Forum Glücksspielsucht

Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: Babs am 05 September 2025, 08:46:07

Titel: Leben
Beitrag von: Babs am 05 September 2025, 08:46:07
Hallo zusammen,

ich bin Babs,
56 Jahre alt,
weiblich
und habe seit knapp 2 Jahren ein zwanghaftes, unkontrolliertes Verlangen danach, Slots in Online Casinos zu spielen -> Sucht.
Seit einer Woche habe ich nicht mehr gespielt.

Was will ich nicht mehr?

- Heimlich unter der Bettdecke spielen
- Bis zum Morgengrauen spielen
- Verabredungen so knapp einhalten, da ich bis zum letzten Drücker gespielt habe
- Im Zug spielen, im Urlaub spielen, beim Warten auf Freundinnen spielen

- Geld von einem Konto zum anderen Konto verschieben, nur damit es meinem Mann nicht auffällt
- Neue Kryptocasinos suchen, da ich mich mittlerweile bei geschätzt 40 OC habe sperren lassen
- Mehr als die bereits verspielten 3.000 Euros in den Gulli schmeißen


Was will ich?

- Miese Gefühle nicht "wegdrücken" -> sie akzeptieren und gesundheitsförderlich, zumindest nicht schädlich, mit ihnen umgehen
- Politische Entwicklungen, die ich schrecklich finde, mit anderen besprechen
- Meinen Körper nicht stundenlang in ungesunde Körperhaltungen zwingen -> Hulla Hoop am Abend vor der Glotze anstatt Handy beim Glotzen, möglichst zur gleichen Uhrzeit ins Bett gehen + Training für 6 KM Lauf in 7 Wochen diszipliniert jeden 2. Tag durchziehen
- Mir bei Geldausgaben vor Augen halten, mit welchem Aufwand das Geld verdient wurde
- Akzeptieren und sogar mit Freude begrüßen, dass nur ich für mein Glück verantwortlich bin, nicht mein Mann oder andere

Was habe ich bereits getan?

- Sperre OASIS bereits seit Monaten
- BetBlocker, seit Monaten
- Gamban, seit einer Woche -> Danke für den wertvollen Tipp hier!

- Lesen der Forumsbeiträge -> sie helfen mir oft sehr, die Sucht und mich zu verstehen
- Ersten Beitrag schreiben

- Anmeldung VHS Kurs, Tanz
- Lauftraining, seit einer Woche


Was möchte ich noch tun, habe mich aber noch nicht überwunden?

- Meinem Mann sagen, was ich oben geschrieben habe.


Soweit erstmal. Ich bin froh und dankbar für das Forum und euch!

Babs

Titel: Re: Leben
Beitrag von: Eva54 am 06 September 2025, 07:03:04
Liebe Babs,

herzlich Willkommen hier im Forum!

Danke für Deine offene und strukturierte Vorstellung – sie hat sich wirklich gut gelesen. Ich bin ein großer Fan von Struktur, innen wie außen, und finde es toll, wie klar Du Dir schon bewusst bist, was Du nicht mehr willst und was Du stattdessen in Dein Leben einladen möchtest.

Ich erinnere mich noch gut an die ätzende erste Zeit, in der man versucht, das Spielen einzustellen – wie schwer und zäh sich das anfühlen kann. Aber, auch wenn es wirklich hart ist, eines kann ich Dir versprechen: es wird besser. Manchmal sogar schneller, als man denkt.

Gamban finde ich persönlich übrigens auch super – ich habe mir direkt das Jahresabo geholt, einfach damit ich nicht jeden Monat wieder daran denken muss, es zu erneuern. Das gibt mir Sicherheit.

Wenn Du magst, komm doch heute Abend gerne ins Online-Meeting. Dort bekommst Du nicht nur Unterstützung, sondern auch ganz praktische Tipps, wie man mit Themen wie dem Gespräch mit Deinem Mann umgehen kann. Du kannst dort auch ganz ohne Kamera einfach nur zuhören und sprechen. Den Link findest Du oben unter ,,Samstagsgruppe".

Ich selbst habe vor über 4 Monaten mit diesem Meeting angefangen und besuche inzwischen mindestens zwei Meetings in der Woche – einfach, weil man dort tolle Menschen trifft, die seit Jahren oder sogar Jahrzehnten spielfrei sind. Das macht Mut und zeigt, was alles wirklich möglich ist.

Herzliche Grüße
Eva
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 06 September 2025, 08:06:49
Schönen guten Morgen,

@Eva: lieben Dank für deine Begrüßung, Rückmeldung und Einladung. Mich haben hier im Forum bereits sehr viele Beiträge sehr beeindruckt. Euch, die dahinter stehenden Menschen kennenzulernen wäre bestimmt mit Sicherheit ein Gewinn. Und Tipps für den Umgang mit meinem Mann kann ich schon gebrauchen, trau mich aber wie geschrieben noch nicht ran - und das wäre dann evtl. anders. Will ich das "schon"?

Mir kommen in den letzten Tagen sehr viele Gedanken - endlich, möchte ich fast sagen, ist mal wieder Platz für andere Gedanken. Richtig angenehm sind die meisten im ersten Moment nicht. Ich schreibe sie hier auf, um sie für mich zu sortieren.

Seitdem ich meine Tage bewusst gestalte hat sich etwas verändert. Ich habe den Eindruck, viel mehr im Hier und Jetzt zu leben. "Früher" hatte ich auch sehr viele schöne Erlebnisse, gleichzeitig war ich vor- oder nachher, oft auch mittendrin im Gedanken woanders -> beim OC natürlich. Irgendjemand hier im Forum hat das mal mit dem Film "Zeit des Erwachens" verglichen. Ja, so fühlt es sich an. Die Welt, meine Welt, ist soviel reicher. Ich weiß, dass ich die Uhr nicht zurückdrehen kann und dennoch ist da Bedauern und es macht mich auch traurig.

Natürlich überlege ich auch, welche Leere ich mit dem Spielen gefüllt habe und stelle mein Leben auf dem Prüfstand. Auch das ist nicht angenehm. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass es letztlich gut ist. Ich habe mich bereits drei mal in den letzten 20 Jahren begleiten und unterstützen lassen (v.a. durch Coaches). Es hat mir jedes Mal geholfen, wieder zu mir zu finden. Allerdings hält das halt anscheinend nicht ewig an. Das ist aber völlig okay - ist ja auch toll, dass ich kein Roboter bin. Ich weiß noch nicht, ob ich mir meine innere Baustelle wieder mit einem Coach anschaue. Im Moment habe ich auch selbst viele klare und hilfreiche Erkenntnisse.

Soweit, ich wünsche uns allen einen Samstag, an dem wir uns das Leben spüren lassen.
Ein Spielbedürfnis habe ich im Moment gar nicht. Ich habe auch keine Zeit, da ich bei freier Zeit hier zu lesen, Interviews anschaue oder mich sonst informiere ;-)

Babs

Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 06 September 2025, 11:55:34
Hi Babs!

Auch von mir ein herzliches Willkommen!

Eigentlich habe ich da nur eine kleine Aufgabe für Dich:

ZitatWas will ich nicht mehr?

Der Mensch merkt sich Dinge schlecht, die Verneinungen beinhalten. Du hast sie selbst in dem Bereich, wo Du beschreibst, was Du willst, oft durch "ohne" benutzt. Formuliere die Bereiche doch bitte mal für Dich komplett positiv um.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 06 September 2025, 13:23:29
@Olaf: ach wie gut, Dankeschön für die Anregung/ Aufgabe!

Das will ich:
- Mich am Abend entspannt in meine Bettdecke kuscheln und entspannt einschlafen
- Abends ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett gehen, für ausreichend Schlaf sorgen
- Mich rechtzeitig auf Verabredungen vorbereiten und entspannt ankommen
- Im Zug Tolino lesen
- Im Urlaub... darüber muss ich länger nachdenken ...
- Beim Warten auf jemanden interessiert und neugierig die Umwelt und Umgebung wahrnehmen
- Mich freuen, die Casino Ausbeuter nicht zu füttern
- 3x überlegen bevor ich Geld ausgebe

Du hast echt Recht! So kann ich mir die Situationen bildlich vorstellen und ein gutes Gefühl daran knüpfen.

Danke nochmal, Babs

Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 06 September 2025, 14:07:12
Hi Babs!

Jetzt hat es etwas Lebensbejahendes ... ;)
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 07 September 2025, 08:41:27
Schönen guten Morgen,

ich war gestern beim virtuellen Samstagstreff hier und kann es wirklich nur empfehlen. Herzlichen Dank für die Ermutigung, die Unterstützung und das Verständnis!

Gelernt habe ich wieder etwas Wichtiges: Ich brauche einen Notfallkoffer!
Bei mir besteht er aktuell aus einem Noppenball und Chilichoten - habe ich beides zuhausse. Werde ich noch ergänzen.

Das Thema hat mich auch noch im Schlaf beschäftigt. Ich hatte ein wirklich schönes totes Raubtier in meinem Zimmer. Wahrlich toll anzusehen. Und auf einmal zuckt das Raubtier, nur ganz leicht. Oh Schreck. Es war nur vermeintlich tot.
Was soll ich tun, habe ich mir überlegt. Der erste Impuls war, es gesund zu pflegen. Es ist ja auch ein "Lebewesen".
Ich habe mir gedacht: Wenn ich es pflege, ist es am Anfang ja so geschwächt, dass ich es dann später in die freie Wildbahn entlassen kann.
Ja, ja, von Wegen! Natürlich hätte es mich nach nur einer winzig kleinen Stärkung sofort aufgefressen.

Vielen DANK für das gestrige Wachrütteln - Notfallkoffer!

Einen schönen Sonntag,
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 08 September 2025, 17:56:16
Hallo zusammen,
kennt ihr auch den Gedanken, euch mit Spielen für etwas belohnen zu wollen? Ich habe mich da ganz schön mies konditioniert.
Mit was könnte ich mich stattdessen belohnen? Gutes, gesundes Essen - Buch lesen - Film angucken - mit einem lieben Menschen Kontakt aufnehmen  - ...
Ich finde es gar nicht so leicht, einen Ersatz zu finden. Einerseits habe ich mit dem Spielen wertvolle Zeit verballert, gleichzeitig war es halt ganz schön einfach, bequem und war mit wenig Anstrengung verbunden - beim Tun - danach war die Anstrengung, v.a. emotional, natürlich groß.

Einen schönen Abend, Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 08 September 2025, 18:19:37
Hi Babs!

ZitatIch finde es gar nicht so leicht, einen Ersatz zu finden.

Ich würde gar nicht nach einem Ersatz suchen wollen. Es geht doch gerade darum, das Alltägliche wieder wertzuschätzen.

Dann sollte Dir bewusst sein, dass sich Deine Rezeptoren an die übermäßige Ausschüttung der Endorphine gewöhnt hatten. Sie nahmen mit der Zeit immer weniger auf. Da Du nun spielfrei bist, hat Dein Körper die Gelegenheit, sich wieder auf ein gesundes Maß der Aufnahme der Endorphine einzustellen. Das hat zur Folge, dass Du gerade jetzt unter Mangelerscheinungen leiden könntest. Aber ... das gibt sich wieder ...

ZitatGutes, gesundes Essen

Ich habe da eben was in der Plauderecke entdeckt ... :)

Belohnungen müssen nicht immer einen Geldwert haben. Von daher sind Deine Vorschläge schon richtig gut. Ich rate immer, sich in den Wald zu setzen und der Geräuschkulisse zuzuhören.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 08 September 2025, 18:33:49
....um es noch leichter zu machen würde ich das Wort gesund streichen. Lecker essen, mal gesund mal einfach lecker. Der Rest passt.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: andreasg am 08 September 2025, 18:44:51
Gaaannz einfach: Gesundes Essen isst lecker, die Vitalität der Kost beeinflusst das Leben positiv.

Das ist es, an dem ich gerade mein Leben anpasse.

Liebe Grüße

Andreas
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 08 September 2025, 19:13:48
@Olli: Danke für die Erklärung. Ich bin ja froh, dass ich die Chance habe, meine Rezeptoren wieder auf Normalmaß zurück zubringen.
Jetzt waren meine Rezeptoren "nur" knapp zwei Jahre dieser immer höheren Ausschüttung ausgesetzt und es ist schon voll ätzend. Hut ab, Respekt, nahezu schon Ehrfurcht habe ich vor allen, die lange Jahre, Jahrzehnte gespielt haben und es schaffen, von dieser Gewöhnung wegzukommen!!

@Roy: Danke für deine Unterstützung. Ich gönne mir jetzt gleich Tomate Mozzarella - ist lecker und gesund ;-)

@AndreasG: Ja, stimmt schon, es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich mich relativ gesund ernähre. Ein wenig Schokolade gibt es natürlich trotzdem als Nachspeise :-)

LG
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 09 September 2025, 13:41:05
Hallo zusammen,

oh weh, ich hatte nach dem Lesen im Forum schon wieder eine unangenehme Erkenntnis. Bei uns daheim bin ich für die Finanzen zuständig. Mein Mann interessiert sich null dafür. Lange Zeit hatten wir eh nichts zu sparen, das waren unaufgeregte Zeiten.
Nun bin schon seit längerem, interessanterweise ziemlich zeitgleich mit meinem Spielbeginn bei OC, bei einem Online Broker angemeldet. Dort habe ich ein wenig Geld in ETFs und Aktien investiert, ständig den Markt beobachtet und gekauft oder verkauft. Es ging rauf und runter und ist im Moment ausgeglichen - aktuelles Minus und Plus. Das hört sich evtl. nach einem Luxusproblem an, aber letztlich ist, wie ich jetzt kapiert habe nur eine andere Form des Spielens.

Es hängt echt soviel miteinander zusammen...

Am liebsten würde ich jetzt einfach alles verkaufen. Das ist aber nicht so schlau, da sich einige Positionen deutlich im Minus befinden. Jetzt werde ich mich da auch disziplinieren und kein Aktionen mehr vornehmen.

Babs




Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 10 September 2025, 07:38:12
Schönen guten Morgen,

diesmal kann ich etwas Positives schreiben. Ich habe gestern mit meinem Mann über meine Spielsucht geredet. Da es mir so leichter fiel, habe ich ihm einen Brief geschrieben. Den Brief hat er in meinem Beisein gelesen, bzw. angefangen zu lesen.
Er hat eigentlich nur die ersten Zeilen gelesen und dann das Gespräch gesucht. Ganz am Schluss unseres Gespräches hat er ihn dann auch noch gelesen.
Er war sehr überrascht, da er mich so nicht kennt. V a. die Tatsache, dass ich in illegalen Casinos gespielt habe, hat ihn sehr überrascht. Ich lege großen Wert auf Datenschutz im Internet und habe z.B. auch kein Instagram.
Nach der ersten Überraschung kam auch sein Misstrauen: waren es wirklich nur die angegebenen Summen? Er wollte auch wissen, wie ich beim Hin- und Herschieben des Geldes vorgegangen bin.
Da er Lügen hasst und ich das ja weiß, war er auch gekränkt. Meine Scham hat mich davon abgehalten, es ihm vorher zu sagen. Und außerdem habe ich ja auch gebraucht, um zu Erkennen, dass ich es nicht mehr unter Kontrolle habe.
Wir haben auch überlegt, warum ich das Verhalten entwickelt habe und wie er mich unterstützen kann.

Ich bin froh, es ihm gesagt zu haben. Ehrlich gesagt weniger, weil er mir helfen kann, sondern eher weil ich nun keine Angst mehr habe, dass er es entdeckt und ich wenigstens die Kontrolle darüber hatte - über den Zeitpunkt, wann er es erfährt.

Einen guten Tag euch, Babs





Titel: Re: Leben
Beitrag von: Eva54 am 10 September 2025, 08:13:28
Guten Morgen Babs,
das sind tolle Neuigkeiten,  ich freue mich mit Dir. Das mit dem Brief war eine gute Idee. Und jetzt geht es gemeinsam weiter! :)
LG
Eva
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 10 September 2025, 09:16:01
Guten Morgen Babs,

das freut mich zu lesen. Du hast jetzt einen elementar wichtigen Schritt begangen. In seinem Kopf wird jetzt auch in gewisser Weise Achterbahn sein, aber das ist normal.

LG Roy
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 10 September 2025, 11:36:32
Hi Babs!

Es war absolut richtig, diesen Schritt getan zu haben! Und mutig war er auch noch ... :)

Nun fällt dieses verdammt schwer lastende Lügenkonstrukt auseinander und Du kannst Dich auf die nun wichtigen Dinge konzentrieren.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 10 September 2025, 16:25:58
@Eva: Vielen herzlichen Dank für Deine Ermutigung und Bestärkung. Es steht schon noch Arbeit an ... Gemeinsam.

@Roy: Gut, dass du mich darauf aufmerksam machst, dass es bei ihm ihm Kopf jetzt in "gewisser Weise Achterbahn sein wird" - eine wirklich hilfreiche Formulierung. Im Moment kreisen meine Gedanken schon viel um mich. Da ist der Hinweis, den Blick zu weiten sehr wichtig.

@Olaf: Ja, ich komme mir auch wirklich mutig vor! Und ich merke auch wie die Situation nach wie vor an mir zehrt, das wird schon noch dauern. Genesung braucht seine Zeit.
Ich habe beim Gespräch auch auf die Bedeutung des Forums für mich hingewiesen. Und dass du meiner Meinung nach auf jeden Fall das Bundesverdienstkreuz verdient hättest. Im Herzen bist du wahrscheinlich schon Millionär.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: mutze am 10 September 2025, 17:13:53
Hallo Babs

Es war gut das Du deinem Mann endlich reinen Wein eingeschenkt hast, jetzt kannst Du ganz offiziell Hilfe suchen ohne es zu verheimlichen. Du brauchst nicht mehr Lügen wie und wofür die Gelder rausgegangen sind, Du müsstest jetzt so richtig erleichtert sein. Ok die Scham ist zwar da, weil Du eben Geld verspielt hast und Rückgängig machen kannst Du es auch nicht mehr aber Du kannst jetzt an Dir arbeiten und Du hast Deinen Mann an der Seite.

Gehe zu Selbsthilfegruppen in deiner Nähe, mache eine Therapie

Dieses Misstrauen wovon Du geschrieben hast, hatte mein Mann auch, ich habe ihm gesagt was ich verspielt habe und er fragte mich war es wirklich alles oder war da nicht doch mehr.
Das Achterbahn fahren im Kopf hatte ich die ganzen Jahre während dem Zocken und mein Mann hatte es nach dem ich es ihm gestanden hatte,

Aber glaub mir für jeden Tag den Du Spielfrei bist und bleibst kommt das Vertrauen von Deinem Mann an Dich wieder zurück und die Sucht wird von Tag zu Tag immer weniger.

Es ist wirklich wichtig für Euch die Ursache zu finden wieso Du da reingeraten bist. War irgendetwas vorgefallen in Eurer Beziehung oder in der Familie bzw im Job. Geht das zusammen durch und arbeitet dann daran.

Ich wünsche Dir noch viel Kraft

Schönen Nachmittag noch

LG Mutze


LG
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 11 September 2025, 07:19:57
Schönen guten Morgen Mutze,

ich danke dir sehr für deine Nachricht, sie hat mich wieder Mal vorangebracht.

Ich habe überlegt, woraus ich Kraft schöpfen kann, worauf ich stolz bin und wofür dankbar. Die Liste ist wirklich lang.
Und dennoch habe ich ein ungesundes Suchtverhalten entwickelt. Irgendwas passt nicht. Manches war naheliegend (z.B. Eskalation der Geldeinsätze nach emotionalen Verletzungen im Job), und manches ahne ich ...
Auf jeden Fall werde ich mir Hilfe holen. Das zu können ist übrigens eine meiner Kraftquellen ;-) Ich bin auch wirklich dankbar in einem Land zu leben, in dem das möglich ist.

Einen schönen Tag mit viel Sonnenschein,

Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 11 September 2025, 07:47:21
Ich bin heute seit zwei Wochen spielfrei :-)

Zwei Wochen - mir kommen sie vor wie zwei Jahre. Ich habe viel in die Wege geleitet und bewusster wahrgenommen.

Weiter so, Babs ;-)
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 11 September 2025, 09:32:43
STOP! Das ist mein Part!

Weiter so, Babs ... :)

:)

Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 12 September 2025, 07:56:16
Schönen guten Morgen,

@Olaf: das ist gut so, dankeschön.

Ich habe ja geschrieben, dass ich mit meinem Mann gesprochen habe. Er vertraut mir jetzt schon wieder völlig und er glaubt, dass es nur eine Episode in meinem Leben war, die ich jetzt wieder im Griff habe ...
Und das hat mich zu dem Gedanken verleitet, dass ich vielleicht doch nicht süchtig bin, sondern nur ein problematisches Verhalten habe.

Also habe ich mir die Diagnosekriterien einer Spielsucht nochmal angeschaut.
Laut DSM-5 spricht man von  ,,Gambling Disorder", wenn über einen Zeitraum von 12 Monaten mindestens vier der folgenden neun Kriterien vorliegen:

1. Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen
2. Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben
3. Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren
4. Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen
5. Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen
6. Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen
7. Belügen anderer, um das Ausmaß des Glücksspielens zu vertuschen
8. Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, des Arbeitsplatzes, Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens
9. Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um eine glücksspielbedingte finanzielle Notlage zu überwinden

7 von 9 -> so leicht wird es also doch nicht werden.

Zudem musste ich mir mein Mantra "Das geht vorbei! Das geht vorbei! Das geht vorbei!" gestern und heute schon mehrmals vorsagen. Es war leider nicht nur eine Episode, die jetzt schon abgeschlossen ist. Ich muss / will mich weiter damit auseinandersetzen, warum, wann, wozu ich gespielt habe.

Einen schönen Tag,
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 12 September 2025, 10:59:12
Hi Babs!

Die Glücksspielsucht ist mit unserem Leben verwoben. Wir haben uns gemerkt die visuellen und akustischen Effekte. Wenn wir bestimmte Gerüche wahrnehmen, denken wir an Spielsituationen zurück. Genaus können die anderen Einflüsse uns dazu verleiten Gerüche zu riechen, die wir mit dem Glücksspiel verbinden. Emotionen und Handlungsabfolgen zeigen uns die Verbindungen, die noch über Jahre und ggf. Jahrzehnte nachwirken werden.

Dein Mann ist einerseits süß in seiner Hoffnung, dass es nur eine Episode in Deinem Leben war. Das zeugt aber eigentlich mehr von seinem Unverständnis der Suchterkrankung, Du weisst es besser, wie Deine Triggermomente zeigen. Im Moment noch sind die realen Trigger präsent. Wenn Du allem. was mit dem Glücksspiel zu tun hat, den Rücken kehrst, dann werden diese Momente weniger und weniger. Doch sie verschwinden nie. Wir müssen sogar aufpassen, dass wir das Suchtverhalten nicht in anderen Verhaltensweisen weiter ausleben. Irgendwann, und da kalkuliert man nach grob einem Jahr, wird die Gefahr für Dich geringer werden.
Irgendwann bleibt bloß noch das Suchtgedächtnis, welches aber nicht bedeutet, wenn es sich meldet, dass Du dann auch spielen willst. Es sind bloß Erinnerungsfetzen. Sie können aber dazu führen, dass Du achtsamer mit Dir umgehst.

Habe Geduld mit Dir ... das wird schon ...
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 14 September 2025, 14:29:57
Hallo,
heute ist ja "Tag des offenen Denkmals". Ich habe mir zwei denkmalgeschützte Häuser angeschaut, beide jeweils ca. 200 Jahre alt. Das erste ist absolut unbewohnbar und wird demnächst von einem neuen Eigentümer wiederhergestellt. Das zweite wurde gerade komplett mit sehr großem Aufwand restauriert. Das eine ein Wohn- und Arbeitshaus, das zweite eine Villa. Pragmatismus, Protz.
Die Gegensätze haben mir die jeweiligen Besonderheiten, Eigenheiten vor Augen geführt.
Warum schreibe ich das? Am Rückweg kam ich an meiner stark dementen Nachbarin vorbei, die tief zusammen gesunken auf ihrer Terrasse saß.
Und da hatte ich den Gedanken, dass auch ich irgendwann "nur" noch da sitzen werde und gar nichts mehr erleben kann und mag.

Noch ist es aber nicht soweit - und das ist großartig!

Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: andreasg am 14 September 2025, 14:47:35
Hallo Babs,

ich hatte Heute ein Lied auf den Lippen, daß das Paradies und die Ewigkeit beschreibt. Und dann dachte ich, wieso muß ich mich mit dem Sterben und der Ewigkeit auseinandersetzen?
OK, die Hölle habe ich gesehen, ganz tief unten sogar, davor habe ich Respekt, aber den Glauben daran verloren. Das Paradies als eine Vision der Zufriedenheit in ferner Zukunft?

Und dann dachte ich an den vertrauten Satz: "Einen Tag zur Zeit", und daran, wenn ich in meiner Abstinenz das eigentliche, das reale Leben erkenne, und mich hier und jetzt für meine Ziele einsetze, dann erhalte ich ja meine Glücksgefühle, meine Zufriedenheit, und damit Selbstvertrauen.

Ich wohne in einer 1 Zimmer Wohnung in einer Wohnungsgenossenschaft. Hier bin ich niemals alleine gelassen, das sieht nicht nach Denkmal aus,
nun ist es aber real mein Leben.

Carpe diem, genieße den Tag

Andreas
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 16 September 2025, 00:31:41
Hallo zusammen,

ich habe eine Frage an euch, die mich sehr belastet. Aufgrund meines zunehmenden Wissens über die Spielsucht habe ich die Sorge, dass der Freund meiner Tochter ebenfalls spielsüchtig ist. Ich erwarte keine Ferndiagnose sondern eher eure Ansicht, wie ich mit meiner Sorge umgehen soll.
Über meine eigene Spielsucht habe ich noch nicht mit ihr gesprochen. Das möchte ich nicht am Telefon machen, sie wohnt in einer anderen Stadt und ich habe erst letzte Woche meinem Mann davon erzählt.
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich vermute, dass sie mich auf jeden Fall unterstützen wird. Die Beziehung zu ihrem Freund ist kompliziert und sie will mit mir nicht mehr darüber sprechen. Ich halte mich auch wirklich zurück. Sie sind seit vier Jahren zusammen.
Wie ich das so schreibe denke ich gerade, dass unser Verhältnis vielleicht doch nicht so gut ist ...

Gute Nacht,
Babs

Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 16 September 2025, 05:52:27
Guten Morgen!

ZitatIch erwarte keine Ferndiagnose sondern eher eure Ansicht, wie ich mit meiner Sorge umgehen soll.

1. Reden!
2. Reden!
3. Reden!
...
n. Reden!

Besuche sie und erzähle ihr von Dir. Erwarte nicht, dass sie gleich auf Dich anspringt und Dir, sollte Deine Sorge stimmen, ihr ganzes Leid schildert. Lasse Deine Geschichte bei ihr reifen. Wenn sie bereit dazu ist über sich und ihren Freund zu reden, wird sie es tun.
Übe Dich auch hier wieder in Geduld!
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 16 September 2025, 06:42:58
@Olaf, bist du Frühaufsteher? Gut für mich und danke fürs Lesen und Antworten! Bei mir bleiben und geduldig sein - eine Herausforderung - hilfreich!

Ah, jetzt habe ich in "Kraut und Rüben" gelesen, warum du schon wach warst. Ich wünsche dir baldige und gute Genesung! Und dass du wieder schmerzfrei durchschlafen kannst. Ich habe nur eine kleine Aufgabe für dich: geduldig bleiben ;-)
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 16 September 2025, 09:00:59
:)
Ich danke Dir!
Für Geduld habe ich diese Woche noch jede Menge Zeit! Bin weiter krankgeschrieben bis Freitag inkl.
:)
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 16 September 2025, 14:43:33
@AndreasG, Meister der Achtsamkeit,
Yes: "Einen Tag zur Zeit"!
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 18 September 2025, 08:03:10
Schönen guten Morgen,

ich bin heute seit drei Wochen spielfrei :-)

Meine drei Hauptgründe fürs Aufhören waren
- Schlaf
- Lebenszeit
- Geld.

Im Nachhinein finde ich es schon seltsam, dass die Lügen für mich kein Grund zum Aufhören waren. Aber auch da bin ich jetzt schlauer. Verheimlichen war damals für mich kein Lügen. Beiträge hier im Forum haben mir verdeutlicht was ich insgeheim wohl auch gewusst habe: Aufrichtigkeit geht anders. V.a. weil ich durch mein Spielverhalten tagtäglich unser Miteinander beeinflusst und gesteuert habe.

Regelmäßig ins Bett gehen klappt ganz gut, oft bin ich dabei entspannt. Okay, es kommen immer wieder neue Erkenntnisse dazu, die mich dann halt doch beschäftigen.

Zeit habe ich wirklich deutlich mehr. Die möchte ich noch mehr mit lebensbejahenden Aktivitäten füllen. Wenn ich meinen Hintern hoch bekomme  bin ich danach jedesmal froh und fühle mich lebendig.

Geld habe ich durch das Nichtspielen natürlich auch gespart. V.a. die hohen Einsätze in meinen letzten Spielmonaten haben mir dann Gott sei Dank irgendwie vor Augen geführt dass es mit Sicherheit nicht besser werden wird. Und das ist das Gute daran.

Erfolge feiern!
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 22 September 2025, 08:58:04
Schönen guten Morgen,

mein Wochenende war wirklich schön! Spielfrei (und) bewusst gelebt, viel erlebt und gelebt.

Viele von euch, allen voran natürlich Olaf, sind große Freundinnen und Freunde des Redens. Und ja, reden hilft ;-)
Vom Kopf her wusste ich das natürlich.  Froh und dankbar bin ich, dass ich es am Wochenende auch spüren konnte. Mein Mann interessiert sich langsam mehr dafür, was mich am Spielen gereizt hat (reizt) und was da eigentlich so abläuft. Je mehr ich darüber reden kann, desto mehr Abstand kann ich dazu gewinnen. Mit einer Ausnahme: Eine Beschreibung meiner "Lieblingsspiele" (sowas möchte ich nicht mehr "lieben") und meiner Gewinne triggert mich total. Schon alleine das Schreiben gerade weckt in meinem Kopf schon wieder Bilder. Kein Reden und Schreiben darüber mehr!
Und in manchen Situationen konnten wir uns sogar über meine Spielsucht lustig machen. Besonders gefreut hat mich seine Unterstützung dabei, dass ich auch mit anderen darüber reden möchte. "Ja, mach das, das ist gut. Das hilft dir beim Vorbeugen." Und natürlich entlastet es auch unsere Beziehung, wenn ich mit anderen darüber reden kann. Ich habe schon vor langer Zeit kapiert, dass ein Partner, bzw. eine Partner kein "Therapeut" sein kann und soll. 
Am Dienstag treffe ich mich mit meiner Schwester. Das Gespräch mit meiner Tochter habe ich noch nicht forciert, da brauche ich noch aweng.

Einen guten Start in die Woche,
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 24 September 2025, 18:58:44
Hallo zusammen,

reden hilft - ist halt nicht immer angenehm.

Mein gestriges Gespräch mit meiner Schwester hat mir schon wieder Erkenntnisse gebracht. So langsam will ich eine Erkenntnis-Pause ...
Sie war im Gegensatz zu meinem Mann sehr betroffen, als "Episode" hat sie mein Spielverhalten nicht betrachtet. Die Geschwister-Perspektive ist halt doch eine andere.

Sie empfiehlt mir, mir weitere Hilfe zu holen. Ich wollte die SHG in unserer Nähe eigentlich nicht aufsuchen, da ich beruflich mit der Einrichtung Kontakt habe. Jetzt werde ich es aber machen.

Das Gespräch hat mir gleichzeitig auch weitere Erkenntnisse gebracht: Ich bin sehr dankbar, meine Schwester in meinem Leben zu haben. Sie unterstützt mich und hat sich über mein Vertrauen gefreut.

Wenn du das liest: Love you, sister :-)

Einen schönen Abend,

Babs


Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 24 September 2025, 20:28:19
Hi Babs!
Gute und kluge Schwester. Denn eine Episode finde ich für den Zocker Mist auch zu schmeichelhaft. Vielleicht betreutes Leben? 🙈
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 25 September 2025, 08:19:06
Schönen guten Morgen,

@Roy: du hast es wieder treffend formuliert "Episode ist für den Zocker Mist zu schmeichelhaft".

Wäre halt schön einfach gewesen, es so betrachten zu können. Wunschdenken.

Einfach ist nix daran. Wird es wohl nie bleiben und war es auch damals nicht. Im Gespräch mit ihr habe ich realisiert, wie viel Energie ich aufgewandt habe, um Spielen zu können. Ich kenne mich jetzt zwar mit Kryptowährungen aus, das Wissen hätte ich mir auch anders aneignen können.

Schritt für Schritt...

LG, Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 25 September 2025, 09:48:05
Das in diesem Moment so betrachten zu können ist schier unmöglich. Erst mit genügend Abstand kann man realisieren was da eigentlich mit uns geschieht. Ist ja auch der Sinn aus Sucht- und Casinosicht. Die zu melkende Kuh muss immer im Tunnel sein. Konzentration auf Slots oder Wetten mit der Priorität sich nichts anmerken zu lassen. Die Geldsorgen im Hinterkopf die ja in diesem Stadium gedanklich nur durch das spielen wett zu machen sind. Die vielen kleinen und großen Lügen im richtigen Moment dass der gegenüber ja nichts merkt. Usw.....
Wir Spieler fühlen das als gechillte Welt, in Wahrheit ist es aber der pure Stress.

Wie gesagt, so etwas realisiert man erst mit Abstand.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 27 September 2025, 09:42:58
Schönen guten Morgen,

@AndreasG: in einem Post hier hast du geschrieben
" ... wenn ich in meiner Abstinenz das eigentliche, das reale Leben erkenne, und mich hier und jetzt für meine Ziele einsetze, dann erhalte ich ja meine Glücksgefühle, meine Zufriedenheit, und damit Selbstvertrauen."

Darüber habe ich nachgedacht. Wie hängen Ziele mit Zufriedenheit und Glücksgefühlen zusammen? Ziele sind bei mir gefühlt auch mit Verpflichtungen verbunden. Die habe ich nicht so gerne. Beruflich liebe ich Veränderungen und wechsle deshalb auch gerne den Arbeitgeber. Privat sieht es Gott sei Dank anders aus, bin schon ewig verheiratet, natürlich mit Auf und Abs.

Nochmal zur Bedeutung von Zielen. Ich bin schon auch überzeugt, dass erreichte Ziele zufrieden machen und Glücksgefühle geben. Und es geht meiner Meinung nach v.a. auch darum, ins Tun zu kommen. Und mit Zielen vor Augen ist das leichter, attraktiver.

Daher: Ich probiere es aus, mir kleine Ziele zu setzen. Eigentlich nicht Mal Tagesziele, sondern Ziele, die sich auf die Erledigung konkreter Aufgaben beziehen: 30 Minuten joggen, Einkaufen, Wäsche waschen, etc. Tun halt.

Danke für den Impuls und lG,
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 29 September 2025, 07:22:21
Schönen guten Morgen,

eine neue Woche
> ein Tag
>> ein Vormittag

liegt vor mir.

Ich möchte achtsam mit der mir geschenkten Zeit umgehen.

Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 30 September 2025, 17:55:17
Ich freue mich und bin stolz.

Gamban
Days free from gambling:
1 Months 1 Day

Frust, Sorge und Einsamkeit nicht "weggedrückt", sondern ausgehalten, angesprochen und mit Tun begegnet.

Mantra "Es geht vorbei!" hilft, hoffentlich auch weiterhin.
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 30 September 2025, 19:00:05
"Wie? Erst?"

Hi!

Dies war einst die Reaktion meiner älteren Schwester, als ich ihr mitteilte, dass ich damals bereits über 5 Jahre spielfrei war. Sie konnte es nicht nachvollziehen, was mir selbst die Aussage bedeutet hatte. Ich war stolz darauf! Es gab mir Ansporn und ihre Äußerung schmälerte mein Bestreben nach Aufrechterhaltung der Abstinenz keinesfalls.

Ich fühle diesen Stolz, den Du verspürst, beim Lesen Deines Beitrages und rufe selbst aus: Super! Weiter so! :)
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 06 Oktober 2025, 14:07:47
Hallo zusammen,

was mich gerade beschäftigt: Glücksspielsucht erfüllt, wie ich gelernt habe und durchaus auch schon vermutet hatte, eine Funktion. Wie hier um Forum schon öfter geschrieben dient sie zur sogenannten ,,Emotionsregulierung". Ich finde den Begriff der ,,Emotionsregulierung" nicht wirklich passend. Er suggeriert, dass die Emotionen durch das Spielverhalten reguliert werden können. Regulieren an sich ist ja etwas Positives. Ich kann Einfluss nehmen, steuern.

Wenn ich nun beispielsweise durch das Spielen meine Sorgen ,,reguliere", dann mache ich das ja nur für den Augenblick des Spielens. Ich blende die Sorgen aus. Nach dem Spielen sind sie noch da, und weitere Sorgen sind, zumindest in der Phase unseres Spielverhaltens, dazugekommen. Ich ,,reguliere" meine Emotionen also nur kurzfristig. Um mit Emotionen gesund umgehen zu können, hilft es doch eher, ,,hinter" die Emotion zu schauen. Eine Emotion drückt ja immer aus, ob ein Bedürfnis erfüllt ist oder eben nicht. Eine unangenehme Emotion ist quasi ein Warnsignal.

z.B. Ich fühle mich einsam -> Bedürfnis nach Nähe und/oder Zugehörigkeit ist nicht befriedigt.
z.B. Ich bin bekümmert -> Bedürfnis nach Sicherheit und/oder Zuversicht ist nicht befriedigt.
z.B. Ich bin entspannt -> Bedürfnis nach Geborgenheit und/oder Vertrauen ist befriedigt.

Herauszufinden, welche Bedürfnisse hinter den Emotionen stecken, finde ich schon mal gar nicht so leicht. Warum geht es mir nicht gut? Und dann auch noch alternative Strategien zum Spielen zu entwickeln, die eben genau dieses Bedürfnis bzw. diese Bedürfnisse befriedigen, ist dann zwar der nächste logische Schritt. Leicht ist aber auch er nicht. Welche Strategie würde mir helfen? Wie komme ich ins Tun um diese Strategie umzusetzen?

Für mich ist eines aber ganz klar: das Forum hier erfüllt mein Bedürfnis nach Unterstützung und Inspiration -> ich bin dankbar und ermutigt. Danke für die Möglichkeit, diese ,,Strategie" anzuwenden!


LG Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: andreasg am 06 Oktober 2025, 17:19:01
Hallo Babs,

ich bin gerade dankbar für Deinen Post. Ja, bei mir geht gerade so einiges drunter und drüber.
Deine Beschreibung der Regulierung der Emotionen liest sich wie in einem Lehrbuch, gut und klar beschrieben, während die Emotionen in meinem Kopf fortlaufend Chaos auslösen.
Und dann kommt das Innehalten, das Durchatmen, das Abschalten.
Inder Spielstätte im Spielen ist es ja nicht möglich. Es ist schlicht nur das Wegmachen aus der Realität. Ein Zugewinn kann ja nicht verwirklicht werden, der Drang Verlierer sein zu müssen, ist übermächtig.

Bei mir ist das ja so - gewesen. Der Weg  in die Genesung geht über die Erkenntnis, in die Ausgeglichenheit, über das Vertrauen in das Verstehen.
So kann das Füttern der Emotionen das System im Kopf wieder dazu bewegen, selbstbestimmte Handlungen, ob gut oder nicht gut zu tätigen, und so können wir uns entscheiden, welcher Weg für uns, für jede, jeen gangbar ist.

Danke, daß ich das in Deinem Tagebuch teilen darf

Andreas
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 06 Oktober 2025, 21:49:27
Wenn ich nun beispielsweise durch das Spielen meine Sorgen ,,reguliere", dann mache ich das ja nur für den Augenblick des Spielens. Ich blende die Sorgen aus. Nach dem Spielen sind sie noch da, und weitere Sorgen sind, zumindest in der Phase unseres Spielverhaltens, dazugekommen. Ich ,,reguliere" meine Emotionen also nur kurzfristig. Um mit Emotionen gesund umgehen zu können, hilft es doch eher, ,,hinter" die Emotion zu schauen. Eine Emotion drückt ja immer aus, ob ein Bedürfnis erfüllt ist oder eben nicht. Eine unangenehme Emotion ist quasi ein Warnsignal.

Sehr gut geschrieben Babs!
Ich weiß nicht ob man Glücksspielsucht in den Genen hat bzw leichter anfällig als andere Menschen ist, aber das was du oben schreibst ist richtig und wichtig. Wir regulieren unsere Sorgen und Emotionen in die für uns richtige Richtung. Glauben wir zumindest. Es funktioniert auch in der Zeit des Spielens, wirft uns jedoch danach noch tiefer in unser eigenes Loch zurück. Was tun wir? Das logische aus dieser Erkenntnis ist dass wir die Emotionen hoch halten können je länger wir spielen. Das hat zur Folge dass wir immer extremer agieren und es nicht merken wie das Leben uns immer mehr entgleitet. Wir merken es nur nicht oder viel zu spät. Ja das richtige wäre zu überlegen warum wir diese Flucht vor was auch immer begehen. Und vor allem wovon wir weglaufen oder was wir verdrängen wollen. Private Probleme, Arbeit? Woher kommt die Unzufriedenheit? Was dagegen tun? Viele Fragen denen wir uns anscheinend nicht stellen wollen und irgendwann nicht mehr stellen können.

LG Roy
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 07 Oktober 2025, 07:47:50
Hi Babs!

Endlich mal kein ChatGPT-Beitrag ...  ;D

Nun, zunächst einmal eine kleine Korrektur: Bei der Glücksspielsucht, so die Experten, handelt es sich um eine Störung der Emotionsregulation!

Von daher sind Deine Ausführungen vollkommen korrekt, auch unter den nun etwas geänderten Voraussetzungen.

Thema Einsamkeit -> In die Halle gehen und mit dem Automaten reden ... -> Es klingt nicht gesund, scheint aber FÜR DEN MOMENT die Einsamkeit zu beheben!

Thema Bestätigung -> Der Automat ist immer für mich da! Er nimmt mich so an, wie ich bin! -> Vorübergehende Personifizierung hilft auch nur FÜR DEN MOMENT.

Thema Langeweile -> Der Automat beschäftigt mein Gehirn mit Dingen, die eigentlich kein Mensch braucht! -> Ablenkung von der eigenen Person FÜR DEN MOMENT!

Thema Sorgen -> Auch hier letztlich nur Ablenkung FÜR DEN MOMENT!

Thema Probleme -> Auch hier nur Ablenkung für den Moment, mit der Ergänzung, dass ich davon abgehalten werden, die Probleme zu lösen!

...

Deine Fragen nach dem Warum und dem Wie sind auch korrekt. Das setzt aber voraus, dass Du Deine Emotionen auch wahrnimmst und sie benennen kannst. Dies ist bei vielen Menschen aber gar nicht gegeben. Die Schwierigkeiten beginnen oftmals also viel früher. Wie will ein Kind den Umgang mit negativen Gefühlen lernen, wenn es z.B. bestraft oder auf den Arm genommen wird, wenn es weint? Lernt es nicht eher, dass diese Gefühle zu verspüren etwas Schlechtes ist? Es wird diese Gefühle also abblocken lernen. Im frühen Erwachsenenalter lernt es dann, dass das Glücksspiel ihm dabei hervorragend hilft. Dies natürlich auch nur FÜR DEN MOMENT, doch auch schlechte Gefühle gehen vorbei. So entsteht der Eindruck, dass Spielen eine Bewältigungsstrategie ist. Dies in Deinem Sinne aufzulösen wird nun schwierig, denn es scheint ja zu funktionieren!


Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 07 Oktober 2025, 08:04:20
Schönen guten Morgen Andreas & Roy,

ich freue mich sehr, dass ihr eure Gedanken zu meinen Überlegungen mit mir teilt! Sie bringen mich voran und helfen mir, mich (weiter) zu entwickeln.

Folgendes nehme ich mit:

- Der Begriff "Emotionsregulierung" trifft es dann doch. Ich regulierte meine unangenehmen Emotionen, in dem ich mir positive Emotionen erkaufte. Zumindest am Anfang, bevor Gewöhnung eintrat, war ich während der Zeit des Spielens sorglos, unbeschwert und freudig angeregt. Irgendwann ist das dann gekippt und zu Sorglosigkeit, Unbeschwertheit und freudiger Anregung kam während des Spielens Hilflosigkeit und Scham dazu. Schon krass: ich bezahlte für ätzende Gefühle.

- Krass ist auch: Ich wollte wirklich immer länger in diesen erkauften Emotionen drin bleiben, wollte sie "hoch halten" - wieder mal ein schönes Sprachbild, Roy - und habe immer mehr dafür bezahlt. Im wörtlichen und übertragenen Sinne.

- Die von dir, Andreas, beschriebene Hilfemaßnahme "Das Innehalten, das Durchatmen" finde ich sehr wertvoll - alleine schon das Lesen der beiden Begriffe bringt mich runter und entspannt mich. Es wäre wirklich ein großer Schritt, wenn mir das im Alltag noch öfter gelingen würde - auch in Situationen, die nicht so herausfordernd, spieltriggernd sind.

- Ich vermute, dass gerade das die Sucht ausmacht: Der Griff zum Spielautomaten ist keine rationale Entscheidung mehr, "Innehalten und Durchatmen" wird in schwierigen Situationen nahezu unmöglich - UND: der Anlass, sich für das Spielen zu entscheiden wird immer nichtiger.

Die obigen Überlegungen sind für viele von euch wahrscheinlich nichts neues und spiegeln evtl. den klassischen Verlauf einer Sucht. Für mich sind sie allerdings wirklich sehr wertvoll. Um mein Spielverhalten nachhaltig zu verändern, muss ich auch verstehen, was da in Herz und Kopf eigentlich so abgeht.

LG Babs


Titel: Re: Leben
Beitrag von: Rubbel am 07 Oktober 2025, 11:41:50
Hallo Babs,

ich wiederum bin überzeugt, dass das (Warum gehe ich dem Glücksspiel nach) nicht so wichtig ist. Allerdings wollte ich das natürlich auch wissen. Aber warum wollen wir das erkunden (was ja eine reine Kopfarbeit darstellt)? Hätten wir leichten Zugang zu unseren tiefsten Gefühlen, wäre uns das gar nicht passiert. Und alles auf intellektueller Basis zu zerbröseln ... das kriegen wir gar nicht hin.
Was allerdings wirkt, ist der Zustand innerer Ruhe.
Insofern liegt, denke ich, Andreas absolut richtig, wenn er von "Das Innehalten, das Durchatmen" schreibt.
Störend ist nur: Solange wir vor dem Spielautomaten, am PC/im OC aktiv der Sucht nachgehen, verhindert das "Das Innehalten, das Durchatmen", denn damit tun wir das Gegenteil: wir geifern, teils atemlos, teils wütend, teils verzweifelt, schamerfüllt, ängstlich, ... etc.
Das bedeutet doch wie fast bei Allem: 'learning by doing', womit ich sagen will:
Ohne dieses Zockritual zu durchbrechen (abzustellen), können wir Überlegungen, warum wir zocken, gleich knicken - das funktioniert wohl kaum.
Aber diese Fragen - zumindest 'grob' zu beantworten, passiert in den Momenten der eigenen Beobachtung, als 'Mitläufer' sozusagen;  dann, wenn das Verlangen kommt, wenn wir 'Trigger suchen' quasi, wenn wir unruhig werden, die Aufregung in uns zunimmt bei dem Gedanken ans Spielen,
Ergo (so denke ich), ist der Wille, sich selbst nicht länger zu schaden, sich fortan gut zu tun (weil alles andere uns erfahrungsgemäß 'niederzwingt') der 'Start' in die Spielfreiheit.
Der eindeutige und -positiv- eigennützige Wille! Er bildet das Fundament.
Was dann an Fragen nach dem Warum kommt, ist auf dieser Basis viel eher beantwortbar, als eine vorherige Theorie.
Insofern, Babs, bist Du doch auf dem richtigen Weg ... stärke Deinen Willen, lies über die Machenschaften der Abzocker (die damit sogar auch Drogen- u. Menschenhandel etc. finanzieren), die betrügen, wo's geht (hier im BGH-Thread zu lesen) und politischen Zusammenhänge und auch, wie weit Süchtige gehen (in die Kriminaliät - in die Psychiatrie - in den Tod sogar). Hol Dir alles an Hintergrundwissen, was geht.
Das schafft einen ordentlichen Puffer!

Alles Gute!!
Rubbel
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 07 Oktober 2025, 17:59:18
Hallo Olaf, 

danke für deine Antwort, wir haben uns wohl knapp "verpasst".

Wie man es mit dem Begriff der (gestörten) "Emotionsregulierung" auch dreht und wendet, ein "gesunder" Umgang mit Emotionen ist wohl der Schlüssel zur Abstinenz.

Ich stimme dir übrigens voll zu, bei mir war es auch nicht anders: Im Elternhaus haben die wenigsten von uns einen gesunden Umgang mit Emotionen gelernt. Ich arbeite schon lange daran, sie wahrnehmen zu können und zu wollen. Das ist es auch was mich erschreckt. Eigentlich kann ich das ganz gut und trotzdem habe ich das Suchtverhalten entwickelt.

Soweit, lG, Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 08 Oktober 2025, 07:18:45
Schönen guten Morgen,

da ich gemerkt habe, wie gut mir der Austausch mit anderen Betroffenen tut, werde ich meinen Fokus jetzt erstmal auf meine SHG vor Ort legen.

Danke an alle, die hier in meinem Tagebuch ihre Gedanken mit mir geteilt und mich dadurch sehr unterstützt haben!
Auch an alle anderen Forumsschreibende und die Ermöglicher des Forums: Danke!

Alles Gute, bis bald,

Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Ilona am 08 Oktober 2025, 19:46:45
Liebe Babs,

ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg. Wir werden dich vermissen, du bist eine Bereicherung für unser Forum. Lass mal wieder von dir hören, sofern dir danach ist.

LG Ilona
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Roy1234 am 09 Oktober 2025, 10:51:20
Hi Babs,
ich verstehe dass Du dich auf die SHG vor Ort konzentrieren möchtest, finde es aber schade dass Du dich gleich komplett abgemeldet hast.

Viel Glück!

Roy
Titel: Re: Leben
Beitrag von: andreasg am 09 Oktober 2025, 13:23:52
Hallo Babs,

alles Gute für Deinen spielfreien Weg,

und wenn es sein darf und soll,
bist Du hier wieder herzlich eingeladen.

schöne 24 Stunden
Andreas
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 11 Februar 2026, 10:22:56
Hallo zusammen,

vor kurzem hat jemand gesagt ,,Schreiben ist ein kreativer Akt."
U.a. deshalb melde ich mich hier zurück. Ich möchte kreativ sein und meine Gedanken mit Euch teilen.

Oft habe ich hier im Forum gelesen, dass die Sucht nicht alleinig mit dem Beenden des Spielverhaltens überwunden werden kann. Und dem stimme ich absolut zu. Aufhören ist wichtig, ist aber erst der Anfang - quasi die Erstversorgung einer Wunde. Danach braucht es schon noch mehr ,,Behandlung".

Mein Suchtverhalten lag  zum großen Teil in dem ,,Gefühl der Einsamkeit" begründet. Um mehr darüber zu lernen habe ich eine Gruppe besucht, die sich intensiv aus unterschiedlichen Perspektiven damit beschäftigt hat. Was für ein Gewinn!

Eine der zentralen Erkenntnisse deckt sich mit der Aussage, die Olli hier im Forum oft verwendet: ,,Das Rezept für Erfolg ist ins Tun kommen!" – Ich bin aktiv geworden und singe seit einigen Monaten in einem Chor. Dort erlebe ich Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Da ich nicht 24/7 im Chor singen kann und will, brauche ich auch noch Handwerkszeug für den Alltag, damit die Einsamkeitsfalle nicht zuschlägt und ich zum vermeintlichen Hilfsmittel Spielen greife. Ich bin so froh, dass ich Gamban installiert habe und mir die Möglichkeiten verwehrt habe, mit Kryptowährungen zu spielen.

Ich habe gelernt, bzw. bin dabei es zu lernen, das Gefühl der Einsamkeit zu regulieren. Meine Regulierung sieht folgendermaßen aus: Wenn ich merke, dass ich mich einsam fühle, stehe ich auf und mache etwas. Zum Beispiel Kochen, Gymnastik, spazieren gehen, Steuer vorbereiten, Auto putzen, jemanden kontaktieren, Buch lesen, Singen üben, unangenehme Aufgaben meiner Disziplinliste abarbeiten – das ist besonders gut, weil ich danach sehr stolz auf mich bin, aufräumen, ausmisten. Etc.

Es ist wohl erwiesen, dass man beim Tun, Machen, zielgerichteten Aktiv Sein keine Einsamkeit erleben kann. Ich kann es auf jeden Fall bestätigen. Und so ist es ja auch hier mit dem Forum. Wenn ich schreibe, bin ich aktiv, denke an alles mögliche, aber fühle mich nicht einsam.

In diesem Sinne, lG

Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Olli am 11 Februar 2026, 13:38:56
Hi Babs!

Nun, ins Handeln kommen kann man auch mit Nichtstun! :) (Dafür werde ich bestimmt gleich zerrissen, ich Vollpfosten ... :) )

Gerade Langeweile möchte ausgehalten werden. Wenn Du hier immer aktiv wirst, dann kann das einerseits die Ergebnisse nach sich ziehen, die Du beschreibst, doch dem eigentlichen Problem stellst Du Dich damit nicht. Langeweile kann etwas Wunderbares sein!
Du kannst Dich, was viele als unangenehm empfinden, in dieser Zeit mit Dir selbst beschäftigen. Du kannst Deinen Gedanken freien Lauf lassen, z.B. auf der Terrasse sitzend den Wind auf Deiner Haut verspüren und Dir so immer wieder klar machen: Ich benötige keine Alternative zum Glücksspiel! Es rutschen ganz automatisch andere Dinge in die Lücke, die absolut nichts mit Glücksspiel zu tun haben.

Handeln ist angesagt, um Dich zu schützen, Dich mit Deiner Sucht auseinander zu setzen und um gesunde Veränderungen herbei zu führen. Wichtig vor allen Dingen ... zur Ruhe kommen!
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 12 Februar 2026, 08:12:32
Hi Olli,

es ist echt ein Geschenk, dass ich hier, insbesondere von dir, oft eine Resonanz bekomme, die mich zum weiteren Nachdenken anregt. Insofern kann ich gar nicht zur Ruhe kommen ;-)

Und ja, ich stimme dir zu: ein bewusstes Nichtstun ist auch Handeln. Es ist ja zielgerichtet.
Hier passt ein Zitat von Hannah Arendt: "Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man in der Einsamkeit mit sich allein ist."<

LG,
Babs
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Noname am 12 Februar 2026, 20:10:26
Liebe Babsi!

Ich bin "auf der anderen Seite", also auf der Angehörigen Seite.
Ich hab mir grad alle deine Beiträge und deren Antworten durch gelesen und finde es toll, dass du wieder schreibst!
Ich mag deine Klarheit, deine Ehrlichkeit und Selbsterkenntnisse! Ich kann so viel mitfühlen und auch mitnehmen.
Bitte Schrein weiter, vorallem wenn dir langweilig ist, schreib es nieder 💪
Das Thema Einsamkeit trifft sicher ganz viele Menschen, mit und ohne (erkannter) Sucht.

Hast du schon mal überlegt, etwas im Bereich Ehrenamt zu machen? Ich weiss nicht, ob dir sowas liegt, aber es gibt so viele Möglichkeiten.
Als Leihoma/Leihtante, Pensionisten bespaßen (da gibt es sicher viele einsame Menschen), im Garten helfen, in einem Obdachlosenheim....

Vielleicht erfüllt dich das auch mit Stolz und Ehrfurcht, zu was du imstande bist. Was für einen Mehrwert du bieten kannst und wie gutes deine viele spielfreie Zeit bewirken kann.

Ganz liebe Grüße!
Titel: Re: Leben
Beitrag von: Babs am 13 Februar 2026, 11:14:17
Hallo Noname,

wie schön, dass du geschrieben hast :-) Eine Resonanz auf meine Gedanken zu bekommen finde ich immer sehr wertvoll.

Mit der Idee des Ehrenamtes und seinen möglichen Wirkungen hast du meine momentane Befindlichkeit sehr gut getroffen. "Stolz und Ehrfurcht" für ein Engagement zu empfinden würde mir sehr gut tun. Ich war schon ein paar Mal ehrenamtlich tätig und es hat mir immer sehr viel gegeben. Da ich im Moment auf Arbeitssuche bin, habe ich das hintenangestellt, was nicht sehr schlau ist. Die Stellenanzeigen werden ja nicht mehr, wenn ich nichts anderes tue. Ich danke dir für die Anregung!

Du schreibst ja, dass du von "der anderen Seite" bist. Es ist echt klasse, dass das Forum uns alle hier verbindet. So wie ich deine Beiträge interpretiere, steckt dein Partner noch drin. Evtl. hilft ja auch dir das Schreiben dabei, Gedanken zu klären und auf neue Ideen zu kommen.

Alles Gute und LG
Babs


Titel: Re: Leben
Beitrag von: Noname am 13 Februar 2026, 12:49:48
Liebe Babs!

Schön, wenn ich da einen positiven Nerv getroffen hab! Ich bewundere Menschen, die sich für andere engagieren!

Ja, wir sind gerade am Anfang, ich denke aber, ich hab ein "ähnliches Exemplar" daheim, wie dich und das lässt mich großen Mut und Hoffnung schöpfen. Mir ist natürlich bewusst, dass es ein Prozess, quasi ein Marathon und kein Sprint ("Episode") ist und ich muss mich da selbst auch immer wieder zurücknehmen und darf Geduld lernen.

Es ist unglaublich wichtig, dass die Veränderung immer von einem selbst kommt, wie bei dir. Wie bei uns. Klar, ein kleiner Schubbs, ein kurzer Reminder darf ruhig sein. Aber es muss ein inneres Bedürfnis sein.

Meine vorige Bitte bleibt bestehen, schreibe hier weiter, auch wenn Du in die SHG gehst, es fühlt sich an, als würde es dir auch gut tun und ich denke, auch wir hier - ich ganz bestimmt - möchten dich gern weiter begleiten ❤️

Auf schöne Momente,
Alles Liebe!
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 25 Februar 2026, 11:48:55
Hallo zusammen,

es gibt etwas zu feiern: Gestern hat mir Gamban ein neues Abzeichen verliehen.

6 months free of gambling

Zeit gewonnen - Geld gespart - Selbstbewusstsein erhöht


Ich glaube, dass es bei mir nun wirklich Klick gemacht hat. Im Laufe der Monate habe ich immer wieder Mal Demoslots angeschaut. Als erster Schutz-Mechanismus ist Gamban unheimlich wertvoll. Wenn wir wirklich wollen, können wir es natürlich trotzdem umgehen. Und einmal war ich tatsächlich versucht, wieder ins Spielen mit Geld einzusteigen. Aber es wären einige andere, aufwändige Maßnahmen erforderlich gewesen.

Absolut erfreulich: Beim letzten Mal hat es mich absolut kalt gelassen. Nach ein paar Minuten habe ich mir gedacht "Was soll das?! Ist doch echt Schwachsinn und absolute Zeitverschwendung."

Über dieses Gedanken und dieses Empfinden freue ich mich wirklich sehr! Dranbleiben, durchhalten - es wird leichter. Mir ist schon bewusst, dass die Gefahr eines Rückfalls immer gegeben ist. Gleichzeitig fühlt es sich nach einem neuen Entwicklungsschritt an.

LG an alle Interessierten,
Babs

Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 08 März 2026, 10:27:03
Schönen guten Morgen,

ich habe mich gerade an eine Städtetour im letzten Jahr erinnert. Ich erinnere mich sehr gerne daran, weil ich zu der Zeit gerade eine Spielpause eingelegt hatte. Die Eindrücke und Erinnerungen sind also nicht von Spielerinnerungen bei allen möglichen Aktivitäten überlagert.

Die Erinnerungen an andere Städtetouren oder auch längere Urlaube habe ich mir oft vergiftet. Sie sind von den unschönen Emotionen, Gedanken überlagert.

Das will ich nicht mehr!

Ich bin so froh und dankbar, das erkannt zu haben und ich will es mir immer wieder vergegenwärtigen!

LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 13 März 2026, 08:36:00
Schönen guten Morgen,

ich neige dazu, das Ausmaß meiner Abhängigkeit zu relativieren. Um einen Rückfall vorzubeugen habe ich mir meine damals in privaten Notizen verfassten Vorsätze und das damals empfundene Leid nochmal angeschaut.

6 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Jetzt spiele ich zum letzten Mal!"
--> War nicht so, exzessiv weitergespielt.

5 Wochen und 3 Tage vor dem letzten Spiel:
"Ich brauche Hilfe!"
--> Im Netz recherchiert und exzessiv weitergespielt

5 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Stop!!!"
-->  Exzessiv weitergespielt.

4 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Jetzt bin ich frei. Nix mehr drauf!"

Ich hatte das Geld das ich in mein Kryptokonto verschoben hatte um es heimlich verspielen zu können, mit Absicht und Vorsatz komplett verspielt. Wie im Forum schon von anderen beschrieben: Das Geld zu besitzen war mir nicht möglich, ich musste das Gefühl haben, dass es für immer für mich weg ist. Das Geld war Gift für mich, das ich loshaben wollte.

Eine Woche Spielpause

3 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Auf keinem Fall werde ich von einem Konto etwas überweisen!"
--> Überwiesen und exzessiv gespielt.


Ich habe keine Erinnerung mehr daran, warum ich dann tatsächlich aufgehört habe. Ah, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich hatte eine komplette Nacht durchgespielt - wirklich bis zum Morgengrauen. Ich sitze auf dem Sofa und kann einfach das Handy nicht weg legen und aufhören. Echt wie ein Junkie, völlig der Droge verfallen.

Irgendwie war das für mich der Kipp-Punkt.

Wenn ich meine Erinnerungen so niederschreibe wird mir wieder bewusst, wie schlecht es mir damals ging, wie hilflos ich mich fühlte und wie sehr ich die Kontrolle über mein Verhalten verloren hatte. Diesen Vorsätzen waren ja lange vorher schon andere vorangegangen. Alle natürlich fruchtlos.

Der Vortrag zum Thema "Rückfall" kam wie geschrieben wirklich gerade rechtzeitig für mich. In dieses Elend will ich nicht mehr zurück.

Die Zeit war schrecklich und gleichzeitig hat sie auch meinen Horizont erweitert. Wir Menschen sind so vielschichtig.
Außerdem habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Sucht beschäftigt und mein Leben hinterfragt.

Es mag seltsam klingen, aber aktuell gehe ich gestärkt aus dem Ganzen hervor. Trotz der ätzenden Weltlage und  meiner noch anhaltenden Arbeitssuche bin ich nicht daran interessiert, mich durch Spielen davon abzulenken. Mein Energie stecke ich lieber in andere Dinge.

LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Roy1234 am 13 März 2026, 10:05:22
Hi Babs,

schön beschrieben und gut dass Du für den Moment der hoffentlich ewig dauert das richtige machst.
Ich denke jeder braucht diesen Moment, das Ereignis, die Erkenntnis, was auch immer es ist um wirklich aufhören zu wollen.
An bestimmten Vorfällen kann man sich auch hochziehen um diese nicht wieder erleben zu müssen.

Mach weiter so und alles Gute!

LG Roy
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Olli am 13 März 2026, 10:39:39
Hi Babs!

Ich habe damals 20 Jahre lang gespielt. Mehr wie einmal habe ich mir gesagt: Du hörst auf! Tatsächlich war das aber nicht meine Stimme. Es war die meiner Eltern und meiner Geschwister. Deren Erwartungen wurde in mir eine Stimme gegeben. Aber ich hatte auch selbst eine und die sagte immer wieder: Spiele weiter! Keiner hat das Recht mir das wegzunehmen!
Und so kam Tag für Tag, Woche für Woche bis hin von Jahr zu Jahr immer mehr Zeit zusammen, die ich mit dem Spielen verbracht hatte.

Wenn ich gefragt werde, ob ich je einen Rückfall hatte, dann sage ich aus vollster Überzeugung "NEIN!".
All die Jahre hatte ich immer nur Spielpausen eingelegt. Wie Du ja weisst, hat jede Pause nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende.

Doch als ich wieder einmal meine Vorsätze über den Haufen geworfen hatte und an einem Nachmittag und Abend fast mein ganzes Gehalt verspielt hatte, da hatte ich genug ... Wie oft hatte ich mir gerade in der Zeit davor noch gesagt, dass mir das Spielen doch keinen Spaß mehr machte ... und habe weiter gespielt. Wie oft hieß es in mir: "Ich schädige mich doch nur selbst!" ... und habe weiter gespielt.

Ich ging am 30.06.2006 von den Automaten weg, an der Theke vorbei und Richtung Ausgang. Als ich durch die Tür der Spielhalle nach draussen trat, da schaute ich auf die Uhr: Punkt 0 Uhr am 01.07.2006. Da sagte ich mir: "Das war´s! Egal was auch kommt, ich spiele nicht mehr ..." Und ja, es war manchmal echt extrem schwer der "Diskussion mit der Sucht" zu entkommen. Doch es wurde mal zu mal einfacher. Jedes Wiederstehen war ein Erfolg, der motiviert. Ungelogen ... mein Selbstvertrauen wuchs. In der Gruppe erzähle ich immer wieder, dass ich damals der große Schweiger in der Gruppe war. Und heute? Heute schaue ich gerne zu, wenn die Menschen wieder ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Es macht Spaß dies zu sehen und mich gleichzeitig zurück zu erinnern, wie es bei mir damals war. Damals waren mir die Erfolge gar nicht so wirklich bewusst. Es ist aber doch nie zu spät sich darüber auch nachträglich zu freuen.

Was Du und auch ich wohl gelernt haben: Das Schwierigste am Aufhören ist das Anfangen!
Und ja, auch danach kann es schwierig werden. Doch dafür sich doch wir anderen da, wir bauen gerne auf, motivieren, machen die Erfolge deutlich und und und ...

Ich schätze, dass Dir gar nicht bewusst ist, wie sehr Du mit Deinem Beitrag dem ein oder anderen Leser hier geholfen hast!
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: andreasg am 13 März 2026, 11:07:36
Hallo Babs,

Danke für Deine Schiderung und Deine Offenheit. Ja, ich kann mich locker darin wiedererkennen. Meine Geschichte der Konsequenz des Erkennens meiner Spielsucht, und der Erkenntnis, daß ich nicht sicher bin, ob ich wieder rückfällig werden könnte, habe ich immer und immer wieder beschrieben.
Aber ich habe ja auch vom Spielen geträumt:
"Ich sitze in der Spielhalle, wohl schon seit Stunden vor dem Automaten, nichts ist geschehen, die Scheiben drehen sich, sie Symbole sind nicht mehr erkennbar. Der Kopf ist nur noch müde, ich fühle mich verschwitzt, ausgelaugt, ich bin ein Wrack, ich kann nicht mehr! Auch wenn ich noch 20 DM übrich habe, ich höre auf, gehe jetzt hinaus. So kam ich aus der Spielhalle. Draußen ein großer freier Platz, die Sonne schien, ein frischer Wind wehte. Ich wußte nicht, wo ich war, der Ort war mir fremd, aber - am anderen Ende direkt gegenüber muß ja auch eine Spielhalle sein. Ey, 20 DM habe ich ja noch, schnell rüber, ein Zittern ging durch meine Hände, das Herz schlug schneller, und ich lief über den Platz" - Als ich aufwachte war ich wirklich verschwitzt, und ich habe wirklich gezittert. Ich weiß nicht mehr , wann ich diesen Traum hatte, es war aber final mein letzter Traum vom Spielen. Dann haben sich die REM - Bilder geändert. Als Beispiel: ich bin im Bahnhof, alles überfüllt mit Reisenden, und habe Angst den Zug zu verpassen, - auch das mag ein Form sein, im Inneren nachzuschauen, was noch unverarbeitet blieb.
Wir haben zum Glück immer und immer wieder, die Chance unsere Bestandsaufnahme zu tätigen, und das bringt uns wieder auf die Spur.

schöne 24 Stunden

Andreas
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Winifried am 22 März 2026, 22:04:07
Hallo, wie gut ich das alles kenne und nachvollziehen kann, ich meine die ganze Nacht spielen und egal wie hoch der Gewinn ist, ich spiele weiter bis ich im Minus bin und zwar so das ich massive Probleme habe damit. Die Augen, die Gesundheit, ich muss wieder aufhören und versuche durch die Beiträge Kraft dazu zu bekommen, alles Gute
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 22 März 2026, 23:53:24
Hallo Winifried,

schön, von dir zu lesen.
Ich will dich von Herzen ermutigen, das Forum hier zu nutzen. Mir hat es in der schwierigen Ausstiegsphase sehr viel Kraft gegeben. Tagebuch zu schreiben und Resonanz zu bekommen war für mich in der Situation absolut hilfreich und unterstützend. Du bist nicht alleine.

LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 24 März 2026, 07:22:13
@Noname:
Du hattest geschrieben, dass dein Partner ein "ähnliches Exemplar" wie ich ist. Ich bin auf einem guten Weg und stabilisiere mich stetig. Und bei Euch?
Wie geht es dir?

LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 30 März 2026, 05:29:59
Hallo,

wieder habe ich etwas über mich gelernt. Es stresst mich und setzt mir ungemein zu, wenn hier im Forum laut und aggressiv gegeneinander gearbeitet wird.

In einem ersten Impuls heraus hatte ich mich gestern daraufhin abgemeldet. Meine Überlegung: Teil dieser "Gemeinschaft" will ich nicht sein.

Jetzt bin ich doch wieder angemeldet. Warum?

Mir ist völlig klar, dass Konflikte normal sind, zum Leben dazu gehören. Unser Umgang damit ist unterschiedlich. Ich bin raus, bin geflüchtet.

Immer noch die Frage: Warum bin ich wieder hier? Was gibt mir das Forum, das aktive Beteiligen trotzdem?

Wahrscheinlich ist das die Antwort. Ich kann meine Gedanken durch das Niederschreiben klären und sortieren und habe trotz / wegen der Anonymität das Gefühl in Verbindung mit anderen Menschen zu sein, die auch noch auf der Suche sind oder es waren.

LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Olli am 30 März 2026, 06:02:42
Hi Babs!

Konflikte gehören tatsächlich zu den Phasen dazu, die eine Gruppe durchlebt. Auch wenn das dahinterstehende Modell hier im Forum schwer erkennbar oder auch realisierbar ist, so gibt es sie dennoch auch hier. Doch wir sind auch eben eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig wieder auf die Spur bringen kann. Das Hauptziel, wie Du es prima beschreibst, bleibt dabei aber immer noch im Fokus.

Schön, dass Du dageblieben bist und auch Deinen Unmut kund getan hast.

So bin ich wenigstens nicht der einzige Buhmann ... Nee ... der letzte Satz war Spaß :)
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: andreasg am 30 März 2026, 10:10:05
Hallo Babs,

ich gehe hier mal in die Fantasie, in einem Stuhkreis mit allen Protagonisten zu sitzen, die sich jetzt hier im Forum aktiv zeigen. Da gibt es dann ein Spannungsfeld im Raum, und das muß, z.B. in einer Gruppeninventur aufgearbeitet werden. Niemand kann sich da heraushalten, aber jede, jeder bringt seine tiefen inneren Aspekte, seine Emotionen, die eventuell unterdrückt waren nun hervor.
Und hier kann die Gruppe ihre Kraft zeigen, und sich eine neue Energie für Genesungsprozesse finden.
Ich finde es spannend, und bin sogar froh, daß es im Karton rappelt, weil ich die Hoffnung habe, das Forum wacht jetzt aus seinem Dornröschenschlaf wieder auf.

schöne 24 Stunden

Andreas
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Rubbel am 30 März 2026, 10:53:51
Es gibt eine Kerngruppe, die besteht aus vielleicht 10 oder weniger Menschen, die vor allem eines einigt: Die durchlebte Spielsucht.
Das heißt nicht, dass diese Menschen in Harmomie miteinander schwelgen.
Jede/r geht anders mit sich und seiner Umwelt um.
Es gibt die, die seit Geburt fertig gelernt haben und die, die auf der Schwelle zum Jenseits noch mehr und mehr lernen wollen und wissen, dass sie nie auslernen werden. Auch alles sonst an Kuriositäten der Verhaltensweisen ist in der Kerngruppe vertreten wie in der Gesellschaft allgemein.
Auch viel Narzissmus.
Wir können hier lernen, wie wir die verschiedenen Charaktere akzeptieren oder tolerieren.
Vielleicht vergrößert sich die Kerngruppe. Die meisten Leute aber werden kommen und gehen ...
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Roy1234 am 30 März 2026, 11:16:15
Hi Babs
Du hast ja jetzt nicht im näheren beschrieben wo du das dich belastende gelesen hast.

Im allgemeinen sind wir hier ein Forum mit zig unterschiedlichen Charakteren in unterschiedlichen Stufen der Sucht.
Hier gibt's zwei markante Bereiche mit grundsätzlich unterschiedlichen Emotionen.
Den Bereich Glücksspielsucht und den Bereich BGH bzgl Rückforderung gegen die OC's.
Im ersten Bereich suchen wir Hilfe, schreiben uns frei was wichtig ist. Aber selbst hier wird es immer mal unangenehme Antworten geben wenn die Meinungen auseinander gehen. Auch damit kann nicht jeder umgehen. Allerdings ist die Wahrheit sagen und andere Meinungen tolerieren äußerst wichtig. Ich selbst habe über 20 Jahre gezockt und behaupte viel Erfahrung zu haben. Im Moment bin ich bald 3,5 Jahre raus aus dem Mist. Und ja wenn ich das Gefühl habe dass jemand Alibi mäßig Dinge hier hören will sage ich ihm das. Es bringt nichts ständig nach dem Mund zu reden, damit hilft man niemanden.

Der andere Teil ist der BGH Thread.
Hier geht's für viele um sehr viel Geld und die Chance wieder raus aus den Schulden zu kommen. Auch hier gibt es unterschiedliche Personen. Die vorsichtig positiven Realisten, die denen das Wasser bis zum Hals steht und die gerne nur das positive hören wollen. Und dann die Schwarz Maler. Da sind Reibungen vorprogrammiert...

LG Roy
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 30 März 2026, 15:12:30
@Oli, AndreasG, Rubbel, Roy:

Vielen Dank für eure Rückmeldungen, Erläuterungen und euer Ernstnehmen!

Mal wieder einiges zum Nachdenken:-)
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Peterschmidt4444 am 03 April 2026, 14:16:46
Hi Babs. Ich hoffe es geht dir gut. Ich vermute du bist aus einem bestimmten Grund "wieder" hier gelandet:

Es könnte dein Anker sein, du möchtest nicht mehr spielen und ich wünsche Dir, dass Du es schafft und das kannst Du auch schaffen.

Schöne Ostern
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 03 April 2026, 18:37:36
@Peter: Danke der Nachfrage, es geht mir gut und ich habe Gott sei Dank auch wieder einen Job :-))

Und ja, ich möchte nicht mehr spielen, v.a. möchte ich mich nicht mehr so elend fühlen und stattdessen selbstbestimmt leben.

Der Anker ist ein schönes Bild. Irgendwann möchte ich keinen mehr brauchen.

Ich wünsche dir auch, dass du es schaffst und zufrieden leben kannst.

FROHE OSTERN auch dir!

Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Peterschmidt4444 am 04 April 2026, 09:04:32
Hi Babs.

Wenn du den Anker nicht mehr brauchst kannst du ihn ja vergolden und in die Ecke stellen?  ;D Also wegwerfen würde ich ihn dann nicht....😅

Was denn für ein Job?
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 05 April 2026, 08:19:22
Hallo Peter,

ich habe dir eine PM geschickt und hoffe dass sie angekommen ist.

Anonym zu bleiben ist mir wichtig.

Warum eigentlich? Ich bin nicht stolz darauf, dass sich aus einer Gewohnheit eine zwanghafte Sucht entwickelt hat. Dass ich meiner Unzufriedenheit nicht anders, lebensbejahend und aktiv, begegnet bin.

Ist das bei der Mehrheit die Regel? Leben die meisten Menschen in Deutschland ein erfülltes, zufriedenes Leben ohne Sucht?

Stolz bin ich übrigens, dass ich letztlich aktiv geworden bin und nun bewusster mein Leben gestalte.

Dazu passt Ostern wunderbar :-)


LG, Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Peterschmidt4444 am 05 April 2026, 11:33:59
Hi Babs,

Ich bin auch nicht stolz auf mein "gezocke". Ist das überhaupt Irgendjemand ernsthaft?

Ich heiße nicht Peter, ich bin also auch "annonym" hier.  ;D

Ich hoffe einfach sehr, dass du dein Ziel erreichen wirst.

Anonym oder nicht scheint mir irrelevant, darf man natürlich.

"Gerne nicht mehr spielen und glücklich damit werden bzw. sein" scheint wichtig zu sein, ich hoffe wirklich du erreichst dein (dieses) Ziel.
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 14 April 2026, 06:55:01
"Wir Spieler sind potentiell immer gefährdet, egal wie lange wir abstinent leben."

Das Zitat von Olaf habe ich gerade gelesen, als ich Mal wieder in das Tagebuch von Freitagessen reingeschaut habe. Alles Gute übrigens!

Es passt sehr gut zu meinen Gedanken , die Peters Beitrag hier in meinem Tagebuch bei mir ausgelöst hatten.

Peter "hofft", das ich es schaffe. Mein erster Gedanke: Ich habe es doch bereits geschafft. Ich bin doch nun schon seit über 7 Monaten spielfrei.

Final werde ich aber wohl erst am Ende meines Lebens sagen können, ob ich es geschafft habe. Das Leben hat mit Sicherheit noch einige Auf und Abs zu bieten. Die Kunst wird es sein, mich immer wieder zu besinnen, bei mir zu bleiben und MEIN Leben zu leben.

Einen schönen Tag,

Babs
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 26 April 2026, 23:15:48
Ich habe gerade wieder einmal im Forum quer gelesen.

Rückfälle, bzw. Vorfälle nach vielen Jahren der Spielfreiheit haben mich tief erschüttert .

Jemand hat formuliert, dass er suchtaffin ist. Das trifft auf mich auch zu. Glücksspielen ist nicht das erste Verhalten, das bei mir zur ungesunden Gewohnheit wurde. Aus der Realität bin ich im Laufe meines Lebens schon einige Male geflüchtet.

Deswegen bin ich auch wirklich der Überzeugung, dass es nicht ausreicht, "nur" nicht zu spielen. Lebensverneinende Gewohnheiten, die unbewusst zwanghaft ausgeübt werden, gibt es zuhauf - oftmals nicht so klar als solche erkennbar.

Im Sonntagsvortrag zum Thema "Rückfälle" wurde als Schutz vor Süchten die Lebenszufriedenheit genannt.

Ein großes Wort ...

Und gleichzeitig sehr verlockend. :)
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Isabell80 am 08 Mai 2026, 12:36:57
Zitat von: Babs am 26 April 2026, 23:15:48Aus der Realität bin ich im Laufe meines Lebens schon einige Male geflüchtet.
 

Das kann ich für mich auch so bestätigen ...


Schön , dass Du einen passenden Chor für Dich gefunden hast.
Ich singe auch schon seit vielen Jahren im Chor und bin nach einer Probe noch nie mit schlechter Laune nach Hause gefahren - das trägt also definitiv zur Lebenszufriedenheit bei !

Schönes Wochenende und alles Gute für dich !!
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 03 Juni 2026, 01:56:28
"Meine eigentlichen Werte waren durch die Süchte umnebelt. Jetzt sind sie wieder sichtbar und ich darf sie leben."

Danke, Wolfgang, für diese schöne Beschreibung in deinem Tagebuch.

Seine Werte leben zu dürfen ist etwas Großartiges. Für mich bedeutet es, frei zu sein, Sinn erleben zu dürfen und mich nicht verbiegen zu müssen.

Im Moment klappt das wunderbar und dafür bin ich sehr dankbar.

Und Wolfgang: Herzlichen Glückwunsch zu 5 Jahren Spielfreiheit!


Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 05 Juni 2026, 22:54:42
Gestern habe ich mir mein neues Handy installiert.

Gamban funktionierte also erstmal nicht.

Wieder einmal habe ich gemerkt, wie hoch die Gefahr bei mir ist, Spielmomente zu verklären.

Boa, ich bin echt überrascht und auch entsetzt, wie schnell die Gedanken Richtung Spielen ging. Und das, obgleich ich vom Kopf und vom Herz her weiß, wie gut mein Leben ohne ist.

Nachdem ich kurz in kostenlose Demoslots rein bin, habe ich sofort wieder Gamban installiert und auch meinem Mann davon berichtet. Das hat die Gefahr für mich nochmal realer gemacht.

Nein, das will ich nicht mehr! Ich bin sehr froh, dass es solche Apps gibt!
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Olli am 06 Juni 2026, 06:24:41
Hi Babs!

Nun, ich möchte es nicht beschönigen, das war ein "Vorfall". Ja, es ist kein Geld geflossen, doch Du hast bewusst diese Seiten aufgerufen und gespielt.
Nun kommt aber das Gute, Du hast es selbst wieder gestoppt und dann Deinem Mann und auch uns hier davon berichtet.

Wir sind nun mal süchtig. Ein Süchtiger beschönigt sich selbst sein Verhalten. Kannst Du das bestätigen? Wir sind aber auch noch mehr. Du hast mittlerweile Erfahrungen gemacht, die Dich vom Spielen fernhalten möchten. Dein inneres Bollwerk gegen das Spielen hat sich also durchgesetzt.

Ich finde, dass dies auch eine wichtige Erfahrung ist, die Dich weiterbringen wird.

Ich danke fürs Teilen!
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Isabell80 am 06 Juni 2026, 09:02:55
Hallo Babs ,

ich finde es total gut , dass du hier so ehrlich von dieser Situation schreibst.
Ganz kurz falsch abgebogen , aber direkt wieder zurück auf den richtigen Weg gekommen .
Erschreckend , wie diese Sucht in einem arbeitet .
Aber du hast super reagiert und auch direkt deinen Mann mit ins Boot geholt .
Finde ich wirklich stark von dir !
Schönes Wochenende
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Isabell80 am 14 Juni 2026, 13:42:37
Hey Babs , alles okay bei dir ?
Titel: Antw:Leben
Beitrag von: Babs am 14 Juni 2026, 17:21:44
Hallo Isa,

danke, passt alles :-)

LG