisst was dann passiert.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 28 Januar 2022, 01:08:13
Hallo ihr zwei ,

Ihr fachsimpelt hier so begeistert übers traden,die Börse, gebt auch noch Tipps ,wo und was und wie am meisten Kohle bringt, was eingenommen wurde......aber euch ist schon noch bewusst,dass das hier ein Spielsuchtforum ist,wo Spieler Hilfe suchen, um aufzuhören??! Ist nicht unbedingt so förderlich für andere,sowas triggert. Vielleicht schreibt ihr euch dann lieber per PN weiter......

LG Wolke




Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 28 Januar 2022, 12:29:00
Hallo Margin Call, danke für dein Feedabck! Diese Diskussionen tuen mir echt gut und helfen mir weiter.

Die Gedanken "eigentlich kenne ich mich sehr gut aus", "Börse muss kein Glücksspiel sein, wenn man es professioniell betreibt", "ich habe so viel Erfahung und habe gefühlt unendlich viele Stunden investiert, soll ich das einfach alles aufgeben?", waren für mich übrigens der Punkt, an dem ich am meisten zu knabbern hatte. Meine ambulante Therapie und vor allem die Gruppendiskussionen (schonungsloses Feedback der anderen Teilnehmer), haben hierbei letztlich den Ausschlag zur Abstinenz gegeben.

Ja daran habe ich zu beissen und ev. muss ich mir eingestehen, dass ich zwar Erfahrung habe, aber ev. kein Talent dazu :-). Nichts desto trotz, ich sollte auf jeden Fall momentan eine längere Pause einlegen...da hast du völlig recht...denn ich möchte nicht noch mehr Schaden anrichten. Auch die ganze Zeit die man investiert und nervös auf dem Handy nachschaut ist eigentlich total für die Katz...
Auch gibt es eigentlich auch nichts Materielles, was mir zurzeit fehlt....ich wollte einfach das Geld vermehren und ja, es geht schlussendlich auch um vorübergehende Langeweile oder ein Flüchten vor etwas, sich dann aus diesem Grund mit Trading abzulenken.

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 28 Januar 2022, 13:00:00

Hallo Blow Up
Danke für dein ehrliches Feedback und die anregenden Gedanken. Um dem Forum gerecht zu werden (Input von Wolke7) , gehe ich jetzt nicht noch auf die einzelnen Produkte und Strategien ein, teile aber deine Meinung zu 100%. Wenn, dann direkt am Markt, statt über zwielichtige Broker etc.. Und sorry Wolke 7, es tut manchmal gut sich ein wenig detaillierter auszutauschen, damit man die Gedanken der einzelnen Leute nachvollziehen kann.
Übrigens habe ich auch schon in einem Börsenforum versucht, eine Diskussion über Verluste und FOMO-Angst zu starten, die ging aber dann schnell unter oder wurde nicht ernst genommen, auch wenn ich überzeugt bin, dass extrem viele gerne darüber reden wollen, sich aber schämen, weil sie glauben, dass die anderen alles besser gemacht hätten....

Zur selben Zeit hatten mich Kollegen und Kumpels angerufen oder bei Whatsapp geschrieben und mir gratuliert weil sie wussten dass ich immer davon geredet habe dass ich den Markt shorten werde.

Danke für diese Erklärung. Bei mir was es ziemlich ähnlich und auch hier tut es gut mal zu Lesen, dass sich einige Leute die gleichen Gedanken gemacht haben :-). Der Corona-Crash war ja mein Einfallstor für das Ganze nach einem guten Short-Gewinn. Im letzten Jahr habe ich dann auch immer wieder geshortet und den VIX gelongt (und auch ein paar Leuten erzählt, dass ich skeptisch bin und fast immer short) und wurde das letzte Mal im November fast exakt beim Allzeithoch des Nasdaq ausgestoppt. Danach dachte ich mir: Ich warte ab bis im März 2022, dann versuche ich es noch einmal. Nun habe ich den aktuellen Börsentaucher verpasst (und jetzt erhalte ich auch Gratulationen dass ich jetzt den Gewinn einfahren könne und muss dann mit "leider nein" antworten, was mir natürlich peinlich ist) und neulich stattdessen auf einen kurzfristigen Rebound gewettet mit zu hoher Positionsgrösse, welche dann durch den SL komplett rasiert wurde. Ich habe also die Geduld verloren und alle Grundsätze über Bord geworfen. Ich denke, das ist jetzt meine bittere Medizin und ich muss endlich einsehen, dass es das Beste ist, jetzt eine längere Pause zu machen oder einfach damit aufzuhören. Und ja, "nur noch ein Trade welcher gelingt" ist auch wirklich der Fahrschein in den Abgrund....besser man hört sofort auf. Ich habe mir auch mal überlegt, was denn gewesen wäre, wenn ich meinen Verlust zurück-getradet hätte? Ich glaube, ich hätte einfach weitergemacht und wäre irgendwann wieder am gleichen Punkt gelandet....und ja, das Traden in der Langeweile ist ein grosses Problem und sicher 1:1 mit Casino vergleichbar - ich habe jetzt einfach Lust zu traden - wo könnte ich einsteigen?

Auf jeden Fall danke für deine detaillierten Erklärungen und das Aufschreiben deiner Gedankengänge - ich habe mich darin selbst wieder erkannt. Und der kleine Teufel auf meiner Schulter...ich lasse ihn jetzt hoffentlich herunterfallen, damit er mir nicht wieder etwas ins Ohr flüstern kann....

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 28 Januar 2022, 13:17:40
Zitat
ich habe jetzt einfach Lust zu traden - wo könnte ich einsteigen?

Hi!

Woher kommt das bloss? :)

Selbst wenn Du Vieles von Dir weist, so hast Du Dich doch in Rage geredet - oder? Du denkst, dass es gut tut mit jemandem zu reden, der sich auch auskennt? Nun, nicht wenn es um die direkte Suchtausübung geht! Dann passiert das, was hier eben passiert ist ... das craving beginnt ... der Suchtdruck ... das Verlangen ...

Die Glücksspielsucht hat immer etwas mit Gefühlsregulation zu tun. Jeder glaubt Euch, dass ihr das Wissen habt Millionen über Millionen beim Traden zu verdienen. Das Wissen alleine macht es aber nicht aus. Wenn es nur darum ginge, dann wäret Ihr nicht hier, sondern in dem von Dir angesprochen Forum.
Will da wirklich jemand etwas über Eure Emotionen wissen? Über Kontrollverluste? Über vielleicht sogar existenzielle Ängste?

Wenn ein Automatenspieler sich bei GJ im Forum outet als spielsüchtig ... wie oft wird ihm dann von den Spielsüchtigen Unverständnis entgegen gebracht? Hieße es doch sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen!

Ich denke übrigens jetzt auch, dass genug über die Suchtausübung gesprochen wurde.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Balduin am 28 Januar 2022, 13:56:54
Ich denke, dass die Suche nach Kontrolle und die Illusion diese erlangen zu können ein wesentlicher Gedankengang ist, der uns daran hindert, das selbstzerstörische Zocken mit allen Mitteln zum Stoppen zu bringen.

Dabei kann es dahingestellt sein, ob es Menschen gibt, die mit traden/pokern/automatenspielen dauerhaft Geld verdienen (können) oder nicht.
Wir haben bewiesen: Wir können es nicht. Deshalb sind wir hier. Das ist die Erkenntnis, die uns weiterbringt. Was aber nun, wenn ein Teil in uns sagt, dass es uns ja doch vielleicht möglich ist?

Dann können wir entscheiden, es wieder mit anderen Strategieen zu probieren. Erneut unser Geld riskieren.

Einer der der häufigen Sätze, den viele die neu hier sind denken oder schreiben: Ich bin anders.... online casinos haben mich nie interessiert.....mit Kryptos hatte ich nie Problem.....hätte ich diszipliniert gepokert, wäre alles anders gekommen.....hätte mich das Casino nicht um mein Geld betrogen, hätte ich nicht weitergemacht.... wenn ich keine Geldprobleme hätte, hätte ich nie gespielt...... ich habe ja keine Schulden gemacht, sondern nur eigenes Geld verspielt.....

Das sind alles Vorbereitungsgedanken auf die nächsten Geldeinsätze. Unser SuchtIch kann und will sich nicht mit der Abstinenz anfreunden und diskutiert mit uns.

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 28 Januar 2022, 14:12:34
Hey,

man kann sich halt schnell in Rage reden und fröhlich austauschen, wenn es um spezielle Gewinntechniken geht. Hatten wir in der SHG auch mal,als jemand fragte ,was denn dieser Knopf bei dem und den Spiel für ne Funktion hat und wie man das nächste Level erreichen kann.  Plötzlich sprachen alle begeistert von ihren Erfahrungen und erklärtem demjenigen alles dazu.....diese Euphorie musste dann unterbrochen werden, denn alle sprachen liebevoll und glücklich von dem Automaten.

In Gedanken macht der Automat rückwirkend  wieder glücklich und durch solche Gespräche feuert man diese Gedanken wieder an und holt das positive Gefühl zurück und das sollten wir alle vermeiden.

Ja  ,mir tat der Automat erst gut,aber dann war es die Hölle. Die Hölle vergisst man schnell,das gute Gefühl nicht. Deswegen bin ich zumindest, ein Leben lang anfällig dafür und muss auf mich aufpassen. 

LG Wolke
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 28 Januar 2022, 19:10:04
Ui, gute Diskussion hier  :) Ich versuche mal darauf einzugehen in der Hoffnung dass ich nicht vergesse auf Argumente zu antworten die von euch in der Zwischenzeit gepostet wurden

Ihr fachsimpelt hier so begeistert übers traden,die Börse, gebt auch noch Tipps ,wo und was und wie am meisten Kohle bringt, was eingenommen wurde......aber euch ist schon noch bewusst,dass das hier ein Spielsuchtforum ist,wo Spieler Hilfe suchen, um aufzuhören??! Ist nicht unbedingt so förderlich für andere,sowas triggert. Vielleicht schreibt ihr euch dann lieber per PN weiter......
Ich denke übrigens jetzt auch, dass genug über die Suchtausübung gesprochen wurde.
Übrigens habe ich auch schon in einem Börsenforum versucht, eine Diskussion über Verluste und FOMO-Angst zu starten, die ging aber dann schnell unter oder wurde nicht ernst genommen, auch wenn ich überzeugt bin, dass extrem viele gerne darüber reden wollen, sich aber schämen, weil sie glauben, dass die anderen alles besser gemacht hätten....

Die Einwände leuchten natürlich ein. Ich meine zwar dass die bisher beschriebenen Erfahrungen mehr abschreckend als begeisterungsfähig sind aber wir sollten beim Thema bleiben. Daher würde ich es gut finden wenn wir die Thematik Trading und Suchtgefahr öffentlich hier stehen lassen können, irgendwelche Details welche Instrumente, welche Märkte etc spielen aber keine Rolle. Guter Vorschlag solche Details über PN zu besprechen dann wird es auch nicht so unübersichtlich bzw. konfus. Und beim Thema Details, mir hat z.B. der Begriff Craving noch nichts gesagt - danke für die Erläuterung. Das wäre natürlich extrem ungünstig wenn durch das Lesen der Beiträge dieses Gefühl hochkommt!

Einer der der häufigen Sätze, den viele die neu hier sind denken oder schreiben: Ich bin anders.... online casinos haben mich nie interessiert.....mit Kryptos hatte ich nie Problem.....hätte ich diszipliniert gepokert, wäre alles anders gekommen.....hätte mich das Casino nicht um mein Geld betrogen, hätte ich nicht weitergemacht.... wenn ich keine Geldprobleme hätte, hätte ich nie gespielt...... ich habe ja keine Schulden gemacht, sondern nur eigenes Geld verspielt.....

Das sind alles Vorbereitungsgedanken auf die nächsten Geldeinsätze. Unser SuchtIch kann und will sich nicht mit der Abstinenz anfreunden und diskutiert mit uns.
Nun ja, ich muss gestehen ich befinde mich da gedanklich auch schnell in einer Einbahnstraße. Natürlich gefällt mir die Vorstellung dass ich nah dran war ein Spielproblem zu haben aber dann die Kurve bekommen hab. Vielleicht hat mich aber mein ggf. vorhandenes Sucht-Ich auch erfolgreich überredet und das Problem ist nicht behoben sondern nur vertagt. Grund genug hier immer wieder sporadisch vorbei zu schauen und das eigene Tun regelmäßig zu hinterfragen (das sollte man übrigens in vielen Lebensbereichen meiner Meinung nach)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 28 Januar 2022, 20:15:38
Hallo Blow up,

Zitat
Natürlich gefällt mir die Vorstellung dass ich nah dran war ein Spielproblem zu haben aber dann die Kurve bekommen hab.

Widersprechen sich die folgenden Zitate nicht ein wenig von dem ,was da jetzt schreibst? Unterschätzt du das Problem,deine Sucht?



Zitat
Wobei Begeisterung wirklich untertrieben ist, ich handel exzessiv am Finanzmarkt. Alleine in den letzten drei Jahren waren es mehrere Tausend Transaktionen. Ich habe mindestens 150 Bücher gelesen, nebenbei schon zwei Seminare gegeben, mich mit dem schrägsten Kram beschäftigt



Und so kam es dass ich in wenigen Wochen rund 100.000€ verzockt habe.

Ich bin völlig schockiert dass mir das passiert ist und obwohl ich mir die vergangenen Jahre nie in mein „Hobby“ reinreden hab lassen kam mir jetzt nach ein paar Tagen Abstand der zugegeben naheliegende Gedanke dass ich einer massiven Kontrollillusion unterlegen bin. Dass es mittlerweile (oder schon sehr lange?) pathologisch ist.

Obwohl sich an meinem täglichen Leben durch den Vorfall nichts geändert hat, schlafe ich schlecht und mache mir selbst Vorwürfe.

Du hast (noch ) keine Schulden und du hast beruflich mit Trading zu tun......du beschreibst dich als Alkoholiker hinterm Tresen......in der SHG gab es auch jemanden, der zuerst als Spielsaufsicht in einer Spielhalle gearbeitet hat,bevor er süchtig wurde.  Er hat dort gekündigt. Würdest du kündigen, wenn du jetzt weiter privat traden würdest und Schulden machst? Denkst du,du kannst das trennen? Ich fürchte nicht.

Ich höre aus deinen Worten heraus ,dass dein Beruf dein Hobby ist oder umgekehrt und du es etwas auf die leichte Schulter nimmst.......die Geldmenge,die Zeit das Lernen ,das Geld zurückgewinnen wollen,alles spricht für übertriebenes Handeln,also für eine Sucht.
Ich habe den Automaten und andere Spieler und deren Technik auch studiert,Sachen ausprobiert, Tipps auf YT angesehen......
Ich weiß auch nicht,ob deine Frau so genau über Spielsucht /Tradingsucht bescheid weiß, sich der Problematik bewusst ist......sonst würde sie dir keine 5 stellige Summe für eine langfristige Anlage geben.

Pass auf dich auf,achte auf dich,dein Verhalten, vielleicht sprichst du aber auch mal mit einer Suchtberatung.

Lies dir trotzdem nochmal deine Zitate durch und geh mal in dich ,was du dabei fühlst. 

LG Wolke
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 29 Januar 2022, 00:12:00
Widersprechen sich die folgenden Zitate nicht ein wenig von dem ,was da jetzt schreibst? Unterschätzt du das Problem,deine Sucht?
Hi Wolke, danke dass du mir mit dem Zitat meiner eigenen Worte sozusagen den Blick in den Spiegel zeigst, ich kann mich noch gut daran erinnern als ich diese Zeilen schrieb. War wie bereits erwähnt keine leichte Zeit aber eine lehrreiche Erfahrung.

Du hast (noch ) keine Schulden und du hast beruflich mit Trading zu tun......du beschreibst dich als Alkoholiker hinterm Tresen......in der SHG gab es auch jemanden, der zuerst als Spielsaufsicht in einer Spielhalle gearbeitet hat,bevor er süchtig wurde.  Er hat dort gekündigt. Würdest du kündigen, wenn du jetzt weiter privat traden würdest und Schulden machst? Denkst du,du kannst das trennen? Ich fürchte nicht.

Ich höre aus deinen Worten heraus ,dass dein Beruf dein Hobby ist oder umgekehrt und du es etwas auf die leichte Schulter nimmst.......
Thematisch sind Beruf und meine privaten Handelsgeschäfte zwar stark verwandt, teilweise beschäftigt man sich auch 1:1 mit denselben Dingen (z.B. weiß ich wenn ich mich abends um mein Depot kümmere genau wie viele Währungspaare gehandelt werden weil ich mir während der Arbeitszeit die Entwicklungen angeschaut habe). Aber die Praxis läuft dann doch anders ab, in meinem eigenen Bereich trennen mich nur ein paar Mausklicks von der Umsetzung (hier kann man auch in die Gefahr laufen zu zocken!), im Job gebe ich meine Einschätzungen in E-mails, irgendwelchen spezifischen Firmenprogrammen oder im direkten Gespräch mit Kollegen ab, da handel ich selbst überhaupt nix. Da wird dann ein paar Ebenen über mir entschieden ob was wirklich gemacht wird und falls ja macht das dann eine eigene Abteilung in einer angeschlossenen Bank. Davon bekomm ich dann erst wieder was mit wenn das Geschäft vollzogen ist. Eigentlich so spannend wie Telefax, falls das noch jemand kennt ;-) Und ich kann auch nicht in die Versuchung kommen irgendwas verrücktes zu tun, da schauen mindestens 6 meistens aber 8 oder mehr Augen drüber.
Zur Frage ob ich meinen Job kündigen würde: ich bin mit meinem Job nicht verheiratet. Aber momentan Hauptverdiener in der Familie, das Häuschen muss noch abgezahlt werden und aktuell beziehe ich mit Ende 30 ein 6-stelliges Jahresgehalt. Wenn ich mit der Gehaltsvorstellung beim städtischen Forstamt aufschlage würden die mich auslachen. Arbeiten im Wald würde mir tatsächlich großen Spaß machen, ich liebe Outdoor - bin aber nicht sicher ob ich das als Schreibtischtäter überhaupt jeden Tag durchstehen würde. Bei der Arbeit könnten mir zwar alle Währungen egal sein, aber wer weiß vermutlich würde ich dann beauftragt die Holzpreise auszuhandeln. Man kommt halt doch nicht so leicht aus seiner Haut :-)

die Geldmenge,die Zeit das Lernen ,das Geld zurückgewinnen wollen,alles spricht für übertriebenes Handeln,also für eine Sucht.
Ich habe den Automaten und andere Spieler und deren Technik auch studiert,Sachen ausprobiert, Tipps auf YT angesehen......
Geld zurück zu gewinnen war tatsächlich nie mein Antrieb, wenn das die Motivation ist dann ist es zum scheitern verurteilt (da habe ich auch FOMO weiter oben gewarnt). Überhaupt immer der Versuch schnell reich zu werden. Der Vergleich mit dem Automaten hinkt etwas: der ist so gebaut oder besser gesagt programmiert dass der Spielende langfristig immer verliert (negativer Erwartungswert). Sonst würde den niemand aufstellen, es würden keine Räume angemietet und es könnten keine Mitarbeiter bezahlt werden. Es ist ein Losers' game, von vornherein. Und selbst wenn einer von 1000 den Jackpot knackt und diesen dann nicht wieder direkt verspielt - die 999 werden im Schnitt verlieren. Jede Lotterie funktioniert genauso, ich habe zweimal in meinem Leben Lotto gespielt und dann nie wieder, weil es schlicht eine Dummensteuer ist und die Wahrscheinlichkeit auf der Stelle vom Blitz getroffen zu werden ist höher. An der Börse hingegen wird das Geld langfristig mehr wert, wenn man denn nicht ins Zocken verfällt. Dort hast du dann die Wahl ob du Spieler bist oder selbst Kasinobetreiber - und der Verlauf zwischen den beiden Grenzen ist leider fließend.

Pass auf dich auf,achte auf dich,dein Verhalten, vielleicht sprichst du aber auch mal mit einer Suchtberatung.

Lies dir trotzdem nochmal deine Zitate durch und geh mal in dich ,was du dabei fühlst.
Die Zeilen lehren mich demütig zu sein, es ist gut sich das wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Bei einer professionellen Suchtberatung war ich nicht sondern bei der Sozialberatung meines Arbeitgebers. Im vertraulichen Gespräch haben wir besprochen inwiefern Impulskontrolle oder soziale Beziehungen aus dem Ruder gelaufen sein könnten und vor allem ob ich andere Lebensbereiche durch das Trading vernachlässigt habe. Eine wesentliche Frage war ob ich jemals Probleme hatte damit aufzuhören. Die Meinung war dass ich das ganze zwar beobachten solle aber in dem Stadium keine direkte Therapie anzuraten ist. Ich hatte mir damals gedacht dass die Fragen wohl eher einer Checkliste entstammen um zu prüfen ob man Alkoholiker ist, ich bin mir nicht sicher ob die Diagnostik da wirklich so artverwandt ist. Zum Abschied des Gesprächs wollte die Dame dann noch meine Einschätzung wissen was jetzt mit den Mitarbeiteraktien passiert.... da konnte ich mir das lachen nicht verkneifen ;-)
Wahrscheinlich wäre mein Gegenüber aufmerksam geworden wenn ich erwähnt hätte dass ich täglich in eine Spielbank renne, aber auch da wurde das Thema Trading wohl eher "milder" gesehen. Aber wer weiß vielleicht hätte sie mich auch nach meiner Lieblingsbiersorte gefragt wenn ich offenbart hätte dass ich mir jeden Tag eine halbe Kiste Pils reinstelle. Vermutlich war die Qualität der Beratung eher unterdurchschnittlich, um es mal diplomatisch auszudrücken
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: FOMO am 29 Januar 2022, 18:13:44
Hallo zusammen
Besten Dank für eure Kommentare und Hinweise, vor allem auch von Olli. Es hat mich stark zum "richtigen" Nachdenken angeregt wie ich finde. Und ja, wenn ich weiter fachsimpeln möchte, dann tausche ich mich privat aus - das ist sicher gescheiter. Und ihr habt vollkommen recht, in diesem Forum sollte nicht über die Sucht-Ausübung philosophiert werden, sondern über die Verhaltensmuster, welche uns dazu bringen...
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: lerntnochimmerdazu am 29 Januar 2022, 20:14:42
War für mich jetzt mal wieder ein Thread, bei dem ich die Einträge der letzten Tage interessiert durchgelesen habe.

Auffällig ist für mich, dass es irgendwo am Ende immer wieder auf Gier und Eitelkeit als Antriebsfedern hinausläuft. Zumindest lese ich das das so heraus.
Ich denke das Problem der Gier kennt jeder, egal ob er Erfahrungen mit Glücksspiel oder CFDs (bzw. Trading im Allgemeinen), oder wie ich beides, gemacht hat.
Man hat irgendwo mal Glück gehabt und anstatt sich über das Glück zu freuen, hat man anschließend vor lauter Gier ein vielfaches an Geld "über den Jordan geschickt".

Ich für mich habe aber auch die persönliche Eitelkeit als Problem definiert und lese diese auch in den Beiträgen hier zum Teil heraus. Ich erkenne mich in dem Rausposaunen von Strategien (Markt überhitzt, Short) durchaus wieder. Wenn ich mich reflektiere: Es ging mir damals schon auch darum zu zeigen, klüger, gewiefter oder abgezockter als andere zu sein und daraus Profit zu ziehen. Alleine deshalb ignoriert man ja gerade bei den CFD schon mal die 3/4 der Leute die Draufzahlen - man gehört ja zum anderen 1/4.

Verluste einzugestehen macht entsprechend dann weniger Spaß. Im Herbst habe ich - und damit mit einigem Abstand zu den Geschehnissen - im Freundes- und Bekanntenkreis eingestanden, hier einen gut fünfstelligen Betrag "verzockt" zu haben. Mit Abstand war es mir mittlerweile nicht mehr so peinlich. Ich denke und hoffe, es war auch Teil des Prozesses damit Frieden zu schließen. Fast noch wichtiger aber: Ich hoffe damit einigen an dieser Runde Beteiligter die Augen geöffnet zu haben. Denn letztlich ging es auch für die Bekannten und Freunde zum Teil, wie anfangs für mich, in der Diskussion um "EasyMoney".
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolfgang am 30 Januar 2022, 01:08:20
Sehr interessante Beiträge und Sichtweisen. Allerdings stelle ich mir die gleiche Frage wie andernorts auch schon: Was macht uns tatsächlich unglücklich? Ist es das Zocken an sich, oder sind es die dabei erlittenen Verluste? Irgendwann endet die Sucht im finanziellem Fiasko. Seltsamerweise kotzt es einen immer erst richtig an, wenn alles weg ist. Ich sag mal, ohne diese hohen Verluste würden hier fast alle ihrer Leidenschaft weiterhin frönen. Warum sollte ich irgendetwas ändern? Dies wäre gleichbedeutend mit der freiwilligen Einschränkung meiner Lebensqualität.
Nun, ich habe alles geändert und zwar kompromisslos. Das Zocken würde mir wahrscheinlich sogar wieder Spaß machen, aber ich habe eben keinen Bock mehr auf Verluste.

Wolfgang
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 30 Januar 2022, 06:02:04
Zitat
Was macht uns tatsächlich unglücklich? Ist es das Zocken an sich, oder sind es die dabei erlittenen Verluste?

Hey,

ich möchte nicht ausschließen, dass ich noch zocken würde,wenn ich noch Geld gehabt hätte. Aber da wusste ich auch noch nicht,wie ich mit meinen anderen Problemen, Sorgen und vor allem mit meinen Gefühlen und Gedanken dazu umgehen sollte. Wie das bei neuen extremen Situationen aussieht,weiß ich nicht. Ich hoffe,ich kann das erlernte aus der Therapie anwenden.

Du erwähnst das Zocken und die Geldverluste.......aber was ist mit dem Verlust der Familie und von Freunden,der verloren Lebenszeit,dem Schlafmangel, den gesundheitlichen Problemen.....? Wäre das alles vergessen bzw wird dem Geld /Gewinn alles  untergeordnet? Hört sich so an.......wenn wir alle gewinnen oder zumindest  +/- rauskommen würden,wären wir Spieler weiterhin sehr egoistische A.........,die mit ihren anderen Problemen nicht anders umzugehen wissen ,weil zocken der einfachste Weg ist und das ist erschreckend und traurig. 


LG Wolke
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolfgang am 30 Januar 2022, 06:59:48
Hallo Wolke,
genau das meine ich. Würden wir uns auch an unsere Familie erinnern, wenn das "Geschäft" einträglicher gewesen wäre? Was meinen wir, wenn wir von einem  "neuen Leben" sprechen? Ist unsere Moral plötzlich eine ganz andere? Wird uns Familie und Gesundheit nur wegen der dauernden finanziellen Verluste wieder wichtig?
Das wäre tatsächlich erschreckend und traurig!

Wolfgang
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 30 Januar 2022, 08:07:33
Guten Morgen!

Ganz wichtiges Thema ... !

Wer mich schon mal gelesen hat ;) , der weiss, dass hier ein anderer Ansatz von mir gemacht wird. Erst existierten die Defizite, dann kam die Sucht. Mit der Sucht wurden die Werte nicht eingehalten. Vielleicht kamen auch noch Defizite hinzu.
Ich denke, dass jeder seinen eigenen individuellen Tiefpunkt hat, den es zu erreichen gilt, um Veränderungen herbei zu führen.
Das kann durchaus der finanzielle Schaden sein - muss es aber bei Weitem nicht. Da braucht nur ein Wert oder eine Norm zu oft mißachtet worden zu sein - einmal zu viel sich schlecht gefühlt worden sein ... und schon wird ein Schalter umgelegt.
Im Moment sieht es so aus, als stünde da der finanzielle Kollaps an erster Stelle der Liste der Gründe zum Umdenken. Ich denke, das kommt einfach daher, weil die Verluste und damit Schulden in viel kürzerer Zeit als früher angehäuft werden können.
Früher verweilten tatsächlich die Glücksspieler durchschnittlich um die 20 bis 30 Jahre in der Sucht.

Ich persönlich mag die "Gier" als Selbstdiagnose gar nicht. Doch das mag jeder betrachten, wie er oder sie es möchte.
Ich mag es nicht, weil die Gier eine Charaktereigenschaft ist, die unveränderlich ist. Wart Ihr wirklich auch schon vor Eurer Sucht gierig? Seit Ihr es jetzt auch als glücksspielabstinent Lebende?
Unser Gehirn sucht nach schnellen Lösungen. Das macht es immer, es ist energieeffizient so zu denken.
Da ist ein Problem, die Lösung könnte passen, mal schnell gegenchecken ... ach, passt schon ... nächstes Thema ...

In unserer Gesellschaft sind wir auf Erfolg gepolt. Meine Eltern haben als Nachkiegsgeneration den Wirtschaftsaufschwung noch miterlebt. Da hieß es oft genug: Du musst die Fingerchen gehen lassen, wenn Du was werden willst!
Also: Nur durch Arbeit hast Du Erfolg, denn dann verdienst Du Geld und wer davon besitzt, der "ist auch wer"!
Nun ja, als kleiner Rebell musste ich dem wiedersprechen und machte genau das Gegenteil ... :)

Die Gier ist in meinen Augen ein Glaubenssatz - und zwar ein falscher. Glaubenssätze haben es an sich, dass sie nicht mehr überprüft werden und ultimativ sind. Wir können sie erst ablegen, wenn wir sie gegen diesen inneren Wiederstand überprüft haben - und zwar so richtig. Es kann sein, dass wir dabei unsere Werteverstüße überhaupt erst wahr nehmen. Doch ich sehe das nicht als Ballast, sondern als Chance es zu ändern. Das Übliche ... die Vergangenheit ist unveränderbar ... Veränderungen geschehen und Leben geschieht im Jetzt ...

Ich denke, dass ein Kriterium des Umdenkens durchaus auch das Alter ist. Wir werden reifer ... lebenserfahrener.
Anders ausgedrückt ... die verbliebene Zeit wird wertvoller, je weniger sie wird! Die Zickerlein hier und da erinnern uns daran ... tagtäglich ...
Dabei machen wir das, was ich schon angesprochen habe: Wir stellen unsere Normen und Werte auf den Prüfstand ... aber doch eher unbewusst.

Von daher möchte ich die Frage von Wolfgang:
Zitat
Würden wir uns auch an unsere Familie erinnern, wenn das "Geschäft" einträglicher gewesen wäre?
... mit Ja beantworten. Vielleicht nur nicht so schnell, doch der Umdenkprozess kommt bestimmt.

Zitat
Was meinen wir, wenn wir von einem  "neuen Leben" sprechen?
Es ist nicht neu ... das klingt, als käme da ein außerirdisches Wesen in unser Gehirn, welches dann in Coexistenz mit uns lebt ... Krankheiten heilt etc.
Alles, was wir brauchen, um abstinent und zufrieden leben zu können, steckt bereits in uns. Viele gehen nicht nur aus Scham nicht in eine SHG, sondern weil sie denken, dass dort eine Art Gehirnwäsche geschieht. Man manipuliert wird Dinge zu tun oder zu lassen, die dem eigenen Wesen wiedersprechen.
Nun, das Wort Gehirnwäsche ist gar nicht so schlecht als Gleichnis, wenn man auf seine Bestandteile schaut. Es muss ja Wäsche existieren, um diese waschen zu können. Der Waschvorgang ist nicht mal näher beschrieben, Die Möglichkeit der Fremdeinwirkung (Waschaschine) ist nicht näher beschrieben. Ich denke mir eher, dass hier die eigene Muskelkraft am Waschzober benötigt wird.
Auch über die Art der Wäsche wird keine Aussage getroffen. Ist es Unterwäsche? Oberbekleidung? Sind es Handtücher oder doch Bettzeug? Wenn es Kleidung ist, wer hat die Mode ausgesucht, die die Wäsche wiederspiegelt?
Genesung ist ein Prozess. Und wenn während der Genesung gegen die eigenen Werte und Normen verstoßen wird, dann fühlen wir uns in erster Instanz unwohl damit und in zweiter Instanz lehnen wir es ab.
Ich rede ja immer davon, dass die Spielsucht nur ein Symptom eines tiefer liegenden Defizites ist. Zumeist sind diese Defizite schwarze Pflecken. Wir können sie selbst nicht sehen. Dies liegt an anserer Erziehung, unserer Sozialisation. Wir haben das gelernt, was nötig war und wenn mehr gebraucht wurde, die Erfahrung aber fehlte, dann wurde etwas vermeindlich Passendes gesucht. Bei uns war es die Suchtausübung. Da gab es in der Anfangszeit des Gewöhnungsprozesses positive Erfahrungen, also erfüllte das Glücksspiel eine Funktion! Und wie bei den Glaubenssätzen auch wurde die Handlung nun nicht mehr hinterfragt und das Gehirn nutzte fortan den einfachen Weg ... den Automatismus.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Juliano5000 am 30 Januar 2022, 10:14:13
Hi zusammen,

Bin auf dieses Thema hier aufmerksam geworden. Ich bin seit dem Corona Crash dabei 2020. Anfangs nur mit ETF, was noch ok war, dann mit Einzel Aktien, und nun mit K.o. Scheinen, ich wünschte ich hätte sie nie entdeckt.

Inzwischen habe ich seit 2020 12.000 Euro verloren. Ich wollte bei 10.000 eigentlich letztes Jahr Schluss machen, das stand eigentlich fest. Doch dann hat es mich wieder gepackt, ich habe meine Karte wieder entsperrt und weitergemacht.

Ich habe eine App wo ich die trades anderer Leute verfolge, manchmal liegen sie richtig manchmal falsch.

Mich hat das traden mit k.o. Scheinen einfach süchtig gemacht. Ich sitze nach der Arbeit mit dem Handy auf der Couch und check den ganzen Tag die Kurse. Bis 22 Uhr, danach kann man nichts mehr traden.

Ein Schock Moment war für mich als Tesla neulich so fiel, ich mit Hebel 50 long dagegen, Schein erst bei 3,00 dann bei 2,00, dann wieder bei 3,00 (wo ich ja plus minus null rausgekommen wäre). Dann bei 2,00 1,50 dann k.o. und 900 Euro weg.

Nunja meine Gesamtsituation ist so, dass ich noch restliche 7.500 Euro Vermögen habe und mir denke, Mann du hättest jetzt locker an die 20.000 Euro schon zusammen sparen können. Ich möchte das Geld unbedingt zurückgewinnen, kann den Stand von verlorenen 12.000 Euro nicht akzeptieren. Ich möchte das auf etwa 5.000 Euro Verlust wieder eindämmen und dann aufhören.

Hat jemand Ideen wie man den Verlust einfach akzeptieren kann? Ich habe die Befürchtung wenn ich jetzt weitermache verliere ich nur noch mehr statt zurückzugewinnen.

Und ich bin damals nur durch eine neue Arbeit (wo ich jetzt nicht mehr bin) und die dortigen Arbeitskollegen auf die Börse aufmerksam geworden. Hätte ich diese Arbeitsstelle mal nie angenommen denke ich mir, dann hätte ich dir Börse auch nie kennengelernt.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 30 Januar 2022, 10:48:37
Hi und willkommen!

Bitte nicht zu viele Details zur Suchtausübung hier schildern. Es triggert Andere und es triggert auch Dich selbst.

Zitat
Nunja meine Gesamtsituation ist so, dass ich noch restliche 7.500 Euro Vermögen habe und mir denke, Mann du hättest jetzt locker an die 20.000 Euro schon zusammen sparen können. Ich möchte das Geld unbedingt zurückgewinnen, kann den Stand von verlorenen 12.000 Euro nicht akzeptieren. Ich möchte das auf etwa 5.000 Euro Verlust wieder eindämmen und dann aufhören.

Wenn der nachfolgende Absatz von Dir nicht gewesen wäre, dann hätte ich wahrscheinlich gar nicht geantwortet. Gedacht hätte ich mir dann aber: Er ist noch nicht so weit! ...
Denn: Welcher Teil von Dir denkt so? Ist es der gesunde Teil oder doch der Süchtige?
Ist es nicht offensichtlich, dass dieser Gedankengang nur einen Zweck erfüllt? Nämlich den des Weitermachens?
Wo liegt wirklich der Hund begraben, dass Du 12.000 als Verlust nicht akzeptieren kannst, 5.000 € aber sehr wohl?
Wie viel von dem Restvermögen würdest Du noch einsetzen und damit potentiell verlieren wollen?
Stellt sich nicht bereits jetzt die Frage, ob Du einen Kredit aufnimmst, wenn der erste Anlauf Deines Versuches schief geht?
Folgt dem einen Kredit dann nicht bald der Nächste ... natürlich ein wenig mehr an Summe aufgenommen als eigentlich nötig, vielleicht klappt ja dieser letzte Versuch?

Das Geld ist für Dich nicht weg ... es hat nur ein Anderer. Geld befindet sich in einem Kreislauf. Heute hat es Person A, morgen schon Person B. Irgendwann kommt es auch wieder zu Dir zurück. Doch was ist wohl die sicherste Einnahmequelle? Ist es nicht Dein wahrer Beruf? Woher kommen denn sonst die Ersparnisse?

Noch ein letztes Spiel ... noch ein letzter Trade ... nur bloß noch der Eine, dann höre ich auf damit .... das funktionierte noch nie und das wird es auch nicht.

Hier noch mal der Absatz, der Dir so wichtig ist und es auch tatsächlich ist:
Zitat
Hat jemand Ideen wie man den Verlust einfach akzeptieren kann? Ich habe die Befürchtung wenn ich jetzt weitermache verliere ich nur noch mehr statt zurückzugewinnen.

Du kannst es einmal als Lehrgeld ansehen für eine wichtige Erfahrung! Du bist fehlbar und darfst es auch sein!
Ich sage mir aber immer wieder, dass ich eine emotionale Dienstleistung bestellt und bezahlt habe. Ich habe also eine Gegenleistung erhalten. Gut, jetzt könnte man noch spekulieren, ob der Preis dafür Wucher ist ... :)

Du stehst wie alle hier einmal oder gerade eben vor dem Problem des Aufhörens. Bist Du bereits dabei, ist es leichter, als Du es Dir je vorgestellt hast. Doch aller Anfang ist schwer: Das "Beginnen" der Abstinenz! Mache es einfach!

Und damit Du nicht denkst, dass Du der größte Looser aller Zeiten bist, höre auf Dich mit irgendwelchen, wahrscheinlich Lügentradengeschichten Anderer zu befassen. Suche Dir eine reale SHG und finde heraus, dass Du nicht der Einzige bist, der der Verführung des Glücksspiels erlegen ist. Endecke, dass es ein wunderbares Leben nach dem Glücksspiel gibt.

Finde heraus, dass Du so gut bist, wie Du eben bist! Dabei geht es doch eigentlich bei der geplanten Reduzierung Deines Verlustes.
Du willst Dir etwas beweisen. Das brauchst Du aber nicht. Keiner zwingt Dich dazu. Wieso also denkst Du es trotzdem?

Heute kann der erste Tag ohne Traden für Dich sein! Klar, das kannst Du Dir auch morgen sagen. Doch wenn Du heute schon beginnst, dann hast Du morgen schon einen Tag Erfolg auf Deinem "Konto". Du sparst Dir also wertvolle Lebenszeit an, die Du anderweitig nutzen kannst. Dass Dein monitäres Erspartes dabei auch gleichzeitg wächst, dürfte durchaus klar sein ...
Heute ist ein guter Tag!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 30 Januar 2022, 18:38:29
Bin auf dieses Thema hier aufmerksam geworden. Ich bin seit dem Corona Crash dabei 2020. Anfangs nur mit ETF, was noch ok war, dann mit Einzel Aktien, und nun mit K.o. Scheinen, ich wünschte ich hätte sie nie entdeckt.
Hi & herzlich willkommen in unserem Faden!

Olli hat dir bereits in einer Form geantwortet die ich so elegant gar nicht hinbekommen würde. Meine kurze Einschätzung der Dinge auch an dich, leider ist das Themenfeld dem du verfallen bist ziemlich weiträumig. Während "langweilige" ETF- oder Aktien-Sparpläne für den Vermögensaufbau sinnvoll sind, so sind Zockereien mit Differenzkontrakten (CFDs) oder eben auch Knockouts/Turbo-Zertifikaten ein großes Einfallstor in die Spielsucht. Was dabei rauskommen kann kannst du hier in vielen Beiträgen lesen, ob man sich mit OCs, Automaten oder Daytrading ruiniert hat spielt am Ende des Tages dann auch keine Rolle mehr.

Auch wenn der scheinbar seriöse Deckmantel der Börse darüber liegt, hektische Ein- und Ausstiege auf kleiner Zeitebene mit Hebel sind wie ein Online-Casino nur dass es anders ausschaut. In den USA sind solche Instrumente übrigens verboten, hierzulande ist es legal. Die Lobby ist auch hier groß und hat tiefe Taschen.

Ich möchte das Geld unbedingt zurückgewinnen, kann den Stand von verlorenen 12.000 Euro nicht akzeptieren. Ich möchte das auf etwa 5.000 Euro Verlust wieder eindämmen und dann aufhören.

Hat jemand Ideen wie man den Verlust einfach akzeptieren kann? Ich habe die Befürchtung wenn ich jetzt weitermache verliere ich nur noch mehr statt zurückzugewinnen.
Akzeptiere was ist, sei erwachsen und trage die Konsequenzen! Der Verlust ist bereits eingetreten, er ist real und es wird auch nicht mehr darüber verhandelt. Es ist ein bitteres Lehrgeld aber am Ende des Tages kommst du darüber weg. Das lässt sich auch nicht rückgängig machen, wenn du jetzt weiter zockst dann bringt dir das neue Verluste oder Gewinne - aber das was du bisher getan hast funktioniert offensichtlich nicht, oder? Und außerdem sei ganz ehrlich zu dir selbst: warum hast du jetzt weniger Lebensqualität wenn die 12 Scheine weg sind? Ist deine Gesundheit dadurch schlechter, dein Verhältnis zu deinen Liebsten? Sind es am Ende nicht einfach Zahlen in irgendwelchen Computern? Also, warum sollte dir das aufs Gemüt schlagen?

Und zur Frage Rückgewinnung - die gilt es ernsthaft zu beantworten und Olli hat dir die meiner Meinung nach einzig richtige Antwort darauf gegeben. Lies dir den letzten, markierten Teil mehrfach selbst laut vor:
Noch ein letztes Spiel ... noch ein letzter Trade ... nur bloß noch der Eine, dann höre ich auf damit .... das funktionierte noch nie und das wird es auch nicht.
Heißt übersetzt für dich: nie wieder Hebelzertifikate, nie wieder CFDs!

Einen kleinen Trost habe ich für dich - bist du in Deutschland steuerpflichtig? Falls ja, dann wandern deine Verluste aus Knock-Out Zertifikaten in den allgemeinen Verlustverrechnungstopf. Damit lassen sich auch Geschäfte mit den erwähnten langweiligen ETFs verrechnen, die du ganz ohne Zockerei monatlich über einen Sparplan ausführen lassen kannst. Ohne dass du irgendwelche Kaufen/Verkaufen Buttons drückst, keine Charts anschaust und so weiter. Schneller Reichtum funktioniert nicht, slow and steady wins the race (sorry für das "wins", aber das Wort zu ersetzen macht dann sprachlich keinen Sinn mehr ;-)

Heute ist ein guter Tag!
So ist es!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Juliano5000 am 30 Januar 2022, 18:43:00
Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.
Vermutlich würde ich wirklich nicht aufhören wenn ich jetzt 5.000 Euro zurückgewinnen würde sondern weitermachen. Da hast du schon recht. Das ist eben das verflixte daran.
Das beste wird sein, den Verlust zu akzeptieren, mein Restgeld zu retten und eine Therapie zu machen.

Ich verdiene ganz gut und kann über 1.000 Euro im Monat beiseite legen darum das Vermögen dass sich schnell bildet.

Tatsächlich habe ich Gedanken noch mein restliches Geld einzusetzen und wenn das nicht klappt dann Kredit nehmen, aber das gilt es zu vermeiden. Ich muss jetzt die Reißleine ziehen.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 30 Januar 2022, 20:00:28
Hallo und willkommen hier im Forum !

Zitat
Tatsächlich habe ich Gedanken noch mein restliches Geld einzusetzen und wenn das nicht klappt dann Kredit nehmen, aber das gilt es zu vermeiden. Ich muss jetzt die Reißleine ziehen.

Hast du schon eine Idee ,wie du das machen wirst?

LG Wolke
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 30 Januar 2022, 20:49:28
Das beste wird sein, den Verlust zu akzeptieren, mein Restgeld zu retten und eine Therapie zu machen.

Ich verdiene ganz gut und kann über 1.000 Euro im Monat beiseite legen darum das Vermögen dass sich schnell bildet.
Das sind doch beste Voraussetzungen. Idealerweise sparst du gleich zu Monatsbeginn und zahlst dir selbst ein persönliches Gehalt dass niedriger ist als dein tatsächliches. Das Geld dann auf einem Tagesgeldkonto sammeln und den bestehenden Marktzugang erst mal dicht machen. Die 12.000€ spielen keine Rolle mehr, sei froh dass es nicht mehr war (du kannst dir weiter oben meine Eskapaden durchlesen, es war vom Hoch zum Tief ungefähr eine Viertelmillion. Die hätte aber mein jetziges Leben weder verbessert noch verschlechtert. Steuerlich geht dir der entstandene Verlust nicht verloren (mache eine Steuererklärung dann bekommst du den Verlustvortrag vom Finanzamt). Nutze die Zeit um deinen Vermögensaufbau zu planen, Spoiler Alarm: Knockout-Zertifikate oder CFDs kommen dabei nicht vor…

Tatsächlich habe ich Gedanken noch mein restliches Geld einzusetzen und wenn das nicht klappt dann Kredit nehmen, aber das gilt es zu vermeiden. Ich muss jetzt die Reißleine ziehen.
Ja das solltest du unter allen Umständen vermeiden. Warum hast du mit den Trades überhaupt angefangen, vermutlich weil du finanziell besser gestellt sein wolltest. Du siehst was passiert ist.Wenn dir jetzt jemand einen ersten Kredit ausreicht und du unverändert so weiter machst stehst du in einigen Wochen oder Monaten an der selben Stelle aber dann mit 30.000€ Verlust oder mehr. Die Spirale dreht sich dann schnell und selbst der Gedanke daran sollte dich abschrecken. Vielleicht sprichst du mit jemand Vertrautem aus deinem Umfeld darüber, das gibt dem eigenen Vorhaben nochmal mehr Verbindlichkeit.Bitte unterzeichne keinen Kreditvertrag, damit verbaust du dir unter Umständen viele Möglichkeiten in deinem späteren Leben (Immobilienerwerb, Firmengründung etc)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Juliano5000 am 30 Januar 2022, 22:08:51
@ Wolke: ich habe erstmal alles auf mein normales Bankkonto gerettet und mir den Zugang gesperrt bei den Brokern.

@ Blow: Den Verlustvortrag mach ich. Frage mich aber für die Zukunft was darf ich und was nicht. Krypto erlaubt? ETF erlaubt? Oder einfach gar nix mehr dergleichen. Ich denke mir an sich: investieren sollte erlaubt sein, nur spekulieren nicht.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 30 Januar 2022, 23:37:53
@ Blow: Den Verlustvortrag mach ich. Frage mich aber für die Zukunft was darf ich und was nicht. Krypto erlaubt? ETF erlaubt? Oder einfach gar nix mehr dergleichen. Ich denke mir an sich: investieren sollte erlaubt sein, nur spekulieren nicht.
Da kann ich dir leider kein Patentrezept an die Hand geben, zunächst solltest du erst mal gar nichts mehr handeln um Abstand zu bekommen. Und zeig mir mal exakt die Grenze zwischen Investieren und Spekulieren, auch das ist fließend sobald du auf Einzelwerte oder z.B. einzelne Rohstoffmärkte gehst. Ich meine das ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

Spontaner Gedankengang: wenn du ernsthaft Vermögen aufbauen willst bei einem Realzins von -4% dann musst du einen für dich geeigneten Weg finden. Weniger riskant ist wohl das, was die Begeisterungsfähigkeit eines Formulars für dich hat. Ein ETF-Sparplan der monatlich ausgeführt wird ohne dass du schaust zu welchem Kurs. Ein Ding das du einmal einrichtest, wenn du hier schon einen Trigger siehst bitte einen Vertrauten da mit drüber zu schauen. Wenn du wissen willst wie sich dein Vermögen entwickelt,dann schaust du an einem Wochenende wenn die Märkte geschlossen sind drauf. Und auch nicht jedes Wochenende, einmal im Quartal, Halbjahr oder Jahr. Mit einem “klassischen” Broker, keine “bunte” Trading-Apps. Überhaupt solltest du alles vermeiden was einen Impuls auslösen könnte, schau nicht während der Handelszeit drauf. Wenn wieder eine volatile Marktphase ist und du über Nachrichten beschallt wirst, dann versuche es auszublenden.

Alles was aktiven Handel anbelangt solltest du ignorieren wenn du eine Suchtgefahr erkannt hast. Und Kryptos würde ich, zumindest in der Form wie sie sich heute darstellen, komplett weglassen. Dort hast du große Handelsspannen, das Zeug wird 24h an jedem Tag gehandelt - größte Trigger-Gefahr wenn du mich fragst.

Aber, nochmal zur Erinnerung: die nächste Zeit Füße still halten  ;)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 31 Januar 2022, 21:32:43
Zitat
Spontaner Gedankengang: wenn du ernsthaft Vermögen aufbauen willst.......

..........dann lässt du die Finger von allem  und dein Vermögen wächst um 12.000€ pro Jahr...........besser geht's nicht!!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 31 Januar 2022, 21:49:08
Zitat
Aber, nochmal zur Erinnerung: die nächste Zeit Füße still halten

Nur für heute !

Immer nur nur für heute. Das reicht. Morgen darfst Du Dir überlegen, ob Du ihn wieder nutzt. Weiter wollte ich gar nicht denken wollen.

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: radfahrer am 22 April 2022, 20:08:12
Hallo,

ich bin 37 Jahre alt, spekuliere seit 18 Jahre an der Börse und bezeichne mich als „spekulationssüchtig“. Um gleich mal die Tragweite und Schwere vorwegzunehmen: bis heute habe ich dadurch fast 95.000 EUR verloren, ganz zu schweigen von meiner Lebenszeit.
...

Ich habe in 10 Jahren ca. 65.000 Euro mit Forex im Day Trading und auch mit Aktien-Optionen verballert.

Ich kann alles haargenau nachvollziehen, was du schreibst, möchte aber mit meinem positiven Beispiel hier einmal antworten.
Denn ich habe es geschafft, mich vom Spieler an der Börse zum erfolgreichen Day Trader zu wandeln.

Die Gründe des Mißerfolgs hast du ja bereits ausführlich berichtet, ich fasse sie gemäß meiner Erfahrung nochmal zusammen:

- zu großer Hebel
- keine Verlustbegrenzung (kein Stopp-Loss und Nachschießen im Verlust)
- Kontrollverlust (Sucht)

Diese Punkte trafen auf mich komplett zu, v.a. der 400'er Hebel bei Forex, der erst vor einigen Jahren verboten und in der EU auf 30 reduziert wurde, brach mir in meinen früheren Trading-Abenteuern das Genick. Der größte Tagesverlust im EURUSD war ca. -15.000 Eur, nachdem ich mein gesamtes Erspartes mit maximalem Hebel einsetzte. Es war im Juli 2013, als es eines nachts zu einem Short-Squeeze im  EURUSD kam und ich ungläubig zuschaute, wie mein Konto Richtung Margin Call rauschte. Noch einige Punkte vor dem Ende betete ich zu Gott, dass nun endlich  die Gegenbewegung eintreten müsste.

So erging es mir viele Jahre, und ich war in einem Sucht- und Selbstzerstörungs-Muster gefangen.

Aber nun zum Positiven.
Ich hatte zum Glück noch nie mit fremdem Geld gespielt, und das war immer meine absolute Grenze. Auch die Begleichung meiner Kosten, Miete etc. habe ich niemals risikiert.
Ich bin so wie du ein sparsamer Mensch. Wenn ich pleite war, habe ich einige Monate gewartet, um dann wieder mit Beträgen zwischen 1000 und 5000 Euro einzusteigen.

Was hat mich nun aber mittlerweile zu einem erfolgreichen Trader seit zwei Jahren gemacht (ich trade fast jeden Tag)?

1. Ganz wichtig war, den Hebel zu begrenzen, wie schon geschrieben, hat hier glücklicherweise der Gesetzgeber bei Forex und CFD den Hebel auf max. 1:30 begrenz (vorher 1:400)

2. Ich führe ein Tradingtagebuch

3. Ich konzentriere mich nur auf einen Markt, den ich kenne und wo ich mich "sicher" fühle. So vermeide ich es, mich in vielen Märkten zu verzetteln.

4. Ich betreibe im Gegensatz zu früher eine technische und fundamentale Analyse, also weg vom Spielen, hin zur Strategie.

5. Ich habe "goldene Regeln", die auch durch das Tradingtagebuch unterstützt werden.
Dazu gehören v.a.
- Max. Tagesgewinn- oder Verlust (200-400 Eur) dann aufhören, d.h. Vermeidung von "Overtrading"
- Feste Handelszeiten (bei mir 9:00 bis 16:00 Uhr)
- Rigorose Verlustbegrenzung, auch hier hilft das Tradingtagebuch, indem man sich an früheren Verlusten orientieren kann und Verluste als naturgegeben akzeptiert
- Kein Nachschießen von Kapital im Verlust
- Sporadisches Aufhören mit dem Traden einige Wochen, um den "Kopf freizubekommen"

Durch diese Regeln handel ich mittlerweile seit zwei Jahren erfolgreich, habe ein kontinuierliches Wachstum an kleinen Gewinnen.
Die Zeiten, als ich glaubte, das schnelle Geld machen zu können, sind vorbei. Denn das kann man im Day Trading nicht ohne hohes Risiko und großes Kapital.
Ich verdiene im Monat mit Trading ca. 1000 Euro neben meinem normalen Gehalt als selbständiger Programmierer.
Ich gebe mich mit den kleinen Gewinnen zufrieden und halte mich an die eisernen Regeln.

Diese Regeln geben mir Sicherheit. Ich kam durch sie aus der Gier-Angst-Sucht-Spirale raus und habe meine frühere Sucht jedenfalls zum heutigen Zeitpunkt überwunden.

Ich habe kein Interesse mehr, in das alte Muster zu verfallen, da ich ein besseres, erfolgreiches Muster für mich entwickelt habe.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 22 April 2022, 20:41:40

lieber Radfahrer,

sei gegrüsst!

Was willst Du uns mit Deinem Beitrag sagen? Wenn ich Deine Geschichte so lese dann denk ich mir: in3,5 Jahren biste – wenn alles gut geht – auf +- 0. Du hast ca 16 Jahre Deines Lebens mit Scheinen, Aktien, Hebeln, Warentermingeschäften, Währungen etc. verbracht. Ist das ein Leben, wie Du es uns schmackhaft machen möchtest? Ist DAS Leben?

Gruß Rainer

PS: in diesem Forum geht es nicht darum, wie ich ein erfolgreicher Trader werde. Wir suchen nach einem lebenswerten Leben!
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: radfahrer am 22 April 2022, 20:46:08
Edit Olli: Vollzitat entfernt


Ich sage ja nur, dass es einen Weg aus der Suchtspirale gibt, ohne komplett zu verzichten.
Es geht um positives Umprogrammieren

Sucht ist immer eine falsche Programmierung im Belohnungssystem, wenn man eine erfolgreichere Strategie entwickelt, kann sich die irrationale Suchtspirale verändern.
So jedenfalls meine Erfahrung.

Ich verstehe es nicht, dass hier nur "kompletter Verzicht" gepredigt wird.
Es gibt ja erfolgreiche Trader, und die haben eben gewisse Regeln, die sie erfolgreich machen.

Traden ist ja nicht komplettes Glücksspiel, wo man definitiv immer verlieren wird.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 22 April 2022, 21:04:31
lieber Radfahrer,

positives Umprogrammieren ????? wie willste jemand der/die am Spielautomaten am Wettschein hängt umprogrammieren??? Du bist Programmierer, ich war es auch. ich kenne niemanden der / die erfolgreich umprogrammiert worden ist. Programme kennen keine Gefühle.

ich frage nochmal: IST DAS EIN LEBENSWERTES LEBEN, brauchst Du den Stress / den Kick ?????

jemand sagt hier immer :"Sucht ist eine Störung der Gefühlsregulation" . wenn Du danach gugelst kommst Du zwangläufig auf "borderline Störung". kannst Du borderliner umprogrammieren?

ein nachdenklicher Rainer
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wolke 7 am 22 April 2022, 21:26:27
Hallo Radfahrer,

du kannst das ja so für dich machen,aber ich möchte komplett spielfrei bleiben und hier keine Tipps und Tricks lesen,wie ich Geld nebenbei machen kann . Ich möchte nicht von der Automatensucht ,in die Wettsucht kommen ,um dann zum Traden über zu gehen......was du schreibst ,das triggert mich.

Es wäre nett,wenn du sowas mit Gleichgesinnten wenigstens per pn hier schreiben könntest. Obwohl deine Beiträge auch eher in ein Börsenforum passen.

Ich kann am Automaten nicht an der Leiter die Gewinne teilen,ich muss ganz hochdrücken. Ich kann nicht nur ein bisschen spielen oder vorsichtig wenig Geld bei bestimmten Spielen einsetzen. Ich kann ,ich muss volles Risiko, deswegen gibt es bei mir nur völlige Abstinenz.  Egal ob Halle, Casino,OC ,Wettbüro,Trading ,Kartenspiele oder Kniffel.

Ich finde es gut,dass du deinen Weg gefunden hast. Dieser Weg funktioniert anscheinend bei dir,bei mir würde er die Sucht nur wieder entfachen.

LG Wolke

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Wirbelwind am 23 April 2022, 01:15:20
Eigentlich wollte ich nur mal schauen was genau Spekulationssucht ist und dann lese ich hier, wie toll und schön man das doch mit System hinbekommen kann O_O

Ich sehe trigger über trigger und STAUNE sehr wie mein Gehirn und meine Gefühle damit JETZT gerade umgehen und stelle dabei fest wie WENIG GELD MIR bedeutet, nämlich NIX !
Ich finde es sehr erschreckend wieviel NÜCHTERNHEIT hier rüber kommt....

@Wolke 7, ich bin VOLL und GANZ bei Dir, bis auf die totale Abstinenz, da arbeite ich noch schwer dran. Wenn Du mal Lust und Zeit hast, gerne eine PN wie du das so "wuppst" so auf echt alles zu verzichten bzw. ja auch aus dem weg zu gehen OHNE ebend zu "krank zu verlagern auf was anderes".....
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 23 April 2022, 07:41:54
Guten Morgen Radfahrer!

Eines der Probleme süchtiger Spieler ist der Verlust der Kontrolle. Dies ist Dir, wie Du schilderst, selbst passiert.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Ich akzeptiere das ... und 2. ich kämpfe dagegen an.
Meine Erfahrung ist, dass diejenigen, die akzeptieren, dann auch Veränderungen etablieren, die sie nicht nur spielfrei werden lassen, sondern auch beginnen, ihr Leben zu genießen.
Die, die Kämpfen, so wie Du gerade, verweilen in der Sucht. Etwas, was wir wirklich gut können, dass ist sich zu arrangieren. Es gibt tausende Wege sich zu arrangieren. Ich kann mir auch einreden, dass sich die Zeiten gewandelt haben und ich ab heute erfolgreich bin. Für einen Automatenspieler bin ich da das beste Beispiel. Mir hat man mal vorgeworfen, ich könne mich, da ich nie solch enorme Schulden aufgebaut habe, wie es heute üblich ist, gar nicht nachvollziehen, wie es ist solche Schulden zu haben.
Ich kann gar nicht genau sagen, wie viel ich genau verspielt habe. Wenn ich aber mal grob überschlage und den Geldwert von heute ansetze, dann sind das mehr als eine Viertelmillionen ... Doch ... kann ich ... Wie oft habe ich mir eingeredet ... jetzt lässt Du es sein! Siehst´e ... geht doch! Ich spielte - hörte auf - fing wieder an - steigerte vorsichtig wieder meine Einsätze - war wieder auf dem Level wie eh und je ... hörte wieder auf ... fing wieder an ... ein sich immer weiter drehendes Karussel.
Und das alles nur, weil ich tief in mir drin gar nicht aufhören wollte.
Wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich in das Spielen investiert habe ... Jeder einzelne Tag klingt so ... selbstverständlich und gering.
Es ist ja nicht nur die Suchtausübung selbst. Zur vergeudeten Zeit gehört auch die Suchtmittelbeschaffung. Was habe ich Stunden um Stunden abends daran gesessen für billiges Geld Lagepläne zu zeichnen, um das Geld in einer halben Stunde an zig Automaten gleichzeitig zu verballern. Von den 20 Jahren Lebenszeit habe ich bestimmt, wenn man sie zusammenfasst, nur 7 Jahre nicht gespielt. Und davon waren 6 Jahre Schlaf.
Was Du hier machst, das ist das berühmte Spiel mit dem Feuer. Das Ende Deines Suchtbuches ist noch nicht geschrieben.
Gab es unter Tradern nicht auch eine Regel, dass man nur mit dem Geld Traden darf, welches man wirklich über hat? Gab es da nicht eine Zahl, die den Bruchteil des Gesamtkapitalvermögens angibt, mit welchem man tradet? Die Regel scheinst Du ja auch gebrochen zu haben ... oder?
Dein Beitrag triggert nicht nur Andere - er triggert vor Allem Dich selbst! Er suggeriert Dir die Kontrolle zu haben - doch eigentlich hast Du sie nicht - Du zockst ja weiter. Du verschwendest weiter wertvolle Lebenszeit.

Beantworte mal die Frage von Rainer ...

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: radfahrer am 23 April 2022, 10:59:28
lieber Radfahrer,

positives Umprogrammieren ????? wie willste jemand der/die am Spielautomaten am Wettschein hängt umprogrammieren??? Du bist Programmierer, ich war es auch. ich kenne niemanden der / die erfolgreich umprogrammiert worden ist. Programme kennen keine Gefühle.

ich frage nochmal: IST DAS EIN LEBENSWERTES LEBEN, brauchst Du den Stress / den Kick ?????

jemand sagt hier immer :"Sucht ist eine Störung der Gefühlsregulation" . wenn Du danach gugelst kommst Du zwangläufig auf "borderline Störung". kannst Du borderliner umprogrammieren?

ein nachdenklicher Rainer

Positives Umprogrammieren könnte z.B. sein, einen gewissen Betrag pro Jahr fürs "Spielen" zu verwenden.
Also man spielt weiter, aber hält sich an Regeln.

Das positiven Gefühl der Regeln sollte stärker sein, als der zuvorige Kontrollverlust.

Bei mir war es immer ein positives Gefühl, dass ich mir nie Geld fürs Spielen an der Börse geliehen habe und meine sonstigen finanziellen Verpflichtungen
und meine Zeit für den normalen Beruf nicht vernachlässigte.

Sagen wir so:
Ich hatte Phasen des Kontrollverlustes, habe sie aber durch ein Regelwerk in den Griff bekommen.

Warum sollte das keine Option sein?
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: radfahrer am 23 April 2022, 11:12:16
Guten Morgen Radfahrer!

...
Die, die Kämpfen, so wie Du gerade, verweilen in der Sucht.  ...

Es ist kein Kampf, es ist ein kontrolliertes Hobby mittlerweile, wobei der Fokus nicht auf "Geld gewinnen", sondern auf dem sporadischen Spaß und der Analyse der Märkte liegt.
Positives Gefühl zieht man aus den Regeln, nicht aus einem imaginären Gewinn.

Also das Halten an Regeln ist wichtiger und erfüllender geworden, als ein Gewinnstreben.

Das meinte ich mit "Umprogrammieren".

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 23 April 2022, 12:43:53
Dir wurde doch schon mehrfach gesagt, dass sich die Leute durch Deine Worte getriggert fühlen.
Wieso respektierst Du das nicht?

Sorry, ich mache mich jetzt unbeliebt bei Dir!

Was Du da schreibst, das bestätigt nur meine Worte. Wieso steckst Du so viel Energie in die Rechtfertigung Deines Standpunktes?
Würdest Du einem Drogenabhängigen tatsächlich nahe legen sich nicht mehr täglich, sondern nur noch wöchentlich eine Nadel zu setzen? Den Fokus nicht auf die Entfaltung des Wirkstoffs im Körper, sondern auf das Setzen der Nadel zu legen?
Glaubst Du wirklich, dass solch eine "Umprogrammierung" logisch ist? Du hast Dir da in Deiner Dir eigenen Welt etwas zurecht gelegt, von dem Dir jeder andere auf dieser Welt sofort abraten würde.
Du zerstörst Dich nur weiter - Du schindest Zeit Dich mit wirklich essentiellen Fragen zu beschätigen.

Zitat
Positives Gefühl zieht man aus den Regeln, nicht aus einem imaginären Gewinn.
Gefühle entstehen aus der Bewertung einer Situation! Diese Bewertung in Sekundenbruchteilen greift aber auf Mechanismen zurück, die bereits mit Deinem Suchtverhalten belegt sind. Erst wenn die Gefühle da sind, folgt die rationale bewusste Bewertung, sofern dies überhaupt erwünscht ist.
Dein Zitat ist daher mit Verlaub nur eine Rechtfertigung - ein Argument sein OK-Plateau nicht zu verlassen. Du konsummierst weiterhin ...

Zitat
Also das Halten an Regeln ist wichtiger und erfüllender geworden, als ein Gewinnstreben.
Das ist der Wunsch nach Kontrolle! So lange Du die Suchtausübung aber nicht einstellst, hast Du die nicht!
Was zum Teufel ist Dir so wichtig daran Deine Form des Glücksspiels so zu verteidigen?

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Ambivalenzforscher am 23 April 2022, 13:06:26
Lieber Radfahrer,
ich habe mir deine Beiträge aufmerksam durchgelesen und habe eine relevante Frage an dich: Weshalb hast du dich hier im Forum registriert? Ist dir bewusst, dass dies ein Glücksspielsucht Forum ist, wo Menschen Unterstützung suchen um vom spielen loszukommen, um wieder ihr Leben in gesunde Bahnen zu lenken.

Deine Beiträge sind voller Trigger und eine "Ohrfeige" für jeden, der das Spielen wirklich loslassen möchte.

Ich wünsche dir Selbstreflektion und freue mich über Antworten.
 
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 23 April 2022, 18:19:22
lieber Radfahrer,

tscha, da iss ja einiges an input hinzugekommen. Ich versuche immer zu verstehen, was der/die andere genau meint. Ich bin über „irrationale Suchtspirale“ gestolpert. Frau Gugel konnte mir da auch nicht weiterhelfen. Frage: gibts auch ne „rationale Suchtspirale“?

Frau Gugel hat mir zur Suchtspirale einen Artikel in scinexx.de vorgeschlagen. Ich zitiere:

SUCHT:
„Sie dient oft als Ersatzbefriedigung für etwas, was man nicht anders bekommt“, sagt Mörsen. Wer beispielsweise im Job keine Anerkennung oder in der Ehe keine Bestätigung bekomme, der suche positive Gefühle und Erlebnisse auf andere Weise. Schnell wird das Suchtverhalten dann zum zuverlässigen Strohhalm, nach dem man immer greifen kann und der so eine Flucht vor den eigenen Problemen ermöglicht.

SUCHTSPIRALE:
Doch bald muss die Reizintensität erhöht werden, um die gleiche Zufriedenheit wie am Anfang zu erzielen. Ein Teufelskreis beginnt. 

„Sucht ist keine Einbahnstraße. Viele schaffen es ohne professionelle Hilfe, sich dem Suchtverhalten lang genug zu entziehen, so dass der Druck geringer wird“, sagt Mörsen.


Da steht nix von umprorammieren, nix von „wie kann ich fröhlich und glücklich meiner Sucht / meinem Hobby fröhnen, wenn ich nur bestimmte Regeln einhalte“………

Sagmal zu Deinen Regeln (ich zitiere):

Positives Gefühl zieht man aus den Regeln, nicht aus einem imaginären Gewinn.

Also das Halten an Regeln ist wichtiger und erfüllender geworden, als ein Gewinnstreben.
------------------------
Nehmen wir mal an, Du tätigst ein Geschäft bei dem Du nicht mehr als 5 % verlieren möchtest. Du steigst rechtzeitig aus und hast nen Betrag x in den Sand gesetzt. Bist Du dann zufrieden, ist Dein Tag erfüllt, hast Du ein positives Gefühl weil Du Deine Regel eingehalten hast????

ich würde mich ärgern, ich würde mich minderwertig fühlen weil ich den Markt falsch eingeschätzt habe…….

Gruß Rainer
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Rolf1111 am 23 April 2022, 22:13:03
Hallo, ich bin auf dieses Forum gestoßen und finde es sehr hilfreich. Entscheidend ist, dass die Lebensqualität unter der Sucht enorm leidet. Ich habe 2011 angefangen mit Knockout-Produkten zu handeln. Ich habe bis 2013 ca. 700.000 EUR verloren. Bin völlig am Ende gewesen und habe im  Freundes und Bekanntenkreis Schulden gemacht. Ich hatte vollkommen die Kontrolle verloren. Ich habe Tag und Nacht nur aufs Handy geschaut und die Kurse verfolgt. Wenn in den USA der Handel beendet war, habe ich nachts im Bett gelegen und mir die Kurse in Asien angeschaut. Ich habe melne Familie und meine Freunde völlig vernachlässigt und bin depressiv geworden. Ich habe dann schlagartig aufgehört und mir ging es sehr gut. Ich habe einen sehr gut bezahlten Job und habe mich in die Arbeit gestürzt. Es ging alles gut bis 2020. Dann bin ich in der Corona-Krise wieder eingestiegen. Ich habe auf fallende Kurse spekuliert. Das ist gründlich daneben gegangen, nachdem die Notenbanken die Geldschleusen aufgemacht haben und die Kurse rasant gestiegen sind. Bis jetzt sind weitere 300.000 EURO weg. Obwohl ich sehr gut verdiene, bleibt am Monatsende nichts übrig und ich habe auch zwei Kredite aufgenommen. Ich habe sogar eine teuere Uhr ins Pfandhaus gebracht. Das Geld habe ich sofort an der Börse verzockt. Ich habe sehr viel Geld verloren aber man hat nur ein Leben und letztlich will ich nicht auch noch meine Gesundheit und meine Familie verlieren. Ich werde mir dieser Scheisse aufhören, es ist Selbstvernichtung. Ich ärgere mich so sehr, dass ich 2020 wieder angefangen habe. Ich bin es aber selbst Schuld. Ich hatte wieder ein schönes Leben und habe wieder alles ruiniert. Es ist unglaublich.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 24 April 2022, 00:11:47
Hallo Rolf,

sei gegrüsst. Zunächst mal, die Zahlen die Du präsentierst sind sportlich.

Sag mal, Du redest von Sucht, von Deiner Sucht – wie stehst Du denn dazu? Du hast 2011 mit Scheinen angefangen – da hast Du doch bestimmt auch schon vorher einige Zeit mit Börse verbracht. Von 2011 bis 2013  700k verbraten, 7 Jahre Ruhe und dann von 2020 bis jetzt nochmal 300k verbrannt. Richtig? Was war in den7 Jahren dazwischen?  Zwangspause? Oder hattest Du die Sucht im Griff oder hast Du Dich in dieser Zeit als normalhandelnd aber nicht süchtig gesehen?

Wie ist Deine Familie mit der Situation umgegangen? Wusste jemand Bescheid oder hast Du heimlich Kurse gecheckt?

Du schreibst „seit 2020 habe ich bis jetzt ….“ d.h., Du warst am Freitag noch aktiv?

„ich habe sehr viel Geld verloren aber man hat nur ein Leben“ …. DU hast nur ein Leben

Ich wünsch Dir, dass Du Dein schönes Leben wieder findest!

Gn8 Rainer
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Rolf1111 am 24 April 2022, 03:26:22
Hallo Rainer, die ersten Erfahrungen hatte ich mit Optionsscheinen schon in jungen Jahren gesammelt. Ein Freund hatte mir erzählt, wie viel Geld er mit Aktien und Optionsscheinen verdient. Es war die Anfangszeit des Neuen Marktes. Ich habe dann erst 2011 wieder neu angefangen bis 2013. 2011 hatte ich auch erst gute Erfolge. Dann bin ich gierig geworden und mir hat der Nervenkitzel gefallen. Es ging mir nachher gar nicht mehr ums Geld. Ich hatte jeglichen Bezug zum Geld verloren. Es ist etwas anderes wenn Du 40.000 Euro in der Hand hast oder die Zahl nur eintippst. An Gewinnen konnte ich mich nur kurz erfreuen. Sobald ich gewonnen hatte , ist es ein Drang gewesen, sofort wieder zu setzen, mit höherem Risiko. In der Zeit von Ende 2013 bis 2020 habe ich nicht gehandelt. Dann habe ich gedacht, ich hätte aus meinen Fehlern gelernt und könnte jetzt besonnener agieren. Das war ein Trugschluss. In der Zeit von 2011 bis 2013 wusste meine Familie Bescheid. Das ich 2020 wieder angefangen habe, habe ich verheimlicht. Am letzten Freitag hatte ich das letzte Mal gehandelt. Nachdem die Nasdaq schon ziemlich gefallen war, hatte ich Longpositionen mit hohem Hebel aufgebaut, die dann gegen Handelsschluss ausgeknockt worden sind. 15.000 Euro waren wieder pfutsch. Ich hatte mir vorgenommen Montag weitere Longpositionen aufzubauen. Ich habe aber Samstag beschlossen endgültig aufzuhören. Ich schaue mir keine Charts mehr an  und lese keine scheiss Börsennachrichten mehr. Soll die FED machen was sie will. Ich muss die Finger von Aktien etc. lassen. In der Zeit von Ende 2013 bis 2020 hatte ich es geschafft. Ich hatte mir allerdings einer anderen Sucht zugewendet und bin arbeitssüchtig geworden. Ich hatte auch da keine Grenze gefunden. Ich wollte einfach nicht mehr an die Börse denken. Letztlich verdient man sein Geld durch Arbeit. Ich hätte sicherlich auch ohne großes Risiko in Fonds oder dergleichen investieren können. Das hat mich aber nicht interessiert. Es musste der Kick dabei sein; Adrenalin vielleicht. Mir hat Mal jemand gesagt, Spielsüchtige spielen nicht um zu gewinnen, sondern um zu verlieren. Klingt irgendwie nicht logisch, aber weshalb geht man bzw. gehe ich dann bewusst so ein Risiko ein. Und ich weiß, dass ich das Risiko immer weiter steigern muss. Ist schon bekloppt zumal ich nicht nur das Geld, sondern auch meine Familie, meine Gesundheit und meine Lebensfreude aufs Spiel setze. Wofür? Das muss aufhören ein für allemal.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 24 April 2022, 06:55:34
Hi Rolf!

Herzlich willkommen!

Zitat
Wofür? Das muss aufhören ein für allemal.

Du wandelst hier gerade Deine Energien, die Du bisher in Deine Sucht investiert hast, um in etwas, was Dir gut tun wird.
Der erste Schritt ... das Lesen und dann die Anmeldung und der erste Beitrag in diesem Forum.
Ich denke, dass das nicht reichen wird. OK ... Du kannst weitere 7 Jahre schaffen abstinent zu leben. Das hast Du Dir ja schon bewiesen. Doch Du hast Dir auch gezeigt, dass irgend ein Umstand in Deinem Leben Dich wieder hat zocken lassen.
Wenn Deine Frage da oben aus tiefstem Herzen kommt, dann solltest Du dieser Frage auch auf den Grund gehen.
Ansonsten ... Hamsterrad ...

Es ist schön zu lesen, wie Du bereits wieder innere Hürden aufbaust. Du hast erkannt, dass da etwas in Dir ist, was derzeit wieder so dermaßen selbstzerstörerisch wirkt, dass Du, wie es die GA beschreibt, "Dein Leben nicht mehr meistern kannst".
Dazu zählt auch das zwischenzeitliche Extrem, Deinen Bezug zu Arbeit. Auch durch übertriebene Arbeitswut geht wertvolle Lebenszeit und Lebensqualität verloren. Wahrscheinlich sorgst Du so, wie ich damals auch, für einen permanent hohen Stresslevel, damit Du Dich selbst spüren kannst. Doch who knows ...

Daher suche Dir bitte neben diesem Forum unbedingt reale Hilfe bei Dir vor Ort. Schmeisse die tradingbezogenen Vokabeln heraus und ersetze sie durch Automaten, Sportwettten oder sonstiges Glücksspiel. Es wird sich so mancher Spieler in Deinen Worten wiederfinden.

Zum Schluss noch mal ein paar Worte zu dem Punkt, dass Spieler verlieren wollen.
Für mich ist das ein falsches Gleichnis. Denn Geld ist für einen Spieler nichts wert - es ist Suchtmittel. Also wird so lange konsummiert, bis kein Suchtmittel mehr vorhanden ist. "Gewinne" erhöhen nicht das Kapital, sondern verlängern lediglich die Suchtausübung. Daher will ein Spieler auch gewinnen - er kann dadurch länger kosummieren. Im Ergebnis verliert er aber immer.

Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Dennis47 am 24 April 2022, 07:00:59
Letztlich verdient man sein Geld durch Arbeit. Ich hätte sicherlich auch ohne großes Risiko in Fonds oder dergleichen investieren können. Das hat mich aber nicht interessiert. Es musste der Kick dabei sein; Adrenalin vielleicht. Mir hat Mal jemand gesagt, Spielsüchtige spielen nicht um zu gewinnen, sondern um zu verlieren. Klingt irgendwie nicht logisch, aber weshalb geht man bzw. gehe ich dann bewusst so ein Risiko ein. Und ich weiß, dass ich das Risiko immer weiter steigern muss. Ist schon bekloppt zumal ich nicht nur das Geld, sondern auch meine Familie, meine Gesundheit und meine Lebensfreude aufs Spiel setze. Wofür? Das muss aufhören ein für allemal.

Du hast dir doch deine Frage (von mir gekennzeichnet) selbst beantwortet.

Mit Geld spielt man nicht

Wenn man spielt sich nunmal immer Emotionen/Gefühle allgegenwärtig. Man will immer gewinnen, das Spiel für sich entscheiden. Wenn man verliert, dann gibt man sich nie geschlagen und versucht es erneut. Dieser Kick ist nicht das Problem, wenn es sich um digital unwesentliche Verluste handelt.
Verliere ich eine Partie in Fifa, dann schalt ich den PC aus und versuche es nächstes Wochenende erneut. Der Verlust kratzt kurzzeitig vielleicht an mein Ego, aber der ist schnell durch den Ehrgeiz wieder bereinigt.

Setzt man aber reale Vermögensgüter ein und verliert, de facto wichtige Tauschgüter (Geld) die man für die private Existenz benötigt, dann wird Spielverlus zur bitteren Realität die man nicht eben weglegen / ausschalten kann. Der dazu führt, das der Ehrgeiz zum Neuversuch die persönliche Finanzsituation nachhaltig beschädigt und am Ende sogar das soziale Umfeld mit hineinzieht
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Rolf1111 am 24 April 2022, 09:21:15
Hallo Olli, Du hast Recht, wenn Du sagst, dass es darum geht einen möglichst hohen Stresslevel aufzubauen, möglicher Weise um sich selbst zu spüren. Das habe ich in anderen Lebenssituationen auch. Ich komme beispielsweise immer zu spät, auch zu wichtigen Terminen. Wenn ich beeilen muss, erzeugt das bei mir Stress. Ich hätte diesen Stress nicht, wenn ich einfach früher losfahren würde, das mache ich aber nicht. Ich spiele daher letztlich auch mit der Zeit, um ein Stresslevel aufzubauen. Das ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Der ständige Stress ist selbstzerstörerisch. Es geht letztlich auch um das Selbstwertgefühl, dass mir zu fehlen scheint. Ich spiele letztlich nicht nur mit Geld, sondern der Einsatz ist in Wirklichkeit viel höher. Der Spieleinsatz ist letztlich meine gesamte Existenz.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 24 April 2022, 09:51:23
Hi Rolf!

Ja, ja ... der Stress ...
Er braucht unbedingt einen Ausgleich! Ansonsten kommst Du von den Hormonen nicht runter und auch das ist zerstörerisch - körperlich.
Mir ist das echt Jahrzehnte gar nicht aufgefallen. Ach, ich habe es hier schon so oft geschieben ... für Dich noch mal in Kurzform:
Hauptjob, Zeitungen ausgetragen 2* die Woche. Nebenjob Pläne und Teilungen bearbeiten, kompletten Schreibkram für meinen selbstständigen Vater machen, Material für ihn holen in der Mittagspause oder nach Feierabend, ab Freitags mittags zu ihm zu den Baustellen fahren, Samstags mit ihm Fliesen legen oder fugen, dies teilweise auch Sonntags. 2 Dartvereine, Vorstandsposten im Tambourcorps (Zeugwart), dort auch Ausbilder an der Spielmannstrommel, der Dicken, der Tenortrommel und der Becken in drei Sessions hintereinander ... Jugend ... Erwachsene und Gesamtprobe, Jugenwart, Reise- und Feierorganisator ... und da das immer noch nicht genug Stress war, ging ich auch noch in Spielhallen spielen.

Das alles habe ich zurück geschraubt. Nun sitze ich hier seit 6 Uhr, lese und schreibe im Forum, schaue gerade eigentlich einen Animationsfilm auf Englisch. Wenn die Rolladen nicht noch unten wären, würde ich sagen, ich lasse mir die Sonne auf den Wams... den Bauch scheinen :)

Das mit dem zu spät erscheinen kenne ich nicht. Ich mache mir den Stress gefälligst pünktlich zu sein. Dafür nehme ich gerne auch einemal einen Zug vorher (wenn ich denn mit dem Zug fahre).

Der Stress bewirkt nur, dass Du ausgesuchte Gefühle bei Dir verspürst. Wann hast Du das letzte Mal morgens auf das Vogelgezwischer gehört und es auf Dich wirken lassen?
Wann bist Du das letzte Mal durch Deine Wohngegend gelaufen und hast die Veränderungen wahrgenommen? Vielleicht in Erinnerungen geschwelgt?
Ich habe am Freitag mit einem Portugisen in Erinnerungen geschwelgt. Als ich in der 2. Klasse war, sind sie zu uns gezogen. Wir Kinder haben zusammen gespielt und wie haben unser Erstklässlerbuch genutzt, um den Freunden Deutsch beizubringen.
Meine Eltern hatten am Ende einer Sackgasse gebaut, gegenüber einer riesigen Wiese. Wenn wir darüber schauten, dann konnten wir das kleine Haus sehen, in dem sie wohnten. Wie bei uns gab es auch dort einen Nachzügler und auch diese beiden haben viele Jahre zusammen gespielt. Mit der Bebauung der Wiese verloren wir nicht nur den Blickkontakt - so spielt das Leben nun manchmal.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 24 April 2022, 12:47:33
moin Rolf,

Deine posts gehen mir ganz schön unter die Haut; Du suchst Dein schönes Leben zurückzubekommen…..

Ist es schön permanent unter Strom zu stehen? Wie stellst Du Dir Dein schönes Leben vor?

Wann hast Du das letzte mal was schönes mit der Familie unternommen? Weisst Du welche Probleme Deine Kinder gerade haben? Hast Du sie mal gefragt was sie gerne mit Dir unternehmen würden – ob sie überhaupt was mit Dir unternehmn wollen? Was möchte Deine Frau ? Was beschäftigt sie intensiv? Würde sie gerne ein Wochenende mit Dir alleine verbringen wollen?

Falls Du die Fragen anmassend findest: ich hab mehrere gescheiterte Beziehungen hinter mir. Ich habe 2 erwachsene Kinder. Mit meinem Sohn verbindet mich sehr viel, meine Tochter schaut mich mitm Arsch nicht an….

Gruß Rainer

BTW: ich hab mir nochmal den gesamten thread durchgelesen / durchgearbeitet: da steht jede Menge Gutes / Nützliches drin. Ich kanns Dir nur empfehlen!

PPS: wenns mir dreckig geht fahr ich mit der 62 rüber nach Finkenwerder. Ich lass mir „die steife Brise“ um die Nase wehen. Manchmal gibts auch grosse Pötte auf der Elbe zu sehen. Wenn ich Glück habe schwebt auch gerade ein Beluga bei Airbus rein. Dann gehts mir wieder gut. So ein Ausflug wär auch was für ne Familie …..
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: andreasg am 07 Mai 2022, 09:32:38
Guten Morgen ihr Lieben,

interessant hier, den Tread zu lesen, aber die Zeit drängt:

meine Pflegerin kommt gleich. Will ich ihr sagen, daß ich Gestern auf meinem Chefsessel am PC eingeschlafen bin? Die Investition hat sich jedenfalls bezahlt gemacht, denn:
ich muß meiner Ex - noch einen Brief schreiben, die das Sterben und den Tod ihres Bruders betrauert. Heute Abend habe ich mein Männermeeting für Essgestörte - (darum bin ich nicht hier im Zoom - Meeting),
ich brauche noch ein Update für meinen Impfpass - an der Apotheke, und Einkauf und ein Gespräch mit dem Straßemzeitungsverkäufer sind obligarorisch.

Mein verstorbener Ex - Schwager. Bei der Trauerfeier seiner Mutter lernte ich ihn kennen. Er ließ den Kopf sinken, als wir ins Gespräch kamen, und er weinte fast, als er von seiner Arbeitssucht sprach. Er war Facharzt, hat in einer Psychiartrischen Klinik gearbeitet, und eine Praxis für Innere Medizin aufgebaut. Ich wußte, von meiner Damaligen, daß es sein Lebenswerk war. Die "68er Regelung" der Kassenärztlichen Vereinigung hat er gleich - meines Hausarztes - nicht berücksichtigt, sondern mit Anfang 70 sich eine Wohnung im Arzthaus eingerichtet..

Die Sorgen brauche ich ja nicht habenn, wenn die Pflege mit mir ihr "Entspannungsprogramm" vornimmt, dann schlage ich im Kern besser, ich bekomme kaum Träume von meiner Arbeitswelt, also den Traum, daß die Firma fast pleite ist, eine finale Reklamation eines wichtigen Kunden bei mir landet, aber eine Rücksprache bei Disponent und Chef kann nicht erfolgen, weil die sich verpissen, oder mich gerade mobben...


Gestern habe ich leise einen Auszug der Filmmusik "Der Clou" gehört, ohne panische Schreikrämpfe zu kriegen. (Unter dieser Musik fand die Serienausspielung an meinem "Lieblingsautomaten" statt" - auch wenn ich im Geiste die Risikoleiter und den geifernden Blick in mir spürte. Ich habe das Heute in meinem Bewußtsein, daß ich diesen Rausch brauchte, es war meine Droge.

Daß ich ein Cooler, ein ewiger Verlierer war, der nicht zuwege brachte, der alles falsch machte, ungeschickter Linkshänder dazu, der zu dick, zu unsportlich war, der von den Mädchen allenfalls ausgelacht wurde, eben ein Taugenichts, ein Sozialschmarotzer dazu, das durchzog sich von meiner Ursprungspartei, über Schule, Religionsgemeinschaft, und meiner Lieblingspartei. Ich war "der verlorene Sohn" und ich wollte es auch so auskosten. Die Lust auf Selbstverletzung wurde ein Gerüst meiner selbst.

So bleibe ich mei meiner Ausführung hier nicht stehen, ich denke an meine Klinikaufenthalte, und an den Freund, der mich Gestern Abend angerufen hat, weil er den Austausch mit mir mag. (Vielleichht liest er ja auch den Tread mit?

Danke für Euer Verständnis, daß ich nicht anders kann, als meine Erfahrungen hier einzubringen, vielleicht meine Art, einen gepflegten Umgang mit Menschen zu finden.

Gute 24 Stunden
Andreas
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 07 Mai 2022, 11:20:56
Heute Morgen gab es hier im Thread ein neues Posting von User Kontrollverlust und seinen Aktieninvestitionen. Jetzt ist es weg. Wollte eigentlich noch was dazu schreiben.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Ambivalenzforscher am 08 Mai 2022, 22:46:04
Würde gern wissen weshalb der Beitrag von „Kontrollverlust“ nicht mehr da ist. Wurde dieser zensiert oder hat der User ihn selbst gelöscht, warum auch immer.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 09 Mai 2022, 06:51:39
Mein Name ist Hase ...
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 10 Mai 2022, 22:27:05
Heute Morgen gab es hier im Thread ein neues Posting von User Kontrollverlust und seinen Aktieninvestitionen. Jetzt ist es weg. Wollte eigentlich noch was dazu schreiben.
Ich weiß, das Thema Spekulation in diesem Forum ist ein eher schwieriges... Aber ich spekuliere darauf dass wir hier in den nächsten Tagen viele neue User und Beiträge aus dem Börsen-/Investing-/Trading-"wie auch immer du das Kind nennen magst" Umfeld bekommen werden. An den Finanzmärkten rappelt es mal wieder.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Ambivalenzforscher am 10 Mai 2022, 22:34:27
Ich würde mich darüber freuen wenn die vielen Daytrader „unter dem Radar“ hier herfinden um sich darüber bewusst zu werden, welch Tragweite Spielsucht haben kann…
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 10 Mai 2022, 22:38:28
Zitat
Aber ich spekuliere darauf dass ....

Tse, tse, tse, tse ... tse ... :)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 10 Mai 2022, 23:14:21
Zitat
Aber ich spekuliere darauf dass ....

Tse, tse, tse, tse ... tse ... :)
Auf frischer Tat ertappt ;-) Vivere est militare
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Ambivalenzforscher am 10 Mai 2022, 23:15:51
Lieber Rolf,
lass gern mal wieder was von dir hören, wie es dir im Moment ergeht. Deine Ausführungen gehen auch mir nah, gerade weil ich viele Parallelen darin sehe zu meinem eigenen Leben.

Schön dass du hier bist.

Viele Grüße
Chris
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 11 Mai 2022, 06:15:34
Heute ist wieder Mittwochsgruppe und Dipl.-Psych. Dr. phil. Jörg Petry erzählt uns etwas zum Thema "Umgang mit Triggern".

Wer immer noch nicht weiß, wie man da hin kommt, dem zeige ich gerne die Tür: :)

https://gluecksspielsucht-selbsthilfe.de/2022/01/28/herzliche-willkommen-zur-online-selbsthilfegruppe/
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Kontrollverlust am 12 Mai 2022, 08:32:40
Heute Morgen gab es hier im Thread ein neues Posting von User Kontrollverlust und seinen Aktieninvestitionen. Jetzt ist es weg. Wollte eigentlich noch was dazu schreiben.

Würde gern wissen weshalb der Beitrag von „Kontrollverlust“ nicht mehr da ist. Wurde dieser zensiert oder hat der User ihn selbst gelöscht, warum auch immer.

Hallo zusammen, ich habe den Beitrag selbst gelöscht. Einmal sicher aus Scham, dann hatte Olli mich sinngemäß gefragt was ich eigentlich hier will. Die Frage hat mich in meinem aktuellen Zustand überfordert.
Wäre schön wenn ihr mir trotzdem was schreiben könntet.

Nunja, letzten Donnerstag war ich 10.000 EUR in den Miesen, habe das Risiko erhöht und war am Freitag dann wie geschrieben bei Minus 20.000 EUR. Ich befürchtete nochmal weitere 20.000 EUR zu verlieren, was dann auch Montag passierte, als ich am Tagesende bei Minus 40.000 EUR stand. Am Dienstag reduzierte ich wenigstens das Risiko, in dem ich verlustreiche hochspekulative Positionen teilweise verkaufte.

Eine sehr große Position schaffe ich aber psychologisch nicht zu reduzieren. Ich hoffe ständig sie würde zurückkommen, um wenigstens 20.000 EUR wieder zu bekommen. Das Geld was durch die Verkäufe zurückkam, habe ich wieder in eine hochspekulative Aktie gesteckt, mit der ich hoffte meine Verluste wettzumachen. :-\

Stand heute sind etwa 50.000 EUR Minus. Wenn ich sehr viel Glück habe, die eine hochspekulative Aktie läuft und meine eine Position zurückkommt, kann ich die Verluste noch ausgleichen. Andernfalls habe ich ca. weitere 50.000 - 70.000 EUR Verlustrisiko. Ingesamt dann 100.000 EUR bis 120.000 EUR.

Es ist schon seltsam, ich war das ganze Wochenende psychisch am Ende, weil ich 20.000 EUR im Minus stand. Am Montagmorgen hätte ich die 20.000 EUR Verluste realisieren können, konnte es psychisch aber nicht. Jetzt mit 50.000 EUR Minus wünschte ich ich hätte bei den 20.000 EUR einen Cut gemacht. Irgendwie ist aktuell eine gewisse Gleichgültigkeit da, am Wochenende ging es mir defininitv schlechter. Ich glaube ich habe mich damit schon abgefunden, wie übel das alles für mich enden könnte. Oder die Hoffnung hilft mir das sich alles ja noch zum guten drehen kann.

Wenn ich es ohne Verlust rausschaffe, würde ich mit dem aktiven investieren aufhören. Andererseits könnte ich es auch heute machen und die weiteren möglichen 50.000 - 70.000 EUR Verluste eben nicht riskieren. ::)
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Kontrollverlust am 12 Mai 2022, 08:54:02
Es wäre auch noch was übrig wenn ich jetzt tatsächlich die 120.000 EUR verlieren sollte. Ich bin ansonsten schuldenfrei und habe einen guten Job.

Ich denke das grundlegende Problem ist eine Unzufriedenheit mit dem Leben, dem Job usw. Die Spekulation bot mir einen Ausweg, wenn auch nur in der Fantasie, nie mehr arbeiten zu müssen.
Vielleicht sollte ich mich darauf konzentrieren, wieder die Beziehung zu meinem Job zu reparieren. Grundsätzlich habe ich einen guten und interessanten Job mit netten Kollegen, das Corona Home-Office und eine gefühlte Unterforderung hat mich in letzter Zeit allerdings eine Abneigung entwickeln lassen, meine Produktivität hat ziemlich gelitten. Ich habe aktuell so eine Art Schreibblockade.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: andreasg am 12 Mai 2022, 10:38:47
Zitat
Ich denke das grundlegende Problem ist eine Unzufriedenheit mit dem Leben, dem Job usw. Die Spekulation bot mir einen Ausweg, wenn auch nur in der Fantasie, nie mehr arbeiten zu müssen.
Vielleicht sollte ich mich darauf konzentrieren, wieder die Beziehung zu meinem Job zu reparieren. Grundsätzlich habe ich einen guten und interessanten Job mit netten Kollegen, das Corona Home-Office und eine gefühlte Unterforderung hat mich in letzter Zeit allerdings eine Abneigung entwickeln lassen, meine Produktivität hat ziemlich gelitten. Ich habe aktuell so eine Art Schreibblockade.

Guten Morgen Kontrollverlust.

Beim Lesen der vielen Betrags - Zahlen ist mir ganz schwindelig geworden. Schau bitte einmal nach, ob all' das genannte Geld nicht unter einem großen Trümmerhaufen begraben liegt?

Wir Spielscüchtigen wissen: "verlorenes Geld lässt sich nicht zurück führen;
Viele Spielsüchtige haben das unterbewußte Verlangen, verlieren zu wollen.

Zu erstem, hier gibt es keine Zweifel, ich kenne eben niemanden, dem das gelungen wäre; zu zweitem Das Forum hat sich damit beschäftigt, und hier liegt offenbar die Wurzel in der  Psyche des einzelnen Süchtigen als Grundlage. In meiner Destruktivität kann es ein Anhaltspunkt für den Drang zur Selbstverletztung sein, aber auch ein Erkennen der KRANKHEIT Spielsucht.

Zum Trümmerhaufen: Irgendwo habe ich noch eine Karikatur, die zwei Männer zeigt, die vor einem Schuttberg stehen. Und der Grundbesitzer sagt dem anderen: "Heute fange ich einfach neu an"!

Was ist da alles in dem oben ziterten Satz für Zündstoff drinne, Wow.

Du schreibst - nicht faul, sondern für Nuter es Forums ersichtlich, bitte werde Dir darüber klar, daß Du aktiv geworden bist. We viele Menschen gehen gut mit dem Home - Office um, und wollen es ferner weiter benutzen, wie viele brauchen das Büro, den Betrieb?

Als Beispiel: Selbsthilfegruppe: Es gibt Telefonmeetings, Videokonferenzen, Kontaktmeetings. Die allermeisten Nutzer wünschen sich Präsenzmeetings, weil eben das sesitive Empfinden, der direkte Austausch in allen Sinnen, mit Kolleginnen und Kollegen, eine Athmosphäre erzeugt, die ein Zusammenwirken ermöglicht.

Bitte verstehe, daß ich nicht darüber plappern möchte, wie viele und welche Möglichkeiten es gibt, sich von der Last zu befreien. Der Bagger fängt schon an, das Konvolut der Misstände , d.h. der Trümmer aufzuräumen.

schöne 24 Stunden
Andreas

Edit Olli: Zitatfunktion korrigiert
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 12 Mai 2022, 11:22:08
Moin KoV,

Zitat:
„Einmal sicher aus Scham, dann hatte Olli mich sinngemäß gefragt was ich eigentlich hier will. Die Frage hat mich in meinem aktuellen Zustand überfordert.
Wäre schön wenn ihr mir trotzdem was schreiben könntet.

lass es mich mal versuchen: Du weisst schon, dass Ollis Frage immer noch im Raum steht !?!

Zitat:
„Wenn ich es ohne Verlust rausschaffe, würde ich mit dem aktiven investieren aufhören.“

möchtest Du von uns wissen wie Du es ohne Verlust raus schaffst oder brauchst Du Unterstützung beim Ausstieg? Wie weit bist Du denn süchtig? Willst Du denn überhaupt aufhören? Wie lange bist Du an der Börse aktiv? Wie gut kennst Du Dich aus? Wieviel Zeit frisst sie Dir weg? Hast Du Familie / Freunde / Freundin? Hast Du Hobbies?

Schreibblockade ? Bist Du journalistisch tätig? Dann hättest Du doch nen erfüllenden Job ….


Zitat:
„Irgendwie ist aktuell eine gewisse Gleichgültigkeit da, am Wochenende ging es mir defininitv schlechter. Ich glaube ich habe mich damit schon abgefunden, wie übel das alles für mich enden könnte.“ → das kann sich ganz schnell in Richtung Depression entwickeln – achte auf Dich und geh rechtzeitig zum Arzt!

 Ich muss auch Dich fragen: hast Du den thread komplett durchgelesen???


Gruß Rainer
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Ambivalenzforscher am 12 Mai 2022, 11:35:09
Hallo Kontrollverlust,
willkommen zurück :).

Ich möchte mich Andreas und Rainer anschließen. Die beiden haben bereits viele Impulse und Fragen in den Raum geworfen. Ich wünsche dir, dass du diese an dich ranlassen und in dir wirken lassen kannst.

Du schreibst dass du bisher Schuldenfrei seist, also scheinst du die 120.000€ übrig gehabt zu haben? Verstehe ich das richtig?
Ich möchte dir noch mitgeben, dass es eine große Falle ist, wenn du glaubst, ich möchte ja nur mein Geld zurück haben welches ich verloren habe…da ist der Weg zur Schuldenaufnahme nur noch sehr kurz. Ich spreche aus eigener Erfahrung.
Und das damit dann wieder alles gut sei? Nein, ist es nicht. Das geht viel viel tiefer und ist komplex.

Ich wünsche dir die Kraft für einen neuen Weg, ganz ehrlich.

Viele Grüße
Chris
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 12 Mai 2022, 11:42:37
Hi!

Du solltest Dir klar machen, wer da bei Dir im Ring der Boss ist. Das bist ganz alleine Du! Es ist egal, wer was schreibt. Du entscheidest, ob Du es annimmst, ablehnst oder auf Deine Bedürfnisse anpasst.

So ... und nun lese Dir Deinen Beitrag noch mal selbst durch. Was fällt Dir auf? Du schreibst, als säße da jemand in Deinem Oberstübchen, der gegen Deinen Willen Hebel (Hoppla ... Wortspiel) und Knöpfe bedient. Das stimmt so aber nicht!

Wieso schämst Du Dich? Das ist ein ganz wichtiger Punkt! Was löst bei uns Scham aus? Welchen Zweck hat sie?
Kurz umrissen soll die Scham den Zusammenhalt in einem sozialen Gefüge sicher stellen. Die Scham zeigt einem selbst an, dass es da einen selbst verursachten Verstoß gegen die Normen und Werte der Gruppe gibt. Dem Gegenüber zeigt Deine Scham, dass Du Dir dessen bewusst bist. So werden z.B. Konfrontationen vermieden.
Anders herum betrachtet ... Du weisst zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist. Ist etwas richtig, dann gibt es in der Regel keinen Grund daran zu rütteln. Doch wie siehst es aus, wenn Di u merkst, dass Du etwas falsch machst? Ist es dann normal, in Stagnation zu verfallen? Sich einer selbst erzeugten Situation, von der man weiss, dass sie einem schadet immer wieder neu auszusetzen?

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Du läufst auf einem Gehweg entlang und starrst auf Dein Handy. Da macht es boing und auf Deiner Stirn wächst ein Hörnchen, weil die Straßenlaterne sich Dir provokant in den Weg geworfen hat. Ist es jetzt ratsam ein paar Meter zurück zu gehen, wieder auf das Handy zu starren und zu hoffen, dass die Laterne dieses mal aus dem Weg springt?
Egal, wie oft Du es versuchen wirst - es wird nicht funktionieren! Boing! ... Boing! ...
Du schließt Dich nun einer Selbsthilfegruppe für Laternengeschädigte an. Du selbst kommst ja nicht auf eine Lösung Deines Problems. Ist es lösungsorientiert sich zu schämen? Oder ist es nicht einfacher in den sauren Apfel zu beißen und Dein Problem offen und ehrlich zu schildern?
Der Eine wird Dir sagen ... "Trete einen Schritt nach links ... " ... der nächste ... "Trete einen Schritt nach Rechts ...". Wieder der Nächste wird Dir nahe legen einen anderen Weg zum Ziel zu nutzen .... ohne lästige Kampflaternen.
Du bekommst Lösungen präsentiert. Egal, welche Du Dir aussuchst, alle werden sich mit Dir über Deine heilende Stirn freuen und niemand wird Dich an Deine Scham erinnern.
Doch Du musst Dir eine Lösung aussuchen! Du - nicht jemand anders - Du alleine! Du bist derjenige, der diese Entscheidung aktiv trifft. Du musst ins Handeln kommen!
Es stimmt nämlich nicht, dass Du ferngesteuert bist. Du bist in Deinen Gewohnheiten gefangen!
Was Du hier in Deinem Beitrag deutlich machst ... Du schiebst Deine moralische Entscheidung vor Dir her ... Du triffst sie nicht. Du übernimmst dadurch keine Verantwortung.
Was ist das für eine Aussage, dass Du trotz der Verluste keine Schulden hast? Ist das nicht ... Augen zu und durch?
Das ist verdammt viel Geld ... dafür hast Du lange sparen müssen. Hattest Du nicht vielleicht sogar ein Ziel für was Du das Geld gespart hattest? Was ist damit geschehen?

Was sind Deine Ziele? Mal unabhängig vom Glücksspiel betrachtet. Was wünschst Du Dir? Was möchtest Du in Deinem Leben erreichen? Wie kannst Du es erreichen?
Welche Deiner Werte verletzt Du selbst gerade? Welchen scheinbaren Vorteil erhälst Du durch diese Verletzung?

Du musst eine Entscheidung treffen! Entweder sie ist passiv ... dann geht alles weiter, wie gehabt. Nur das mit "keine Schulden" wird sich dann irgendwann erledigen.
Oder aber sie ist aktiv, dann musst Du einiges verändern.

Denke darüber nach ... in Deinem Tempo ... keiner hetzt Dich ... keiner setzt Dich unter Druck ...




Ups ... da haben ja schon zwei geantwortet ... ich lasse meinen Beitrag mal trotzdem so stehen ...
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Kontrollverlust am 12 Mai 2022, 11:44:31
Zitat
Ich denke das grundlegende Problem ist eine Unzufriedenheit mit dem Leben, dem Job usw. Die Spekulation bot mir einen Ausweg, wenn auch nur in der Fantasie, nie mehr arbeiten zu müssen.
Vielleicht sollte ich mich darauf konzentrieren, wieder die Beziehung zu meinem Job zu reparieren. Grundsätzlich habe ich einen guten und interessanten Job mit netten Kollegen, das Corona Home-Office und eine gefühlte Unterforderung hat mich in letzter Zeit allerdings eine Abneigung entwickeln lassen, meine Produktivität hat ziemlich gelitten. Ich habe aktuell so eine Art Schreibblockade.

Guten Morgen Kontrollverlust.

Beim Lesen der vielen Betrags - Zahlen ist mir ganz schwindelig geworden. Schau bitte einmal nach, ob all' das genannte Geld nicht unter einem großen Trümmerhaufen begraben liegt?

Gefühlt ist mein Leben ein Trümmerhaufen, auch wenn die "Fakten" eigentlich dagegen sprechen: Eine tolle Partnerin, ein guter Job, guter liebevoller Kontakt zur Familie, gute Freunde und eine schöne Wohnung. Trotzdem bin ich dem Alltag meines Lebens einfach überdrüssig und der Gedanke finanziell frei zu sein, hat eine unglaubliche Anziehung auf mich.

Statt zu schauen wie ich aktuell in meinem Leben zufriedener werden könnte, welche kleinen Schritte ich unternehmen müsste, verliere ich mich in Tagträumen wie es wäre finanziell frei zu sein, um die Welt zu reisen, nicht mehr arbeiten zu müssen, mich völlig dem Hedonismus hinzugeben. Vielleicht liegt es daran dass ich mein Leben so viel und hart arbeitete, immer sparsam lebte, jeden Euro umdrehte, mich nur über den Erfolg im Job definierte und lange Zeit alles andere vernachlässigte, was zu einer Depression führte. Heute hätte ich am liebsten nur noch Spaß und keine Verantwortung mehr. Vielleicht ist es das Gefühl so viel verpasst zu haben, weil ich jahrelang arbeitssüchtig war. Ich dachte schon daran alles hinzuwerfen, mit den Ersparnissen intensiv zu leben so lange bis sie aufgebraucht sind und dann sinngemäß den Stecker zu ziehen.

Zitat
Wir Spielscüchtigen wissen: "verlorenes Geld lässt sich nicht zurück führen
Viele Spielsüchtige haben das unterbewußte Verlangen, verlieren zu wollen.

In meinem gelöschten Beitrag fragte ich ob ich überhaupt spielsüchtig bin. In der Vergangenheit war ich arbeitssüchtig (gibt es hier Zusammenhänge?). Ich glaube nicht verlieren zu wollen, war wenigstens in letzter Zeit was das Thema Börse anging auch sehr risikoaversiv. Hatte einen Plan und mich an den gehalten, wollte langfristig agieren. Letzte Woche ist es dann komplett eskaliert und mit dem Gedanken die Verluste wieder reinholen zu wollen, verspiele ich aktuell alles was ich mir über 20 Jahre angespart habe.

Zitat
Zu erstem, hier gibt es keine Zweifel, ich kenne eben niemanden, dem das gelungen wäre; zu zweitem Das Forum hat sich damit beschäftigt, und hier liegt offenbar die Wurzel in der Psyche des einzelnen Süchtigen als Grundlage. In meiner Destruktivität kann es ein Anhaltspunkt für den Drang zur Selbstverletztung sein, aber auch ein Erkennen der KRANKHEIT Spielsucht.

Ich glaube aktuell auch nicht dass es mir gelingt, kann aber psychologisch einfach (noch) nicht aussteigen. Ob ich krank bin? Wäre ich wieder auf Null würde ich sofort stoppen, da bin ich mir sicher. Ich hatte ja immer wieder längere Phasen mit Börsenabstinenz und sie hat mir dann auch nicht gefehlt.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Olli am 12 Mai 2022, 11:52:12
Zitat
Wäre ich wieder auf Null würde ich sofort stoppen, da bin ich mir sicher. Ich hatte ja immer wieder längere Phasen mit Börsenabstinenz und sie hat mir dann auch nicht gefehlt.

Sagt der eine Alkoholiker zum Anderen: Du ... ich kann jederzeit aufhören ...

Weisst Du, worin der "Fehler" im ersten Satz steckt? Es ist der Konjunktiv ...
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: Kontrollverlust am 12 Mai 2022, 12:08:07
Zitat
Wäre ich wieder auf Null würde ich sofort stoppen, da bin ich mir sicher. Ich hatte ja immer wieder längere Phasen mit Börsenabstinenz und sie hat mir dann auch nicht gefehlt.

Sagt der eine Alkoholiker zum Anderen: Du ... ich kann jederzeit aufhören ...

Weisst Du, worin der "Fehler" im ersten Satz steckt? Es ist der Konjunktiv ...

Ja, du hast recht. Danke für eure Beiträge! Ich nutze das kommende Wochenende wenn die Börsen geschlossen sind zum nachdenken.
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: digger am 12 Mai 2022, 12:21:26
lieber KoV,

ich kann mich noch gut an meine traderei erinnern: auch wenn ich genau Vorstellungen davon hatte wie ich erfolgreich handeln konnte kam ich doch immer wieder in Situationen, in denen ich mich entscheiden musste: Reissleine ziehen oder Laufen lassen. Das Ergebnis (gut gegangen oder nicht) ist jetzt nicht wichtig - allein die Zeit in der Schwebe war die Hölle. Mir wars zu viel Stress!

falls Du dem Hedonismus fröhnen möchtest ist die Börse das absolut falscheste Tun.

gruß Rainer
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: margin_call am 12 Mai 2022, 14:53:20
Hi Kontrollverlust,

vielen Dank, dass du dich uns noch doch mitteilst. Viel Richtiges ist schon gesagt worden.

Deine aktuelle Situation ist wirklich sehr schwierig (und von "Investieren" kann hier schon nicht mehr die Rede sein):

1. Stellst du deine "Investition(en)" glatt, wirst du mit ziemlicher Sicherheit weiterhin die Kurse verfolgen und wenn es dann in deine Richtung läuft, ärgerst du dich und machst vielleicht alles nur noch schlimmer.
2. Stellst du deine Investitionen nicht glatt, kann es passieren, dass du mit einem riesigen Verlust aussteigen musst (weil ggf. durch deinen Broker gezwungen oder du es irgendwann nicht mehr aushälst) und du hast auch dann ziemlich sicher das große Verlangen, diese Verluste wieder reinzuholen (wenn noch was da ist).
3. Stellst du deine Investitionen nicht glatt und es "geht nochmal gut", also der Markt dreht und entwickelt sich in deine Richtung, magst du für den Moment vielleicht kuriert sein. Irgendwann passiert es aber dann doch wieder, dass du anfängst, zu zocken (weil es ja schon einmal gut gegangen ist >> falsche Programmierung).

Unterm Strich kannst du nur gewinnen, wenn du einen Schlussstrich ziehst und gleichzeitig an dir arbeitest. Die Art des "Investierens" (wenn auch ohne Hebel, so hast du doch alles auf eine Karte gesetzt), ist reine Zockerei. Du hast ja auch schon viel dazu geschrieben, was dich dazu getrieben hat. Hier gilt es anzusetzen. Von alleine wird das leider nicht weggehen. Wenn du aber den zweiten Schritt (z.B. eine Selbsthilfegruppe oder ein Gespräch mit einer Suchtberatung) gehst (den ersten hast du ja schon gemacht mit deinem Posting), wirst du feststellen, dass es mit jedem Schritt leichter wird.

Viele Grüße und alles Gute für dich,
margin_call
Titel: Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
Beitrag von: blow_up am 13 Mai 2022, 23:27:16
In meinem gelöschten Beitrag fragte ich ob ich überhaupt spielsüchtig bin. In der Vergangenheit war ich arbeitssüchtig (gibt es hier Zusammenhänge?). Ich glaube nicht verlieren zu wollen, war wenigstens in letzter Zeit was das Thema Börse anging auch sehr risikoaversiv. Hatte einen Plan und mich an den gehalten, wollte langfristig agieren. Letzte Woche ist es dann komplett eskaliert und mit dem Gedanken die Verluste wieder reinholen zu wollen, verspiele ich aktuell alles was ich mir über 20 Jahre angespart habe.
Na willkommen im erlesenen Club derjenigen mit 6-stelligen Verlusten an den Finanzmärkten, ist mir auch vor rund 2 Jahren passiert. Zum Zusammenhang "arbeitssüchtig" respektive besonders "fleißig": da gibt es Zusammenhänge und die werden dir wohl nicht gefallen. Es gibt eine Studie (hab sie leider nicht zur Hand, kann aber mal in meinem Fundus wühlen) die besagt dass Unternehmer und Führungskräfte sich im Trading besonders tief in die Sch...e reiten aus der Erfahrung heraus, dass man in schwierigen Situationen nur einfach noch aktiver/fleissiger sein muss um das Blatt wenden zu können. In der Praxis wird dann noch fleissiger gegen den Trend angekämpft, das Risiko weiter erhöht, die Margin weiter ausgereizt weil "es muss doch jetzt endlich ein Boden/ein Top ausgebildet werden". Aber der Markt muss gar nichts, du und deine Positionen sind ihm komplett egal. Vorteile im Trading hatten in der Studie übrigens Militärs die es verinnerlicht hatten Befehle auszuführen. Die neigten dann eher dazu Stops nicht weg zu ziehen und gingen Positionen dann ein wenn ein Signal vorlag.

Zitat
Zu erstem, hier gibt es keine Zweifel, ich kenne eben niemanden, dem das gelungen wäre; zu zweitem Das Forum hat sich damit beschäftigt, und hier liegt offenbar die Wurzel in der Psyche des einzelnen Süchtigen als Grundlage. In meiner Destruktivität kann es ein Anhaltspunkt für den Drang zur Selbstverletztung sein, aber auch ein Erkennen der KRANKHEIT Spielsucht.
Der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge...

Zitat
Ich glaube aktuell auch nicht dass es mir gelingt, kann aber psychologisch einfach (noch) nicht aussteigen. Ob ich krank bin? Wäre ich wieder auf Null würde ich sofort stoppen, da bin ich mir sicher. Ich hatte ja immer wieder längere Phasen mit Börsenabstinenz und sie hat mir dann auch nicht gefehlt.
Hervorhebung durch mich: sei dir in diesem Punkt mal nicht zu sicher. Wenn man mit der Position metaphorisch gegen die Wand gedrückt wird dann denkt man sich das. Und falls es dann doch gut gehen sollte wird das Fehlverhalten noch incentiviert und man beginnt die nächste Dummheit wenn man ohne System unterwegs ist. Weil es ja beim letzten Mal gut ging. Weil man Langeweile hat im Leben. Weil die Bewegung im japanischen Yen "übertrieben" ist, und die Liste der möglichen Gründe lässt sich beliebig fortsetzen.

Was hindert dich daran einen Schlussstrich zu ziehen? Die fehlende (aber für das Trading essentiell wichtige!) Fähigkeit einzusehen dass man mit der Handelsposition falsch liegt? Geht es dir wirklich um Geld oder willst du einfach nur Recht haben?! Falls letzteres der wahre Grund ist, warum zahlst du diesen absurd hohen Preis dafür?

Deine aktuelle Situation ist wirklich sehr schwierig (und von "Investieren" kann hier schon nicht mehr die Rede sein):

1. Stellst du deine "Investition(en)" glatt, wirst du mit ziemlicher Sicherheit weiterhin die Kurse verfolgen und wenn es dann in deine Richtung läuft, ärgerst du dich und machst vielleicht alles nur noch schlimmer.
2. Stellst du deine Investitionen nicht glatt, kann es passieren, dass du mit einem riesigen Verlust aussteigen musst (weil ggf. durch deinen Broker gezwungen oder du es irgendwann nicht mehr aushälst) und du hast auch dann ziemlich sicher das große Verlangen, diese Verluste wieder reinzuholen (wenn noch was da ist).
3. Stellst du deine Investitionen nicht glatt und es "geht nochmal gut", also der Markt dreht und entwickelt sich in deine Richtung, magst du für den Moment vielleicht kuriert sein. Irgendwann passiert es aber dann doch wieder, dass du anfängst, zu zocken (weil es ja schon einmal gut gegangen ist >> falsche Programmierung).
Schön zusammengefasst.