Glücksspielsucht => Glücksspielsucht Allgemein => Thema gestartet von: Tobi88 am 18 Dezember 2020, 00:42:28

Titel: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 18 Dezember 2020, 00:42:28
Hallo Zusammen,

ich habe euch Anfang März mal von meinen Problemen mit Poker berichtet.
Danach wurde alles besser. Ich habe nicht mehr gespielt, habe es auch nicht vermisst.
Nach dem Sommer bzw. im Herbst ging es leider wieder weiter. Durch Corona habe ich viel von Zuhause aus arbeiten müssen. Mein Laptop mit den Pokerprogrammen war somit immer in greifbarer Nähe.
Ich habe diese Woche einen großen Betrag gewonnen. Damit hätte ich alle offenen Kosten (Konto ist mal wieder im Minus durchs zocken) decken können und hätte sogar noch was übrig gehabt.

Was mach ich Vollidiot? Ich storniere die Auszahlung, um weiter zu spielen.
Und natürlich ist jetzt alles wieder weg.

Ich habe mir schon ausgemalt im Kopf, wie ich endlich wieder vom Gewinn mein Konto im Plus habe.
Das ich Auszahlungen storniert habe ist mir schon öfters passiert.

JEDES MAL sage ich mir: " Beim nächsten Mal mach ich es nicht mehr". Und dann passiert es doch wieder... Und ich verstehe nicht wieso. Ich weiß doch das es dumm ist und mach es trotzdem.
Da hilft auch der tolle neue "Panikknopf" auf den Pokerseiten nichts.

Was hätte ich jetzt mit dem Geld alles machen können??? Es ist einfach frustrierend!!!

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 18 Dezember 2020, 05:02:04
Hi Tobi!

Warum Du es nicht begreifst? - Weil Du eine Sucht entwickelt hast und diese Sucht Deine Gedanken infiltriert.

Schau an, was hast Du denn seit Deinem letzten Beitrag hier gemacht - für Dich? Hmm, Du warst ein paar Monate spielfrei und hast es nicht vermisst. OK, prima.
Gleichzeitig hast Du aber zuhause einen Rechner mit Pokerprogrammen griffbereit liegen. Worauf deutet das hin? Auf eine absichtlich geplante Spielpause.
Auch wenn sich da in Dir jetzt Unmut über die von mir geäußerte und unterstellt Absicht regt, so darfst Du ruhig bedenken, dass Du hier sicherlich einige Beiträge gelesen hast, in denen von Blocksoftware gesprochen wurde. Hast Du Dir eine besorgt? Nein! Hast Du die Pokersoftware deinstalliert? Auch nicht!
Hast Du darüber nachgedacht es zu tun? Ganz bestimmt - oder? Aber dann hast Du Dich dagegen entschieden.
Die Sucht in Dir hat Dir suggeriert, dass Du diese Sucht im Griff hast. Doch solch eine Sucht ist geduldig. Sie kann warten. Und sie ist penetrant, denn irgendwann flüstert sie Dir Sachen ins Ohr, die ihr förderlich sind. Dein Wiederstand wird schwächer und schwächer. Und dann ... naja, ich kann die Software ja mal öffnen und schauen, wer da gerade so spielt.
Was hattest Du dem entgegen zu setzen? Deinen Willen? Der ist doch längst infiltriert. Deine Kontrolle über das Spiel selbst? Der Gegenbeweis existiert längst.
Ist es denn so schwer zu erkennen, dass Du diese Kontrolle niemals wieder bekommen wirst? Ja, es ist schwer - unsagbar schwer. Denn es rüttelt an Deinem Selbstbewusstsein.
Dabei sind die Kompetenzen Deine Sucht zum Stillstand zu bringen doch bereits in Dir! Manch einer mag nun denken, dass Du hier wie nach einem Kater einfach nur rumjammerst.
Zu einem Teil ist das sicherlich auch wahr und legitim, doch eigentlich ist Dein Beitrag ein Hilfeschrei. Du wünschst Dir Hilfe, weil Du diese Kompetenz besitzt um sie zu bitten.
Du musst Deiner Sucht mehr entgegen setzen als einfach nur "nichts" zu tun. Wenn nicht, dann wird sich das hier im Laufe der nächsten Jahre immer und immer wiederholen.
Brauchst Du das? Diese Traurigkeit? Enttäuschung? Den Selbsthass? - Wohl kaum!
Wende Dich also jetzt an die Suchthilfe auch bei Dir vor Ort. Mache Nägel mit Köpfen!
Und wenn Du jetzt denkst: Nein, nein ... ich schäme mich, ich habe Angst, ich schaffe das nicht ... dann hat diese Sucht in Dir schon ganze Arbeit geleitstet, denn diese Gedanken stammen von ihr - sie will sich schützen.
Rufe oben die Hotline an und lasse Dich unterstützen. Die Jungs und Mädels am anderen Ende werden Dir bei Deiner Suche nach der für Dich richtigen Hilfe helfen.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 18 Dezember 2020, 06:16:28
Ich habe nie Blockersoftware installiert, weil ich mit pokern schon einige Gewinne gemacht habe.
Leider kommen dann immer diese Aussetzer.

Meine Gedanken sind auch: Warum gibt es viele Leute die mit pokern ihr Geld verdienen? Die sind hauptberuflich Pokerspieler.
Es gibt kaum professionelle Slotspieler, weil auf lange Sicht immer das Casino gewinnt, da man grad online gegen Automaten spielt. Beim pokern spielt man gegen menschliche Gegner und kann sich durch mathematisches Wissen, Strategie einen Vorteil verschaffen.
Das sind meine Gedanken, oder ist das auch schon die Sucht die da spricht?

Warum spiele ich poker, kann aber gleichzeitig andere Sachen wie sportwetten, slots etc ignorieren?
Diese Dinge reizen mich nicht.

Ich habe auch eine ganz kuriose Feststellung bei mir gemacht: Als ich gestern mal wieder innerhalb von ein paar Stunden mein Pokerkonto von mehreren tausend Euro auf null verzockt habe, setzte sich bei mir sogar eine Art Erleichterung/Zufriedenheit ein. Ja, ich war kurz traurig, aber dann eher froh.
Vielleicht froh das ich kein Geld mehr zum spielen hatte und erstmal befreit bin?

Meine Eltern sehe ich öfters, da wir im gleichen Haus wohnen (getrennte Wohnungen). Sie fragten schon warum ich in letzter Zeit so kurz angebunden bin. Ich war nur kurz da, um schnell wieder ein Turnier
spielen zu können.

Als ich letztes bei meiner Freundin war und gespielt habe, wollte sie mir noch einen gute Nacht Kuss geben.
Ich habe sie dann total abgelehnt und gesagt ich müsse mich hier konzentrieren. War auch schon leicht aggressiv dabei.

Mein Traum war es immer mit Poker mir einen schönen Nebenverdienst aufzubauen.
So 300-400 Euro im Monat zusätzlich zu meinem Hauptberuf.

Ich möchte nicht bis 68 arbeiten, bzw. mein ganzes Leben Vollzeit. Die Vorstellung ist grausam. Daher suchte ich nach Alternativen, um nebenbei etwas zu verdienen.

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 18 Dezember 2020, 10:31:36
Hi!

Ich bin der Sohn eines Fliesenlegers. Selbst habe ich aber Vermessungstechniker gelernt. Gut, ich habe jetzt nie davon geträumt Fliesenleger zu werden, doch so ganz bin ich aus der Nummer nicht raus gekommen, ich schaue mir z.B. gerne Handwerkersendungen an. Als ich selbst gebaut habe, da habe ich mich auch selbst ans Fliesenlegen gemacht.
Meine Betontreppe z.B. habe ich alleine gemacht, sie ist zwei Mal viertelgewendelt. Oder die drei Stellen, wo ich Glas-Alu-Mosaik an die Wände gebracht habe. Auch meiner Schwester habe ich alleine ihre Kellertreppe gefliest. Aber ich weiss auch, wo meine Grenzen sind. Silikonfugen bekomme ich einfach nicht hin. Das überlasse ich Anderen, denn damit versaue ich sonst das, was ich vorher auf die Beine gestellt habe.
Mein Silikon ist Dein Pokerm!

Zitat
Das sind meine Gedanken, oder ist das auch schon die Sucht die da spricht?

Du weisst es ja bereits. Natürlich ist sie das. Schau Dir mal nur an, was danach mit Dir passiert ist. Ein wenig Trauer über das Geld wird verspürt und wird dann aber sofort verdrängt.
Wieso eigentlich? Du willst doch konstant Geld hinzu verdienen - Monat für Monat. Und nun musst Du Monat für Monat Geld zurück legen - von Deinem Vollzeitjob - um wieder auf den Stand des Ersparten zu kommen oder Schulden abzubauen.
Stattdessen stellte sich ein Gefühl der Befreiung ein. Aber nicht etwa, weil nun kein Geld mehr da war, um weiter zu machen - Du hattest Deine Sucht befriedigt.
Es war nun einfach genug mit der Ausschüttung von Glücklichmachern in Deinem Körper.

Gibt Dir Dein Verhalten gegenüber Deinen Liebsten nicht zu denken während der Spielphase? Sie weisen Dich auf Deine Wesensänderung hin! Die suchtbedingte Reaktion ist doch erschreckend - oder nicht?
Da bevorzugst Du das Spiel und wirst sogar agressiv ihnen gegenüber. Willst Du so sein? Ihnen gegenüber verletzend sein?
Wohin wird Dich dieser Weg langfristig führen? In die klassische soziale Isolation eines Süchtigen? Willst Du das?

Ach herrje ... ich darf noch mit 65 jahren in Rente gehen. Ganze 12 Jahre habe ich da noch in Vollzeit zu arbeiten. Ob mein Körper das mitmacht, das wird sich noch zeigen.
Aber weisst Du, wie ich vorsorge? Ich habe mir mit 43 Jahren ein Häuschen gebaut und habe es in etwas über 5 Jahren abbezahlt. Ab dem Zeitpunkt lebe ich quasi "mietfrei".
Weisst Du, was mir dabei hilft? Ein Nebenjob! Da verdiene ich gerade 450 € zusätzlich zu meinem normalen Gehalt. Dieses Geld packe ich nicht nur in die Tilgung, sondern erlaube mir hier und da etwas am Häuschen zu machen. Es mir schön zu machen. Die Tage erst habe ich mir eine neue Couch bestellt. Im nächsten Jahr erlaube ich mir einen Schreiner zu bestellen. Der Soll mir noch eine Zarge setzen, ein Stück Treppenlochverkleiunf anfertigen und anbringen und es soll mir eine Garderobe passgenau schreinern.
Ich habe eine Lebensversicherung, noch nach alter Rechtslage, die mir mit 65 Jahren ausgezahlt wird.
Genau wie Du arbeite ich im ÖD und erhalte eine sozialabgabenpflichtige Rente aus der Zusatzversorgungskasse.
Mir wird es also finanziell gut gehen. Vielleicht so gut, dass ich mir sogar Abschläge erlauben kann, wenn ich noch früher in Rente gehe.

Wie möchtest Du dieses Ziel erreichen, wenn Du Deiner Sucht nachgibst und Geld, welches Du in Deine Zukunft stecken könntest stattdessen lieber pulverisierst?
Du bist etliche Jahre jünger als ich. Du könntest also Deine Alterssicherung weit vor mir aufbauen. Doch so weit denkst Du durch Deine Sucht nicht - genau wie ich damals.
Es hat ja noch Zeit - Du bist noch jung ... Weit gefehlt! Denn auf einmal gehst Du nicht mehr auf die 30, sondern auf die 40 zu, dann auf die 50 und dann bist Du darüber hinaus.

Nein, der einzige Weg für Deine erträumte frühzeitige Rente beginnt heute - und der funktioniert nicht bei weiterer Ausübung Deiner Sucht.
Also nutze die Chance und rufe die Hotline an!
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: PekingEnte87 am 18 Dezember 2020, 18:47:18
Hey,
ich glaube denn Gedanken vom schnellen kennt in diesem Forum jeder. Aber die Realität liest du hier in den ganzen Beiträgen, von zerüttelten Familien, Privatinsolvenz usw.

Klar gibt es auch Ausnahmen die wirklich von Poker leben können.

Aber es würde nicht so viele Pokerhütten geben wenn das die Regel wäre. Und ein paar Spieler die gewinnen braucht jede Pokerbude für Werbezwecke. Die können ja schlecht einen dahin stelle  der Haus und Hof verloren hat und sagen Pokern ist toll.

Ich habe mich auch lange und ausgiebig mit Poker beschäftigt und du kannst noch so nen Mathe Ass sein noch so viele Wahrscheinlichkeiten berechnen, es kann immer schief gehen.

Habe in meinem Leben schon Hände verloren die eigentlich gar nicht mehr zu verlieren waren.
Und ob beim Online Poker immer alles mit rechten Dingen zugeht da gibt es auch verschiedene Meinungen.
Gruß
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 18 Dezember 2020, 19:18:21
Hallo Tobi,
Die Oma eines Freundes hat immer gesagt:
"Rechne dich reich und scheiß dich arm"

Ich habe nur eine Frage: willst du aufhören?

Eigentlich wohl nicht. Solange du glaubst, dass du mit pokern längerfristig Geld verdienen kannst,  hast du keine Chance die sucht zu stoppen.

Viele Grüße
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Somewhere87 am 18 Dezember 2020, 21:28:20
Hi Tobi!

Was willst du eigentlich wirklich? Deine Posts klingen eher wie "Gebt mir mal Tipps damit ich meine Gewinne nicht verspiele" als "Ich hab ein Problem".

Das Pokern bestimmt dein Leben. Du stellst es über einen Kuss deiner Freundin.

Und das "viele" davon leben können ist nicht richtig. Das wird gerne suggeriert. Ist aber einfach nur gelogen. Einige wenige können das. Millionen andere nicht.

Du erleidet suchttypische Kontrollverluste.

Du willst nicht bis 68 Vollzeit arbeiten? Kann ich verstehen. Mein Ziel ist es übrigens mit spätestens 40 nur noch 30 Stunden zu arbeiten, mit dem gleichen Gehalt welches ich aktuell habe. Ich weiß aber, dass wenn ich so weiter spiele wie die letzten Jahre, muss ich bis zum Ende buckeln um überhaupt über die Runden zu kommen.

Ich rate dir erstmal darüber klar zu werden was du wirklich willst. Darauf kann man aufbauen.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 19 Dezember 2020, 11:47:17
Hallo Zusammen,

vielen Dank für eure Rückmeldungen.
Ich habe gestern einen für mich großen Schritt getan: Ich habe meiner Freundin von meiner Problemen erzählt. Wir sind schon länger zusammen, wohnen aber nicht zusammen (Fernbeziehung). Ich habe ihr auch nicht die Dimensionen meiner Verluste genau erzählt. Habe ihr aber erzählt, dass ich da die Kontrolle verliere und ein Problem habe.

Sie hat von mir meine Log-in Daten für alle Pokerclients erhalten und wird die Passwörter ändern, damit ich da keinen Zugriff mehr drauf habe.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 19 Dezember 2020, 12:33:36
Sehr gut!
Handeln ist der Schritt in die Spielfreiheit
Jetzt erforsche dein Unbewusstes..
Gibt's da noch Hintertüren? Willst du einen kleinen Spalt offenhalten?

Was bist du noch bereit für deine Spielfreiheit zu tun?

Viele Grüße
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Somewhere87 am 19 Dezember 2020, 12:37:50
Dich deiner Freundin zu öffnen war ein mutiger und guter Schritt.

Wieso hast du denn deine Konten nicht direkt gesperrt?
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 19 Dezember 2020, 12:40:42
Passwörter kann man sich schnell zurücksetzen lassen.
Accounts wegen Spielsucht sperren lassen könnte hilfreicher sein . Das hat den Vorteil, dass du auch keine Gewinne mehr erhältst...sollte also abschrecken, wieder einzuzahlen

Du musst auch ganz weg vom pokern. Auch nicht um Punkte. Schaffst du das?
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 19 Dezember 2020, 12:56:06
Passwörter kann man sich schnell zurücksetzen lassen.
Accounts wegen Spielsucht sperren lassen könnte hilfreicher sein . Das hat den Vorteil, dass du auch keine Gewinne mehr erhältst...sollte also abschrecken, wieder einzuzahlen

Du musst auch ganz weg vom pokern. Auch nicht um Punkte. Schaffst du das?

Also ich hab mir überlegt nur noch einmal die Woche unter "Aufsicht" zu spielen. Heißt meine Freundin bekommt von mir alle Login Daten, ich werde ihr offen meine Turniere zeigen, die ich spielen werde.
Somit erhoffe ich mir eine Art kontrolliertes spielen.

Ich weiß nicht, ob ich ganz drauf verzichten möchte. Ich habe mich jahrlang mit Theorie beschäftigt, pokerseminare besucht und ich fände es schade, um das ganze Wissen.

Mir ist aber absolut bewußt, dass man bisheriges Pokerverhalten schlecht war!
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Born4Nothing am 19 Dezember 2020, 13:23:58
Zitat
Mir ist aber absolut bewußt, dass man bisheriges Pokerverhalten schlecht war!

Wenn dem wirklich so wäre dann würdest du diesen Satz nicht von dir geben -->

Zitat
Also ich hab mir überlegt nur noch einmal die Woche unter "Aufsicht" zu spielen. Heißt meine Freundin bekommt von mir alle Login Daten, ich werde ihr offen meine Turniere zeigen, die ich spielen werde.
Somit erhoffe ich mir eine Art kontrolliertes spielen.

Die Hoffnung stirbt immer zuletzt....auch wird das bei dir der Fall sein denn man kann sich ja vieles schön reden - alles selbst erlebt...
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 19 Dezember 2020, 14:46:26
Und du verheimlichst deiner Freundin das Ausmaß deiner Verluste, weil sie dich sonst nicht bei deiner Suchtausübung unterstützen würde..  das ist eine ganz miese Handlung

Sag ihr zumindest die ganze Wahrheit.

Um die Ausgangsfrage zu beantworten: du begreifst es nicht, weil du es nicht begreifen willst.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 19 Dezember 2020, 14:47:52
Hi Tobi!

Mir ist da gerade echt ein schwermütiger Seufzer beim Lesen über die Lippen gekommen.

Zitat
Ich weiß nicht, ob ich ganz drauf verzichten möchte. Ich habe mich jahrlang mit Theorie beschäftigt, pokerseminare besucht und ich fände es schade, um das ganze Wissen.

Also ich büffele seit Jahren Möglichkeiten im Umgang mit Glückspielsucht. Dazu besuche ich Seminare und nehme an Workshops teil. Im Moment, noch über das kommende Jahr verteilt, nehme ich Teil an einer Gruppenleiterschulung. Ich fände es schade um das ganze Wissen, wenn ich heute wieder spielen würde.
Dieses Wissen verschafft mir kein Vermögen, doch es macht mich reich - reich an Erfahrungen!

Ich biete Dir diese nun an und es steht Dir frei sie anzunehmen oder nicht. Kurzum: Es wird nicht funktionieren! Aber weitaus schlimmer, Du involvierst Deine Freundin in Deine Sucht - wenn ich das so sagen darf: Du mißbrauchst sie für Deine Zwecke.

Du stehst an einem Punkt, an dem Du Dich schlicht entscheiden musst. Entweder Du machst weiter wie bisher oder Du veränderst die Situation. Das kann nur bedeuten, dass Du das Glückspiel los lassen musst.
Ja, ich benutze bewusst das Wort "müssen", denn das, was Du da vor hast, das dient nur dazu Deiner Sucht nachzugeben. Ich verstehe das, habe ich selbst doch jahrelang versucht durch Arrangements mit mir selbst lediglich die "negativen" Aspekte weg zu lassen. Damit habe ich nur Zeit verplempert. Denn sie kommen wieder, früher oder später - doch sie kommen garantiert!
Du wirst wieder die Kontrolle verlieren.

Wenn Du meine Beiträge hier liest, dann wird Dir vielleicht aufgefallen sein, dass ich niemals von Heilung spreche. Ich spreche von Genesung!
Ein gebrochener Knochen heilt - er wächst wieder zusammen und der Knochen ist irgendwann wieder so stabil wie eh und je.
Leidest Du aber unter Plaque, dann heilen nur die Bläschen und eingerissenen Mundwinkel. Der Verursacher aber, ein Bakterium, versteckt sich im Körper und es reicht schon sich zu ekeln, damit die Krankheit wieder ausbricht. Also sorgst Du dafür, dass Du Dich nicht ekelst. Du pflegst Deine Haut, ernährst Dich gesund. Dies ist dann Dein Genesungsweg!

Mit Deiner Idee packst Du nur Nivea auf die Bläschen. Ob das für Dich förderlich ist? Nein, Du verlängerst Deinen Leidensweg!

Ich kenne jemanden, der hatte die Sparbücher seiner Kinder leer geräumt. Als er in Gefahr war aufzufliegen, kam ihm die Idee Tankstellen zu überfallen.
Es ist nur bei dieser Idee geblieben. Gott sei Dank.
Siehst Du nicht auch die Parallelen zu Deiner Idee? Der Absurdität?

Gehe noch mal in Dich und dann spreche offen und ehrlich mit Deiner Freundin! Was wird sie wohl zu Deiner Idee sagen?

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Auskuriert1 am 19 Dezember 2020, 14:53:00
Schau doch noch mal was Olli dir geschrieben...ein gaaaaaz gaaaaanz wichtiger Satz!

"Warum Du es nicht begreifst? - Weil Du eine Sucht entwickelt hast und diese Sucht Deine Gedanken infiltriert."

In etwas klareren Worten: noch DU BIST SUCHTGESTEUERT.

Und nur mal so unter uns, um aufzuhören musst Du dir erstmal darüber im klaren sein was Du überhaupt willst, alles andere macht überhaupt keinen sinn.
Und was Deine Art von kontrolliertes spielen betrifft, denke nochmals drüber nach! -dass hat in deiner Vergangenheit nicht funktioniert,
dass wird heute nicht funktionieren und wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

Also ich hab mir überlegt nur noch einmal die Woche unter "Aufsicht" zu spielen. Heißt meine Freundin bekommt von mir alle Login Daten, ich werde ihr offen meine Turniere zeigen, die ich spielen werde.
Somit erhoffe ich mir eine Art kontrolliertes spielen.


So so ...jetzt ziehst du auch noch deine Freundin mit in deinen DRECK!!!
Als Freundin hätte ich dich gekündigt, vor allem weißt Du und weiß ich, aber leider nicht Deine Freundin worauf sie sich da einlässt.


Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 19 Dezember 2020, 17:29:18
Hi Tobi!

Na, da bekommst Du ja mächtig Input! ;)

Sei Dir bitte gewiss, dass Dir niemand etwas Böses möchte. Wenn Du hier bei einigen Beiträgen in Dir Wiederstand spürst, dann nur, weil Du nicht loslassen kannst, derzeit.
Ich finde es prima, dass Du das Forum und seine Mitglieder nutzt, um Dich zu sortieren.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Somewhere87 am 19 Dezember 2020, 17:31:49
Hi Tobi.

Zu deiner Idee kontrolliert spielen zu wollen gab es ja genug Antworten.
Ich sage: Probier es aus. Und ziehe selber deine Schlüsse daraus. Beobachte dich davor und auch die Tage danach. Wie geht's dir damit? Was beschäftigt dich in den Tagen danach?

Ich hab das, ganz genau das, auch schon hinter mir. Ich musste es aber selbst merken und hinfallen.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Future am 19 Dezember 2020, 19:24:46
Wie bei allen Süchten... Ganz oder gar nicht..
Ein bisschen geht schon..., ach nur ein Bier.., nor die eine Wette.. Nur 50 Euro... Nur 1x die Woche.. Nur nur nur...
Es soll angeblich welche geben, die die Kontrolle nach heftigen Missbrauch wieder erlangen.., und die Sucht kontrollieren können.
Doch es steigert sich meistens!!
Ich dachte mir oft, ach 1x die Woche... Und dann? scheissdreck! Funktioniert nicht...
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Future am 19 Dezember 2020, 19:27:06
Respekt an die Vorredner. Gut geschrieben!!
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Future am 19 Dezember 2020, 19:29:37
Die Überschrift ~warum begreife ich es nicht~ sagt schon alles! Ich begreife es nach 20 Jahren spielsucht noch immer nicht...
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Auskuriert1 am 20 Dezember 2020, 10:39:01
Ich begreife es nach 20 Jahren spielsucht noch immer nicht...
Was hindert dich daran das zu ändern? Nur du selbst!
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 20 Dezember 2020, 13:42:08
Hallo Zusammen,

ich melde mich nochmal zur Wort.
Danke für die vielen Rückmeldungen.

Es ist ein schönes Gefühl, dass jetzt meine Freundin eingeweiht ist. Ja sie weiß nicht das ganze Ausmaß, aber mich überhaupt zu öffnen und ein Problem zuzugeben, hat mich viel Überwindung gekostet.
Die Accounts laufen sogar mittlerweile über ihre E-Mail-Adresse, heißt ein Passwort zurücksetzen ist für mich nicht möglich.

Die letzten Tag kreisten sich meine Gedanken oft um meinen Verlust.
Aber ich kanns jetzt auch nicht mehr ändern. Das Geld ist weg.
Ich kann nur noch nach vorne schauen.

Das Leben ist wie ein Buch, man hat jeden Tag die Chance ein weißes Blatt mit seiner neuen Geschichte zu schreiben.

Mit dem kontrollierten spielen werde ich ausprobieren, aber zunächst nehme ich Abstand vom pokern.

 

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 20 Dezember 2020, 14:13:41
Ja, du kannst nur nach vorn schauen.

Du kannst aber auch nein sagen zum Suchtteufel, der dir einredet, dass es schade um das Pokerwissen ist

Du hast  jetzt! die Chance zukünftige Verluste zu vermeiden.
Machst du weiter, kannst du ganz viel verlieren. Dein Geld, deine Freundin, deine Selbstachtung.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Dennis47 am 20 Dezember 2020, 14:27:40
Hi!

Ich bin der Sohn eines Fliesenlegers. Selbst habe ich aber Vermessungstechniker gelernt. Gut, ich habe jetzt nie davon geträumt Fliesenleger zu werden, doch so ganz bin ich aus der Nummer nicht raus gekommen, ich schaue mir z.B. gerne Handwerkersendungen an. Als ich selbst gebaut habe, da habe ich mich auch selbst ans Fliesenlegen gemacht.
Meine Betontreppe z.B. habe ich alleine gemacht, sie ist zwei Mal viertelgewendelt. Oder die drei Stellen, wo ich Glas-Alu-Mosaik an die Wände gebracht habe. Auch meiner Schwester habe ich alleine ihre Kellertreppe gefliest. Aber ich weiss auch, wo meine Grenzen sind. Silikonfugen bekomme ich einfach nicht hin. Das überlasse ich Anderen, denn damit versaue ich sonst das, was ich vorher auf die Beine gestellt habe.
Mein Silikon ist Dein Pokerm!

Ich hoffe das Ich nun nicht den Verlauf der wirklich guten Ratschläge für ihn crashe, aber diesem Zitat kann Ich inhaltlich nicht ganz folgen bzw. verstehe die Aussage nicht so ganz. Wenn auch gleich das Ganze nur Sinnbildlich gemeint sein wird, aber Handwerkliche Ungeschicklichkeit und Spielsucht ?!

Zitat
Mein Traum war es immer mit Poker mir einen schönen Nebenverdienst aufzubauen.
So 300-400 Euro im Monat zusätzlich zu meinem Hauptberuf.
Dieses Zitat, lieber Tobi, erklärt doch bereits deine innerliche Problematik. Mit Glücksspiel, so beschreibt es der Begriff ja schon, kann man keine langfristige wirtschaftliche Einnahmequelle generieren; bzw. mit dem man wirklich in seiner Haushaltkalkulation planen kann. Sicherlich ist Poker auch nicht mit Glücksspielautomaten vergleichbar. Weil eben der "Gegner" keine programmierte Maschine ist sondern menschlich. Hier bestehen psychologische Möglichkeiten um Wahrscheinlichkeiten des Glücksspieleinsatz zu beeinflussen, aber wenn man am Ende Bilanz zieht, Gewinne und Verluste entgegenrechnet, erhält man die Erkenntnis, das man mit keinem Glücksspiel der Welt auf Dauer wirklich Geld "verdienen" kann. Selbst die großen Gewinner aus den Pokerturnieren wo enorme Preisgelder rausgingen. Meinst du, die haben das Geld genommen und sich danach aus dem Pokerspiel verabschiedet und sich mit dem Gewinn ein glücksspielfreies Leben gegönnt?

Ich habe vor einigen Jahren auch gerne mal an einem Pokertisch gesessen, mit meinen Freunden hatten wir immer ein Abend im Monat, wo wir uns da zusammen getroffen haben. Jeder ein 10er in den Pott, der Sieger erhielt nen Fuffi, der zweitplatzierte nen Zwanni. Am Ende des Abends landete die Kohle in den Kneipen und Discotheken, die dann meistens in flüssiger Form wieder an jeden einzelnen "zurückgeben" wurde.

Wenn man Geld verdienen will, dann kannst du lieber ne Silikonfuge verpfuschen, aber das Gehalt bekommst du am Ende des Tages trotzdem. Ohne das du eigenes Geld einsetzt um den gewollten Gewinn zu erzielen, mit dem man seine monatlichen Fixkosten finanzieren muss.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 20 Dezember 2020, 17:15:14
Hi Dennis!

Im Bildnis ging es mir darum aufzuzeigen, dass ich handwerklich nicht unbedarft bin. Doch mein "Können" schließen die Silikonfugen nicht mit ein.
Tobi ist ja von seinem Können überzeugt - wenn da nur diese Kontrollverluste nicht wären.

Und natürlich ... jedes Bildnis hat seine Haken, da gebe ich Dir Recht ... :)
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 22 Dezember 2020, 07:24:55
Hallo Zusammen,

hier ein kurzes Update:
Ich spiele jetzt seit 4 Tagen nicht mehr und ich bin heilfroh meine logindaten abgegeben zu haben, da ich sonst gestern Abend gespielt hätte.
Ich war zuhause, hatte alles erledigt und der Gedanke jetzt eine entspannte Runde zu spielen war extrem da.
Hätte niemals gedacht so einen Spieldruck zu entwickeln und das beim pokern.

Der Blick auf mein Konto mit dem Dispo stark im Minus, ist immer noch schlimm.
Zum Ende des Monats geht fast der ganze Lohn drauf, nur um wieder etwas im Plus zu sein.
Echt bekloppt...

Dabei hatte ich genau letzte Woche zu diesem Zeitpunkt ne große Summe gewonnen. Ich wäre damit dick im Plus, hätte sogar noch was auf meinem Pokerkonto gehabt.
Ich hatte die Auszahlung direkt am Dienstag beantragt, dauert eigentlich nicht länger als 24 Stunden...

Es war Donnerstag Nachmittag und ich drücke den Button "Auszahlung stornieren"....


Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 22 Dezember 2020, 08:25:23
Hi Tobi!

Dein Suchtdruck, den Du da verspürt hast, ist ein ernst zu nehmendes Warnzeichen.

Zitat
Ich wäre damit dick im Plus, hätte sogar noch was auf meinem Pokerkonto gehabt.

Hierzu gibt es zwei Dinge zu sagen:
1. Wenn Du Geld auf dem Pokerkonto belässt, dann ist dies die Planung zum nächsten Spiel. Dir hätte das dicke Plus also gar nicht gereicht.
2. Du denkst hier sehr kurzfristig. Nicht verwunderlich, denn das Glückspiel ist generell darauf ausgerichtet. Wenn Du weiter spielst, dann ist jeder noch so hohe Gewinn langfristig  lediglich der Einsatz fürs nächste Spiel. Es gibt also gar keinen "Gewinn".



Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 22 Dezember 2020, 09:44:54
Ja, das kleine Spielteufelchen.....

Es quält uns mit dem Gedanken: "Was wäre wenn...."
Wenn ich ausgezahlt hätte, wäre es doch so schön....
Wenn ich nochmal einzahle, habe ich die Chance, es beim nächsten Gewinn anders zu machen....
Es hat doch schonmal geklappt, muss also wieder klappen.....

Manchmal lässt es uns sogar eine Zeitlang "kontrolliert" spielen, um uns in Sicherheit zu wiegen, um dann beim nächsten Kontrollverlust wieder um so heftiger zuzuschlagen.

Du musst dich vom verlorenen Geld "verabschieden" - solange du dem noch hinterher trauerst, bist du immer in Gefahr.

Ich habe nach Beginn meiner Abstinenz zunächst mehr als zwei Jahre meine Schulden abgezahlt, jetzt sammelt sich das Geld, was ich normalerweise verspielt hätte im Plus. Da kannst du auch hin.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 06 Mai 2021, 11:29:44
Hallo Zusammen,

wie ihr den vorherigen Beiträgen entnehmen könnt, wollte ich "kontrolliert" pokern.
Der Plan war das meine Freundin die Daten für den Pokeraccount hat und ich nur unter Aufsicht spiele.
Das hat ja alles super funktioniert:
Ich habe irgendwann einfach die E-Mail Adresse im Pokerclient geändert und konnte mich somit selbst wieder einloggen. Außerdem hat sie da auch nicht mehr ein Auge drauf geworfen. Die Einsätze wurden entgegegen der Absprache wieder größer und auf Rückfragen wie es denn lief, habe ich gelogen und gesagt es lief gut.
Mitte März kam der großen Augenblick: Ich habe fast 10.000 Euro bei einem Turnier gewonnen.... Dadurch wären meine Verluste der letzten Jahre ausgeglichen und ich hätte sogar noch was übrig gehabt. Brav habe ich 8.000 Euro auszahlen lassen. Die restlichen 2.000 Euro auf dem Pokerkonto waren schnell weg.

Den Rest habe ich nach und nach wieder eingezahlt. Ich habe immer mal wieder was gewonnen, sodass sich das Verhältnis zwischen Gewinn und Verlust immer die Wage hilt. Die letzten Wochen liefen aber total schlecht. Mitterweile sind die 8.000 Euro komplett weg. Außerdem habe ich Stand heute mein Gehalt verzockt. Ich habe ein Minus auf meinem Konto (und es ist erst der Monatsanfang), keine Ersparnisse mehr und habe soeben einen Kredit aufgenommen (das war die letzte Lösung, um wieder ins Plus zu kommen).

Ich habe einen Selbstausschluss bei allen restlichen Pokerkonten durchgeführt.
Ich kann ihr aber nicht von der Lage erzählen. Im Prinzip habe ich Ihre Daten ausgenutzt, um spielen zu können. Dazu habe ich sie monatelang belogen.  Wenn ich ihr das erzähle, ist das Vertrauensverhältnis komplett zerstört und ich weiß nicht, ob aus ihrer Sicht dann noch eine Beziehung möglich ist. Dann würde ich meinen großen Rückhalt verlieren.

Es ist wirklich erschreckend wie die Zockerei sich negativ auf alle anderen Lebensbereiche auswirken kann. Ich bin eigentlich super aktiv im Sportbereich, aber immer wenn es mal wieder schlecht lief beim pokern, habe ich tage oder wochenlang kein Sport gemacht, war total schlecht gelaunt und habe mich sehr schlecht ernährt. Ich habe teilweise halbe Nächte durchgezockt, war total übermüdet und konnte meinen Hauptjob nicht mit 100 Prozent Leistung durchführen.

Ich möchte die Chance nutzen und jetzt für immer damit aufhören.
Es tut mir leid, dass ich auf die vielen Kommentare in meinem Beitrag nicht hören wollte. Ich habe es nicht wahr haben wollen.

Und wer nicht hören will, muss anscheinend jetzt leider mit den Konsequenzen leben...

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Marieclaire am 06 Mai 2021, 12:53:19
Wenn Sie es selber herausfindet wird es viel schlimmer sein als wenn du es selber erzählst
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Balduin am 06 Mai 2021, 15:57:47
Hey Tobi,

Die Lüge und die Heimlichkeit sind die Erfüllungsgehilfen der Spielsucht.

Der Vertrauensbruch ist die Voraussetzung für den Rückfall. Der Spielteufel in dir hat es geplant und durchgezogen.Es ist passiert und das ist Teil einer schlimmen Krankheit.

Der Kredit kann weitere Suchtmittelbeschaffung sein (insbesondere wenn der "Spielteufel" dir einredet, dass du ja außer dem Kontoausgleich und Geld zum Leben auch noch eine kleine Reserve für unvorhersehbare Ausgaben brauchst).

Es reicht nicht, wenn du dir vornimmst nicht mehr zu spielen und dich sperren lässt. Du musst mehr aktiv tun (Beratung, Selbsthilfe..) der Kontrollverlust wird dich sonst irgendwann wieder ereilen.
Weihe deine Freundin ein, dass du nicht kontrolliert spielen kann und dass du dir deshalb jetzt Beratung suchst.

Viele Grüße
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Olli am 06 Mai 2021, 17:26:57
Hi Tobi!

Zitat
Es tut mir leid, dass ich auf die vielen Kommentare in meinem Beitrag nicht hören wollte. Ich habe es nicht wahr haben wollen.

Und wer nicht hören will, muss anscheinend jetzt leider mit den Konsequenzen leben...

Selbstmitleid bringt Dich nicht weiter und von uns wirst Du auch keine Schelte erfahren. Also weg mit den dunklen Gedanken und wieder ran an die Buletten ...
Ich habe es hier schon hunderte Male erzählt, dass ich auch versucht habe mich mit meiner Sucht zu arrangieren.
Irgendwann hatte ich dermaßen den Kanal voll, dass ich davon weg wollte und meine Abstinenzentscheidung getroffen habe.
Ich hoffe, dass Deine Worte, Du möchtest aufhören, ebenso tief aus Deiner Seele kommen, wie meine damals. Ob dem tatsächlich so ist, wird erst die Zukunft zeigen.
Denn ich weiss noch genau, wie oft ich vorher mir geschworen habe nicht mehr zu spielen und mir erst im Nachhinein klar geworden ist, dass ich mir selbst etwas vorgemacht habe.

Ich schließe mich natürlich den beiden Vorrednern an. Was den Vertrauensbruch angeht, da wusstest Du genau, was Du getan hast. Du kanntest die Risiken. Sicherlich wirst Du sogar Erleichterung verspürt haben, dass Deine Freundin die Sache nicht wirklich ernst nimmt (ohne ihr einen Vorwurf zu machen!). Doch anstatt sie aufzuklären über die Gefahren und damit eines der berühmten Hintertürchen zu verschließen, hast Du geschwiegen. Vielleicht war es Dir unangenehm darüber zu reden oder was weiss ich. Doch der Fakt bleibt ... Du hast erst still gehalten und dann hast Du die Situation ausgenutzt.
Wenn Du es ihr also jetzt nicht sagst, dann stiehlst Du Dich aus der Verantwortung.

Genesung ist ein Prozess und dabei gibt es nun mal auch Rückschläge. Wichtig ist nur, dass Du Dich aktiv weiter entwickelst, indem Du an Dir arbeitest.
Hast Du an Dir gearbeitet? Ich vermute mal nicht.
"Arbeiten" klingt natürlich nach Aufwand. Doch wenn ich den Begriff nutze, dann assoziiere ich ihn auch mit Freude. Meine tatsächliche Arbeit macht mir nämlich Spaß.
Hier befasse ich mich auch immer wieder mit neuen Themen, in die ich mich natürlich auch hinein"arbeiten" muss.
So konnte ich diese Woche gleich mehrere Kollegen aus anderen Abteilungen beglücken, weil ich mich kurzfristig in ein Thema vergraben und dann spezielle Plangrundlagen liefern konnte. Und wenn Andere sich freuen, dann freue ich mich natürlich auch.
Überege mit Deiner Freundin doch mal, welcher Bereich der Suchthilfe Dir gefallen könnte. Und dann gehst Du es an ...
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Marieclaire am 06 Mai 2021, 17:44:52
Ich habe selbst herausgefunden welche Spielschulden mein Mann " produziert" hat. Für mich ist das absoluter Verrat. Zumal er das Ganze immer noch runterspielt, alle Wetten doch mal, es ist sein eigenes Geld was er verspielt, ....
Auch wenn die Wahrheit bitter ist, kann man / ich damit umgehen. Alles was ich selber herausgefunden habe gibt mir immer das Gefühl  das da immer noch etwas ist was ich nicht weiss und das Vertrauen ist weg.
Mit Ehrlichkeit hast du die Chance Unterstützung zu bekommen, wenn du weiter verheimlichst stehst du bald alleine da.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Tobi88 am 06 Mai 2021, 18:33:52
Ich habe meiner Freundin zwischenzeitlich gesagt, dass ich das nicht mehr unter Kontrolle habe. Ich glaube aber das sie sich der ernsten Lage nicht bewusst war. Ich habs auch immer wieder mit Gewinnen rausgeschafft. Aber jetzt es ist der Zeitpunkt, wenn ich nicht aufhöre geht es richtig in die Schuldenfalle.
Ich habe ihr aber erzählt, dass ich eine Beratung aufsuchen möchte.

 
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Marieclaire am 06 Mai 2021, 19:02:06
Mach das, vielleicht findest du sogar "Sparingspartner", also Leidgenossen denen es genau so geht wie dir. Deine Freundin wird am Anfang sicher sauer sein ( berechtigterweise), aber wenn du ehrlich bist wird sie dich unterstützen.  Warum sollte sie dich unterstützen wenn du sie belügst und wichtige Sachen verheimlichst?
 Bitte frage dich immer wie du reagieren würdest wenn du rausfindest das dich jemand nahestehendes hintergeht.
Und wie würdest du reagieren wenn dir jemand erzählt das er Mist gebaut hat und Hilfe braucht.

Ich bin von meinem Mann so enttäuscht das er keine Eier hat einzugestehen was er gemacht hat. Bei den Schulden würde ich ihn sogar helfen, sehe aber nicht ein wenn er nicht redet so was mitzugehen.
Die grösste Enttäuschung ist sein Verhältnis wie Er mit der Situation umgehen und nicht das fehlende Geld.
Geld kann man sich erarbeiten, Schulden tilgen aber zerstörtes Vertrauen nur schwer.
Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: endlichdurchziehen am 07 Mai 2021, 11:43:52
Den Rest habe ich nach und nach wieder eingezahlt. Ich habe immer mal wieder was gewonnen, sodass sich das Verhältnis zwischen Gewinn und Verlust immer die Wage hilt. Die letzten Wochen liefen aber total schlecht. Mitterweile sind die 8.000 Euro komplett weg. Außerdem habe ich Stand heute mein Gehalt verzockt. Ich habe ein Minus auf meinem Konto (und es ist erst der Monatsanfang), keine Ersparnisse mehr und habe soeben einen Kredit aufgenommen (das war die letzte Lösung, um wieder ins Plus zu kommen).

Und genau diese Scheisse habe ich jahrelang gemacht. Kredit aufgenommen um das Konto wieder zu "normalisieren". Was passiert? Ich bin der Meinung ich könnte den Kredit mal easy verdoppeln, frühzeitig zurückzahlen und damit wieder neu beginnen. Ist natürlich kompletter Blödsinn. Also wurden aus verzockten 5000€ + 5000€ Kredit direkt mal ein 10.000€ Kredit. Wie die Spirale dann weitergeht kannst du dir ja vorstellen. Mach dir nichts vor, das funktioniert nicht und wird nie funktionieren. Selbst als es diese Tage gab und ich meinen Verlust drin hatte - dir Sucht und Gier hat sich so krass reingeschaltet, dass ich wieder bei 0 gelandet bin. DER SCHEISS WIRD NIE FUNKTIONIEREN!

Ich habe einen Selbstausschluss bei allen restlichen Pokerkonten durchgeführt.
Ich kann ihr aber nicht von der Lage erzählen. Im Prinzip habe ich Ihre Daten ausgenutzt, um spielen zu können. Dazu habe ich sie monatelang belogen.  Wenn ich ihr das erzähle, ist das Vertrauensverhältnis komplett zerstört und ich weiß nicht, ob aus ihrer Sicht dann noch eine Beziehung möglich ist. Dann würde ich meinen großen Rückhalt verlieren.

Erzähl' es! Ich habe auch damals einmalig mit meiner Freundin gesprochen, Besserung gelobt und selbst bei Nachfragen immer beteuert es sei alles okay. In echt war es wieder schlimmer. Beim zweiten ernsten Gespräch hatte sie weniger Verständnis aber mich weiter unterstützt - nur mit mehr Nachdruck und schon deutlich "genervter". Aber es hat mich beruhigt einen Rückhalt zu haben. Sollte es später rauskommen ist es ein noch größeres Drama. Im worst case kommt es raus weil du dich noch weiter verschuldet hast. Und dann verspreche ich dir platzt die Bombe und du verlierst alles. Also such jetzt ein offenes und ehrliches Gespräch und sei mit ernst bei der Sache.

Es ist wirklich erschreckend wie die Zockerei sich negativ auf alle anderen Lebensbereiche auswirken kann. Ich bin eigentlich super aktiv im Sportbereich, aber immer wenn es mal wieder schlecht lief beim pokern, habe ich tage oder wochenlang kein Sport gemacht, war total schlecht gelaunt und habe mich sehr schlecht ernährt. Ich habe teilweise halbe Nächte durchgezockt, war total übermüdet und konnte meinen Hauptjob nicht mit 100 Prozent Leistung durchführen.

Ich möchte die Chance nutzen und jetzt für immer damit aufhören.
Es tut mir leid, dass ich auf die vielen Kommentare in meinem Beitrag nicht hören wollte. Ich habe es nicht wahr haben wollen.

Und wer nicht hören will, muss anscheinend jetzt leider mit den Konsequenzen leben...

Ich habe auch alles schleifen lassen - Arbeit, Freunde, Freizeit, Clubs. Mittlerweile bin ich wieder zurückgelangt zur alten Lebensfreude. Es war jeden verdammten Tag wert nicht am Automaten zu sitzen. Und das "Und wer nicht hören will, muss anscheinend jetzt leider mit den Konsequenzen leben..." kannst du gleich streichen. Ich habe mir auch hunderte Male eingeredet, dass ich den Verlust ja jetzt verkraften müsste und mir selbst bescheinigt, dass ich ein so harter Hund bin, dass mir das nichts ausmacht und ich als Suchtkranker ja natürlich so ein selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag legen muss(!). Reine Selbstbemitleidung, so hart wie es klingt.

Junge, wach auf und schau dir die Realität an. Du verpasst sie durch diesen Mist!

Titel: Re: Warum begreife ich es nicht?
Beitrag von: Dennis47 am 09 Mai 2021, 00:18:59
Ich habe irgendwann einfach die E-Mail Adresse im Pokerclient geändert und konnte mich somit selbst wieder einloggen. Außerdem hat sie da auch nicht mehr ein Auge drauf geworfen. Die Einsätze wurden entgegegen der Absprache wieder größer und auf Rückfragen wie es denn lief, habe ich gelogen und gesagt es lief gut.
Mitte März kam der großen Augenblick: Ich habe fast 10.000 Euro bei einem Turnier gewonnen.... Dadurch wären meine Verluste der letzten Jahre ausgeglichen und ich hätte sogar noch was übrig gehabt. Brav habe ich 8.000 Euro auszahlen lassen. Die restlichen 2.000 Euro auf dem Pokerkonto waren schnell weg.

Den Rest habe ich nach und nach wieder eingezahlt. Ich habe immer mal wieder was gewonnen, sodass sich das Verhältnis zwischen Gewinn und Verlust immer die Wage hilt. Die letzten Wochen liefen aber total schlecht. Mitterweile sind die 8.000 Euro komplett weg. Außerdem habe ich Stand heute mein Gehalt verzockt. Ich habe ein Minus auf meinem Konto (und es ist erst der Monatsanfang), keine Ersparnisse mehr und habe soeben einen Kredit aufgenommen (das war die letzte Lösung, um wieder ins Plus zu kommen).

Das ist doch das perfide an dieser Sucht. Diese Situationen in der man das Problem erkennt, man meint dies kontrollieren zu können, bis dann auf einmal wieder dieser eine Erfolg (dein hoher Gewinn) triggert. Man zahlt natürlich sofort einen großen Teil aus, lässt aber einen Teil dessen zum weiterspielen auf dem Spielerkonto. Durch die Auszahlung suggeriert man sich zuerst innerlich selbst, das man alles unter Kontrolle hat.
Der hohe Gewinn bzw. das restliche Kontoguthaben ermöglicht einen nicht nur das weiterspielen, sondern der Gedanke dass das nun gewonnenes Geld sei und die Erinnerung an den zuletzt hohen Gewinn motiviert einen dazu, oft risikoreicher weiterzumachen, man entwickelt den Drang den Gewinn wiederholen zu können. Bis das Guthaben aufgebraucht ist. Dann kommt der Gedanke wieder einzuzahlen. Ist ja immerhin gewonnenes Geld. Dann ist die 2 Einzahlung notwendig, dann die dritte .. dann muss halt das Gehalt dran glauben. Kann ja nicht so schwer sein die Verluste wieder reinzuholen.

Fakt ist: Casinos bzw. das Verzocken von Echtgeld, führt am Ende immer in die Schulden. Zwischenzeitliche Gewinne führen niemals dazu, Nebenverdienste oder wirtschaftlich positive Auswirkungen zu erzeugen. Denn am Ende landet die Kohle eh wieder dort, wo sie herkam.
Pokern kann man übrigens auch mit Spielgeld.