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Glücksspielsucht => Tagebuch => Thema gestartet von: Isabell80 am 14 April 2026, 10:23:35

Titel: Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 14 April 2026, 10:23:35
Hallo , dies wird also nun mein Tagebuch!

Ich bin Isabell , 46 Jahre alt , verheiratet , 2 Töchter und seit 3 Jahren spielsüchtig .
In den letzten 3 Jahren habe ich einen Schuldenberg von ca 53000 € angehäuft .
Immer weiter gemacht , in der Hoffnung mich aus diesem Mist wieder rauszuholen , bevor es jemand merkt .
Ich brauche wohl niemandem hier erklären , dass das nicht funktioniert hat . Der grosse Sieg , der alles wieder gut gemacht hätte ( hätte er nicht , hab ich mir aber lange erfolgreich eingeredet ) ist ausgeblieben .
Das Ergebnis : Hohe Schulden , zerstörtes Selbstbewusstsein und für mich am Schlimmesten , ein unglaublich enttäuschter und verzweifelter Ehemann.

Freitag war es soweit , ich hab ihm alles erzählt.
Hatte mir das schon lange vorgenommen und dann noch immer wieder gekniffen und gedacht , ich regel das schon alleine . Alles wird gut , blablabla

Gar nichts wurde gut !
Nun ist es raus , die Erleichterung , die ich mir dadurch erhofft hatte , ist nicht eingetreten .
Er hat alles richtig gemacht , hat geschockt aber verständnisvoll reagiert .
Das lässt mich irgendwie noch schlechter fühlen .

ABER , das zeigt mir auch ganz klar , was ich nicht mehr ,nie mehr  will .
Ich will ihn und mich nie mehr so sehen , ich will ihn und mich nie mehr so enttäuschen und ich will nie mehr spielen . Ich will da raus !!!

Seit Donnerstag hab ich nicht mehr gespielt. Das ist nichts , aber das ist ein erster Schritt , dem hoffentlich noch viele folgen werden .

Für nächste Woche habe ich einen Termin bei der Suchtberatung vor Ort .

Ich habe vor hier regelmässig zu schreiben und mir eure Geschichten durchzulesen .Vielleicht finde ich Tipps , die auch für mich passend sind.

Aktuell empfinde ich keinen Spieldruck , aber ich bin sicher , das wird kommen .
Und dann kommt es drauf an ..
Bis dahin will ich irgendwie Kraft sammeln und möglichst vorbereitet sein , sofern das möglich ist ...
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Wolfgang am 14 April 2026, 10:58:39
Hallo und herzlich Willkommen!

Am Freitag hast du einen Entschluss gefasst und darüber hinaus großen Mut bewiesen. Du hast deinem Mann die Karten auf den Tisch gelegt. Das ist nicht einfach, aber anders würde es nicht funktionieren.
Zuallererst muss man der Wahrheit wieder Raum geben. Du hast jetzt den "Vorteil", dich deinem Mann gegenüber geöffnet zu haben. Das wirkt nochmal als Barriere gegen ein eventuelles "Weiter so".
Los geht`s.

Ich werde deinen Weg verfolgen und wünsche dir auf diesem alles Gute!

Liebe Grüße
Wolfgang
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Rubbel am 14 April 2026, 12:20:37
Hallo Isa,

guten Start für Deine Spielfreiheit!

Inwiefern hatte Dein Mann denn Verständnis?

5 Tage ist es her, dass Du um Geld gespielt hast.
Da sitzt Dir verständlicherweise noch der Schreck in den Knochen.
Wichtig ist, dass Du Dich jetzt organisierst, bevor der Schreck verebbt. Du kannst Dir ne Selbsthilfegruppe suchen, dafür ggf jemand suchen für die Kinderbetreuung. Du kannst eine Therapie beantragen, Dein Geld von jemandem einteilen lassen, Dir Sperrsoftware installieren.
Denn bald flacht Dein heute noch vehementer Wille, nie mehr zu spielen, ab - das ist 'normal'. Und dann schützen Dich die Vorkehrungsmaßnahmen.

Alles Gute
Rubbel
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Olli am 14 April 2026, 12:25:52
Hi Isa!

Herzlich willkommen!

Nimm´ bitte mal wieder die Fäuste runter. Wen willst Du da schlagen? Dich selbst?
Möchtest Du das Verständnis Deines Mannes egalisieren, indem Du Dich selbst geißelst?
Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, dass Du Verständnis für Dich selbst aufbringst?

Vielleicht ist das jetzt noch etwas viel verlangt, doch der Tag wird kommen, an dem Du Dir selbst verzeihen kannst.

Was ist wohl falsch an dem Gedanken "nie wieder" zu spielen? Ich bezeichne so etwas als Selbstbeschiss und Lüge. Klar nutzt Du diesen Spruch zur Motivation. Da Du aber gar nicht weisst, wie Du morgen, übermorgen oder in 10 Jahren drauf bist, kannst Du gar nicht aufrichtig sagen, dass Du nie mehr spielen möchtest. Oder kannst Du die Zukunft vorhersagen?
Damit Du aber nicht mit leeren Händen dastehst ... wie wäre es mit ... "Ich werde mein Bestes geben spielfrei zu bleiben! Nur für heute!"
Heute ist ein Ziel, welches Du erreichen kannst. Heute wird sich auch groß an Deinen Lebensumständen und Deinen Einstellungen nichts ändern. Heute ist auch nur noch weniger als 12 h. Davon gehen aber noch Schlafzeit, Arbeitszeit, Fahrzeit, Einkaufen, Tanken etc. ab. Gekocht werden muss auch noch, der Tisch gedeckt und vielleicht sogar noch die Waschmaschine angestellt werden. Da bleibt an freier Zeit, die Du mit Glücksspiel verbringen könntest, nicht viel übrig.

Es gibt da eine Überzeugung in mir, die mir bisher auch nicht widerlegt werden konnte:
Die Basis für eine Genesung ist die absolute Aufrichtigkeit nach aussen und nach innen!

Damit ist jetzt nicht gemeint, dass Du mit Deiner Sucht hausieren gehen sollst oder jedem Fremden, der Dich fragt: "Wie geht es Dir!" sofort Deine ganze Lebensgeschichte erzählst. Ich meine damit so Sachen, die Du bereits angegangen bist.
Du hast Dir selbst eingestanden, dass das, was Du da bisher gemacht hast, nicht richtig war. Welche Werte Du da vernachlässigt hast, können wir gerne auch diskutieren. Auch diese unangenehmen Dinge gehören für mich zum "absolut" dazu. Dann hast Du Dich Deinem Mann offenbart. Noch verspürst Du keine Erleichterung? Das kommt noch ... :)
Denn jetzt ist da ein großer Ballast von Deinen Schultern genommen worden - durch Dich selbst: Du brauchst nicht mehr lügen!

ZitatABER , das zeigt mir auch ganz klar , was ich nicht mehr ,nie mehr  will .

Ist es nicht viel interessanter, Dir zu verdeutlichen, WAS DU WILLST?

Du kennst doch sicherlich die Suggestion, wo Du an alles denken darfst, nur nicht an einen rosa Elefanten?
Was wird passieren, sobald Du diese Einschränkung hörst? Richtig, Du siehst vor Deinem inneren Auge nun einen Rosa Elefanten, der vor einem Bildschirm sitzt und Dir schreibt ... Dankeschön! :)
Genauso verhält es sich auch, wir Menschen sind nun mal so gestrickt, wenn Du an das "Nichtspielen" denkst.

Die Vergangenheit ist vergangen! Wenn Du ihr nachtrauerst, lebst Du die Vergangenheit. Sie ist nur noch für Eines gut ... um aus ihr zu lernen! Wir werden nie zu alt sein, um nicht doch noch etwas zu lernen ...

Da hinein passt nun Dein Termin bei der Suchtberatung! Hey ... schon wieder etwas, worauf Du stolz sein kannst. Oder meinst Du vielleicht, es wäre eine Selbstverständlichkeit sich vor fremden Menschen zu outen? Sich Hilfe zu gönnen?

Du brauchst keine Kraft sammeln, um dem Suchtdruck zu begegnen. Manches ist einfach ein wenig Technik, wie die Anwendung von Skills, dann gibt es die Helferlein OASIS und gamban. Bei OASIS sperrst Du Dich einfach befristet auf 99 Jahre ... und schon kannst Du nicht mehr legal spielen. Um die Illegalen auch noch abzudecken, installierst Du die Software gamban. Sie hat sich bewährt, es gibt aber auch noch andere, wie gamblock, betfilter, betblocker etc.
Dann geht es auch darum Glaubenssätze aufzulösen, wie Du es bereits angefangen hast: Der große Gewinn wird nicht kommen - und wenn doch, dann verzockst Du am Ende doch wieder alles ...

Später mehr ...
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 14 April 2026, 13:06:10
Danke für eure Denkanstösse.

@Wolfgang , danke , dass du meinen Weg verfolgen möchtest .

@Rubbel , danke auch für deine Worte .
Mit der verständnisvollen Reaktion von meinem Mann meinte ich , dass er natürlich sehr viele Fragen hatte und auch immer noch welche auftauchen ( was ja auch klar ist ) , er aber in keinem Moment laut geworden ist, oder vorwurfsvoll war , oder ungerecht .
Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben auf so eine heftige Beiche zu reagieren , und er war einfach nur da , hat mich umarmt , hat meine Hilflosigkeit wahrgenommen .
Ich hätte auch verstanden , wenn er verbal um sich geschlagen hätte im ersten Moment .
Das hat er aber nicht .
Verständnisvoll war da vielleicht das falsche Wort .
Denn "verstanden" hat er das natürlich nicht , warum jemand soooo viel Kohle quasi zum Fenster rauswirft .

@Olli , Danke für deine ehrlichen Worte und deinen Blick auf die Dinge .
Verständnis für mich selbst ist grade noch schwierig, aber du hast Recht , dass ich daran arbeiten sollte.

Ich nehme mir vor spielfrei zu bleiben nur für heute -   Von der Seite hab ich das ehrlich gesagt noch gar nicht betrachtet .
Jeden Tag eine neue Entscheidung für mich und das Leben , was ich führen möchte .
Und nicht eine , aktuell kaum tragbare, Entscheidung für immer .
Danke dafür - ich werde versuchen , dieses Mantra als Motivation zu nutzen .

Ich bin ehrlich , ich hab richtig Schiss vor dem Termin bei der Beratungsstelle.
Ja , ich hab den Termin gemacht , weil ich weiss , dass ich das alleine nicht auf Dauer schaffe .
Damit ich nicht kurz vorher einen Rückzieher mache , wird mein Mann mich zu dem Termin bringen und anschliessend wieder abholen .
Nur beim ersten Termin , danach schaff ich das sicher auch alleine...
Bin ja schon gross ... manchmal 😉

Liebe Grüsse

Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Olli am 14 April 2026, 13:51:31
Hi Isa!

Wenn Du ein wenig üben möchtest, dann komme doch am Samstag in das Webmeeting. Installiere Dir den kostenlosen Zoom-Client und dann klickst du kurz vor 19 Uhr oben auf er Seite hier auf den Button "online".

Du hast sicherlich vieeeele Fragen. Quetsche uns einfach aus ...

Vor dem Termin brauchst Du aber gar keinen Bammel haben. Das Einzige, was er ist, das ist "neu". Es ist eine neue Situation für Dich. Im ersten Termin geht es erst einmal ums Kennenlernen. Das braucht seine Zeit und in den folgenden Terminen wird dann darauf aufgebaut. Du wirst viele Werkzeuge benutzen lernen und Du wirst auch Hausaufgaben bekommen. Dazu bist Du noch nicht zu groß! :)

Da ich es lange nicht mehr angebracht habe ... es gibt eine Star Trek Folge, die da lautet: Das unentdeckte Land!
Eigentlich war damit die Zukunft gemeint, doch ich als Vermesser dachte zuerst an eine Landkarte mit weißen Flecken darauf. Als ich damals abstinent wurde, da sah ich mich als diese Landkarte an und die weißen Flecken, waren mein unentdecktes Land. Also habe ich mich auf Entdeckungsreise begeben. Und wie es nun mal so ist, solch eine Entdeckungsreise endet eigentlich nie und sie bleibt trotzdem immer spannend. Hier nun darf ich Dich auf Deiner Entdeckungsreise begleiten - wir dürfen Dich begleiten!
Von Deiner Warte aus betrachtet ... Du bist nicht alleine ... jeder braucht nicht jede Erfahrung selbst zu machen und auch Du darfst Dich einfach aus diesem Pool bedienen.

Dabei wird Dir dies sicherlich das ein oder andere Mal durch den Kopf gehen:

ZitatVon der Seite hab ich das ehrlich gesagt noch gar nicht betrachtet

Ich weiss gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon gedacht habe ...

Das Schöne daran ... nur durch die Änderung des Blickwinkels wird etwas nicht automatisch "falsch". Mein Glücksspielverhalten war nicht falsch ... es erfüllte einen Zweck. Psychologen beschreiben die Ausübung der Sucht als einen Versuch der Selbstheilung. Ich selbst sage immer: Ich habe eine Dienstleistung bestellt und bezahlt!
Die Dienstleistung bestand aus: Beständigkeit und Zuverlässigkeit - der Automat war immer für mich da - und er war überall anzutreffen. Bestätigung - "Freude schöner Götterfunken" wurde nur geblechträllert, wenn ich das Risiko eingegangen bin und dann auch noch erfolgreich war. Zeitvertreib - ich habe die Zeit vertrieben, in der ich sonst meinen eigenen Gedanken ausgesetzt war. Freude, Ärger, Hass und Euphorie - ich wollte mich fühlen und das am besten extrem. Endorphinausschüttung - wenn man sonst keine Drogen zu sich nimmt ... ;)
Es fällt mir sicher noch das ein oder andere ein, wenn ich mich weiter damit beschäftige. Die soll es nur einen Ansatz geben nach der ultimativen Frage, die Dir sicherlich auf der Seele brennt, dem WARUM?!
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: mutze am 14 April 2026, 15:34:51
Hallo Isabell

Ich habe meinem Mann auch nach einer gewissen Zeit gestanden das ich viel Geld verspielt hatte, er hat bei mir nicht so verständnisvoll reagiert wie bei dir.
Er war stinke sauer auf mich und hat mir gesagt, wenn ich es noch mal mache, dann würde er sich trennen.

Und wie es bei einem Süchtigen nun mal ist bin ich Rückfällig geworden und habe wieder viel Geld verspielt und Schulden aufgebaut.

Du hast natürlich Glück wenn Dein Mann dich begleitet und ich hoffe Ihr könnt darüber reden.
Ich drücke Dir die Daumen und hoffe für Dich das Du Spielfrei bist und bleibst.

Dies erstmal von mir

Lg Mutze
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 15 April 2026, 12:28:14
Hier ein Gruss aus der Mittagspause 😊

@Olli - sehr gerne nehme ich euch mit auf meine persönliche Entdeckungreise !!
Alleine war ich noch nie gerne unterwegs ...

Beim Zoomtreffen am Samstag werde ich am Start sein , danke für den Hinweis !

@Mutze , die Reaktion deines Mannes ist hart , aber nachvollziehbar leider .
Ich bin ehrlich , ich weiss nicht , wie ich reagiert hätte , wenn die Geschichte andersherum gelaufen wäre und mein Mann mir diese Sache hätte beichten müssen .

Ich bin wirklich dankbar , dass er so viel mit mir bespricht , hinterfragt und sich auch im Netz informiert , wie es jetzt am besten weitergehen kann.


So , die Arbeit wartet ... Ich melde mich später sicher nochmal .
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 15 April 2026, 21:25:20
So , für heute ist Feierabend .
Ein recht voll gepackter Tag mit Arbeit , Haushalt , Vorstandstreffen geht zuende und irgendwie fühlt sich grad alles komisch / falsch an .
Dinge zu machen, die ich immer gemacht habe , als wäre nichts gewesen .
Als wäre nicht gerade alles zusammengebrochen.
Die Fassade nach aussen aufrecht halten ? Ist das richtig oder falsch ?
Wie offen sollte ich mit meiner Situation umgehen ?
Natürlich ist das kein Thema für jeden und überall .
Aber macht es evtl Sinn mehr Leute einzuweihen , auch als Schutz , dass die mich irgendwie mit im Blick haben ?

Oder ist das eher zu viel Druck , wenn ich mich ständig "beobachtet" fühle ?

Das sind Dinge , die ich jetzt nicht sofort entscheiden muss , aber es beschäftigt mich in jeder Begegnung .



Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: TAL am 16 April 2026, 00:02:32
Ein schwieriges, und auch sehr kontroverses Thema.

Nur der Partner? Familie? Freunde? Ein generell offener Umgang? Jeder zieht die Grenze da anders.
Ich denke, wie weit man mit der 'Offenheit' geht, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Du mußt wissen, wo es dir hilft, weil du weißt, daß jemand drauf achtet; und wo es für dich zur unangenehmen Belastung wird, weil du das Gefühl bekommst, unter Beobachtung zu stehen.

Also richtig, das solltest du dir gründlich überlegen.
Denn wie du ja bereits sagtest... man möchte auch nicht das Gefühl haben, sich ständig rechtfertigen zu müssen, selbst wenn das nicht bewußt geschieht.

Meiner Meinung nach ist etwas 'Fassade' in so einem Fall okay. Die meisten Menschen geht das nichts an. Und es ist ja nun auch nicht so, daß ich die Frage "Bist du spielsüchtig?" jemals fälschlicherweise mit Nein beantwortet hätte.
Denn sie ist mir ganz einfach noch nie gestellt worden.

Warum also sollte ich das ändern wollen?

Aber das mußt du ja auch nocht sofort entscheiden.
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Olli am 16 April 2026, 06:39:39
Guten Morgen Isa!

Ja, das Leben geht weiter, auch ohne Suchtausübung ... Ist das nicht schön?

Was ist die Fassade eigentlich? Die Dinge, die Du da aufzählst, um ggf. einfach nur zu funktionieren? Oder ist die Fassade doch eher die Glücksspielsucht mit ihrem Verheimlichen, den Lügen, den Gedanken rund um die Geldbeschaffung, dem Freuschaufeln von Zeit fürs Spielen, die Vorfreude, die auch schon nichts weiteres als Zocken ist, das Zocken selbst?

Wer bist Du von alldem wirklich? Und was ist Schein?

Offenbare Dich den Menschen, denen Du am Herzen liegst und umgekehrt. Es geht dabei nicht nur um Dich, sondern auch um sie. Hast Du Dir schon einmal bei einem von ihnen Geld geliehen? Oder haben sie mal etwas bezahlt, weil Du gerade klamm warst? Selbst wenn dem bisher nicht so gewesen ist, so könnte es in Zukunft sein, sollte das mit der Abstinenz nicht so klappen, wie Du Dir das vorstellst. Die Sucht ist progressiv, sie schreitet voran, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird.

Damals war ich in einem Dartverein und wir spielten einmal im Monat Mann gegen Mann, Waren wir 14 oder 17 zu der Zeit? Ich weiss es nicht mehr. Eine Freundin hatte gerade den Psychologischen Berater gemacht und sie wollte ihr frisches Wissen anwenden. Und so fragte sie nach, da ihr aufgefallen war, dass ich nicht mehr spielte. Vorher lief der Automat in der Kneipe immer mit. Wir setzten uns an einen Tisch und wor unterhielten uns. Einer nach dem Anderen kam dazu und auf einmal dartete niemand mehr. Alle hatten sich zu uns gesetzt und lauschten unseren Worten.

Niemand hatte sich getraut mich vorher anzusprechen, als ich noch spielte. Niemand wollte in meinen höchstpersönlichen Bereich eintreten und ggf. eine unangenehme Situation hervorrufen. Bei Einigen war daher Erleichterung in ihren Gesichtern zu lesen. Ob das wegen mir war? Oder ihren eigenen Gedanken? Es war nicht wichtig, denn sie waren in diesem Augenblick da.

Wir Menschen leben in unserem eigenen kleinen Universum. Normalerweise überschneiden sie sich, sodass eine soziale Gruppe auch funktionieren kann. Ein Süchtiger reduziert aber diese Überschneodungen und merkt dabei oft selbst nicht, dass er sich von der Realität der Anderen entfernt hat. Glaubst Du denn wirklich, dass Dein Glücksspielverhalten sich nicht auch generell auf Dein Verhalten ausgewirkt hat? Kamst Du nicht schon mal zu spät zu einem Termin, weil "die Serie" Vorrang gehabt hat? Hast Du deswegen gelogen?

Ich lebe alleine, doch was würde geschehen, wenn ich doch noch den Deckel zu meinem Pott finde?
Ich würde definitiv Auskunft darüber erteilen, dass ich lange Zeit gespielt habe. Mein Deckel soll selbst entscheiden, ob sie eine Beziehung mit einem Spieler eingehen möchte, selbst wenn dieser langjährig spielfrei ist. Es ist meine Aufgabe und auch meine Pflicht, diese Informationen herauszugeben. Ich brauche mich meiner Sucht nicht zu schämen. Oder würdest Du Dich schämen, wenn Du Dir ein Bein brichst? Ich schäme mich auch nicht, dass ich ein Schieler bin. Gut, die Bänder sind mal gekürzt worden, sodass man mir nur noch bei Müdigkeit mein Schielen ansieht. Wie oft muss ich meine Freunde fragen, ob sie mir den Flight beimm Darten wieder aufstecken möchten, weil ich es einfach nicht sehe, ob der Schaft gerade offen oder zu ist. Es ärgert mich, dass ich das nicht sehe, aber schämen tue ich mich nicht deswegen.

Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 16 April 2026, 09:02:09
Guten Morgen,
heute startet der Tag entspannt , weil ich Donnerstags immer erst später zur Arbeit muss .
Eine ganze spielfreie Woche liegt hinter mir und erlaube mir auch heute spielfrei zu sein .

Tal , danke für deine Sicht auf die Dinge . Ich lass das erstmal alles noch ein bisschen sacken und entscheide dann , mit wem ich darüber sprechen mag .


Mein Mann hat seine Eltern eingeweiht und er wird auch mit seinen besten Freunden darüber sprechen . Das ist gut , er muss ja auch mit jemandem reden können , der nicht direkt betroffen ist .


Olli , mir gefällt , wie du schreibst und denkst . Egal , was ich hier bisher von dir gelesen habe , es war immer ein Denkanstoss für mich dabei .
Ich erkenne langsam , dass das Thema Spielsucht noch viel grösser ist , als ich je gedacht hätte .
Es ist nicht nur das Spielen , die Lügen , das verlorene Geld .
Es ist so viel mehr .
Warum ist es so weit gekommen ?
Was hat mich dahin gebracht ? Was hat mir in meinem Leben gefehlt , oder welche Lücke habe ich mit dem Spielen versucht zu Schliessen ?
Und aktuell fast noch wichtiger , wie schliesse ich jetzt die riesige Lücke , die durch das "nicht mehr spielen" entstanden ist ?

Ich empfinde bisher keinen Spieldruck , aber da ist immer wieder der Gedanke, dass jetzt ein Moment wäre , in dem ich eigentlich gespielt hätte .

Jetzt zum Beispiel , mein Mann ist zur Arbeit , die Mädels zur Schule / Ausbildung . Ich bin mit dem Hund alleine zuhause und es steht nichts an . Das wäre ein absolut typischer Moment mich für 1-2 Std dem Spielen zu widmen .
Diese Zeit muss neu gefüllt werden .
Gerne mit etwas Schönem 😅
Aber auch die gefühlte innere Leere muss neu gefüllt werden .
Das wird kein Spaziergang .
Aber das möchte ich Schritt für Schritt angehen .

Die Angst vor meinem Termin am Dienstag bei der Suchtberatung ist weniger geworden .Ich freue mich fast ein bisschen , weil auch das ein klitzekleiner Schritt auf dem Weg in mein besseres Leben sein wird .


Euch allen einen schönen Tag

Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: andreasg am 16 April 2026, 10:21:47
Hallo Isabell,

schön, daß Du den Tag genießen, gewinnen magst. Beim Lesen kam ein Gedanke in mir auf: Schrebergärtnern! Des sichere und probate Weg suchtkranker Menschen! Will jetzt nicht meine Erfahrung damit teilen, aber ich habe vier real vorhandene Anhaltspunkte gefunden:
1. der treue Kamerad, der seinen Ausgang verlangt, und Dir eine Hunderunde an der frischen Luft verordnet. Gerade der Buzug zu Haustieren bietet eine starke emotionale Bindung.
2. die Frage nach dem "wieso, warum, welhalb". es ist blöde, daß die Antworten manchmal später kommen, oder auch gerade dann, wenn es nicht erwartet wird. Die Fragen wegzudrücken könnte belastend für das Selbstbild sein. Was hilft, ist das Schreiben, und bei mir geht das nicht einfach tabellarisch, ich halte mir immer wieder meine Lebensgeschichte vor Augen. Heute weiß ich, daß ich keine andere Chance hatte, ich mußte spielsüchtig werden, aber in der Erkenntnis derer bin ich auch Heute stabil spielfrei.
3. Die Töchter sind in der Schule, in der Ausbildung, vielleicht noch in der Pubertät? Ich interpretiere einmal, sie brauchen jetzt gerade eine starkes Elternbindung, auch wenn sie ihr Leben jetzt autark gestalten mögen. Ein pragmatischer Gedanke ist, gemeinsam die Schularbeiten, gemeinsam die Chgancen im Berufsleben durchzugehen, eben eine stabile Mutter zu sein.
4. das allerwichtigste, die anhaltende Ruhe im Herzen! Einfach einmal Pause machen, Entspannung suchen, und in ihr die Wahrheit und Frieden in sich selbst zu finden, ein gutes Buch zu lesen, eine schöne Musik anhören, draußen die Natur genießen, was alles an erbaulichem Dir gegeben wird.

Das wünsche ich Dir

Andreas
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Olli am 16 April 2026, 13:30:13
Hi Isa!

Ja, ich möchte gerne einen Kontrapunkt zu den zumeist düsteren Gedanken der Spieler setzen. Auch möchte ich informieren, was ich im Laufe der Zeit alles so aufgeschnappt habe. Es "erklärt" so Vieles ...

Wenn ich an meine Zeit zurückdenke VOR meiner Abstinenzentscheidung, da konnte ich mir nicht vorstellen ohne Glücksspiel zu sein. Was sollte ich die ganze Zeit wohl tun, die ich bisher mit Dingen rumd ums Glücksspiel verbracht habe. Dieses Loch, welches sich da auftat, war bodenlos.

Doch dem entgegen stand ein Widerwille weiter zu machen wie bisher. Viele Monate habe ich mit mir gerungen und habe weiter gemacht. Doch als ich an einem Tag fast wieder mein ganzes Gehalt verspielt hatte, da hatte ich die Nase gestrichen voll. Punkt 0 Uhr, ich war gerade aus der Halle gekommen, stand ich vor der Tür und schaute auf die Uhr, entschied ich mich spielfrei zu werden. Wie? Keine Ahnung! Was ist mit dem Loch? Schnurzpiepeegal!

Zwei Monate später berichtete ich meinem Vater, dass ich nun spielfrei sei ... und flog raus, weil er gedacht hatte, ich wäre schon längst spielfrei. Zwei Wochen später war ich wieder daheim.
Aber was geschah mit dem Loch? Es füllt sich mit ... "Alltag" ... mit "Leben" ... :)

Was Du hier beschrieben hast, das kenne ich als "Langeweile". Ich bin in einer Handwerkerfamilie aufgewachsen. Mein Vater hat immer im Akkord gearbeitet. So bekam ist den Wert eingetrichtert: Wer etwas werden möchte, der muss die Fingerchen gehen lassen!
Also packte ich meine Zeit voll ... nur eben war nichts dabei, bei dem Langeweile aufgekommen wäre.
Stress im Alltag, Stress in mehrern Nebenjobs, auch beim eigenen Vater, Stress im Tambourcorps ... habe ich versucht auszugleichen mit Stress im Glücksspiel.
Mittlerweile weiss ich aber mit Langeweile umzugehen ... dem Moment, wo ich mit mir selbst konfrontiert werde! Langeweile ist nichts Schlechtes. Also fülle Deine Zeit mit Dingen, die Dir Spaß machen, oder genieße Deine eigene Gesellschaft! :)
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 17 April 2026, 06:47:15
Guten Morgen

Andreasg , danke für deinen Input . Das werde ich mir alles durch den Kopf gehen lassen .
Besonders der 4.Punkt , die anhaltende Ruhe im Herzen bewegt etwas in mir.
Davon bin ich grade noch meilenweit entfernt , aber da möchte ich gern hinkommen .

Olli , ja die Langeweile macht sich breit . Dabei würde ich gar nicht sagen , dass ich nicht durch meinen normalen Alltag ausgelastet bin . Ich denke ich muss lernen , die kurzen Auszeiten zwischendrin wieder zu geniessen , statt sie ( wie aktuell ) als Gefahr zu empfinden .


Heute Morgen haben mein Mann und ich einen Termin bei der Bank bzgl einer eventuellen Umschuldung . Das wird sicher kein einfaches Gespräch, aber ich muss mich der Situation stellen.

Der restliche Tag wird ruhig , wir bekommen heute Abend Besuch von 2 befreundeten Pärchen .
Wir haben einen Hitster-Abend geplant , das wird bestimmt ein guter Abend .

Euch allen einen guten Start ins Wochenende 😊
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 17 April 2026, 08:39:20
Kleine Planänderung für heute .
Grad kam ein Anruf von der Bank , unser Berater ist krank und der Termin wird auf Dienstag verschoben .

Das heisst für mich , bis heute Abend hab ich nichts vor ...
Ein paar Vorbereitungen für heute Abend , aber ansonsten einfach nichts ...

Schnapp mir jetzt erstmal den Hund und geh vor die Tür
Titel: Antw:Isas Tagebuch
Beitrag von: Isabell80 am 18 April 2026, 08:44:33
Guten Morgen
Gestern war ein schöner Tag , ich hab den ganzen Tag mit putzen , einkaufen, kochen und dann mit unseren Freunden verbracht . Wir haben bis ~ 2 Uhr nachts gequatscht und Hitster gespielt .

Heute Vormittag treff ich mich mit einer Freundin , für den restlichen Tag hab ich mir vorgenommen ein bisschen zu entspannen und vielleicht ein Buch zu lesen.

Schönen Samstag euch allen